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erscheint tSyttch, mH lasnabme der Sonn« sn6 Seitrtage. viertrl- iöl;rl. Bezugspreis -hne Brinaerlobn und Beftellg<Idin5uldaund auswärts i Mk 5<i psg-

PeramwertÜdier Sdjriitteiter: 3- Saunt; für »ie Hnzetoen 3. Par,,»er in siulda.

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Wochenbeilage: „ZlluMrte SonntagrMung"

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BolattonsOnid u. Verlag der sulOaer Ae« tirndn, -erei in 5«kd«.

Kerninsd der Nr. 9.

M >76. Fulda, Samstag, den v» Dezember WUj. 3?. Jahrgang.

Krstes Wlcrtt.

Deutsches Reich.

Berlin, den 1. Dezember 1905.

Neichssteuerrefortn. Die nähere Prüftmg der Swueroorlagen ergibt doch mancherlei Kuriosa. So z. B. enthält die Stempelsteuer tatsächlich eine Paketportoerdöhnng. Jedes 25 Pfg.-Paket sott 5 Psg. Stempel, jedes 50 Pfennig-Palet soll 10 Psg. Stempel" kosten, welche als besondere Stempelmarke vom Ab­sender auf die Pakeladrefse ausjuklebeu sind. Ebenso soll jede Posteinzahlung über 20 Maik 10 Pfg. Stempelzusch'aq kosten, also von 20 100 Mark statt bisher 20 Pfg. künftig 30 Pfennig. Das wäre eine Portoerhöhung für Pakete um 2ß&, für Postanweisungen um 20 bis 50',. Jede Empfangsanzeige kostet außer­dem noch 10 Pfg. Stempel, so daß eine Zahlung durch Posteinzahlung mit Empfanqsanzetge für de» kleinen Betrag von 25 Mark 2mal 10 Pfg. = 20 Psg -Stempel losten würde. Eine Giro­überweisung durch die Reichsbank, auch wenn sie eine Million beträgt, ist dagegen stempelsrei! So versteht man in der Vorlage den „Schuh der Schwachen"! Wer die 10 Pfg. Stempel zu kleben versäumt, wird um das 200fache be­straft, d. h. er hat für jede einzelne Unterlasiung 2 f Mark zu zahlen. Das gibt ja nette Aus­sichten! — Der Fahrkartenstempel soll für jede Fahrkarte 1. Klosse 40 Pfg., 2. Klasse 20 Pfennig, 3. Klasse 10 Pfg. und 4. Klasse 5 Psg. betragen. Die Reise von Frankfurt nach Mainz kostet ebensoviel Stempel, als von Königsberg nach Basel! Der Geschäfts­reisende, welcher kur,e Strecken zu fahren hat, wird dadurch wahrscheinlich lOmal so hoch be­lastet, als der Vergnügungsreisende, der nach der Schweiz und Italien fährt. Die Dampferfahrkarlen auf dein Rhein, Bodensee rc. kosten sür den 1. Platz 20 Psg., für den 2. Platz 10 Psg. Stempel. Die Reisen auf Ver­gnügungsdampfern nach dem Nordcap, der Riviera und Egypten, wo jede Fahrt POO dis 800 Mark kostet, bleiben dagegen steuerfrei, ob­wohl sie in der Regel nur von sehr reichen Leuten gemacht werden. — Das nennt man „Schutz der Schwachen" nach der Regierungs­vorlage!

e Der Verband kaufmännischer Vereine richtet an den Bundesrat eine Eingabe, worin gebeten wird, belr. der Ar beit szeii en in den nicht mit offenen Berkautsstellen verbun­denen Kontoren und sonstigen kaufmännischen Beirieben in die vorzuschlagende Novelle zur Gewerbeordnung folgende Bestimmung aufnehmen zu wollen: 1. Festsetzung von: ») einer ununter­brochenen Ruhepause von 12 Stunden, l») einer Höchstarbeitszeit von 9 Stunden, mit Verkürzung um eine Stunde für Lehrlinge, Gehilfen und Arbeiter unter 18 Jahren; c) einer Mittags­pause von mindestens einer S.unde für Be­triebe mit ungeteilter, und von zwei Stunden für solche mit geteilter Arbeitszeit. 2 Zulassung von Ausnahmen nur für Notstands- rind Jn- venturarbeiten, sowie für Speditionsgeschäfte, den Ueberseehandel und dir Saisongeschäste, für höchstens 20 Tage im Jahre, und mit einer

Wcrriskcr.

