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Mldaer M Zeitung

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Boiationrdruck u. Verlag der Sulbaet 2k» lirndruaerei in Salbe, zernsprecher Nr.».

JVS 282.

FuLda, Samstag, den 9. Dezember 1905.

32. Jahrgang.

Krstes Wlcrtt.

(*) Lebensversicherung in der LanL- wirtschajt.

Zu den Mitteln, welche für die Erhaltung und Forderung des Bauernstandes für gewöhnlich in Betracht kommen, ist besonders auch die Lebens­versicherung zu rechnen. Schon seit vielen Jahren haben sich daher landwirtschaftliche Körperschaften bemüht, ihren Mitgliedern den Abschluß einer Lebensversicherung zu empfehlen und den Nutzen derselben klar zu legen. Wenn nun auch diese Be­strebungen zumteil von Erfolg gekrönt gewesen sind, so hat doch die Lebensversicherung in der ländlichen Bevölkerung längst nicht den Eingang gefunden, den sie im Jnteresie des Bauernstandes verdient, llnd doch ist gerade dir Lebensversiche­rung ein sicheres Mittel, der Verschuldung vo» Bauernhöfen, die vielfach u. a. durch Abfindung der den Hof verlassenden Kinder bedingt wird, einen Damm entgegen zu fetzen.

Der Hauptzweck der Lebensversicherung ist der, das; der Versicherte ein bestimmtes Kapstal sicher stellt, unabhängig von seiner eigenen Lebensdauer. Die mögliche Ausdehnung der sozialen Bersiche- rungs^Gesetzgebung auf den landwirtschaftlichen Unternehmer füllt gewiß eine kleine Lucke im Ge­biete der Dersonalverficherung aus. Doch ist mit dieser, da ihr Inkrafttreten an einen Unfall oder Invalidität geknüpft ist, keine Vorsorge getroffen für mancherlei Zwischenfälle, welche das Leben des Unternehmers bedrohen und ferne Arbeits­kraft vorzeitig der Familie entreißen können. Jeder Mensch repräsentiert durch seine Arbeits­kraft einen Vermögenswert, der durch den Tod zerstört wird. Diefer gänzlichen Zerstörung will die Lebensversicherung vorbeugen. Außerdem füllt sie mancherlei finanzielle Lücken aus, welche für zahlreiche landwirtschaftliche Unternehmer, denen es an Vermögen gebricht, bestehen, zumal da die Last von Verpflichtungen durch die Aus­bedingung von Altenteilen und Kapitalsabfindun­gen an die abgehenden, den Hof verlasienden Kin­der für den Gutsunternehmer meistens sehr groß ist. Die Abschlietzung von Lebensverficherungs- ) ertragen kann daher der ländlichen Bevölkerung nicht genug empfohlen werden.

Wieviel soziales Elend wäre beseitigt, und welch' großer BerfchuldungSnot würde mancher Landwirt entgehen, wenn er sich frühzeitig bei einer Lebensversicherung eingekauft hätte! Die Lebensversicherung hat vor allem auch die Bedeu­tung, daß sie es den Eltern erleichtert, das Gut nach ihrem Tode einem Kinde mögfichst ungeteilt zu hinterlaffen und dabei dem Anerben die kleber- nah me des Gutes zu erleichtern, ohne doch die übrigen Kinder zu benachteiligen. Sie besitzt fer­ner den großen Vorzug, daß sie auch dann sirr fewtea iSerturttt kommt, wenn der Versicherte früh­zeitig fttrbt. Wirtschaftet der Landwirt 25 oder 30 Jahre ordnungsgemäß, so kann er durch Spa­ren seine durch Erbschaft übernommene Schulden­last abtragen, aber die Gewißheit, dies bei einer laugen Lebensdauer auch wirklich zu können, gibt ihm nur die Lebensversicherung. Von Wichtigkeit ist es auch, daß der Abschluß einer Lebensderfichr- ru-ng eine Art von Sparzwang ist und daher den Versicherten anhält, manche unwirtschaftliche ober nicht gerade notwendige Ausgabe zu Unterlässen und die Höbe der Versicherungstwämie als immer wiederkehrende Ausgabe in den Haushallungs- plan aufzunehmen. Dabei besitzt aber der Ver­sicherte in der Police ein Wertpapier, das er im Falle der Not als Kreditunterlage benutzen kann. Ein anderer sehr wichtiger Vorteil besteht darin,

Mariska.

