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3. SU'VB’JSL Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzeltung

frf»ehtt tSyllch, wtt Heteofime »er Sonn« ■nft Settriage. Viertel« jährt. Bezugspreis ohne Vringertvhn und BeMeagel6inS*I6Qun» auswärts < mi so psg.

Verantwortlicher Sdjriftieiter: 3. Baum

MEtrbell-g«: „Huldaer Seschichtsblötter"

An;eigeu: Vie ein sp ltige petttzei e oder deren Baum 15 Psg. Rettomen die Petitzelle 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationsdruck n. Verlag ret suldaer 2lc« tiendruckerei in Hulda. Seruipreoec Ht; 9.

Fulda, Samstag, den 16. Dezember lü()5.

JV» 268.

32. Jahrstanq.

Zweites Wt'att.

Unpolitische Settläufe.

(Nachdruck verboten.^ ® Berlin, 14. Dezember 1905.

Schenke, schenke, schenke! Als ob Weihnachten nur ein Geschenksest wäre! Nun ja, dieser an­scheinend freiwillige G Ueraustausch gehört auch dazu; nur darf man nicht glauben, damit sei es abgetan. Die Engel haben nicht gelungen: „Ge­schenke den Menschen", sondern „Friede den Mentchen". Die Weihnacht muß dutch etwas besseres geweiht werden, als durch aufgebauten Kram, und die rechte Heiligung deS Christ festes kann man nicht ans dem Warenhause beziehen.

Es kommt von Herzen, sagt der bescheidene Geber, und der gerührte Empfänger versichert seine herzliche Dankbarkeit. Diese Berufung auf das Herz wird freilich oft von Protzern und Hab­gierigen schauspielerisch nachgeäfft; aber eS liegt doch immer eine Anerkennung darin, daß nicht das Ding, sondern die Gesinnung eine Haupt­sache ist. Wer Reime liebt, kann so sagen:

Zum Christbaum braucht man Kerzen Und mehr noch liebende Herzen.

Wenn ich die Weihnachtssprüche zu ordnen hätte, würde ich oomanfteUen an den ersten, zweiten und dritten Platz das Wort des heiligen Johannes: Meine Kindlein, liebet euch unter einander! Darnach käme dann das sichtbare Zeichen der Liebe: Meine Kindlein, beschenket einander in vernünftiger Weise!

Und dann das andere Wort in einer kleinen Anpaffung: Wenn du deine Gabe zum Weih­nachtstische bringst und dich erinnerst, daß dein Vater oder deine Mutter oder dein Bruder etwas wider dich habe, so leg die Geschenke erst bei Seite und versöhne dich mit den Deinigen; nachher wird dem Geschenk erst zu einem Liebes- opfer!

jawohl, unter dem SchaltendeSWeihnachls- baumeS baut sich ein Altar auf, ein hehrer und heiliger Familien altar. Darjst du an diesem Altar Komödie spielen?

Ein Komödiant bist du, freigebiger Ehemann, wenn du deiner Frau mit schönem Mick und Wort zu Weihnachten die glänzendsten „lieber» raschungen" bereitest, während du die übrigen 364 Tage des Jahres sie vernachlSssigst, miß­achtest, beleidigst und quälst.

* (Eine Komödiantin bist du, lächelnde Ehefrau, trenn du deinem Galten unter dem We hnachlS- bait.ii mit reizender Zärtlichkeit die „selbstgesertig- len* Geschenke und sonstigen Liebeszeichen verab­reichst, während du im Herzen denkst: Warte nur, nach Weihnachten mußt du ebensogut nach meiner Pfeise tanzen, wie bisher!

Komödianten sind die Eltern, die zu Weih­nachten ihren Kindern glänzenden Kram ausbauen, aber im übrigen Jahre immer etwa- Anderes und „Höheres" zu tun haben, als sich um die Pflege und Erziehung der Kinder zu kümmern. Und miserable Komödianten sind die Eltern, die für die paar zusammengekauften Geschenke noch gar eine Hochflut von dankbarer Liebe erwarten, obschon sie den Kindern nie die rechte, herzer- wärmende Liebe gewidmet haben.

