Monatrbeilage: „Mdaer SeschlchkblStter
Fulda, Tonncrstaq, den 21. Dezember woä.
frld-dnt töattch, mtz Husnabmt bet Sonn» yno Xtiertogt. Viertel» jährt. Bejugsptei« »tzite vringeelohn und Beneilgelötnxulia und auswärt« < Ml 5U psg.
Kolatieusotud tu Verlag otr <nl»aet üc» tiendruaerel in Xuida. Sernfprt her Nr. 9.
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wod)enMtoge: „Illustrierte Sonnfagsjeiftntg
Krstes ■gälatt
Di? Liberalen und das vottsschulgesetz.
Auf eine Wiederholung des Lärmes, der sich im Jahre 1892 gegen den Schulgcictzeutwurf des Grafen Zedlitz in den liberalen Kreisen Preutzens und autzerhalb Prentzens erhob, hat man diesmal gegenüber dem Volksschulunterhaltungsgesetz von vorneherein verzichten müssen. Eine kurze Weile zeigte sich allerdings anch im nationallibera- len Lager Geneigtheit, den Lockungen de' Radikalismus zu folgen und eine umfassende Tenwn- stration zugunsten der Simultaiischule ins Werk zu setzen. Aber die besonneneren Elemente des Nationalliberalismus sahen bald ein, datz d!t Grundlage für --ine solche Demonstration diesmal nicht gegeben sind. Ter von der Negierung dem Ab- geordnetenhai'se vorgelegte Gesetzentwurf k o.m m t den Wünschen des Nationallibera- l i s m u s s o w e i t e n t g e g e n. datz die Redensart von der „Auslieferung der Schule an die tirdjc" diesmal auch beim besten Willen nicht an» ,»wenden ist. Wenn auch nicht alle geheimen Wünsche der Nationalliberalen in Bezug aus die Volksschule erfüllt sind, so ist doch der Simultan- schule ein so breiter Spielraum vergönnt, datz em Mehr in dieser Hinsicht unzweifelhaft ein Abschwenken der Konservativen und damit das Scher- tern der Vorlage hätte nach sich ziehen müssen. Die Folge dieses Scheiterns aber wäre die Bit- standebrinaung eines Cchnlnnterhaltnngögesetzeö durch Konservative und — Zentrum gewesen.
Dieser Gedankengang machte die National- liberalen stutzig und liest sie eine Teilnahme an dem geplanten allgemeinen liberalen Feldzuae ab- Hjneit. Wenn jetzt noch einige nntionallibcrnle Ingen dver-nie Lust zeigen, diesen Feldzug zu inaugurieren. so ist das nur ein Rückzugsgefecht. In gleichem Sinne ist auch das Bestreben ter Nationalliberalen zu deuten, die Zugeständnisse des Gesetzentwurfs in Bezug auf die Simultanschul- als ungenügend hinzustellen. An ein g e s ch l o f- jenes Vorgehen der Liberalen gegen den Schulunteehaltungsgesetzentwurf ist also nicht mehr zu denken. Vom Liberalismus bleibt nur noch der Freisinn auf dem Kampfplatz, der seinen Grundsatz von der interkonfessionellen, d. h. religionslosen Schule bedroht sieht. Er ftdu Seite an Seite mit der Sozialdemokratie, die gegen die „Vermntterung der Volksschule" alle Schimpfregister gezogen hat.
Um die Lücke, die durch das notwendige Fernbleiben des Nationalliberalismus geschossen würde, wenigstens einigermatzen anszufüllen, macht man jetzt in radikal-liberalen Kreisen den Versuch, die gen gegen die Vorlage mobil zu mache». Es ist kein erhebendes und kein tröstliches Schauspiel, zu sehen, wie die Lehrerschaft in einem bedenklich weiten Nm'ange von einem falschen Liberalismus angesteckt ist.
