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frf»efnt t6glf», wtt «»»nähme der Sonn« und xeirriagt. Viertel« jührl Bezugspreis •bre Bringerlobn unb Behellgelbin tulboun# auswärts > Ml so pjg.

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Setrif Heiter: 3 Baum; für Oie Bnieicen

I Par, Ser in Suita.

ZuI-aerW Zeitung

wochendeNage: „Illustrierte Somtiagsztttung" Moiiakbeiiagt: „Suidaer Geschichtsblätter".

Anzeigen: Vie ei» fp ihge petitzei e ober bereit Kaum 15 Pf-. Feflamen die Petitzeile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpr. Kabatt gewährt.

Rotationsdruck u. Verlag »er < uldaer 21c« tiendruoerei in Suita. Sernlpre her vr. v.

ftiilbii, Donnerstag, den 14. Dezemder uuj.

JW 286.

32. Jahrqanq.

Erstes Wlalt.

Deutsches Kelch.

Berlin, den 13. Dezember 1905.

• Zur Stellungnahme zu den neuen ReichS- fieuergesetzen vetsammeiten sich am Dienstag abend auf" Einladung des Bunde- der Jn- buitrieUen die Vertreter von Tabak-, Zi­garetten- und Brau>Jnd ustrie-Ber- bänden sowie einer Reihe von anderen Körper­schaften. Es wurde einstimmig beschlossen, im Mannar eine Delegierten-Bersammlung unter Hin­zuziehung aller Interessenten abzubaiten. Man einigte sich über den Wortlaut einer der Ver­sammlung vorzulchlaqenden Resolution.

* Eine Rangerhöhung der Gouverneure unserer Schutzgebiete veröffentlicht der.Reich-« an,zeiget. Ten Gouverneuren der Schutzgebiete in Airika und der Südtee ist für die Dauer ihres Aufenthaltes außerhalb Europas das Prädikat Exzellenz verliehen, ferner ist für die Dauer ihrer Verwendung im Kolonialdienst den Gouverneuren vonDeutsch-Ostasrika. Kamerun und Südwestafrika der Rang der Räte I. Klaffe, den Gouverneuren von Togo und den Schutzgebieten der Südsee der Rang der Räte 1L Klaffe »er« liehen. Dem Gouverneur des Kiautfchaugebiete- ist für die Tauer seines Amte- und seines Aufenthaltes außerhalb Europas da- Prädikat Exzellenz verlieben.

.'. Dem aus Südwestafrika zurückkehrenden General v. Trotha widmet die «Rordd. Allgem. Zeitung' einen Begrüßunqsartikel, in dem eS heißt: »Nahezu anderthalb Jahre hat der General den Oberbefehl über die in dem Schutz­gebiet kämmenden Truppen innegehabt und durch feine Wirksamkeit die Anerkennung Ee.ner Majestät des Kaisers erworben und den Dank der Nation verdient. Durch Verleihung des Ordens 1‘our le mörite hat Se. Majestät zu erkennen gegeben, daß Generalleutnant von Trotha dem in ihn gesetzten Allerhöchsten Ver­trauen in vollstem Maße gerecht geworden ist. Die Angriffe, die im Reichstag gegen den General und dessen Kiiegsühruna erhoben worden find, hat der Reichskanzler Fürst von Bülow zurückgewiesen, indem er hervor hob, daß Genet al- leutnont v. Trotha mit Bravour. Energie und Umsicht sich der schweren Aufgabe entledigt bat, die ihm in Sübwestasrika zugesallen war. Jeder Teut'che. der noch einen Funken nationalen Empfinden- in sich trägt, wird mit Bewunderung bei den Taten und der Haltung unserer braven Truppen gegenüber einem vor keiner Unmen'dj« lichkeit zurücttchreckenden Feind verwei en, und et wird zugleich mit warmem Dankgefühl der nie versagenden Hingebung gedenken, die die Führer dieser Truppen, vom Oberbefehlshaber bis zum jüngsten Leutnant, an den Tag gelegt haben. Welche Probleme der Heereslührung in Südwestasrika geneüt waren, davon vermag sich selbst der Laie ein Bild zu machen, wenn er die außerordentlichen Schwierigkeiten des ausge- delmlen Geländes, dec Betpstegung. der Ge­wöhnung an gänzlich neue Verhältnisse und an einen nut keinem europäischen Gegner veraleich- baren Feind ins Auge saßt. Mit lebhafter Genugtuung wird jeder national empfindende Deul'che auf den Verlauf dieses uns aus-

Mariska.

