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32* Jahrqang

Fulda, Samstag, den 16. Dezember 1905,

M 288

Drittes Wtatt

Mächte ihr Ende erreichen.

Moderne Welt und Religion

ES wäre eine schwer zu rechtfertigende Ver-

BetetisnsSrud M. vertag der > utdaer Iti »iendruaeret in Suita, fitnitptttat Nr. 9.

erWehtt tlglich, mit Xusnobme tat Soun* unb Seiertag«. viertel« jährl. ve»u-,preir ahne vringerlahn und Bthellgelö in Suita und auswärts * Bit 50 psg-

Verantwortlicher

Sehrittletter: 3 Sau«;

,.par*A« in*suita. w-chenbeNage: „Illustrierte Zonntagrzeitung

läge und die Reichsfinanzreform verbunden, während die eigentliche Debatte über die neuen Steuervorlagen bis wach Weihnachten zurückge­stellt wurde. In den Erörterungen wurden alle möglichen ;fraaen der unteren uuo der aus» ärtl» gen Politik berührt. Im Vordergründe stand zu­nächst die letztere. Der Reichskanzler Fürst Bü­low nahm wiederholt das Wort, um fich zu ver­schiedenen Fragen zu äußern und gegen die Aus­führungen Bebels zur auswärtigen Politik zu protestieren. Später nahm die Kolonialpolttik, die Sozialpolitik und die Diätenfrage einen brei­ten Raum ein. Zwischendurch wurden der Han­delsvertrag mit Bulgarien und das Handels­provisorium mit England in erster und zweiter

dürfte. Die Unterhandlungen darüber stnö noch im Gange, eine endgiltige Erledigung der Ange- leoenheit soll aber unmittelbar benorfteheu. Damit würde dann auch die Flottendemonstration der

im Süden noch weiter um sich. Daß dort die Aufständischen nicht an Unterwerfung denken, ergiebt sich namentlich aus der Meldung, wonach auch im Bezirk Lindi ein deutsche» auf dem Mar­sche nach dem Nyassa befindliche» Detachement von den Aufständischen, die an 2000 Mann stark gewesen sein sollen, angegriffen wurde. Die Aufständischen wurden allerdings gründlich ge­schlagen und ihre Hauptführer, darunter der viel­genannte Zauberer Hongo, sollen gefallen sein. Immerhin muß man fich auf einen langdauern­den Kleinkrieg in den gebirgigen Teilen des Südens der Kolonie gefaßt machen.

Das österreichische Abgeordneten­haus war in den letzten Tagen wieder einmal der Schauplatz tumultuöser Szenen, die sich aus Anlaß der Erörterung der jüngsten Vorgänge in Prag abspielten. In Ungarn ist die Rede von einer abermaligen längeren Vertagung des Parlaments, da eine Lösung der Krise noch nicht

ganz ungefährlich, und es hat schon häufig zer- auetschte Finger und auch schwerere Verletzungen dabei abgesetzt. Doch unser Brand arbeitete sicher und gewandt, auch mit der nötigen Vorsicht. Da er von kräftigem Körperbau, dienstwillig und fleißig war, dränate er sich stets anderen voran zu den schwersten Arbeiten und Verladungen, und jeder arbeitete daher gern mit ihm zusammen: auch im Dienste war er stets gewissenhaft, pünkt­lich und zuverlässig. Schon während seiner Mili- tärzeit batte sich Brand ausgezeichnet und war sehr bald zum Unteroffizier befördert worden. So batte man auch an der Eisenbahn seine Tüch­tigkeit bald erkannt, ihm nach verhältnismäßig kurzer Vrüfnngszeit einen besonders verantwort­lichen Posten anvertraut, und sehr bald hatte er sich die Gunst und das Wohlwollen seiner Vorge­setzten erworben, besonders sein vorgesetzter Bahn­meister dielt große Stücke auf ihn. .

