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MaerW Zeitung

j.pärX^n'sMi"«- Wochenbeilage:3Hll|tricrtC $0111tt(l(|$5CitU1U|

3?. Jahrsilmn

Fulda, Montag, den 18. Dezember

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Rotatt enternd u. Verlag s«r > tilOfltt Av tltnentderei tn Suleo. jttrnlpre ter Ur. 9.

Lttoniwortlltber Sdiriit.eiter: J Bannt;

anjelgen: ©le ef# fp Itige petltzel e ober deren Raum 15 pfg. Retlamen dir yetitzeile 25 Pfg.; bei wieder« Holungen wird entspr. Kabait gewährt.

frfd-ehrt «»att». mit Zwtrelre der Sonn« und.leiertage, viertel« fahr!. B»;narprri« ohne Bringerlohn und Beiter rrld in.Hulda und «r«- 'rts! DU 5» Pf».

monatsbtiiagt:huldaer Geschichtrblätter"

Krstes Wlatt.

Der erste Abschnitt der Reichstags, tagung

bat bekantnlich am Freitag in später Abend­stunde fein Ende gefunden. Ter Reichstag hat in der Zeit vom 28. November bis zum 15. Dezember 14 Sitzungen abgehatten, von welchen allerdings zwei auf einen, den letzten Tag des Taaungsabschntites, sielen. Von vornherein bettle man das Pensum für den letzteren eng bemessen, da neben der ersten Lesung des Etat- und der mit dem Etat in engem Zusammenhänge stehen­den Vorlagen über die Jloltenverstärkung und d>e Retchsfinanzresorm nur die allernötigsten V>< etzentwürfe erledigt weiden sollten. Die letzieren betrafen die Regelung unserer Handels- beziehungen zu Bulgarien und England und den Nachiragselat für Deutsch'Südwestasrika mit der Forderung für die Eisenbahn Lüderitzbucht- Kullub.

Jht Ach und Krach gelang eS denn auch, die ietzigenonnten drei Beratungsgegenständ« zu erledigen. Der Handelsvertrag mit Bul­garien konnte auf gründ seines Inhalts alS unded ngt gesichert angesehen werden. Seine Verabschiedung konnte nur durch dieBeschluß- unsahigkeit des Hames" gefährdet werden. In der Tat war diese Gefahr auch bedenklich nahe- gerückl und die erste Abstimmung blieb wegen ungenügender Besetzung des Hauses relultal.os. Schließlich hatten ober dieZweifler" an der Beschlußfähigkeit an Einsehen und ließen es bet dem ersten Anlauf bewenden.

Bedenklicher konnte schon die Vorlegung des neuen Handels pr oviioriums mit Eng­land angesehen werden, da in manchen Kreisen eine erklärliche Abneigung bestand, unsern Veitern jenseits des Kanals stets von neuem die Hand zu bieten zu provisorischen Handelsabmacdungen. Daß durch solche Provisorien die definitive Ge­staltung unserer Handelsbeziehungen zu England nicht gefördert werden, lassen di« Tatzachen deut- lech genug ertennen, und zwei'eUos ist auch da« Bedenken nicht von der Hand zu weisen, daß das durch England gegebene Beispiel eine un- günstige Rückwirkung auf unsere Handelsvertrags- Verhandlungen mit anderen Ländern, namentlich .. t den Bereinigten Staaten, ausüben tönnte. LtNer auch hier üb-rwog schließlich der Gedanke, daß die Aussicht auf eine friedliche Regelung unterer Handelsbeziehungen zu England wohl noch eine abermalige Verlängerung des provi­sorischen Zustandes wert fei.

Sehr ernstlich geiährdet war die Forderung für die Erse n bahn Lüderitzbucht -Ku bu b. Erst durch die nachträglichen ausführlichen Aut- klärungen über die technische, finanzielle und militärische Sette der Angelegenheit, welche die Vertreter der verbündeten Regrerungen in der Budgelkommrstion des Reichstags beibrachten, wurde das Schicksal der Vorlage zum Günstigen gewendet. Eine Lehre für die verbündeten Regie­rungen, mit kolonirlen Forderungen recht spar­sam zu sein und die notwendigen genügend zu begründen.

