erscheint täglich, mit ausnaljme der Soun* And Feiertage, viertel» jShrl. Bezugspreis ohne Bringerlohn und BeSevarldin^nIdaund auswärts • Ml 50 psg.
Verantwortlicher $d)riftltittr:3. Bannt; für die »nzetaen ). Par,.«er in Suite.
■8-
-V
Anzeigen: Die tin- sp Itrge petitzei r oder deren Baum 15 psg. Fetlamen die Petitzeile 25 psg.; bei wieder» Holungen wird entspr. Badalt gewahrt.
Botatiaurdruck u. Verlag »er >' uidaer 2k« tiendru-terei in Sitte. Sernfpre Der Ur. 9.
JW 28 L
Fulda, Dienstag, den 12. Dezember itwä.
3?. Jahrgang.
Grffes Wlalt.
Deutsches Reich.
Berlin, den 11. Dezember 1905.
• Jugend- und Zeitschriften für katholische Schülerdibltotheken. Der Kultusminister bai, den oft geäußerten Wünschen der Katholiken nach Ausnahme katholischer Bücher rc. in die Schülerbibliotkeken entsprechend, ein Ber- zeichnis von empfehlenswerten Jugend- und Lolksichristen für katholische Schülerbibliotheken aufstellen lasten, das an die unterstellten Bc- hörden weiter gegeben wurde und nach welchem in Zukunft die Bücher für die kalholiiche Schüler- dibliolheken auszuwählen sind. Das Verzeichnis enthält 50u Nummern; bei jeder einzelnen ist der Verfasser, Preis und Verleger angegeben. Die 50o Nummern zerfallen in 10 Gruppen zu je 50 Nummern. Die ersten 50 Nummern sind Zeit- und Jugendschristen, die als eiserner Bestand sich in jeder katholischen Schülerbibliothek finden sollten. Deshalb sind in Zukunft bei Neuanschaffungen diese unter Nr. 1—50 aufgezählten Schriften zuerst zu beschaffen, falls sie noch nicht vorhanden sind. In dem Verzeichnis sind auch der .Deutsche Hausschaf und .Alte und 9leue Welt' enthalten.
* Ein Aussatz zur Feier des 70. Geburtstages des Abg. Stöcker in der .Kreuzzeitung' würdigt vieVerdienü e desGenannteu in eingehender Weise. Die .Kreuzzeitung' schreibt unter anderem: „Stöcker gehört nicht mehr der konservativen Partei an. Aber diese wird ihm für das, was er geleistet, stets dantbar sein und ihn nach wie vor als Mitstreiter in dem Kampfe betrachten, den sie gegen die blaue und die rote Demokratie, für das Christentum, das Vatertand und die Monarchie führt. Das gewiß verständliche Gefühl des Bedauerns über sein Ausscheiden aus ihren Rechen wird gelindert durch das Bewußtsein, daß sie in den großen grundlegenden Fragen unseres öffentlichen Lebens sich mit ihm einig weiß.
* Die Aufnahme der Ausführungen Bebels tut Reichstage zur auswär tigen Politik des Reiches bildet den Gegenstand einiger Auslastung n, welche die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' an der Spitze ihrer „Rundschau im Auslande" bringt. Das Regre- rnngöorgan leitet d'ese Auslastungen mit der Bemerkung ein: „Wir verzeichnen nachstehend einige Stichproben aus fremden Zeiluktgen, weil sie f-L- das Wohlgefallen an anttnatronalen Reden unserer Sozialdemokraten und für die fortdauernde Jrre'ührung der öffentlichen Meinung des Auslandes über deutsche Bechältnisie charakteristisch sind." Die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung' weist zunächst auf zustimmende Kundgebungen des .Temps' und des .Figaro' hin. welche übereinstimmend die Auslastungen des sozialistischen Redners a'.s eine gemäßigte und wahre Kritik bezeichnen. Die /Norddeutsche Allgemein« Zeitung' bemerkt dazu: „Herr Bebel kann stolz sein auf die Wirkung seiner Worte, die von den Widersachern Deutschlands mit lebhafter Dankbarkeit ausgenommen und nach Möglichkeit gegen das verhaßte Deutsche Reich verwertet werden, auch dann, wenn sie wie die oben zitierten augenfällige Geschichtsfälschungen
Mariska.