Der Wärter Brand, durch den grellen PNU erivachend, sprang mit Todesschrecken zur Tür hinaus. „Der Kurier! Nun hab' ich doch ge­schlafen!" Ein Blick zum Bahnhof — Durchfahrt frei! Ein Griff, ein Ruck, und auch die Einfahrt war nun frei. Dann svrang er zur Barriere hin, um diese noch zu schließen — zu svät! Ein Pferd mit einem Wagen hinter sich betrat soeben das Geleis. In seiner Herrensanast schrie er dem Fuhrmann zu: „Um Gotteswillen, bleibt zurück, es gibt ein Unglück sonst!" Allein der Gaul trabt ruhig weiter zum andern Gleis hinüber, und im selben Moment, als sich der Wagen auf dem Ge- leise des Schnellzuges befindet, kommt dieser herangebraust. Der Maschinist sieht plötzlich einen dunklen Schatten vor sich auf dem Geleise, ein schneller Griff, das Notsignal ertönt schrill durch die Nacht: der Heizer brenist aus Leibeskräften. — Zu spät! — Ein heftiger Stoß, ein Krachen und Zersplittern, ein Stampfen, Stöhnen, Rütteln der Maschine und — das Gefährt war zer­trümmert.

Und die Insassen des Fuhnverks, was war

aus ihnen geworden? Ein grauenvoller Tod hatte sie im Schlaf ereilt: die gräßlich verstümmelten und zerfetzten Körperteile suchte das Bahnhofs­personal beim Scheine der Laternen zusammen. Gedärme hatten sich zwischen den Speichen der Maschinenräder verschlungen. Und als dann end­lich das Tageslicht den Schreckensplatz beleuchtete, da.fanden Arbeiter noch hier und dort abgerissene, fortgeschleuderte Körperteile, wonach festzustellen war, daß zwei Personen sich auf dem Wagen be­funden hatten.

Die spätere Untersuchung ergab dann, daß die beiden Personen ein Fleischermeister und ein Vieh­händler, beide aus der Residenz, gewesen waren. Das Pferd war ^ur Seite geschleudert worden, aber doch wunderbarer Weise mit dem Leben davon gekommen. Das hatte nicht geschlafen!

Fritz Brand stand, als er das Unglück nicht mehr hindern konnte, ein Bild menschlicher Schwäche und Ohnmacht, mit schlotternden Knien da, beide Hände vor die Augen gepreßt, um das grauenvolle Unglück, das er verschuldet, nicht sehen zu müssen. Aber mit empfindlicher Deutlichkeit drang ibm der Stoß, das Krachen und Zersplittern des Gefährts in die Ohren!

Was hatte er getan! Nur zehn Minuten Schlaf hatten ihn zum Mörder, zum zweifachen Mörder gemacht. Mit diesem quälenden Gedanken tau- mette er in seine Bude. Er war unfähig, sich aus den Beinen zu erhalten und sank gebrochen auf den Schemel nieder, sein Schicksal erwartend.

Da lag noch das Blatt Papier auf dem Tische und die großen, steifen Buchstaben starrten ihn an: „Wachet und betet" usw. Ja, warum hatte er nicht gewacht, nur noch zehn Minuten, warum nicht? Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach! — Das batte er nun soeben in verhäng­nisvollster Weise an sich erfahren, und nichts konnte die sHveren Folgen dieser Schwäche unge­schehen machen. Ein Tränenstrom entquoll seinen Augen: er wollte büßen fein Leben lang.

Doch die Gesetze verlangten eine andere Sühne,

lu$eigte: Die du sp it-ge petitjel e ober deren Baum 15 Pf». Eeflomen die petttjetle 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr, Rabatt gewährt.

genommen fein sollen. Tas Zentrum hegt zwar schwere Bedenken gegen einzdne Bestimmungen des Gesetzes, ist aber bereit, an einer Verständi­gung mitzuarbeiten.

Aus unseren Kolonien liegen bedeut­samere Meldungen nicht vor. In Deutsch- Südwestafrika erweist sich der Widerstand

wochen-Rundfchau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 16. Dezember 1905.