Erzählung von Joseph vom Ehrenberge.

16] (Nachbruck verboten.)

Das ist Feuer! Es brennt irgendwo in der Nähe: aber sie sicht keine Glut. Sie eilt. Ferencz und Mariska zu wecken und findet zu ihrem Ent­setzen die Stube leer.

Wieder eilt sie ins Gehöft und will schreien, aber nur einige gurgelnde Laute kommen über ihre Lippen, als sie die Flammen durch die Fugen und Riffe der Scheunenwand leuchten sieht.

„Feuer! Feuer!" gellt es bann unaufhörlich von ihren Lippen in die Nacht hinaus. Sie will zum Scheunentor und schüttelt u. rüttelt, sie reißt sich die Hände blutig, und kann nicht öffnen. Ein erlösender Gedanke kommt ihr, sie eilt zurück zum Stall um eine Hacke, und immer wieder schreit sic: „Feuer, Feuer!" Sie schlägt mit dem Beil auf das Torschloß, und endlich, endlich, gerade als die ersten Flammen durch das Dach schlagen, eilen ihr die Nachbarn zu Hilfe und was die alte Frau mit ihren schwachen Kräften nicht vermochte, gelang niit Leichtigkeit den Männern. Tas Tor ist auf unb an feiner Schwelle liegt Mariska, geknebelt und gebunden, wie eine Tote. Die Männer schlep­pen sie ins Freie, lösen ihre Bande und ziehen das Tuch aus ihrem Munde.

Die alte Mutter schreit wie wahnsinnig: „Fe­rencz, Ferencz. mein Sohn!"

Es ist unmöglich, nochmals in die Brandstätte einzudringen, wenn der Bauer in der Scheune ist, ist er verloren.

Die Glocken beginnen Sturm zu läuten, und aus dem Torfe eilen entsetzte Männer und Frauen zur Hilfeleistung herbei.

Mariska bat man in eines der Nachbarhäuser gebracht, wo sie immer noch wie tot daliegt. Man überläßt sie der Sorge der Frauen, die sich um sie bemühen und sie mit Essig reiben. Die Männer

gezwungenen, leider so opferreichen Kampfes zurückblicken. deffen Leiter unter überaus schwierigen Umständen seine Pflicht und Schuldig­keit in einer Weile getan hat, wie sie die Nation von den Oifnieren unseres Heeres erwartet. Wir roiffen uns eins mit der weit überwiegenden Mehrheit unseres Volkes, indem wir bei feiner Heimkehr dem Generalleutnant v. Trotha den ihm gebührenden Dank zollen und ihn auf heimatlichem Boden von Herzen willkommen heissen."

*, Die Seeberufs-Genossenschaft, die um über die Fürsorge für die Witwen unb Waffen deutscher Seeleute zu beraten, im Hotel de Rome eine Delegierten-Verlammlung abhielt, hatte auch dem Kaiser von ihren Absichten und Beschlüssen Nachricht in einem Telegramm gegeben. Daraus lief folgendes Artsworttelegramm ein: „Der ein­mütige Beschluß der außerordentlichen delegierten- Versammlung der Seeberufs-Genossenschaft, für die Witlwen und Waisen der deutschen Seeleute eine gesicherte Fürsorge zu übernehmen, hat mich mit großer Freude und hoher Befriedigung er­füllt. Das Bewußtsein dieser Fürsorge wird bei den braven Seeleuten die Liebe zu ihrem schweren Berufe und den Mut in Stunden der Gefahr stärken unb zur Erhaltung des ausgezeichneten Rufes der deutschen Seeleute beitragen. Ich beglückwünsche die Seebeiuss-Genoffenschaft zu diesem hochherzigen Beicht uß unb gebe gerne meinem wärmsten Danke Ausdruck, gez. Wil­helm I. R -

* Znr Fleischteuerung. Die Schweine­fleischpreise sind im eberschlesischen Industrie- bezirk, wie der »Schlesischen Voltsztg/ von dort berichtet wird, stark beruntergegangen. Am Montags-Wochenmarkt kostete Speck 60 bi« 65 Pfg., Fleisch 60 Pfg., während für inlän­disches Schweinefleisch 70 Pfg. pro Pfund be- zahlt wurde. Die Vorräte von Schweinefleffch werden nicht völlig abgesetzt, obwohl am letzten Einsührungstage, z. B. nach Tarnowitz unb Myslowitz. nicht ba« volle Kontingent russischer Schweine einaeführt worben ist.