Nur mit Bedauern kann man konstatieren, datz ein erheblicher Teil der Lehrerschaft sich theoretisch für ein Schulsrstem erklärt, das mit der Aufrechthaltung des Eiuslustes der Religion auf unser Volksleben unvereinbar ist. Diese Wahr- nehinnng kann unseres Erachtens aber nur d i e Gründe verstärken, die für die grundsätzliche Erhaltung unserer Volksschule als Konfessionsschule sprechen, liniere Pädagogik scheint tm Argen zu liegen, sonst könnten derartige Kund- gebimgeu nickst aus Lehrerkreisen kommen. Um s o e r s r e n l i ch e r ist es, datz ein grober Teil der Lehrerschaft, in erster Linie die katholischen Lehrer- veretne, sich aus die Seite der Konfession s- s ck, ii I e stellt. Ihre Stellungnahme fällt schwerer ins Gewicht, als die der liberalisiermden Lehrer,
Klohvoch.
Lustige Eriniierungen aus meiner Dienstzeit von Haus Marti».
6] (Nachdruck verboten.)
(Schlutz statt Fortsetznng.)
„Sie sind ja ein ganz niederträchtiger Lügner, glauben Sie, wir wützten nicht ganz genau, was für einen sauberen Patron wir erwischt haben? Raus mit der Wahrheil, oder ich lasse Sie krumm- schlietzen. Also, Sie heitzeu?"
„Otto Nenmeister", und ohne die weiteren umständlichen Fragen abzuwarteii, erzählte Neumeister seine Leidensgeschichte und bat zum Schlutz, den Restanratenr Römer, der ihn bei Licht sicher wieder erkennen würde, herbeizuholen, damit ihm Gelegenheit gegeben würde, sich ausweisen zu können.
Staunend hörte man ihn an, ab und zu versuchte der Wachtnieister ihn zu unterbrechen, verbot ihm schließlich weiter zu reden, aber Neumeister ließ sich nicht irre machen, sondern erzählte seine Geschichte bis zum Ende.
„Tas ist ja die reine Humoreske, die Sie uns da aufgetischt haben", meinte mit grimmigem Lächeln der Wachtmeister, „und man sollte wirklich lachen, wenn die Sache nicht so bitterer Ernst wäre. Soldat sind Sie also? ohne Urlaub aus- geriickt, dazu in Zivilkleidern, um im Cafee Römer einen vergnügten Abend zu verleben? Glauben Sie denn, datz Sie uns hier solche Märchen aufbinden können? Wir wisien ganz genau, was Sie sind: — ein langst gesuchter Zuchthauskandidat. — Ueberlegen Sie sich's heute Nacht dort in dem stillen Kämmerlein noch einmal, und morgen früh, da jagen Sie uns dann hübsch die Wahrheit Im übrigen kommt ja morgen die Batterie hier durch, da werden wir ja sehen, ob sie einen oder zwei Fahrer zu wenig hat. Und nun gute Nacht.
die sicherlich, für ihre Anschauungen andere als rein pädagogische Gesichtspunkte niatzgebend fein lassen.
Auch die Gegnerschaft einiger Städtever- w a l t u n a e n ist nicht allzu ernst zu nehmen, denn sie ist diktiert von einer Interessen- politik , die nickst nach großen Zielen geht. Wir Hegen nicht die Befürchtung, datz diese Gegnerschaft weite Kreike ziehen wird. Schon Heute darf man sagen, datz der liberale Anlauf gegen das Volls- schulgeseb dazu bestimmt ist, im Sa nde zu verlaufen.
Deutsches Reich.
Berlin, den 20. Dezember 1905.
• Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 19. d. M., wie der ,Reichsanz' meldet, die Vor- laaen brlr. die Revision des internationalen Ueher- einkommens über den Eisenbahn. Frachtverkehr und betr. die Derleihunq von Korporationsrechlen an die mit dem Sitze in Berlin gegründete „Pflanmnas. Eekellfchasl Kpeme in Togo" den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Ter Gesetz- enlnmrf we en Wertbestimmung der Einsiibisck eine im Zolltarife winde angenommen. Dem Perbande ländlicher Genosienscha'ten Raiffeisenlcher Orga- niialion für das rechtsrheinische Bayern wurde das Recht zur Bestellung M Renjsors verlieben.
♦ General v. Trotha, der bisherige Ober- kommandierende in Dentsch-Südwestasnka wird, wie verlautet, bei der Beratung des vierten vlach- tragsetats für Südwestafrika im Reichstage zn den Angriffen auf seine Kriegführung Stellung nehmen.
