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monatsbeitaflt: „Mdaer Geschichkblätter".

Zuldaer

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Sotatton,druck u. Verlag der f uldaer Rr» tiendrnaerei In 5ulda..

«iernipre her Nr. 9. ;

Fulda, Samstag, den 2. Dezember i^uö.

JV3 x7 6.

3?. Jahrgang.

Zweites ZSt'citt.

Unpolitisch« Zeitläuse.

© Berli n, 30. November 1905.

Die Volkszählung findet gerade zu Beginn des Lhristmonats statt. Sehr passend; beim aus dem Zählbrief weht Weihnachtslust. Die erste allge- neiite Volkszählung im römischen Weltreich führte .Warta und Joseph nach Bethlehem. So oft die Nenschcn gezählt werden, denken die Christen da­ran, daß einst der Sohn Gottes auf die Welt ge- 'ominen ist, um in den römischen Staatslisten mit einem Strichlern notiert zu werden gleich allen ruderen kleinen Sprößlingen der Untertanen des Kaisers.

Die Volkszählung des JahreS 1 war viel grotz- artiger, als die unsere. Wie klein ist Deutschland cm Vergleich zu dem alten römischen Weltreich? Damals wurde die ganze „Kulturwelt" amt einem Schlage nach demselben Schema gezählt. Jetzt gibt -S freilich auch in allen Kulturstaaten Volkszäh­lungen; aber sie finden nicht gleichzeitig und nicht roch demselben Fragebogen statt. Eigentlich sollte man zu den vielen internationalen Vereinbarun­gen atich noch die über eine gleichmäßige Bevölke­rungsstatistik binzufügen. Die alte Volkszählung war auch insofern bedeutender, als sie zugleich die Steuerfälnakeit umfaßte. Neuerdings läßt man mit Vorsicht au§ den Zählpapieren alles fort, was mit der Steuerpflicht zusammenhängt, und belehrt eindringlich das Volk darüber, daß die An­gaben in keiner Weise zri Steuerzwecken oder $nr sonstigen Belästigung gebraucht werden sollen. In den alten Zeiten mußte man mehrere Fliegen mit serlelben Klappe zu schlagen suchen.

Man konnte damals nicht so häufig zählen, wie unter den fetzigen Verkehrs- und Bildungsver- haltnissen. Tas schriftliche Verfahren war noch nicht so ausgebildet; das Volk mußte mündlich an Amtsstelle seine Angaben machen, damit sie dort in die Listen eingetragen würden. Jetzt komntt der vom Staat berufene Zähler zu uns ins Sans, um die Zählpapiere uns zur gefälligen Ausfüllung zu brinnen und nach Vollziehung wieder abzu- bolen. Wer anderswo geboren ist. braucht nur fei- <ie» Geburtsort und sein Ursprungsland hinzu- nf1 reiben; dann rechnen die amtlichen Zahlenleute die Sacke sckou auseinander. So geliügt heittzu- tage das einfache Verfahren, jeden Menschen dort zu buchen, wo er gerade auinesend ist. Keine Ein- schräukung der Bewegungsfreiheit. Im Altertum aber »änlre und schätzte man die Leute in ihrer eigentlichen Heimat, in dem Stammsitz ihre? Ge- schlechtS. Tie von der Freizügigkeit Gebrauch ge­macht batten, mußten zur Zahlung heimkehren: „ein ieder in seine Stadt". Welch' mühseliges Hin- und Herreise» wi>rde damals dem Volk zuaemiitet! Erst tagelang unterwegs und dann ein Aufenthalt in 'ämmerlichen Herbergen oder aar bei der lieber- füllung ein Uübernachten in Scheunen, Ställen oder unter freiem Himmel. Wir haben fa setzt wm-derk>->r verbesserte Verkebrsmittek. aber dafür ist daS Volk auch biel stärker durcheinander ge- .niirlt als wie e5 damals der Fall war. Wenn fetzt zum 1. Dezember alle Leute sich auf dem Ratbause ihres Geburtsortes melden müßten, welch' eine Völkerwanderung würde dann bin- und bei flicken. Wir hohen es doch viel beauemer, als die römiMien Weltbürger vor 1900 Jahren. Da­rum wollen wir gern die Zählkarten ansfüllen, die uns alle 5 Jahre überreizt werden, und auch ohne Murreii die Steuererklärung ausfertigen, die im Januar fällig wird.