* Einen scharfen Protest gegen die Borgange am Münchener Hoftheater, die mit der Berufung des Wiener Schriftstellers Hermann Bahr zum Leiter des kgl. Schauspieles zuiamm-nhängen, bringt die .Germania'. Das genannte Blatt stellt fest, daß Hermann Bahr, ganz abgesehen von seiner zweifelhaften literarischen Befähigung un­möglich geeignet sein kann, als Leiter einer kgl. Hof bühne zu fungieren. Er habe sich selbst als Anarchist bezeichnet und seinen Austritt aus der Kirche dokumentärisch verkündet. Die.Germania' hält es für einen nahezu unolaublichen Vorgang, daß der Intendant der Münchener Hosbühne, Baron Speidel, ein noch im Dienst befindlicher hoher Offi zier, einen Mann wie Bahr Vorschlägen konnte zu der Stellung des Leiters des königl. Schauspielhauses in München und kündigt an, daß das bayerische Zentrum seine Konsequenzen aus dem Verhalten des Intendanten ziehen werde.

Parlamentarische Nachrichten.

** Die Budgetkommission des Reichstages beriet am Mittwoch zunächst den Handels­vertrag mit Bulgarien. Der Referent, Abg. Tr. Sem!er (natl.) bezeichnete den Ver­trag als e nen „sauren Apfel", in den man aber

eilen zu retten. Zunächst läßt man das Vieh aus seinen Ställen, dann schleppt man den Hausrat in dos Freie und geht hinaus auf den Dachboden, zu sehen, was es dort zu retten gebe. Ein Grausen packt selbst die beherzten Männer, dort hängt an einem Balken der Besitzer des Hauses, der reiche Ferencz. Niemand will ihn anrühren, bis die ver­zweifelnde Mutter kommt und den Strick zerschnei- bet, an dem ihr Sohn hängt, der mit dumpfem Fall zu Boden schlägt. Sie will den toten Körper in Sicherheit bringen, aber keine helfende Hand rührt sich, bis endlich aus dem Kreis der Männer einer Vortritt, Miklos, der den Toten mit Hilfe der Mutter in den Garten schleppt.

Tränenlos sitzt dort die alte Frau an der Leiche ihres Sohnes und hält ihm Totenwacht, zu welcher die brennende Scheuer das Licht spendet.

Dank der schnellen und ausgiebigen Hilfe bleibt der Stall und das Haus vom Feuer verschont.

Mariska lebte; schwache Atemzuge heben ihre Brust und lohnen die Mühe der Weiber. Man träat die Bewußtlose in das Haus ihrer Mutter, wohin man noch in der Nacht auch die Kinder in Sicherheit gebracht batte. Terez hilft mit der Pisto, der alten Kathi, die anderen Frauen kom­men ab und zu und neben jede einen besseren Rat.

Zum Mittag schlägt Mariska endlich die Augen auf und erkennt ihre Dkutter und die Frauen. Sto­ben kann sie nicht, und schließt vor Schwäche aufs neue ihre Augen. Als sie nach einigen Stunden wieder erwachte, ist ihre erste Frage nach dem Kinde. Terez bringt ihr bas Kleine und jetzt besinnt Mariska zu weinen. Die Schrecken des Todes, die sie ausgestanden, stehen wieder vor ihrer Seele, und das Bewußtsein peinigt sie, daß ihr eigener Mann zum Mörder an ihr hatte wer­den wollen. Sie Waat nickst nach ihm zu fragen, aber Entsetzen im Blick, schaut sie umher, ob er in ihrer Nähe weile. Sie weiß nichts vom Brande, weiß nichts von Ferencz' Ende, weiß nicht, ob sie den Frauen ihre Schrecken erzählen soll.