Aber Komödianten seid ihr auch, ihr anschei- „end so guten Kinder, die ihr glaubt, mit einem buchen Handarbeit ober einem abgeleierten Glück­wunsch alles wieder ausgleichen zu können, was ihr in dem Jahre durch Faulheit, Trotz und son­stige Sünden an euren Eltern gefrevelt habt.

Ist denn Weihnachten etua ein Loskauftag. wo man mit einem äußerlichen Opfer von Geld oder Arbeit seine alte Schuld abzahlen und sich e nen Freibrief für weitere Zucht- und Lieblosig­keit kaufen kann?

Zu kühnen, was man im Laufe des Jahres durch Nachlässigkeit oder Missetat gegen seine Angehörigen verbrochen hat, daS ist ein schöner Gedanke. Nur muß die Sühne auf dem rechten Wege gesucht werden. Neue und guter Vorsatz sind die unerläßlichen Mittel; unter Umständen gehört auch das Bekenntnis und die ausdrück- > liehe Bitte um Verzeihung dazu. Jedenfalls muß ' innerlich die Sehnsucht nach Verzeihung und der Entschluß zur Ausgleichung durch ein besseres Verhalten vorhanden sein. Nur wenn aus dieser inneren Wiedergeburt der Liebe die Weihnachts­gabe entspringt, ist sie würdig des Platzes an der geheiligten Stelle.

Also immer 'rein in die Kaufhäuser, soweit es die gute Sitte fordert und euer Geldbeute erlaubt; nur vergeßt nicht die Einkehr in das , eigene Innere, die Vorbereitung der Herzensgabe. Wenn Ihr eine ganze Reihe von Stunden der Auswahl der äußeren Gabe widmet, so solltet 'ihr wenigstens mal ein Viertelstündchen übrig haben für die Erwägung: Lebe ich mit meinen Angehörigen und den übrigen Menschen in Liebe, Friede und Gemütlichkeit? Wenn es darin (hap rt, woran liegt die Schuld und was ist zu tun ?

Bei manchem ist die Antwort ganz „selbst­verständlich": die Schuld liegt immer bei den andern. Das liebe Ich — das ist die verkannte Gutmütigkeit, die gekränkte Unschuld, der unver-

tandene Engel. Die „anderen aber stören alle- eit die Gemütlichkeit und den Frieden, weil sie rechthaberisch, trotzig, eigennützig, eigensinnig, neidisch —, wer weiß was sontt noch schlimmes tnb! So schreibt man sich gegenseitig die Schuld U, und weil keiner den Anfang der Befferung machen will, so bleibt es bei dem alten Verdruß und Unglück.

Kann man denn nicht wenigstens einmal im Jahre in einen ehrlichen Spiegel der Selbsterkennt­nis blicken? Kannst Du nicht wenigstens zu Weih­nachten einmal an die eigene Brust klopfen und liefennen: „Na, ich bin im Punkte der Verträ ichkeit auch nicht gerade der beite Bruder ober Die beste Schwester! Ich habe auch meine Launen. Fehler und Tücken; ich verlange immer die garte» ten Rücksichten und bin doch selber oft rücksichts­los. Potz tausend, wenn ich Liebe ernten will, so muß ich auch Liebe säen. Ich will mich doch einmal selber bessern; am Ende werden bann auch die anderen bester mir gegenüber, und wir p> op­tieren allzumal an Behaglichkeit und Lebensglück!"

Die Kinder sagen: ,Mch, wenn doch alle Tage Weihnachten wäre!" Dabei denken sie an den äußeren Glanz und die Gaben für Mund und Hand. Der vernünftige Erwachsene soll auch sagen: „Ach, wenn doch alle Tage Weihnachten wäre!" Und er soll sogar ba8 ©einige dazu tun, um dieses chronische Fest zu schaffen; aber nicht im Sinne deS materiellen Gebens und Nehmens, sondern der Fortdauer deS Weihnachtsgeistes, da- mit das ganze Jahr hindurch Frieden und Liebe unter den Menschen auf Erden herrsche. Ist io ein fortwährendes Weihnachten zu erreichen? Für die Welt im ganzen nicht, denn sie bleibt bis zum jüngfien Tage ein Jammertal. Aber wohl für einen kleineren Kreis vernünftigerer Menschen, wohl für eine Familie, in welcher der gute Wille herrscht. Nun gut, laß das Meer des Unfriedens in der übrigen Welt tosen und schaffe Dir eine Insel der Gemütlichkeit, wenigstens in Deinem eigenen Hause!

