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JV§ Zb8.

Fulda, Samstag, den 16. Dezember liMtö.

32. Jahrgang.

D!iertcs WlÄtt.

kl o. Spielzeug und Spielen.

Von G. R ö m e r.

^Nachdruck verboten.)

Vor einigen Jahren hatte Professor Lazarus n Berti?, eine besondere Schrift zur Befürwortung »es „Spiels" und des „Spielens" veröffentlicht nid darin eine ansehnliche Lanze für das Spielen gebrochen. Seine Ausführungen sind uns nicht ,ur Hand, wir wollen auch, während Lazarus die Spiele der Männer, Kartenspiel usw. in den Vor- »ergrnnd stellt, vom Spielzeug und vom Spielen iberhaupt sprechen.

An den Begriff „Spielzeug" knüpfen wir un willkürlich den Begriff Kind. Und dann denken wir,'was Namens- und Geburtstag, tvas St. Nikolaus nur teilweise ausgeführt, das vollendet Weihnachten, d. h. es bringt dem Kind den vollen Spielzeugsegen. Irgend etwas Spielzeug gibt es bann auch unter dem bescheidensten Dach, während das ländliche Schlaf;, der städtische Palast nicht selten eine Ueberfülle ausweist. Da wird denn natürlich auch immer wieder die Frage aufgewor­fen: Warum spielen die Kinder so gern, so aus­dauernd, so geschickt und oft selbst so phantasie- reich'^ Mit der einfachen Antwort: das Spielen liege allen jungen Wesen, dem Kätzchen und Hünd­chen, dem Lamm wie dem Zicklein, dem gewandten Fohlen und dem täppischen Kalb von Natur aus -benfo „in den Gliedern" wie dem Kind — ist es nicht abgetan. Tie Erklärung ist zu mechanisch um befriedigen zu können, und stellt zugleich neue Rätsel auf.' Woher z. B. der Naturtrieb? ! Eine bessere Erklärung dürfte die sein, daß das Kind am Spielzeug seine körperliche Kraft zu üben, seine Fingerfertigkeit auszubilden und vor allem seine kleine Denkkrast zu entwickeln sucht. Das Kind weiß natürlich noch nichts vom Zweck, den jede Handhabung haben soll, noch viel weniger von einer Systematik und so wird seine Beschäftigung mit den kleineren oder größeren Gegenständen, die ii.it Spielzeug nennen, «un wirklich:» Spiel, zur Spielerei.

DaS Spiel-des Kindes sieht durchaus nicht bei allen Leuten in bestem Ansehen. Es beißt da, die Kinder „versvielien sich", würde-; oberflächlich und gewöhnten sich nur schwer an die Arbeit IN Schule und Haus. Irr einzelne» Fälle» mag das zutreffen, im großen und ganzen aber gehört das Spiel zum Kind wie die Poesie zum Leben; kommt Tag und Stunde, verliert sich beides, meist viel früher als im Grunde gut ist.

Ein Kind, das nicht zu spielen versteht, ist ein langweiliges Wesen; sogenannte Uebergefcheid- heill richtiger gesagt, von Eltern und Verwandt- schast cinp.iriditert:' und andressierte Äitklughcit. ändert iiidfts am Bild. Und das schließliche Resul tat ist, daß aus solchem Kind ein langweiliger Sesell fiir's ganze Leben wird, den Mitmenschen Vie sich selbst kaum zur Freude.

