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'Hulda, Donnerstag, den 7. Dezember iduö

M 280.

3?. Jahrgang.

8]

(Nachdruck verboten.)

Rotationshrnd u. Verlag 0« >>I»ar» Ar« tienftruderei in Hulda, jternfpte i>et Ur. 9.

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trfdieinf «»glich, mit Au-nadme der Sonn» „nd Hrieriage. vieriel- jihrl. vezugrorei, of;re vrinaerlodn und ver-ellgeld m Hulda und aurwärir ! RN 50 pfg.

anderen an dem Kompromiß beteiligten Parteien, die sreikoniervative ,P o ft' und die konservative ,Kreuzzeitung^, sind im allgemeinen mildem Gesetzentwurf einverstanden, die .Post" allerdings mehr als die Freuzzeitung'. Die ,Kreuzreitung^ stellt fest, daß durch die Bestimmungen über die Konfeisionalttät der Volksichule die Negierung den Wünschen der Nationalliberalen weit ent- gegengekommen sei. Die Bestimmungen hielten sich aber immerhin im Rahmen des Schulkom­promisses und seien deshalb sür die Konser­vativen „nicht unannehmbar". Die.Deutsche Tageszeitung- ist der Ansicht, daß der Ge- tetzentwurf die Grundlage biete „zu weiterer und erfolgreicher Berständizung". Mehr ließe sich vorläufig kaum sagen. Das Blatt hält es aber für zweifelhaft, ob es überall gelungen sei, die Grundsätze der Gerechtlakett und Billigkeit zur

sich nicht einigen konnte, nur in wenigen Punkten 'ab, die zum Teil nur redaktioneller Art sind. Die Hauptbest'mmungen sind: Ablegung zweier Prüfungen nach dreijährigem Univerfilälsstudium; zwischen der ersten und zweiten Prüfung muß ein Vorbereitungsdienst von 3 Jahren liegen. Der Vorbereitungsdienst beginnt mit einer neun­monatigen Beschäftigung als R^e>endar bei Ge- richt-bebörden (Entwurf von 1903 setzte 1 Jahr als Minimum im allgemeinen fest), Rach vor- schristsmäßiger Beendigung dieies Dienstes er­nennt der Präsident des Bezirks, in dem der Eerichtsreferendar beschäftigt war, dielen zum Negierungsreferendar. (Entwurf von 1903 über­trägt dieses Recht durch die Minister der Finanzen und des Innern). Die zweite Prüfung erstreckt sich auf öffentliches. Privat-, Versaffungs-, Ver- waltungsrecht, Volks- uud Staatswirtschasls- l-hre. Bei der Piükung ist sestzuhalten, ob der Kandidat für belähigt anuilehen ist, eine selb­ständige Stellung im höheren Verwaltungsdienst einzunehmen.

* Der Landeseisenbahnrat hat in seiner Sitzung vom 5. ds. Mts. über die Vorlage des Ministers der öffenilichen Arbeiten, belressend die Reform der deutschen Eisenbahn-! Personen- und Gepäcktarife beraten. Den Grundcügen der vorgeschlagenen Reform wurde von keiner Seite widersprochen. Die Mehrheit der Körperschaften hat dabei empfohlen, wegen Ermäßigung der Fracht für kleinere Gepäckstücke bis zum Gewicht von 2ä Klg. mit den übrigen Staat-bahnoerwaltungen in erneute Verbin­dungen einzutreten. — Von den sonstigen zur Beratung stehenden Gegenständen ist zu er­wähnen, daß die Ermäßigung der Fracht für Steinkohlen und Brik.ts nach Schleswig- Holstein befürwortet wurde. Von den An­trägen auf Ermäßigung von F?acht für Stein, fohlen und Koks zum Betriebe von Hochöfen ufro. wurden die AntrL e des Georg-Marien- Bergwerks- und Hüttenvereins in Osnabrück und der Matbildenhütte in Harchurg, sowie Das Lahn- und Dillgebiet genehmigt. Danach soll dem Lahn- uid Dillgebiet der auf die weitest gelegenen Stationen des Sieqerlandes treffende höchste Be­trag der Frachtermäßigungen sür Kohlen und Koks gewährt werden.

