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JV3 Z78.
Fulda, Dienstag, den 5. Dezember ltM)5e
3/. Jahraanq.
Krstes Wlatt.
§ Das valtrjchuluiiterhaltungrgesetz.
Dec jetzt vorliegende „Entwurf eines Gesetzes betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volks- schulen" stellt als ersten Grundsatz auf, daß die Volksschule eine Einrichtung der Gemeinde ist. Nur im Unvermögensfall soll der Staat mit Ergänzungszuschüssen cjntreten. Der zweite Hauptgrundsatz, den das Gesetz statuiert, ist der der Konfessionalität der Volksschule. Die öffentlichen Volksschulen sollen „in der Regel" so eingerichtet werden, daß der Unterricht evangelischer Kinder durch evangelische Lehrkräfte, katl)vlffcher Kinder durch katholische Lehr» kräste erteilt wird. Damit entspricht der Gesetzentwurf dem Kompromißantrag, wie er im Jahre 1904 von den Konservativen, den Freikonservati- vcn und den Nationalliberalen eingebracht wurde. Ausnahmen von der Regel sollten nach dem Kompromißantrag nur aus „besonderen Gründen", insbesondere aus nationalen Rücksichten oder da, wo dies der historischen Entwicklung entspräche, zulässig fein.
Der Gesetzentwurf bat sich im allgemeinen an diese Richtschnur gehalten. Simultanfchu- len sollen nur „aus besonderen Grün- d e n" neu errichtet werden können. Darüber, ob besondere Gründe vorliegen, entscheiden die Verwaltungsbehörden, in letzter Linie der Provinzial- rat. Die bestehenden Simultanschulen sollen beibehalten werden, und dort, wo sie eingebürgert sind, speziell im ehemaligen Herzogtum Nassau, soll ihre Weiterentwicklung nicht gehindert lucrben. Wo bisher nur Konfessionsschnlen vorhanden und, sollen auch in Zukunft nur solche errichtet werden, wo aber Simultanschulen bestehen, können sie erhalten bleiben und vermehrt werden. Damit will der Gesetzentwurf augenscheinlich den „historischen Rücksichten" Genüge leisten. Eine Berücksichtigung der nationalen Verhältnisse wird in einer etwas eigentümlichen Form geltend gemacht. Der Gesetzentwurf bestimmt nämlich einfach, daß auf die Provinzen We st Preußen und Posen da» Gesetz keine Anwendung finden soll.
Tie weitere Forderung des Kompromißan- rrages vom Jahre 1904, die sich auf die Sicherung derRechteeinerkonfessionellenMin- d e r h e i t bezieht, trägt der Gesetzentwurf dadurch Rechnung, daß eine bestimmte Grenze aufgestellt wird, bei deren Erreichung eine konfessionelle Minderheit die Errichtung einer besonderen Konfessionsschule verlangen kann. Auf dem Lande soll da» Vorhandensein von s e ch z i-g Schülern genügen, um eine Konfessionsschule zu verlangen, in größeren Landgemeinden und in Städten ist die Zahl von 120 gewählt. Die Mindestzahl sechzig entspricht der bisherigen VrariS. Voraussetzung oer Einrichtung einer besonderen Konfessionsschule soll sein, daß die Eltern oder sonstigen Vertreter der Schulkinder es wünschen und einen entsprechenden Antrag stellen. Beträgt in einer öffentliche» Volksschule, die nur mit katholischen oder nur mit evangelischen Lehrkräften besetzt ist, die Zahl der einheimischen evangelischen oder kotholislben Schulkinder dauernd mindestens ?irö[f, so soll tunlichst für diese ein besonderer Religionsunterricht eingerichtet werden.
In den auf gründ des Gesetze» zu errichtende« «sonderen Craane« zur Verwaltung der Schul- uelegenheiten, die ihre Tätigkeit neben den örtlichen Gemeindebebördeu ausüben, d. b. in bett Städten, in den Schuldevutationen und in den Landgemeinden in de» Schulvorstunden ist eine Vertretung der Kirche insofern vorgesehen, als immer der dienstälteste OrtSpfarrcr der
Ttiarts Ra.
