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Monakbellage: „Fuldaer Geschichtsblätter".

Maer

PerantwortHcbtr Schriftleiter: J. Bannt

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WwSISU. toocbtnbtiiage:„IllustrierteSoimtagszestung"

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Fulda, Samsiaq, Den 2. Dezember 1605.

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Drittes Wlalt.

wochen-Rnn-schau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 2. Dezember 1905.

Das Ereignis, welches der inneren Politik der jetzt verflossenen Woche ihr besonderes Gepräge gab, war die am Dienstag erfolgte Eröffnung des R c i ch s t a g e S. Dieselbe vollzog sich wohl in den üv.ichen Formen, aber in dec Thron­rede, die der Kaiser persönlich verlas, spiegelt sich Oer ganze Ernst der politischen Lage wieder Sie betont zwar ausdrücklich die Friedensliebe Deutschlands, hebt aber auch die Notwendigteit hervor, gegenüber Bestrebungen, welche die Inter­essen Deutschlands in den Hintergrund drängen möchten, die Wehrkraft deS Reiches zu verstärken. Tie Bemerkungen der Thronrede über diese Be- strebungen zielen augenscheinlich auf England und können als eine an dieses gerichtete Warnung be­trachtet werden. Was die Thronrede über die Auf­gaben der inneren Politik sagt, entspricht im all­gemeinen dem, was bisher schon darüber bekannt Tür. Ter Etat, der Gesetzentwurf betr. die Reichs- finanzresorm und die Flottenvorlage find dem Reichstage bereits zugegangen. Auf fozialpol.ti- schem Gebiete scheint etwas „gebremst" werden zu sollen. Wenigstens enthält die Thronrede anker .inem Hinweis auf den Gesetzentwurf betr. dir Rechtsfähigkeit der gewerblichen Berufsvererne keinerlei Ankündigung sozialpolitischer Vor­lagen.

Bezüglich der Verhältnisse in unseren Kolo­nien gibt die Thronrede der Hoffnung Ausdruck daß in Lüdwestafrika durch die Unterwerfung der Witbois der Friede bald hergestellt werde. Hof­fentlich wird dadurch ein Teil der auf 102 Millio­nen bemessenen Kosten für einen Feldzug gegen die aufständischen Eingeborenen dortselbst erspart

Ter Reichstag hat zum ersten Präsidenten wiederum mit großer Stimmenmehrheit den Ab­geordneten Grafen Ballestrem gewählt.

In das Gebiet der durch die Thronrede ener­gisch zurückgewiesenen deutschfeindlichen B e st r e b u n g e n gehören auch die Ausstreuun­gen der Auslandsvresse über eine beabsichtigte Einmischung Deutschlands in die r « s° f i f ch - polnische Angelegenheit, welche trotz der schärfsten offiziösen Dementis von deut­scher und russischer Seite noch immer ihr Leben fristen. Tahin gehört ferner auch eine in den letzten Tagen aufgetauchte augenfällige Fälschung, die mit einem angeblichen Vertrage zwischen Deutschland und Rußland aus dem Jahre 1871 operiert, nach welchem zwi­schen diesen beiden Staaten eine Austeilung Oester­reichs vereinbart worden fein soll. Schließlich rech­nen wir zu icnen Bestrebungen auch noch die un­freundliche Manier, mit welcher man von engli­scher Seite aus eine in englischen Blättern aufge- kommene Meldung von einer Beteiligung des englischen K ö n i g s p a a r e s an der Feier der ülbernen Hochzeit des deutschen Kalserpaares dementierte. Die Kommentare, welche an büfe= durch die längst feststehende Absicht unseres Kai- 'er^-mres, ihre Silberhochzeit im engsten Famil'"n- freife 'u begehen, als vollständig gegenstandslos charakterisierte Dementi geknüpft wurden, zeugten jedenfalls nicht von besonders warmen Beziehun­gen zwischen Deutschland und England. Möglicher­weise werden auch an das Unterbleiben des Be­suches des Königs von Portugal in Ber­lin, das nunmehr infolge veränderter Tisvositio- .icn zu erwarten ist, allerlei Deutschland ungünstige Bemerkungen aeknüvft werden. Demgegenüber ist es von Tnteresse, von vornherein festzustellen, daß von zuständiger Seite das obfalntc Fehlen non polnischen Motiven in diesem Falle betont Wied.

