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irfdieint täglich, mit Rusnobme der Sonn- und Feiertage, vlerlel- jährl. vezuaspre'* ohne Bringer lot n und 8ent0gtl6inSul6a und auswärts! Ml 50 psg.

Verantwortlicher Schriftleiter: 3- Bannt; für die »n,etaen 3. Par, Iler in Hulda.

Zuldaer

wochenbeilage: „Illustrierte §onntags;eltung"

Zeitung

Monakbeiiaze: „Kildaer Geschichtsblätter".

Anzeigen: Sie ei« fpaltigt petltzelle oder deren Raunt 15 psg. Eetlamen die prlltzeiie 25 psg.: btt Wieder­holungen wird etttspr. Rabatt gewahrt.

Rotattonsdruck u. Verlag »er >uldaer Re« tiendruaeret in fiulfca. siernlpre ver Nr. 9.

M z75.

Fulda, Freitaq, den 1. Dezember LE.

3>*. Jahraanq.

Zweites Alcrtt.

* Jus dem „missrusjhustlicheu" Rurilälruliubmel der Sonaliiemoliriitit.

Um Abkülte zu schaffen der geistigen 9lot des Arbeilerstandes, dem die herrschenden Klaffen wahre Bildung und echtes Wissen vorenlhailen. hat der Varstand des sozialdemokratischen Zen­tralverbandes der Maurer Deutschlands es für angezeigt erachtet, die Artikel, welche Genoffe Frohme in den .Grundstein' geschrieben, als Buch herauszugeben. Dasselbe trägt den etwas langatmigen Titel: ^Arbeit und Kultur. Eine Kombination naturwissemchastlicher, anthro­pologischer, kulturgeschichtlicher, volkswirtschaft­licher und sozialpolitischer Studien." Die gante „Kombination" für den Preis von 2 Mark ist gewiß blUig.

Ein altes lateinisches Sprüchwort sagt: Timeo virum unim bhri; Ja; fürchte den Mann, der auch nur ein einziges Buch gründ­lich studiert hat. Wer dieies Sprüchwort kennt, mag ermessen, mit welcher zähneklavpernden Furcht wir uns an die Lektüre dieser Frvhme'- schen „Kombination" gemacht, in der laut Titel ein ganzes Heer von Wissenschaften verarbeitet ist. Aber unsere Angst machte unbändiger Heiterkeit Platz, je weiter wir lafen. Bor kurzem hat ein Schalk uns getagt: Es soll Leute geben, die einen Rau ch bekommen, wenn sie an einer Bierbrauerei vor beikämen; so gäbe es auch im geistigen Leden Leute, die einen Rausch bekommen, wenn sie an einer Bibliothek vorberkämen, die ioüenbg das verworrenste Zeug reden, wenn sie gar das Jnhaltsrearster des einen oder andern Buches geleren. Daß uns bei der Lektüre des Frohme'ichen Buckes die'er boshafte Vergleich einfiel, ist unsere Schuld wahrlich nicht.

Einige Stichproben mögen zeigen, daß wir dem neuen ©fern am Himmel der foz'crldemo- kraiiscken Wlssenschaft nicht unrecht tun, wenn wir ihn nicht für einen Stern, sondern für ein Irrlicht halten

Der Naturforscher Frohme verkündet (Senk 8'), daß mit Laplace's „Feststellungen", wonach alle Weltkörper uriprünglich aus rotie­renden yiehelhäüen durch Verdichtung entstanden sind, die sämilichen anorganischen Naiurwisserr- fchasten vollends und ein für allemal von der Vorstellung eines göttlichen Schöpfungsaktes be­freit und atheistisch gemacht wurden."

Das Tollte allerdings ein Mann wissen, der über diele Dinge schreiben will, daß Lapwce gar nichts „iestgesteUl", sondern eine Hypothe e auf« ae'iellt hat, die beute bereits als preisgegeben benachtel werden kann, sowie daß weder Koperni- lus noch Galilei noch Newtown noch Laplace 9li heilt en waren, es ihnen allen gar nicht einge- fai en ist, e ne Wiffenschatt atheistiich zu machen. Das alles wüßte jeder, der sich etwas nach den Dingen, von denen er spricht, umaesehen und nickt einfach gedankenlos — Häckel nachge­schrieben hätte

Nach dem Anthropol ogen Frohme iS. 20) ist der Nrmemch ein affenartiges We en in bockender Stellung, das noch aus Bäumen lebt

□ Der Retter in der Not.

Novelle von Otto Rupertus.