Terez setzt sich an ihr Lager und streichelt mütterlich ihre Hände unb Gesicht. Ob sie es

beissen muffe. Der Staatssekretär des Innern, Graf Pofadowsky, möchte längere vertrau­liche Mitteilungen über umere Handelsbeziehungen zu den englischen Kolonien. Tie Kommission nahm dann den Handelsvertrag gegen 1 Stimme an. — Sodann wurde die Beratung des Nach- trag-etats für Deutsch-Südwestafrika (Eifenbahnbau Lüderitz-Bucht Kubnb) fortge­setzt. In erster Linie nahm die Kommission die Ausführungen der von der Wörmann-Linie als Sachverständige zur Verfügung gestellten Kapitäne Jenffen und Depper über d e Verhältnisse der Lüberitz-Bucht beim, des Robert Hafen (des neuen Hafens der Bucht) entgegen. Tie Schilderungen der beiden Kapitäne route« sowohl für den alten Lüderitz-Hasen wie für den neuen Robert-Hasen günstig. Abg. Dr. Bachem (Ztr.) er!arte es für ganz unverständlich, wie bi? Regierung noch im vorigen Jahre über Cwakopmund unzutref­fende Mitteilungen hätte machen können. Der Redner ging auf die Verhältnisse der großen Landgesellschaften ein, die er als absolut unhalt­bar bezeichnete, und fragte an, warum der zum Bahn bau verpflichteten Gesellschaft die Ver­pflichtung erlassen sei. Dr. Bachem warf weiter­hin die Frage auf, ob eS nid)*' vorteilhafter fei, den Süden des Schutzgebietes vorerst sich selbst zu übedaffen. Es sei zweifelhaft, ob unsere Interessen dort den erforderlichen Aufwand an Geld und Blutrechtfe»tigten. Erb­prinz zu Hoheulohe sagte die Regelung der Verhält niste der großen Laudge ellschasten durch ein Reichsgesetz ju, sobald die freie Kommiifion gearbeitet habe. Es sei richtig, daß Fehler ge­macht seien und daß Wandel geschafft werden müßte. Oberst v. Deimling begründete noch­mals den Bahn bau von militärischen Gesicht^, punkten aus, während Geheimrat Seitz wiederholt die wirtschaftlichen Vorteile des Bahn­baues heroorhob. Geheimrat Golinelli gab Ausschlüsse über die Frage der Landgesellschaften. Die Abgg. Erz berg er und Genossen (Zentrum) brachten den folgenden Antrag ein:

„§ 1. Der diesem Gesetze al3 Anlage beigefügte zweite Nachtrag zum Etat der Schutzgebiete auf daS Rechnungsjahr 1905 wird in Einnahme und Ausgabe für das | üb meftafritanifd) e Schutzgebiet auf 5050000 Mark festgesetzt.

8 L Alle Land- und Bergwerksrechte von Kolonial- iiesellschaften in den Schutzgebieten sind verwirkt und allen an den Fiskus der betreffende« Schutzgebiete ohne jede Gegenleistung zurück, soweit sie nicht bis zum 31. März 1909 ausgeübt sind Internationale Verein­barungen und die hieraus entstandenen Rechte werden hierdurch nicht berührt. Die näheren Aussührungsbe- stimmunoen hierüber sind in einem noch vor dem 1. April 1906 zu erlassenden Reichsgesetze festzustellen. Kommt bteseS Gesetz nicht zustande, so hat der Bundes­rat die Ausführungsbestimmungen zu erlassen und sie dem Reichstage zur Kenntnisnahme mitwteilen, die Ueberwachung über die Durchführung derselben, nebst einem hierüber an den Bundesrat und Reichstag zu er­stattenden Bericht, hat eine vom Reichstag gewählte Kommission zu übernehmen."

Die Sitzung wurde daraus vertagt.

* Die Kommission zur Vorberatung des Volksschulunterhaltungs-Gefetzes, die nach Schluß der Plenarsitzung am Mittwoch gewählt wurde, besteht aus 9 Konservativen, 4 Freikon- servaticen. 8 Zentrums-Mitgliedern, 5 National­liberalen und 2 Freisinnigen (Volksp.). Den Vor­sitzenden stellen die Freikonservativen, nämlich den Abg. Viereck; stellvertretender Vorsitzender ist der Abg Dr. Hackenberg (»all.). Das Zentrum entsendet in die Kommission die Abgg. Dittrich,

wagen darf, der Müden mitzuteilen, daß sie von ihrem Peiniger erlöst ist? Vielleicht bringt ihr die Kunde Erleichterung, vielleicht aber auch der neue Schrecken den Tod.

