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M 279.
Fulda, Lllttlwoch, den 6. Dezember 19UJ.
3 '. Jalrraancl.
Krstes Wlalt.
Eröffnung des Landtags.
Nachdem am 28. vorigen Monats der Deutsche Reichstag wieder eröffnet worden ist, hat bte Eröffnung des preußiichen Landtag» am Dienstag 12 Übt im me ßen Saale de» Königlichen Schlosses stattgefunden. Während bei jener aber die Thronrede durch den Kaiser verlesen wurde, erfolgte die Verlesung diesmal durch den Mmisterpräsidemen Fürsten von Bülow Dielelb« lautete:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!
Seine Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtages zu beauftragen geruht.
Die Finanzen des Staates gestalten sich infolge des anhaltenden Aufschwung» des gewerblichen Lebens und der andauernden Steigerung der Erträgnisse aus den meisten Staatsbetrieben fortgesetzt günstig.
Die Rechnung für das EtatSjahr 1904 hat wieder mit einem, gegen das Vorjahr allerdings beträchtlich geringeren Ueberschutz abgeschlossen, und ebenso darf für das laufende Jahr ein befriedigendes Ergebnis erwartet werden.
Der Staatshaushaltsetat für 1906 hält in Einnahmen und Ausgaben das Gleichgewicht. Tie gesteigerten Einnahmen haben es gestattet, für fast alle Zweige der Staatsverwaltung Mehraufwendungen in größerem Umfange in Aussicht zu nehmen. Insbesondere sind Mittel bereit gestellt, um die Wohnungsgeldzuschüsse der Unterbeamten um 50 Prozent zu erhöhen, sowie um leistungsschwachen Schnlverbänden Beihilfen zur Ausbesserung der Gehaltsbezüge gering besoldeter Volksschullehrer zu gewähren.
Zur Erweiterung desStaatsbahn- netzes und zur Vermehrung der Betriebsmittel der Staatseifenbahnen sowie zur Unterstützung voit Kleinbahn unternehm ungen, die ver wirtschaftlichen Förderung des Landes dienen, wird wiederum die Bewilligung erheblicher Mittel nachgesucht werden.
Wie in den Vorjahren ist eine Gesetzesvorlage zur Bereitstellung von Mitteln behufs Verbesserung der W o b n u n g s v e r h 8 ltn i s s e der in den Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und gering besoldeten Beamten in Aussicht genommen.
Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die ZU aivtaag des Tinrommensteuer- aesetze » und des Ergänzungssteuergesetzes, wird Ihnen alsbald zur verfasiungsmäßigen Beschlußfassung zugehen. Neben Verbesserungen des Verfahrens und einer durch steuerpolitische Rücksichten gebotenen Erweiterung des Kreises der steuerpflichtigen Personen sieht der Entwurf mehrere Erleichterungen bei der Veranlagung zur Einkommensteuer vor, die vornehmlich weniger leistungsfähigen Steuerpflichtigen zugute kommen werden und in der Hauptsache den in beiden Häusern de-? Landtags zum Ausdruck gelangten Wünschen Rechnung tragen.
Der Entwurf eines Gesetzes, das den Eigentümern land- oder forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verhüten und die Tilgung unwirtschaftlüber Realschulden zu erleichtern.
Um den bedenklichen Folgen der zunehmenden Derwüstuna von Privatwaldungen vorzubeugen. wird die staatliche Forstverwaltung nach wie vor bemüht sein, den Ankauf und die Wieder-
Mariska.
Erzählung von Joseph vom Ehrenberge.
7] (Nachdruck verboten.)
So erregt wie unter den Dirnen, ging die Rede auch unter den jungen Burschen des Dorfes, die unter einer zweiten Linde die Neuigkeit besprachen.
.Er hat eS eilig, der Ferenczl Recht gelegen kommt es ihm, daß der arme Miklos auf den Tod darniederliegt; denn wenn er es auf später verschieben wollte, könnte ihm Miklos vorher, falls er gesundet, den verdienten Lohn auszahlen," sprach der eine.