Erzählung von I o s e p h v o m E b r e n b e r g e.

3] (Nachdruck verboten.)«

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Sinnend girig Miklos seines Weges, und als er heimgekommen, setzte er sich still an die Seite seiner alten Mutter.

„Du bist heute früh z» Haus, war etwa Ma- riska Dein Kommen ungelegen?" frua die alte Fra«.

„Wie könnte ich Mariska ungelegen kommen, sie ist doch meine Braut. Aber anders war sie heute schon als sonst, gar trübselig ließ sie ihr Köpfchen hängen."

tyyi „Darüber darfst Tu Dich nicht luunöern; ein Mädchen, das vor jenem ernsten Schritt steht, mit dem sie sich dem Manne ihrer Wahl für ihr gan­zes Leben zu eigen gibt, hat mancherlei zu be­denken und zu erwägen, wobei ihr wohl die gute Laune vergehen kann."

Im Innern wußte Miklos seiner Mutter Dank für diese Worte, die ihm Mariskas Benehmen be­greiflich finden ließen, doch ungeachtet dessen auälten ihn die Nacht über schwere Träume.

3.

Kaum hatte sich Mariska des andern Morgens zu ihrer Arbeit auf das Feld begeben, als Ferencz sich wieder vor ihrem Hause einfand und zur Freude der alten Kathi sich nicht begnügte, durch das Fenster zu reden, sondern zu ihr in die Stube trat.

-Ei, ei! Willkommen, Bauer! Was verschafft mir denn die Ehre? So nimm Platz", und schnell wischte sie mit der Schürze an dem inorschen Stuhle herum, den sie ihm hinschob. Verlegen setzte sich der Bauer und begann zu der vor i stehenden Frau zu reden: 4#F

...Wie Ibr wißt, stehe ich ohne Frau da, und weil mein Hous, je eher je besser, einer Bäuerin

Höchstarbeitszeit von 12 Stunden. 3. Völliges Verbot der Sonntagsarbeit ohne jede Ausnahme

* Zur Beherzigung für die Gläubigen des' Evangelischen Bundes. Dre ,Kreurztg/ (Dir. 541) bringt eine Besprechung des Werkes von Prof. Dr. Heiner «Der Syllabu» in ultramon­taner und antiultramontaner Beleuchtung." Nach- dem das konservativ« Blatt vorausschickt, daß da- Werk dazu diene, die Katholiken zu stärlen und die Protestanten von den traditionellen Irrtümern über Inhalt und Bedeutung deS SyllabuS zu befreien, schreibt eS weiterhin: „Als Protestant findet man eine sonst uns nicht so leicht zugängliche Belehrung bei Heiner. These für These wird der SyllabuS abgedruckt, über­setzt und mit Erläuterungen versehen. Vielen Protestanten wird es ganz nützlich sein, sich hier zum ersten Male zu überzeugen, was eigentlich der SyllobuS enthält. Große Sorgfalt ist auf die politischen Abschnitte verwandt, deren Inhalt in letzter Zeit am stärksten zu wüster Agitation benutzt wurde. Die sittliche Pflicht, zuvor kennen zu lernen, was mau bekämpfen will, wurde vielfach nicht beher­zigt. Warnen brauchen nicht genannt zu werden. Aus dem Heinerschen Kommentar kann sich jeder­mann über den Sinn und die Tragweite der Sätze nach katholischer Interpretation unterrichten."

§ Friedettsverhandlungen in Südwestafrika fhtlt eine Nachricht in Aussichtvdie über Kap- stadt Londoner Blätter zugegangen. Danach soll wahrscheinlich schon heute fSamstag) eine Friedens- konserenz zwischen den deutschen Behörden und den Aufständischen inDeulsch-Südwestasrikastatt- , finden. Die Nachricht soll von der Kappolftei an der deutschen Grenze stammen. Eine amtliche Be- glaubioung derselben liegt jedoch noch nicht vor.'

