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.er Sonn« ,<At. Viertel» iMejiiaspreii ohne vrinyerlohn und Ve8ekyeldin,'r«ldaund «tisroärts! Mit 50 Psg.

Verantwortlicher Schriftleiter:». Wetzl«

Maer

I. par'°er^n''La. wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzeitung"

Zeitung

monatsbtitag«: „Sulboet Grschichkblätter".

Anzeigen: Vie ein- sp ttige Petitjeiie oder deren Raum 15 pfg. Reilamca die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpr. Kflbatt gewährt.

Motai»sn,druck a. Verlag der «uldaer Mc» tlenöruderei m Suita.

Sernfpre ber Nr. 9.

JV8 >77.

Fulda, Lllontag, Den 4. Dezember

3>. Jahrqanq.

Krstes ä&lait.

SSdweftajrtta vor dem Reichstage.

Die Verhandlungen deS Reichstags vom SamSlag, die den Vtachlragsetat für Südwest, aftifa (Bau einer Eisenbahn von Lüd-ritzbucht nach Äubub) zum Gegenstand halten, haben in» sofern einen überraschenden Verlauf genommen, als das Zentrum es ablehnte, eine Beratung in der Komnmfion zu beantragen. DaS Zentrum ist zu diesem seinem Verhalten dadurch veranlaßt worden, daß, wie sein Sprecher, der Abg. Erz» berget, aussübrte, gegen das ganze System unserer Verwaltung, bezüglich der Auswahl der Beamten, bezüglich ihres Verhaltens, bezüglich der Behandlung der Missionen, erhebliche Be­denken bestehen. Diese Bedenken legen der Volks­vertretung die Pflicht aus, nur dasjenige zu be­willigen, waS als zwingend notwendig nachge- wiesen wird. Ein solcher Nachweis ist aber weder in der schriftlichen Begründung enthalten noch wurde er heute durch die Regierungsver- tretet nachgeholt, oie wiederholt in die Debatte eingriffen. Als Erster gab der neue Leiter der Kolonialabteilung, Erbprinz v. Hohenlohe, der Vorlage ein warmes Wort der Einpseh- lung mit auf den Weg. Aber sachlich war seine Begründung sehr mager, in der Hauptsache war sie nichts weiter als ein Appell an den Pattio- tismus des Reichstags und an das Mitgefühl mit den in Südwestairika kämpfenden Truppen, denen durch Die Bahn geholten werden sollte. Auch die trostlosen Schilderungen, die Major von Deimling auf Grund eigener An­schauungen von den Wege und Wasserver- hälti'isfe deS Schutzgebietes gab, war nicht gerade geeignet, Begeisterung für einen Eisenbahnbau in dieien unwiltlichen Gegenden zu erwecken. Das Zentrum stellte sich daher auf den Standpunkt, daß es ohne eine weitere bessere Begründung der Vorlage nicht zustimmen tonne. Dazu kommt noch, daß der Aufstand der Hottentotten als ge­brochen gelien kann, wenn auch hier und da noch einzelne lieber]fiUe vorkommen. So wichtig die Beratung des Nachtrags - Etats war, so wurde sie doch einigermaßen in den Hintergrund ge­schoben dadurch, daß der Abg. Erz berget (Zentr.) auf Grund von Meldungen der ,Argen- tinifchen Wochemchmtt llnterfchieife zur Sprache brachte, die in Südwestafrika vorgekommen sein sollen. Danach sollen zahlreiche, noch ungebrauchte militäritche Ausrüstungsstücke nach Argentinien verschleppt und dort verkauft worden sein Ma» mußte auf die Antwort der Regierung gespannt fein. Vom nationalen Standpunkte ist es zu begrüben, daß diele Untettchleise in Wirklichkeit sich nicht so darstellen, wie das argentinische Blatt behauptet batte. Im Gegenteil, wenn die Dar­stellung derRegierung,wonach es sich nur umPlünde- tung eines gestrandeten Schiffes durch Vleger und Verkauf der dabei erbeuteten Gegenstände handelt, richtig und erschöpfend ist, so fallen die Behauptungen des argentinischen Blattes in bet Haiipt'ache in sich zusammen. Der Nachtrags­etat wurde ichließtich, nachdem die Konservativen Kommiisionsberatung bean.ragt hatten, mit Zu­stimmung des Zentrums an die Budg et- ko m m i s l i o n vermieten. Die nächste Sitzung

Mcrrrskcr.