Die erste Etatslesung gestaltete sich natürlich wieder zu der üblichen Revue aller

Fragen und Vorgänge auf dem Gebiete der nneren wie der äußeren Politik, welche die öffentliche Meinung der Gegenwart beschäftigen. Im Vordergründe stand dabei d esmal unbe­stritten die auswärtige Politik. Aber auch die Kolonialpolitik nahm einen breiten Raum ein. Die Verhandlungen darüber gestalteten sich zu einer umtassenden Kritik unseres ganzen ko­lonialpolitischen Systems, die nach mehr als einer Richtung hin für die Verbündeten Re­gierungen durchaus nicht günstig lautete. Da­neben kam die Sozialpolitik eigentlich etwas zu kurz, aber ihre Erörterung verliest sich bekannt­lich gewöhnlich erst bei der zweiten Lesung des Etats des Reichsamts des Innern.

In der Frage der Flottenverstärkung an sich ergab sich eine weitreichende llebetein» stimmung der Parteien mit der Regierung. Um so werter gingen die Meinungen auseinander über die Deckungsflage, deren Erledigung eng mit der Frage der Reichssinanzresorm verknüpft ist. . So einmütig man auch im all- aememen über die Notwendigkeit ist, die Reichs­finanzen zu sanieren und die Einzelstaaten tun lichst zu entlasten, so differieren doch die An­sichten über dre zu diesem Ziele einzu'chlagendeu Wege recht stark. Tie Erörterungen über die Einzeihe ten der Steuecvorschläge der Verbün­deten Regierungen mußten bis nach den Weih- nachtsseiertagen verschoben werden. Aber schon nach den bisherigen Auslassungen der Parleten kann man sagen, daß die Verbündeten Re­gierungen in wehr als einem Punkte einen schwierigen Stand haben werden, und daß sie gut daran tun, dreEinheitlichkeit" ihres Sleuer- buketls prei«zugeben.

Noch eine weitere Sache ist im Verlause des ersten Tagungsabschnittes klargestellt worden: die Unmöglichkeit, mit einem diät nlosen Reichstage die Reichsgeschäfte ersprießlich weiter zu fördern. Tie Sozialdemokraten haben so deutlich als möglich gezeigt, daß sie nach wie vor gewillt sind, den Reichstag lediglich zur Ab­haltung ihrer revolutionären Brandreden zu be­nutzen. Dem läßt sich nur steuern durch em beschlußfähiges Haus. Ohne Diäten wird es nach Weihnachlen schwerlich gehen

Deutsches Reich.

Berlin, den 16. Dezember 1905.

* Der Zentrums-Abgeordnete Deka» Bumil- ler, der teil den Wahlkreis Hohenzollern im preußischen Abgeordneten Hause vertritt, Hal sein Mandat zum Abgeordnetenhansr niedergelegt. In dem an das Bureau des Abgeordnetenhauses gerichielen Schreiben ist dieser Schritt mit Gesundheitsrücksichlen begründet. Die von einer Seile gemeldete Riederlegung des Reichs­tags-Mandates durch den genannten Abgeordne­ten war bis heute abend beim Bureau des Reichs­tages noch nicht angezeigt. Dekan Bumiller ist am 15. Oktober 1852 zu Iangingen bei Hechingen geboren. Er ist seit 181)1 Pfarrer in Ostrach, feit 1698 erzbischöfl. Dekan des Kapitels Sigmaringen.

* Zu dem deutsch-brasilianischen Zwischen­fall schreibt die ,Rordd. Allg. Zig/ oisiziös: Der Kommandant S. M. S.Panther" Hal geme.det: Der Matrose Hasmann hatte seinen Urlaub überschri.len und war, da er in Ziril-

Klotz lZcrcH.

Lustige Erinnerungen aus meiner Dienstzeit von Hans Martin.

2] (Nachdruck verboten.)