* Tie deutschen Delegierten zur Marokko- Konferenz (Botschafter v. Radowitz und Ge­sandter Graf v. Tattenb ach) winden am Don­nerstag vom Reichskanzler Fürsten v. Bülow empfangen. Der Reichskanzler hatte mit den Delegierten eine längere Besprechung.

Parlamentarische Nachrichten.

* Zentrums-Anträge im Reichstage. Das Zentrum beschloß weiter zu beantragen: die Aus­dehnung der obligatorischen Kranken- und Jnvaliden-Versicherung mit höheren Beiträgen der Arbeitgeber. Weiter brachte cs den im vorigen Frühjahre zurückgezogenen Bergge­setz e n t w u r f ein, sowie einen Gesetzentwurf über die gewerbliche Sonntagsruhe, der den Arbeitern an Sonn- und Festtagen 36 Stunden Nnhezeit, an zwei aufeinander solgenden (§ 105 h) Festtagen GO Stunden sichert; und der an solchen Tagen die Arbeitszeit ter Handlungsgehilfen, Lehrlinge und Arbeiter auf höchstens 2 Stunden beschränkt, sofern sie nicht in offenen Verkaufs­stellen hefchäfligt sind; der weiter die ortsstatuta­rische Regelung der Sonntagsruhe dahin gestat­tet, daß die Zulassung der Beschäftigung an be­stimmte Bedingungen geknüpft ist und den in Gast- und Schaniwirtschasten beschäftigten Per­sonen tunlichst Zeit zum Besuche des Gottesdienstes ihrer Konfession jeden Sonntag, mindestens am zweiten Sonntage sichert, • und endlich die Aus­dehnung der Sonntagsruhe auf Bmnenschiffer und für Personen in staatlichen, kommunalen und pri­vaten Verkehrs-Instituten fordert. Weiter brachte das Zentrum einen Gesetz-Antrag ein betreffend ■ ** ik’mwwfcMiui. E,--.-«—. —. «"■uff, Tnrrrrrwrniwcci

bedarf, so bleibt mir nichts anderes übrig, al» wieder zu betraten,"

,.Tas ist ganz recht. Ein Hausstand ohne Weib, ist wie ein Pferd ohne Reiter. Darum tust Du gut, eine neue Frau zu suchen."

„Um es kurz zu machen, frag ich Euch, wollt Ihr mir Eure Mari-Zka zur Frau geben? Schlecht soll sie es bet mir nicht haben, ich habe genug, wie Ihr wißt, für mich und sie, und auch Ihr sollt gut dabei wegkommen, des reichen Fereucz Schwiegermutter soll nicht darben."

Kaum konnte die alte Frau ihre Freude ver­bergen. Tas ging ja schneller als sie selbst gedacht.

„Nun, Lauer, was an mir liegt will ich meine Einwilligung erteilen, aber wie MariSka denkt, das kamt ich für den Augenblick nicht mit Be­stimmtheit sagen."

..So sprecht Ihr zunächst mit Euerer Tochter, und in den nächsten Tagen, vielleicht auch schon morgen, will ich mir die Antwort holen."

Mariska kam zur Mittagszeit vom Felde und war nicht wenig überrascht von dem Dtiste des gebrateneu Fleisches, der das Hans durchzog.

„Was ist denn heute los? Sonst gibt es ja nur an den größten Feiertagen des Jahres Fleisch bei uns", rief sie unter Lachen ihrer Mutter an der Schwelle entgegen.

„Ja, während Du auf dem Felde w-arst, war das Glück bei uns. Doch komm nur schnell und höre, was Dir und mir widerfährt. Der Fereucz war bei mir!"

Finster schaute Mariska auf. „Der Fereucz? Was rvollte denn der bei Dir?"

„Rate, Närrchen!"

„Geh doch mit dem Raten: wie soll ich wissen, was der reiche Mann in einem Hause wollte, wo es nichts zu holen gibt."

„Wa es nichts zu holen gibt? Hot unser Hans denn wirklich nichts zu vergeben? Bitt Du nicht da, eine Dirn, wie man sie weit und breit nicht findet?"

