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trid fifit täglich, mit Ausnahme 6er Ssmi- jnö ‘‘eierto<je. Viert« jähr- Bezngsprei, ohne Sris§erivhn un6 venc!-getd in 5u!6a und onsicärts! !Ht 59 psg.

verantWortUchir Schriftleiter: 3. Bmim; für 6ie Mn$eioen Z. par,.eer in Salb«.

wochWbeiiage: „Illustrierte Sonntagrzeitmig" «

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Zeitung

monatsbetlogt: „Sulöoet GeWchtSblSsttt".

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Botatiou*6ru< u. Verlag der «uldaer Ar« Henbruderel In finita.

•jernfpre her Nr. 9.

M 281.

Fulda. Freitag, den 8 Dezember i^oö.

32. Jahrgang.

(Stiles 'jhJlaif.

Deutsches Keich.

Berlin, den 7. Dezember 1905.

* Der Rücktritt des Fürsten Radolin, deS beult dien Botschafters in Paris, war von einigen Biäliern angekündiat worden. Der .Deutschen Tageszeitung wird dazu mitgeteilt, Fürst Radolin, der gegenwärtig auf seinen Gütern m Deullchland weile, werde einen 8tägigen Aufenthalt in Berlin nehmen und am 15. Dez. wieder nach Paris zurückkebren. Alle Ge­rüchte über seinen Rücktritt seien voll­kommen unrichtig.

.'. Znm Kapitel „Beaufsichtigung katho­lischer Geistlichen" schreibt man der,Germania': .In einem Torfe Oberschlesiens verbrachte ein r.eugewelhter Priester seine ErholunaSzeit bis zu seiner Anstellung. Als diese etwa vier Monate nach der Weihe in einen anderen Kreis erfolgt war, kamen von da hin darauf polizeiliche An» 'ragen an die Dorf-Behörde des früheren (Er- ^olungS») Ortes, rote sich der betreffende Geist­liche während seines dortigen Aufenthaltes ge­führt habe. Die Antwort darauf war aller­dings für den Geistlichen durchaus günstig, aber was mag io manchmal über einen Kaplan be­achtet werden, der daS Bermechen begangen, die polnische Sprache gut zu erlernen, weil er ja auf dem Dorfe doch zum polnischen Volke zu sprechen hat — wenn die Polizeiorgane Haka- listen sind oder auch von solchen stark beeinflußt werden!

% Durch den Tod des Abg. Hodler hat die Zentrums »Fraktion des Abgeordneten­hauses einen schweren Verlust erlitten. Herr Hodler erkrankte am Sonntag an Blinddarm- Entzündung und mußte sich am Montag einer Operation unterziehen; doch konnte dieselbe ihn nicht am Leben erhalten. Herr Hodler hat dem drbgeordnetenhause als Abgeordneter sür Hohen- zollern über 12 Jahre angehört und war in her­vorragender Weise bei allen neueren Gesetzen für Hohenzollern beteiligt. Er stand im 48. Lebens­jahre. Herr Hodler gehörte zu denjenigen Ab­geordneten, denen man eine regelmäßige Teil­nahme an den Plenarsitzungen nachrühmen kann,

* liniere Mitteilung über die Zusammen­setzung des Borstandes der Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses süaen wir er­gänzend hinzu, daß zum ersten Stellvertreter des Vorsitzenden, des Abg. Dr. Porsch, der Abg. Herold aeroählt wurde, zum zweiten Stellver- keter der Abg. Dittrich, zum dritten Stellver- treier der Abg. R o eren. Dem Vorstand ge­hören weiterhin an die Abgg. Prinz Aren- berg, Kirsch, Dr. Rintelen, v. Strom» deck, Trimdorn, Graf Strachwitz und Willebrand. Eme Stelle im Vorstand ist noch unbesetzt. Statt der bisherigen drei Schrift­führer romben vier gewählt und die vierte Stelle mit dem Abg. Dinslage besetzt. Die Stelle des Quästors wurde, wie schon mtigeieitf, dem Abg. Dr. Hauptmann übertragen.

* Einen Nachruf für den verstorbenen Generalstabsarzt der Armee, Profeffor von Leut hold schließt Der .Reich'ameiger' mit fol­genden Worten: „Dankbar wird das Gedächtnis

Mariska.