»Aber eine Schmach und Schande bleibt es ootf), nicht nur für Miklos, sondern für uns alle." . »Darum soll dieser Frevel auch nicht unbestraft aifer V sprach ein anderer. „Wir alle wollen für Ätno» handeln," erklärten sie einstimmig.
..diesen Umständen wurde das Hochzeit».
■*>a9 Brautpaar ein wahrer Leidens- gong, morisfa ging sich zuerst die Ehrenjungfern erbitten. Als sie zu Irma kam, welche die erste ete(Ie rmnehinen sollte, entschuldigte sich diese oarnrr, daß die Zeit zu kurz fei, um sich würdig für eine w vornehme Hochzeit bekleiden zu können, ttnb unter bedauernden und entschuldigenden Wor- ten mußte Mariska weiter suchen. Zorn erfaßte fte, alä ne bon <5lfQ, ihrer besten Freundin, hörte, bafj sie Iciber ni($t berfpretf)en könne, die Braut zu geleiten, da sie sich den Fuß vertreten habe. Auf 6a3 Ungewisse solle sich aber die Jungfer Braut nicht verlassen, sie wurde gewiß eine andere gern bereit für die große Ehre finden. Als sie zu drift die lustige Ilona mit verbundenem Gesichte traf, angeblich von dem wütendsten Zahnschmerz geplagt, und die erstaunliche Kunde erhielt, daß die Gefickstsschmerzen bei ihr für gewöhnlich eine Geschwulst zur Folge hätten, und es dem Ernst der Feier den größten Eintrag tun würde, wenn die erfte Ehrenjungfer mit schiefem Gesichte der Braut
ausforstung entwaldeter Flächen im Osten und Westen der Monarchie zu betreiben.
Die auf die Knappschafts-Vereine bezüglichen Vorschriften des Titels VII des Allgemeinen Berggesetzes bedürfen mit Rücksicht auf die Bestimmungen der Reichsgesetzgebung und im Interesse einer dauernden Leistungsfähigkeit der Knappschafts-Vereine einer Aenderung. Tie alsbaldige Einbringung eines Gesetzentwurfs zur Neuregelung des Knappschaftswesens ist daher in Aussicht genommen.
Das Kom munalabgabe ngefetz vom 14. Juli 1893 hat das System der Kreis- und Provinzialabgaben im wesentlichen unberührt ge- lasten. Die fortschreitende kommunale Entwickelung in den Kreisen und Provinzen läßt nunmehr die Ausdehnung der Reform des Kommunalab- gabenwesens geboten erscheinen. Dieser Aufgabe dient der Entwurf zu einem Kreis- und Provin- zialobgabengesetze, welcher ohne Verzug Ihrer Beschlußfassung unterbreitet werden wird.
Die der Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten anhaftenden Mängel haben zur Aufstellung eines Gesetzentwurfs geführt, der im wesentlichen auf der Grundlage der im Jahre 1903 beratenen aber nicht zum Abschluß gelangten Vorlage die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst neu zu regeln beabsichtigt.
Zur Abstellung der in früheren Sessionen mehrfach erörterten Klagen über die übe r- mäßige Größe einiger Wahlbezirke für die Wahlen zum Hause der Abgeordneten und über einzelne Vorschriften des Wahlverfahrens sind Vorarbeiten eingeleitet und ihrem Abschlüsse nahe geführt worden.
Dem wiederholt und dringend geäußerten Wunsche des Landtags entsprechend wird Ihnen der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Ter Entwurf bezweckt, die Schnlunterhaltung auf der durch die Verfassungsurkunde gewiesenen Grundlage zu regeln. Er hält sich in dem Rah- men des Beschlusses, durch welchen das Haus der Abgeordneten am 13. Mai 1904 fast einmütig die Staatsregierung zur Vorlegung eines Schulunterhaltungsgesetzes aufgefordert hat.