Erzählung von Joseph vom Ehrenberge. 12] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung nu8 dem zweiten Blatt)

Schweigend gcht Ferencz hinaus, indes Ma» riska am Herde waltet. Seit diesem Tage grollte Ferencz seinen Genossen, weil sie ihn zur Ziel­scheibe ihres Spottes gemacht hatten und mied ihre Gesellschaft und hals den Seinen bei der Arbest so gut er konnte, so daß Mariska den wüsten Auftritt zu vergessen begann. Wenn nur die alte Kathi, die jetzt kränklich war und nicht mehr arbeiten konnte, sie nicht immer um Geld geplagt hätte, so hatte sie ihr Dasein erträglich gesunden, einiganale schon hatte sie ihren Mann um Unterstützung für ihre Mutter gebeten. Zu­erst gab Ferencz ohne Widerrede einige Gulden, aber dann zugleich mit dem Almosen harte und bittere Worte, so daß es Mariska schwer wurde zu bitten.

So kam die Zät der Ernte.

7.

Miklos war zu seiner Mutter zurä^ekchrt, ihr bei der Arbeit zu Helsen. MariSka dachte an Mittos nur noch wie an einen lieben TcSm. Aber seit dem Tage, wo Miklos wieder ft» Dors« weilst, begann für Mariska eine neue Leidens- zeit. Geschlagen hatte sie Ferencz noch nicht, wenigstens nicht mst seinen rohen Fäusten, da­für freilich sie um so mehr geistig gezüchtigt, mit Ruten und Dornen. Die Eifersucht wucherte wieder im Herzen des Bauern, und je öfter er wieder seinen Frieden in der Dorfschenke suchte, desto mehr loderte sie auf. Wieviel Tränen hatte Mariska dieserhalb geweint, m der kurzem Zeit ihrer Che mehr, als in ihrem früheren ganzen Leben zusammen genommen. , Als ihr Ferencz in seiner Trunkenheit wieder einmal ihr früheres Verhältnis zu Mittos mit höhnenden Worten vorwarf, erwiderte sie ihm unbedacht: „Bester wäre es für Dich und mich gövefen, wenn ich

daß die Lebensversicherung einer künftigen Ver­schuldung vorbeugt, während durch die Amorfi- sation eine bereits vorhandene allmählich beseitigt wird. In den meisten Fällen ist «ine Amortisation nur so gering, daß sogar der Nederaehmer deS Gutes noch viele Jahre an der Tilgung der Amor- tisationS-Hypothek beitragen muß. Dabei erfor­dert die Erfüllung der Verpflichtungen einer Lebensversicherung meistens ein geringeres Opfer, als die der Amortisations-Hypothek. Nicht zu un­terschätzen ist ferner der große Vorteil, daß die Auszahlung der Versicherungssumme immer er­folgt, mag der Tod des Besitzers früh oder spät eintreten. Der Besitzer hat immer die beruhigende Gewißheit, daß bei seinem Tode der Uebernebmer des Gutes in der auszuzahlenden Versicherungs­summe ein Kapital in Händen hat, welches ihm die Uebernahme des Gutes und die Abfindung der übrigen Kinder erleichtert, wohingegen die Verpflichtung durch die Uebernobme einer Amor- tifations-HypokhÄ auch bei frühzeitigem Tode bestehen bleibt. Die Erfüllung der mit der Amortifatwns-Hypotyek eingegangenen Verpflich- tungen muß dem Gutsübernehmer neben der Ab­findung seiner Geschwister doppelt drückend fein. Die preußische Einkommensteuer-Gesetzgebung hat dem Abschluß einer Lebensversicherung auch dadurch eine besondere Anregung gegeben, daß die Lebensversicherungsprämien bis zu 600 <M von dem steuerpflichtigen Einkommen in Abzug gebracht werden können.