Zu den Auseinandersetzungen zwischen dem Zentrumsabgeordneten Errberoet und dem Leaalionsral Helfs er ich nimmt das .Berliner Tageblatt' in einem Leitartikel Stellnna. in welchem es u. a. aussübrt: Ter Abg. Erz. berger habe mit Recht darüber geklagt, daß von ber" baren Entschädiaung des Kamernn-Esien. bahn-SyndikatS in der Budgetkommission keine Mitteilung gemacht worden sei. Roch sonder- batft sei die „Provision" von 360000 Maik, welche das Syndikat in Aktien erhalten habe. Eine Provision in dieser Höhe, sie mache 2*, aus, weide auch in der Geschäftswelt als „sehr anftänbia", nm nicht zu sogen, a!s „sehr ge- schästsmäßig" anae'ehen. Da bas .Berliner Tageblatt' bie Namen bet Mitglieber des Syndikats, die der Abgeordnete Erzberger schon im Reichstage genannt hat. «urteilt, u. a. den Füllten zu Holfenlohe-Oeluingen, den Herzog zu lljest, den Herzog Ernst Günther zu Schleswig. Holstein, so wird die Kritik, die das genannte Blatt mit dieser Bemerkung übt. leicht eikenwtich.
Zur Frage des deutsch-amerikanischen Handelsvertrages äußert sich bie »DeuNche Tageszeitung', inbem sie sich mit Schärfe geoen ein Provisorium erklärt. Auf ein folcbes bürse sich bet Reichstag keinesfalls unb keineswe s einlaffen. Die Spuren bes beutscis-cngli'chrn Provisoriums sollten boch genüaenv abschrecken. Gelinge es nicht, bis zum 1. März einen vet- stänbie.en Gegenseiiigkeitstorif zustavbe zu bringen, so müsse ben Bereinigten Staaten geoenüber bet autonome Zolltarif in Kraft treten. Dos würbe ein weit kleineres Urhel fein, als bet Abschluß irgenb eines Provi'ortums, — Vorläufig bars man noch an bet Hoffnung festhallen, baß es auf iraend eine Weise gelingt, ben Vertrag mit ben Vereiniaten Staaten zustande zu bringen
mein Sohn, wach'» Dir auf Deiner Rotzhaarmatratze recht bequem."
Die Tür einer kleinen vollständig dunklen Zelle wurde geöffnet, wieder geschlossen und Neu- meister befand sich mit sich und seinen Gedanken allein. Lange stand er aufrecht, dann setzte er sich auf die niedrige Pritsche und — weinte bitterlich. Das wat zu viel, selblt für ihn, der so leicht die Ohren nicht hängen ließ.
Für wen hielt man ibn? Wilde, schreckliche Gedanken von Kriegsgericht, Standgericht, Festung, Degradation, zweiter Klasse des Soldatenstandes und all die schrecklichen Sachen, die die Kriegsartikcl ausmachen, durchtobteii fein armes Hirn. Dazwischen sah er das bleiche, verhärmte Antlitz seiner kränklichen Mutter, die mit Selm- sucht ihren Einzigen erwartete. Er hörte ihre letzten Abschiedsworte: „Bleibe stets auf graben Wegen" — und nun? Ein krampfhaftes Schluchzen schüttelte ihn. — Erschreckt fuhr et auf. — „Memme!" Hatte er das nicht noch vorhin zu Palmie gesagt, als dieser nur einige berechtigte Bedenken laut werden lieft? Wenn ihn dieser Palmie in seiner setzigen Mutlosiokeit sehen würde, verachten mutzte er ihn, ihn seinen Vorgesetzten, ben Königlich preußischen Gefreiten. Neumeister svrang auf, warf sich in die Brust, trocknete sich mit den Enden des roten Schnupftuches, das er um den Hals hatte, die dicken Tränen von den Backen, versuchte zu lachen, schnitt dabei aber nut eine verzweifelte Grimasse. — Wo? der Geschützführer wob! sagen würde, wenn ihm Morgen sein Vorderreiter fehlte, und nun erst der „Deutsche"? Hatte ihm der doch schon einmal gesagt, als et sich ein kleines Vergehen hatte zu Schulden kommen lassen, indem er Königliche Montierungsstücke öffentlich in harmloser Weise mit Lumpen bezeichnete: „Hier haben Sie 5 Pfennig, gehen Sie hin. kaufen Sie sich eilten Strick und bangen sich auf/ Daran wat nicht zu zweifeln, der Wachtmeister würde ihn sicher auf Festung bringen. Neumeister. Neumeister, da hast du dir eine.....