Verschiedene Gutsverkäufe inderOst- rn a rk haben in letzter Zeit berechtigtes Aufsehen erregt. Die Festigung des deutschen Besitzes in Verbindung mit einer sachgemäßen inneren Kolonisation bildet eine der ernstesten Aufgaben der Staatsregwrnng. Sie kann aber nur erfüllt werden, wenn sich die deutschen Besitzer in höherem Grade als bisher ihrer nationalen Pflicht bewußt werden, ihren Besitz treu und zäh 3« verteidigen und dem deutschen Volkstum zu erhalten. Die Regierung Seiner Majestät des Königs vertraut darauf, daß diese Erkenntnis, in der sie sich mit dem Landtag eins weiß, alle Kreise des Deutschtums mehr und mehr durchdringen und mit der Tat bewährt werden wird.
_ Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet
Nachdem Fürst Bülow die Verlesung der Thronrede been er hatte, brachte Fürst zu Jnn- unb Knyphausen, der seitherige Präsident de» Herrenhauses, em Hoch auf den Kaiser und König aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten.
Im Gegensatz zu der Thronrede, mit welcher der Reichstag eröffnet wurde, trägt diese Thron- rede einen durchaus geschäftsmäßigen Cbarokier. Sie enthält eigentlich nur eine Auszählung der Gegenstände, welche den Hauptinhalt der Be
ratungen der kommenden Session bilden werden. Nur am Schluffe verläßt die Thronrede Den Rahmen des Geschäftlichen mit einer Mahnung an „alle Kreise des Deutschtums" zur Unterstützung der Bestrebungen der Regierung in der Ostmarkenpolitik.
Daß die preußische Thronrede auf eine glän- zende Finanzlage des Staates binmeift, ist man feit den letzten Jahren bereits gewohnt. Allerdings ist der Ueberichuß, mit dem das Rechnungsjahr 19i'4 abgeschlossen bat, „be* Nächtlich geringer", aber es ist doch immer noch em Ueberichuß vorhanden, und auch das laufende Jahr verspricht em „befriedigendes Ergebnis". Diesem Stande der Finanzen entspricht es denn auch, wenn eine Reche von Vorlagen in der Thronrede angekündigt werden, die Mehraufwendungen in größerem Umfange in Aussicht nehmen. Mit Befriedigung wird man nament- sich dir Erhöhung der Wohnungsgeldzu- schüjse der Unterbeamten um 50; begrüßen. Aus der Fassung des auf das Staats- bahnwesen und das Kleinbahnwesen bezügl. Abschnittes der Thronrede, der bte Bewilligung „erheblicher Mittel" für diele Zwecke ankündigt, darf man vielleicht schließen, daß über die Forderungen der lebten Jahre hinaus» gegangen wild. Es wird das im Interesse des Verkehrs nur zu billigen sein, da sich die Betriebsmittel der Staatseisenbahnei« bekanntlich im Verlause des Jahres als nicht genügend etroieien haben. Die Bereitstellung von Mitteln zur Verbeffet ung der Wohnungsverhältnisle der in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und gering besoldeten Beamten bildet die Fortsetzung des feit langem in dieser Richtung gepflogenen Gebrauchs.
Mit der angekündigten Vorlage wegen Abänderung des Einkommensteuergesetze» und des Ergänzungssteuergesetzes kommt die Regierung dringenden Wünschen entgegen, die von selten beider Häuser des Landtags geäußert sind. Das Gleiche gilt von der Reform der Kreis- und Kommunalgesetze, welche die Thronrede ankündigt. Die bett. Gesetzentwürfe liegen dem Landtag bereits vor. Auch die Neuregelung des Knappschaftswefens ist be, eits feit längerer Zeit in Aussicht gestellt gewesen. Im Interesse der Landwirtschaft liegen die Gesetzentwürfe, welche einer Festsetzung der Verschuldungsgrenze und die Wiederau f- for ft ung entwaldeter Flächen im Osten und, Westen der Monarchie an kündigen
Po litifchen Charakter trägt der Gesetzentwurf betr. die Vordil düng der höheren Ver waltungsbeamten, der im Anschluß an die 19t>3 m Angriff genommene Reform gedacht ist. Auch der angekündigte Gesetzentwurf betr dre Aen demng einiger Wahl- bezir ke fällt in das politische Gebiet. Aus der Fassung des betr. Abschnitts der Thronrede über diesen Gegenstand geht der vor, daß sich die ganze „Wadlresorm" auf die Teilung der übergroßen Wahlbezirke unb dre Aenderung einiger Vorschriften des Wahlverfahrens beschränkt; von einer gründlichen Reform des Wahlgesetzes wird demnach kerne Rede sein können.