Erzählung von Joseph vom Ehrenberge.
I4] (Nachdruck verboten.)
Keinem Menschen sah er ähnlich, als er nach Hause kam. Vom öfteren Fallen war er blutig im Gesicht und sein Gewand starrte vom Schmutz der Gasse. Mariska wandelte das Mitleid an. ©te wusch ihn, entledigte ihn seiner Kleider, half chm auf letn Lager und blieb die halbe Nacht an seiner Serie sitzen, seine glühende Stirn mit kalten Tüchern kühlend. „£>, diese Trunksucht!" jammert sie, „wieviel Elend hat sie über dieses Haus gebracht!" Vor ihrem Geist ersteht jetzt wieder die gestrige Szene, und sie fragt sich: Warum hat so ruhig eingesteckt? Ans einmal fallt ihr all das Gerede aus früherer Zeit über des Dauern Reichtum ein. Wäre ihr Mann in Wirklichkeit ein Dieb? Nimmt auch sie teil am Genüsse unrechten Gutes?
. Diese Angst und eine Ahnung kommenden Un- Heils will sie auch am nächsten Tage nicht bet- lasten.
Auch im Dorfe fängt man wieder an von alten Dingen zu reden. Warum hat er den D:eb eingesteckt? Wie das böse Gewissen saß er da! ~‘an vstll warten, ob er Miklos vor dem Gericht über die Beleidigung belangen wird.
An öa? Gericht denkt Ferencz nicht, seit Tagen
J1. Herr seiner Vernunft geworden. Endlich forderte auch seine Natur einmal ihr Recht, und er mußte vor -schwäche liegen bleiben.
Mariska faßte sich ein Herz und srug: „Fe- renez, sag mir doch, mir, Deinem angetrauten Weibe, was Dich drückt und quält, sag mir, was Dich ständig aus dem Hause treibt?"
Ferencz gab ihr keine Antwort, still sah er vor sich hin.
„Sieh* Ferencz, ich will ja Deinen Smf.mer teilen, sag' mir, was auf Deiner Seele lastet, alles kann und wird noch gut werden."
enthalten. Mit gleicher Wärme quittiert das genannte Pariser Organ über Bebels Nastische Behauptung. Preußen sei nach Rußland das reaktionärste Land Europas. Damit ja kein Zweifel darüber aufkomme, daß der.Figaro' in Herrn Bebel einen Bundesgenossen — gegen das verhaßte Deutschland begrüßt, weist er tm weiteren Verlauf seiner Ausführungen auf dre .deutsche Gefahr" hin." Weiterhin zi.tert die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' die .Times' und stellt zu dieser den.Standard' im Gegensatz. Das letztgenannte englische Blatt hatte zur Rede Bebels die Anmerkung gemacht, Herr Bebei und seine politischen Freunde huldigten dem Grundsatz: „Unser eigenes L nd hat immer Unrecht." Das offiziöse Organ des deutschen Reichskanzlers meint dazu: „Es muß erhebend sein, sich dergleichen von einem Ausländer sagen zu lasten."
* Zu Kreuze gekrochen sind die 6 aus- gesperrten Redakteure des »Vorwärts', die in einer von Dr. Graduauer umerzeichncter Erklärung im.Vorwärts' dem Partriornstandr grgrn- fiber förmlich deprezieren und die Parteigenossen bitten, den Fall als abgeschlossen zu bewachten. Dre.Deutsche Tagesztg.' bemerkt dcuu: „Als der Skandal begann, sagten wir gleich, man solle ihm keine besondere Bedeutung beimesten, da die hrnausgeworfenen Redakteure sicher über kurz oder lang sich löblich unterwerfen würden. Daß dies aber so bald und so gründ'ich geschehen würde, daß sie so erbärmlich und so jämmerlich zu Kreuze kriechen würden, batten wir nicht erwartet." — Die ,Nat.-Ztg' schreibt über die „sympathischen 6": „Erst belästigen sie die Oesfentlichkeit mit von den schärfsten Angriffen strotzenden „Dokumenten", drei Tage darauf wird alles flehentlich reagiert und depreziert. Wirklich sympathische Helden!"