Daß das keinesfalls ohne weseniltche Zugestäub- mffe seitens ber Vereinigten Staaten geschehen kann, hat bet Abg. Herold (Zentrum) in bet vorigen Session bes Reichstages unter Zustim- mnng bet Bei tretet bet meisten anbeten Par« leien beutl.ch genug erklärt.
* Ein kolonialer Systcmwechsel wirb von einet Beilmet Korrespondenz angekunbigl. In kolonialen Kreisen sei man allgemein unb mit Recht überzeugt, baß bie Heirnberusung bes Gou- ve.neuls v. Pultkamet mit seiner enbgtlltaen Abbentsung identisch ist. Diese Abberutung. der eine Reihe wei eret, wichtiger Pnionalverände- rungen folgen sollen, werbe in ben leitenden Regierungskreisen als bet Wendepunkt in bet Ber- waltung nn'eres Kolonialbesitzes betrachtet. Weder bas System Leutwein noch bas Syltem Putt- kamet. d e beide gründlich Fiaslo gemacht hätten, solle in Zukunft in ben Kolonien sta.isinden. Es solle gewiss rm ßen ber Typus eines neuen Gou- veineurs nach englifchem Borbilb geschaffen werben und baut sei mit bet Betusung des Henn v. Linbequist auf ben Gouverneursposten von Südwestaslika ber Anfang unternommen. Damit werde denn oudi für imm t bie Mögl chkeit beseitigt fein, baß hervorragenbe Posten in den K >- Ionien mit Männern besetzt werben, bie weder Aber bie erforbeiliehe Begabung unb die be on- deren Sachkenntnisse, noch übet bas Mindestmaß der zu verlangenden Charaklereigenschaflen rer- fügten unb für sich nur bie Zuhellrgkeit einer günstigen verwandlschastlicben Konjunktur anführen konnten. Der Kaiser habe sich genau über alle hier in betracht fontmenben Fragen unterrichten lassen, sowohl burch zahlreiche Bor- träge wie burch periönliches Studium, lind er habe dabei eigenen Aussprüchen nach die Etnftchl gewonnen, baß es uns immer noch an ber ge- nügenben Anzahl von Männern fehle, die geeignet wären, einen engeren Anschluß unierer nicht europäischen Dezenbenzen an bis deutsche Acutlei- lanb herbeizufiihren. Et habe fern r bem festen Willen Ausdruck gegeben, baß in Zukunft nicht nur bie boirenbcn Gelbausgaven vetmteben werben müßten, bie bie letzten" Ausstände verursacht hätten unb noch verursachen würden, sondern vor allem auch, baß nicht wieder so viel deutsches Blut in Kämpsen eingesetzt werben bü'.fe, wo bie Eigenart bes Landes und bie Fecktweiie ber Ein- geborenen Faktoten schufen, bie notwendigetivesie Ower im Gefolge hätten, welche kaum mehr in einem Veihättnisse zu ben Zielen stäuben, denen sie pebratht würden. — Diese Anschauung war längst, wie bie Kotreiponbenz weiter miltnlt, *ie bes Reichskanzlers unb bieset habe auch bie lkeberlragung bet Kolonialverwaltung an ben Erbprinzen zu Hohenlohe veranlaßt, in bem er den Reorganisator unseres Kolon laltvetens sehe. Es ist nur nicht recht verständlich, warum denn Fürst Bülow so lange damit gewar'et hat.
♦ Der Danziger Bezirksverband der katholischen Arbeitervereine der in 12 Vereinen rund 4500 Mitglieder hat, scheibet rote ber .Germania' mitgeteilt wirb, aus bem Verbände der katholischen Arbeitervereine (mit vem Sitz in Berlin) aus unb schließt sich an ben Westbeulschen Verba nb (mit bem Sitz in M.-Glabbach) an. Die Veianlaffung baui ist bie fett dem Berliner Delegiertenlage 1902 von bet Berliner Verbanos- leitmiq einoeschlagene Richtung. besonders bie in bet KewerkfchastLfrage. Der betreffenbe Beschluß ist von ben 12 Vereinen des Danriaer Bezirks- verbanbes burchweg einstimmig gefaßt worben.
