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Grstes Wlalt.
[] Deutschland und Rußland.
In weiten Kreisen Deutschlands hegt man mit Recht lebhafte Besorgnisse über daS Schicksal deutscherReichsangehiiriger und deutscher Stammesbrüder indenrussischenOst- seeprovinzen. Nach allen vorliegenden Meldungen herrscht in großen Teile» dieser Provinzen völlige Anarchie, die sich in Plünderungen und Morden kundgibt. In Riga, in Mitan und anderen Städten sind die Sozialrevolutionäre Herren der Situation, und auf dein Laude hat bet fanatisiercnde Pöbel bereits zahlreiche Guts- Höfe eingcäschert und die Gutsbesitzer teils getötet, teils als Geißeln fortgesührt. Unter den Bedrängten befindet sich eine gtoßeAnzahlDeut- f ch e r, und unter diesen wieder verschiedene Neichsangehörige. Allem Anschein nach haben die Urheber der Unruhen und Ausschreitungen es verstanden, die Wut des Pöbels in erster Linie gegen die Deutschen zu kehren, und namentlich auf dem Lande scheint man als Unterstützung der auf Mord und Brand abzielcndcn Agitation auch die nationalen Gegensätze wirksam verwandt zu
haben.
Daß unter diesen Umständen die Frage erörtert wird, auf welchem Wege mau den gefährdeten Deutschen in den russischen Ostseeprovinzen Hilfe bringen könnte, ist natürlich. In einigen Köpfen scheint aber über die Grenzen einer solchen Hilfeleistung arge Unklarheit zu herrschen. Gewisse alldeutsche Organe und diesen verwandte Blätter spielen bereits mit dem Gedanken einer militärischen Intervention Deutschlands. Die „Staatsbürgerzeitung" geht sogar soweit, einen Einmarsch deutscher Truppen in Rußland als einen Vergeltungsakt für die Heimsuchung Deutschlands durch die Kosaken zur napoleonischen Zeit anzupreisen.
Durch solche Auslassungen wird nicht nur Verwirrung angestiftet in den Köpfen urtcils- unfähiger Einheimischer, sondern cs wird auch dem Ausland eine diesem willkommene Gelegenheit geboten, die Glaubwürdigkeit offizieller Versicherungen Deutschlands in Zweifel zu ziehen und om letzten Ende die Friedensliebe Deutschlands al- erheuätelt hinzustellen. F ü r st Bülow hat im Reichstage die N i ch t e i n m i f ch tt n g des Reiches in die inneren Wirren Rußlands mit so entschiedenen Worten erklärt, daß daran nicht zu rütteln ist. Warum die Erklärungen des Reichskanzlers auch in erster Linie gegen die böswilligen Behauptungen gerichtet, welche sich auf eine militärische Intervention Deutschlands in Russisch- Pole» zugunsten des ZarenregimcS (wogen, so waren sie doch so allgemein gebalten, daß über das Festhalten der Reichsregicrung überhaupt auch nicht der geringste Zweifel obwalten kann.
Dieses Prinzip wird auch irülst im mindeste» dtrrch den Umstand erschüttert, daß es sich jetzt um die russischen OstseeprovinM» und um die Gefährdung dou Deutschen dortselbst handelt. Niemand hat eine Einmischung Deutschlands in die inneren Verhältnisie Rußlands zugunsten der Deutschen in den russischen Ostseeprovinzen schärfer abgelebut, als s. Zt. Fürst Bismarck. Damals bandelte es sich allerdinaS um eine Einmischung, die direkt gegen die russische Stegicrunfl und ihre Maßnahmen gerichtet sein sollte. .Heute würde es sich um eine Intervention handeln, welche sich gegen die Feinde deS Zarenregiments kebrt. Aber eine Intervention bleibt Intervention. Das Wort Bismarck'?. daß jeder Deutsche, der sich im Auslände ansiedelt, dies auf eigenes Risiko tue, gilt auch beute noch, und es wäre ein gefährliches Präzedenz, wollte man zugunsten der
KkohöatH.
Lustige Erinnerungen aus meiner Dienstzeit von Hans Marti».
3] Machdruck verboten.)
