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Zultzaer M Zeitung

wochEoge: „Illustrierte Sonntagrzelinng" monaK»eNage: „8«ldaer Geschichtrblätter".

rlnzelgen: rie eia sp lüge petitzei e ettt deren Raum 15 VJj. Reklamen die Petltzelle 25 Pfg.; bei Wieder« Holungen wird entsxk.

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Rotationedrnck u. Verlag der < uldaer Re» tlendrnaerei in Suita jjtrnipre her Nr. ».

288.

Fulda, Samstag, den 16. Dezember 1905.

32. Jahrgang.

Erstes zLlcrtt.

. § Vie ViStensrage

Kat schon bei der diesmaligen ersten Lesung des Etats im Reichstage einen breiten Raum einge­nommen. Daß sie damit nicht aus den weiteren Erörterungen des Parlaments anSscheidetz dafür werden nicht nur die von verschiedenen Seiten eingebrachtcn Initiativanträge, sondern auch die ratsächlichen Verhältnisse im Reichstage sorgen, die gleich in den ersten Sihnngstagen den Beweis für die Richtigkeit der Behauptung erbrachten, daß ohne Gewährung von Anwcsenheitsgeldern an die Erledigung auch nur der dringendsten Aufgaben dieser Session nicht zu denken ist. Diese Anschauung ist mit seltener Einmiitigkelt von fast allen Rednern, die bei der ersten Lesung de» Etats zum Worte kamen, vertreten worden, wie denn auch die Ausdehnung der Redner bei der ersten Etatslesung kaum darauf hindeuten, daß man mit bloßen Mahnungen zur Kürze eine Besserung erzielen wird.

Was bei der Etatsdebatte für uns gegen die Diäten vorgebracht wurde, kann unmöglich einen Anspruch auf Neuheit erheben. Die Befürworter der Anwesenheitsgelder werden das für inten Teil bereitwilligst zugeben. In L'-r Tat lässt sich auch beim besten Willen schwerlich noch etwas für die Notwendigkeit und Nützlichkeil der Diäten anfübren, was nickst schon im Laufe der ungezählte Male wiederholten Auseinander­setzungen gesagt worden ist. Ob die Vertreter der verbündeten Regierungen guneben weroen, daß ihre gegen die Diäten ins Feld gefühlten Argumente lediglich Wiederholungen darstellen, lassen wir dahin gestellt sein. Die öffentliche Mei­nung wird darüber nicht tm Zweifel sein. Was speziell der Staatssekretär des Innern G r a Posadowsky über die parlamentarische Ent­wicklung vorbrachte, bedeutete im Grunde ge­nommen nur ein Plaidoyer für Diäten, denn die vom Staatssekretär gezeichnete Situation läßt nur den einen Schluß zu, daß dem Absentismus auf den bisher versuchten Wegen nickst beizukom- men sein wird, daß vielmehr die Fortdauer der Diätenlosigkeit den schon jetzt unerträglichen Zu- stand zu einem völlig haltlosen machen muß Dem Zentrimisabgeordneten G r o e b e r muß das Verdienst zuerkannt werden, die historische Entwicklung, die zu diesem Zustande geführt hat knapp und klar dargeleat zu haben. Er hat «ich zum beredten Dollmetsch der übergroßen Mehr­heit des Reichstages gemacht, hinter der die öffentliche Meinung in Deutschland steht.

Unter dielen Umständen rn u ß sich die Diäten­frage mehr und mehr zu einer Art „Machtfrage" auswachsen. Und darin liegt das bedenk­liche Moment. Wir können es unmöglich als einen Vorteil für die Gestaltung unserer inneren politischen Verhältnisse ansehen, daß sich zwischen dem Bundesrat als Oraan der verbündeten Ne­gierungen und dem Reichstag als Organ des deutschen Volkes eine Differenz auftut, welche am letzten Ende die ganze parlamentarische Maschine- nc lahmlegen muß. Mau braucht sich nur die Folaen einer solchen Lage klar zu machen, um die Gefahr zu erkennen, welche im Ginterarunde lauert. Die Vertreter der verbündeten Negie­rungen, in erster Linie der Staatssekretär deS Innern, haben aerobe in diesen Tagen wieder die Notwendigkeit für die biiraerfirben Parteien be­tont angesichts des Ernstes der gegenwärtiger' Z-ffkäiife die trennenden Gesichtspunkte zurück- znstellea und sich znsammenznschließen.. Nicht minder wichtig erscheint es unS, daß die v e r -