* Arbeitergroschen und Umzugskosten. Die »Hagener Zetung' hatte mifgetetlt, daß der Genosse Pfannkuch, ehemals Tischlergeselle, aber nun wohlbestallter Parteisekretär, für seinen Umzug von Kassel nach Berlin 150t) Mark Umzugskosten verbraucht habe. Aus einer Erklärnng des Abg. Pfarr kuch im ,Borwärts' ergibt sich nun, daß er nicht 1500, sondern 1700 Morl als Umzugsvergütuiig erhallen hat, allerdings nicht für einen, sondern für vier Umzüge.
Parlamentarische Nachrichten.
* Die Weihnachtsferien des Reichstags werden voraussichtlich am Freitag abend beginnen. Bis dahin soll die Diskussion über den Eiat, das Flottengesetz und die Finanzreform beend« werden. Die Diskussion über die Steuervorlagen wird bann erst nach den Wethnachtsserien vr- ginnen.
* Die Geschnftsdispositionen des Abgeordnetenhauses bis zur Weihnachtsp iuse sind folgende: Heute, morgen und Mittwoch wird das Volksschulunterhaltungsgesetz beraten, am Donnerstag solot die Besprechung der Interpellation de» Abg. Hilb cf über die Stockungen des Eisenbahnverkehrs (Begründung und Beantwortung durch den Minister war schon am 6. ds. Mts. erfolgt), am Freitag wird die Jnterpeüatis« Savig ny über den Altenbekener Tunneleinsturh zur Beratung gestellt. Möglich ist, daß auch die Interpellation Hilbck erst Freilag beraten wird und Donnerstag die Interpellation Savigny.
Jetzt trat etwas ein, was Mariska am wenigsten erwartet hatte, Ferencz fing zu weinen an, bitterlich zu weinen. Sie streichelte ferne Wange zum erstenmale, seit sie ihm angehörte, und ein inniges Mitleid zog in ihre Seele. »Laß es, Ferencz, laß! Nimm Dir ein unbedachtes Wort nicht so zu Herzen." Sie meinte nicht anders, als daß ibr Mann sich über Miklos Rede also aräme. „Erleichtere Deine Seele und sag mir Deinen Kummer, ich will ihn redlich mit Dir teilen."
„Du würdest mich verlassen, wie Du schon einmal von mir gegangen bist. Mariska, ich kann es nicht sagen."
Jetzt weiß Mariska, daß die Ahnung kommenden Unheils begründet war. Aber besser alles wissen, als in stündiger Furcht und in dem alten Elend weiter leben. Vielleicht wird er anders, wenn er fein Herz erleichtert bat und ich ihm raten und helfen kann. Er bleibt der Vater meines Kindes und um des Kindes wissen muß ich alles versuchen, alles tragen, denkt sie.
„Sag es, Ferencz!"
Und auch Ferencz hatte seine Stunde, die Stunde, wo er in der Mitteilung begangenen Unrechts Erleichterung suchte. „Mariska, Mariska, borst Du? Miklos hat die Wahrheit geredet, ich bin ein Dieb!"
Die arme Frau sank in ihre Knie und ließ ihr Hanvt hart auf die Bettstatt anschlagen. Ein Dieb! Wie der Schall der Himmel und Erde durchdringenden Posaunen des jüngsten Gerichtes tönt dieses Mort in ihrer Seele, sie fühlt sich gerichtet. Ibr Mann ein Dieb! Ihr ,Kind und sie zu lebenslänalicher Schande verurteilt! War ihre Schuld wirklich so groß, daß sie diese? Los verdient? Und was bat das arme, unschuldige Kind verbrochen, daß es sein Leben lang mit dem Fluche behaftet sein wird?