Mit einem Blick hatte Neurneister die Situ­ation erfaßt und mit dem Gedanken, retten was zu retten ist, rannte er auf kürzestem Wege über die Aecker der Scheunentüre zu, um die beiden Pferde in den Stall zurück zu drängen. Das gelang ihm; die Tiere gingen ruhig und ohne Widerstand in ihre Stände. Kaum aber war der Gefreite selbst in die Scheune eingetretcu, als er, man denke sich sein Entsetzen, die hohe Gestalt seines Wachtmeisters Deutsche, wegen seiner schlanken, kräftigen Figur kurzweg der Deutsche" genannt, erblickte, der mit verschränk­ten Armen vor dem ruhig schlummernden Pal» mie stand und sich nun mit der Frage an den Eingetre.enen wandte:

Schläft der?"

Zu Befehl, Herr Wachtmeister", gab Neu- meister zurück.

-so, meinen Sie? Nein, er schläft nicht", erwiderte spöttisch der Deutsche, und versuchte Palmie mit der Säbelscheide zu ermuntern. Er piekste ihn in die Seiten, den Bauch, den Rücken, zog ihn an Armen und Beinen lind hielt ihm schließlich, als alles nichts nützte, die Stase zu.

Tas wirkte. Mit einem Sah stand Palmie auf den Füßen, nahm eine gerade Haltung an und meldete vorschriftsmäßig:

Kommandiert auf Stall wachen, Stall ist belegt mit acht Pferden, auf Stallwachen nix Neues."

Wachtmeister Deutsche war platt, aber keine Falte in seinem Gesicht verriet, daß er von dieser gewiß komischen Situation irgendwie berührt wurde, und wieder jenes feine sarkastische Lächeln, welches er selbst mal mit den Worten erklärt

haben soll:Ich lache nie, und wenn ich lache, dann lacht der Teufel aus mir."

Ein jedes Wort scharf betonend richtete er an Palmie nun die Frage:

Haben Sie geschlafen?"

Zn befehlen, nein, Herr Wachtmeister", stieß dieser prompt hervor und riß, wie zum Beweise, daß er die Wahrheit sage, seine Augen so groß auf, daß es schien, als wollten sie ihm aus dem Kopfe treten.

Sehen Sie", sagte derDeutsche" zu Neu­meister,habe ich's nicht gesagt? Er hat nicht geschlafen", und zu mir gewendet fuhr er fori, Sie waren auch nicht in der Stadt? aber das schadet nichts, meine Herren, einsperren tue ich Sie doch."

Damit drehte der Gestrenge den beiden armen Sündern den Rücken und ließ sie ihrem Schmerz und der Sorge um die beiden sich im Freien noch tummelnden Gäule allein.

Eine Weile war es in der Scheune mäuschen­still, sogar die Pferde schienen noch im Banne der Subordination zu sein, und rüluten sich nicht. Dann wie von einem Alp befreit ein tiefes Grunzen desRegent" und als Antwort ein wieherndes Aufschreien der Magda, die von der Anna an den Ohren gerissen wird. Palmie hat bereits eine ganze Weile in den Hosentaschen bernmgewühlt, nun zieht er etwas in Papier Gewickeltes hervor, wickelt es behutsam ans, beißt ein Ende ab und schiebt es mit der Zunge in die linke Backentasche, spuckt ans und murmelt mit den Zähnen knirschend einen französischen Fluch.

Der Bann ist gebrochen.

Tu bist ein guter Kamerad", beginnt er zu Neumeister,läßt mir schlafen bis zum jüngsten Gericht und machst mir «ich wach vorher. Ich haben Dich abgelöst und gewachen, damit Du kannst pouffieren Deine Lands und Du bringst mir dafür in den Kasten. Eine nette Kamerad bist Du, sag' ich."