Er hielt in seinem Selbstgespräch inne, ein Rasteln an der Tür machte ihn anfhorchend, dieselbe Wurde eröffnet und es erschien die funkelnde Nase eines PoltzetWachtmeisters, umrahmt von einem mächtigen, grauen Boll bart.
„Kommen Sie mal heraus ans dem Loch," klang eine tiefe Bierbatzstimme, „will mir mal bei Licht besehen, was wir da für einen Vogel im Käfig haben. „Tonner-wetter", fuhr er fort, als Neumeister zum Vorschein kam, „der sckreint ja allerdings die Qualifikation für den Galgen zu haben."
Er hat geweint? Die Sache geht ihm wohl zu Herzen? Tas ist freilich nun zu spät. — Na, noch so jung und schon so 'n Erzlump. — Mein Kollege, der mich eben abgelöst hat, sagte mir, daß aus Euch kein vernünftiges Wort herauLzubringen wäre; ist das wahr?"
„Herr Wachtmeister," wollte Neumeister beginnen. „Ruhig! — erst rede ich noch. — Euere Ankunft wurde un» bereits von dem Stationsvor- steher in N. gemeldet. Man ließ euch nur an der Bahn passiereii, um euch Weiter zu beobachten. Später meldete uns der Restoikrateur Römer, daß ihr euch in verdächtiger Weife aus seinem Hofe bemerkbar gemacht hättet; was wolltet ihr da? — Nun aber die splitternackichte Wahrheit, wenn ich bitten darf."
Frei und offen erzählte nun Neumeister nochmals sein Mißgeschick. Der Alte hatte was in seinem Gesicht, was ihm Vertrauen erweckte, mochte es nun der Bart oder die rote Nase ober beides fein. Wiederholt bat er flehentlich, doch den Restaurateur herbeiholen zu lassen.
Endlich, nach verschiedenen Einwendungen, willigte dec Wachtmeister ein. Es wäre erst VA Uhr und wohl anzunehmen, datz Römer noch nicht zu Veit gegangen sei.
Erleichtert atmete Neumeister auf, am liebsten wäre er dem alten grauhaarigen Polizeibeamten um den Hals gefallen; jetzt würde doch alles gut werden, denn daran wat nicht zu zweifeln, daß
* Die Novelle betreffend das Knappschafts« Wesen. Dem preußttchen Abgeordneleuhaufe ift nunmehr auch die Begründung zu bem Ge- fetzentwurs betreffenb bas Knapp'chafisween zu- geganqen. Dretelbe we ft in bei Einleitung barauf hin, baß sich eine Revision bes au, bie Knapp- schaftsvereine hestehenben Titels be* allgemeinen Berggesetzes aus formellen und Sachlichen Gi ri^ben rechtfertige. ja als notwrnbig erweise. In sachlicher Hinsicht hanbele es sich insbe'ondere um bie Ausbehnmig bewahrtet Einrichtungen ber Reichsve» sicher ungsgefctze auf bie preuf tfeben Knappschaftsvereine unb vor allem uni die Befestigung von Mißstäuben, welche bei der Handhabung bet zur Zeit geltenden Bcstimmungeu sich bemerkbar gemacht haben. In der Begründung werden bann im Einzelnen die Erwägungen bar« gelegt, welche zu ben vorge'chlagenenAender ungen in Bezug aus die Organisation, die Aufbringung der Mittel, die Sichersteliung bet Leistungen bet Knapp,chastsvereine, bie Eiha'lung derAnspruche bet ausscheibenben Mitglieber uub bie Rechts« mit.el geführt haben. Die Begründung umfaßt nicht weniger als >0 > Seilen.