Errichtung von Joseph vom Ehrenberge.
•] (Nachdruck verböte«.)
(Fortfetzom« «et fce* Motte« Watt >
Vielleicht hätte baS Bessere in dem jungen Mädchen den Sieg davon getragen, wenn nicht nebenan Sathi, welche da» Sprechen vernommen hatte, gerufen hätte: „Bald kommst Du hier herein zu mir: was soll das Reden noch, Miklos Weitz, daß Du mit tu einem Segen des Ferenc» Braut bist."
„Maritta!" Hub MikloS noch einmal an, „Maritta, sage Deiner Mutter, daß Du mein bist. ,'Ier stark, dann wird noch alle» gut*
-Ich kann nicht, MikloS, meine Mutter will es."
„Deine Mutter kann Dich nicht zwingen."
„Miklos, ich kann nicht! Ich darf nicht gegen den Willen meiner Mutter handeln."
„Run wohl! Sei wenigstens ehrlich und sage, ich will nicht DeS Ferenc» Geld hat Dich und Deine Mutter berückt. Mariska, Du weitzt doch, daj zwischen muS sodann alle» zu Ende ist, Maris- kn, für immer und ewig zu Ende ist: Hast Du eS gehört? Mariska, merke eS Dir wohl, für immer und ewig! Maritta!" ruft MikloS noch einmal in der Hoffnung, daß sie im letzten Augenblick ihre Meinung ändern würde. Doch nichts antwortet mehr, nur heftige» Schluchzen bört er. „MariSka, ich gehe, und toettn ich gehe, gehe ich für immer. Rariska, leb wohll" Und da ihn nichts ruft geht er zögernd, Schritt für Schritt, bis an die Ecke des HaufeS. Dort wartet er. Aber als er das Schließen deS LadenS hört, weiß er, daß er hier nichts mehr zu erwarten Hatz unb geht in dem Bewußtfein, Rariska für immer verloren zu haben, traurig fort.
evangelischen Landeskirche oder der katholischen Kirche Mitglied fein mutz.
Uns erscheint diese Vertretung der Kirche etwas knapp bemessen, zumal in den Fällen, wo der betreffende Geistliche Kreisschulinspektor bezw. Ortsschulinsvektor im Hauptamte ist, die Vertretung der staatlichen und der kirchlichen Behörde in eine Hand vereinigt werden soll. Bemerkenswert ist, daß der Gesetzentwurf auf eine Trennung des Schulamts von einem kirchlichen Amte, wo eine solche Verbindung nach dem geltenden Rechte vorhanden ist, sich nicht einläßt.
Im allgemeinen verrät bet Entwurf das Bestreben, hinsichtlich der Simultanschule bis an die Grenzen der möglichen Zugeständnis s e zu gehen. Es geht das namentlich aus der Bestimmung hervor, wonach man die „historische" Seite der Simultanschule möglichst weit gedacht hat. Ob mit den „besonderen Gründen" nicht schließlich ein wahrer Zankapfel in die Gemeinden geworfen wird, bleibt eine offene Frage, die umsomehr zu bedenken Anlaß geben kann, als das letzte Wort darin den Selbstverwaltungsorganen übertragen ist.
Deutscher Reich.
Berlin, den 4. Dezember 1905.