Erzählung von Joseph vom Ehrenberge. 10] (Nachdruck verboten.)

iFortsetzung aus dem «netten Blatt )

Als sie mit ihrer Schwiegermutter das Feld bestellte, faßte sich die alte Frau ein Herz, und redete ihrer Schwiegertochter gütlich zu. „Mariska, was ist Dir, daß Du mut- und freudlos die Tage in Deinem neuen Haufe zubringst? Fängt die übernommene Pflicht an. Dich so stich zu drücken?"

Als ob jemand mit ranher Hand an ihr Herz griffe, war es Mariska bei diesen Worten zu Muke. „Arbeite ich noch zu wenig?" fuhr sie auf.

„Du weißt, meine Tochter, daß ich etwas an­deres meine. Warum erweiterst Du täglich die Kluft zwischen Dir und Deinem Mann?"

„Ich kann nicht anders, Ferencz ist in seiner Trunksucht mir zuwider."

„Warum bist Du dann fein Weib geworden? Seine Fehler hast Du früher auch gekannt."

Schluchzend barg Mariska chr Glicht in ihrer Schürze. Tie alte Frau ließ sie ruhig gewähren. Als sie ruhiger geworden, fuhr die Schwieger- mutter fort: „Ter Ehestand ist ein gar harter Stand und erfordert mannigfache Opfer vonseiten der Fran. Ein kluges Weib vermag viel über ihren Mann, und darum laß die Zeit ntcht 6or- übergeheu, ohne auf Ferencz einzuwirken. Später würde es leicht umsonst sein."

„Er hatte mir geschworen, nicht mehr zu trin­ken, und schon am Hochzeitstage hat er mir und sich fW zur Schande seinen Eid gebrochen."

„Hast Dn nicht auf einmal zuviel verlangt?"

„And wie treibt er cs seitdem? Uns überläßt »x die Arbeit und er verbringt täglich seine Zeit im Wirtshaus."

„Mariska, bist Du Dir gar kein« Schuld be­wusst?"

„Bin rch etwa die Ursache seiner Schlechtigkeit,

dieses Mannes in Ehren gehalten werden, der — fast 50 Jahre im Dienst feinen stets be­währten ärztlichen Rat dem Wohl des Heeres und dem Herrscherhause gewidmet hat, und der im 70. Jahre eines arbeitsreichen Lebens noch die oberste Lettung des Militärsanitätswesens übernahm, um bis zuletzt alle ferne Kräfte für das Heil der Armee und die Wohlfahrt de- Volkes fruchtbringend zu verwerten."

* Wie verlautet, ist als Nachfolger Eugen Richters im Hagener Landtag'smandat her Führer der freisinnigen Volkspartei in Hagen, Stadtverordneter Fabrikant BuschhauS, in Aus­sicht genommen.

* Die freikonservative Fraktion deS Ab­geordnetenhauses hat sich konstituiert und in ihren Vorstand die Abgeordneten Stengel, Freiherrn v. Zedlitz, Krause-Waldenburg, v. Christen, Brütt und Dr. Rewoldt ge­wählt. Dre Zahl der Mitglieder bet Fraktion, welche am Anfänge der Legislatur-Periode 60 betrug, ist auf 64 gestiegen.

* Die ReichStags-Ersatzwahl in Bonn sür den ansgesktnedenen Abgeorvneten Dr. Spahn findet am 17. Januar statt

* Ei e Kritik der neuen Steuervorlagen (mit Ausnahme der Tabak« und Btetsteuer, über die sich das BlaU bereits früher geäußert hat, faßt bte «Deutsche Tageszeitung' in folgenbe Sätze zu­sammen:

1> Die Steuer auf LuxuS-Kraftwagen muß angenommen und bei größeren Wage« er­höht, bei Krafträdern herabgesetzt rott bett.

2) Bei der Fahrkarten st euer ist zu erwägen, ob der Stempel auf die teueren Fahrkarte« der beiden höheren Wagenklassen zu er­höhen sei.

3) Eine Ausdehnung des Frachturknuben« stempets auf Postpakete und Kleinbahn­frachten ist bedenklich; jedenfalls muß der Mittelstand auf diesem Gebiete schonender behandelt werden, als eS in der Vorlage ae« schiebt.