Das Spiel ist für die regelrechte Entwicklung des Kindes gerade jo nötig wie Reinlichkeit und srische Lust, und datz beste Mittel, das Kind auf ihm zusagende Weste zu einer schnellen und ge­sungen Entwicklung zu führen ohne es überanzn strengen. Allerdings ist es vo.- großem Vorteil, Munn vic Eltern nicht vergessen, ein beovachiendeü Nugo auf da? Sp»el der Kundee zu halten, sich aber wolst hüten, immer gleich da abwehrend ober mahnend oder verbessernd einzugreife», wo das kindliche Spiel dem küble» Verstand des Er­wachsenen einmal unverständlich ist und daher unverständig erscheint. Wir haben einen Vater gekannt, der außer sich geriet und alles Spiel- lettrt verbrennen wollte, weil sein kleiner, sehr in« relligeuter Suupc oir-s der Spielzeuge, dessen Be wegurigskrast ihm jedenfalls rätselhaft erschien, ruseinandernah'N (und dabei natürlich demo­lierte), um das Rätsel zu ergründen. Dec Vater nannte das in ganz falscher Auffassung rohe Zer- 'törungtzsucht. Ein anderer suchte seinen Jungen, rar seine Spielzeugtiere cknredete und dann selbst )ie erdichteten Antworten dec Tiere erteilte, klar zu machen, daß letzteres Unfinn sei, da Tiere keine Sprache.Hütte::. Dergleichen ist jedenfalls eine Zopserei und Pedanterie, die lähmend auf die Phantasie, auf die Entwicklung der Gehirntätigkeit )es Kindes wirkt.

Wieviel ober wie wenig Spielzeug man dem rinde geben soll, darüber läßt sich keine Regel auf- tellen, jedenfalls aber kann man die Beobachtung uachen, daß das Kind auf äußeren Glanz des Spielzeuges nur ganz kurze Zeit Wert legt, bald vicb es dasjenige Spielzeug am liebsten haben — sei es auch das einfachste — in das es sich cm «eiste» hineingedacht, das es nach seinem Ge- chmack zugestutzt hat.

Tas Spielen der Kinder mit Spielzeug ver­irrt sich mehr und mehr von einer gewissen Alters­tufe an, das Spiel der Kinder untereinander tritt u ।eine Stelle. Armes Kind, das während dieser 3cit aus irgend einem Grund den Verkehr mit . •Hubern mifwn mutz und auf das Spielzeug anqe- viesen bleibt. Der liebevollste Umgang mit Er- vachseuen kann ihm den Umgang mit Kindern licht ersetzen. Das Kind will Kinder um sich »aben. Am beginnenden Lernen gewinnt es nur ,ann eine gewisse Freude, wenn es in Gesellschaft ernen kann, ebenso am Spiel. DaS Kind strebt >ereits in die menschliche Gesellschaft hinein. Da na» ihm ober nicht zumuten kann, daß es sich an Leegesellschaften, an Konzerten, am Sitzen im ieftaurant oder stetem Stubenhocken amüsieren oll. mutz man ihm die Gesellschaft verschaffen, n die es patzt, die es versteht, von der es ver­tändelt wird, mit der es gleiche Interessen hat ihn. — also Kindergesellsckast. Von einem deut­

schen Monarchen, der nette, stramme Jungen hat, erzählt man sich, datz er des öfteren Ausflüge mit diesen in die Umgebung unternehme. Wäh­rend des Kaffees müssen die Prinzen sich brav hofmäßig benehmen. Dann aber kann der Vater den sehnsüchtigen Blicken seiner Kinder nach den Kinderscharen der sonstigen Ausflügler nicht länger Widerstand leisten. Er gibt den Jungen ■ einen Wink und fort fliegen sie mitten in die, spielende Kinderschar hinein. Was kümmert sie, daß sie Königskinder sind, sie wollen Kinder sein, nur Kinder. Und anderes! Es existiert von einem hochangesehenen Meister ein Bild, da schrei­tet an der Hand der Erzieherin ein elegantes, kleines Mädchen mit einer kostbaren Puppe auf dem Arme daher und schaut traurig-sehnsüchtig nach einer Gruppe ärmlich gekleideter Kinder, die lustig spielt und lacht. Man sieht es dem Kind aus vornehmem Haus an den Augen an: ließe die Erzieherin es los, es stürzte sich jubelnd unter die fremden armen, aber heiter spielenden Kinder, um — mitzuspielen. Das Spiel des Kindes ausschließlich mit dem Spielzeug findet sein Ende, das Kind will zum Gesellschaftsspiel mit seinesgleichen, mit Kindern übergehen.