Das neue Bolksschulunterhaltungsgesetz ist am Montag abend, während man glaubte, daß es erst nach der Eröffnung des Landtages publiziert werden würde, in der ,Rordd. Allg. Ztg/ veröffentlicht worden. GS scheint also, daß der Ministerpräsident die Gepflogenheit, die er bisher bei Reichstagsvorlagen beobachtete, für besondere Fälle auch auf die Vorlagen des Abgeordnetenhauses ausdehnen will. Das Gesetz besteht in der ,Nordd. Allg Ztg.' aus etwa 8 Spalten. WaS den Inhalt des Gesetzes anlangt, so scheiden wir hier die Frage der fionfeiftona» htfit aus und verweisen hierfür auf unseren Leitartikel Was die Frage der Träger der Schullaste« an langt, so entspricht der Gesetzentwurf dem Kompromißantrag Hackelberg. Die Verpflichtung zur Errichtung unb Unterhaltung der Volksschulen liegt den bürgerlichen Gemeinde«, selbständigen Gutsbezirken und Ge- saintschulverbäriden ov. In den Gemeinden werden die zur Deckung der Aufgaben und Be- dürfniffe der öffentlichen Volkslchule erforderlichen Abgaben als Kommunallast aufgebracht. In den Gutsbezirken werden die Schullasten vom Gutsbesitzer getragen. Wo bisher die Schulunterhattnng überhaupt nicht oder nur teilweise Last der bürgerlichen Gemeinden und Gutsbezirke gewesen ist, oder wo bisher die Schulunterhcckiung zwar ganz oder teilweise eine Last der bürgerlichen Gemeinden und Gutsbezirke gewesen ist, die Schule aber als juristische Person mit eigenem Vermögen bestanden hat, ist eine be-onbere Regelung vorgesehen. Wo mit dem Schulamt ein kirchliches Amt vereinigt ist, wird an dem bestellenden Rechte hinsichtlich der Berufung zu dem kirchlichen Amte nichts geändert. Jeder Schulverband mit 25 oder weniger Schulstellen ist verpflichtet, jährlich 60 Mk. für die einzige oder erste, 50 Mk. für die zweite, 40 Maik für die dritte und je 30 Mk. für jede wertere Stelle des Schu verbandes zur Bestreitung der Kosten von Volksschulbauten, welche nicht zu den lausende« kleinen Reparaturen gehören, an* zusammeln und verzinslich zu belegen. Sind bte im Vorstehenden gedachte» Baukosten ganz oder
In Angst unb Sorge harrte zu Hause Stunbe um Stunde die alte Terez ihres Sohnes. Träne rann um Träne über ihre gefurchten Wangen. Wie gern hätte sie mit Hingabe be$ eigenen, müden Lebens ihres letzten KindeS Glück erkauft. Ihr Anteil an der Welt schien nicht die Freude, sondern ständiges Leid zu sei«, unb gewohnt zu dulden, lehnte sie sich auch in dies« Stunde nicht gegen daS Geschick auf, das sie ihrer letzten Hoff» nung auf ein friedliches Alter zu beraube« drohte. „Herr, wie Du es machst, fo ist es gut, nur laß mein Kind nicht verzweifeln!" stammelte sie immer wieder, wen« ihr Schmerz saflungSlos M werden drohte. Plötzlich, wie von einer geheimen Angst erfaßt, schrie sie auf: „Nur das nicht, nur daS nicht Herr, laß ihn nicht verzweifelnd Hand an sich legen!* stöhnte sie. llm den letzt-» Rest ihrer Fassung war es geschehen. Ihr Kopf brannte unb ihre Glieder zitterten wie im Fieber. Ruhelos Wau bette sie auf unb ab, unb als die niederen Wände sie zu erdrücken drohten, ging sie hinaus vor die Tür beS Hauses
Und wieder verrann Säuttbe um Stunde, und jede dünkte ihr eine Ewigkeit Sie merkte nicht daß der kühle Tau ihr Haar unb Gewand feuchtete unb die Kühle be3 kommenden Morgens sie erschauern lieft Endlich, als die Morgenröte den neuen Tag ankündigte, kam MikloS. Die Mutter sah auf den ersten Blick, baß fein Gang vergeblich war, und um nur etwas zu sagen, srug sie: „Mein Sohn, WaS haft D« ausgerichtet?"
„Mutter, her Traum von Liebe unb Glück ist für immer vorbei!" Und ohne eine Gegenrede abzuwarten, ging et, um sich hoffnungslos und zu Tode müde auf fein Lager zu werfen.