Parlamentarische Fragen und parlamenta­rische Verhandlungen beherrschten die innere Po­litik vollständig in der vergangenen Woche. Aller­dings wurden dabei auch die Fragen der aus­wärtigen Politik häufig genug berührt, rote denn die Auslührungen des Reichstanz^rS Fürsten Bülow über unsere auswärtigen Be­ziehungen im Auslande noch vielfach den Gegen­stand lebhafter Auseinandersetzungen bildeten. Wenn es noch eines Beweises für die Richtigkeit der Annahme bedurft hätte, daß Deutschland im Auslande leider nur allzu häufig einer Ver­kennung seiner Bestrebungen begegne und da­neben noch vielfach mit Mißgunst und Abneigung zu kämpfen habe, so müßte man ihn in den Kom­mentaren erbracht sehen, welche verschiedene eng- liebe uuo icanronstqe Bialter au ine avfoiut korrekten Ausführungen des Fürsten Bülow knüpften. Gleich beweiskräftig itt dieser Rich­tung waren aber auch oie hüynqcheu Bemerkungen, mit welchen jene Blätter die AuSlassunaen des „Oberaenossen" Bebel im Reichstage begleiteten, Auslassungen, in welchen sich ein Mangel an Nationalgefühl dartat, der die deutsche Sozial­demokratie höchst unvorteilhaft von den Sozial­demokraten anderer Länder unterscheidet.

Lesung angenommen.

Im preußischen Abgeordneten­haus e wurde die Volksschulunterhaltungsfrage

Im Reiche wie in Preußen haben in der ver­gangenen Woche die parlamentarischen Verhand­lungen in vollem Umfange eingesetzt. Im Reichstage wurde die erste Lesung des Etats mit einer Generaldebatte über die Flottenvor-

Italienischer Wochenbries.

(Nachdruck verboten.)

-z- Rom, den 10. Dezember 1905.

Die deutsche paritätische Schule in Rom, die mit dem 1. Oktober 1905 in da» zw. . Jahr ihre» Bestehen» eintrat, gab vor kurzem ihren ersten Jahresbericht heraus. ,,B>» zum Vorjahre", heißt e» darin, »war e» un­möglich, hier eine rein deutsche Schule zu gründen, die, wie da» in andern Städten de» Auslandes geschieht, alle Kinder der Kolonie hätte auf« nehmen können. Die früher auf dem Kap tol

Zehn Minuten Zchlas.

Erzählung aus dem Leben eines Eiseubahnbeamlen. Von W. M.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Es war 6 Uhr früh. Der Personenzug nach Hannover hatte die Station G. verlassen. Der Bahnwärter Fritz Brand, welcher das Abschluß­signal vor dem Bahnhofe, sowie den starkbenutzten Bahnübergang der Chaussee zu bedienen hatte, war soeben vom 12-ftünbigen Nachtdienst avgelöst und schickte sich an, nach Hause zu gehe», als mehrere schwerbeladene Wagen mit Langholz zum Bahnhof gefahren kamen. Die seit zwei Jahren erbaute Eisenbahn hatte nämlich sehr bald den umfangreichen Verkehr der dortigen Wald- und torfreichen Heidegegend an sich gezogen, und die wenigen Beamten und Arbeiter des Bahnhofs konnten häufig den Verkehr kaum bewältigen. Da wurden denn die Weichensteller, sowie die dem Bahnhofe zunächst stationierten Bahnwärter auch in ihrer dienstfreien Zeit zur Hilfeleistung mit herangezogen, wozu sie auch stets gern und willig bereit waren; war es doch eine willkommene Ge­legenheit, ab und zu ein paar Mark Nebenver­dienst zu erwerben. Zwar wurde um deswillen ja dem Körper der nötige Schlaf entzogen, allein was half's? — Bei dem kärglichen Gehalt war stets 9?ot in allen Ecken und die par Groschen Neben­verdienst daher nötig mitzunehmen, und die Liefe­ranten zahlten ja für rechtzeitiges Be- und Ent laben gerne noch ein Trinkgeld drauf, wenn sie die teure Achsmiete, welche für das Uebersteheu der Wagen zu entrichten war, sparen konnten.

So war auch Fritz Brand an diesem Morgen sofort zum Entladen bereit, als ihn der die Fuhr­werke begleitende Geschäftsführer dazu auffor­derte. Dergleichen -Arbeiten sind für den Unge­übten, zumal auf kleineren Bahnhöfen, wo tech­nische Hilfsmittel nicht zur Verfügung stehen, nicht

haben. Wer aber die Hand hat am Pulsfchlag der Zeit, wer die Literatur verfolgt, welche da» wogende Gedankenmeer unserer Zeit an den Strand spült, dem kann es nicht entgehen, daß diese selbe Zeit, welche mit ihrer Irreligiosität prunkt, in des Herzens Grund bewegt wird von einem tiefen religiösen Sehnen. Aller äußerer Reichtum an technischen und industriellen Er­rungenschaften, all' die Kulturarbeit, auf die man so sehr gepocht hat, hat nicht verhindern können, daß diese so kulturreiche und kulturstolze Zeit innerlich recht arm geworden.