. In der Volksmhlnini Hegt etwas Erbausiche? Für sedeS menschliche Wesen gibt es eine Zähl­karte: für den Millionär eine und frrr den Bettel-

"SSarisRa.

Erzählung von Joseph vom Ehrenberge.

2] (Nachdruck verboten.)

„So, fo! Hast Du schon einen andern Schmie gerfofm in Ansicht?"

„Ja, weifst Du, Ferencz, toeim so einer käme wie Tn, so gab ich ihm mein Kind mit Freuden."

Sieh einmal, Miitter Kathi, waS nicht ist. kann ja noch werden; ich brauche eine Bäuerin, und wer weiß, — wenn nur tue Sache mit Mrklo S nicht wäre."

„So geb doch, ein Mann wie Du und MikloS!"

„Wo ist denn MariSka?"

„Wo wird sie sein? Bei der Arbeit auf dem Felde! UnfereinS hat eS nicht fo gut als Du, bei uns beißt es sich planen von früh bis spat. Ösern gönnt ick meiner Tochter ein besseres Dasein."

Der Bauer griff ht seine Tasche und legte eine Hand voll Silbergulben auf da? Fenster. Da nimm! Du wirst eS brauchen, und mir kommt es nicht aus einige Gulden an." Der Bauer bog längst um die Ecke und noch immer ergoß sich die Alte in Dankesbezeugunaen. Ferencz sah ver­gnügt vor sich bin. „Also die Mutter siebt aus meiner Seiles Denn auch noch nicht alles, ist da­mit doch viel gewonnen, und daß alles zu einem guten Ende geht, dafür wird mein Geld schon sorgen."

Mariska batte sein Kommen nicht früher be­merkt, als bis er sie anfvrach: „Wärs nicht er­laubt, Dir hier zu helfen?"

Ueberrascht fuhr sie herum. Der Ferenez!

„Tas wäre gut, der reiche Bauer und Kar­toffeln lesen! Denkst Du, ich wollte beute abend noch der Gegenstand des Dorfgespräches sein? Nein, nein, geh nur ruhig weiter", fährt ihn die Dirne an.

„Höre, Mariska! Fein bist Du gerade nicht. Aber sag', was könnte es schaden, wen.l man such

mann auch eine; für den hochgebornen Herrn reicht dasselbe Blättchen aus, das dem Wickelkind des Tagelöhners gewidmet wird. Gleichheit und Brü­derlichkeit kreißt die Parole. Allgemein, gleich und direkt ist das Zahlrecht, ebenso wie das Reichstags­wahlrecht. Geheim ist es freilich nicht, aber das ist auch nicht nötig, da die Angaben auf den Zähl­karten niemanden unangenehm werden können. Man sagt gewöhnlich: es sind so und so viel See­len gezählt worden. Das Wort „Seelen" paßt hier vortrefflich. Alles, was eine unsterbliche Menschen- freie hat, gilt als eine Einheit in der Volkssumme. Tie Verschiedenheiten, die aus den körperlichen Verhältnissen hervorgehen, sind nebensächlich; jede Seele ist vor dem Zähler voll- und gleichwertig.

„Wer mich vor den Menschen bekennen wird .. . Tie Volkszählung gibt Anlaß zu dem Be­kenntnis des Maudens. Wer hinter der Religions­frage für sich und die ©einigen hinschreibt „katho­lisch", der kann sich dabei etwas denken. Du bist berufen; bist Du auch auserwählt? Bist Du nur auf der Zählkarte katholisch, ober bist Du es auch im Herzen-und im Wandel? Du wirst gebucht als ein Zweiglein vom großen Baume der katholischen Kirche; willst Du ein dürrer oder ein grüner Zweig sein? Deine Kinder schreibst Du als katho­lisch ein; nun, hast Du als Erzieher auch das Deinige getan imd wirst Du es ferner tun, damit sie als echte Katholiken brav leben und selig sterben?

Unten auf der Zählkarte stebt noch eine Frage nach gewissen schweren Gebrechen (blind, taub­stumm, geisteskrank oder geistesschwach?). Hof­fentlich braucht kein Vater bei diesem UngliickS- absatz einen bejahenden Strich zu machen. Dafür sollte man dankbar sein.

