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frf»dirt tit-llch, *tt a tunahmt der Son» nn6 fidertagt. Ditrtel« jähr«, vezugrprei« ohne Bringtrloljn und vek«agtidin<;nldannd auswärts! Mt 50 psg.

Verantwortlicher Schriftleiter:Z Baum; für die »mticttt 3. Par,.»er in Sulöa.

Zuldaer W Zeitung

wochem-«-g«: „Illustrierte Sonntagrzeitnng" monotsbew: „Mdaer GeschichtsblStter".

«nreigen: Vie ein fp lftge petitzet e oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen die pditjcile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird «ntjpr. Rabatt gewährt.

Rotationsdruck u. Verlag der > uldaer Mt« tiensrnuerti in 5ulda.

Zernspre der Nr. <>.

Fulda, Montag, den 18. Dezember 1905.

M 289.

3?. Jahrgang.

Zweites LStatt.

Kl. C. Nächstenliebe.

Bon Hela Bräutigam.

Nachdruck nicht gestattet.

Es ist immerhin ganz angenehm, einen Onkel in Amerika zu haben, besonders wenn man von dessen Existenz keine Ahnung gehabt und sich plötzlich als Universalerbe eineS großen Ver­mögens sieht. Und 125,000 Mk. ist doch schließ­lich ein großes Vermögen. So ging es dem Pe:er. Er trug zwar nun des Sonntags e neu Trauerflor um Arm und Hut, war aber sonst ganz zufrieden mit seinem Schicksal. Man hatte ihm angedeutet, sein Geld auf die Bank zu legen, und den Rat hatte er befolgt. Nun ging er heim, quer über die rauhen Stoppelfelder dem Hofe zu.

Atw so stand's um den Bauer! Wer hätte daS gedacht. Er wollte es für sich behalten. Was ging's schließlich die Leute au. Es würde schon früh genug herauskommen und dann, ja dann würde er, der Peter, den Hof übernehmen, der Bauer würde schon froh sein, so schnell einen Käufer zu finden.

Ja der Bauer! Es war doch seine Schuld, weshalb batte er nur die Frau geheiratet. Auf einen Hof gehört ein Mädchen vom Lande mit einem gefunden Herzen und festen Armen, die überall mit anlassen und nicht solch zimperliches Großstudlpflänzchen, das Romane liest und eine halbe Stunde norm Spiegel steht. Vor der Bäuerin hatte niemand Achtung, sie verstand ja auch nichts von der Wirtschaft, und wollte doch alles besser wissen; aber hinter ihrem Rücken lachten die Mägde sie aus. Nur schimpfen konnte sie und die Leute schikanieren ja, und der Aenne hatte sie neulich sogar die Spüllappen um die Ohren geschlagen. Ja das war die Bäuerin. Ter tat's schon recht, wenn sie mal Kummer und Elend kennen lernte, und sie würde es kennen lernen. Nur um den Bauer tat's ihm leid. Der war gut. Er war auch mal sehr tüchtig ge- weten, bis er sich sein Weib auf den Hof geholt. Was half ihm nun alles arbeiten! Sie brachte die Taler durch, und waren sie noch so sauer erworben. Oder sie fuhr in die Stadt und kaufte dort auf Borg. Ueberhaupt sie ruinierte ihn, sie war sein Untergang, und doch liebte er sie und

versuchte oft ihr Herz auf andere Bahnen zu lenken, umsonst, sie lachte ihn aus und sie war stärker als er. Der arme, arme Mann, aber wenn das Unglück mal hereinbrach, so sollte er doch sehen, daß man ihn darum nicht weniger ehrte. Ja, wenn das Unglück mal hereinbrach! Dann war er, der Peter, der Bauer und Gret die Bäuerin.

Sie stammten aus demselben Dorfe und waren besserer Leute Kind. Der Peter war der jüngste von 5 Brüdern und der kleine Bauernhof brachte kaum soviel auf, sie alle durch die Welt zu brin- oen, und die Eltern hatten oft mit verweinten Augen dages. fsen, wenn das Bcot so kärglich und die Buben so hungrig waren. Der Vater ließ sie alle ein Handwerk lernen später, wie sie es später wollten, nur bei Peter, da langte es nicht mehr, und gerade der batte solch' hellen Kopf und hätte es sicher zu was gebracht. Aber der hatte auch ein gutes Herz und darum ging er eines Tages zum Baler:

Siehe Vater, ich kann arbeiten, siehe nur, was ich für Arme habe, gib mich nur fort auf irgend einen Hof, ich komm schon durch die Welt."

Und Tränen in den Augen hatten die Eltern eingewilligt. So kam er auf den Eschenhof. Und als in seinem Heimatsdotfe der alte Schmied die Augen schloß und die vielen Kinder nicht wußten, wovon nun leben, da hafte der Peter sich hinge­setzt und an tue Gret geschrieben.