** Berlin, 20. Dez. 1905. Heute vormittag wohnte» der Kaiser und bie Kaiserin der Einweihung der evang. Taborkirche bei und begaben sich von da nach dem lö igsicheu Schlosse. Hier hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Z vck- kabinetls Wirklichen Geheime» Rats Dr. v. Lucanus. — Die Abberufung des deutschen Botschaners in Petersburg, Grafen v. Aloe ns le ben, wird vom .Reichsauzeigcr' nunmehr veeöffentticyt. — Dem Fürsten von Piep zu Pleß ist sürseinePerwn vom Kaiser die Herz« gswürdc verlieben worben.— Tas preußische Staatsministerium trat am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen. — Ter deutsche Gesandte in Peking, Frhr.Mnmm v Schwarzenstein, ist, wie mit Bestimmtheit verianiet, rum Eesaudien in Tokio ausersehen. Wer fein Nachfolger werden wird, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Der frühere Kolouialdirekiot Tt. Stütel, der für den Petiuger ttzesandtschafteponelr fltimmu wurde, soll, wte es jekt heiß', für den Ge« fandtichajisposten in Christkania in Aussicht ge« nommerr fein,
* Darmstadt, 20. Dez. 1905. Tie herben Häuser des hefsifchen Lanbtages haben sich gestern konstituiert. Tie erste Kammer wählte zu ihrem Präsibenien ben Grafen Görtz gen. Schlitz, zu Vizrpräslbenlen den Grasen Erbach-Fürstenau unb Frhrn. v. Heyl zu Herrnsheim. In ber zw.iien Kammer wurde Geh. Regierungsrat Haas (ml.) zum ersten Präsidenten gewählt. Zum ersten Bi.epräfidenten wurde ber Bauenrbünbler Köhler-Langsdorf, zum zweiten Vizepräsidenten Dr. Schmitt (Zentrum) gewählt. Als Schriftführer erwählte die Kommet den nationalliberalen Abg. Stöpler unb ben haueinhünblerischen Abg. Schmalbach. Der hisheiige Sch'istfühier. bet Sozialdemokrat Hirt*, erhielt nur 10 Stimmen. Heute nachmittag fand die feierliche Ei Öffnung bes Landtages im Thtonsaale bes Schlosses barch ben Gloßherzog statt. Die Mitglieber beider Häuser folgten sodann einet Emlabunz zur Ho,täfel.
Ausland.
* In Paris hat vom 14.—18. b. M. ber Kongreß der katholischen Bolkspartei („Aciion hl>erale popnlaire“) getnflt, welcher sehr stark besucht war unb unter bem Bor sitze des
der Mann seiner Landsmännin nicht alles daran setzen würbe, um ihn frei zu machen. —
Da kam der kleine viereckige Witt auch schon die zwölf Treppen pustend herunter.
Der Wachthabende erzählte mit kurzen Worten Römer die Behauptungen des Atrestauten und fragte ihn, ob er denselben kenne.
Gespannt hinge» NeumeisterS Augen an den Lippen des rundlichen Wirtes. Jetzt blickte Römer ibn scharf an:
„Allerdings habe ich, als die 4. Batterie deS N. Regimentes ins Manöver rückte, einen Landsmann meiner Frau Namens Neumeister in Pfleg« gehabt, die Grütze möchte auch wohl ungefähr stilnmcn, aber dieser Mann da ist nicht jener Neu- meister, — ich kenne ihn nicht." —
„Herr Römer," schrie da Neumeister, und feine Stimme klang säst wie in Todesangst, „Sie kennen mich nicht, nicht den Landsmann Ihrer Frau, der gebotenen Manger auf der Ziegelgasse in M., erinnern sich nicht mehr jenes vergnügten Abends, an dem Sie uns die lustigsten Streiche Ihrer eigenen Militärzeit erzählten? Jedes einzelne Stückchen könnte ich Ihnen wortgetreu wiederholen; bester Herr Nönier, besinnen Sie sich und machen Sie mich nicht unglücklich."
Römer betrachtete den Sprecher noch aufmerksamer. Die Stimme kam ihm bekannt vor, auch die Bewegungen der Arme, mit denen er seine Rede begleitete, aber das Gesicht? — Nein, nimmermehr, das kannte er nicht.
Plötzlich, wie eine Erleuchtung kam es »hm. trat er auf Neumeister zu, nahm ihm den Hut vom Kopf, fafet- ihn am Kinn und wendete die sinke Geitc V' es Kcp'es bem Bidiw zu. - Nichtig, d, war am Auge eine grobe, blutunterlaufene, frische Narbe, die von dem Hufschlag eines Pferde- her- rührte, und auch die Stellen, wo bie Fäden gesellen hatten, mit denen die Wunde f. Z. zujammenge- flickt war, wäre« noch deutlich zu erkennen. Vor vietzebn Tagen hatte an der Stelle noch ein Pflaster gesellen und die aanae Römetscke Stube, in der