In Oesterreich ist am Dienstag das Ah. t,eordnefe"t.g„s wieder eröffnet worden. Der Mi nisterpeesidsnt von Goutsch bat die Vorlegung ei«er W"hlretorm zugesagt, die das allgemeine Wahlrecht, allerdings mit erheblichen Einschrän­kungen. bringen dürfte. Der Eröffnung d^ Par­laments gingen in Wien und in anderen Stadien De'nanstrat'anen der Sozialdemokraten voraus, die an verschiedenen Orten zu Zusammenstößen mit der b-maffneten M->chf führten. In Ungarn n<*T-t h»e Regierung fetzt scharf aeaen die renitenten Komstate vor; in Budapest ist das Komitatshaus mit Hilfe der Polwei geschloffen worden.

Rußland erlebt zur Abwechslung wieder einmal eine Militärrevolte. In Sebastopol hat sich ein Teil der Matrosen der dort vor Anker liege-den russischen Kriegsschiffe embört, ein Teil ber Garnison bat sich ihnen angeschlosien. Zahl­reiche Offiziere find getötet worden. Heber die Stadt ist der Belagerungszustand verhängt wor­den. Inzwischen tagt in Moskau der Semstwo- Konareß. Derselbe hat weitgehende Reformen für die innere Verwaltung verlangt, außerdem aber auch Autonomie für Polen.

DieFlo11endemonstration der Macht- gegen die Türkei ist im Gange, da die Pforte sich in Bezug auf die Finanzreform in Makedonien renitent verhielt. Die Demonstrationsflotte bat in Mvtbnlenc eine Anzahl Trupnen ausgeschifft und das Zollamt und andere Punkte der Stadt okku­piert. Von einem Nachgeben der Pforte wird aber noch nichts gemeldet.

Der neue König von Norwegen hat am Sonnabend seinen Einzug in Christiania gehalten, von der Bevölkerung aufs wärmste begrüßt. Am Dienstag erfolgte die feierliche Eidesleistung des Königs.

In England gab es in der vergangenen Woche eine Kobinettskrists. Das Kabinett Balfour zeigte große Lust zu demissionieren. In letzter Stunde hat es aber von dieser Absicht Abstand

genommen. Sein Leben dürfte jedoch nur auf wenige Wochen bemessen sein.

Eine Erhebung in Katalonien beunruhigt augeublickl'ch wieder Spanien. Dec aus Cuba bekannte General Weyler ist mit der Unterdrück­ung derselben beauftragt.

* Vie Herero.

Unter dem Titel „Krieg und Frieden im Hererolanbe" ist von Dr. E. Th. Förster im Kommrstionsverlaae bei L. A. Kittler-Leipng ein Buch herausgegeben worden, da« den Farmer Konrad Rust in Windhuk zum Verfasier hat. Rust, der gleich zu Anfang des Hereroaufstandes von seiner Farm Mo> te Christo nach Windhuk flüchtete, ist, wie er gleich im Vorwort mitteilt, gleich Januar 1904 von dem Garnison- kommandanten von Windhuk, Hauptmann von Francois, veranlaßt worden, Aufzeichnungen über den Hereroaufstand zu machen, die et dann, für den eigentlichen Hererokrieg unter Benutzung amtlicher Quellen, bis zum Dezember 1904 fort- geführt hat.

Rust ist aus der Kapkolonie in da- füdwest- afrikanische Schutzgebiet eingewandert, also ein Kenner des schwarzen Bevölkerungselements in Airika im allgemeinen. Sehr inteieffont sind die Ausführungen, die er über Lebensgewohn­heiten, Sitten und Charakter der Herero macht, die er in seiner Tätigkeit als Farmer zur Genüge kennen zu lernen Gelegenheit hatte.

