tflAehtt tll-Nch, «R L»r«ah«e »er Sonin und Seiertoge. viertel' jähr«. Be$ng«prei$ ohne Bringerlohn nn» BefteSgelb in 5nl-a und «nrwärtr! Mt 50 psg.
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SSrifHeiter: 3. Bannt; für Oie Anreisen
Z. Par,.Der in Hulda.
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Beteil enternd n. Verlag »er sulbaer Ac> tienöruderei in Hulda. Zernipre der Nr. *).
Jtß 283..
Fulda, Montag, den 11. Dezember 1905.
Erstes Wlatt.
3 . Jahraanq.
§ Die Novelle zum Einkommensteuergesetz
ist nach einer eingehenden Beratung im Plenum des Abgeordnetenhauses am Samstag einer 6e* sonderen Kommission überwiesen worden. Die mannigfachen, zum Teil einschneidenden Veränderungen, welche die Novelle bringt, sind bisher in der Presse nicht ganz in dem Maße gewürdigt worden, wie es der Tragweite desselben für zahlreiche Steuerzahler entspricht. Allerdings ist über den Hauptpunkt der Vorlage, die Einbeziehung der Genossenschaften m. b. H. in den Kreis der Steuerpflichtigen eine lebhafte Erörterung entstanden. Diese Einberufung soll bekanntlich einen Mehrertrag von 2,5 Millionen ergeben. Dagegen berechnet die Regierung den Ausfall am Steuerertrage, der durch die Erleichterungen herbeigeführt wird, welche den physischen Personen gewährt werden, auf 5,9 Millionen, sodaß ein Manko von 3,4 Millionen bleiben würde. Wenig beachtet ist, daß die Regierung sich die Deckung dieses Steuerausfalles durch eine besondere Vorlage Vorbehalten hat. In der Begründung der Vorlage ist das nur kurz erwähnt. Der Finanzminister hat aber in der Sitzung vom Samstag diesen Punkt in sehr bedeutsamer Weise in den Vordergrund geschoben, indem er betonte, daß die Regierung das Manko nicht ruhig hinnehmen könne. Man wird sich demnach wohl darauf gefaßt machen muffen, daß die Regierung gegebenen Falles sehr bald mit einer Deckungsdorlage herausrückt.
In der Verhandlung des Plenums des Ab- geordneten-HauseS bildete die Heranziehung dec G. m. b. H. zur Einkommensteuer einen der Hauptpunkte. Es zeigte sich, daß von verschiedenen Seiten Bedenken dagegen erhoben werden. Wir glauben aber nicht, daß man ihn ganz fallen lasten wird, sondern nehmen an, daß man sich eventuell auf einer Mittellinie einigen wird.
Einer durchweg sympathischen Aufnahme begegneten die Vorschläge der Regierung hinsichtlich der Erleichterungen, welche kinderreichen Familien zuteil werden sollen. Diese Erleichterungen sind zweifacher Natur. Bisher konnten Steuerpflichtige mit einem Einkomnten bis zu 3 00 0 „41 um eine Stufe in der Steuer herabgesetzt werden, wenn sie 3 Kinder unter 14 Jahren batten. Nach der Vorlage soll eine zweite Gruppe für eine derartige Abzugsfähig- feit geschaffen werden und zwar für Einkommen von 3000 bis 6500 M. Weiter will der Entwurf für d-e zweite Klaffe und in Konsequenz damit auch für die erste Klaffe die Neuerung treffen, daß bei fünf Kindern eine Ermäßigung um 2 Stufen eintritt. Gleichzeitig soll aber diese Nbzugsföhigkeit bestehen nicht nur für Kinder allein, sondern auch für andere Familienangehörige, die auf Grund gesetzlicher Verpflichtung zu erhalten sind. Eine weiter« Erlei^tcrung soll in der Weise geschaffen werden, daß die bisher festaebaltene Grenze für die Ab- ziwSfähigkeit bei Kindern von 14 Jahren fort- fällt und nur insofern eine Beschränkung festge- '^lten wird als in dem Falle, daß bei Kindern und Angehörigen, welche das 14. Lebensjahr Übertritten hoben, und entweder in landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben des Steuerpflichtigen tätig sind oder ein eigenes Einkommen von mindestens 500 M haben, kein Abzug stottfindet. Gegen diese Vorschläge erhob sich auch nicht der mindeste Widerspruch. Seitens
Mariska.