4) Auf die QuittungSsteuer mttß mau, roenutsirgeud möglich ist, verzichten, mindestens aber die Befreiung noch weiter ausdehnen und, falls erforderlich, eine mäßige Staffelung nach der Höhe der Beträge durchführen.

5) Eine Erhöhung der fogepannten Börsensteuern ist unbedingt zu fordern.

§ Ein Spiritusmonopol wirb von der ^off. Ztg.' in Aussicht gestellt. Danach sollten sich einzelne konservative Abgeordnete bei Mitgliedern der Linken erkundigt haben, wie diese sich zum Gedanken eines Spirttusmonopols stellen würben. Die ,Voff. Ztg.' hat allerdings hinzugefügt, baß es sich emftroeifen nur um unverbindliche An- regungen gehandelt habe, bie nicht von Partei« wegen erfolgt seien. Die.Deutsche Tageszeitung' bemerkt dazu: „Unseres Erachtens kann es sich nicht einmal um unverbinbltche Anregungen, ion- bern um ganz bebeutungslose Plaudereien gehandelt haben, falls die Nachricht der,Voff. Ztg.' überhaupt einen tatsächlichen Hintergrund Haden sollte

§ Der Gesetzentwurf betr. bie Einführung eines indirekten Befähigungsnachweises für das Baugewerbe liegt dem Reichstage nunmehr im Druck vor. Er ist in der Form einer Novelle zur Gewerbeordnung gekleidet und unterstellt den Betrieb des Gewerbes als Br «unternehmet oder Bauleiter, sowie den Betrieb einzelner Zweige des Baugewerbes dem Z 35 der Gewerbeordnung. Darnach ist der Betrieb dieses Gewerbes zu um

oder trage ich zuguterletzt auch Schuld, daß er es in seiner ersten Ehe es ebenso getrieben hat?"

„Geduld, meine Tochter, ist die erste Tugend im Ehestande. Du hast Dein Kreuz Dir selbst auf­geladen, und mutzt es nunmehr in Etedvld tragen. Laß doch alles früher« vergessen sein, und versuche es geduldig, Ferencz au das Hans zu fessel«. Kamm in Liebe ihm entgegen und setz nicht Trotz auf Trotz. Bedenk, ein langes Leben liegt noch vor Euch, und mach Dir Deine Tage in Deiner Verbitterung nicht zur Hölle auf Erden."

Mariska sah die Berechtigung wichet Worte! wohl ein, aber Groll und Abneigung waren zu groß in ihr.

„Sollte Ferencz nicht zuerst sich meines Ent- gegenfommen3 würdig zeigen?"

„Mit einem Kranken muß man Nachsicht üben, und auch die Leidenschaft kann krankhaft werden. Mariska, um Deinetwillen bitt ich Dich, vergiß «nd versuche. Deinen Wtonn mit Liede und Geduld auf den tobten Weg zu führen."

Bittere Reue zerriß das Herz der jungen Frau. Ja, tote leicht erträgt und verzecht die Liebe. Sie fühlte, daß das Opfer, welches sie in ihrer Berblen- dnng auf sich genommen, fast über ihre Kräfte ging. Was hatte sie vom Gelbe ihres Mannes, was half ihr Putz und Tand im Elend ihres Her­zens? In dieser Stunde fühlte fte was sie um eitles Wesen hingegeben, heute wußte sie, daß sie zur Buße verurteilt war, zur Buße für ein ganzes Leben. Doch niemand sollte sehen, wie unglücklich sie war. Um der Leute willen wird sie versuchen, ihrem Manne gegenüber zur Heuchlerin zu werden.

Bitten will sie ihn, ihm schmeichelir, den Wider­willen, den sie ihm bislang gezeigt, in Freundlich­keit verwandeln. Aber ein Grausen packt sie, wenn sie an ihr Vorhaben denkt. „Und doch mutz es fein," spricht sie sich selbst Mut zu, „ich kann den Spott der Menge nicht ertragen. Mit diesem Vor­haben kehrt sie vom Felde heim, und während fte am Herd beschäftigt wat, wiederholte sie sich immer wieder: ich muß, ich mutz. Früher als sonst, aber