lieber die Kleidung der Herero erzählt Rust: Die Bekleidung des heidnischen Herero, ausschließlich aus Fellen bestehend, ist bei Mann wie Weib die denkbar einfachste, es wird jedoch großer Wert auf das gute Sitzen derselb-n ge­legt. Um das Gewand absichtsgemäß sich dem Körper anfchmiegen zu lassen, ist Geschmeidigkeit des Materials erste Bedingung. Dam eignen sich nicht alle Felle Am beliebtesten bei ihnen 4int) solche vom Deuker, Springbock, Klippbock u. s. w., die sie mit Hilfe des Gewehrs, der Sch'inge und anderen Fangvorrichtungen erlegen. Rachbem das Fell dem Wildbock vorsichtig obge­nommen ist, wird es zufammengefaltet und an einer Stelle im feuchten Erdboden begraben, wo die Sonne gehörig einwirken kann. Der Zweck deS Vergrabens ist das Lockern der Haare. Je nach der Jahreszeit verbleibt es da ein bis bi ei Tage; im Winter länger als im Sommer. Fanoen die Haare an, los zu lassen, dann werden sie abgerupft Ouer mit einem aus Holz oder Eisen angefertigten Gerät entfernt. Darauf beginnt sofort das Gerbeoeschäst. Das Fell wird fortwährend mit den Händen geknetet und gezogen, auch zuweilen mit den Fußen getreten, bis der Fenchtigkeitsgebglt bis auf geringe Reste geichwunden ist. Dann wird es ' eingefettet und der Prozeß nochmals ; wiederholt. Wir lernen den Herero allo gleich als Industriellen kennen. Erwachsene Personen bedürfen der Felle, zwei, vor und hinten je ein», die auf den Hüsten schließen. Was bedeckt werden soll, wird damit vollständig bedeckt, so­wohl beim Gehen, Stehen und S hen. Beim Niedersetzen entfaltet der so bekleidete Herero große Gewandtheit iw Zurück- bezw. Unter­schlagen heitrer Felle, damit das Schamgefühl airch nicht im mindesten verletzt wird. Die Kleinen und Halbwüchsigen begnüaen sich mit einem Fell; das für die Schattenfeile bestimmte wird gewöhnlich durch Schnüre oder Riemen er- setzt. Befestigt wird das ganze mit einem über den Hüften eng anliegenden Ledergurt. Sehr in Ausnahme gekommen sind in letzter Zeit die mo­dernen Ledergürtel mit Schnallen, und wenn­gleich die Schnalle vom Schurzfell völlig bedeckt wird, io ändert das nichts an dem Wunsche, sie zu besitzen. Aehnlich verhält es sich mit dem im Auslände angefertigten Lederschuh, besonders dem Feldschuh. Sofern er diesen als Fußbe­kleidung haben kann, verzichtet er gern auf den selbst fabrizierten: andernfalls nimmt er auch mit der bloßen Sohle für lieb, die er kunstgerecht am Fuße zu befestigen versteht. Aus feinem Kopse duldet der Heide nur selten mehr als seine eigene Wolle, das Kopfhaar. Hut und Kopftuch werden zuweilen da angetroffen, wo die Kultur anfängt, auf ihn einruwirken. Mein alter Kuh­hirt äußerte dann und wann sogar den Wunsch nach einem Ueberzieber, um seine edle Haut vor dem Regen sicherzustellen. Das weit hallende Gelächter, womit dieser Wunsch von feiten der ubriaen Hirten stets begleitet wurde, ließ ibn jedoch bald Abstand davon nehmen. Auch ein Hemd wollte er. Als er nun eines Tages ein solches erhielt, und zwar eins, das beinahe den Ueberzieber ersetzt hätte, trug er es nicht. Auf die Frage, wo daS Hemd fei, antwortete er: beim Jakob in der Kiste. Das war die Wahr- heü. Ader er hatte es für eine Ziege vertauscht, und es war nun das Eigentum besten, der es eingeschloffen hielt. — Perlenschnuren an Hals und Handgelenk sind ein viel begehrter Schmuck. Ein fast bei allen Erwachsenen und Halb­wüchsigen anzutreffendes Ausrüstuiwsstück ist das am Leibgurt befestigte Lederlä'chchen, das zur Aufnahme des Messers, der Tabakzp'eife und des Tabaks dient. Sieben diesem hängt ein etwa 5 Zentimeter langes, 1 Zentimeter breites Holzstäbchen mit 7 Lochern, und au diesem ein

dünner Stift aus Holz oder Knochen. Die sieben Löcher stellen die sieben Wochentage dar, und da­mit er sich nicht irrt, wird an jedem Morgen der Stift ein lioef) roeit t gesteckt. Der Kalender läßt wobl an Einfachheit nicht- zu wünschen übrig. Für die Monate ist der Mond bestimmt. Weben der Tabakspfeife behauptet auch die Zunderdose ihre Stelle. Der ihm gleichzeitig al- Waffe dienende Kirri (Knotenstock aus schwerem Holz) vervollständigt die Ausrüstung des Heiden.