Erzählung vonJosephvomEhrenberge.
13] (Nachdruck verboten.)
Wie ungern war sie hierher gegangen! Ihr Sinn verlangte nicht nach Musik und Tanz, ihre Freude und ihr Glück war an die Wiege des Kindes gebunden, und zudem war sie so müde, ster- benSmüde, und sich ihres schweren Kreuzes nur zu sehr bewußt, und das Kreuz gehörte nach ihrer Meinung nicht auf den Tanzplatz. Aber sie mußte Ferencz nachgebm, mußte sich nach seinem Willen putzen und schmücken. Nur hoben die Schatten der hellblauen Gewänder, die sie trug, allzu sehr die krankhafte Blässe ihres Gesichtes hervor und ließen die dunklen Ringe um ihre Augen noch tiefer erscheinen, als sie in Wahrheit waren.
Miklos, der Mariska das erstemal als Frau erblickte, war sehr erschüttert über ihr leidendes Aussehen. Was hatte das eine Jahr aus ihr ge- machtl Er ahnte allein von allen, waS sie gelitten und erduldet haben mußte, bis sie, die Stolze, an Leib und Seele gebrochen war. Er sah von weitem in ihre übergroßen, schwarzen Augen, und durch die Augen in ihre Seele und erblickte dort alle Hoffnung geschwunden, geknickt allen Lebensmut, sah ein Meer von Schmerz in ihrem Herzen fluten.
O Mariska l Du arme Mariska! sprach er vor sich hin und eine stille Träne stahl sich in sein Auge, eine Träne des Erbarmens mit einem gebrochenen Menschenkind. Ein Ekel schüttelte ihn vor dem Scheusal, das an ihrer Seite saß. Jetzt konnte er nicht mehr tanzen und bedauerte hierher gegangen zu sein. Am liebsten wäre er fortgegangen, aber er durste sich nicht entfernen, um Mariskas willen mußte er bleiben und unbefangen sein.
Serfnc3 trank wie immer, ging dann zum Tische der Zigeuner und ließ sich zum Tanz auf- sprelen.
deS Zentrums wurde im Gegenteil der Wunsch geäußert, wenn irgend möglich, in der Erleichterung noch weiter zu gehen.
Die AbzugSfähigkeit der Guts- lasten fand in der Form, wie sie die Vorlage vorschlägt, bei den Konservativen sowohl wie beim Zentrum durchaus Zustimmung; ber Wider- .spruch, der von freisinniger Seite dagegen erhoben wird, erscheint bedeutungslos. Mit den Konservativen ist auch das Zentrum dafür, daß eine schärfere Heranziehung der Konsum v e r e i n e in der Weise stattfindet, daß dieselben für steuerpflichtig erklärt werden, sobald sie an Nicht-Mitglieder verkaufen. Was die Deckung der eventuellen Ausfälle anbelangt, so hat das Zentrum von vornherein dazu grundsätzlich in der Weise Stellung genommen, daß es eine Vermehrung des Steuerertrags nur dadurch herbeigeführt wissen will, daß die g r o ß e n Vermögen herangezogen tverden. Diese Gesichts- punfte werden für die weitere Behandlung des Gesetzentwurfs maßgebend sein. Die Aussichten auf das Zustandekommen der Vorlage sind im allgemeinen günstig; jedenfalls dürften die Steuerzahler eine baldige Verabschiedung der Vorlage sehr willkommen heißen.
Deutsches Reich.
Berlin, den 9. Dezember 1905.