Erzählung von Joseph vom Ehren berge.

(Nachdruck verboten.)

Als der Bauer gegangen war, beeilte sich Kathi, boller Neugier die Hülle von dem Päckchen zu tosen und schlug voll Erstaunen ihre Hönde zu­sammen, denn vor ihr lag ein rotseidenes, mit weißen und grünen Blumen durchwrektes Tuch nebst einer goldenen Kette, an der ein mit blauen Steinen besetztes Herz hing. Ja, wenn Ferencz sich öfter solcher Mittel bediente, konnte es nicht fehlen, daß er auf das Herz ihrer Tochter Ein- srudf machte. Was würde nur Mariska sagen!

Als ihr die Mutter abends unter einem Schwall ooii Worten des Bauern Geschenk überreichte, waci Mariska kaum einen Blick auf dasselbe, legte e5 wortlos auf den Tisch und ging sttll in ihre Marnmer, ido in ihrem Herzen Liebe und Sucht nach Geld und Genuß den ersten Kampf be­gannen.

. Ohne daß Mutter und Tochter über den Bauer el* Wort.verloren, verging der nächste Tag, und als die beiden abends an ihrem Spinnrad faßen, kam^erencz. der sich Mariska gegenübersetzte.

Sie sprachen von dem und von jenem, über die lebte Ernte, das Wetter, den kommenden Winter aber fein Wort von Liebe und Heirat Als Ferencz endlich ging, loagte Mariska beim Ab- schied nicht, dem Bauer zu sagen, daß er ihretwegen nicht mehr zu kommen brauche, wagte nicht, ihm ein Geschenk wiederzugeben, ja nicht einmal auf Kine Frage, ob er wiederkommen dürfe, verneinend

Haupt zu schütteln. Tuch und Kette blieben ~:J» in der Lade, wohin sie Kathi gelegt, und am chsten Tage frug sich Mariska immer und im­mer wieder, ob der Bauer wobl schon heute wieder- fäme. Heute würde sie ihm sicher sagen, was ein» mal gesagt sein mußte. Abends setzte sie sich klopfenden Herzens zum Spinnrad am £fen.

®ec Lauer kam, aber auch dieser Abend Per«

findet erst am Mittwoch statt; auf der Tages­ordnung steht die erste Lesung des Etats in Verbindung mit der Flottenvorlage und den Steuergesetzen.

Deutsches Reich.

Berlin, den 2. Dezember 1905.

** Zur Stimmungsmache für die Marine­vorlage. Zur Marine Vorlage scheint man wieder ähnlich wie bei den früheren Vorlagen seitens des Reichsmarineamtes umfangreiche „Materialien" veröffentlichen zu wollen. Dem Reichstag ist bereits eine im Reichsmarineamt dem bettete Sammlung statistischen Materials, be­titelt: „Die Entwicklung der deutschen See- interessen im letzten Jahrzehnt" zugegangen, deren Zweck ist, das Anwachien dieser Jntereffen zu zeigen. Diese Malerialtammlung soll dazu bei- tragen, die Forderung zu stützen, daß die wach­senden Seeinteressen auch des wachsenden Schuh-s bedürfen. Drei neue Marinetafeln, die vom Kaiser entworfen sind, sind augenblicklich in der Wandelhalle des Reich tages aufgestellt. Sie veranschaulichen die Stärke der englischen Flotte.

Der Abg. Eugen Richter hat das Man­dat für das Abgeordnetenhaus nieder­gelegt, gedenkt aber das Reichstag anbat noch zu behalten, um evemuell an wichtigen Ab­stimmungen des Reichstages teilnehmen zu können. Die Ausübung eines Doppelmandates aber sei ihm, wie <r seinem Wahlkomitee mit­teilt, für absehbare Zeilen nach seinem derzeitigen Gesundheitszustände unmöglich.