Als ihr Sohn zur gewohnte« Zett nicht zur Arbeit ging, war die Mutter frech, daß der Schlaf ihm Ruhe und wenigstens für kurze Zeit das erste Vergeffen brachte. Als aber der Tag immer weiter vorschritt, ohne daß Miklos sich blicken ließ, ging sie endlich nach ihm sehen unb fand ihn mit offenen Augen daliegen-.
teilweise von brüten zu beden, so sind die Schulverbänbe zu ber Ansammlung nicht " " t« entsprechend geringerer Höbe anzuhattei :< Schulaufsichtsbehörde entscheidet enbgillig darüber, ob unb inwieweit hiernach von ber Ansorberung ber Ansammlung Abstanb zu nehmen ist. Im Falle des nachgeiviesem» Unvermögens ber Schuloerbände «bürgerlichen Gemeinden, Guts- bezirke, Gesamtschulverbänbe) zur Aufbringung der Volksschullasten werben ihnen in den Grenzen ber burd; ben Staatshaushaltsetat bereitaestellien Mittel Ergänzungszuschüste gewährt Bei ber Bewilligung kann angeorbnet werben, baß die Zuschüsse zur besonberen Erleid)terung bestimmtet Kreise von Abgabenpflichtigen zu verwenben sind. Ein Anspruch gegen ben Staat kann weder im Rechtswege, noch im Verwaltungsstreitverfahren geltend gemacht werden. Unberührt bleiben die ben Schulaufsichtsbehörben nach bem bisherigen Rechte zustehenben Besugniffe. Die Aushebung öffentlicher Volksschulen bebarf ber GeneHmiaung des Unlerrlchtsministprs ober erfolgt auf seine Anordnung. Das Gesetz, welches mit bem 1. April 1907 in Kraft treten soll, soll auf die Provinzen Posen unb Westpreußen fe ne An- rvenbuna ftnben. e
* Reichsmariueamt. Außer ber beabsich tigten Erweiterung der Waffenabteilung ber obersten Marinebehörde zu einem selbständigen Departement, soll bei dem Werildeparlement eine vollständige Abteilung für Ver wal tu n g s- ang e legenheilen ber Werften eingerichtet werben.
* Der Gesamtvorstand des deutschen Flottenvereins bat sich am Samstag mit ber neuen Flottenvorlage beschäftigt und beschlossen, babin zu wirken, baß ber Reichstag bie neue Maffne- vorlage nicht nur annimmt, wabern, über bie Forderungen ber verbündeten Regierungen hinaus» gehend, darauf bringt baß jährlich mehr Ersatzbauten für bie minderwertigen Schiffe ausgesiibrt werden. Eine „derartige Floltenlreiberei" kann bem Gesetze selbst nur schäblich feilt.
Die Ergebnisse des Heeresergänzungs- geschüftes 1904 weist folgende Zahlen auf: An Gestellungspflichtigen wurden nachge- roiefen 1ffß8 801 (1903: 1072 891). Aus- gehoben wurden hiervon 218962 (1903: 214 784) zum Dienste mit der Waffe, 3842 (1903 : 367") zum Dienst ohne Waffe, für bie Marine 5420 (1903; 4337 . Außerdem sind freiwillig in bas.Heer einqetreten 9768 <1903: 9518) Ein- jährig-Freiwillwe, 636 .1903: 527) Volksschul- lehrer unb sonstige Freiwillige 39 801 (1903: 39181) in bie Marine 616 (1903 : 615) Einjährig-Freiwillige unb 2773 (1903: 2766) sonstige Freiwillige.
Parlamentarische Nachrichten.
* Hnitiativ-Antrage im Reichstage. Obgleich im Reichstage bie Frist von 10 Tagen, inne: halb bereit bie eingebrachten Anträge als gleich-eiiig eingebraebt gelten, noch nicht verstrichen ist, bars bie Einbringun' ber Jnilialiv-Antiäge schon als ziemlich abgeschlossen gellen. Die Sozialbemo- fraten sind mit ihren Jnitiaiiv-Anträgen ziemlich zuletzt auf dem Plaue erschienen, wahrscheinlich, weil sie erst einmal sehen wollten, welche Anträge b-e andere« Parteien einbringen würden. Ihre Anträge, welche vom .Vorwärts' am Sonn- tag veröffentlicht worbe« sinb, zer'allen in zwei
„Miklos, hast Du heute ganz auf Deine Arbeit vergessen?"