bündeten Regierungen Wert darauf legen, mit der Volksvertretung als sol- eher Hand in Hand zu gehen. Das ist aber aus die Tauer nicht möglich, wenn den auf durch» schlagenden Gründen basierten Wünschen der Volksvertretung, deren Berechtigung bis auk einen geringen Rest auch von den verbündeten Regierungen anerkannt ist, seitens der letzteren he Erfüllung verweigert wird, nur weil man nicht nochgeben will. Denn auf das Wollen bezw. das Nichtwollen kommt es schließ­lich an.

Reichstag unb Bundesrat sind in gleicher Weise auf einander angewiesen, um die Neichsmaschine in Gang zu halten. Für beide und für daS Verhalten beider kann und darf es aber nur einen Gesichtspunkt geben: daS Interesse deS Reichesl Dieses aber fordert gebieterisch die endliche Erfül­lung des Wunsches der Volksvertretung nach Ge- Währung von Diäten oder Anwesenheitsgeldern.

Deutscher Reich.

Berlin, den 15. Dezember 1905.

.. Die Rede des Staatssekretärs Grafen v. Posadowsky in der Msttwochsitzung des Reichstages war von der .Deuticken Tageszlg/ scharf kritisiert worden. Das Blatt v-rwahrt sich jetzt gegen den Verdacht der „Minister- stürzerei" und bemerkt, es erkenne unumwunden an, daß Graf Poiadowsky sehr schwer ersetzbar fein würde und daß es selbst nicht in der Lage wäre, irgend eine polit-sche Persönlichkeit zu nennen, die das Reichsamt des Innern mit der­selben erstaunlichen Sachkenntnis zu leiten ver­möchte, über die Gras Posadowsky unzweifelhaft verfüge. Am Schlusie ihrer Ausführungen sagt die.Deutsche Tageszeitung' aber: . Wie man in den amtlichen Kreisen, die dem Sraatssekretär des Innern nebengeordnet oder übergeordnet sind, über seine Auslassungen denkt, wissen wir nicht; aber daß in der Klangfarbe und in der Zuspitzung der Sieben zwischen dem Reichskanzler und seinem Stellver­treter, wenn auch nicht ein strikter Gegensatz, so doch eine gewisse erhebliche Ver­schiedenheit obwaltet, kann nicht befhttltn werden." So ganz wert ist danach die,Denischr Tageszeitung' doch nicht von der „Minister- stürzerei" entfernt, denn ihre Bemerkungen tnüpien zu deutlich an dem Faden der „Meinungs- verschiedenheiten zwischen Kanzler und Staars- sekretär" an, der vor ein paar Jahren mit der deutlichen Absicht, den Grälen Posadowsky stolpern zu machen, von gewisser Seite eifrig gesponnen wurde.

* Der Bundesrat hat in seiner am Donners­tag abgehobenen Plenarsitzung den Gesetzentwurf betr. die Handelsbeziehunoen zu England ange­nommen. Weiterhin fanden Annahme die Ans- schußanträge über die Erweiterung des Ham­burgischen Freihasengebiels, über den Vertrag mst der Schweiz vom Iß. Aug. d. Is betr. die Errichtung deutscher Zollabferligungsslellen auf den linksrheinischen Bahnhöfen zu Baser, sowie über die Ergänzung der Prüfungsvorschristen für Tierärzte und über die Vorschläge zur Abände- rung der deutschen Arzeneitaxe. Der bereits er­folgten Ueberweisung der Vorlagen betreffend den Entwurf zum Besoldungs- und Penstonsetat der stteichsbankbeamten für 1906, sowie die Ge-

Für das Feuilleton der Fuldaer Zeitung' haben wir da? Abdruckrecht von zwelgrößerenEr- zäblun aen erworben, die gewiß de» Best ll unserer Leser und Leserinnen finden werden: Ein Schatten auf l em Pfade, von HCatalina mrv Anferstehung,von Felix Nabor. Beide Erzählungen zeichnen sich durch spannende Dirltellnng der Handlung, durch färben» glühende Schilderungen unb scharf charakterisierende Zeichnung der einzelnen Personen aus. Eie gehören zu den besten Erzeugniffen der heutigen Zeitungser­zählungen auf christlichem Gebiete. Gleich nach Neusahr werden wir mit dem Abdruck beginnen.