Bei einem Namen steht der Titel „Lanshal- tnngsvorstand". In hunderttausende» von Fami­lien steht das Wort neben der Frau, der Witwe. Wie mancher Hausvater wird abgerufen, ehe er feine Sorgfalt für die Familie recht hat betätigen können! Wer noch als Hausbaltiingsvontand mit- gezählt wird, der sei sich auch seiner Pflichten als solcher voll bewußt! Und er mache sofort den An­fang mit ihrer Erfüllung; denn wer weiß, wo im Jahre 1910 der Titel stehen wird?

Die Volkszählung bildet auch einen Nachklang zum Allerseelenmonat. Bei der Ausfüllung der Listen gedenken wir derjenigen, die vor 5 Jahren noch mitzählten und jetzt mit Stillschweigen über­gangen werden. In dieser Liste hat nur der Lebende Recht. Der Staat ist von dieser Welt; wer die große Reise angetreten hat. bei der es keine Rückfahrkarte gibt, existiert für ihn nicht mehr. Der Christ aber gedenkt der Vora«sgegangenen in der Gemeinschaft der Heiligen. Er weiß, daß er die VorauZgeMngevkn und feine Nachkommen ihn Wiedersehen toerht'ii bei der letzten allgemeine«! Volkszäf'lung und Schätzung am jüngsten Tage.

Mit Wehmut der Toten gedenkend, sehen wir in froher Hoffnung uns den Zuwachs an, die seit der letzten Volkszählung in die Listen gekommen ist, den Zuwachs der Kindlein von 0 bis 5 Jahren, der Brüderchen und Schwesterchen voin Kinde von Bethlehem. Ablösung vor! Das Reich der Welt erneuert sich fortwährend, aber auch das Reich Gottes auf Erden. Und wer in feiner Zählkarte neue Sprößlinge zu buchen hat, der soll dankbar sein und mutig zugleich. Wer schwer zu ringen bat im .Kampfe umS Dasein, sagt vielleicht: Eine lästige Bescherung, eine kostspielige Bescherung!. Ach was, auch eine lustige Bescherung und eine ge­winnreiche Bescherung, um die dich mancher tn- brünstig beneidet. Sei stolz, wenn du recht viel Zählkarten zu füllen hast.

_ Und schließlich betrachten wir auch unsere eigene Zahlkarte. Ja, wir sind »och da im irdischen Le­ben. Wir haben die fünfjährige Etappe noch zu- rückzulegen vermocht, während rechts und links so viele zur ewigen Ruhe uiedersaukeu. Wir atmen noch rm rofmen Sicht, wir können noch wirken und

heute noch wüßte, daß Du meine Braut, und in kurzen Wochen meine Frcm bist?"

„Ach, waS D« jagst? Sieh zu, daß ich Dich nicht bei Deinem Wort nehme!"

_ „Ich scherze durchaus nicht. Ich brauche eine Bäuerin, und meine Kinder eine Mutter, je eher, je bester."

.„Ja, ja, eine Bäuerin brcntchst Dn schon, dem« Deine Mutter wird allein nimmer fertig mit all her Arbeit, und Deine Kinder brauchen auch eine Mutter» denn einen Vater haben sie ja ohnedies kaum. Aber was gebt das mich an?"

„Laß daS fein, Mariska; wenn Du mich nimmst, soll olles anders werden. Mit Dir werde ich gern die Arbeit teilen, und der Jude im Wirts- haus hat von mir den letzten Gulden."

„Du, und das Trinken lasten! Eber kriechen nächstens alle junge Raben mit weißem Gefieder aus dem Nest!"

„Läßt Du mich wirklich hier nicht helfen?" fragt er ärgerlich das Mädchen, welches sich aitfS neue zu seiner Arbeit niederbeugte.

„Nein, laß aut, der Mittag ist ohnedies nicht weit."

Jerencz sah nach seiner Ahr, die an einer sil­bernen Kette hing. „Nein, wie die Zeit verrinnt! Der Mittag ist wirklich nahe. Komm ich will Dir wenigstens Deinen Sack tragen helfen."