sicht, machte mit den beiden Trauzeugen den Schluß. An der Tür der Kirche trat der Bräu­tigam der Braut zur Seite, durchschritt mit ihr die Scharen der Neugierigen und kniete am Altäre nieder. §113 der Priester die beiden Brautleute frug, ob sie freiwillig und ohne allen Zwang ein­ander zur Ehe nehmen wollten, sprach Mariska ihr Ja so laut und deutlich, daß es jeder der An­wesenden vernehmen konnte. Jetzt waren sie Ehe­leute, verbunden für alle Zeit ihres Lebens. Zu dem Manne, der an ihrer Seite mit aufgedunse­nem Gesicht und herausforderndem Blick zum Hochzeitsmahl im Dorfwirtshaus schritt, gehörte sic nun, und zu ihm wollte sie auch halten, nahm sich Mariska auf dem Wege vor, denn sie selbst hatte cs ja so gewollt.

Der Bauer hatte alles aufgeboten, um die Hoch- zeit so glänzend als nur möglich zu gestalten. An Speise und Trank aller Art war kein Mangel, I Mangel eher an Personen, die dem reichen Mahle Ehre angetan hätten. Mariska saß Ferencz still zur Seite, eine blasse und ernste Braut, gar zu blaß und ernst neben dem lustigen Bräutigam. Als sie nach beendetem Mahl an seiner Hand zum Ehrcntanz antrat, und die Zuschauer, die sich ein­gefunden, mit neugierigem Blick in ihrem Gesichte lesen sah, lachte sie Ferencz beiter an, und Lachen und Röte wichen fortan nicht mehr aus ihren Zügen. Alle standen sie da im Kreise an den Wänden des Tanzsaales, die Mädchen und Bur scheu, Frauen und Männer, die sich von der Teil' nähme an der Hochzeit entschuldigt hatten, aber als das Brautpaar, der Sitte gemäß, die Runde machte, um den Zuschauern den Wein, welchen der Wirt in einer großen Flasche nacbtrug, zum Ehren- trunk onzubieten, taten nur die wenigsten Be scheid. Um so eifriger sprach Ferencz dem Glase zu und seine funkelnden Augen sagten Mariska. daß er das Maß des Zuträglichen überschritten habe.

„Ferencz!" bat sie, „nur heute halte aus, dcnl an Dein Versprechen, tu es mir zuliebe. Siel,

Deutsches Reich.

Berlin, den 6. Dezember 1905.

** Ter Gesetzentwurf über die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst ist dem Herren' auie zugegangen. Er weicht von dem alten Entwurf von l'iO3, über den der Landtag

Amtsrichter Gerhardus und Gutsbe­sitzer Schlick. — In den Senioreukonoent entsandte die Fraktion die Abgg. Tr. Porsch, Nintelen, Herold und Dittrich. Zu Schriftführern der Fraktion würd'n ernannt Die Abgg. v. Savigny, Marx, Sittart und Dinslage; zum Quästor wurde Dr. Haupt­mann gewählt.

§ Dem Reichstage ist die unter dem 2. Juli ergangene Bekanntmachung des R ichskanzlers

Mariska.

Erzählung von Joseph vom Ehrenberge.

Monatsbeilage: „SUlMCt wefchlchtsbiätter"

Parlamentarische Nachrichten.

* Das Zentrum hat im Abqeordnetenbause den schleunigen Antrag eingebracht, die Straf­verfolgung des Abg. Heisig (Zentrum) für die Dauer der Session einzuftellen. Der Antrag wird moigen beraten werden.