Sei mir nicht böse", erwiderte der Gefreite, ich bin an Deinem Neinfall vollkommen unschul-

Heibern gesehen worden war, der Desertion ver­dächtig. Es wurde angenommen, daß Hasmann hierzu von e nem neu eingewande.ten Teulschen, namens Stemboff verleitet worden war. Da? Konsulat und die brasilianischen Behörden in Jiahaiy und Kolonie Bmsqne wurden ersucht, die Wiedererlangung des Hasmann zu unter­stützen. Dies wurde'zugesichert. Ebenso wurde die Gesandtschaft in Letropolis von dem Sachverhalt unterrichtet. Am 26. November waren abends Osfi iere in Zivillleidern und 12 Unteroffiziere im Urlaubsanzuae beurlaubt mit der Weisung, die Spur des Deserteurs Hasmann unauffällig zu verfolgen. Sie haben sich an Land nicht militärisch bewegt und sind meistens getrennt ge­gangen. Sie haben in zwei Häusern, und zwrr m einem Hotel und in einem Privatbaus, Einlaß begehrt. Die Ait, in der dies geschehen ist, hat, soweit bisher fen<. teilen war, gegen die übliche Form nicht »eriu^en, da aus beiden Häusern einzelne Bewohner (Zteinhoff und der Sohn des Eigentümers) freiwillig den Beurlaubten ihre Unterstützung geliehen haben. Die Beurlaubten sind nicht um 2 Uhr morgens ans Land geietzt, sondern zu dieser*Zeit an Bord zur ckgekehrt. Hasmann selbst ist ohne Mitwirkung von Leu en desPanther" später an Bord zurückgekonimen. Es ist unrichtig, daß einnnlitärischesKommando ans Land geschickt worden ist. Steinhoff ist weder arretiert noch irgendwie schiech! behandelt worden; auch ist er nie an Bord desPanther" gewesen, oder vomPanther" verschleppt worden; er hat vielmehr die Bemühungen der beurlaubten Per­sonen, den Deserteur auszusinden, freiwillig unter­stützt."

Der Gesetzentwurf bete, die Ab­änderung des allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865 (Knappschastswe'en) ist gestern dem Abgeordnelenhause zugegangen. Die Haupt­bestimmungen lassen sich wie folgt zusammen» faffen: Für die Bergarbeiter sollen, soweit nicht Ausnahme vorgesehen sind, Knappschastsvereine bestehen, die ihren Mitgliedern und deren An­gehörigen Unterstützungen gewähren sollen. Zum Beitritt sind auch die Werksbeamten und Ver- wallungebeamten berechtigt und verpflichtet, deren Lohn 2000 Mk. pro Jahr nicht übersteigt. D-e bestehenden Kuappschaftsvereine bleiben in Wirk­samkeit. Die Besitzer, Beamten und Arbeiter der Hüttenwerke und der dem gegenwärtigen Geietz nicht unterworfenen Au'bereilungsanstalten. die bereits einem Knappschaslsverein angehören, scheide»/ auf gemeinschaftlichen Antrag aus dem Vereine aus. Die Bestimmung der Bezirke, für die neue Knappschastsvereine gegründet werden, hängt vom Beschluß der Beteiligten ab. Tritt eine Einigung nicket ein, entsck-eldet der Handels­minister. Jeder Knappsckfastsverein hat Kranken- kaffenleistungen und Unterstützungen an die arbeits­unfähig gewordenen Mitglieder zu leisten. Di- Satzungen entwirft ein Ausschuß aut Werks, besitzet: und einer Mitgliedrkommission bestehende Beamte der Staatsbetriebe mit Pensionsberechli- aung brauchen di; Mitgliedschaft nicht zu erwerben. Die Leistungen der Vereine muffen die im Kranken­versicherungsgesetz für die Fabrittrankenkaffen oorgeichnebenen Mindestleistungen erreichen. Eine Erhöhung ist zwä'sig. auch die Entrichtung von Beiträgen für freie Kur und Arznei. Die Ord­nungsstrafe gegen ein Mitglied darf den drei­fachen Betrag des täglichen Krankengeldes nicht überschreiten. Die Mitgliedschaft erlischt, wenn