Die Heidin verrät in ihrer Kleidung einen gewissen Schick. Das lofe Fellgewand, besten Farbe ber Hautfarbe ber Trägerin aus ein Haar ähnelt, läßt Arme, Brust« und Magengegenb ziemlich frei; die Leistengegend umschließt es in ähnlicher Weise wie die des Mannes. Das flame reicht etwa eine Handbreit bis unter die Knie. Form und Größe machen e- notwendig, mehrere Felle zu verwenden, die mitt. 18 Radel und Sehne zufammengenäht werden. Die Gleichmäßigkeit des „Teint" und der Farbe des Gewandes erzielen sie durch einen Farbstoff, den eine Kameldornark liefert und besten kosmetische Eigenichasten auch ben nötigen Wohlgeruch abfleben. Der innerste braunrote Holzkern bieses Baumes wird pulveri­siert und mit Fett zu einer Salbe verrieben. Zur Er>eugung des unausstehlichen „Wohlgeruchs" sowie als Schminke gebrauchen ihn wst alle Ein­geborenen ber Kolonie, bic Rama obenan. Das Gesicht der letzteren gewinnt ba^urch zuweilen ein narrenhaftes Aussehen. — lieber dem Fuß­gelenk beider Beine erheben sich schwere ans Eisen, Zinn, Blei ober ähnlichem Metall ange­fertigte Kugestchnüre, und zwar oft fo zahlreich, baß man ein Fort bewegen dieser Extremitäten kaum für möglich halten sollte. Die Schmächtig­keit ber Beine soll mit ber Schwere viel zu tun haben. Ott beobachtet man einen wahren Kugel­strumpf. Hals- und Handgelenke zieren Schnüre von Perlen, bas beliebte Schmuckmifel. Das Charakteristische an ber ganzen Figur ist bie Kop bebeckung, ein helmartiges, burchweg aus Leder bestehendes Fabrikat, auf dem sich eine Art Dreizan erhebt. Währenb bas Gesicht völlig frei ist, wallen nach bem Racken und Rücken e n dichter Lederschleier und lange franzenartige Riemen von Bleistiftdicke herab; biefe Franren tragen als weitere Verzierung ebenfalls kugel- ringartige, metallene Gebilde. Alles aus Fellen bestehende trägt bie Hautfarbe ber Perlon, auf der sich das glänzende Metall recht hübsch ab- hebt. Auf diese Kop'bedeckung wie das ganze „Kostüm" ist die Heidin nicht wenig stolz; in der ganzen Haltung, Blick und Geste prägt sich da- deutlich aus.

Hand in Hand mit ber Kleibung des Kultur-Herero geht ein hoher Grad von Dünkel und Hochmut, Eigenschaften, die mit denen des Herero-Christentums identisch sind. Wenn ein fo gestiefelter Aristokrat einherstolziert, denkt er offenbar: was kostet die Welt. Ob her Anwg beia' lt ist ober nicht, ob er je in bie Lage kommt, ihn bezahlen zu können, kümmert ihn nicht. Ist es aber gelungen, einen Händler anwmopsen, bann hätt es schwer, festzustellen, ob bie bei seinen schwarzen Brüdern zutage trefenbe Verwunderung dem Anzug, dem Händler oder ber Frechheit gilt, mit ber er es verstanden, den Gläubiger hereinzulegen. Schlechte Ware fault ber Herero nur bann, wenn er keine an« bete bekommen kann. Weniger oenau nehmen sie es mit dem Reinhallen ber Meidling. Und so kommt es denn auch recht häufig vor, baß unter einem nagelneuen Jackett ein recht schmutziges Hemb bervorlugt; auch kommt es vor, daß so ein Robili gar kein Hemd anhat und dasselbe durch Manschetten markiert. Deshalb tragen viele mit Vorliebe solche Modelle, bie bis oben zugeknöpft werben können. Der gewöhnliche roeiblidre Herero-Mensch trägt überhaupt kein Hemd; und wenn ein solches als unbedingt zum Kle-de gehörend gekauft wird, bann kommt's nicht eher vom Leibe herunter, bis es eine ab« faüenbe Tendenz behmb't.