Tte Ankündigung des Volksschulunterhaltungsgesetzes ist in einer überaus nüchternen Form erfolgt, welche die Bedeutung und Tragweite dieses Gesetzeniwu.ss kaum erkennen
zur Seite stünde, eilte sie weinend nach Hause, um ihrer Mutter zu erklären, keinen Schrift mehr für die Einladungen zun zu wollen, lieber allein, oder überhaupt nicht mit Ferencz zum Altar zu geben. Kathi wußte klug die ablehnenöne Ant- toorten auf den Neid zurückzuführen, und gab den Rat, wenn nicht aus dem Dorfe, die Ehrenjungfern aus dem Nachbarort zu nehmen. So mußte Mariska ihren Leidensweg fortsetzen, von Haus zu Haus gehen, um zuletzt überall wichtige Entschuldigungen zu hören. Doch das eine hatte sie wenigstens erreicht, daß ihr aus dem Nachbardorf die nötige Anzahl von Ehrenjungfrauen das Geleit geben wollte. Jetzt wollte sie Trotz auf Trotz setzen und dem ganzen Dorfe zeigen, daß sie eine frohe, lustige und vielbeneidete Braut sei.
Auch Ferencz mußte seine Ehrengesellen aus der Fremde holen, denn alle Burschen des Dorfes hatten ihm diesen Freundschaftsdienst abgeschla- gen; ja nicht einmal seine Trauzeugen konnte er nach Wunsch auftreiben und mußte sich mit dem alten Lajos und feinem Trinkbruder Janos begnügen.
Ein neuer Krimmer fiel während der Vorbereitung zur Hochzeit auf Mariskas Seele. Miklos kommt zum Sterben, hieß es, und morgen wird ibn der Pfarrer zum Tode vorbereiten. Würde Miklos wirklich sterben, sterben um ihretwillen? Wie wird sic dieses Schuldbewußtsein tragen können?
Richtig ertönte am Morgen die Glocke, welche die Einwohner deS Dorfes einlud, dem Priester das Geleit zu dem Kranken zu geben. Wer nur immer konnte, aber zum mindesten eines aus jedem Hause, mußte in die Wohnung des Sterbenden geben, um dort für das glückliche Hinscheiden des Kranken zu beten. So wollte es unabänderlich das Dorfgesetz, und keine Feindschaft, kein Haß begründete eine Ausnahme. Auch im Hause der alten Kathi konnte und wollte man sich dem allgemeinen Brauche nicht entziehen, um nicht neuen Unwillen zu erwecken. Kathi hatte sich nach langer Beratung mit ihrer Tochter entschlossen, diesen keineswegs für sie leichten Gang zu ton.
Die Weiber waren zumeist schon im engen Hausflur und in der niederen Stube beisammen, als sie kam, während die Männer, die Mützen unter dem Arm, im Hose standen, um den Priester zu erwarten.