Treffend zeichnet die Situation der Gegen- wart Rudolf Eucken in seinem Werk «Der Wahr­heitsgehalt der Religion" (Leipzig 1901):

,So stehe« rott am Schluß de» 19. Jahr­hunderts nach allen Erfahrungen der Geschichte und in aller Fülle der Kultur unter einem starken Eindruck der Ungewißheit, Dunkelheit, Leere des Geisteslebens. Wir arbeiten und arbeiten und wißen nicht wofür. Wohl hören wir unablässig reden von geistige» Aufgaben, geistiger Entwicke­lung, geistiger Größe usw., aber sobald wir ver­suchen, den Begriff Geist zu fasten und ihm einen präzisen Sinn abzuringen, entweicht er uns in eine nebelhafte Ferne" (S. 83).

Aber was fehlt denn dieser sonst so über­mütigen, trotzigen, titanenstolzen, in Faust­stimmungen schwelgenden Zett? Ach, heißt es (S. 51):

„Die uralten Rätsel de» menschlichen Dasein» beginnen mit frischer und elementarer Kraft wieder aufzusteigen: das tiefe Dunkel über unser Woher uud Wohin, unsere Abhänoigkeit von un­durchsichtigen Mtächten, die Gegensätze in unserem eigenen Innern, die Schranken unseres geistigen Vermögens, der Mangel an Liebe und Gerechtig­keit, mit einem Worte, der schroffe Widerspruch der geistigen Anlage und der wirttichen Lage des Menschen. Das alles sind Probleme, die uns an die Seele gehen, die auch der einzelne nicht ab­lehnen oder in ein angenehmes Schauspiel ver­wandeln kann; früher oder später kommen sie auch an ihn und werden ihm zum persönlichen Erlebnis; bann muß auch er empfinden, wie mit jener starren Verneinung aller Sinn des Lebens gefährdet, der Mensch um sein Glück betrogen, alle Geistigkeit in ihm gelähmt wird."

Was soll da noch ein Kampf gegen die Religion? Ist nicht sie es gerade, welche am Ende doch eine Antwort hat auf diese uralten Rätsel des Lebens, die, mag man sie hundertmal beschwichtigt und als erledigt erklärt haben, doch immer wieder Antwort heischend vor dem Men- scheugtiste stehe»?

Erwägungen derart sind es, die das Wieder- ecstarken der Religion bewirkt haben und noch bewirken, wie das derselbe Philosoph eingesteht. Er sieht (S. 45) de» Hauptgrund für diese un­erwartete Wendung

„in schweren Verwickelungen, jener Macht, deren Vordringen die Religion am härtesten be­drohte, in der Erschütterung des Glauben» an die Allgenügsamkeit der modernen weltirohen und selbstbewußten Kultur. Jede» Wanken diese» Glaubens bewirft sofort eine Verminderung be» Druckes gegen die Religion; bemächtigt sich gar bet Zweffel an bet Kultur bet tiefsten Seele be» Menschen, so ist die Gesamtlaae wesentlich ver­ändert; e» eröffnen sich neue Ausblicke und es erwachen neue Strömungen; was in der Religion an Unverlierbarem steeft, bas kann sich nun ge­trost wieder hervorwagen."

Damit ist selbstredend der von gewissen Ver trelern der Moderne so beliebte Kampf gegen die

gefunden ist.

Der franzosische Senat hat das Gesetz betreffend die Trennung von Staat und Kirche verabschiedet. Nach einer Achtung Eombe s, des Urhebers des Gesetzes, gedenken die Feinde der Kirche jetzt auf der Grundlage des Gesetzes mit weiteren Maßnahmen vorzugehen.

In England ist das liberale Kabinett mit einigen Schwierigkeiten zustande gekommen. Lord Rosebery hat die Nebernahme eines Porteteuilles abgelehnt, weil er in der irischen Frage nicht mit dem Premier Campbell-Bannerman uberemfhmmt.