Dieser Drang nach „Gesellschaft" und gesell­schaftlichem Spiel, gesellschaftlicher Unterhaltung steigert sich mit den Jahren, bis er im gesetzte» Alter mehr oben minder wieder zurücktritt und in einzelnen Fällen ganz verschwindet. Ter beste Beweis für die erstere Behauptung ist die Ent­wicklung des Sportwesens in den Kreisen der Jugend. Lawn-Tennis, Fußball, Croquet und wie sie alle heißen, sind durchweg Gesellschafts­spiele und jedenfalls gesunder und nützlicher als Teekränzchen mit obligatem Klatsch und langes Bierbanksitzen, denn sie bieten außer einer leis­ten Unterhaltung auch eine wesentliche Förderung der körperlichen Gesundheit.

Diese Gesellschaftsspiele sind uralt in Deutsch­land. Bor dem 30-jährigen Krieg fand sich in fast jeher Stadt und selbst an kleineren Orten ein Ballhaus, in dem aber nicht getanzt wurde, wenig­stens War das Haus nicht zu dem Zweck errichtet, sondern Ball gespielt wurde, und zwar Ball in ganz verschiedener Weise. Nach dem genannten Kriege verschwinden die Sport- und Gesellschafts­spiele. da völlige Verarmung in Deutschland ein­getreten war, aus dem Lande. Aus England, wo sie sich erhalten hatten, sind sie als „Neuheit" in den letzten Jahrzehnten wieder nach Deutsch­land zurückgekehrt, werden aber von gar nicht wenigen Kreisen, namentlich im Bürgerstand, noch ziemlich scheel und mit Mißtrauen angesehen.

War d-a z. B. ein älterer Herr, Besitzer eines großen Lagerhauses und entrüstete sich mächtig und gern über die gesellschaftlichen Kraft- und Gewandbeitsi'rüele. Sein Schlußtrumpf hieß in der Regel: „Wenn ick auch nur an einem einzigen Wochentage von meinen „jungen Leuten" die­selbe Krastautwendtlng verlangen würde, die ein vhtgiacr Soimtagnochmittag ober Sommerabend i;on ihnen durch das Fußballspiel fordert, ich würd' als Menschenschinder ausgeschrien!" Der gute Herr verkannte den Wert des Spiels voll­ständig.

Daß die Tagesarbeit, sei sie geistig oder kör­perlich "oder gemischter Art, selbst wenn sie wechsel­voll genannt werden kann, doch mehr oder min­der in die Schablone geraten muß, liegt auf der Hand. Immer dieselben Muskeln werden in zn miiw gleichüleibenber Weise, immer dieselben Gehirnpartien angestrengt. Das Spiel aber setzt ganz andere Teile des Körpers bezw. Kopfes in Tätigkeit und läßt die angestrengten um so bester ausruhen. Außerdem wirkt das Spiel jedenfalls belebend, aufheiternd auf Nerven und Gemüt und fördert dadurch die Erholung der arbeits­müden Partien wesentlich.

Die Erfahrung hat ergeben, daß ein ermüdeter Meuich nach einer Stunde Spiel, sich weit frischer fühlt als nach drei, vier Stunden tatenloser Ruhe. Natürlich darf das Spiel nicht selbst wieder eine Uebermüdung schaffen und der Art, in welcher man ermüdet war, angevatzt fein.