* Trageversuche mit graugrünem Uniform­tuch werden jetzt, einer Korrespondenz zufolge, durch Offiziere gemacht. Bei der Reichstagser­öffnung im Weiße» Saale erschienen die beiden Flügeladjutanten des Kaisers, Major v. Weit- mann'Eofek und Hauptmann Graf v. Soden in der neuen Uniform. Der Schnitt und die Ab­zeichen sind dieselben geblieben, und zeigen Waffen­rock und Beinkleid die gleiche hellgrünliche Farbe. Aehnliche Litewken für Mannschaften sind schon seit einiger Zeit bei verschiedenen Garderegimen­tern im probeweise» Gebrauch.

.-. Der Schulunterhaltnngs - Gesetzenttvurf hat, wie in parlamentarischen maßgebenden Kreisen verlautet, am Freitag die enögiitige Zu­stimmung des Staatsministeriums erhalten und ist dem Kaiser zur Unterschrift vorgelegt worden. Tie Vorlage gelangt aber erst nach Eröffnung des Landtages zur Ausaabe.

.. Die Zentralkaffe des Evangelischen Bundes vereinnahmte ,rn Jahre 1901 nicht weniger als 520 000 Mark. Gleichwohl hatte sie ein Defizit von 9i1000 Mark. Am 1. Ja­nuar l9 5 waren außerdem zur Deckung der Gehälter von zirka 70 evangelischen Vikaren in Oesterreich allein 400^0 Mark notig. — Die Los von Rom-Bewegung wird ja bekanntlich mit deutschen Reichsmalkstücken erhalten oder „alimentiert", sonst wäre sie, wie ein Bundes- redner einmal offenherzig erklärte, „längst im Sande verlausen".

* Ein Verbot des Alkoholgenuffes während des Dienstes ist vom preußischen Eifen bahn- minifier erlassen und mit der Sicherung des Eisenbahnbetriebes begründet worden.

ging, ohne daß sie ihm etwas sagte, und ehe sie i zu Bett ging, trat sie zur Lade, ließ prüfend den Stoff durch ihre Finger gleiten rind legte, wie zur Probe, die glänzende Kette um ihren Hals. Ein Gefühl wie von glühendem Eisen durchzuckte sie, als das kühle Metall ihren schlanken Hals be­rührte und als sie in den halberblindeten kleinen Spiegel blickte, seufzte sie schwer. Auf all das würde sie an Miklos Seite verzichten müssen, beim niemals würde er in die Lage kommen, sie so zu schmücken. Ob das Leben der Armllt doch nicht eine große Last sei? Ob ihre Mutter, die ja ein Leben der Erfahrung hinter sich hatte, nicht in etwa reckt hätte?

Als Ferencz am nächsten Abend wiederkam, und sich an ihre Seite setzte, ja sogar es wagte, ihre Hand zu fassen und zu drücken, fand sie fein Wort des Widerspruches, und anstatt Tuch nebst Kette ihm wiederzugeben, sprach sie zum Abschied: „Hab auch Dank für Dein Geschenk."

„Latz nur, laß, wehrte Ferencz ab, wenn ich einmal ein Reckt habe, will ich Dir noch ganz andere Dinge bringen."

Als sich Kathi in Lobeserhebungen über den Bauer erging, hörte Mariska schweigend zu, und frug sich in ihrer Kammer, ob er sich wohl änderte, wenn sie ihn nähme, und ob sich Miklos trösten und an ihrer Stelle eine andere Frau suchen würde. „Nein, nein! Das darf nickt sein, er soll keine andere lieben außer mir; besser ist eS auf alles zu verzichten, als ihn auf immer zu ver­lieren," schluchzte sie auf, und noch lange netzten die Tränen ihrer schwarzen Augen das dürftige Lager, bis sie sich müde gemeint und im Schlafe von Ferencz träumte, der sie auf einen neuen, herrschaftlichen Wagen hob, um mit ihr, im rot- seidenen Tuch und der goldenen Kette zur Stadt zu fahren.