* Die Zentrumsfraktion des Abgeord­net en haut es wählte in der am Drenstoq abend abgehalienen Fraktionssitzung einstimmig den bisherigen Vorstand wieder. — Der »um Vorsitzenden ernannte Abg. Dr. Pors ch dankte in seinem und ter übrigen Vorstandsmitglieder Warnen für die Wahl und versicherte, die säm - licben Mitglieder des Vorstandes würden i' re Pflicht treu erfüllen, roie es bei den schweren Ausgaben der nächsten Zukunft beiouders nötig, sei. Der Vorsitzende, Abg. Tr. Porsch, warf Dann noch er neu Einblick auf die jüngste Ver­gangenheit und bemerkte, vor dem letzten Aus- einandergehen habe dieselbe zwei Verluste erlitten durch den Tod der Abgeordneten Vogt und Stötzel. Leider hätten die Fraktion auch während der Ferien zwei schrnere Verluste ge­troffen durch das Hintcheiden der Abgg. Knie und Geyer. Tief ergriffen von dem Verlust habe er den Verstorbenen das Verleid der Fraktion ausgesprochen. Zum Beweise der Teil­nahme an dem Hinschetden der genannten Abge­ordneten bat er die Teilnehmer an der Versamm­lung, sich von den Sitzen zu erheben. Erne kirch­liche Gedächtnisfeier wird noch veranstal'et werden. An die Stelle der Hinge.chiedenen seien vier neue Abgeordnete getreimt, Darunter ein be­währter Führer vom Rhein, den schon der ver­storbene Abgeordnete Windthorst herbeig wünscht habe, Justizrat Müller, weiterhin Drei junge Miigluder: Plärrer Abrams ti.

nur, wie die schadenfrohen Gesichter an der Wand sich in hämischem Lachen verziehen!"

„So laß sie lachen! Ihnen zum Trotz tue ich, was ich will, und Du freue Dich und trinke mit mir!"

Je mehr er trank, desto mehr wuchs MariskaS geheimer Aerger. Tanzen mußte sie, tanzen mit jedem Ehrengesellen des Bräutigams, obschon ihr der Boden unter den Füßen zu glühen schien. Als sie nach getanen Ehrentänzen an die Seite ihres Gatten zurückkehrte, fand sie ibn, den Kopf auf seinen Armen ruhend, am Tisch in festem Schlafe.

„Ferencz!" rief sie halblaut, „Ferencz wach auf!" Ihr Rufen blieb umsonst, umsonst auch blieb es, daß sic ihn unsanft an die Seite stieß.

Wieder und wieder mußte sie tanzen.

Tas Lachen der Zuschauer wurde immer deut­licher, und hämische Blicke folgten jeder ihrer Be-' wegungcn. Unerträglich dünkte ihr die Lage. Nur fort, mir fort aus den Augen der spottenden' Menge: Endlich ertrug sie es nicht länger und: wollte nach Hause. l

„Aber Mariska!" suchte ihr Lajos ihr Dor-! haben auszureden; „laß den Bauern doch etwas: ruhen; wenn er den ersten, größten Rausch Oct-; schlafen hat, wird er wieder tanzen und lustig • fein!"

„Mir geht es nicht um das Tanzen und Lustig» \ sein! Tie Schande, die Schande ertrag ich nicht länger! Ich warte nicht mehr, und wenn Tu Ferencz nicht bewegen kannst, mitzukommcn, gehe ! ich allein; aber dann gehe ich in das Haus meiner t Mutter zurück und der Bauer wird lange bitten - müssen, bis ich ihm in seine Wohnung folge."

„Nun, werde nur nicht bald so heftig, ich will < ia sehen, was sich tun läßt: aber besser wäre es,- Du bliebst noch hier!"

(Fortsetzung folgt.)

Durchführung zu bringen. Die .Germania' ist der Ansicht, daß Der Gesetzentwurf hinsichtlich j her Simitttanschule über Die Grunhzüge des Kompromi'antrages vom 13. Mai 190i hinaus­gehe, Da nicht mit der Fortbestand der bisherigen Sunullanschulen gesichert fein solle, sondern auch Die wettere Entwicklung des Simuttantchulweiens über Die jetzigen Zustände hinaus pnnsipiell zu­gesagt und tatsächlich ermöglicht werden solle, wenn auch unter Kontrolle Der Schulanffichts- behörden unter Dem Vorbehalt Der Zustimmung her Provinzialaussichtsbehörde. Tie Rational- liberalen hätten somit allen Grund, mit dieser Entwicklung de Simultanschulgedankens zusrieden zu sein. Die ,©ermania' schließt ihre Be­sprechung mit der Bemerkung: „Wir stehen Des­halb Dem nunmehr veröffentlichten Schulgeetz- entroutf mit Denselben lachlichen Bedenken gegen­über, die schon bei der Beratung des Cchul- kompromiffes vom 13. Mai 1904 geäußert wurden. Ter Wortlaut Dieses Ge'etzentmurfes hat die Bedenken der Zentrumsfraktion nicht gemindert, sondern eher ver- s chärft."