TaS alles darf man nicht bloß von den Sport- und Gesellschaftsspielen, sondern selbst vom Kar­tenspiel. vom Schach usw. behaupten. Bezüglich des Kartenspiels dürfte mancher starke Einwen bangen machen wollen. Aber wir bitten zu bc denken, daß wir nicht stundenlange, bis in die tiefe Nacht und selbst bis in die ersten Morgen- stunden dauernde Kartenspiele meinen, sondern „ein Stündchen Skat" oder dergleichen. Die er­frischende Wirkung solchen Spielens läßt sich ganz einfach erklären. Wer den Tag über geistig gearbeitet hat im Kontor, auf dem Bureau, in: Gerichtssaal, in der Schulsttibe usw. wird ui willkürlich eine ganze Reihe von Gedanken vo: der Arbeitsstätte mit auf den Abendspaziergalm und dann heimschlevpen; ja selbst auf die Stamm kneipe nimmt er sie mit und macht sie zur Unter­lage dieses und jenes Gespräches. Diejenige, Gebirnteile, die den Tag über arbeiten mußte! und erschlafft sind, kommen also auch nicht ein mal imm der Arbeit zur Ruhe. Anders gestalte! sich die Lage durch „ein Stündchen Skat". Durch diesen werden ganz andere, den Tag über unbe­nützt gewesene Gehirnpartikeln in Tätigkeit ge letzt und die ermüdeten können ausruhen. Dazu kommt der weitere Vorteil: bat man durch das Spiel den Gedankengang des Tages auf eine Stunde voll den Abschied gegeben, wird man ihn in den meisten Fällen nach dem Spiel auch nicht wieder aufnehmen und das Gehirn erlangt eine dauernde Ruhe für den Abend, die Nacht.

Das Spiel wird viel mißachtet, aber hat cs durchaus nicht verdient, natürlich das vernünf­tige Spiel

hören auf die Namen „Quisang" und „Corinsk", und Herr Rockefeller hat für sie den Preis von 10 000 Ji' gezahlt, — eine der höchsten Summen, die wohl für ein derartiges Objekt gegeben wur­den. Die Hunde sind schottischer Herkunft.

• Ei» köstliches Stückchen von der Volkszählung wird der „Franks. Ztg." aus der bayerischen Pfalz mitgeteitt: Die Furcht vor der Erhöhung der Hundesteuer (eine solche, inzwischen aber toteber zurückgezogene Vorlage beschäftigte jüngst die bayerische Kammer) veranlaßte bie Gemeinde W. gelegentlich dec Volkszählung, der Statistik ein Schnippchen zu schlagen. Man hatte sich dort aus­gerechnet, daß die Gemeinde 305 Einwohner zahle, ünf über die Zahl, bei der die Erhöhung der Steuer in Wirksamkeit treten sollte. Um nun die Gemeinde vor diesem Mißgeschick zu bewahren, machten sich am 30. November sechs Mann auf den Weg und übernachteten in der Stadt Ann- weiler! Auf diese Weise wurden sie tn SB. nicht mitgezählt und die verhängnisvolle Steuergrenze wurde nicht erreicht.

vermischtes.

* Der Strickstrvmps in der Universität. In Rostock halten Professoren und Dozenten der Uni­versität im Winter volkstümliche Vorlesungen, an denen bie Beteiliaung jedermann gegen eine ge­ringe Gebühr sreistebt. In dem Vortrag, der am letzten Montag gehalten wurde, ereignete sich nun -twas, das bisber in den heiligen Hallen einer Universität wohl noch nickt vorgekommen ist, und non neuem die Vielseitigkeit der Frau beweist. In einem „Eingesandt" in einer Rostocker Zeitung steht zu lesen: „Kaum hatte der Herr Professor unter der Spannung der Zuhörer seinen Vortrag begonnen, da geschah es — man sollte es nicht für möglich halten —, daß eine der anwesenden Damen einen wollenen Strickstrumpf von ansehn­lichen Abmestungen hervorzog und anfing. . in wütender Gangart darauf los zu stricken. Diese »dle Tätigkeit hielt ununterbrochen bis zum Schluß des Vortrages an. Man kann ein der­artiges Benehmen ja schließlich nur eine Naive­tät nennen und darüber lachen, wenn nicht, wie sich denken läßt, für die Umsitzenden dies „Ge- Fnütt" zu einer wahren Tortur geworden wäre unter der einem manches vom Vorgetragenen ver­loren ging. Hoffentlich wird sich dieser Unfug nicht wiederholen. Wer Strümpfe stricken will, möge zu Hause bleiben und nickt in die Universi­tät geben. Dazu ist die Universität nicht da."