Als der Bauer sie beim nächsten Wiederkommen frug, ob sie sein Weib werden wolle, antwortete sie nicht mehr mit einem entschiedenen „nein", sondern bat um einen Aufschub für ihre Antwort, und als der beglückte Bauer zum Abschied ein blitzendes Ringlein mit einem roten Stein an

* Zum »Borwiirts'-Skandal bat nun auch die sozialdemokratische Reichstaäsfraktion Stellung genommen. Das einstige Zentralorgan berichtet darüber in lakonischer Kürze: Die fozialdemo- kratische Fraktion des Reichstags hat nach Be- sprest'ung der „Vorwäits"-Angelegenheit folgen­den Beschluß gefaßt: .Die Fraktion erklärt durch die gepflogene Aussprache in Sacken des „Vor- wärt-"-Konfliktes die Angelegenheit für sich als erledigt." Das ist ein Beschluß, der den Stempel der Maiorisierung der Minderheit an der Stirn trägt. Auf diese Wette taffen sich allerdings alle Skandale aus der Welt schaffen. Wir bezweifeln aber, daß die Angelegenheit mit dem Fraktions­beschluß für solche „Genoffen" erledigt ist, die noch etwas auf eine ehrliche Kampfweife halten.

* Aus Deutsch-Südwestafrika. Der Gou­verneur von De ut sch - Sübwestafri ka, v. Lindequist, meldet um er dem 30. November, daß der Widerstand der Herero gänzlich ge­brochen iei. E" habe daher angeordnet, daß bis auf weiteres die militärischen Operationen im Hererolande, insbesondere die Aufhebung von Hererowerften, durck Patrouillen einzu st eilen seien. Durch diese Maßnahme wurde jedoch die strenge Bestrafung der Verbrecher und Rädels­führer nicht berührt. An den Orten Omburo und Otjibeinena seien Lager ;ur Sammlung der noch int Felde befindlichen Eingeborenen unter der Aufficht von Missionaren eingerichtet worden. Den Herero seien die vorstehenden Maßnahmen durch eine in zahlreichen Exemplaren verbreitete Proklamation bekannt gegeben worden.

Parlamentarische Nachrichten.

* Weitere Initiativanträge des Zentrums. Die beschlossenen wetteren Initiativanträge der Zentrumsfraktion des Reichstages enthalten noch folgende Forderungen: 1. Zehnstündige Maximalarbeitstag für Arbeiter in Fabuken und den dielen gleichgestellten Anlagen, neun­stündiger Arbeitstag für die Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorgen haben (bezüglich des Zemutundentages für Arbeiterinnen soll ein ge­meinsamer Antrag aller bürgerlichen Fiaktionen eingebracht werden, d. b. das Zentrum will hierzu die Anregung geben!; 2. Gesetzent­wurf für die Heimarbeiten, der in einem besonderen Ab'chnitt die Schlnßbestimmungen der Gewerbeordnung miammenfaßt und die Regisi- raturpfticht einfühtt; ferner soll die Kranken- ulid Invalidenversicherung auf die Heimarbeiter ausgedehnt werden, wobei aber die Nnternehmer einen höheren Beitrag leisten; 3) Wiederein­bringung der im Jahre 1905 eingebrachten Berggesetznooelle; 4. bezüglich der Sonn­tagsruhe wird ter vorjährige Antrag wieder emgebracht mit Ausdehnung der Sonntagsruhe auf 36 Stunden in Fabriken und Einschränkung der Arbe tszeit in Kontoren (nickt offenen Ver­kaufsstellen); 5. Antrag auf Anwendung der Schlußbesttmmun ien der Gewerbeordnung ans die im Verkehrsgewerbe (staatliche, kommunale uud private! beschäftigten Personen und Fest­setzung ununterbrochener Mindestrube-eit und der Maximaldienstsckicht; 6 Amrag auf eine Enquete über die Lage des Kleinhandels und die Schaffung von Handelsinspektoren, die an Stelle der Polizei die Aussicht zu führen und bei dem

ihren Finger steckte, war die eigentliche Entschei­dung schon gefallen.