„Wenn Du arbeiten kannst und willst, dann komm hierher, 's ist gerade eine schöne Stelle frei."

Und so kam die Gret und man war's zu­frieden ; denn sie konnte sckaffen, daß es eine Lust war. Die beiden liebten einander. Neulich unter der alten Esche, nach welcher der Hof seinen Namen trug, batten sie's einander gestanden.

„Wenn ich einmal mehr verdiene, wirst Du meine Ft au, willst Du?"

Und die Grete wollte schon. Nun freute ihn sein Besitz, aber er wollte ihn geheim hallen bis zu dem Tage. . .

Und der Tag kam wie jeder andere lachende Frühlingstag, und die Sonne strahlte vom Him­mel und dte Vögel sangen um die Wette, als wissen sie alle gar nicht, was dem Bauer bevor- stand. Und dem war's so weh um's Herz. Heute sollte versteigert werden. Es würden wohl viele Leute aus der Nachbarschaft kommen und die Knechte und Mägde, alle würden es mit ansehen, leine Schande, aber die würden vielleicht auch mit

ihm fühlen und verstehen, was sein Weib nicht verstand Sein Weib, ja, die hatte kein Herz, sonst könnte die jetzt nicht mehr lachen und sich freuen wie ein Kind. Und was batte sie doch beute morgen gesagt, ja was hatte sie gejagt? Ach, so war's gewesen:

„Nun lasten wir die alte Klitsche hinter un? wir ziehen in die Stadt." Sein Hof — die alte Klitsche. Er schlug mit der Faust auf den Tisch, der morgen schon nicht mehr ihm gehören würde, und die hellen Tränen liefen ihm die Backen herunter. In die Stadt ziehen, haha, als ob dazu kein Geld gehörte, war die Frau d-nn so dumm! Und von all' den Leuten hier mußte er sich trennen, und so mancher von ihnen war ihm an's Herz gewachsen, so der Peter. Ja der war glücklich, der bekam aber auch eine tüchtige Frau. Gestern waren sie vom Pfarrer verkündet. Die wird schon passen zur Bäuerin. --Ob sie wohl hierbleiben?

Die Gret wußte noch nichts von all' dem Reichtum, der ihrer wartete, und als die beiden zum Pfarrer gegangen, da hatte sie ganz un­gläubig gefragt:

„Ja glaubst denn Peterl, daß es schon geht? Haben wir denn schon soviel?"

Nun war's so weit. Von nah und fern kamen Leute herb, i, so viele Leute. Der Bauer saß hinten in der kleinen Stube und hielt den Kopf in beiden Händen, und ab und zu drang ein allzu lauter Ausruf auch zu ihm herüber Nun auch mal em langes, anhaltendes Rufen. Da wußte er, daß alles zu Ende, und schwer fiel das Haupt auf den Tisch. Die Bäuerin kam nun auch herein und setzte sich zu ihm.

„Ich glaub, sie sind fertig." Er richtete sich langsam auf. „So, weist wer's hat." Sie schüttelte den Kopf und sah ihn fragend an: „Wohin gehen rott nun?"

„Wir bleiben hier auf dem Lande, ein paar Kammern werdens schon haben im Dorf, in die Stadt geh i nit, hörst's, erst mal die Schulden bezahlen, deine Schulden, i will nix sagen, aber was du zu dem Unglück beigetrage, das weißt selber. Nun begann sie zu weinen, ein bischen au? Trotz, aus Zorn, daß sie nicht in die Stadt kam, ein bischen auch, wett eS ihr nun endlich zum Bewußtsein kam, daß der große starke Mann da neben ihr sehr unglücklich war, und dann faßte sie nach seiner Hand.

„Js gut, ich bleib wo du willst, ich bin j dein Weib."

Und da küßte er sie.--

Nun llopste es an die Tür. Auf der Schwelle stand der Peter, die Gret an der Hand haltend. Nur stoßweise brachte er ein paar Worte hervor, daß er den Hof gekauft, dann die Geschickte seiner Erbschaft, und daß sie ja nun in 11 Tagen heiraten wollten. Und dann stieß er die Grete an: „Nun sag's doch."

Und da trat sie ganz nahe an den Bauer heran.

„Und trennen sollen sich's nicht vom Hof, ein paar schöne Kammern, die können's sich aus­suche, was sollen wir zwei mit so Menge Platz. Bitt schön, bleiben's doch hier."

Und treuherzig sah sie die beiden an und der Peter nickte dazu. Da faßte der Bauer sein Weib bei der Hand.

„Hast's gehört, wir brauche nit fort in'S Dorf, wir dürfe bleibe, die zwei gute Seelen die nehmen uns auf."

Und dann schüttelte er beiden die Hand und die Bäuerin küßte die Gret auf die Stirn, und als der Auktionator den Verkauf der Versteige­rung meldete, da fand er, was er nicht erwartet hatte: vier glückliche Menschen.

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1. Mal 1906

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