(*) Eine nette Weihnachts-Bescherung für baS deutsche Volk bildet die Steueroorlage der verbündeten Regierungen. Die Tabaksteuer soll durchschnittlich um 50 Prozent, die Bier- steuer um 200 Prozent erhöht werden, jedes Postpaket mit 25 Pfg. Porto soll künftig 30 Pfg., jedes Postpaket mit 50 Pfg. Porto soll lünstig 60 Pfg. kosten, jede Posteinzahlung soll mit 10 Pfg. Extrastempel belegt werden. Zeder Frachtbrief soll 10 bis 50 Pfennig Stempel kosten. Jede Quittung über 20Mk. soll 10 Pfennig Stempel entrichten. Daneben soll eine Erbschaftssteuer eingeführt werden, welche selbst die Kirchen und milden Stiftungen für Ar,ne. Lahme, Kranke mit 5 bis 10 Prozent belastet und einen Gesamtertrag von 72 Millionen jährlich abwersen soll. Diese Weihnachts- bescherung für das deutsche Volk ist in erster Linie dem Flottenverein, der auch in Fulda viele Mitglieder besitzt, zu verdanken. Dessen unaufhörlicher Agitation ist es gelungen, die Regierungen zu immer größeren Forderungen im Marine-Etat zu bewegen und, um diese zu decken, möifen jetzt die Steuern in einem Umfange erhöht werden, wie es noch nicht dagewesen ist. Rächst bei Flotte tragen am meisten die Kolonial-Schwärmer an dem Defizit schuld, denn was die Flotte noch übrig läßt, verschlingen unsere armseligen Kolonien. Es hat vielleicht auch sein Gutes, daß dem deutschen Volke durch die neuen drückenden Stenern, die es, wenn sie einmal einqesührt find, nie wieder los werden wird, vor Augen geführt wird, wohin der Kolonial- undFlotten-Enthusiasmus führt.
* Zur Abänderung des Kommunalabgabengesetzes haben die Konservaliven einen Geietzent- rourf eingebracht, durch den die Heranziehung aller Genossenschaften und Wirtschaftsvereine mit gewerblichem Charakter, gleichviel, ob sie eingetragen sind oder nicht, zur Gemeindeeinkommensteuer ermöglicht wird. Bisher ist daS nur der Fall bei eingetragenen Genossenschaften, deren Geschäfts
Mit einem gequälten Ausdruck in ihrem blasen Gesicht erhob sich Mariska, um ihm zu folgen. Der Atem versagte ihr, sie keuchte und lehnte sich chwer in die Arme ihres Mannes, bis ihr endlich die Füße den Dienst versagten und Ferencz sie auf ihren Platz mehr schleppen als führen mußte.
Wieder und immer wieder mußte sie tanzen, Ferencz schien es ein Vergnügen zu bereiten, seine Frau vor aller Welt quälen zu können. Endlich konnte Mariska nicht mehr; sie saß blaß wie eine Leiche auf der Bank, und als ihr Mann auch jetzt kein Einsehen mit ihr batte, mengten sich die Umstehenden ein, und es kam zu einem Wort- wechsel. Miklos saß an seinem Platze und ging, als er den Lärm hörte, näher zu den Streiteir- den hin.
Ferencz, blaurot Var Zorn, ergoß seine unflätigen Schimpfreden über die Männer, die ihn, natürlich kein Wort schuldig blieben und durch ihr Schreien die Weiterstehenden immer mehr an sockten. So kam es, daß Miklos immer mehr nach vorn gedrängt, in des Bauern Nähe zu stehen kam. Als dieser ihn sah, wurde fein Gesicht ganz bla» vor Wut. Er ballte seine Fäuste, stürzte auf Miklos hin und schrie: „Was willst denn Du hier. Du Lump und Dieb?"
Miklos wurde bleich. Diese Schmach durste er nicht ungerächt hinnehmen, auch nicht von Mariskas Mann, am wenigsten vor dem ganzen Dorfe. Er trat Ferencz einen Schritt entgegen und wendete sich an die Umstehenden: „Gegen mich wird niemand einen Borwurf erheben können, aber er ist ein Dieb, ein offenkundiger Dieb, ein Dieb an der Ebre und dem Eigentum des Nächsten! Und jetzt komm!" rief er Ferencz zu, »ich erwarte Dich. Wenn es Dich gelüstet, so will ich Dich züchtigen, wie es ein Dieb verdient." Eine Schlägerei, und zwar eine von jenen, bei denen Blut zu fließen pflegte, schien unbermeib- lich zu sein. Alles drängte näher zu Miklos, um ihm beiznstehen, an Ferencz Seite stand auch nicht einer der Burschen und Männer. Aber i Ferencz kam nicht. Bei Miklos Worten taumelte
betrieb über den Kreis ihrer Mitglie- der hinausgebt.