„Karline", rief er seiner Frau, die in der Stube gerade zwei Flaschen Bier auf den Tisch setzte, zu, — „wirf doch mal eben noch 'n Bund stroh vom Boden, damit die Gäule mich was vernünftiges unter sich kriegen, und auch einen Arm voll Heu tu' mit runter, damit können sie, bis die Pumper mit dem Futter kommen, sich erst mal die Zeit vertreiben."
„Donnerwetter, Kerls," wandte er sich dann an die beiden Fahrer, die im Begriff waren, ab- zuschirren, „ein Paar feine Kracken habt ihr da, denen sieht man's Manöver nicht an; ihr müßt bei euer» bisherigen Ouartierwirten arg geklemmt haben," fügte er mit bedenklicher Miene hinzu. „Na, bei niir habt ihr das nicht nötig, ich iviß euch lieber freiwillig hergeben, was ich entbehren kann, weiß, wie es sonst geht, da wird den Tieren nachts so viel vorgeworfen, daß sie es gar nicht alle freuen können und den schönen Klee zwischen die Streu treten. Hafer habe ich nun freilich nicht, denn meine Hippen fressen das Zeug nicht, aber Heu könnt ihr genug bekommen!"
Dann erkundigte er sich nach dem Namen und dem Alter der Pferde und suchte durch geschickt eingestreute Bemerkungen zu beweisen, daß auch er ein guter Vorderreiter gewesen sei.
Die Pferde waren besorgt und standen bis an den Bauch im Stroh. Das weiß gestrichene Lederzeug. Helm und Säbel hingen sauber an der Hobelbank, Zaumzeug, Bügel und Ketten waren blitzblank poliert und blinkten vor der Stalltüre in den letzten Strahlen der untergehenden Soun«. Lin Anblick, der jedes Artillerittenherz mit stolzer
Fulda, Dienstag, den 19. Dezember 1905.
34 Jahrgang.
Deutschen in den russischen Ostseeprovinzen von diesem Grundsätze abweichen. Ist das gegenüber -en deutschen Reicksangehörigen in Rußland der Fall, so gilt es erst recht Denen gegenüber, die nur noch durch Abkunft unsere Stammesangehörigen sind.
Man übersehe doch nicht, daß das geringste An- zeichen für eine deutsche Intervention gleichbedeutend sein mußte mit dem Signal für eine rasche Vernichtung aller Deutsche» in den russischen Ostseeprovinzen. Die geplante Hilfe würde sicher zu spät kommen. Welche Folgen aber eine Einmischung Detitschlands für die Entwicklung der inneren Verhältttisfe in Rußland baden würde, kann sich jeder leicht ausmalen. Nicht mit Unrecht erheben sich warnende Stimmen, welche einen sol- chen Schritt als die Garantie eines Sieges der Revolution und des Sturzes der Dynastie bezeichnen.
Was deutscherseits geschehen kann, um den Deutschen in den russischen Osiseeprovinzen zu Hilfe zu kommen, besteht in der Erleichterung der Gelegenheit, sich im kritischen Moment in S iche r- heitzu bringen. Noch dieser Richtung hin aber hat die Reichsregierung durch die Entsendung mehrerer Schiffe in die bedrohten Hafenstädte bereits das ihrige getan. So bedauerlich die Lage für unsere deutschen Stammesbrüder in den russischen Ostseeprovinzen ist, so verfehlt wäre es, sie durch politische Unklugheiten nock zu verschärfen, deren Tragweite nicht abzusehen ist.
Deutscher Reich.
Berlin, den 18. Dezember 1905.