In Rußland bat sich die Gefährlichkeit der politischen Situation in der vergangenen Woche kaum vermindert. Mehr als einmal wurde der Sturz des Grafen Witte angekündiqt, und man stellte eine „Gegenrevolution" in Gestalt einer Diktatur des Graten Janatiew m Aussicht. Bis jetzt haben sich diese Befürchtungen aber als nicht gerechtfertigt erwiesen, wenn man auch einen scharfen Erlaß des Ministers Durnowo gegen bte streikenden Post- und Telegraphenbeamten uud die Verhaftung zahlreicher Führer der Revolutr- onspartei in Petersburg und Moskau als Symp­tome eines „schärferen Windes" betrachten kann. Die Verhaftungen scheinen nicht ohne Eindruck auf die Leiter der revolutionären Bewegung ge­blieben zu sein, denn von einer Wiederholung des Generalstreikversuches ist zur Zeit feine Rede mehr Auch der Ausstand der Post- und Telegra- phertbeamten scheint nach ben letzten Meldungen allmählich abzuflauen. Bedenklich find dagegen die noch immer zahlreichen Fälle von Meutere, unter den Soldaten und den Matrosen der Krieqsschitte. An verschiedenen Punkten scheinen die Meuterer die Oberhand gewonnen zu haben. Sichere Mel­dungen über das, was augenblicklich nn Innern Rußlands vergeht, sind indessen bei den zur Zett ______________ _ im Post- und Telearaphenwesen herrschenden Zu- nach zweitägiger Debatte an eine besondere Kom- ständen nicht zu erlangen.

Mission verwiesen. Die Verhandlungen trugen Dir Pforte hat nun doch in bet Frage der einen sehr ruhigen Charakter, und bei fast allen „^taonifchen Finanzkontrolle in der Sattptsache Parteien herrschte der Wunsch vor, zu einer Ser- nQ(f)ffeQe5ett Sie bat einige Modifikationen der ftändigung zu gelangen. Nur die beiden frei- Fvi-dernngen der Mächte vorgeschlagen, über die sinnigen Fraktionen zeigten sich als grundsätzliche nm|t «ch ohne große Schwierigkesten einigen Gegner der Konfeffionsfchule. Die Bolen er- -■ -- ■ - *' *■—— r—'1 —*x

klärten sich gegen das Gesetz, weil die Provinzen Posen und Westpreußen an seiner Geltung au»«

der Hottentotten als noch ungebrochen, während allgemeinerunq, wollte man unsere Zeit in Bausch die Herero im Großen und Ganzen als unter-. unh $ en al3 itreliaib» bezeichnen. Gewiß, es warfen gelten können. In Deuffch-Ostaf-^ nickt an Leuten, welche anNietzsche's ..Anti- r r k a dauern bte Kampfe noch fort. Im Norden ' h jx. . nh an»;»», roie fr

des Schutzgebietes scheint allerdings die Ruhe i sich toau! ) bem JJMner, ro.e er jetzt gesichert zu sein, dagegen greift der Aufstand j tänipert »nd rote er spuckt, trefflich «sitz

Religion in eine ganz andere Beleuchtung gerückt, in der man ihn zu betrachten bisher ganz außer acht gelosten hatte.

„Nach früherer Meimmg ging der Kampf gegen die Religion vornehmlich gegen eine draußen be­findliche und durch freunde Macht uns aufer(eg£e Autorität; Witz und Scharfsinn schienen lerne bessere Betätigung finden zu können, als in btt Polemik gegen „vernunftwidrige" Dogmen und „her-' ' süchtige" Prienerichast; es war em ange- neU;- - Spiel, das die Geister reizte und ergötzte. Run aber, wo die Religion als eine ^Verwalterin unentbehrlicher ©fiter erkannt ist, läßt sich der Emst der Sache nicht mehr verkennen; klar liegt nun vor Augen, baß wir selbst ben Schaden zu tragen haben, so baß bei dem Kampfe um bte Religion unser ganzes Glück, unsere eigene Seele aus dem Spiele steht" (a. a. O. S. 52).

Eucken steht mit dieser seiner Charakteristik der Gegenwart nicht allein. Aus den verschieden­sten Lagern erheben sich Stimmen, die in ähn­licher Weife klagen, daß über der Steigerung der äußeren Kultur‘bte Kultur des inneren Menschen vergessen worden.