Mariska merkt, daß man ihr etwas verheim­lichen will. Sie fragt sich, wie kam ich in das Haus der Mutter, wer hat mich gefunden und hergebracht? Ihr wird leichter sein, wenn sie alles weiß, und so fragt sie selbst voll geheimer Angst: „Wo ist Ferencz?" Die Frauen erschrecken bei dieser Frage, die doch so nahe lag.

„Aengstige Dich nicht, Mariska," antwortete ihr Terez, „Ferencz wird Dich nicht mehr pei­nigen."

„Wo ist er? Ist er gefangen ober tot?" „Mariska, erschreck nicht, er ist tot!" Mehr braucht Mariska nicht zu hören, sie weiß, wie er gestorben sein wird. Der sich nicht scheute, fremdes Eigentum zu nehmen, unb in mörderischer Absicht Hand an seine Frau legte, wirb auch vor dem Selbstmorb nicht zursickgeschreckt sein. Träne um Träne rinnt über ihre Wangen, unb die Frauen weinen in stiller Teilnahme mit ihr.

„£>, die arme Mutter und mein armes Kind!" An sich denkt sie nicht unb nicht an das, was sie in dein einen Jahre gelitten, sie verzeiht dem Toten, um ihretwillen soll er in Frieden ruhen.

Gegen Abend kamen die Gerichtspersonen aus der Stabt, um Ferencz zu verhaften. Der Gold- wechsler hatte seinen Auftrag ansgeführt unb die Nummer des verkauften Wertvapieres angegeben. Leicht hatte man gefunden, daß das Papier einem großen Einbruchsdiebstahl bei einem reichen Kauf­mann der Hauptstadt entstammte, unb sein Be­sitzer, ber sich auf unaufgeklärte Weise großer Schätze erfreute, mußte entweber selbst der Dieb sein, ober wenigstens dem Diebstahl nahe stehen. Sie fanden Ferencz als Leiche, und sein Selbst­morb war ihnen der beste Beweis seiner Schuld. Man vernahm die ölte Mutter, die nur unter Tränen ihre Unschuld beteuern konnte, man ver­nahm auch Mariska. die alles, was sie wußte, der Wahrheit gemäß gestand. Ein Grund, die beide»

Herold, Linz, M üller(Koblenzl,Dr. Porsch, Schmeabing, Dr. Opferaelt unb Zieich«.

* Die ständigen Kommissionen des Abge- hnuses haben sich konstituierl: In der Kom- niiflion für die Geschäftsordnung führt den Vorsitz ber Abg. Dr. Eckels (na;l), in dec Pelitio ns kommiffion Fzhr. v.Eynalten(Zenlr l, in der Kommiffion für Handel und Ge­werbe Tnmborn iZenlr.), in der Kouuniffion für das Gemeindewesen Hausmann (natl.), in der Kommission für das Unterrichts- wefen Dr. Jrmer konf.), in der Budgel- tommiffion Frhr. v. Eiffa (konf.), in der Rech» nungs kommiffion Aroufcha (Freis. Bollsp.ch in der Wahl prüsungs kommrffion v. Reumann« Henneberg, in der Agrarkommiffion Herold (Hcnlr.), in der Justizlommifsion Krause- Waldenburg (fllikoni.»

* Die Kommission für die Rovelle z»m Einkommensteuer- und Ergänzungssteuer- Gesetze hat sich konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde der Abg. v. Arnim-Züsedom (kons.), zum stellvertretenden Vorsitzenden der Abgeordn. v. Dewitz (freikous.» gewählt. Das Zentrum ist in ber Kommission vertreten durch die Ab­geordneten Dr. Ferners, Dr Hager, Kirsch, Klose, Graf Praschina und Graf v. Spee.

Aus -cm Reichstage.

11. Sitzung vom 13. Dezember 1965.

Eröffnung V/4 Uhr: Dor dem Eintritt in bie Tagesordnung bereitet die Regierung dem Hause eine große Ueberraschung.