Wie oft drehte sie am nächsten Tage den Ring an ihrem Finger und freute sich des blitzenden Steines. Bei jedem Blinken fühlte sie mehr und mehr das Bild ihres früheren Geliebten verblassen vor dem leuchtenden und lockenden Bilde künftigen Wohlseins an der Seite des Bauern.

Nun gut! Er wollte nur ein junges und lusti­ges Weib, und sie Glanz und Wohlleben, und so würden sie beide im Ehestände ihre Rechnung fin­den. Uud Miklos? So schwer ihr auch die Ent­scheidung fiel, und sie manchen Seufzer kostete, Miklos mußte sich eben bescheiden.

Auch Kathi tat das ihrige, um die letzten schein- baren Bedenken ihrer Tochter zu zerstreuen. Nm allem vorzubepgeu, wollte sie noch heute zu Torez gehen und ihr die Kunde von dem bevorstehenden Verlöbnis Mariskas mit Ferencz bringen. Als Vorwand ihrer Ausganges nahm sie für neu­gierige Aushorcher die Leinwand, um sie der lahmen Näherin zu bringen. Ohne sich länger als nötig bei dieser aufzuhalten, beeilte sie sich, wenn auch etwas beklommen, zur alten Terez zu kom­men. Besänge» trat sie in das ärmliche Stübchen, in dem Ordnung und Sauberkeit aus allen Ecken schauten. Terez war mit einer Näharbeit beschäf­tigt und faß an dem Tische, über welchem vor einem Muttergottes-Bilds ein brennendes Lämp­chen von der besorgten Liebe einer Mutter um ihr fernes Kind Zeugnis gab. Terez dachte nichts anderes, als daß Mariskas Mutter Rat zu pfle­gen käme ob der nahe in Aussicht stehenden Ver­bindung der jungen Leute, und hieß die alte Kathi freundlich willkommen. Zunächst forschte sie nach landesüblicher Weise nach diesem und jenem, nach ihrem, Mariskas mtb des ganze» Hauses Be­finden.

„Ich bin wohl," gab Kathi zur Antwort, „aber Mariska weint und ist traurig."

„Warum weint Mariska denn?"

„Dieserbalb bin ich eben hergekommen. Ich muß Dir nämlich sage», daß Mariska und Miklos nimmer ein Paar werden können."

Ausverkainswejen, Wanderauktionen und der Ueherwachung der Abzahlungsge'chäste nntzu- roirfen haben. Es wurde ferner beschlossen, sämtliche Anträge mit dem Namen deS ersten Vorsitzenden der Jentrunisfraktion Grasen von Hompesch zu zeichnen.

Ausland.

* Die Wahlpflicht in Oesterreich wurde so­wohl von der koniervativen wie von der christ­lich-sozialen Partei in ihr Programm ausge­nommen und soll nachdrücklich vertreten werden, wenn die Verhandlungen über das allgemeine Wahlrecht beginnen. Dieser Procirammpunkt findet in den bürgerlichen Klassen überall großen Anklang. Es soll nicht nur den sozialdemokrati­schen Mafien Geleaenheit gegeben werden, durch Ausübung des Stimnnechtes zu noch größerer Macht zu gelangen. Es gilt auch, den nicht sozialdemokratischen, bisher nicht wahlberechttgten ober der Wahl sich 'ernhaltenben Massen daS Wahlrecht dadurch tvitfiam zu verleihe», baß man bie Wahlpflicht einfühtt. Die allgemeine Wahl­pflicht, bei ber es dem Wähler, ber sich zwischen zwei Kandidaten nicht enttcheiben kann, frei fleht, einen weißen Zettel abzugehen, ist das notwendigste Korrelat beS allgemeinen Wahlrechts.