Mit größter Freude sah Kathi, bte alle Augen­blicke im Garten Ausschau hielt, daS Paar näher kommen und schlug voll Verwunderung die Hände zusammen, als sie den Bauern den schweren Sack tragen sah. Es bedurfte für sie keines weiteren Beweises mehr, daß Ferenez in allem Ernste es darauf abgesehen hatte, Mariska zu heiraten.

Als Mariska die beiden Ziegen mit Futter versorgt hatte, letzten sich die beiden Frauen schwei­gend zu dein kärglich bedachten Mittügststch. Ver­stohlen sah die Mutter öfters auf ihre Tochter und nachdem sie lange überlegt, ob sie von Fermcz reden solle oder nicht, begann sie freundlich: „Laß, mein Täubchen, laß, bald wirft Du es besser haben

schaffen für das Wohl der Unsrigen und für unser eigenes Heil. Wollen wir singen: „Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht!" Immer zu; daS Lied läßt auch christliche Deutung zu. Freut euch des Lebens, weil ihr noch Gutes tun und Schlechtes ausgleichen könnt!

Wer weiß, ob wir die nächste Volkszählung noch erleben. Vielleicht ist dies die letzte irdische Zähl­karte, die wir ausfüllen. Vielleicht werden wir schon bald vor das allerhöchste Amt im Jenseits geladen, wo die Seelen nicht bloß gezählt, sondern auch gewogen, eingesckwtzt und gefchieden werden. Nutze die Zeit, so lange es noch Tag ist, wo du wirken kannst, dann kann noch alles gut werden.

So läßt sich bei dem Zäblunasgeschäste, das so prosaisch auSfieht, doch manches denken. Neben­bei denke ich auch, daß bei der Volkszählung in meinem Wohnsitz sich schwarz auf weiß ergeben wird, wieviel katholische Seelen auf unsere Scheune angewiesen sind. Wenn daS Ergebnis aufgerechnet ist, werde ich eS nickst unter den Scheffel stellen, damit die „unpolitischen" Leser einen neuen Rip­penstoß erhalten. Sollen die mehr als tmtfcnb Glaubensgenossen noch bis zur nächsten Volks- zählirng sieb ohne Kirche und ohne Seelsorger am Orte durchschlagen? Dann würde der unpolitisch Onkel vor lauter Aerger den künftigen Zahltag nicht erleben.

* Zur Bekämpfung der Landflucht.

Ein erprobtes Mittel zur Eindämmung der für die Landwirtschaft fo ua tsteilixen übermäßigen Abwanderung derArbeiter-Bevöikekung vom Lande in die Industrie-Bezirke ist die Seßbastwachung derselben, die Weckung der Anhänglichkeit an die heimische Scholle. Diesem Zwecke lönnen auch die Landesoersickerungs-^nstalten dienen, indem sie, wie sonst üblich, nicht nur Kommunal-Ver- bänden, gemeinnützigen Baugenoffenschaste« und ähnlichen Vereinigungen, sondern auch einzelnen Versicherten Darlehen znm Ban von Wohnhäusern überlassen. Die Bedingungen der Beleihungen ohne selbstschuldnerische Bürgschaft eines Kom­munal e Verbandes sind ähnlich bei den letzteren üblichen; nur beträgt in letzterem Falle die hypolhe- karifche Beleihunsgrenze nicht, wie z. B. in der Provinz Rheinland-Westfalen 75%, sondern nur 50%. Diese an und für sich niedrig bemessene Belechungsarenze ist aber notwendig im Hinblick auf die absolute Sicherstellung des gewährten Darlehens.

Der ländliche Arbeiter, der, um sich ein eige­nes Anwesen erwerben zu können, ein Darlehen der^Landesoersicherungs-An statt Westfalens zu er­halten ivünicht, muß also entweder über ein ziem­liches Barvermögen verfügen oder sich eine zweite Hypothek ver)chaffen. Dieses wird ihm ober in vielen Fällen schwer fallen. Von großem Vorteil bleibt aber gleichwohl die Bestimmung, daß Bau­darlehen an einzelne Versicherte zu einem gerin­gen Zinsfüße mit Amorliialionszivong abgegeben werden, weil es dem einzelnen, der nicht über die ganzen Bamummeu verfügh, möglich wird, sich -ein eigenes Heim zu gründen, ohne auch be­sorgt zu sein um die Beschaffung einer ersten Hypothek, die meistens unter großen Opfern an Provisionen von Kapitalisten oder Bauunterneh­mern zu einem höheren Zinsfuß« «rhälilich ist. Diese Vergünstigung besteht sowohl für den in­dustriellen wie auch fürdenlandwittichaftlichen Ar beiter. Bedingung ist, daß der letztere Versicher­ter ist.