Ferencz sieht aus sein gebrochenes Weib. „Mariska, Du wirst mich nicht verraten," bittet er angstvoll.
Mariska erhebt ihr Haupt, ein Gedanke ist ihr gekommen, der sie mit neuer Hoffnung er-
Nach Erledigung dieses Materials treten die Wechnachtsserien ein.
.-. Die Polen haben die Reihe der Initiativanträge um nicht weniger wie 13 vermehrt. An erster Stelle stcht ein Gesetzent» warf betr. die Sprache des Religionsunterrichtes, wonach der Religionsunierrlcht nur in der Muttersprache bet Kinder erteilt werden soll. Ein zweiter Antrag verlangt eine Regelung der Eintragung nichtdeutscher Vornamen und Familiennamen in die S landes- reg ift er dahin, daß die Beamten die Vornamen tn jeder Sprache, die flavischen weiblichen Familiennamen unter Berücksichtigung der Eigentümlichkeit der Sprache einzutragen haben. Ein weiterer Antrag verlangt die Freiheit der Benutzung der Muttersprache vor Gericht seitens oller Perionen, die der deutschen Sprache nicht völlig mächtig sind. Weitere Anträge betreffen die Aufhebung der Beschränkung der Vereins- und Versamm- lungsfretheit, den Schutz der W-ihlfreihett vor Wahlbeeinslussungen, namentlich von Seiten der Behörden, die Aendetung des Preßgesetzes, die Einführung eines Reichsarbeitsamtes, die Einführung eines achtstündigen Maximalarbeitstages für Fabrikarbeiterinnen und eines achtstündigen Maximalarbeitstages für Bergarbeiter, die unter Tage beschäftigt sind, sowie die reichsgesetzliche Regelung des Bergrechtes.
% Die Beralungdes Nachtragsetats für Deutsch-Südwestafrika betreffend den Bau der Eisenbahn von Lüderitzbucht nach Kuduk in der Budgetkommission des Reichstags, die am heutigen Dienstag beginnt, gedenkt man am Mittwoch zu Ende zu führen. Ob die Vorlage in der Kommission angenommen wird, erscheint noch fraglich und wird in der Hauptsache davon abhängen, welches neue Material die Regiernn z beibringt. Im Plenum wird die Vorlage erst nach den Weihnachtsferien wieder zur Beratung gestellt iverden. Ob bann eine baldige Veröd- schiedung der Vorlage ermöglicht wird, bürste im Wesentlichen von der Prüfung des Hauses abhängen.
.*. Beschlußunfähig! DaS alte Elend der Befchlnßunfähigkeit hat sich im Reichstag, nachdem einige Sitzungen zu verzeichnen gewesen sind, in denen bas Haus gut besetzt war, am Montag wiederum eingestellt und bat zu einer Katastrophe, d. h. zum plötzlichen Abbruch bet Verhandlungen, geführt. Bei der Beratung bei Vorlage betr. das Handelsprooiioriu 1» mit England war von freisinniger Seite Einspruch gegen eine von der Rechien beantragte Kommifsionsberatung erhoben worden; infolge dessen mußte über die Frage der Kommiisions- beratung abgestimmt werden. Vor der Abstimmung bezweifelte Abg. Singer (Sozd. die Be- ? schlußsährgkeit des Hauies. Angisichts bei gäbnenben Leere im Haute mußte der gerade amtierende Vizepräsident Graf Stolberg erklären, baß das HauS nicht beschlußfähig fei und ; die Verbanblunaen mußten abgebrochen werden. ! Wenn es schon jetzt im Reichstage wieder so zu- I geut, wird die Regierung mit den Vorlage», | bereit ba ldige Verabschiedung sie wünsch!, ß nicht viel Freude erleben; namentlich gilt ba? | auch von der Eisenbahnlinie von Luderitzbuchi füllt. Sie werden das ungerechte Gut zurücker statten und das, was fehlen sollte, wird sie mit ihren Händen verdienen, nicht aufhören wird sie, Tag und Nacht am Tilgen dieser Schuld zu arbeiten.