Wenn ich eine Weihnachtspredigt zu hallen hätte, würde ich ausführen, daß man um Gottes willen, um des Christkindebens willen, um des Himmels willen friedlich und menschenfreundlich fein müsse. Hier will ich blos sagen: es ist zu deinem eigenen Vorteil! Denn mit dem verdrießlichen, begehrlichen, zänkischen Wesen machst du schlechte Geschäfte. Wer anbere Leute in Aerger stürzt, fällt selber mit dem Anger. Wenn du den Frieden in deinem Hause störst, so handelst du gerade so klug, wie wenn du deine eigene Fensterscheibe ober dein eigenes Geschirr entzweischlägst. Dein eigenes Glück, beine Ruhe und Behaglichkeit gehen in Trümmer. Man nennt den Frieden flörer wohl einen Teufel; man könnte ihn auch gleich als dummen Teufel be­zeichnen. Denn er schädigt sich selbst^ in dem Höllenseuer, das er seiner Umgebung anzündet, muß er selber mit leiden. Etwas milder, aber nicht gerade wohlklingend ist die Bezeichnung „Stänker". Auch darin tritt die Unvernunft ober Unsriedlichkeit hervor: Der Stänker erzeugt eine schlechte Luft und seine eigene Nase muß sie mit genießen.

Meine Kindlein, vertraget euch unlereinanber; das ist das gescheideste, was ihr zur Erleichte­rung eures irdischen Geschickes tun könnt. Gegen Krankheiten sind wenig Kräuter gern chsen, gegen den Tod gar keins; auch das wirtschaftliche Ringen und Sorgen läßt sich richt beledigen. Um so mehr sollten wir uns bemühen, wenigstens aus dem häusluhen und geselligenLeben denVerdruß und die Zwietracht fern zu halten und durch Friedlichkeit, Nachgiebigkeit und Gemütlichkeit das Dasein behaglicher zu machen. In tausend Sprüchen wird uns gelehrt, daß der Friede er­nährt und beglückt. Warum recken wir denn nicht beide Hände auS nachdem seligmachenden Frieden? Warum warten wir immer daraus, daß die „anderen" den Frieden uns auf dem Präsentier­teller entgegenbringen, statt selbst den Anfang mit Versöhnlichkeit und Freundlichkeit zu machen? Wenigstens an diesem Feste, wo uns die Engels- bolschaft vom Frieden so lieblich ins Ohr klingt, sollten doch die Christen sich darüber klar werben, daß es nicht blos ein Verbrechen, sondern auch eine große Dummheit ist, wenn die Menschen sich gegenseitig ärgern, reizen, zanken und quälen, statt in ihren Mußestunden bas gemütliche Lied anzustimmen: „Wir sitzen so fröhlich beisammen und haben einander so lieb!"

Die Weihnachtskerzen brennen nicht alle Tage; aber Weihnachtsherzen sollten immer schlagen in jedem christlichen Hause. Wechnachtsherzeii, in beiten alle Tage und alle Stunden der Drang lebt, zu den Genossen lieb und gut zu sein I Da gibt es von Morgens früh bis Abends spät so taufenberlei Kleinigkeiten, in denen sich die treu» herzige Freundlichkeit bekunden kann: wirkliche Kleinigkeiten in einem schelmischen Blick, einem munteren Wort, einer aufmerksamen Hand­reichung rc , geringfügige Dinge, die an sich ganz winzig erscheinen, und doch in ihrer Gesamtheit viel mehr Glück und Segen verbreiten können, als die beladensten Gabentische am Weihnachts­baum.

„Friede den Menschen, die eines guten Willen- sind". Der Wille muß gut werden, und da wollen wir mit unserem eigenen Willen

den Anfang machen. Jeder ist seines Friedens Schmied. Beschenke dich selbst mit dem rechten Weihnach^geist!

ki. c. vom Luxus.

Von G. v. Reichenbach.