In wie weit seitens landwirtschaftlicher Ar­beiter von dieser Vergünstigung Gebrauch gemacht

und anstatt der trockenen Erdäpfel täglich Fleisch auf Deinem Tische sehen."

„Was meinst Du", fuhr Mariska herb auf, „daß ich denn anders efsen soll?"

„Nun, wenn Tu wolltest, könntest Du täglich wie die Neichen specken, denn des Ferenrz Weib ist in der Lage, besser zu leben, als die übrigen Frauen des Torfes."

„An dem Wollen liegt e-3 eben, Mutter, und ich will einmal nicht des Ferenez Weib werden, ich halte Miklos das versprochene Wort."

„Was hättest Du an Miklos Seite Dein Leben lang anders, als ein wenig Not rote bisher? Wenn Tu meinst. Du Närrchen, es sei wegen der Liebe, fo frage ich Dich, wo in aller Wett wird der Mensch von der Liebe satt? Wenn der Magen knurrt, schweigt sich die Liebe sehr bald auS. Sieh Dir doch die Frauen unsere? Dorfes an. Bekom­men sie nicht alle ibre Schläge? Und wirb es Dir bei Miklos trotz der großen Liebe anders ergehen?"

„Mutter! Sag' mir, wie Du nur so reden kannst. Du weißt noch nicht, ob Miklos an mir so handeln würde, wie die übrigen Männer an ihren Frauen. Dos eine ist sicher, daß Ferencz sein erstes Weib mehr als halbtot geschlaaen bat, und mich in feiner Trunkenheit nicht anders be­handeln würde. Darum laß mich, Mutter, und quäle mich nicht länger!

Al? sie wieder bei ihrer Arbeit war, nahm sich Mariska vor, fortan nickst einmal mehr an Ferenrz zu denken; die Mutte«' würde zum Schluß noch froh sein, wenn der Miklos ibre arme Tochter holte. Und doch bQcfrte sie auf dem Felde oft an die Worte der Mutter und zum erstenmal in ihrem Leben fing sie an, mit ihrer Lage unzu­frieden zu fein.

Tie Stimmung der Mariska wurde immer unsicherer, als ibre Mutter nicht aushörte, das Lob des reichen Ferencz zu reden. Das war auch der Grund, warum Mariska abends, als Miklos

worden ist, und welche Summen zum Bau von landwirtschaftlichen Arbeilerwohnhäusern verwen­det worden sind, läßt sich vorläufig noch nicht feflftellen; aber man darf wohl als flehte an» lehen, daß für den ländlichen Arbeiter Wohnungs­bau nur ein verhältnismäßig geringer Betrag von den Landesversicherungsanstalten aufgewen­det worden ist. Tas liegt aber wohl nicht so sehr an ein-m Mangel an Interesse für die Landwirtschaft seitens der Versicherungsanstalt, als vielmehr an der geringen Inanspruchnahme der Vergünstigung in der Kapitalbeschaffung feilens der Landwirtschaft.

Der Errichtung von Baugenossenschaften für Arbeiterwohnungen auf dem Lande stehen außer­ordentliche Schwierigkeiten im Wege Die V raus- setzung für jede Genossenschaft, enolgreich arbeiten zu können, besteht ja darin, daß sie die Ge­schäftsführung leicht handhaben und übersehen kann. Der übersichtliche Bezirk wird bei einer Baugenoffenschaft aus dem Lande leicht fehlen. Würden aber größere Bezirke für ein erfolg- > reiches 9U beiten einer derartigen Baugenossen­schaft zu diesem Zwecke zusammen gefaßt werden, so wird das Arbeiten einer Genossenschaft schwierig. Als Ausweg blieb in diesem Falle be-' stehen, daß der ländliche Arbeitgeber entweder selbst die Bürgschaft für Kapital, Zinsen und Tilgung übernimmt, oder aber dem Arbeiter die fehlenden Mittel gegen zweite Hypothek ver» schafien würde. Leider wird in dieser Weise seitens der Landwirte nur sehr wenig getan. Für gewöhnlich wird befürchtet, daß über kurz oder lang eine mit ihrer Hilfe geschaffene Wohnstätte in andere Hände übergeht und dadurch die Ar-s beilskraft dem Bekriebe verloren geht.