Kathi sah durch die offene Tür, wie die alte Terez, nur noch ein Schatten der früheren Tage, ein weißes Tuch auf den Tisch breitete, die Kerzen, zwischen welche sie das braune Holzkreuz stellte, anzündete, die vertrockneten Palmzweige vom letzten Osterfeste neben den Weihbrunnen legte und dann die kühlenden Umschläge um das brennende Haupt ihres Sohnes erneuerte. Als sie des Kranken Angesicht sah, dessen unnatürlich große, in Fieberglut brennenden Augen in ihr Herz zu bringen schienen, faßte sie ein Entsetzen. War jene Jammergestalt hört im Bett der blühende Miklos, der schönste und stärkste Bursch im Tal? Was dort lag, mit den eingefallenen Schläfen, dem schmalen Gesicht, aus dem die Backenknochen spitz hervorstanden, und den blutigen Lippen, schien ihr der Tod selbst zu sein, der mit knöchernen Händen ihr Herz zu kreisen drohte. Hatte sie das gewollt, das vorausgesehen?
Die Blicke der Weiber und Männer scheinen auf sie gerichtet und sie des Elends anzuklagen, daß sie dort im Zimmer sieht, und auf de» stummen Lippen liest sie das Wort: Du niederträchtige Kupplerin, du feige Mörderin. Fort von hier, fort, schrie es in ihrer Brust. Ihr wird bis zum Sterben übel, eine Ohnmacht wandelt sie an, und doch darf sie nicht gehen, sie muß bleiben, bleiben bis zum End'.
Da endlich, endlich tönt das Glöcklein. Alles kniet nieder; der Priester trägt den Trost der Traurigen, den Hort der Sterbenden in das niedere Zimmer, und Terez kommt mit Pista in den engen Hausgang zu den Frauen, die mit leiser Stimme zu beten beginnen. Als sie dann die arme, trostlose Mutter ohnmächtig zu Boden fallen sicht, und die Frauen aufschreien hört, hält sie es nicht länger aus, sie springt, als alles sich um die Ohnmächtige bemüht, von ihren Knieen auf, eilt durch das Gedränge der Frauen
läßt. Blonder» heroorgehoben wirb, daß der betr. Gesetzentwurf sich in dem Rahmen des Beschlusses vom 13 Mm 1903, d. h. im Rihmen des Kompromißantrages der K-mservaliven. Freikower- vatiren und Rattonallibeialen halte. Ob das Ab- aeordnetenbaus dieiem Winke in dem gewünichtrn Um'ange Folge leisten wird, bleibt abzmomten. Roch zweifelbmler ericheint uns, ob die Werbung, welche der Schlußpoffus der Thronrede für die Oltlnarken-Politik enthält, überall Anklang finden wird. An beöeat anien uni großen Aufgaben fehlt es, wie schon aus der Thronrede hervorgeht, dem Landtage in der kommenden Session nicht. Hoffentlich gelingt es, wenigstens die wichtigsten derselben zu einem gedeihlichen Abschluß zu bringen.
'M. . .. - -übel-il.-!--UUL-ULIUUL,
Deutscher Keich.
Berlin, den 5. Dezember 1905.
% Die Thronrede und die Presse. Im allgemeinen sind sämtliche Berliner Blätter bann einig, daß die Thronrede keinerlei Ueberraschmigen gebracht hat und daß sie einen durchaus sachlichen Charakter trägt. Von einigen Blättern wirb sogar der Ansicht Aus a uck gegeben, daß b'eie Sachlichkeit bet der Erwähnuni des Volksschulunter haltungsgeietzes etwas übertrieben fei. Die Berufung der Thronrede auf den Umstand, daß das Volksichulunterhaltnngsgeietz dem Kompromiß-Anträge aus dem Jahre 1904 ent'pieche, wird verschied-n gedeutet. Die ,Do> siich- Zeitung' will daran > schließen, dakiderMinisterpräsident Fürst von Bülow nicht mft besonderer Freude dieiem Gesetzennvmf zugestimmt habe. Uebereinftnnmenb wird in der Presse die Aufforderung der Deutschen in den Ost marken als auffallend bezeichnet und bemerkt, daß die Thronrede damit eigentlich über