„Ferencz, was und wieviel ist es?"
„Wirst Du mich verraten?" fragt dieser wiederum mit angstbcbender Stimme.
„Vein, Ferencz, ich will weder Dein Ankläger noch Dein Richter sein, aber do? sage mir noch, tvas und wieviel es ist."
„Mariska, an vierzigtausend Gulden!"
„Jesus, Maria! Ferencz! Wo ist das Geld und wieviel hast Du noch?"
„Tie Hälfte, Mariska, wird vertan sein."
„O Gott! Ferencz, was hast Du damit getan, Ferencz, vertrunken? Alles vertrunken? Und den Rest, wo hast Du den Rest?
„Das übrige ist verborgen."
Der Kopf sinkt Mariska auf die Brust nieder, so schwer drückt sie das, tva5 sie gehört hat. Zwan- -igtausend Gulden soll sie erwerben, dazu die Zinsen der ganzen Summe! Wenn sie alle miteinander, Eltern und Kind, ihr ganzes Leben arbeiten, wenn sie allen Besitz hingeben, werden sie soviel nicht zusammenbringen, soviel nie und nimmer. Aber sie besitzen ja eigentlich nichts mehr, Haus und Hof gehört ja nicht ibnen, alles ist gestohlenes Gut, nicht einmal das Kleid, das sie trägt, ist ihr Eigentum.
„Jesus Maria!" stöhnt sie in ihrer Angst, „was werden wir tun? Ferencz, sag doch, was sollen wir beginnen?" Das schwache Weib sucht Trost und Stütze bei dem verbrecherischen Mann.
Ferencz weiß nicht, was sie will, er versteht sein Weib nicht, ihn plagt nur die geheime Angst: Jetzt wird sie mich verraten.
„Ferencz, hörst Du? Wir müssen das gestohlene Gut zurückerstatten!"
„Was? Was willst Du? Mariska, bist Du wahnsinnig? Wie kann ich das tun, ohne mich selbst anzugeben?"
„Ferencz, wenn wir auch alles hingeben müssen, Haus und Hof, wir wollen die Schuld sühnen.
nach Kubub, vorausgejetz', baß die Kommission, bie sich am Dienstag mit dieser Vorlage beschäftigt, überhaupt zu einem positiven Ergebnis gelangt
Aus dem Reichstage.
9. Sitzung vom 11. Dezember 1905.
Eröffnung 114 Uhr: Der Gesetzentwurf betr. die Verlängerung der Giltigkeitsdauer des Gesetzes betr. die militärische Strafrechtspflege im Kiautschaugebiet wird in 1. und 2. Beratung debattelos erledigt.
Es folgt der Handelsvertrag mit Bulgarien. Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien waren bisher auf dgm Boden der Meistbegünstigung geregelt. Nachdem aber Bulgarien seine Wertzölle aufgegeben und seinen Zolltarif neu geregelt hatte, erschien es angebracht, mit Bulgarien einen Handelsvertrag abzuschließen. Der Vertrag ist am 1. August 1905 mit Bulgarien vereinbart und unterliegt jetzt der Beschlußfassung des Reichstags.
Abg. Graf Reventlow (wirtsch. Vgg.) will den Entwurf nur vor einem beschlußfähigen Reichstag Gesetz werden lassen.
Abg. Kämpf (fr. Vp.) spricht sich für die Annahme des Vertrags aus.
Abg. Tr. Bachem (Z.) beantragt die Verwei- fung des Entwurfs an eine Kommission, da dies nach den Erklärungen des Grafen Reventlow das zweckmäßigste sei.
Abg. GJraf Kauitz (kons.) empfiehlt ebenfalls Kommissionsberatung.
Staatssekretär Graf Posadowsky gibt eine geschichtliche Darstellung der wirtschaftlichen und zollpolitischen Entwickelung Bulgariens, die gebieterisch auf den Abschluß eines Handelsver- träges hindränge.