big; habe ich Dir gesagt, daß Du schlafen sollst? Im Gegenteil, ich habe Dich gebeten, zu wachen, bis ich zurück käme, alsdann wollte ich Dich ab­lösen und Dich schlafen lassen bis znm Morgen, aber Du leichtsinnige Hufe schläfst immer uno es wundert mich nur, daß Du nicht schon öfter von demDeutschen" abgefaßt worden bist. Ich war zur rechten Zeit hier, wenigstens der Uhr nach, denn es hat jetzt noch nicht mal geblasen, im klebrigen wäre es freilich rechtzeitiger ge­wesen, wenn ich früher gekommen wäre, denn Paul und Rio begegneten mir schon auf dem Wege und der Wachtmeister hatte Dich mich be­reits hinter der Türe entdeckt. Nun binde erst mal Deine Gäiile fsft, und dann wollen wir Jebcn, daß wir die beiden anderen wieder kriegen."

Mit einigen kräftigen Schimpfworten ließ Palmie zunächst seinen Aerger an seinen beiden Lieblingen ans, als aber Magda, fein Sattel­pferd, ihm zutraulich den Kopf auf die Schulter legte und ihm ins Gesicht pustete, da wars mit seinem Zorn schon wieder vorbei und liebkosend drückte er feinen Mund auf die weiche Nase des klugen Tieres.

Oller Kerl, bist doch 'n gut Dier, wolltest nichts ansreißen, was, wolltest mir nur sagen, daß Deutsche Hermanir käme? Palmie hat fein geschlafen und geträumt von feine Magda. Und feine Magda hat gestanden in eine feine Stall von lauter Weiße Marmor in Streu von Klee und Esparsett an einer goldenen Krippe ganz voll lauter Hafer und nichs nid) Hächfel, und doch bat Magda geweint dicke, dicke Tränen, weil Re- fcrve bald Nulle hat und Deine Palmie fort geht und weiß nichs wohin, denn er hat keine Vater unb keinen Mutter mehr."

Und nun steckte auch Anna den zierlichen Kopf über den Latirbaum und er drückte sie beide an sich und ermahnte sie, sich künftig zu vertrage» und Palmie nicht zu vergessen.

Endlich machte Neumeister der rührenden S-ene ein Ende.Vorwärts Franzos', den Anker gelichtet, die ©egel gespannt und den Kompas

die Beiträge an zwei au'kinandersolgenden Zah­lungsterminen nicht geleistet werden.

.-. Tie Lässigkeit der amtlichen Bericht- erstattung über tue Vorgänge in Deutsch« Südmestasrika rotrB von verichiedenen Blättern wieder einmal festgenagelt. TaS amt­liche Bureau bat erst heute, am 16. Dezember, die Meldung über die Unterwerfung des Wiiboi- Großmanns Sebulon oft breit et, obwohl diese Meldung, wie aus einer Mitteilung des Obersten v. Deimling in der BudgetkomMission des Reichs- laaes vom 14. Dezember hervor ging, bereits am 13. Dezember hier emgetroffen war. Die nach­trägliche Veröffentlichung ist um io me»huüt_ iger, als schon in der Reichstagssitzung vom 15. ds. Mts. das Telegramm in der Debatte eine Rolle spielte. Danach Hat also die amtliche Stelle, welche nach einer früheren Auslastung . der /Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' angewiesen ist, unverzüglich alles die Deffentlichteit in­teressierende Material aus unseren im Ausstande ' begriffenen Kolonien zu publizieren, nicht weniger als brei Tage gebraucht, um dte Frage zu ent­scheiden, ob sie diese wichtige Meldung der O.ffentltchkeit preisgeben solle oder nicht. Eine derartige Lässigkert erscheint uns nahezu straf­würdig.

* Zur Straßprozeß-Reform schreibt die .Natio- naltib. Konew.':Nachdem sich bei den re,or- motorischen Besprechungen der einzelstaatlichen Justizverwaltungen im Reichs-Iustizamte wegen der Grnndzüge der Abänderung der Strafprozeß- Ordnung Einigkeit dahin herausgestellt hat, daß im wetentlichen an der Institution der Schwur­gerichte nicht gerüttelt werde, dagegen die Em« sührung der Berufung gegen Erkennlnisfe der landger chtlichen Strafkammern als erwünscht an­gesehen werden darf, wird sich die Ausarbeitung der bezüglichen Nonette in diesem Rahmen bewegen."