Soll die Lebensversicherung nicht zu große Opfer auferlegen, so muß sie in frühem Lebens- aftcr abgeschlossen werden; denn die Verfiche- rungsbedinaungen sind um so günstiger, je früher der Eintritt in die Versicherung erfolgt. Bei den Landwirten liegt die Frage über das Bersiche- rungsalter und die Versicherungsdauer ander?, wie bei den anderen vornehmlich handarbeitenden Ständen; denn beim Landwirt tritt nicht so sehr die körperliche Leistung in den Vordergrund, als vielmehr die Leitung des Betriebes, die er auch noch in höherem Atter durchführen kann. Er kann deshalb, um die Versicherungsprämie mag- lichst niedrig zu stellen, an Stelle einer abgekürz­ten eine lebenslängliche Versicherung eingehen, ober wenigstens bet einer abgekürzten Versiche­rung ein späteres Alter einsetzen.

Es ist eine dankbare Aufgabe der landwirt­schaftlichen Organe, Berftändnir für den Nutzen und die Wohltätigkeit dieses Versicherungszweiges unter die Bewohner des flachen Landes zu ver­breiten. Jeder, der ein Interesse für die soziale Lage der ländlichen Bevölkerung hat, sollte etz sich immer wieder angelegen sein lasten, gerade jetzt bei den vielen Dersamnstnngen zur Zett der Wintermvnate an die sittliche Pflicht zu erinnern, die jeder Landwirt bat, tmn die Erhaltung seines Gutes und bie Sicherung der Zukunft seiner Kinder am Herzen liegt

Deutscher Reich.

Berlin, den V. Dezember 1966.

* Die Hochflut der Reichstagsvorlagen — so schreibt ein Reichslagsabgeordnestr— in kaum mehr zu bewältigen; jeder Tag bringt uns ein halbes Dutzend neuer Vorlagen; wer dies noch durcharbeiten soll, muß über Riesenkräfte ver­fügen. Meine Reichslagsdeukschrifstn haben be> rette die Höhe von einem halben Meter erreicht. Daneben fast jeden Tag Kraftionssitzrmgen; wahrlich, der Abgeordnete, der eS ernst nimmt mit seinem Mandate, ist nicht zu beneiden. Rechnet man aber im Bundesrat nicht auch mit der beschränklen Arbeitskraft einzelner Abgeord-

ihm die Treue bewahrt hätte." Und jetzt geschah das, was Mariska alle Zeit gefürchtet hatte, jetzt schlug er sie, schlug,sie mst geballte» Fäusten, uno je mehr sie sich ihres Peinigers zu erwehren trach­tete, desto wttoer und unmenschlicher wurden secue Mißhandlungen, bis er sie endlich an ifacit Haaren durch das Zimmer schleifte und sie halb­tot im Gehöft liegen ließ.

Und Abend für Abend wiederholten sich b:«je Auftritte, Kinder und Mutter, die Mariska bei- zustehen suchten, litten mit, ohne imstande zu sein, dem Wütende» sem Opfer zu entrerßcu.

Mariska hätte verzweifeln müssen, wen» sie nicht ihre Zuflucht in das Haus ihrer Mmter hatte nehmen können. Was lag ihr jetzt noch an -dem Spott ihrer Mitmenschen, sie war ja so ele.rd geworden, daß ihr Jammer nicht mehr wachsen konnte, so klein kam sie sich vor, s» gedemütigt, daß sie nicht- «ehr tiefer beugen konnte, Uns doch kam etwas, das sie ganz zu Boden drückte, und nicht nur sie alleiu, sondern auch die Ms Kathi. Die erste Zett, nachdem sie ihres Mannes Haus Verla ff M. versorgte sie ihre Schwieger­mutter mit dem NottvMdigsten, bis Ferencz di- hinter kam und die alte Frau halbtot schlug, und sie selbst fortan Nest leiden Iic%. Die schöne Ma­riska, des Dorfes reichste Bäuerin litt Hunger. Viele ihrer Neider gönnten ihr von Herzen stst Los, viele bemitleideten sie, niemand half.

Bislang hatte Mittos nie mit feiner Mutter von Mariska gesprochen; vergessen hatte er sie nicht, aber er gedachte ihrer in Ehren als eines anderst Weib. Zwischen ihnen war alles zu Ende. Aber hier galt es einer Armen zu helfen, und diese Aermfte aller Armen war ihm ja einst so lieb, oder noch lieber gewesen, als daS eigene Leben. Bittend trat er vor seine Mutter: „Mut­tert nimm Dich der Armen an."

„Mittos, wird die böse Welt nicht schlimmes reden?"