„Und mich hätte der Ferencz zuguterletzt ge­wollt?" rief Mariska erbleichend.

baldigste Regelung der Arbeitszeit jugendlicher Arbeiter über 16 Jahre in Fabriken bis zu höchstens 10 Stunden, desgleichen die Arbeiierinnen, die das Hauswesen zu besorgen haben, in Fabriken bis zu höchstens 9 Stunden; vor Sonn- und Feiertagen höchstens 6 Stunden. Ferner einen be­sonderen Abschnitt der Gewerbeordnung über die Hausindustrie und Heimarbeit mit ausreichenden Schutzbestimmungen, Festsetzung der Registrier- pflicht, Lohnbücher und besonderen Aussicht. Das Zentrum wird ferner einen Gesetzentwurf belr. Handelsinspektion einbringen, sowie An- träge betr. Vereinfachung und Verbilligung des Wechsel vrotestveAahre ns und Festlegung des Be­griffs Handwerk und Fabrik. Fabrikbetriebe mit handwerksmäßig ausgebildeten Arbeitern sollen zu den Kosten der Handwerkerorganisationen für gewerbliche Ausbildung des Handwerkerstandes beitragen. Endlich betreffs des kleinen Besähigungs- nachweises: nur Meistertitelinhaber bürten Lehr­linge halten. Die Grenzen der Zulassung der sreiwill. Invalidenversicherung sollen weiter gezogen werden. Die Zentrumsfraklio» brachte mit Rücksicht auf den Vorteil, welchen dieTarifgemeinschaften in der Buchdruckerei gebracht haben, folgenden Antrag ein: Tie verbündeten Negierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, welcher ausreichende Bestimmungen zur Sicherung und weiteren Ausgestaltung der Tarisgemein- schasten enthält." — Ferner wurde ein Antrag auf Portofreiheit der Pakete an und von Soldaten bis zu 5 Kilogramm eingebracht. Desgleichen ein Antrag, welcher int Interesse der ländlichen Bevölkerung Verbilligung der Telephon-Einrichtung bezw. deren Be­nutzung in den kleineren Ortschaften ver­langt. Desgleichen der im vorigen Jahre nicht erledigte Antrag, wonach die Kosten der Fleisch- schau den Bundesstaaten zur Last fallen. Von den bisher Verpflichteten dürfen Kosten nicht er­hoben werden. •

* An Regierungsvorlagen sind dem Reichs­tag weiterhin zugegangen: ein Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes betr. die Statistik des Warenverkehrs des deutschen Zollgebiets mit dem Anstande, ferner ein zweiter Nachtragsetat zum Neichshaushaltseiat sür 19 )5. Derselbe verlangt 5,050,000 Mark als Zuschuß zur Bestreitung der Ausgaben anläßlich des Ein­geborenen-Aufstandes in Südwest­afrika. D>e Ausgabe ist bestimmt für den Ban einet Eisenbahn von Lüdecitz-Bucht nach Kubnb. Auch der Entwurf einer neuen Maß- und Gewichlsordnung ist dem Reichstage zuge­gangen. Er weist im allgemeinen die gleiche Fassung wie der vorjährige aus. Nur in ein­zelnen Punkten ist es im Anschluß an die im Reichstage gepflogenen Verhandlungen abgeändert und ergänzt worden. Ferner ist dem Reichstag ein Geiehentwiikf betr. die Aenderung des Ge­setzes über den Unter st ützungs Wohnsitz zu­gegangen, sowie ein Gesetzentwurf belr. die Hilfskassen.

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Aus dem Reichstage.

4. Sitzung vom 1. Dezember 1905.

Eröffnung V/a Ubr: Fortsetzung der Be­sprechung der Interpellation betr. die Fleischte n er ung.

Abg. Tr. Dowe (fr. Vgg.) erwidert auf eine Reihe gestern von gegnerischer Seite getanen

„Ja, Dich will der Bauer. Sein Weib sollst Du werden, auf Händen wird er Dich tragen und Deine Wünsche Dir an den Augen ablesen!"

„Di» weißt doch, Mutter, daß ich dem Miklos mciit Wort gegeben habe. 5tn welchen Nus würde ich kommen, wenn ich gelobte Treue wechseln wollte, wie das tägliche Kleid?"

„Habe ich meine Einwilligung zu Deinem Bund mit Miklos schon gegeben?"

„Ich kann Dir hierin nicht gehorchen, Muller, hierin nicht. Und hätte der Ferencz auch alle Schätze der Welt, so fann ich ihn doch nicht heiraten."