* Zentrum und Steurrvorlagen. In einer am Sonntag in Frankfurt a. M. abgehallenen Bert rauen sm änn er-Versammlung der Zentrumspartei, welcher der Reichstaas- abgemdnere Müller-Fulda, Itschert und Well stein tonne der hessische Landtagsadge- ordrele M o lt h a n beiwohnten, legte91 »gernbneiet Müller-Fulda unter großem Beifall die Stellung des Zentrums zu den Stenervorlagen dar. Er erklärte, daß die letztere» in entschie- denem Widerspruch zu dem Artikel ß des Flottengesetzes ständen, wonach die Deckung der Kosten für Flottenvermehrung nur durch solche Steuern erfolgen soll, die die wirtschaftlich Schwachen nnbehelligt laste. Bon diesem Standpunkts aus lehne das Zentrum einmütig Quittung^» und Frachtdrief- stempel ab, ebenso die Tabaksteuer, ictveit sie die inländische Produktion treffe. Bei der Brau st euer gelte cs, Vas SnrrogateveÄot gesetzlich sestzuiegen und vor allem die kleinen Brauereien zu schonen. Automobil- und Erbschaftssteuer seien willkommen. Bei letzterer werde das Zentrum nach den Ausführungen des Abgeordneten Fritzen auch die Erbanfäüe von Deszendenten und Ehr- gatten, soweit es sich um große Vermögen bandelt, Heranzieher?. Die Fahrkarten st euer fei in der vorqejchlagene« Form unannehmbar. Sie könne nur auf die 1. »nd 2. Klaffe und zwar «IS ktlomrttijche Zuschläge Anwendung finden. Die Ausführungen des Redners, welchen die Abzq. Wellstein u«d Itschert vollinhaltlich beipflickMeu, wurden mit großem Bmall ausgenommen. Landtarsabgeordueter M o11 han dankte der Zentnrrnsfraktion dafür. daß sirauch in dieser wicht'Ae« Frage sich wiederum als wahre Volkspartei erweise. In gleichem Sinne sprachen die Herren Rdatteur Schönwiese, Vie Arbeilersekretäre Krämer und Rinecker.
Freude erfüllt. Nun ist die Arbeit getan, nun kann die Ruhe oder daS Vergnügen beginnen.
Beratend standen Palmie und Neumeister vor der Stalltüre.
„Ich machen nicht mit," sagte der Franzose, „ich haben genug an drei Tagen bei Vater Kausch- mann, und du bleibst auch man lieber hier, deinen Mutter freut sich auch, wenn du »ich immer hn Loch fitzt. Es fein eine ganz gefährliche Sache, nach N. zu fahren. Kommst der „Deutsche" wieder auf den Zufall, sich unser Quartier zu revidiere», dann gehts Neumeister und Palmie cklich dreckfig. , Höre du auf meinen Rat und bleibe mit zu unferm i dicken Maurermeister, zu den niedlichen Tochter mit den Aeuglein beit und klar, wie b» immer singst. Du kannst deinen alten Lands doch nick' heiraten, und Elsen und Trinken kriegen wir auch ' hier sehr fein. Du mußt immer Streichen machen, wo die Kriegsartikel drauf stehen."
Allerdings hatte es für Neumeister stets größeren Reiz, seine Vergnügungen dort zu suchen, wo er sie sich durch etwas Ungewöhnliches erst ■ erringen mußte und es war zu verwundern, daß ■ er bei allen Extravaganzen bisher stets mit einem blauen Auge bavongckommen war. Unwillig fuhr er Parlmie an:
„Alte Bangebure, hast nicht Weib, nicht Kind, nicht Haus noch Hof, was dir verlieren könntest; auch deine gute Führung ist durch uns sichere j „drei Tage" stark durchlöchert. Als ob das was wäre, mal Zapfen zu streichen und mal aus der, Eisenbahn darüber zu rutschen. Ich sage dir ja,! mit dem Maurermeister bin ich einig, der verrät. nichts, und Kleider bis auf die Buxen, die wir uns von den Punrpern borgen, will er uns geben, irgend welche Schwierigkeiten oder gar Gefahr ist so gut wie ausgeschloffen. Du bist ne richtige Memme, wenn alle Franzosen so sind, dann wun-! dert eS mich gar nicht, daß ihr 70 die schönsten ■ Keile gekriegt habt. Vorwärts nun, komm, du haft mir versprochen nüUufacreit und dein Wort 1
§ Eine deutsche Sympathiekundgebung für England sa >d am Sonntag in Beilin statt. Die Versammlung, welch« von dem Aellestenkoüegium der Beilmer Kaufmannschaft einderusen war, war äußerst gut besucht. Zum Schluß »ahm die Ber- sammlung folgende Resolution an: „Die Versammlung begrüßt mit Freuden alle Bestrebungen, die auf Herstellung und Aufrechterhaltung freund- fchastlicher Beziehungen zwischen der englischen und deuttchen Nation gerichtet sind. Indem sie die Wünsche für ein gutes Einvernehmen zwilchen beiden Dockern, die in verschiedenen von hervorragend.» Männern Großbritanniens in Land »n veranstalteten Versammlungen zum Ausdruck gebracht worden sind, auf das wärmste erwidert, spricht sie die Ueberyugung aus, daß ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Deutschland und England dazu berufen ist, nicht nur die Interessen beider Nationen, lonbetn auch die geistige un^ wirtichastliche Entwickelung der Welt aas das wirksamste zu fördern."