„Als sie keine Antwort erhielt ging sie näher zu seinem Lager »bin und sah tief ergriffen, daß sie das fonsi so klare Auge ihres Sohnes mit Untrem Blicke streifte und sich nicht belebte, als sie ihn mit den zärtlichsten Namen rief. Erschrocken faßte sie seine Hand, die glühend in der ihren brannte, und strich dann über seine braune Stirn, die von kaltem Schweiße bedeckt war. „Mein Gott, warum willst Du mich so hart strafen!" meinte sie fassungslos.
Ruhiger geworden, eilte sie, die alte Pista, ihre Nachbarin.» zu holen, um mit deren Hilfe den Sohn auf ihr «genes Lager zu betten.
„Er hat daS wilde Fieber", fammerte Pista, vielleicht von einem hitzigen Trunk auf der Reise!*
Die Mutter wußte bester, wer ihm den Fiebertrank gereicht. Der Tag verging, ohne daß Miklos zum Bewußtsein kam und nur einmal seine Mutter erkannt hätte.
Terez fürchtete, de» letzten und größten Verlust in ihrem Leben erleiden zu muffen. Aber so leicht sollte der Tod feint Beide nicht haben, ßätupfen wollte sie mit diesem Ungeheuer Tag und Nacht mit aller Hingabe und Ausdauer, deren nur eine Mutter fähig ist, die nm daS größte Gut um das Leben ihres einzigen KindeS ringt. Was sollte ihr alles andere, waS sollte sie selbst noch auf Erden, tuen« ihr Sohn in ein Land ging, von wo eS keine Rückkehr auf die Erde mehr gibt?"
Da sie selbst von dem Lager ihreS KindeS nickst tocitfjen wollte, schickte sie Pista zur Stadt, um von dort den Atzt an das Bett ihres Sohnes zu holen. Als er kam, frug er nach diesem und jenem, und schüttelte zum Schluß mit seinem Haupte und hatte aus alle Fragen der verzweifeln- den Mutter keine andere Antwort als: „Wir werden sehen". Zum Schluß versprach er, über den nächsten Tag wiederzukvmmen.
DaS Unerhörte, daß der Arzt aus der Stadt
Gruppen. Die eine Gruppe sucht die Foiderimge" der anderen Parteien zu über trumpfe«, z.B. bte Forderung des Achtstundentages für die Fabrik' arbeitet; bie andere Gruppe cnihälk Anträge auf Gebieten, die von den anderen Parteien nicht be* rührt worden sind, so z. B. die Forderung ber Ausbehnung ber Imnumi'ät von Abgeordneten auf bieStrafhait unb (Stniübrimg des allgemeinen und direkten Wahlrechtes m sämttiche« Bande;» ftaaien. Bei her letzteren Gruppe spekuliert die Sozialdemokiatie namentlich aus bie läoistichcn Arbeiter durch Einbringung eines Anträge» betr. die Aufhebung sämtlicher Geünd-ordnuuae» im Reiche, durch die Einführung des Koatilisnsrechtes für bie Landarbeiter unb die Etnurhrung von Sondergerichien für Landarbeiter nach Art bet Gewerbegerichte und der Kaufmannsgerichre. — Von feilen ber Nationalliberalen fi«b zu ben bereits erwähnten noch folgende Anträge eingebracht : Ein Antrag auf Abändeinng des § 63 des Handelsgesetzbuches (Gehaltszahlung i« Kiank- heitsfällen), aufjlbänbeiuna der Gcwerbesidnung (Gehaltszahlung, Ausstellung von Zeugmffen re.) und ein Antrag bett, des Ausverkaufs- und Auklionsweiens
Ausland.