„Warum nicht?" fuhr die alte Fran auf. „Des Miklos wegen? Weißt Du nicht, was Deiner wartet, wenn Du bei Deiner Armiit Miklos hei­ratest? Und wo soll ich alte Frau auf meine letz­ten Tage das tägliche Brot suchen, wenn ich nicht mehr arbeiten kann? Betteln müßte ich geben I"

„Mutter!" schreit Mariska auf.

„Erinnere Dich alle Tage, ia jede Stunde daran, daß ich niemals meine Einwilligung zu einer Verbindung mit Miklos gebe, und solltest Du auf Deinem Willen besteben, so wird Dir mein Fluch in Dein HanS folgen", fuhr Kathi unbarmherzig fort.

Ganz betäubt setzte sich Mariska an den Tisch und an jedem Bissen glaubte sie ersticken zu müssen. So sehr sie sich auch zu bezwingen suchte, so konnte sie doch nichts genießen und ging hin­aus m den Garten, warf sich ins Gras nieder und begann bitterlich zu weinen. „Warum mußte ich auch der Eitelkeit nachgeben und mit Ferencz tanzen?" grübelte sie. „Mußte er nicht glauben, daß ich jenen eitlen Dingern ähnlich fei, die sich die Augen ansseben nach dem reichen Bauer. Ich selbst trage Schuld, daß er so weit geht, mich zum Werbe zu begehren. O Miklos, Miklos!" schluchzte sie, „Du Licht meiner Seele, wie kann ich ohne Dich leben. Wie töricht war ich, Neichtlim und Wohlwollen nur einen Augenblick höher zu stellen, als wahre, treue Liebe."

In ihr Jammern und Schluchzen tönte itncr«

Steuerungen; feine Ausführungen sind ohne In­teresse. Tie Tenks^rift bezeichnet Redner unzu­treffend, namentlut) die Behauptung, daß es eine Fleischnot nicht gebe, sei durchaus falsch. Seine weiteren Ausführungen bewegter», sich im Nahmen seiner Ausführungen auf dem Städtetag.

Abg. Stubbendorff (Rp.) betont, daß die Fleischteuerung auf dein Lande und in den Kreis­städten durchaus nicht so stark zu Tage trete, wie in den großen Städten. Uebrigens sei die Teue­rung international und eine Folge der Mißernte. Eine Oeffnung der Grenzen würde den Sinin unserer Viehzucht bedeuten.

Abg. Tr. Pausche (nl.). Seine Partei sei ein­mütig entschlossen, jede Maßregel abzulehnen, die geeignet sein könnte, den intensiveren Schlitz abzu- schwächen. Allerdings sei dem Landwirtschafts- Minister der Vorwurf zu machen, daß die Sache von Anfang au nicht mit der nötigen Wichtigkeit behandelt worden sei. Er bedauere lebhaft, daß scherzhafte Aeußerungen des Miiristers von der Presse aufgebauscht seien, denn er müsse anerken­nen, daß die landwirtschaftliche Verwaltung alles getan habe, um der Sache ernsthaft zu Leibe zu gehen. Seine Freunde seien der Auffassung, daß der jetzige Zustand nur vorübergehend sei und unsere Landwirtschaft den Konsum decken konnte, wenn der nötige Schutz gegen Senchengefahr vor­handen sei. Tie Hanptnrsache der Weiterung sei die Futterniißernte. Auch habe die Furcht vor der Seuckengefahr viele Landwirte zum Abschlachten von Schweinen bewogen. Es sei Pflicht der Re­gierung, die Seuckengefahr möglichst hintan zu halten. Die Grenzen dürften nur dort, wo be­sondere Not bestehe, geöffnet werden, aber unter vollem Schutz der Landwirtschaft. Den Ausfiih- rungen des Abg. Herold über das Zusammen­arbeiten von Stadt und Land stimme er voll und ganz bei. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Graf Neventlow (Wirtsch. Bgg.) billigt durchaus den Standpunkt des Landwirtschafts- Ministers. In iveiterem bespricht Redner, die gestrigen Ausführungen des Abg. Schcidemann (Soz.), die nichts an Inhalt aufznweisen gehabt habe. Redner beschäftigt sich dann eingehend mit den lukrativen städtischen Fleifcksteuern, die er­heblich zur Verteuerung des Fleisches beitrügen. Sich an die Linke des Hanfes wendend, führt er aus, daß sie nur den Konsnmentenstandpunkt ver­trete, der sich mit den Arbeiterinteressen nicht ver­einigen lasse, denn das Wohl der Arbeiter sei bedingt durch das Wohl der Produzenten. Seine Partei seien also die wahren Arbeiterfreunde.