Tie Errichtung eines Reichskolonialamtes bildet den Gegenstand einer besonderen Denkschrift, welche dem Reichstage jetzt vorliegt. In der Denkschrift wird zunächst eine kurze Uebersicht über die bisherige Entwickelung der Kolonialabteilung des auswärtigen Amtes seit ihrer Errichtung im Jahre 1890 91 gegeben und sodann die Umgestaltung derselben zu einem selbständigen Reichskolonialamte begründet. Es geschieht das in erster Linie durch den Rachweis der erheblichen Steigerung der Geschäfte der Kolonialabteilung, deren sachgemäße Erledigung nicht mehr durch eine bloße Peis, nalvermehrung, sondern nur noch durch eine gleichzeitige organi- tatarische Aenderung sichergestellt werden könne. Weiterhin wird als Grund der Aenderung die staatsrechtliche Schwierigkeit angeführt, die sich aus der gegenwärtigen Organisation ergibt, und die es dem Reichskanzler unmöglich macht, den Direktor der Kolonialabteilunq mit feiner Stellvertretung zu betrauen. Die Denkschrift gebt dann noch auf die finanzielle Seite der Angelegenheit ein. Die Mehrkosten, welche durch die Organisationsänderung selbst bedinat werden, beziffern sich darnach auf 8^ 190 Mark. Die Ersparnis, die sich Herausstellen würde, wenn man nur einen Unterstaatssekretär für die Kolonien bestellen würde, berechnet sich auf 27 50, । Mark. Angesichts der Rotwendigkeit einer Or- aanifations-Aenderung überhaupt bezeichnet die Denkschrift diesen Kostenunterschied als einen fo geringfügigen, daß er gegenüber den für die Errichtung eines Reichskolonialamtes sprechenden Gründen nicht den Ausschlag geben könne.
* Der Handelsvertrag zwischen dem deutschen Reiche und Bulgarien liegt dem Reichstage jetzt vor. Dem Lertrage ist eine Denkschrift beigegeben, in w«sicher die Haupt liest im mutigen des Vertrags und die Hauptsätze des Tarifs erläutert werden. Ter deutsche Tarif hat durch den Abschluß des Vertrags mit Bulgarien wesentliche Veränderungen der ihm durch die mit anderen Staaten abgeschloffenen Verträge bereits gegebenen Gestalt nicht erfahren. Es sind Bulgarien in erster Linie die bereits anderen Staaten gemachten Zugeständnisse bett. Zollermäßigungen für die Hauptgetreide Uen, die Erzeugnisse des Gemüse- und Obstbaues und der Viehzucht eingeräumt worden. Neue Zuge- ständmfse erscheinen in einigen Zollverbin- dünge n. Abgesehen davon sind Bulgarien nur noch in drei Punkten Zugeständniffe gemacht worden, die natürlich auch den anderen meistbegünstigten Ländern zu Gute kommen. Sie bestehen in Zollermäßigungen für Graupen, Gries und Grütze aus Getreide, mit Ausnahme der aus Hafer hergestellten Erzeugnisse und des ReisgrießeS, ferner für Rosenöl und für ungespaltene oder gespaltene entharrte halb« oder ganz gare, roch nicht gefärbte oder weiter zugerichtete Schaf- und Ziegenselle, auch Lamin- und Zckelselle. Im bulgarischen Zolltarif sind Deutschland bei 118 Positionen Ermäßigungen oder Linderungen der Zölle oder sonstige Vorteile zugestanden worden. Dieselben betreffen namentlich die Lederindustrie, die Textilindustrie, die Eisenindustrie und die elektrotechnische Industrie. Für eine Reihe von Maschinen ist die Zollfreiheit gebunden.
er wie vom Schlage getroffen, sein Gesicht wurde weiß und seine Augen starrten voller Entsetzen in die Weite.