Weihnachten naht, die Löben sind bis auf das letzte Winkelchen mit Unmassen von Dingen an- gefüllt, die womöglich noch allesamt vor Weih­nachten loSgcfcblagen und als Weihnachtsgeschenke verwendet werden sollen.

Da hört man denn auch wieder recht viel vom „Luxus" reden und nicht viel gutes. Er führt überhaupt fein gutes Renomme; alle haben ihn zwar im Grunde des Herzens sehr gern, aber keiner will viel mit ihm zu tun haben; daß er sich aber „bei anderen Leuten" findet, wird mehr oder minder scharf besprochen und verurteilt. Das ist eine zw«klose Heuchelei dem Luxus gegenüber, die überdies nicht den geringsten Schutz gegen etwaige Neigung für Luxus bietet. Und man darf ruhig sagen, daß der Luxus gar kein so schlechter Gesell ist, wie man gemeinhin behaup­tet; man muß ihn nur zu behandeln wissen und ihn nicht tollköpfig werden lassen.

Zwischen Luxus und Luxus ist freilich ein großer Unterschied, je nachdem er zur sinnlosen Berschwendung hinüberneigt oder sich in den Schranken reichlicher und selbst außerordentlich reichlicher Geldausgabe hält und mit annehm­barem Zweck auftritt, aber auch nach diesen zwei Richtungen hin sind der Unterschiede zahllose.

So ist es jedenfalls „Luxus" und Verschwen­dung, wenn der Unbemittelte seiner Frau statt eines soliden Mantels, der gut seine drei Jahr aushält, ein seidenes Fähnchen kaust, das weder warm ist noch länger als ein Jahr zu leben ver­mag; „Luxus", wenn er zu Weihnachten seinen Kindern Spielsachen kaust, deren Preis seiner Einnahme durchaus nicht entspricht und die um so teurer zu stehen kommen, je gebrechlicher und kurzlebiger sie sind. Kein Luxus aber ist cs, wenn der vielfache Millionär seiner Gattin einen Berg der kostbarsten Seidenstoffe, Spitzen, Tep- picke usw. schenkt; wenn er die Töchter mit Gold- nnd Edelsternschmuck überladet, ganze Zimmer zu Weihnachten mit teurem Spielzeug anfüllt und dem erwachsenen Sohn zu dem schon vorliandenen Doppelgesvann noch ein zweites solches, im Grunde überflüssiges, zum Präsent macht. Wenn wir dos alles keinen Luxus, oder doch einen ge­rechtfertigten und selbst pflichtmäßiaen nennen, werden wir wobl auf vielfachen Widerstand stoßen.

Aber wir bitten: Was soll der überreiche Mann mit all dem Geld, das er bei mäßiger Lebensweise und unauffälligen Ausgaben viel­leicht nur zur Hälfte verbrauchen kann, tun? Soll er dell Ueberschuß als „solider" Mann auf Zins und Zinseszinsen anleaen, um immer reicher zu werden, der Mitmenschheit aber keinen wesentli­chen Vorteil davon zn gewähren? Soll er das er­übrigte Geld verschenken? Gewiß! Arme, Kranke usw. soll er unterstützen; im üßriaen aber bringt geschenktes Geld selten Segen, wirkt druckend und ist nicht einmal beliebt. Der Mensch will erar­beitetes Geld haben, das versteht er in de^Regel vernünftig anzuwenden, das liebt er, dessen freut er sich. Die Folae ist, daß der Reiche zwar nicht verpslichtet ist, aber sehr gut daran tut, über seine Bedürfnisse hinaus zu kaufen, und t>»rch die an die gekauften Waren verwendete» Gelder möglichst viel Arbeit unter die Leute zu brinaen.

Was würde der ländliche Pferdezüchter sagen, wenn man ibm zumutete, er solle nur solide Ar­beitspferde züchten, aber keine Lrixuspserde, denn durch letztere Zucht leiste er nur dem Luxus der Reichen Vorschub?!

Er würde sehr erstaunt dreinschauen und klipp und klar erklären, daß er dem Luxus der Reichen sehr dankbar sei, denn er zahle ihm Pferdepreise, die sonst kein Mensch anlegt; fördere also durch seine großen Ausgabe» die Existenz des Pferde­züchters wesentlich.