* Tie Ausgabe eines deutschen Weißbuches über die Marokkoaffaire wird rn der Presse verschiedentlich als bevorstehend bezeichnet. Die ,Aalckg.' schreibt daz«: „Es ist zweifellos, daß dce Marokkoirage vor und während der Konferenz nicht einseitig im Lichte des sranzösiichen Gelbbuches erscheinen kann. Daher wird die Veröffentlichung der Aktenstücke zur Richtigstellung mehrerer Punkte sich nicht umgehen taffen.” Die Widersprüche, die sich in dem französischen Gelbbuch über Marokko hinsichtlich des Veichaltens Deut'chlanvs in der Marotkosrage befinden, sind allerdings derart, daß sie, in einigen Punkten wenigstens, dringend der Aulklärung bedürfen.
* Neber die Lage der Dentschen in den russischen Ostseeprovinzen schreibt der .Berliner Lokalanzeiger': „Die deutsche Regierung glaubt der Verpflichtung, die Reichsangehöriaen zu schützen, durch d,e Bereitstellung deutscher Paffagierdampfer Genüge getan zu haben, eine Suff aff ung, die im Augenblick vielleicht noch richtig ist. Außerdem sind Maßnahmen für die verschiedensten Eventualitäten «wogen worden; sie werden zurÄus- führung gelangen, wenn es notwendig, hoffentlich nicht, wenn es zu spät! — Dunkel ist der Rede Sinn! Hoffentlich soll damit nicht ange deutet werden, daß das vom Reichskanzler so energisch betonte P inz'p der „Nichteinmischung" ausgegeben werden soll. — Zwei deutsch« Dampfer sind bereits nach den russilchen Ostseehäfen ab» gedampft, um im Notfall deutsche Reichsangehörige aufzunehmen. Der Dampfer „Wolga" ist am Moutaß von Stettin nach Riga abgefahren; ein Dampfer der Hamburg-Amerika-Lmie ist ebenfalls am Montag nach Sibau in See gegangen. Am Mittwoch toll der Schnelldampfer „Prurz Heinrich" nach Reval in See gehen.
.-. Dir Berkohrseinnahmen deutscher Eisenbahnen für November !9<'5 betrugen für alt« Bahnen: aus dem Personenverkehr 40968629 Mk. (gegen das Vorjahr mehr 2571755 MI; ans dem Güterverkehr 124 088859 M. (gegen das Vorjahr mehr 7972801 MI. Für di« Bahnen mit dem Rechn«»Mayr April-März betrugen die Einnahmen für die Zeit vom 1. April 1905 bis End« Novemb«e 1905 cmS bent Perfoneu- vrrkehr 386110108 M. (gegen das Vorjahr mehr 23581577 MI; at« dem Güterverkehr 837 95 > 255 M. (gegen das Vorjahr mehr 45293387 M.); $>te Einnahmen der Bahn mit dem Rechnungsjahr Jannar-Dezember Mauten
mußt du halten, ober ich u,e!de dich dem Wachtmeister wegen Gehorsamsvertoergerurrg."
„Melde nur," erwiderte Palmie, der nicht für einen Feigling und Spielverderber gelten wollte, nur noch schwach, „wenn sie uns aber erst bei den Hammellbeinen haben, beim hafte nichs »ich mehr s zu melden."