tersagen, „wenn Tatsachen »erliegen, welche bte Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden in be,ug auf den Gerivetbebelrieb batfttn." Mangel an technischer Vorbildung soll aber nicht als eine Tatsache in diesem Sinne gelten gegenüber staat­lich seprüsten Bautechnikern und gegenüber sol­chen Bauunternehmern und Bauleitern, welche bte Meisterprüfung im Maurer- oder Zimmerer­gewerbe bestanden haben, ferner gegenüber Per­sonen, bie in bent Zweige des Baugewerbes, den sie aiiSüben, bie Meisterprüiüng mit Erfolg ab­gelegt haben. Die unteren Verwaltungsbehörden können bei solchen Bruten, zu deren fachgemäßer Aiisfühtung nach dem Ermeffen dec Behörde ein höherer Grad praktischer Erfahrung oder lech- niicher Vorbildung erforderlich ist, im Einzelfalle die Ausführung oder Leitung des Baues durch bestimmte Personen untersagen, wenn Tatsachen ei rliegen, aus denen sich ergibt, baß biefe Per­sonen wegen Unzuoerlä'sigkeit zur Ausführung ober Leitung beS beabsichtigten Baues ungeeig­net (mb.

Parlamentarisch- Rachrichten.

* Das offizielle Mitaliederverzeichnis des Reichstags ist erschienen. Rach bet angehängien FraklionSüste zählen bie Deutsch-Konservativen 52, bie Reichspartei 2t, bte deutsche Reform Partei 7, die Wirtschaftliche Vereinigung 14, bas Zentrum 101, bie Polen 15, bie Nationalliberalen 50, bie Freisinnige Bereinigung 10, bie Deutsche Freisinnige Volkspartei 6, bie Sozialdemokraten 77 Mitglieder, keiner Fraktion gehören 18 Mit­glieder an.

• Die Bubget-Komtnissiou des Reichstages hat sich konstituiert und zum Vorsitzenden den Abg. Gamp (Demsche Reichspartei) gewählt. Die Kommission ist zum 12. Dezember einberufen worben, ttiit den ihr überwiesenen Gesetzentwurf betr. bie Bahn von Lüberitzbucht nach Knbnb zu beraten.

* Der Antrag auf Einführung einer Wehrsteuer ist von bet Reichsparrei Abgg. Arend und Genoßen» wieberholt worden. Sie soll nach dem Einkommen abgestust werden und bie Erträge bet Steuer sollen ausschließlich für bie Versorgung ber Invaliden und Veteranen beut), für deren Hinterbliebenen trab zur Verstärkung beS ReichsinvalwenfonbS verwandt werden.

* Einen Aukrag auf Berfchärfuug und Er­weiterung der Bestimmungen zum Schutze der Wahlfreiheit im § 102 des Strafgesetzbuchs hat bie ReichSparkn (Abgg. v. Tiedemann u. Gen.) eingebracht. Den Anlaß dazu haben, wie tm Antrag hervorgehoben ist, bet bei ben letzten vreußiichen Landtagswahlen vorgekommenen Aus­schreitungen gegeben. Weiterhin verlangt ber An­trag Maßnahmen, um bie Wählerlisten gegen fahrlässige Auslassungen ttnb nicht drüuchliche Eintragungen xu sichern unb betrügerische Aus­übungen de- Wahlrechts unmöglich zu machen.

Aus -em Reichstage.

1. Sitzung vom 7. Dezember 1905.

Eröffnung 1 te Uhr : Fortsetzung der Beratung über Etat, Flottenvorlage und Finanz­reform.

Marinestaatssekretär 6. Tirpktz gab eine maß­volle Begründung der Flottenvorlage. Seine Aus-

auch ärger als sonst kehrte Ferencz beim. Sie hörte seine schweren Schritte und griff erbleichend an ihr Herz. Die Glut des Herdes warf rote Schat­ten auf ihr bleiches Angesicht, ivährenb innere Schauer ihre Glieder beben ließe». Wenn et nur jetzt nicht zu ihr käme! Nur Zeit, und wenn es auch nur Augenblicke wären! Aber er kam und trat auf sie zu. O könnte fte ihn in fein verhaßtes Angesicht schlagens Sie darf nicht, jetzt noch nicht, und muß es dulden, daß er sie in seine Arme schließt.

„Ferencz," bat sie, „geh' jetzt und ruh Dich ans, ich helfe unterdessen der Mutter bet der Arbeit und bann hol' ich Dich znm Essen."