Miklos stand unbeweglich und wartete immer noch auf seinen Gegner, aber dieser schlich wie ein getretener Hund auf seinen Platz.
„Miklos", schrie alles durcheinander, „Miflos, schlage den Feigling zu Boden."
„An einem Ehrlosen besudle ich meine Hand nicht", entgegnete er.
Dennoch wäre es dem Bauern übel ergangen, wenn Miklos nicht die aufgeregten Gemüter beschwichtigt hätte.
Wieder spielten die Zigeuner und nach und nach verliefen sich die Wogen der Erregung und alle nahmen wieder an dem Tanze teil. Auch Miklos tanzte und war heiter und lustig, und im Herzen froh, daß er sich bezwungen, an dem Zerstörer seines Glückes blutige Rache zu nehmen. Ferencz saß allein mit Mariska an dem Tische, allmählich batten sich alle aus seiner Nähe zurückgezogen. Er saß da wie ein Geächteter, wie einer, den tausendfältiger Fluch getroffen. Er trank, stierte in sein Glas und trank wieder.
Mariska litt schwer unter der Schande, die ihren Mann getroffen hatte, er war trotz aller Leiden, die er ihr bereitet, doch ihr Gatte, der Vater ihres Kindes. Seine Ehre war auch ihre Ehre, feine Schmach fiel auch auf sie und ihr un- schnldiges Kind zurück, und das fühlte sie, beute hatte Ferencz alles verloren, den letzten Rest der Achtung in der ganzen Gemeinde, und auch bei ihr. Dabei war sie wiederum froh, daß der Streit, an dem Ferencz allein Schuld trug, diesen Ausgang genommen hatte. Sie konnte sich das Bild nicht schrecklich genug ausmalen, Miklos als das unschuldige Opfer der Rache blutüberftrömt zusammenbrechen zu sehen. Lieber noch zu allem! was sie schon zu tragen hatte auch die allgemeine Schande auf sich nehmen, als über Miklos unb eine arme Mutter neues Leid gebracht zu sehen.
„Ferencz, komm nach Hanse", bat sie, ich kann das Kind nicht so lange allein lasten. Lieber Ferencz, kommt"
* Der Entwurf eines Heimstättengesetzes für das Reich ist wiederum von den Avag. von Kiepenhaufen Ikons), Dr. Bachem (Zir.i, Henning (kons.), Frhr. Hey! zu Hernesheim (natl.i, Graf v. Hompesch lZir. und Ho tz (ReichSp.) mit Unterstützung weiterer Mitglieder der koniervatiren Fraktion, der Reichspartei, des Zentrums, der 'Jlationalhberalen und der Wirtschattlichcn Vereinigung eingebracht worden. Er entspricht ben früheren Anträge.
... Der Bund der deutschen Bodenresorme: hat eine Petiiion an den Reichstag gcrichiet. in welcher er darum ersticht, noch in diesei Session Schutte zu unternehmen, we-cste geeignet sind, das an die neu zu erbauende Kanäle angrenzende Land vor Dfiteuernher Spekulation zu schützen, damit für die deutsche Arbeit hier billige und gesunde Wohn- und Werkstätten möglich werden.
.'. Die Durchführung der Ministervera t- wortlichkeit hat eine Resolution der Fielsiunigen Volkspartei zum Gegenstand, welche die Königl. Staaisregierung ersucht, baldmöglichst einen Geienentwurf vorzulegen, durch welchen in Ausführung des Art. 61 der preußischen Verfassung die näheren Bestimmungen über die Fälle der Verantwortlichkeit der Minister über das Verfahren und über die Strafen getroffen werden.
* Zum Bolksschulgesetz gibt die ,Rordd. Allg. Zig/ einen Ueberbilck über die bistierigen Presseäußerungen und bemerkt dam: „Aus diesem Ueberblick ergibt sich, daß insbesondere in der nationalliberalen Partei die Befürchtungen, betr. fine schroffe Konsejsionalisierung der Voltsschule, durch das Gesetz sehr geschwunden sind, und daß Kassandrarufe wegen reaktionärer Tendenzen im Volksichulwefen nunmehr fast ausjchließtich nur noch in der freisinnigen und sozialdemotraiischen Presse laut werden. Im Äbgeordnetenhaufe dürste sich auf Grundlage des Gesetzes eme Verständigung der an dem Kompromiß beteiligten Parteien, dem vermutlich auch bas Zentrum bei» tritt, wohl ohne beton bete Schwierigkeit erreichen lassen, und so ist zu hoffen, daß die neue Vorlage ohne heftige parlamentarische Kämpfe zur Verabschiedung gelungen wird."