„Laß de» bösen ZunMU ihre Arbeit, wir hel­fen notleidenden Christen."

„Und das neue Dach, mein Sohn?" lachte Terez.

neten? ES ist ganz ausgeschlossen, daß der Reichstag bis zum Frühsommer die ihm bis jetzt jugegangenen Arbeiten erledigen kann, ganz ab­gesehen von den Entwürfen, die ihm noch zuge- dacht sind und in den nächsten Tagen vorgelegt werden sollen. Nunmehr wird es Pflicht der maßgebenden Stellen deS Reichstags sein, darüber zu disponieren, welche Vorlagen in diesem Jahre unbedingt durchberaten werden können. Zu diesem Zwecke würde es vielleicht angebracht sein, wenn man sich gleich darüber verständigte, daß der R ichstag im Frühfommer nicht gefchloflen, sondern vertagt werde. Ohne eine Vertagung wird es diesmal nicht abgehen, wenn nicht wieder eine Menge Halder Arbest in den Papierkorb wandern soll. Nach unserer Meinung muffen in der jetzigen Tagung unbedingt erledigt werden: Dir Flottenvorlage, die Reichsfinanzreform, die mst dem Etat znsammenhängen, so z. B. daS Gesetz Über die Erhöhung der Quartierent- fchädigung, Aendenmg des Wohmmgsgeldzu- schußgesetzes ufro. Aber dies erfordert bereits eine Zeit bis Anfang Juni. Tas Militärpen- sionsgewtz wird nicht minder Kraft erdeiichen und dürft« kaum vor dem nächsten Herbst er­ledigt werde«. Es ist selbstverständlich unmög­lich, im gegenwärtigen Augenblicke schon voll­kommen sichere Dispositionen darüber zu treffen, was erledigt werden muß und verschoben werden kann; im allgemeinen aber wird man sich darüber wenigstens einigermaßen flar werden müssen, weil sonst die Arbeiten deS Reichstages iuS Planlose und Uferlose verlaufen könnten. Vielleicht aber können sich die Regierung und die Parteien doch über eine Anzahl von Vorlagen bereite jetzt einigen 1

* Das neue Unterstützungswohngesetz. DaS bestehende Unterstützungswohngefetz, das bekannt- sich für Bayern und int Reichslande nicht gilt, bestimmt, daß die einzelnen Gemeinden oder mehrere vereinigte Gemeinden und Gutsbezirke alS Ortsarmenverbände zu funktionieren h ben. Jeder Orlsarmenverband ist verpflichtet, jeden in seinem Bezirke befindlichen Inländer, der hilfsbedürftig wird, zu unterstützen. Diese Unter­stützung ist nur eine vorläufige, wenn der Be­dürftige in dem Ottscwmenverbande zwar feinen Wohnsitz, aber nicht zugleich seinen Unterftützungs- wotznsitz hat. Mit dem Erwerb des Unter- stützungswohnfitzeS hat es fügendes Bewandtnis: Jemand, der nach Vollendung deS 18. Lebens­jahres zwei Jahre lang ftmerhalb eines OrtS- armetwerbandes ständig gewöhnt hat — vor­übergehende Abwesenheit macht nichts auS, — wird dadurch diese« Ortsarmenverbande gegen­über unierstützungswohusitzbeiechtigt." Verlören geht der Unterstützungswohnsitz dadurch, daß der Inhaber nach Vollendung des 18. Lebensjahres zwei Jahre lang vom Orte seines bisherigen UnttrslützungSwohnsitzeS dauernd abwesend ist. So daS bisherige Gesetz. Was will nun die Novelle? Sie will de« Erwerb des Unter- Nützungswoimsitzes mit dein vollendeten 16. Lebens­jahre beginnen lassen. Der Erwerb soll nicht wie bisher durch zweijährigen, sondern schon durch einjährigen dauernden Wohnsitz innerhalb eines Ortearmen»erbanDeS begründet werde«. Umge­kehrt soll auch der Verlust des Un erstütznngs- wohnfitzeS schon nach einjähriger Abwesenheit eines mehr als 16 jährigen Inländers von seinem Unlerstützungswohnsitz begründet werden. Weiler

Miklos mußte mitlachen. „Laß nur, ein Jahr lang wird es noch aushalte«."