* 10 000 Mark für ein Hundepaar. Der be­kannte amerikanische Nabob I. D. Rockefeller ha soeben zwei Foxterriers gekauft, die angeblich an Schönheit und Tüchtigkeit alles übertreffen, lvaS bisher ein Terrier geleistet hat. Die edlen Tiere

u. 8. wie cs kommt.

Skizze von Martha Loesenbach.

(Nachdruck verboten.)

Mein lieber Junget r„ .

Das war eine rechte Uebexraschung für Deine alte Mutter; Du hast ein Mädchen gefunden, das Du liebst mit ganzer Seele und möchtest heiraten; tu's nur in Gottes Namen! Wenn Ihr beide nur gut zusammen patzt und es Deiner Käthe nicht allzu schwer wird, ihren Beruf mit dem der Gattin zu vertauschen; hoffentlich wird sie einmal eine tüchtige Hausfrau und Du ein guter, rücksichts­voller Mann. In der Ehe glücklich zu werden, ist eine Kunst, die wenige verstehen. Sieh, Hans, die Liebe des Weibes ist eine Blume, die viel Wärme braucht, wenn sie gedeihen soll, und wie oft läßt es daran der Mann fehlen gleich in der ersten Zeit, in der das Eheleben bestimmt wird; er glaubt, daß bie Häuslichkeit wohl dazu da sei, baß er es in seinen freien Stunden gemütlich habe, aber das vergißt er, was er dafür zu geben hat: ein freundliches Gesicht — (nicht etwa lang unterdrücken Aerger jetzt an der Frau auszulassen, i)ie doch damit zu tun hatte) — geistige und see­lische Anregung; was nützt mir alles Wissen eines Mannes, wenn er es nicht verstanden hat, ein Weib zu sich heranzuziehen, wenn er in ihr nur die Haushälterin, später die Mutter seiner Kinder und nicht den Kameraden sieht. Und dann muß die Blume Liebe vor Frost geschützt werden, und jedes harte, unverdiente Wort, das ist Frost, und nicht zuviel kann die Liebe ver­tragen, nach und nach reißt sie aus mit allen Fasern und Wurzeln und nichts, Hans, nichts bringt sie zurück; die Ehe wird vielleicht friedlich und ruhig bleiben, aber eins fehlt bann, die Sonne, bie Liebe. — Dock, was habe ich da alles geschrie­ben? Nun, sei nicht böse, Hans, Du weißt ja, so ein Mutterherz macht sich gar leicht Sorge. Und bann, was Du da schreibst, daß so ein junger Arzt, wenn er sein Heim gründen wolle, gar so viel rechnen müsse; das weiß ich, Hans — ich habe in den zwei Jahren, seitdem Du fertig bist, man­chen Pfennig zurückgelegt, und das sollst Du jetzt haben, und von unfern Möbeln könnt Ihr gewiß auch manches gebrauchen, kommt nur und sucht Euch aus, was Ihr wollt, so eine alte Frau braucht nicht viel für sich. Deiner Braut kann ich gewiß manches helfen bei der Aussteuer — gleich heute will ich anfangen. Euch Strümpfe zu stricken — bringe mir Deine Käthe nur recht bald und forae Dich nickt, sie wird mir schon gefallen, denn sie ist Dir so wert und schon deshalb liebe ich sie. Küsse sie von mir und sage ihr, datz ich Euch Gottes Segen wünsche. Deine Mutter.