* Der dritte Nachtragsetat zum Neichs- haushaltsetat für 1905, der dein Reichstage soeben zugegangen ist, enthält außer der für dir Errichtung der Gesandttchaft in Christiania, die am 1. Januar k. I. erfolgen soll, erforderlichen Quote von 13225 Mark nur Forderungen tüc koloniale Zwecke. Aus Anlaß der Expedition tn das südwestasrikanische Schutzgebiet weiden 76750 Mark angefordert. Für die Expedition in das ostafrikamsche Schutzgebiet sind 1571300 Mark gefordert. Außerdem für ordentliche Zivecke im Schutzgebiet 982585 Mark. Unter den fortdauernden Ausgaben besinden sich die Quoten für die im Etat für 1906 «»gefetzte VersWrlung der Schutztruppe und der farbigen Hilfskräfte. Unter den eigenen Einnahmen des ostafrikanischen Schutzgebietes figuriert auch der Anteil des Fiskus an dem Betriebsüberschuffe derUiambara-Eisenvahn. — Die Summe der auf den ordentlichen Etat entfallenden und durch Matrikularbeiträge aufzubringenden Ausgaben beziffert sich in dem Rach- trag-etat auf. 993810 Mark, die durch Anleihe auflubringenden außerordentlichen Ausgaben auf 1998050 Mark.
Ferencz sah sie an unb stierte von neuem in sein Glas.
„Ferencz komm!" bat sie nochmals, aber er schien sie nicht zu hören. Dann begann et zu trinken Glas um Glas, als ob er einen inneren Brand zu löschen hätte, erhob sich auf einmal, und ging ohne zu bezahlen die Dorfstraße entlang seinem Hause zu.
Mariska folgte ihm. Niemand reichte ihr die Hand zum Abschied, niemand gab ihr ein teilnehmendes Wort auf den Weg mit. Wie bitter empfand sie die Lieblosigkeit der Menschen! Sie hatte gefehlt, das wußte sie, aber sie hatte auch bereut, bitter bereut und ihren Fehler gebüßt wie selten em Sünder das größte Verbrechen büßt.
Einer wäre ihr gern nachgeeilt, um ihr ein Wort des Trostes zu sagen, aber er durste nicht, Mariska wegen nicht, und so sah ihr Miklos nur traurig nach und legte alle Teilnahme, die er für sie empfand, in die Worte: „Armes Weib!"
Mariska hatte feinen Blick gesehen, und in ihm die heiß begehrte Verzeihung gelesen. Mochte man jetzt über sie urteilen wie man wollte, das Schuldbewußtsein, das sie lange und quälend gedrückt, war erleichtert, das war der erste Trost, den sie auf ihrem Kreuzwege empfand.
Zu Hause stemmte Ferencz seinen Kopf in die Hände und saß stundenlang vor sich hinstacrenb am Tische. Das einzige, was über seine Lippen kam, war die Frage: „Wer mag es ihm verraten haben?"
Er aß nicht zu Nacht, so daß ihn Mariska voll Teilnahme frug: „Was ist Dir, Ferencz, bist Du krank?" Er gab ihr keine Antwort, sah sie nut mit einem tückischen Blicke von der Seite an. Sollte „sie" vielleicht? fuhr es ihm durch den Sinn. Aber das ist ja unmöglich, woher sollte sie etwas wissen, redest: er sich selbst seinen Gedanken aus.
Mariska hatte sich längst zur Ruhe begeben, als Ferencz fein Lager aufsuchte. Am nächste« Morgen erschrak Mariska über das Aussehen ihres Mannes. Seine Augen lagen tief in den Höhlen, unb sein Gesicht schien um Jahrs gealtert.