KWH Sach.

Lustige Erinnerungen aus meiner Dienstzeit von Hans Martin.

1] (Nachdruck verboten.)

Es war im Manövermonate des Jahres 1888. Dis 4. Batterie des Feldartillerie-Regiments Sir. X hatte auf dem Marsche zum Kriegsschau­plätze in N., der Hauptstadt eines sächsisck-en Für­stentums, Quartier bezogen und die Kanoniere standen abends vor den Türen und unterhielten sich mit den Dienstboten, oder wenn es anging, mit den Töchtern des Hauses. Besser situierte stich- ten sich auch wohl in den verschiedenen Kneipen mit den Bicrverhältnissen der Stadt bekannt zu machen: andere vertrauten sich der Führung ihres patriotischen Ouartierwirts und dessen Geld­beutel an.

Auf olle diese Annehmlichkeiten mußte jedoch der Gefreite Neumeister vom vierten Geschütz ver­zichten. Ein Quartier hatte er wohl, ja sogar ein feines Quartier in einem Kaffeerestauraiit mit einem freundlichen und freigebigen Wirt, einer noch freundlicheren Wirtin, die noch dazu eine Landsmännin von ihm war, und zwei reizenden Nichten. Mit einem Wort, ein Quartier nach dem Herzen jedes preußischen Soldaten.

Aber Wa§ nützet mir ein schöner Garten, wenn andere drin spazieren gehen? — So philosophierte Neumeister, als er abends, eine halbe Stunde von seinem Quartier entfernt,.an dem Pfosten einer Scheune lehnte und Stallwache kloppte.

„Du Palmie," wandte er sich nach einer Weile stumpssinnigen Hinbrütens an seinen Leidens- geführten, einen Lothringer von reinstem Wasser, „es ist jetzt 6 Uhr, bis 9 Uhr kannst Du die acht Gäule wohl allem vor allem liebel bewahren. Ich möchte mal in mein Quartier, um meine Landsfrau zu besuchen; wen» ich zurückkomme, bringe ich Dir einen ganzen Haufen guter Sachen mit, von allem das Beste. Du kannst dann, wen» Du willst, später zwei Posten an einem Stücke schlafen oder meinetwegen sonst machen was Du willst. Wenn ich Dir mal wieder gefällig sein kann, bin ich's gern. — Na, willst Du? — Mach nicht so'n dummes Gesicht, als ob Tu Dich allein ürchtcst, den „Paul" habe ich noch extra mit dem Deckengurt festgemacht, der kann nicht los und die „Magda" und „Anna" die werden sich wohl ver­tragen, — na, vnd wenn sie nickst Ruhe halten, tonn parlierst Du mal deutsch mit ihnen."

Palmie schien wirklich nickt sehr geneigt, dies­mal seinem guten Freunde den Gefallen tun zu wollen, war es doch einmal nicht sehr verlockend, i)rei Stunden bei der einsamen Scheune, an -er 'eine Menschenseele vorüberkam, zu stehen, und erner auch keine leickste Aufgabe, acht Pferde kn ■'nem fremden Stalle in Raison zu halten, be- onders, wenn sich einzelne Tiere, wie das hier )er Fall war, nicht recht vertragen konnten ober andere schlechte Angewohnheiten hatten.

Nach langem Besinnen erwiderte deshalb Palmie: „Ich werde Dir etwas anderes sagen, bleibst Tu hier vor mir und ich werde geh'n zu Deine Lands und toerben ihr schön grüßen unb werden sie bitten, daß sie mir soll geben für Dich m essen und zu trinken von alles das Beste. Dir ei das Weg zu weit, weil Du Dir durchgeritten hätt'st und Du mußt aufpaffen auf den Pferden. Ich kommen dann gleich wieder, und wenn Du mir

setzenlivittfe wegen Feststellung eines vielten Rachtrogsetats zum Reichshaushaltsetat und zum Hausballsetat der Schutzgebiete für das Rech­nungsjahr 1005 an die zuständigen Ausschüsse wurde zugestimmt. Die Vorlage betreffend die Verleihung des Rechts eines Kommunalverbandes an die deutschen Riedeilaffungen in Tienlsin und Hankau wurde den beteiligten Ausschüssen über­wiesen.