So trug Terez am Abend die aus der Fremde mitgibrachten Gulden, an den der Schweiß ihres Sohnes hing, in Kathis Häuschen. Di« Ver­wunderung der beiden Frauen war keine geringe, als sie Terez kommen sahen. Freundlich, als ob zwischen ihnen nichts vorgefallen, mit von Herzen kommender und zu Herzen gehender Teilnahme tröstete Terez die weinenden Frauen.

„O Terez, Terezl Wer hatte dar ahnen kon- nenl Terez, wie verblendet war ich", schluchzte Kathi.

„Laß, Kathi, laß, was wir tragen muffen, sollen wir in Geduld kragen, und die Hoffnnug bleibt tute ja auf bessere Tage." Nicht mit einer Silbe mahnte Terez die weinende Kathi an ihre einstigen harten Worte.

Mariska kniete vor derjenigen nieder, die ihr einst hätte Mutter werden sollen, und weinte bit­terlich. Terez hob sie auf und weinte selbst, als sie die einst so blühende Mariska elend und einem Schattenbilde ähnlich sah, deren Augen der Hun­ger tief in ihre Höhlen gedrückt hatte.

„O verzeih mit den Kummer, den ich Dir bereitet, und bitte Miklos in meinem Namen, daß er mir vergebe", bat Mariska demütig.

„Wir haben nichts mehr zu verzeihen, cckles ist vergessen. Vergessen mutzt ab« auch Du vor allem das, waS hätte sein können, und nur daran denken. Dich mit dem Bestehende» abzufinden." Und nun nötigte sie mit einer Herzlichkeit den beiden Frauen ihre Gabe auf, nicht als Geschenk, sondern als Darlehn für unbestimmte Zeit, so daß sie nicht widersprechen konnten.

„Sofft den Dank", wehrte Terez, wir haben es müssig liegen und Euch tut Hilfe not, und wenn es Euch recht ist, komme ich wieder."'

Das war es, diese unerwartete, unverdiente Hilfe von jenen, die durch sie an den Grabesrand gekommen waren, was Mariska und ihre Mutter bis zu Boden niederdrückte. Sie fühlten die glühenden Kohlen auf ihren Häuptern, und dock­

dehnt die Novelle die absolute Verpflichtung der Ortsarmenoerbänds zur Unterstützung der in ihnen hil'sbedürstig werdenden Personen, auch her« also, die in diesem Orteaimenveibande nicht unterstützungswohnsitzberechtigt sind, auf 26 Wochen aus. Der Zweck diese" Aeuderungen ist eine weitere Entlastung der sog. Heimats­gemeinden, das heißt derjenigen Ousarmeu- verbände, in denen jemand seinen Unlerstützungs­wohnsitz hat, vo« den Armenlasien, die ihnen für abgewanderte, auswärts hilfsbedürftig ge- roorbene Unterstützungswohnsitzberechtigte bisher erwuchsen. In der Begründung des Entwurfes wird auf Grund der Statistik darauf hinge» wiesen, daß die Abwanderung vom platte« Lande nach den Jndustriebezirken stetig zunimmt. Das Gesetz verfolgt somit den ausgesprochenen Zweck, die Landgemeinden zu entlüften und die reichen Städte mehr heranzuziehen. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß es im Reichstag angenommen wird, weil es nur einen gerechten Ausgleich anftrebt.

* Maximalarbeitstag für Arbeiterinnen Der Zentrumsabgeordnete Hitze und Genossen brachten im Reichstage einen Antrag ein auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs zwecks Beichrän» kung der regelmäßigen Arbeitszeit der Arbeite­rinnen (über 16 Jahre) in Fabriken auf höchstens zehn Stunden täglich und an Vorabenden von Sonn« und Festtagen auf höchstens neun Stunden.

* Großartig! Bor einigen Tagen meldete die nationaUiberale ,Nationalzettung' in Berlin, im Bistum Metz feien sieben neue Klöster zuge­lassen worden. Die gesamte liberale Presse «ahm davon Notiz mit den üblichen Bemerkungen, daß der Ultramonlanismus Trumpf fei Wir hielten die Meldung für unwahrscheinlich und brachten sie daher nicht. Nun meldet das Wolff'sche Bureau:

„Straßburg, 8. Dez. 1905. Die Meldung der Berliner ,Rat.-Zta/, in dem Stet um Metz seien mit Bewilligung der Regierung 7 neue Klöster errichtet worden, ist durchaus unzutreffend. Ein vor längerer Zeit gestellter Antrag auf Zulassung eine- Klosters im Bistum Metz, der übrigens ohne Zutun d« Kirchrnbehörde erfolgte, wurde ab gelehnt."