'Woher aber soll eine solche Kultur des inneren Menschen kommen, wenn nicht aus dem unver- siegltchen Geiundbrunnen der Religion? Und daß auch diese Moderne nach ihren Odysteusfahrten durch alle möglichen Weltanschauungen den Weg auch wieder zu ihr zurückfindet, dazu fehlt es nicht an Anzeichen:

„Das aber besagt schon eine Wendung zttm Besteren, daß . . . schönklingende Abstraktionen, an denen sich frühere Geschlechter berauschten, Be­griffe wie Humanität, Ideen des „Wahren, Guten und Schönen", Fortschritt, Vernunft re. mehr und mehr als bloße Verlegenheitshilfen, als tauschende Mittelgebilde durchschaut werben; die Lage wird immer klarer, immer unerbsttlicher erhebt sich aus dem Chaos ein großes Entweder—Oder; entweder ein Zusamme"brechen aller Ideale, em voller Steg des Nicht» oder eine innere Weiterbildung, eme wahrhaftige Erhöhung des Menschen. In Wahr­heit geht durch die Zeit ein großes Verlangen nach einer solchen Erhöhung. . . . Aber sofort geraten wir da in em neues Entweder-Oder, .jene» Stieben ist in sich haltlos und muß in leere» Phrasentum überspannter Empfindungen ausarten, wenn es keine tiefere Wurzel hat, als ein Wün­schen und Begehren des bloßen Menschen ... . Daß es mehr sei, bas ist bte der Religion eigen­tümliche Ueberzeugung; so tst sie es, auf bte alle Erhöhung be» Menschen und damtt alle Wesen- Hastigkeit der Kultur, ja unseres ganzen Leben» zurückkommt." (Eucken a. a. O. 440.)

Wann wird diese Zeit auf ihrer Gottessuche und in ihrer Advents-Sehnsucht den Weg finden au» der Wüste, in die sie sich verirrt hat, zu dem Quell de» Leben», der unveiffiegbar sprudelt in der Weltanschauung des Christentumsl

die menschliche Gerechtigkeit eine empfindliche Strafe.

Der Bahnmeister, besten besonderer Günstling er seiner bisherigen Zuverlässigkeit halber war, betrat in Begleitung eines Ablösers die Bude, um ihn des ferneren Dienstes zu entheben und zu vernehmen mit der gleichzeitigen Weisung, sich tagsüber nicht aus seiner Wohnung zu entfernen, da weitere Vernehmungen zu gewärtigen seien und er sich für die Untersuchungshaft borbereiten möge.

Er war nun frei vom Dienst: er konnte gehen — zu seinem totkranken Weibe. Welches Wreder- sehen! Wie würde fie's ertragen — würde es sie gar noch töten? —

Dann kam die Untersuchungshaft und dann die Strafe. Es hatte sich ein Zeuge gefunden, welcher den Warnungsruf Brands an den Führer des Gefährts vernommen: diese Aussage, sowie die günstigen Zeugnisse seiner Vorgesetzten über feine bisherige tadellose Führung ließen ihn einen milden Richter finden, sodaß sein Urteil im Verhältnis zu den schweren Folgen seines Ver­schuldens äußerst milde ausfiel.

Ein halbes Jahr Gefängnis war fein Los.

Gar bald hatte sich Brand auch hier das Wohl­wollen des Inspektors, sowie seiner Wärter er­worben, sodaß ihm, soweit es die Gefängnisoro- nung gestattete, manche Begünstigung gestattet wurde. So wurden ihm allerlei Beschäftigungen innerhalb der Anstalt übertragen, ja selbst zu Botengängen in der Stadt wurde er zeitweise verwendet. Und er dankte dieses Vertrauen durch Fleiß und tadelloses betragen. War er doch hie- durch auf Stunden den trüben Gedanken, nut denen ihn fein Gewissen beständig quälte, ent- riffen. Am qualvollsten waren ihm bte langen Nächte, wenn er in seiner Zelle schlaflos auf hartem Lager sein Schicksal überdachte. Da stand immer und immer wieder das grauenvolle Un- alück mit peinlicher Deutlichkeit vor seinen Auge«