Abg. Tr. v. Skarzvnski (Pole) meint, daß die Teuerung noch nicht so bald anfhvren werde. Seine Partei fei deshalb bereif, für geeignete Ab- tvehrmaßregeln einzutreten. Den Vorschlag des Abg. Herold (Z.) betr. Zusammenwirken von Stadt und Land begrüßt Redner..

Abg. Molkentzr-Hr (Soz.) hält eine kritische Lese der während der Jnterpellationsbesprechnng geäußerten Ansichten über die Ursachen der Teue­rung. Sachlich bemerkenswertes bringt Redner nicht vor. Er erklärt, seine Partei sei durchaus damit einverstanden, nenn die Negierung eine Organisation schaffen wollte, die den Zwischen­handel auSschalien würde.

Minister v. Podbielski kommt noch einmal aus die Frage der Seucheneinschleppung zurück. Auch Dänemark gegenüber sei noch Vorsicht geboten. Daß sich nur 2 % deS dänischen Rindviehs bei der Untersuchung an der Grenze als tuberkulös er­weise, erkläre sich daraus, daß das Vieh Vor der Ausfuhr mit TuberknluS geimpft werde, so daß es auf die Einspritzungen bei der Untersuchung nicht reagiere; bei den Schlachtungen steige der Vrozentsah bis zu 30 und mehr Prozent. Dann kommt der Minister noch einmal auf die gestern von ihm erwähnten Apothekerrechnilngen der

wartet die Stimme ihrer Mutter. „Da liegt das närrische Ding und weint und klagt, als ob ihr eben die Mutter gestorben wäre! Steh auf! Jetzt ist keine Zeit für müßige Gedanken, in wenigen Tagen schon wird Ferencz sich Dein Versprechen holen, und ehe acht Wochen um sind, bist Du des Dorfes größte und reichste Bäuerin."

„Mutter, laß mir mein Glück, ich will es Dir mein ganzes Leben lang danken!"

„„Das glaube ich schon, daß Du es mir danken würdest, aber mit den heftigsten Vorwürfen, weil ich Dich blind ins Elend geben liesst Komm jetzt, damit wir sehen, ob wohl die Leinwand wemg- stens für das Nötigste ausreicht, was Du für die erste Zeit tut Ehestände bedarfst." Rauh faßte sie die Tochter am Arm und führte sie in das Haus.

Währenddem die Mutter das ranne, selbstge- svonnene und gebleichte Seinen auf dem alten Tische ausbreitet und mißt und rechnet, und es doch bei aller Sparsamkeit nicht werter reichen will als auf drei Hemden nebst zwei Nocken und einem Umschlagtuch, sitzt Mariska trostlos an eenr Tiscke und sinnt unb sinnt auf einen Aasweg, der sich ihr nicht zeigen will. „Wenn nur Miklos tarne, dann müßte noch alles gut werden!" denkt sie.

„Nur gut, daß Miklos jetzt nicht kommen kann", denkt die Mutter.

Als Mariska sich zrir Dämmerstunde im Walde befand, kam Ferencz. Anfangs ärgerlich, Mariska nicht vorzusindeu, war er doch auch wieder froh, sie nicht aimtreffen, denn er hoffte von den Wor­ten ihrer Mutter mehr als von fernen eigen-n Ueberredungskünsten. Vor seinem Weggehen ent­nahm er der Tasche feines Nockes ein tn schmutzi­ges, gelbes Papier gehülltes Päckchen, tagte es auf den Tisch unter den kurzen Worten: „Für Mariska!" Unter der Tür kehrte er noch einmal um und sprach: „Morgen komme ich zu derselben Zeit wieder und hoffe. Deine Tochter zu treffen."

(Fortsetzung folgt.)