Gebt die Seidenindnstrie schlecht, dann muffen tansende von Arbeitern knapp leben und man wünscht mit Recht, daß doch die reichen Damen wieder Geschmack an der Seide finden und wo­möglich den teueren Stoffen ausgiebig zwvenden möchten, damit die Seidenweber nicht bloß ge­nügende, fonderw auch lohnende Arbeit bekommen. Der „Luxus" jenes Millionärs, der seiner Frau mehr als sie eigentlich braucht, kostbare Kleider schenkt, treibt also keinen Luxus im bösen, sondern im guten, im volkstwirtschastlich gerechtfertigten Sinn. Mit dem überreichen Ankauf von E'old- toaren, Schmuckfachen, feinen Porzellanen, Spi­tzen usw., kurz all jener Dinge, die wir meist „Luruswaren" nennen, hat es eine gleiche Be- wandnis; ohne die Käufe des Reichen würden die betreffenden Industrien bald erlahmen und unge­zählte Arbeiter einen lohnenden Verdienst ver­lieren.

Ter Luxus hat also reckst Wohl seine guten Seiten und ist — notwendig.

Trotz alledem ist er, wie oben bemerkt, nicht sonderlich angesehen und selbst — verhaßt. Das letztere wird er teils aus einen er, teils aber auch aus der Menschen großer Schuld.

Luxus, wie ibn, namentlich in der letzten Kai­serzeit, manche Römer trieben, kann man nun kaum mehr Luxus, sondern mir ebenso verrückte wie prablsüchtige Verschwendung nennen. So kam ein einziges Gericht Nachtigallenhirn oder Psau- enzunaen auf tausende von Mark zu stehen und schmeckte nicht einmal; ebenso unsinnige Der- fchwendunq war es, daß man bei dem einen oder andere» Gastmahl so viel kostbare Rosen auf die Gäste herabfallen ließ, daß diese beinahe erstickten. In beiden Fällen batte weder das Gemeinwohl noch die Arbeiterschaft den geringsten Vorteil, denn was an Arbeit aufzuwenden war, geschah durch die — Sklaven des Verschwenders.

Solche Tollköpfe gibt es auch heute noch. So hat es Protzen gegeben, die nach einer opulenten Tafel ihren Gästen dadurch zu imponieren suchten, daß sie zum Anbrennen der Zigarren, als Fidi­bus zusammengelegte, brennende 1000 Markscheine herumreichen ließen.

Daß solcher und ähnlicher Luxus sich verächtlich und verhaßt mac'it, liegt aus der Hand, lieber- Haupt hat der Luxus leicht dis Eigenschaft an sich, daß er gern protzt, mit Verachtung, Hohn und grober Herausforderung auf die Minderbesitzenden herabsiebt. Tas empört diese mit Recht. Aber sie gehen jedenfalls zu weit, um der Sünden des letzt­genannten Luxus willen den duldbaren, Arbeit und Wohlleben verbreitende» gleich mitzuver- dammen.

So häßlich der frech sich blähende Luxus ist, so viel Unzufriedenheit er schafft und zu verur­teilen ist, so ist nicht minder die einseitige Ver- dammung des Luxus durch das breite Publikum zu verwerfen und noch vielmehr die aus dein Neid, der Scheelsucht usw. entspringende blind- gehässige Tenk- und Redeweise gegen bett Luxus im allgemeinen.

Man versteht es völlig, daß sich in das Herz eines Vaters, dessen Kinderschar groß, dessen Geld­beutel sehr klein, bittere Gedanke» erschleichen, wenn er in einem großen, lichtstrahlenden Schau­fenster ungezählte und prachtvolle Spielsachen ausgestellt und reiche Damen mit Annen und Körben voll dieser verlockenden Dinge den Laden verlaffen sieht, während et nur für Brot und billige Wurst Geld bat, nicht aber soviel, auch nur die bescheidensten f'iinfcfie seiner Kinder erfüllen zu können. Aber wird seine Lage auch nur um Haarbreite zum besseren gewendet, wenn er der Erbitterung Raum gibt? Nein! Sie wird ganz wesentlich verschlechtert: zu dem Zwang des Ent- bebrenmüsiens gesellt sich noch das verdüsterte Ge­müt und der fressende Neid. Das ist mm alles leicht gesagt, aber recht schwer getan. Not ist be­kanntlich ebenso gefährlich für die Ruhe des Ge­mütes wie großer Reichtum.