Das Bestehen einer solchen Gefahr ist durch­aus nicht zu verkennen. Aber immerhin kann auf diese Weise der Landflucht gesteuert werden. Es ist eher zu erwarten, daß aus solchen Fa-! mitten, die dem Lande angehören, Personen landwirtschaftliche Dienste übernehmen, als daß solche, die bereits dem Lande verloren gegangen sind und sich den Industr ezentren zugewandt habe«, später wieder in landwirtschaftliche Dienste treten. Ueberhaupt kommt es nicht so sehr auf den Bau remer Arbeiterwohnungen an, als viel­mehr darauf, daß jeder Arbeilerwohnung soviel Land zugete'lt wird, daß dem Arbeiter und seinen Familienangehörigen während der Zeit, wo er anderwärts keine Arbeit finden kann, Beschäftigung gegeben wird. Zugleich muß dein Landarbeiter dieHoffnung bleiben, duich späteren weiteren Zukauf sich zu einer größeren selb­ständigen Existenz auf eigener Scholle empor­arbeiten zu können. Alle Versuche, durch irgend-- roeldjen künstlichen Zwang die Leute ans Land zu fesseln, verfehlen ihren Zweck, wenn nicht gleichzeitig Bedacht darauf genommen wird, dem Landarbeiter die Ertlimmung der sozialen Stufenleiler zu ermöglichen und ihm den Auf­enthalt auf dem Lande fo zu gestalten, daß er erstrebenswerter ist, als in der Stadt. Die eigene kleine Scholle lockt den Landarbeiter und erhält ihm dem Lande.

Die Seßhastmachung der Landarbeiter in dieser Form erscheint als fast einziges Mittel zur Bekämpfung der Landflucht, das nicht allein mehr erörtert, sondern vor allem praktisch gehand­habt werben sollte.

sie auf der Bank vor ihrem Hanse aussuchte, mit sehr geteilten Gedanken bei feinem Geplauder weilte. Immer wieder kam es ihr in den Sinn, warum hat Miklos nicht wie Ferencz sich m der Stadt etwas zu erwerben versucht?

Miklos sah befremdet auf das einsilbige Mäd­chen an seiner Seite und frug sie besorgt, was ihr begegnet sei.

Als Mariska fein bekümmertes Gesicht sah, überkam sie Scham und Reue über ihr törichtes Gebahren, und ausspringend warf sie sich dem Burschen an die Brust und bat unter Schluchzen: „Hab Geduld mit mir, Miklos, ich bin ein töriifi- teS Ding. Bin ich erst Dein Weib, dann will ich nicht mehr träumen, sondern froh an Deiner Sette leben und Arbeit und Sorge getreulich mit Dir teilen."

Tröstend sprach Miklos auf sie ein, der nicht wenig erschrocken war, sein sonst so heitere? Mäd­chen in Tränen zu sehen. „Laß nur, Liebchen, Arbeit werden wir haben, und Arbeit vertreibt di« müßigen Gedanken. Auf Händen will ich Tich bei alledem tragen, damit Du es nie bedauern sollst, mein Weib geworden zu sein.."

Für den Augenblick fühlte Mariska nichts mehr von dem Verlangen nach den Schätzen des Ferencz, und bald war sie dabei, mit Miklos an den Zn- knnftsschlösiern ihres Glückes zu bauen, bis die schellende Stimme Katbis sie aufscheuchte.

„Was hat denn nur die Mutter", frug MckloS verwundert, „daß sie uns fo frühzeitig ausein­ander treibt und noch dazu am letzten Abend, bevor ich mit dem Floße stromabwärts fahre?"

' „Laß sie, Miklos, alte Frauen haben ihre Lan­nen. wenn Du zuriickkehrst, wird sie wieder anders sein."

Wieder ließ sich Kathi hören, der es vor allem darum zu tun war, eine längere Aussprache zwi­schen beiden zu verhindern, und als Mariska immer noch nicht kam, trat sie selbsi vor die Tür, um ihre Tochter in das Haus zu holen. (Forts, f.)