Dabei schickte er sich ober schon an. seine Stiefel mit einem höhereil Glanze zu verschen. und als er damit fertig war, bürstete er sich die Haare mit derselben Bürste, schmierte etwas Glyccrirstcije, die jeder Fahrer zum Abreiben der Geschirre be- mrtzte, in seinen rotblonden Schnurrbart und drehte die Enden zu wahren Schusterpfrieinen zu- sammen. Nelimeifter besorgte unterdessen von den Fußmannsihasten Hosen und dann gings zum Maurermeister, wo die Kostümierung vervollständigt wurde. Palmie erhielt Vorhemd und Kragen, einen, wenn auch etwa» angeschmutzten alten Ball- schlips. eine graue Iagdjoppe, und einen weichen Lodenhut von derselben Farbe. Er sah in diesem Anzug, bis auf die weiten Beinkleider mit den roten Streifen, ans wie ein schneidiger Gutsvcr- walter, und wohlgefällig betrachtete er sich im Spiegel.
„Meinst Du nicht," fragte er Neumeister, „daß ich misseben wie der Jnfpektor vom Dahlbof? Bist dock, wenn Du willst. ein feiner Kerl, Palmie," fuhr er im Selbstgespräch fort, „bätt'st tvvhl auch was feineres werden können als wie 'n Drechsler. Na, wer weiß, wenn sie Dir dies Nacht kriegen, mußt am End ganz bei's Militär blecken. Wär auch nick schlecht, bchält'st dein Magda und dein Anna, wirst Gefreit, und preußischer Unteroffizier und kannst heirat dein schön Louzie.
Auch Neumeistcr war mittlerweile mit seiner Toilette fertig, aber fo schneidig wie Palmie aus- sah, so tvenig Vertrauen erweckend präsentierte er sich. Kein Kragen, fein Schlips verdeckte seinen langen Hals; die englifcMebeme Joppe hing ihm
wie ein Sack auf dem Leibe, der große Brettlräm-! der
sich für die Zeit vom 1. Januar bis Ende sJlo« vembet 1905 ans dem Personenverkehr 76749188 M. (gegen das Vorjahr mehr 2779842 MI; aus dem Güterverkehr 139 507979 M. (gegen das Vorjahr mehr 4 908398 MI. Die Gesamtlänge der Bahne» betrug 48498,61 Kilometer (gegen das Vorjahr mehr 832,48 Kilometer).
Die Einführung eines Ausfuhrzolls auf Kalisalze hat, wie erinnerlich, die Wirk- schajllicke Vereinigung im Reichstage beantragt. Di« .Deutsche Tageszeitung^ tritt lebhaft für dieferr Antrag ein und versichert, daß die!« Bestrebungen der Wirtschaftlichen Vereiuioung von konservativer Seile Uiierftutzunz und Förderung finden werde. Zur «ndgilligen Lösung der Frage sei aber ein entsprechender Gefetzentwurf einznbrrngen. Es fei nicht ausgeschlossen, daß die Regierungen aus finanziellen Gründen nicht abgeneigt ft in würden, dem Gedanken eines Kali-Ausfuhrzolles näherzutreten.
% Eine Beratung über den gegenwärtigen Stand und die weitere Bekämpfung der Genickstarre in Oberschlesien fand am Samstag im Rathaus zu Beulhen statt, an der sich außer Vertretern der Regie»ung zahlreiche Aerzte beteiligten. Die Diskussion fuhrt« zu einer erfreulichen Nebereiustimmung über die Ralur und die zweckmäßigste Art der Bekämpfung der Krankheit.
*w Die Einstellung von Unteroffizieren in die kgl. Schutzmavnschaften betreffende Verordnung veröffenMcht der.Relchsanceiger' Danach dürfen bis Ende September 1907 wieder Unteroffiziere mit mindestens sechsjähriger aktiver Dienstzeit im Heer« oder in der Marine in di« Kgl. Schutzmannscha'ttn eingestellt werden.