Neichsschatzsekretär Freih. v. Stengel. Wäh­rend im nördlichen Teile Südwestafrikas bie Lage sich wesentlich gebessert hat, ist sie im südlichen Teile, im Groß Narno" ,ide, noch immer überaus schwierig. Insbesondere macht die Beschaffung von Proviant unb Munition bie größten Schwie­rigkeiten. Bei dieser Entwicklung der Dinge ist bie Einstelllmg eines 4. Nachtrags­etats in Höhe von 30 Millionen für Südwestafrika nicht zu umgehen. (Rufe: Hört, hört! große andauernde Bewegung.) Nach den Geschäftsdispositionen des Hauses wird Ihnen der Nachtragsetat nach Weihnachten zugeben kön­nen. Redner verbreitet sich bann über die Lage in Südwestafrika. Seine weiteren Ausführungen sind bei der dauernden Unruhe im Hause nicht Verständlich.

Der Gesetzentwurf befr. Verlängerung des Gesetzes über bie militärische Straf­rechtspflege in Kiautschau icirb in 3. Beratung angenomme n.

Das Hanbelsprovisorium mit E n g l a n b wirb in 1. unb 2. Beratung debatte- los angenommen.

Der Handelsvertrag mit Bulga­rien wird ebenfalls angenommen.

Dann wurde allqemeineBesprechung über Etat, Flotte unb Finanzre- f o r m wieder ausgenommen.

Abg. Gröber (Ztr.) nahm unter lebhafter Zu­stimmung eines großen Teiles des Hauses für den Reichstag das Recht in Anspruch, wenn es ihm paffe, in der Geschäftsordnung festznleaen, baß in Zukunft die Geschäfte von einer Session zur anderen fortlaufen. In äußerst wirksamer Weise begründete er bann bie Notwenbigkeit von Tagegeldern. Er wies dem Staatssekretär des Innern nach, daß der Absentismus feine Folge einer Ueberlaftung der einzelnen Neichstagsabge- orbneten sei, die sich neuerlich herausgebildet habe. Schon aus den 70er Jahren konnte er lebhafte Klagen über den Absentismus anführen. Die

schwer geprüften Frauen zu verhaften, lag nicht vor, unb so ließ man ihnen bie Freiheit. Aber das ganze Eigentum des Bauern wurde mit Be­schlag belegt, unb sein Haus versiegelt, nur ein Stall blieb zur Benutzung frei, unb in diesem Stalle lag ber vielbeneidetc Ferencz auf hartem Stroh als Leiche.

Am nächsten Tage begann man nach dem Rest des gestohlenen Gutes zu suchen. Lange blieb alles Forschen vergeblich. Mariska, totmübe, unb bie arme halbwahnsinnige Mutter mußten zugegen fein. Es gab keinen Winkel des Hauses, keinen Fleck des Gartens, wo man nicht suchte unb forschte. Endlich fand man in dem Stalle, wo die Leiche deS Selbstmörders ruhte, in einer Ecke das lanagesuchte Versteck, unb in demselben den Nest der gestohlenen Summe. .Ferencz war also als Dieb vor aller Welt gebranbmarft.

Am nächsten Tage kam der telegraphisch herbei- gerufene Besitzer des gestohlenen Gutes, nahm sein Eigentum in Empfang und machte zu seiner Schad­loshaltung auf das ganze Besitztum des Bauern sein Anrecht geltend, gab aber, als er bie Leiben ber armen Familie hörte, aus freien Stücken und Erbarmen den Hinterbliebenen eine Summe von dreitausend Gulden. Tie Unschuldigen sollten nicht durch den Schuldigen gestraft werden.

Mariska nahm von dieser Summe nicht einen Heller, sie überließ alles ihrer Schwiegermutter unb den beiden Stiefkindern, sie wollte für sich unb ihr Kind allein sorgen. Niemand sollte ihr nachsagen, daß sie an dem Sündengelde ihre- Mannes Anteil hatte.

Am vierten Tage nach dem Brande trug man in früher Morgenstunde den Bauer zu Grabe. Kein Mensch gab ihm das letzte Geleit außer den Hinterbliebenen, bie, von der Schande gedrückt, tiefgebeugt hinter dem Sarge einherwankten. Nach der Beerdigung zog Mariska aus dem Trauer- hause. Auf dem einen Arm ihr Kind, tiub auf dem anderen ein kleines Bündel kam sie, ärmer als sie ausgezogen, in das Haus ihrer Mutter zurück.

< Schluß folgt./