.'. Hebet die Bier- und Tabaksteuer urteilt Die .Deutsche Tageszeitung' in folgender Weife: Wir begnügen uns für heute mit diesen Be­merkungen und möchten sie in folgende Sätze zusammenfaffen- 1. Di- verhältnismäßige Ent­lastung der kleinen Braubetriebe muß noch stärker durchgeführt werden. 2. Eine größere Erhöhung )es Zolles auf Zigarren und Zigarrelten ist in Erwägung zu ziehen. 3. Der Z ll auf Tabak und Tabakfabrikate muß nach dem Werte ob» aeftuft werden. 4. Jede stärkere Belastung des >e mischen Tabakbaues ist zu vermeiden.

** Verlängerung des Handelsprovisoriums mit England. Dem Reichstag ist ein vom Bundesrat beschlossener, vom 4. d. M. Dotierter Gesetzentwurf zugegangen, der Das Hani 1s- provisorium mit Dem britischen Reiche vom 31. d. M. ab, an welchem Tage es ablaufen sollte, um wehere zwei Jahre, also bis zum 31. De­zember 1907, zu verlängern vorschlägt. In Der Begründung wird darauf hingewiesen, daß auch in Den letzten Jahren die Handelsbeziehungen zwischen dem deutschen und Dem britischen Reiche sich im allgemeinen für beide Teile durchaus förderlich gestaltet haben. — Die .Deutsche

fick er in den schmutzigen Dorfbach, der sich träge neben der Straße hinfchlängelte. Mit Mühe fand er seinen Weg nach Hause und versetzte seine Mut- ter in einen wahren Todesschrccken. Unter lauten Verwünschungen suchte er, so gut cs ging, sich zu reinigen, was ihm jgdoch nur zumteil und unter Einbuße der Haut seines Gesichtes gelang, und schlief Dann feiner Gewohnheit nach bis in den späten Morgen hinein.

Auch Mariska hatte die Rache der entrüsteten gend erfahren müssen: man hatte vor ihrem Fenster auf einer hohen Stange einen Strohmann aufgerichtet, die größte Schmach, die einem ehr­baren Mädchen widerfahren konnte.

In ihrer bunten Tracht kamen am Morgen i des Hochzeitstages die Ehrenjungfern in das Brauthaus, und fanden nicht genug des Verwun­derns über die geputzte Braut. Zum schwarzseide­nen Nock trug Mariska ein weiß und rot geblüm­tes Brusttuch und ein rotseidenes, mit goldenen Dlumen dnrchwirktcs Mieder. Ten Hals schmückte eme goldene Kette. Tie Farbe ihres Brusttuches und des Mieders linderte die Blässe ihre« Ge­sichtes und so stand sie, ihrer Schönheit sich be­wußt, stolz wie eine Fürstin unter ihren Gefährtin­nen in Erwartung des Bräutigams, der sic mit einen Ehrengescllen zum Kirchgänge abholen ollle.

Bevor das Brautpaar den entscheidenden Gang zum Altar antrat, nahm die Braut Abschied von ihren Jugendgefährtinnen und zuletzt von ihrer Mutter. Aber falt und unbewegt blieben ihre Mienen, selbst als sie mit Ferencz vor Kathi nie- berfniete, um den mütterlichen Segen zu empfan­gen. Lustige Weisen spielten die Zigeuner auf dem Kirchwege, und Mariska ging in der Mitte Der beiden Ehrengcfellen stolz und aufrecht ihren Weg. Ihr schlossen sich die Ehrenjungfern mit den Ehrengesellcn und das andere unverheiratete Gefolge an, Dann kamen paarweise Die Frauen und Männer, und Ferencz, mit blutrünstigem Ge- j

Die beiden Frauen, die sich in die Wacht tei­len, lasten ne ruhig gewähren, bis sich der Kranke zu regen beginnt und mit lallender Stimme zu rufen anfängt: „Die Schlange, die schreckliche Schlange!"