Eine auf der Hererowerft oft angetroffene Kuliurerfcheinung ist der Sonnenschirm, lieber ben Zweck befragt, sagten sie: die Weißen ge­brauchen das Ding, warum auch wir nicht. Und geradezu wütend wirb so ein farbiges Dämchen, wenn die Teintfrage zur Erörterung gelangt. Man glaube doch ja nicht, daß die Herero nicht auch ihre Hautpflege haben. Anstatt jedoch für gehörige Oeffnung der Poren Sorge zu tragen, werden sie mit Salbe und Fetten verschmiert. Tie starke Sekretion ber Haut scheint indes; da­durch eher gefördert a-s an ihren Funktionen behindert zu werben. Und je glänzender solch ein eingefettetes Antlitz, desto effekwoller. — Weniger Sorgfalt verwendet der Herero auf fein Kopfhaar. Gekämmt wird es feiten, und wenn dies gelegentlich ber Fall, entsteht auch einmal das, was man Frisur nennt. Diejenigen, bie sich mit bem Barte nicht abjuftnben vermögen, ziehen bie Büschel haarweise mit einer klein n Zange aus. Kovsläu'e trifft man beim Herero weniger; dagegen zählt bie Kleide'laus zu den gepflegtsten Lieblingen, — sie ist Kultur^rnosse ber Wanze.

Dr. k. Weihnachtsherschau <905- iii.

Der Verlag von Kirchheim & Co. in Mainz (München) bietet in diesem Jahre als seine be­deutendste und vornehmste Neuheit das in 20 Lieferungen L 1,50 M erscheinende Prachtwerk in Gros'oliv: „D i e B i b el i n d e r K u n st". Es ist un eii.„.g^rtiges Unternehmen, keineswegs eine zusammenhängende illustrierte Bibel, sondern eine zwanglose 3tcii,e von größtenteils alttestamen- tarischen Szenen, 97 mit vollendeter Technik au?» geführte Gravüren nach Bildern von 26 hervor­ragenden modernen Künstlern aus allen Kultur­ländern. Der den einzelnen Szenen in schöner Schrift gegenübergestellte Begleittext ist der neue­sten Bibelübersetzung des Jesuiten Augustin Arndt entnommen.

Von Kirchheims „Weltgeschichte in Charakterbildern" (herausgegeben von den Universitätsprofessoren Dr. Kämpers, Dr. Merkle und Tr. Spahn) wurden binnen Jahres­frist wieder vier neue Bände ausgegeben. (Ge­bunden je 4 J(.) Universitätsprofessor Dr. Gustav Schnürer in Freiburg (Schweiz) bat sich durch fein streng objektives anellenmäßiges Charakter­bild „Franz von Assisi" (Tie Vertiefung des religiösen Lebens zur Zeit der Kreuzzige) ein wirkliches Verdienst erworben. Seine fnai be. gemeinverständliche Studie zeigt Franz von Astsi als demütigen Sohn der Kirche. ohne im Konflikt seines Idealismus mit den Gelehrten seines £ r- dens irgend etwas zu bemänteln. 73 zum TU sehr wertvolle Illustrationen zieren den Bauz.

General Karl von Landmann, der früher* Direktor der bayer. Kriegsakchemie, der sich durch seinen „Napoleon I." in der Galerie der ..Charak­terbilder" bereits rühmlichst einführte, stellt den großen österreichischen Feldherrn und Staatsmann „Vrinz Eugen von Savoven" in den Mittelpunkt seines neuen Charakterbildes, das „Tie Begri'm- dunq der Großmachtstellung Oesterreich-Ungarns" zu Ende des 17. und Anfana des 18. Jahrhunderts zum Gegenstände nahm. Ritter von Landmann hat seine Aufaabe alänzend oelöst: große Grsichts- vnnkte. klare Darstellung, knappe Form »richnen seine Arbeit aus. Der Text ist durch 103 Ab- bild"ngen anregend belebt.