So sauer ist ibr das Schreiben nie geworden, und s- alt ist sie doch Eigentlich noch gar nicht; aber wer so viel geschafft und gesorgt bat, der "ltert früher. So nnenbli** v'-'l Liebe lieat in den Augen der alten Frau, wie sie jetzt mübsam sich aufriebtet und ibr Blick sinnend über die alten Photographien streickt, bis er auf einem Kinder­bild haften bleibt, was sie lanoe, lange ansieht . . .

Es ist Dämmerstunde. Sie sitzt am Fenster, mühe und abgespannt von Sorge und Arbeit, und 'netl sie sich allein weist, läßt sie den Tränen freien Laus; es tut so wohl, wenn's feiner siebt, sich einmal mt3*iitoeincn! Da acht bie Tür auf, ein deiner blondlockiger Bub svrinat herein, auf die Mutter zu, kniet auf ihren Schoß, legt die weichen Aermcken um ihren Hals und bettelt: „Mutterle. mein Mutterle, wein' doch nickt, bitte, wein' doch nickt! Weißt Du, Mutter, wenn ich groß bin, wenn ich ein Mann bin, dann verdiene ich Gelb, und dann, Mutterle, macke ick Dich ganz reich; dann kaufe ich Dir einen Wagen und Pferde „nd viele scköne Kleiber und immer Kuchen mußt Du essen und arbeiten und traurig sein brauchst Du dann gar nickt mehr! Nun aber nickt mehr meinen icfct, Mutterle, wenn ich groß bin, dann kriegst Du's sa so gut! Nickt weinen, Mutterle, guck wich mal ganz froh an!"--

Und weil sie sich allein weist, weint sie sich ans.

Wie batte sie sich beherrscht beim Schreiben und nun fiel dock noch eine Träne auf den Brief.

♦ Der Riesengewinn vo« Krupp. Ter 2. Jahres­bericht der Friedr. Krupp A.-G. ist jetzt erschienen. Ans der Gewinn- und Verlustrechmmg ergibt sich, daß die Gewinne ent prechend der günstigen Ent- roidlung der Montanindustrie sich beträchttich erhöht haben. Der Brutlobetriebsüberschuß des Unter­nehmens ist gegen das Vorjahr von 17,29 Mill, auf 22,9 Mill. Mk. gestiegen. Dabei ist zu beruck- ichtigen, daß der Betriebsüberschuß für 1904—0,) festgestellt ist, nachdem auf Immobilien bereits 12,6 Mill, für Abschreibungen abgesetzt sind, wah­rend für 1903—04 nur 9,3 Mill. Mk. hierfür ab­gesetzt waren. Für Steuern wurden verausgabt 1,,93 Mill. Mk, während in 1903—04 hierfür 3,23 Mill. Mk. verwendet wurden. Tie Vermin­derung der Stenern dürfte sich daraus erklären, daß der große Teil der durch die Umwandlung tn eine Aktiettgesellichast veranlaßten Abgaben in der Gewinnrechnung für 1903-04 einbegriffen sind. Ter Reingewinn für 1904—05 beläuft sich unter der Berücksichtigung von 145,000 Mk. Gewtnnvor- trag auf 16,558,291 Mk. (L V. 11,562,761). Die Generalversammlung, die dieser Tage stattfand, etzte die Dividende auf 7l» pCt (6 pCt. t. V) eft und überwies zirka 800,000 Mk. der orderst- lichen Reserve und 2400 Mk. der Exlrareserve, tue davurch auf 3 Mill, steigt. Außerdem beschloß bie Generalversammlung 1 Mill. Mk. den Peustons- und Unterstützimgskassen des Unternehmens ziizu« wenden (i. V. wurden 500,000 Mk. der Arlntter- pensionskasse der Gichftahstabrik gewährt). Die Dividende resp. die Zuwendungen erfordern insge­samt etwa 16,2 Mitt. Mk. Die Bilanz weist u. a. auf an Immobilien nach Vornahme der Abschrei­bunge» 160,600.617 Mk. (138,009,813', Werks« gerätcn und Transportmitteln 7,870,952 Mk. (6,953,970), Vorräten, halb» und ganzferliger Ware 93,954,874 Mk. (81,337,936), Patente 3,049,173 Mark (4,001,000), Kasse, Bankguthaben und Wech­seln 13,009,175 Mk. (13,512,571 Mk.', Wertpapiere und Beteiligungen 65,527,794 Mk. (54,674,803 Mk.), sonstige Debitoren 30,839,650 Mk. (31,703.741 Mk.). Unter de» Passiven figurieren die Anleihen mit 37,922,470 Mk. (38,918,770', der Delkredere- und Garantiesonds mit 8,260,896 Mk. (7,808,183), die Depositen von Werksangehörigen mit 25,164,596 Mark (22,926,798 Mk.), Anzahlungen mit 91,553,462 Mark <67,175,216) und sonstige Kreditoren mit 31,214,382 Mk. (23,312,195). Neber die Geschästs- lage enthält der Bericht keine Bemerkungen Das ist zu verstehen unter dem Gesichtspunkte, daß da) Aktienkapitat von 160 Mill. Mk. im alleinigen Be­sitze der Familie Krupp ist. Unter dem Gesichts­punkte aber, daß die deutsche Volkswirtschaft ein großes Interesse daran hat, die Entwickelung dieses ersten Jndustriewerkes und seine Geschäftslag > kennen zn lernen, ist dieses Fehlen einschlägiger Angaben zu bedauern. Bei diesem Anlasie aber erinnern wir daran, wie im März 1905 der Zen­trumsabgeordnete Erzberger es gewesen ist, der im Reichstage schilderte, welch hohe Preise die Firma Krupp sich vom Reiche zahlen lieft, ehe eine Kon­kurrenz bestanden hat. Die offizielle Begünstigung der Firma Krupp ist zu durchsichtig.