* Nach dem Geschäftsbericht des Aufsichts­amts für Privatversicherung pro 1904, der dem Reichstage zugeuanaen tft, waren am 31. Mai 1905 1186 Ve sicherungsunternehmen beaufsichtigt, gegen das Vorjahr b 2 mehr. Bis zur Erstattung des Jahresberichtes waren 229 Unternehmungen der Landesbehörden zur Beauf­sichtigung überwiesen. Der Reichsaussichk unter­liegen von den 1112 inländischen Unternehmungen 419 aus der Lebens- und Krarikenversicherung 18 aus der Unfall- und Haftpflichtversicherung, 561 aus der Vieh-, Hagel- u> d sonstigen land« wirtschaftlichen Versicherung, 66 der Feuerver­sicherung, Versicherung gegen Eturiufchäden, Wasserschäden und Diebstahl, 4 aus sonstigen Versicherungszwergen.

* Die baldige Einführung der grau« grünen Uniform-Farbe für die ganze Armee, die von ernem kon>eroativen Blatte gemeldel war, wud dementiert. Alle zurzeit gemachten Versuche mit grauem und graugrünem Tuch dauern bis zum 1. April 1906. Tann erst soll von den be- treffenden Truppenteilen und einzelnen Offizieren über ihn Erfahrungen berichtet werd n. Ein ab« geschloffenes Urteil wird daher frühestens tm nächsten Sommer gefüllt werden können. Als seststehend ist schon jetzt zu bezeichnen, daß die ebenfalls deiprockene Einführung einer Einheits- Uniform für die gesamte deutsche Kavallerie nicht beabsichtigt ist.

* Ein Handbuch des hauswirtschaftlichen Bildungswesens. Gegenüber den vielfachen 'Miß­ständen, die in Stadt und Land, insbesondere gerichtet, raus, wir müssen die Biester erst wieder , haben."

. Das war nun leichter gesagt als getan. Den , beiden Ausreißern schien es in der mondhellen > Nacht draußen gut zu gefallen. Nio war leicht leizrikommen, aber der lange Pari! ließ wohl feine Verfolger dicht an sich herankommen, machte ober bann immer wieder kurz kehrt und galop- vierte wie ein junges Füllen ausschlagend hierhin ' und dorthin. Endlich gelang es jedoch auch ihn t bei den Ohren zu kriegen und zum Stall zurück» i zubringen.

Tie Nacht beschlossen Palmie und Neumeister : gemeinsam bei Schinken, Wurst und Bier zu , wachen, Verrammelten die Tür und unterhielten sich von der ihnen minfenben goldenen Freiheit, j denn beide Freunde sollten nach dem Manöver i zur Reserve entlassen werden.

Wie lange die beiden noch plauderten, tft schwer zu sagen, nur so viel steht fest, als der : Geschützführer am frühen Morgen zur Scheune > kam, nm nachzusehen, ob auch die Pferde fthon ! besorgt seien, da mußte er erst zu wiederholten Malen nvt dem Säbelgriff an die Türe pochen, i ehe diese sich öffnete.

i * * .

> Tas Manöver mit seinen Freuden und kleinen [ Leiden ist vorüber und die Batterie rückt mit ! klingendem Spiel, das heißt, vier Trompetern an [ der Spitze, in den kleinen Ort N. ein.

; Eine Schar Kinder steht erwartend am Tor - und begrüßt die Kanonenfoldaten nut wnstem t Geschrei. Schmucke Mädchen stellen hie und da c an den Türen oder blicken verstohlen hinter den Fenstervorhängen hervor. Ein berußter, dicker f Schmiedemeister tritt militärisch grüßend an den i Hauptmann heran mit der Frage:Wo is mine» i Soldaten?" Und als dieser erwidert, er möge nur abwarten bis die Geschütze aufgefahren und t die Ouartierbillets verteilt waren, dann würde : er seinen Soldaten schon bekommen, geht er ver- 1 anügt zurück und meint:Na, denn is men gut.