Ein bedeutsames Charakterbild „Beethoven" (Tie Zeit des ttsaNi-ismuH) entwirft der af ’ Kem- vonist und Mullkl-hriststeller bekannte Mainzer Brall>llor Dr. Friß wickhach. (M-t 4 Beilaaen und 03 Abbildungen.) Die fchr i-tteress-mte. arohtfiriae Studie will, wie der Verfallen in der Porn-'de be­tont, weniaer eine BiograMue des arohen Meillers sein, als vielmehr feine Antaabe im ("stnrhistori- schen und philasoubischen Sinne erfassen.

Unter dem Titel „Kaiser Marimilian I." ent­wirft Brivat^o'eut Dr. Mar Jansen ein auf nm- lassende archivalische und Literatur-Studien ge­sinntes Bild einer wichtigen Evoche der de"tschen Gesch'll'te, die durch den Untertitel „Auflösung des Reiches. Reues Kulturleben" kuapu aekenn- zeichnet ist. 80 zum Teil seltene Illustrationen beleben den Tert.

Arthur Achleitner, der früher einmal andere lRege einlchlua. tritt in den lebten Jahren als wirkuna-waiser Anwalt des" Katholizismus und des katt-elilchen ST!ri'”’,erifav'se$ hervor. Sein „Ei s ka v la n" und feine „Portiunkula" haben verdiente Anerkennuua oehtube”, wenn es- auch an Bemänaelunaen nach der rein künstle­rischen Seite ni'Kt gefehlt bat. Als glänzender Erzähler und Schilderer bat Achleitner einen Ruf, der durch feine Darstellunaen aus dem Priester« lebeu der Geaenwart nur befestiat werden konnte. Sein hohes Talent tritt auch in dem auf drei Bände berechneten „Greaorius Sturmfried" her­vor, dellen erster und zweiter Baud. „Der Dork- hfarrer" und ..Der Stadtpfarrer" (aeb. ie <M 5.—t in einem dritten Bande ..Kanonikus Sturmfried" ihren Abschluß linden sollen. Einen rein künst­lerischen Maßstab darf man an diese Zeitbildev nicht anleaen. wber im groben und ganzen bin- terfaffen die bmsen borfielenben Bände den Ein­druck der Befriediaung. Manche Eiuzel-üae finb- meifterhaft entwickelt und von nnw'ttelh'-e- Lebenstreue.

Künstlerisch höher im Morte steht Achleitners „Jerusalem", ein Zeitbild aus ber Stadt (Salonband M 4 SO). De^ P^tgster ent= mirft ein farbenp-"chtiges, plastisch gr"^hares Bild der Stadt Jerusalem und der heiligen Stat- ten und schildert in erschütternden Szenen die häßlichen S'-’ifpEre um bert Vorrang am heiligen Grabe.

In vorzüolicher, feinsinniger Uebertragvng hat Walther Egaert-Windegg d»m deutschen Pub­likum den berühmten Roman Paul BourgetS- ''Mitglied der französischen Akademie) „Eheschei­dung" ''nalonbanb JC 4,50) zugänglich gemacht. Paul Lourget ist zweifellos einer der hervor­ragendsten und geistreichsten französischen Ro­manciers ber Gegenwart. Seine hn Rahmen einer vielverschlunaenen Handlung mit zwingen­der Loaik entwickelte Widerlegung aller für die Auflösbarkeit der Ebe vorgebrachten Truggründe llempelt daher den Roman zu einer epochemachen­den Erscheinung.

Johannes Jörgenlens , Der jüngste Tag" (geb. '' 3,50), aus dem Dänif^-eu überseht von Bern- i arb Mann, und „Parabeln" (geb. M 1,50), über­setzt von Henrittte Gräfin Holstein-Ledr-'horg, ’iaben bei -hrem ersten Erscheinen großes, berech- ngtes Aufsehen erregt. Auch die akatboliiche Kritik kon>'w dein geistvollen dänischen Tichrer, der sich vom glaubenlosen Radikalismus und fri­voler Le'chlebigkeit zu ernster katholischer Welt­anschauung bekehrte, die Anerkennung ehrlicher Ueberzeu-M'.ng und ungeminderter dichteris^er Größe nicht versagen. Beide Bände liegen jetzt in zweiter Auflage vor.