* Präsident Lonbet hat einem Mitarbester der Monatsschrift pour Tons* auf bie

Frage, ob er eine neue Kandidatur für bie Präsidentschaft berRepnblik annehmen würbe, eine oerneinenbe Antwort gegeben. Daß Herr Lonbet wirftich ber Ehren unb des Amtes müde ist, wirb übrigens seit längster Zeit von seiner ganzen Umgebung bestätigt

* Das mazedonische Bandenunwesen stehl immer noch in Blüte. Die „Agence de Eonstan- tinople“ erhält aus maßgebender Quelle folgende Mitteilung: Auf Grund von Schriftstücken, bie bei einem Zusammenstoß mit Banben gesunden waren, würben auf legale Beweise hin 15 Bul­garen, welche bie Agitation im Distrikte SerreS leiteten, ver haftet. Unter den Verhafteten sind mehrere Professoren sowie der Sekretär des bul- gariichen Metropoliten. Zu den erwähnten Schriftstücken gehört eine Liste ber von Send- (mgen bes bulaariscken Komitees ermorbeten Christen, sowie ei» Verzeichnis von Nour n an­gesehener Personen, beren Ermordung für notwendig erachtet wirb; darunter find der grie­chische Bisckos von Serres, der griechijche Konsul uud ein Priester.

* Die türkische Regierung hat die Vermitte­lung Deutschlands uns J.aliens bei den, Mächten nachgesuckt. Die römische „Tribuns" ssat zu der Meldung au5 Sofia, baß Jia e i die Rolle deS Vermittlers zwischen ben Großmächte« unb ber Pforte zu spielen suche, Italien suchte bie Rolle nicht, sondern die Türkei ersuchte Deutsch­land und Italien, den Streik z» schlickten. Beide antwort ten, zuerst muffe die Pforte bas Memorial ber Mächte unb bas Finanz­reglement für Mazedonien annelimen, ehe von einer Vermittelung die R be sein könnte.

* Zur Lage in Rußland. Unter dem Militär in b r nächsten Umgebung bes Zaren sind Jn- suborbinaftonen vorgekontmen, bie zur Verhaftung ber betreffenden Mannschaften und Unteroffiziere geführt haben. Wenn bieien Vorkommnisse» auch

„Warum denn nicht?" frug Terez bestürzt. „Sieh, Terez, toeun wir es so recht betrachte,! so wäre eine Heirot zwischen unseren Kindern ein Unglück, denn ich bin arm und Du bist arm, und auch unsere Kinder würden zeitlebens arm sein und bleiben."

„Ja, ist denn arm sein eine Schande, beste Kathi? Oder ist redliche Armut nicht ehrenwerter als übel erworbener Reichtum?"

„Du hast ja recht, Terezl" Aber, wen» ma„ sich sein Leben lang plagt und es doch zu nichts bringt, ja wie man ärmer endet, als man be­gonnen hat, wie wir beide, so gibt uns daS zu denken."

„Ich versteh Dich nicht, Kathi. Sind wir denn nicht zur Arbeit geboren? Oder tvozu haben wir sonst Hand und Fuß? Und gebt es auch manchmal schlecht, toeun man nur auf Gott» vertraut, ißt man sich immer noch täglich satt."

„Aber toenn man es besser habe« kamt im Leben?"

„Wie meinst Du das?"

„Der reiche Ferencz will Mariska zmn Weibe nehmen, und darum kann ich sie dem MiKss nicht geben."

„Warum hast D« denn nicht früher gewußt, daß Miklos arm ist? Nicht wahr, wenn Ferencz nicht gekommen wäre, hättest Du gegen meinen Sohn nichts einzutoenden gelabt. Dir liegt nichts am Mücke Deines Kindes, Dir liegt nur das viele Geld am Herzen. Das Geld macht Dich kalt und bart gegen Dein unb mein Kind. Woher hat denn Ferencz überhaupt seinen Reichtum? Ob er gut oder übel erworben ist, weißt Du so wenig als ich, und man hat sehr viel darüber geredet. Da- rum merke Dir, beste Kathi, merks Dir gut, un- recht Gut gedeihet nicht."

„Was fickt es Dich unb mich an, woher der Bauer fein Geld hat? Und übrigens mußt Du auch noch warten, ob Fluch oder Segen darauf ruht. Du redest überhaupt nur, um Deinen Sohn zu loben I"