Nach unerheblicher Debatte geht die Vorlage an die B u d get k 0 m m i ff t 0 n.
Es folgt das Handelsproviforiilm mit England.
Da das gegenwärtige Handelsprovisorium mit England am 31. Dezember 1905 abläuft, soll es bis zum 31. Dezember 1907 verlängert werden.
Abg. Graf Kanitz (k.) beantragt Verweisung an die Vudgettommission.
Abg. Baustein (Soz.) ist auch für eine noch längere Zeit als zwei Jahre.
Abg. Tr. Bachem (Z.) ist mit dem Antrag auf Verweisung an die Budgetkommission einverstanden, wünscht aber möglichste Beschleunigung der Beratung in der Komniission.
Abg. Graf Reventtow (wirtsch. Vgg.) verlangt auch hier, daß nur vor einem beschlußfähigen Hause die Vorlage Gesetz werde.
Abg. Bvsiug (nl.) erklärt, auch ohne Kommis- flonsberatung die Vorlage erledigen zu wollen.
Staatssekretär Gras Posadowsky wünscht, daß die Vorlage ohne Debatte angenommen worden wäre. Für eine eventuelle Kommissionsberatung behält er sich vor, einzelne ausgestellte Behanp- tungen als unrichtig nachzuweisen.. Nach weiterer unerheblicher Debatte schließt die Diskussion. Vor der Abstimmung über die Fraae der Kommissionsberatung bezweifelt der Abg. Singer (Soz.) die Beschlußfähigkeit des Hauses.
Vizepräsident Gras Stolberg schließt sich diesem Zweifel an: die Sitzung muß also abgebrochen iverden.
Dienstag 1 Uhr Fortsetzung. (Schluß 4 Uhr.)
Es werden sich Mittel und Wege finden, das Gestohlene zurückzugeben, ohne daß Du Gefahr laufen wirst, vor der Welt als Dieb dastehen zu müssen."
„So meinst 2)u es? Ein Narr wäre ich, wenn ich auf Dich hören wollte! Als Bettelmann sollt ch leben? Ich, der Ferencz? Was geht es Dich überhaupt an, woher ich mein Geld habe? Du haft ja früher auch nicht danach gefragt, hast es Dir wohl fein lassen in meinem Reichtum, was scherst Du Dich jetzt darum. Im Gefängnis möchtest Dn mich gern sehen, damit Dein Weg frei wird. Nicht wahr, ich habe Dich durchschaut? Aber merk es Dir, mit meinen eigenen Händen erwürg ich Dich, wenn auch nur eine Silbe von dem, was Du gehört hast, über Deine Lippen kommt."
„Ferencz, halt ein. Wie kannst Du mir das intun? Ich will ja alles mit Dir tragen, Dein Bestes habe ich im Auge, nur gib das ungerechte Gut zurück, es ruht kein Segen darauf."
„Was ich zu tun gedenke, geht Dich gar nichts an, ich bin bis heute auch ohne Deinen gerühmten Segen ausgekommen."
„Ferencz, lästere nicht!"
„Geh! Hörst Du? Gehen sollst Du, und hüte Dich, etwas über die heutige Stunde zu reden."
Mariska ging taumelnd hinaus.
„Wie konnte ich mich soweit vergessen, sie zur Teilnehmerin meines Geheimnisses zu machen? Wie die listige Schlange es verstand, mich zu umstricken. Ha, ha, wiedergeben soll ich das unrechte Gut! Wer weiß, wie jener es erworben, dein ich es abgenommen."
Das Aufstehen fiel ihm schwer, aber er mußte trinken, trinken um auf andere Gedanken zu kommen und das Geschehene zu vergessen. Ob nun bei Miklos etwas davon weiß, und von wem? Diese Frage quälte ihn unablässig und erfüllte ihn mit Angst. Was dann? Oder wenn Mariska sich bei Miklos Rat hotte? Dann erwürg ich alle beides nahm er sich im Ernst vor.
(Sortierung folgt!