Tcrez weiß, daß es Zeit ist, die kühlenden Hullen zu erneuern, unter deren Einwirkung Der Kranke ruhiger wird, aber Mariska ist durch diese Worte bis in die tiefste Seele getroffen. Ja, das ist sie: sie ist die Schlange, deren Biß tätlich auf Miklos gewirtt, und sie will fort, wie am Morgen ihre Mutter, und sinkt elend, ihrer Sinne nicht mächtig, auf die Bank vor ihrem Hause, tvo sie die ehrenjungfern später in tiefer Ohnmacht fin­den. Wie cm wüster Traum kommt ihr das Er- lebte vor, als sie im Kreise der bestürzten Dirnen im Zimmer 311111 Bewußtsein kommt. Sie fuhr mit der Rechten über ihre Stirn und stammelte: Tic Hitze, Die Hitze, und bat die Fenster der niederen Stube aufzurcjßen. Sie suchte sich zu bezwingen, und bald war sie unter den Frohen die Ausgc- laffcnftc, während cs in ihrem Herzen lohte und brannte und in ihren Obren das Wort gellte Schlange, Schlange, schreckliche Schlange!"

Als Ferencz sich zu später Stunde nach feinem Hause begab, fand er sich plötzlich rückwärts von zwei starken Armen umfaßt, und während er sich aus dieser unerwarteten Ilinarmnng zu befreien suchte, fühlte er, wie ihm ein zweiter eine klebrige, nach Harz riechende Flüssigkeit in sein Gesicht strich. Mit aller Gewalt suchte er sich seiner An­greifer zu entledigen, aber je mehr er sich an- ftrengte, Defto mehr Arme griffen zu und zum Schluß suhlte er sich gehoben und mit einem ge­waltigen Ruck fortgeschlcudert. Nicht gerade sanft

ITageszeitung^ bezeichnet Das HinDelsprovi- sorium as eine „unbegreifliche Zumutung". Das Blatt sagt, es könne nicht verstehen, wie man Dem Reichstage jetzt etwas Derartiges zumuten könne, nochDem ihm bei Der Verhandlung über Die letzte Verlängerung Des Provstoriums aus­drücklich getagt worden sei. Daß mit Dem neuen Zolltarife und Den neuen Tarifverträgen selbst- verständlich eine definstive Regelung unserer Be­ziehungen zum Britischen Reiche eintreten m“'ie.

Rach der Konstituierung der Freisinnigen Bolkspartci Des AbgeorDnetenhm'ses wniDe an Den eifranften Abg. Eugen Richter ein Tele­gramm gerichtet, in Dem von Der Mnndats- nieDerlegung Kenntnis genommen und für Die Durch vier Jahrzehnte betätigte treue Wirksam­keit im Parlamente als Vorkämpfer Des ent­schiedenen Liberalismus wärmster Tank ausge­sprochen wird mit Den herzlichsten Wünschen für eine balDige Gene'ung. — Zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten wurden gewählt Die Abgeord­neten Fiichbcck, Kindler und Karuth.

Die Wahlen zum Landesausschust für I Elsaß-Lothringen hat ein Ant-ag zum Gegen­stand, D u Der Abg. Delior /Els.-Lothr.) mit Unterstützung onDeter elsaß-lothringischer Abge­ordneter und einer Anzahl von Mitgliedern des Zentrums eingebracht hat. Der in D e Form eines Gesetzentwurfs gekleidete Antrag verlangt die Einführung des ReichslagswahlrechtS tfir Die Wahlen zum Landesausschuß und für Den letzteren Die Stellung eines vollberechtigten LanDesparla- ments. Ter Landesausschuß soll Danach, und »mar unter Ausschluß Des Reichstages, Das Recht haben, innerhalb Der Durch Die Reichsver- sassung und N.ichsgesedgebung Der LandesGesetz­gebung überlassenen Materien Gesetze vorzn- f tMagen, an ihn gerichtete Petitionen Dem Ministerium für Elfaß-Lothrmgen zu überweisen und Die Regierung zu interpellieren. Tie weiteren Bestimmungen über Den Landesaus­schuß, seine Zusammensetzung und Geschäfts­führung si-.d den Bestimmungen der Reichsver­fassring über Den Reichstag nachgebildet. Auf je 30000 Einwohner soll ein AvgeorDneter kommen. Der Gesetzentwurf sieht Die Gewährung von Diäten vor.