Ist daS nicht großartig: die liberale Presst regt chr Publikum mit sieben neuen Klöstern «ms. Tatsache ist, daß ein Klosterantrag nicht bewilligt wurde!

* ÄuS Opafrika. Gouverneur Graf Götzen telegraphiert eite Dar-es-Salaam: Nach einet Mttdung der Bezirkschefs von Muansa, Tabora und KUinctinde erscheint die Ruhe in ihren Be­zirken gesichert. Der englische Missionschef Peeb in Murapua erbat wegen der zahlreichen Frauen Schutz gegen etwaige Flüchtlinge aus Kckoffa. Da das Hochland dort gesund ist, wurden 25 Mann Marineinfanterie unter Leutnant von Engelbrecht auS Morogoro abgesandt. 3)ie fünfte Kompagnie unter Oberleutnant Wendland (150 Mann, ein 6 Zentimeter-Geschütz, ein Maschinen­gewehr) erreichte am 4. Dezember Morogoro und wird auch die Sicherung von Ktloffa übernehmen. Das Dttachement v. Wangenheim marschiert am 6. Dezember von Ktloffa auf Mahenge. Die 15. Kompanie Maffaualeut« unter Hauptmann Wunderlich wird am 12. Dezember von Dar-es» Salaam nach Morogoro vorgeschoben. Das Be­zirksamt Sengen meldet über Kapstadt, daß die Lage wieder ernster sei, da die Station unter

waren sie so froh und dankbar, daß der größten Not abgcholfen war, denn Hunger tut weh.

Mariska wurde immer elender und schwächer; zumeist lag sie fiebernd im Bett und hoffte auf den Tod. Ihr wäre das Sterben leicht gewesen, leich­ter und willkommener als das Leben. Der Tod stand auch bereits zu Höupten ihres Lagers. Wie- der waren sie versammelt die Männer und Frauen des Dorfes, um den Priester zu erwarten, nur einer war fern geblieben, der, welcher Mariska am nächsten stehen sollte, ihr Gatte. Der von Mariska früher so gefürchtete Spott war daheim geblieben; ihre einstigen Neider waren froh, dem trsUrigen Schicksal Mariskas entgangen zu sein. Nur Mitleid, auftichtiges Bedauern trag man mit dem zu Tode gehetzten Weib.

Boten hatte man »m Boten zu Ferencz ge­sandt und ihn bitten lassen, zu seinem sterbende« Weibe zu kommen. Endlich kam er. Verlegen wichen ihm die Männer aus, die Frauen aber grollten laut und manches harte Wort mutzte er auf d«n kurzen Wege hinnehmen.

Der Tod kannte kein Mitleid mst Mariska, sie sollst de» dornenvollen Weg, den sic selbst gewählt, weit« wandeln. Während sie ihrer Genesung ent­gegen sah, kam Ferencz wohl alle Tage, blieb auch stundenlang bei ihr, aber nur gu oft zeigte der Geruch des Branntweins, der bei seinem Kommen die niedere Stabe erfüllte, wo er die übrige Zeit des Tages zugebracht hatte. Mariska gab alle Hoffnung auf, daß ihr Los an der Seist dieses Mannes ein besseres und erträglicheres werden würde, aber nichtsdestoweniger kehrte si« nach ihrer Genesung in das Hans ihres ManneS zurück, freilich eine andere, nach innen und außen, ein' blasses, hüstelndes und geängstigtes Weib. Aher sie kam nicht allein; sie brachte ihr Kind mit Sie wollte ausharren, wenn es auch ihr Lebe« kosten sollte, den Schwur der Treue, den sie am Altäre geleistet, halten, schon ihres Kindes wegen.

Ferencz war kein Kinderfreund; ihm Ivar daS Weinen seines kleinen Sohnes lästig und so hatst er einen Vorwand, seine Zeit anderswo zu ver­bringen. Aber wenn er auch der reiche Ferenc-