„Bleib' hier, Mariska, die Alte wird allein mit ihrer Arbeit fertig," sprach er rauh.

„Fereircz, ich bitte Dich, leg' Dich nieder, sprach sie, mühsam ihre Ruhe wahrend, und wollte an ihm tzorüber.

„Hier bleibst Du! Ich will Dich kehren, wer hn Hause zu befehlen hat, Du Bettekdirne," und rauh und roh pacKe er sie an der Schulter. Jäh riß sich Mariska los und trat ihm mit aufgehobener Hand entgegen. „Was bin ich? Eine Bctteldirne? So fprich dock, sag noch einmal dieses Wort."

Der Trunkene ergötzte sich an ihrem Zorn und sing zu lachen an. „So geh doch, geh doch!" stam­melte er, ein Narr bist Du," und wieder suchte er sie zu umfangen. Hart stieß fte ihn zurück und eilte davon.

„Also fo weit tft es schon! Eine Betteldirne hat er mich genannt, und das nächste Mal wird er mich schlagen," sinnt sie bei der Arbeit. „Er soll es versuchen, ich bin nicht sein erstes Weib." grollt sie vor sich hin. In ihrem Zorne fallen ihr die Worte ihrer Schwiegermutter ein: Komm in Ge­duld und Liebe ihm entgegen. Auf einmal steht \ sie, was sie in ihrem Groll versäumt, und soll sie nicht zum Gelächter aller Welt ihrem Mann ent-, kaufen, so muß sie in Geduld versuchen, ibn feiner \ Leidenschaft zu entreißen. „Aber schlagen lasse ich 1 mich nicht," nimmt sie sich vor, „schlagen nicht, < und wenn er es einmal wagen sollte, so soll er I

fühnmgen schienen aber wenig zu interessieren, da die Mitglieder des HauseS eine zuweilen recht laute Unterhaltung führten. Daß der Slaatssekretär sich am Schluß gegen die Flottenschroärmer wandte und sie in den Rahmen der Regierungsvorlage zu hantrn suchte, wird ihm zroeifelloS von diesen Schwärmern arg »erdacht werden.

Abg. Bebel (sozd.) brachte in einem recht roimit Durcheinander alle möglichen Gegenstände und Fragen zur Sprache. Namentlich zeigte sich das ®d)tct der auswärtigen Politik für ihn als sehr ergiebiges Feld. Nach ihm sind an allen Welt- wirre« nur die Diplomaten schuld, während die Sozialdemokraten die eigentlichen Wahrer ves Welt­friedens find. (Zwei Stunden lang fprach Bebels Mweilen von lebhaften Zwischenrufen, auch von Pfuirufen unterbrochen, während die Genossen de­monstrativ Beifall zollten).

Der preußische Finanzminister Freiherr v. Rhe'ur- öadea nahm die Gelegenheit wahr, einmal in großen Zügen die ®oh‘ taten unserer sozialpolitischen Gesetz­gebung für die Arbeiter darzulegen. Den zweiten Teil feiner Rede widmete er dem Versuche, die Be­denken des Zentrums gegen die Reichsfutanzreform nnb bie Steuervorlage zu widerlegen.

Dann kam norl) der konservative Abg. Freiherr 8. Richthvicn zum Wort, der zur Flottenvorlage wie g den Steuergesetze« eine durchweg günftige tellung einnahm.

Darauf wurde die Beratung auf morgen vertagt.

Hettenha»«.

3. Sitzung vom 7. Dezember 1908.

Eröffnung l1* Nhr.

Der Vertrag betr. dieAenb « r « ng ber Sander- grenze gegen Hefsen wird angenommen.

Der Gesetzentwurf betr. die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst will di« Bor« bereitungszeit bet bett Gerichten zugunsten der beiden Verwaltungsbehörden ans 9 Monate beschränken. Die Beschäsligungszeit bei einem Landrat fall mindestens 1 Habe dauern, bte bei der Regierung 1’»bis 2 Jahre.

Mmister o. «eihimmn-tpoUweg: Der Gesetzentwurf bezwecke eine Vertiefung der Ausbildung der Referen­dare. Die Verlängerung bet Befchäftigungszeit beim Landrat fei besonders wuchtig. Rach einer evenk. An­nahme deS Entwurfs würde» Vorschläge bezüglich einer Reform deS Examenwesens ausgemacht werden.