* Die Verleihung eines tierärztlichen Doktortirels wird verschiedenen Blättern zufolge von der preußischen Unlerrichtsverwallung er­wogen. Rach einer angeblichen Aeußerung des betreffenden Dezeinenten soll der Titel Dr. in eil. vet. dafür gewählt werden. Man denkt daran, daß das Recht zur Promotion, wenn auch nicht allen, so doch einigen Universitäten verliehen weiden könnte. Zum Studium der Tierheilkunde ilt jetzt das Reifezeugnis erforderlich, die Aus­bildung ist ungefähr dem medizinischen Studimu gleich, und es erscheint daher der Wunsch, zur Promotion als I-r.nwä.vet. zugelassen zu werden, gerechtfertigt.

* Der geschäftsführende Ausschuß des dent- scheu Handwerks-Gewerbekammertages hielt hier am 13. ds. Mts. im Beisein verschiedener Mitglieder des Reichstags un> des Abgeordneten­hauses eine Sitzung ab Aus den Verhand­lungen ist folgendes hervorzuheben: Der vorn Bundesrat bereits angenommene Gesetzentwurf betr. Sicherung der Bausotderungen wurde ein­gehend beraten: Der Ausschuß stellte sich im wesentlichen auf den Boden des Entwurfs, hält aber noch verschiedene Verbesserungen für not­wendig und möglich. U. a. hält er es für not­wendig, daß die Sicherheitsleistung noch erhöht wird. Hinsichtlich der von der Reichsreqierung geplanten neuen Steuern sprach sich der Ai'sschuß dahin aus, daß seiner lleberzeugung nach das deutsche Handwerk in seiner Gesamtheit gewillt sei, trotz seiner schlechten wirtschaftlichen Lage nach feinen besten Kräften zu einer Gesundung der Finanzverhältnisse des Reiches beizutragen, vorausgesetzt, daß es durch neue Steuern in feinen Konkurrenzverhältnissen gegenüber den Großbetrieben in Handel und Gewerbe nicht ein­seitig ungünstig beeinflußt wird. Eine derartige einseitige Belastung würde aber eintreten, falls der von der ReichSregierunq vorgeschlagene Fracht­urkundenstempel und der Quittung-stempel ring • fuhrt weiden sollten. In diesem Sinne wirb der Ausschuß eine Eingabe an den Reichstag richten. Ferner wurde beschlossen, eine gegen die Anregung des Reichskanzlers, die Stadtver­waltungen sollten die Fleischveisotgunq der Städte selbst in die Hand nehmen, gerichtete Eingabe des deutschen Fleischerverbandes dergestalt zu unterstützen, daß der Reichskancker ersucht wirb, anläßlich der Fleijchnot alle Maßnahmen zu ver­meiden, die das Fleischerhandwerk in feinem Fortbestände, der im Interesse der gefamten Be­völkerung liegt, gefährden wurden. Sodann wurde die andauernde Nichtberücksichtigung des § 11'3 e, Abs. 2 der R.-G.-O., nach dem die Handwerkskammern in allen wichtigen, die Ge- samtintei essen deS Handwerks über die Interessen einzelner Teile desselben berührenden Angelegen­heiten gehört werden sollen, erneut zur Sprache gebracht. Der Ausschuß beschloß, geeignete Schritte zur Abhilfe dieses Mißstandes zu er­greifen. Der Gesetzentwurf betr. Beseitigung der

bann willst meinen Weg bedanken, gibst Du mir von Deine Laubs was ab. Tie Gäulen tun nix, sie sind müb unb träumen schon all, ba hast Du gar keinen Last von unb ich sein auch halb wieder da und helfe» Dir den „Paul" wieder einfangen."