* Karlsruhe, 16. Dez. 19-5. Bei der Weihnachtsfeier der Bereinigung der Reserve- und Landwehroffiziere von Karlsruhe und Umgebung hielt der Großherzog auf die Begrüßung des Bezirkskommandeurs hin eine längere Rede, in der er, der .Köln. Zeitung^ zufolge, „zur Treue gegen Kaiser, Reich und Armee und zur Betätigung dieses «f lionalrn Sinnes auch außerhalb der Armee aufforderte, was in der jetzigen ernsten Zeit besonders wichtig sei." Naler den Offizieren befanden sich gewiß manche, die bei den jüngsten Landtags wählen für sozialdemokratische Kandidaten agitiert und gestimmt haben. Da wäre es doch gewiß interessant, zu erfaßten, was der Großherzog darüber zu diesen Reichs- und Armee- .Etützen" gesagt hat. - Unter der Spitzmarke „Glückliches Baden* schreibt di« toaferoative .Deutsche Tageszeitung':
DaS liberale Mnflertändle ist in der Welt unb in Deutschland voran! Es hat einen Minister (des Jmrern Schenkel), der bte sozialdemokratischen Abgeordneten nicht im Landtage wissen möchte; es hat Militäroereinsmitglieder, bi« öffentlich zur Wahl «me» sozialdemokratischen Abgeordneten auffordern. ohne ausgcstoßen, ja ohne reknfiziert zu werden; und nun hat es in der 2. Kammer einen sozialdemokratischen Vizepräsidenten bekommen. Wie wird sich der Minister freiten, wenn er unter dem Prästdiunr eines „Genossen" fernes Amtes wallen darf f Und wie stolz müssen bi« Nationallideraleu fein, daß sie diese erfreulich« Gestattung der Dinge herbe-führten l Un- aagenehm würde die Sach« nur werden, >vrnn zu« fällig einmal der Präsident und der andere Vizepräsident behindert wäre« und der „Genoise" als Vizepräsident ein Hoch auf den Großheizog aus- brmgen müßte! Glückliches Baben! Dilficiie est...
pige, von beiden Seiten oben eingedrückt, ging ihm bis über die Ohren.
Palmie fiihr bei seinem Anblick entsetzt zurück.
„Mensch Du siebst aus als seiest'« vom Galgen abgcschnttten. Deine Hals sein ordentlich lang geworden; hast Du denn kein Krawatten und Krüge»? Deinen leiblichen Mutter sollt fick vor so was fürchten. Bind' doch wenigstens ein Halsbinden um, oder ein Tuch; komm ich borg Dir eins." Und er holte aus seiner Tasche ein großes rotes Sacktuch mit schönen schwarzen Punkten, unb band es mit zierlich verschlungenen Knoten Neuincister um den Hals. — „So, nun kommen doch kein Scharfrichter gleich auf den Gedanken Dich in den Nacken zu schlagen, wenn Deinen langen Schwanenhals zugebunden is."
Allerdings fand Neu meister auch, daß er so etwas passabler aussah, und meinte, er gäbe zu, daß in Modesachen uns die Franzosen über seien.
Ein jeder einen dicken .Hainbuchenstock in ber Faust, eine Dreierzigarre im Munde, so standen sie wenig später vor dem Billetschalter des flehten. Bahnhofes und forderten zwei Billot? Vierter nach N. „Standesgemäß", hatte Neumeister gemeint, müßten sie sahren, denn in der dritten formten sie möglicherweise mit Herren vom Kommiß zusam- mentreffen. — Mit kritischen Blicken betrachtete der Schalterbeamte, Billeteur unb Stationsvorsteher in einer Person, die beiden Passagiere, reichte ihnen nach eiiiigem Zögern die Karten und machte sein Fenster wieder zu.
„Palmie," sagte Neumeistcr, „ber Mann schien was gemerkt zu haben, bet machte ja etn paar Augen wie ein Kriminalkommissar, ich will mich dem Onkel lieber mal vorstellen unb ein vernünftiges. Wort mit ihm reben, is ja wohl auch Sol- bat gewesen unb hat Sinn für ’n lustigen Streich."
Neumeister kam aber nicht dazu, fein Vorhaben auszuführen, benn im selbe» Augenblick gab ber Man» unter der toten Mütze das Zeichen mit der großen Glocke unb schnaubend und keuchend kam
Zug herangedrauft, kForts. folgt)