* Was eine amerikanische Präsidentenwahl kostet. 6,200,000 Mk. hat die Wahl Roosevelts ?um Präsidenten und Mr. Fairbanks znm Vizepiäst- denten der Vereinigten Staaten gekostet. Als Cleveland zum 2. Mal znm Präsidenten gewählt wurde, gaben die Demokraten fast 20,000,000 Mk. aus; diese Zahl stellt einen bisher nicht wieder er­reichten Retord in der amerikanischen Potitik auf. Zu Präsident Roosevelts Mahlsands haben 10,000 Personen und Korporationen beigesteuert. Ter so­eben in der „Washington Post erschienene Finanz­bericht teilt keine Einzelheiten über die Korporationen und ihre Direktoren mit. Es ist mm behauptet worden, daß die großen Trust-, Versicherungü-und Eisenbahiigesellschaften zu den republikanischenWahl- foiids Beitrage geleistet haben unter der Bedingung, daß sie plötzlich begünstigt wurden. Repudlckanische Beamte behaupten jedoch nachdrücklich, daß solche bedingungsweise gegebenen Beiträge sofort zurück« gewiesen worden wären. Um einen Skandal zu ver­meiden, der daraus entstehen könnte, ist angeregt worden, daß die Oessentlichkeit über alle Beiträge genau unterrichtet wird, und Präsident Roojevett und Mr. Eortelyon, der Vorsitzende des repu« btikanischen Nationalkomitees, sollen gemeinsam ore Durchführung eines Gesetzes betreiben, das diesen Zweck verfolgt.

-Fixigkeit. Richter: „Die Streitigkeit zwischen Ihnen und dem Zwiebelbauer entspann sich wohl sehr shnell?" — Zeuge: „Und ob! Um zeyü Uhr hat er „Lump' zu mir g'sagt, und um halb elf wart« wir schon alle zwei verbunden!"

* Belohnung. Junge Frau (beim Mittagessen erzählend:„.... Zuerst hab' ich der armen Fra» zwei Teller Suppe gegeben, und bann hat sie noch fünfzig Pfennig bekomme»!' — Dirum: „Die hat sie auch bestimmt verdient!'