„Ich danke Dir wirklich für Deine Dienst» Willigkeit, mein Lieber", entgegnete Neu meister, „aber in diesem Falle kann ich dieselbe nicht an» nehmen. Begreifst Du schlauer Franzofcmkopk denn nicht, daß Du von meiner Lanbsrnänm» gar nichts bekommen würdest? Erstens hat mich die Frau noch gar nicht gesehen, denn ich habe heute mittag nur mit dem Manne gesprochen, sie weiß also noch gar nicht, ob ich wirklich der Neumeister und ihr Landsmann bin, beim der Name Neu- meister ist über die ganze Erde verbreitet: und zweitens könnte ja schließlich jeder komme» und sagen, ich bäte ihn geschickt und er bäte um ein gutes Abendessen für mich. — Na — leuchtet Dir das ein? Ich hätte Dich doch für vernünftiger ge­halten. Also es bleibt habet, um 9 Uhr späte­stens bin ich wieder hier und über die Anerken­nung bet Frau Wirtin sollst Du Dich nicht be­klagen. Einstweilen viel Vergnügen, alter Junge."

Der Gefreite hatte schon seine» Rock angezo» gen, umgeschnallt und wollte bann wohlgemut abziehe», als ihn Palmie nochmals zurück hielt.

„Sag mal Du," sagte er, „hast Tu gehört von dem Räuber, ber Bier in der Gegend umgeht und stiehlt und mordet? Laß Dir nir wegnehmen von dem Kerl unterwegs, daß Du inich mit leere TasckMn zurückkomincn wirst, ich glauben nich an diese Räubergeschichten."

Lachend beruhigte Neumeister den schlauen Franzosen und versprach, sich nicht berauben zu lassen, sondern ihm eher den Kopf des berüchtig­ten Spitzbuben noch mitzubringen. So schieden die beiden Freunde, und rüstig eilte Neumeifter der Stadt zu.

Palmie bereitete sich hinter der offenen Scheunentüre im Innern der Scheune aus eini­gen Bunde» Stroh ein bequemes Laaer und lag

Mißstände im Baugewerbe, der dem Reichstage bereits zugegangen ist, wird den Aussckuß in seiner nächsten Sitzung im Januar 1906 be« jchättigen.

* liebet das Militärverbot für Gastwirt­schaften bat sich das rreußischeKnegsministerium in der Aniwoit auf eme Eingabe des deutschen Gaiwirleverbandes geäußert, welche um die Auf­hebung des Verbots ersuchte. Der Bescheid deS Kriegsminifletiuins lautet: „Auf Ihr Gesuch um anberwejiige Handhabung oder völlige Aufhebung des Militärv-rbots für Gastwirtschaften wild Ihnen ergebenst mit geteilt, daß an dem grund­sätzlichen Standpunkte sestgehalten werden muß, wonach den für die Auf rechthastunq der Disziplin verantwortlichen Truppenbefehlshabern das Siecht und die Pflicht zustebl, den Militär Personen den Besuch einer Wirtschast erforderlichenfalls zu ver­bieten. Tas Kriegsministerium Hat daher den Inhalt Ihrer Eingabe zur Kenntnis der General­kommandos gebracht. Uebrigens wird noch be­merkt, baß he Militärverbote ntchi zum Zwecke der Boykottierung einzelner Gastwiilschafien, sondern lediglich im disziplinarischen und dienst- üchen Jntereffe der Truppe ericstgen. Wenn durch das Bei bot eine an sich nicht beabsichtigte wirtschaftliche Schädigung der Sei r off en en herbei» geführt wnd, so ist das für ihn bedauerlich. Es kann dies aber für d e Militärbehörde kein Grund sein, von einer im Interesse der Disziplin als notivenbig erkannten Maßnahme abzufehen."