Wie aber gesagt, einem Armen obengenannter Art liegt es nahe, durch den Anblick von Luxus neidisch und verbittert zu werden. Leider huldigen auch sehr viele Leute dein Neid, die es im Grund gar nicht nötig hätten. Wir glauben kaum, daß es viele mittelmäßig begüterte Bürgersfrauen gilt, die. ohne dem Gefühle des Neides Raum zu geben, einer eleaanten, in die kostbarsten Stosse und Pelze gekleideten, mit dem auserlesenste» Schmuck behangenen Multi-Millionärin nach- blicken könnten. Die Folge davon wird sein, daß sie nicht gut auf den Lums zu sprechen sind, und nach ihrem Teil das nötige dazutun, den Luxus im a^-emeineu, wie den eben erwähnten speziellen zu t reditieren. Auch das ist menschlich, aber freilich nickst erlaubt.

Die größten Widersacher de? Luxus finden sich aber im Lager derer, die selbst Lnrns treiben. Jeder Grad mehr bei anderen, als sie selbst sich leisten können, fordert ihre schärfste Verurteilung nickst bloß der Sache, sondern auch der Person heraus. Hier gibt es jedenfalls keine Entschul- dignng. , , . ...

Daß der Luxus, mag er auch noch so großartig betrieben werden, weder eine sittlich verbotene, noch sozial gemeinschädliche Sache ist, sondern so­gar eine wirtschaftlich nützliche, sofern er ver­nünftig auftritt, liegt auf der Hand. Umgekehrt ist jeder protzige, mit oder ohne bösen Wi en verletzende Luxus und selbstredend jede verrückte Verschwendung durchaus verwerflich. Pflicht aber aller, die wenig oder keinen Luxus sich leisten können, ist es, nicht vorschnell nnd im allgemeinen den Stab über den Lurus zu brechen, sondern ibn, sofern er sich in den Grenzen der Vernunft hast, als einen im Leben der Allgemeinheit notigen und selbst feaenbringenben Faktor anzuerkennen und zu schätzen. Das mag ja manchem schwer fallen, aber damit ändert er an der Tatsache nichts, schädigt sich und seinem Gemüt aber selbst.

Ssttksdic«kordsr«8 in F»!ds.

Stadlpfarrkiribc. Samstag, 16. Dez. Slbend» 5 Uhr Beginn der neuntägigen Andacht zur Vorbereitung auf das hl. WeihnachtSfest.

Sonnt na, 17. Dezemb er. Tom.'26.6 und 7 Uhr hl. Mellen, 8 Uhr Pfarramt, Predigt und Romnvnvon der Schulkinder, ‘MO Uhr Umgang und Rathebrnlamt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr bl. Melle, - -2 Uhr An­dacht, 4 Uhr Predigt und Bruder schatt vom aNerdeiltgsten Altarssakrament, 7 Uhr Andacht in der Marie.ikapelle.

Während des ® 011 e ? b i e n ft e 3 u m 8,1 1'0 und 12 Uhr ist Kollekte für den Bonifatius- v er ein. — Stadtpfarrkirche. ' «6 Uhr heil. Melle und Predigt, 6 nnd 7 Uhr hl. Melle, 8 Uhr l>l. Messe. Predigt und Kommunion der Schulkinder, ‘’iO Uhr Amt und Pred.at, 11 und ' -2 Ul,r Christenlehre, 3 Uhr A»b.> «* Psarrtirche zum heiligen Geilte. 8 Uhr A mt unb^ll red' , 5 Uhr Andacht mit Segen. — Jungfrauen-LodaN, i 2 Uhr Mutterhaus. — Fraucnl>erg. Ve'.'ge Mek ! um 6, '.6 und ',,7 Uhr. 8 Uhr Rosenkranz-Ms 1 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr Predigt nnd Andacht , t Umgang für die Füns-Wunden-Bruderschaft.