* Das Dolksschulunlerhaltungsgesetz und die Preffe. Hinsichtlich Der Beurteilung Des jetzt dein Landtage vorliegenDen Bolksichul- umerhaliungsgesetzes zeigt sich Die nati onal- liberale Presse außerordentlich zurück­haltend. Die ,Nalionalzeitung^ vermeidet es sorgfältig, eine bestimmte Stellung zum Gesetz- eniwurf zu nehmen. Die führenden Blätter Der

):(Dcr Reichskanzler über die auswär- tigen Kksithuugen Deutschlands.

In einer bedeutsamen Rede hat sich der Reichs­kanzler am Mittwoch über die Auswärtigen Beziehungen Deutschlands und über hie allgemeine politische Lage geäu­ßert. Seine Ausführungen trugen den ernsten Lharakter, den schon die Thronrede rnbcziig auf hie auswärtige Politik angeschlagen hat, und der Eindruck, den seine Ausführungen machten, war ein überaus tiefgehender. Schon in Eingang sei­ner Rede konstatiert Fürst Bülow, daß die poli­tische Lage keine durchaus befriedigende sei, und ähnlich wie die Thronrede, hob er hervor, daß zwar die Verstimmungen jetzt überwunden seien, daß aber neue Verstimmungen jeden Augenblick zu befürchten seien. Dadurch, daß der Reichs­kanzler dann sofort auf die Beziehungen Dcutsch- 'andS zu England einging, ließ er erkennen, daß diese Beziehungen augenblicklich den Angelpunkt unserer gesamten auswärtigen Politik und damit der Weltlage im allgemeinen bilden. Er kon­statierte der Wahrheit gemäß, daß eine tiefgehende Abneigung gegen England augenblicklich die öffentliche Meinung in Deutschland beherrsche. Wenn der Reichskanzler auch zugab, daß in der letzten Zeit Zeichen einer Besserung zu konstatieren seien, so darf man doch nicht den oben erwähnten Hinweis auf die Möglichkeit einer Verstimmung übersehen.

Sehr erfreulich war, waS der Reichskanzler iber unser Verhältnis zu Italien und die Stellung Italiens im Dreibunde, sowie über den Dreibund (Clbft aussübrte. Der Bestand des Dreibundes ist gesichert, und alle die Gerüchte, welche auf ein Be­streben Italiens hinbeuteten, aus dem Dreibünde auszufcheiden, sind eitel Humbug. Nach der Ver­sicherung des Reichskanzlers findet die Politik Italiens auch heute noch ihre Basis im Dreibunde.

Daß unsere Beziehungen zu Rußland gute sind, ist bekannt. Der Reichskanzler legt augenschein­lich Wert darauf, daß diese Beziehungen von jeder Störung durch Mißdeutungen bewahrt werden, wenn er versicherte, daß Deutschland nicht daran denke, sich in die inneren Verhältnisse Rußlands irgendwie einzumischen. Hoffentlich sind damit alle gegenteiligen Gerüchte endgültig abgetan.

Den Hauptteil der Rede des Reichskanzlers bildete die Erörterung der Marokkofrage. Hier gab Fürst Bülow einen förmlichen Abriß her bisherigen Geschichte dieser Angelegenheit. Es geht daraus hervor, daß Deutschland in jeder Phase der Marokkofrage einen durchaus korrekten Stand­punkt eingenommen habe. Es verlangt keine an­deren Interessen in Marokko, ist aber auch nicht gewillt, seine berechtigten Interessen preiszu­geben. Was der Reichskanzler über die Marokks- frage ausfuhrle, bestätigt, daß die Auffassung des Aba. Fritzen richtig ist, wenn derselbe meinte, der Weltfrieden hänge zuweilen an einem dünnen Faden. Hoffentlich erfüllen sich die Erwartungen des Reichskanzlers, daß die Marokko-Konferenz die Angelegenheit endgültig ans der Welt schafft. Großen Eindruck machten die Schlußworte des Reichskanzlers, in welchen er auSfübrtc, daß Deutschland sein vornehmstes Ziel in der Ent- altung aller Kulturkräfte erblicke und alle Zeit egen die Schrecken eines Krieges gerüstet sein werde.