* Die Aenderung der Reichs-Gewerbeord­nung hinsichtlich des Baugewerbes wird in der Meuzztg.' in einer längeren Anssuhinng W sprachen, die mit folgenden Sätzen schließt: „Der Entscheidung der Streitfrage, ob der allgemeine Besähigungs«Nachweis für das Gewerbe oder zum mindesten das Baugewerbe notwendig ober auch nur nützlich ist, wird durch die Verabschie­dung des neuen Gesetzentwurfes in keiner Weise präjiibijiett, wir sehen deshalb auch keine Veran­laß ung, zu vieler schwierigen Frage hier Stellung zu nehmen. Wir können unsere Ansicht dahin zufammensaffen, daß das neue Gesetz zwar za keine» großen Ei wart unge» berechtigt, aber doch eine Handhabe bieten kann, schwere soziale und wirtschaftliche Schäden zu beffern.“

*» Der Vorstand des Vereins enthaltsamer Eisenbahner hat an den preußischen Landtag, eine Bittschrift gerichtet, dem Verein zur Ent» sastung einer um affenden Tätigkeit eine jähr­liche Beihilfe von 10,000 Mark zu ge­währen. Anßeidem hat er dem Landtage in feiner Petition noch folgende Bitte vorgetiagen: I) daß dem Eilenbcihnperfonal, auch den obere Ni Beamten, der Genuß alkoholiscker Getränke wäh­rend des Dienstes und (im Hinblick auf die er« rvielenermaßen geraume Zeit anbaHenben läh­menden Wirkungen reichlicheren Genusses) min­destens 8 Stunden vor Eintritt des Dienstes ausnahmslos untersagt wirb; 2) daß die freiwillige völlige Alkoholenihallsamkeit beim Eifenbabnpersonal wirksam ge> ordert, und 3) durch wertere Ausdehnung der Fürsorge für gute und billige Wohnungen, sür angemessene Auf« enthalte und Uedernachtungsiäume, für zweck­mäßige Verpflegung und Beschaffung guten Trinkwaffers, sowie billiger und guter alkohol­freier Erfrischunge» erleichtert wird.

* Aus Deutsch Südwestafrrka. Ein Tele­gramm aus Windhuk meldet: 8. Dezember be- rwirrn i ...........................

bald im festen Schlafe, aus dem ihn keine Salieri# erweckt haben würbe, viel weniger acht Pferds, Neumeifter wurde in ber Familie des Wirts von diesem und feiner Frau freundlichst aufge­nommen, fürstlich bewirtet und verlebte einige recht vergnügte Stunden. Die kleine Tochter, ein Mädchen von 4 Jahren unb ber Eltern Stolz, wurde aus dem Bett geholt, mutzte singen, springen unb auf einem großen Neiifuublänber im Zimmer umherrrcen. Die niedlichen Nichten Martha und Elisabeth musizierten und ließen sich von Neiimeister Manövherlcbnisse erzählen; kurzum es Ivar herrlich. Immer weiter mutzte Neumeister sein Säbelkoppel schnallen und immer fröhlicher glänzten feine blaue» Augen von benr genossenen „Selbstabgezogenen".

Aber nicht immer grünt des Lebens Mai, und so nahte bie Scheidestunbe nur crllzufchnell. Die kleine runbliche Frau Rönier packte ein ansehn­liches Paket mit Butterbraben, Wurst, Schinken unb Käse: vergaß auch nicht bem wacker» Lands­mann einige Zigarren iinb Flasche» Bier mit auf den Weg zu geben. Zum Schlüsse mutzte der Gefreite versprechen, auf dem Rückmärsche aus dem Manöver, trenn die Batterie im nahen N. ins Quartier käme, die liebenswürdigen Lanbsleute wieder zu besuche». Durch Hand« schlag wurde das Versprechen besiegelt: kommen würde er, und wenn es Pech unb Schwefel reg­nete, unb wenn er als Arrestant int Spritzen­hause zu N. säße unb ausbrechen müßte. Ein Händedruck noch, und bann durcheilte Neumeisier die erleuchteten Straßen zur Stadt hinans unb bekam halb bie abgelegene Scheune zu Gesicht.

Aber was war denn bas? Kaum traute er seinen Augen, am Wege im Grabe» standen plötz­lich der langbeinige „Paul" und der kleine „Rio", beide emsig beschäftigt, sich die leckersten Bissen am Wegesrande abzuknabbern. Unb da hinten aus der offenen Scheunentüre guckte» bie beiden schlanken Köpfe ber stets zankenden Grazien Magda und Anna heraus: jetzt, wo es galt, einen dummen Streich auszuführen, schienen beide bie dicksten Freundinnen zu sein. (F. f.)