* Um Deutschland und Spanien zn entfremden ist einer gewissen Presse jede? noch fo läppische Mittel recht. So veröffentlicht der Pariser,Temps' ein Berliner Telegramm, wonach die deuffche Presse bei der Besprechung der Thronrede hervorgehoben haben soll, daß Spanien zu den Mächten aerechnet werde, deren Beziehungen zu Deulschlanb nicht „sretmdfchafttich" wndern „korrekt" seien. In diplomatische» Kreisen solle man biese Austastungen als Beweis dafür betrachten, baß die Heirat des Königs Alfons mit einer englische« Prinzessin roatzr'cheiuich geworden fei. Dazu wirb in einem oisiziöM Telegramm ber .Köln. Ztg/ bemertt: „Wir tonnen uns nicht benfen, rote diejenigen diplomatisch-» Kreise aussehen solle«, in denen so ungereimtes Zeug besprochen werben sollte. Wir möchlen auch wirtlich wisse«, in welchem einigermaßen ernst zu nehmenben deutschen Blatt Betrachtungen darüber angestellt worden sind, baß Spaniens Beziehungen zu Deutichlanb lediglich „fouett" seien. Wir haben derartige Behauptungen, bie nach bem freundlichen Embrud, ben der Besuch des Königs von Spanien gemacht hat, ganz aus der Lust gegriffen fein würden, in feinem deutschen Blatte gefunden, und wir bezweifeln, baß ber ,Tetnps" uns ein solches beulsches Blatt nennen könnte. Schon die Tatsache, daß Deutnh- tands und Spaniens Interessen sich an ferner Stelle freuzen, berechtigt zu der Hoffnung, dt ß bie Beziehungen beider Länder jederzeit freundlich sein werden, und dabei wird es von feinem Einfluß sein, ob die zukünftige Königin eine bei'liehe Prinzessin ist, ober einer anderen Nationalität angehört. Man muß sich wundern, daß ein ernstes Blatt, wie der ,Temps', zu solchen Mätzchen feine Zu« f lucht nimmt, und wir möchten wirklich der Erwägung ber französische« Presse anbetmfieUen, ob es verständig unb würdig ist, mit solchen kleinlichen' Mitteln zu arbeiten, bie auf ernste Menschen boch nirgenbs Einbrud mache« können."
* Die serbische Sozialdemokratie wird mit einem Male recht munter. Am Sonntag vor»
zuin kranken MikloS geholt worden war, während man sonst im Dorfe die Kranken der Widerstandskraft ihrer Natur z» überlassen pflegte, erregte das größte Aufsehen und erweckte die allgemeine Anteilnahme bei jung und alt für den Kranken unfeine Mutter.
Als jetzt auch die Kunde von dem erfolgten Verlöbnis MariskaS mit Ferencz das Dorf durcheilte, kam das Brautpaar nicht gerade glimpflich fort.
Als Ferencz kam, um sich Mariskas zusagende Antwort zur nahen Hochzeit zu holen, sand er sie, wie gewöhnlich bei seinem Kommen, am Spinnrad beschäftigt. Er nahm an ihrer Seite Platz, schlang seinen Arm um sie und frug: „Mariska, willst Du mir endlich versprechen, bald mein Weib zu werden?"
Jetzt war ja ohnedies alles vorbei. MikloS würde, auch wenn er gesundete, nicht wiederkom- men, und so gab sie zur Antwort: „Wenn Tu eS durchaus so haben willst, mag es sein."
Stürmisch zog sie der Bauer an seine Brust und bedeckte ihr Gesicht mit vielen Küssen, wobei der nach Schnaps riechende Atem des Bauern in Mariska einen wahren Ekel erregte. Widerwillig entzog sie sich seiner Umarmung. „Ferencz", sprach sie, „wenn Du mir nicht versprichst, fortan das Trinken aufzugeben, so ift es sogleich zwischen «n5 beiden wieder zu Ende."
„Aber freilich, freilich verspreche ich eS Dir. und alles andere dazu, was Du nur haben willst."
„Versprichst Du mir das bd der Muttergottes an Eides statt?"
• „Wenn Du willst, nicht nur bei dieser, sondern auch bei allen Toten und Lebendigen. Zum Lohn für nicht Versprechen komme aber und küffe mich, nunmehr habe ich ein Recht auf den Brautkuß."
Mariska kam, Grauen im Herzen, und bot ihm ihre Lippen dar und duldete schweigend, daß der Dauer sie fast erstickte mit seinem branntwein» duftenden Atem.