den Rahmen hinausgehe, die sie bet der Darstellung der Aufgaben des Landtags tonst innehält. Die /Franks. Zeitun g' schreibt: „Dir Thron- rede ist noch nüchterner in der Tonart als dü Reichstagsthronr^e, unb ihre Trockenheit wird nicht einmal durch Gründlichkeit des Inhalt» ausgeglichen. Man merkt überall das ängstliche Bestreben, nur ja nicht zu viel zu sagen, und dadurch ist die Thronrede fast nichtssagend geworden." Die .Kreuzzeitung, will daraus, daß die Thronrede keine Ankündigung neuer gesetzgeberischer Maßregeln der Polenpoliiik enthält, den Schluß ziehen, daß bte Regierung zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß ohne eine Unterstützung seitens der Deutschen Bevölker» ng in den Ostmailen die für dre Ost in ar ken Politik bewilligten Gelder nutzlos vergeudet feien unb daß sie sich bei der Fortdauer der Gleichgiltigkeit von deutscher Seile auch von weiteren Bewilligungen nichts mehr verspräche. Ob dieser Schluß gerechtfertigt ist, bleibt abzuwarten. Wir hatten es keineswegs für ausgeichloffen, daß der betreffende Passus der Thronrede nur die Einleitung zu neuen Forderungen bildet. Die .Germania' sagt mit vollem Recht, je mehr eine verkehrte Po enpotttik die natürlichen Gegensätze verschärfe und Vie Polen zum Widerstände arststachele, umsomehr würde» deutsche Besitzer weggescheucht werden, weit die Verhältnisse sich für sie immer unerquicklicher gestalteten.
/. Die geplante Abänderung des preuHisäjeu Einkommensteuerg:setzes wird einen Minder»
und Männer, und macht nicht früher Halt, als bis sie in ihrer Stube steht, wo sie wie gebrochen auf die Bank am Ofen niederfinkt. Ist das schon Strafe für ihren Hochmut oder erst der Anfang der Strafe?
»Nein, das hab' ich nicht vorausgesehen, das nicht. Zwei Menschen zugleich, Mutter und Sohn in die Grube stoßen, hab' ich nicht gewollt", spricht sie in bitterer Reue vor sich hiu. Aber sie hat ja keine Zeit zu klagen, darf niemand den Jam»,er ihers Herzens {eben lassen, nicht einmal ihre Tochter, denn ihr Haus ist kein Haus der Trauer, sondern der lauten Freude, in dem eine frohe und luftige Braut wohnt, und bald würden sie kommen, die Ehrenjungfern und Ehrengesellen, der Braut den Myrtenkranz und die Sträuße aus Rosmarin für die Hochzeitsgäste zu winden. Aber bei all der vielen Arbeit am Tage und in all dem Jubel und Trubel des Abends, kam sie sich wie eine Gerichtete vor.
Mariska hatte Miklos wegen auch nicht eine Frage an ihre Mutter gerichtet, sie hatte deutlich genug in Kathis Zügen gelesen.
Nach herkömmlicher Sitte reicht die Braut einen Myrtenzweig um den anderen dem ersten Ehrengesellen, der an ihrer rechten Seite sitzt, welcher ihn dann weiter durch die Hände der übrigen Burschen unter Scherz und Lachen im Kreise an die Dirnen bis zur ersten Ehren jimgser, die an der anderen Seite der Brant sitzt, gelangen läßt. Mariskas Hände zittern, und mehr als einen der Zweige läßt sie zu Boden fallen. Wie weh tut dem schmerzenden Haupt der bleichen Braut jeder Scherz, und scharf wie schneidige Messer greift das Lachen der anderen ihre Brust an
, Allen voran an Lust und Heiterkeit war der Bräutigam, dem die Bedienung der Gmte oblag, welche er zu ständigem Trinken nötigte.
Außer den beiden Trauzeugen und den nächsten Anverwandten hatte sich aus dem Dorfe keine Freundin der Braut, kein Freund des Bräutigams zum Kranzbinden eingefunden, während sonst die ganze Dorfjugend Anteil nimmt an diesem frohen Treiben.