Oberbürgermeister Kutz-Kiel ist von dem Entwurf «tttäuscht; er gehe nicht weit genug. Bor allem fehtt «ine Reform des akademischen SiudiumS. Die Be­schränkung der juristischen Ausbildungszeit, den Aus­fall bet Beschäftigung bei de« Landgerichte« und der Staatsanwaltschaft sei ei« schwerer Fehler.

Dr. v. Dziembowskl tritt für ben Siegienmgsend ein.

Dr. Hamm-Bonn ist wohl für eine Modifikation, nicht aber für eine Verlängerung der Ausbildungszeit.

Minister v. Bethmann-Hollweg: Eine Verlänge­rung des Vorbereitungsdienstes im ganzen sei nicht besichtigt. Die Dauer deS 2. Examens soll auf 4 Mocken herabgesetzt werden.

Der Entwurf wird an eine Sommiffie» von 15 Mitgliedern verwiesen.

Das Haus vertagt sich btS zum 20. Januar 1906.

Schluß 3 Uhr.

Ausland.

J. K. Die von Jesuiten redigierte italienische Zeitschrift .Cirilti cattolica‘, hat sich große Verdienste um bie durch bas Erdbeben Beschädigten in Kalabrien erworben. Die Gesamtsuume ber von ihr bis jetzt veranstalteten 5 Sammlungen beträgt 551,127,49 Lire. Die 6. Liste wirb am 8. Detember geschloffen werben.

* England und Rußland. Der rusisch. Botschafter hat ber HanbelSlammer von New- Castle unb Gateshead auf eine Einladung zur Teilnahme an ihrem am Donnerstag stattfin«

sehen, was ihm bann geschieht." Lache« könnte fte jetzt wie Ferencz vorhin, lachen in Groll und Zorn über sich unb ihre Mutter. „Eine Bettelbirne bat er mich genannt," spricht sie vor sich hin. „Noch «re hab' ich, unb hätte auch in Zukunst ni*t, von­nöten gehabt, in meinem Leben zu betteln, in diesem Hanfe aber muß ich dieses Handwerk ler­nen, unb betteln, bei einem Ferencz betteln, daß. er Verminst annimmt."

Als sie nach beendeter Arbeit ihn zum Esse« holte, blieb ihr Rufen umsonst, sie war nicht im­stande, den Trunkenen zu wecken .Still saß sie neben ihrer Schwiegermutter bei Tisch, «nd tu stilles Sinnen blieb sie den ganzen Tag versunken. Schlaflos brachte sie die Nacht zu, aber gegen de« Morgen hatte fte sich zu dem festen Entschlüsse durchgerungen, alles zu versuchen, um Ferena seiner Leidenschaft zu entreißen, und wenn auch zu keinem glücklichen, fo doch wenigstens friedliche« Leben zu gelangen.

Ganz erstaunt war der Bauer, als thm Mariska am Morgen eröffnete, er müsse mit ihr auf das Feld hinaus: er wußte sich ihr Strän­gen nicht zu erklären und brummte etwas von Weiberlaunen, aber schließlich gab er dem Zureden seiner Frau nach. Ein dankbarer Blick ihrer Schwiegermutter lohnte Mariska für ihren Eifer. Draußen zwang sich die junge Frau zu Scherz und Lachen, sodaß Fernecz einmal um das andere- mat verwundert zu ihr hinschaute und schließlich selbst aufgeräumt und heiter wurde. Freilich fiel ihm die ungewohnte Arbeit schwer, und er schnitt manche saure Miene, seufzte schwer und wischte manchen bitteren Schweißtropfen von seiner Stirn.

Drariska empfand bei dem Gebahren ihres Mannes eine innere Genugtuung und lachte im­mer heiterer über das griesgrämige Gesicht deS Bauern. Zwar war das öftere Rasten ihrer Ar« beit nicht förderlich, aber nichtsdestoweniger nahm fte sich vor, Ferencz täglich seinen Anteil an ihrer Mühsal zuzuteilen. ____

Bedenklich schüttelte zwar der Bauer um Mit­tag sein Haupt, als ihn Mariska aufs neue auf-