»Und ich sage Ihnen, gnädiges Fräulein, meine Hypothese, daß die erratischen Blöcke" — Weiter fain der junge, gelehrte Herr Professor nicht ini: seinem Vortrag, den er einer reizenden Blondine zu halten sich anschickte, denn ein naseweiser Back­fisch unterbrach ihn mit den schnippischen Worten: „Daß die erratischen Blöcke jedenfalls vernünftiger gewesen wären, als Sie, Herr Professor, wenn sie ein so schönes Vis-L-vis gehabt hättenI"

„Aber Erna, willst Du wohl schweigen", rief die junge Dame, und eine Blutwelle färbte ihr Gesicht in lieblicher Nöte, „was soll der Herr Pro­fessor von Dir denken?"

^.Js mich janz ejal", murmelte das Enfant terrible halblaut und fuhr dann, im Bewußtsein, baß das Recht auf ihrer Seite stehe, kampfbereit a ' m,rcirn Unwillen Lust zu machen: „Jawohl Herr Professor, es ist unverantwortlich von Ihnen, meine ihiftne hier mit Ihren gelehrten Abhand­lungen und Hypotheken ober Hypothesen, was weiß ich, zu quälen, während die ganze Gesellschaft sich amiisiert, Sie Barbar!" Und mit einem spöttifchen Kn ix drehte sie dem Verblüfften den Rücken und schlug sich seitwärts in die Büsche, d. h. sie gesellte sich zu dem lustigen Kreis, dem sie Bericht erstattete über den Erfolg ihrer Mission.

„Na, Erna, hast Tu sie losgeeist? Kommt Lily bald oder muß sie noch einen Kursus in der Keil­schrist durchmachen?" — So schwirrte es durch die Luft und der Backfisch fühlte sich nicht wenig und mit Stolz wies er auf die herannahende Lily hin, in die geflügelten Worte ausbrechend: „Siehste wohl, da kimmt fe". Und wirklich, sie kam, wie es schien, recht fröhlich gestimmt, denn das Privaiis- simum beim Herrn Professor, der so schöne Augen hatte, wenn sie auch durch die garstige Brille be­einträchtigt wurden, mußte doch seinen Reiz haben

„Lily, endlich" und sofort sah sie sich von einem Dutzend junger Mädchen umringt. — „Endlich, !

und nicht sprechen kann; aber er steigt von den Bäumen herunter, geht aufrecht und — spricht! und der Mensch ist fertig. So was kommt nicht einmal in Märchenbüchern vor; wer's nicht glaubt, zahlt einen Taler!

Nach dem Kulturhistoriker Frohme blitzt diesem so von den Bäumen gefallenen Menschen der Gedanke auf, „Mühe und Arbeit zu sparen und diese möglichst fruchtbringend zu gestatten" 'S. 31). Das führt ihn dann zur Erfindung der Werkzeuge.

Hätte sich doch auch der weisheitstrunkege Genoffe die Frage gestellt, warum gerade der Mensch auf den Gedanken kam, Werkzeuge an- zuseriigen, und nicht auch seine Ahnen, die Affen? Er bringt ein Zitat aus Laiarus Geiger über die Erfindung des Hammers, das lautet: „So groß der Gegensatz einer Dampfmaschine unserer Tage mit dem ältesten Stembammer immer fein mag: dasjenige Geschöpf, das zuerst seine Hand mit einem solchen Werkzeug bewaff­nete, vielleicht eine Frucht zum ersten Male auf diele Weile einer harten Schale abgewann, es mußte, so scheint es, einen Hauch seines Geistes in sich spüren, der einen Entdecker unserer Zeit unter dem Ausblitzen eines neuen Gedankens be­seelt" (S. 47). Dieses Zitat hätte ihn auf den richtigen Weg führen können, denn natürlich konnte dieser Urmenich kein Idiot, kein Halb­tier, kein Dummkops fein, da er den Kampf um's Dasein in den schwersten Verhältnissen führen und dazu alle Waffen, Werkzeuge, Zubereitung der Nahrungsmittel nfw. erst er finden mußte; ja er mußte einen Entdeckergeist haben, und »war nicht blos einen Hauch davon! kurz er mußte ein ganz normales Menschenkind sein und war es auch, wie uns heute noch seine Waffen und Geräte belebten!

Der Theologe Frohme hat riesiges Pech, wo er immer in die Theologie hmeinpstischt.

Daß der Bau be§ babylonischen Turmes wegen eines Streiks eingestellt wurde (S. 173) und der jüdische und auch babyioniicke Sabbat daher stammt, daß die Fronarbeiter einen Ruhe­tag in der Arbeit brauchten, eine Notwendigkeit, von welcher die Juden in ihrer Knechtschall in Aegyp'en sich zu überzeugen Gelegenheit hatten (S. 100) — das sind Dinge, die unseren Ästyno- logen, Aegyptologen und Ätttestamentlein bisher entgangen; sie seien hiermit nachdrücklichst darauf aufmerksam gemacht.

Mit welcher Aufmerksamkeit der Genosse die Bibel durchsorscht hat, ergibt sich daran«, daß nach ihm im „.Wiegenatter der Geschichte' .das unheilvolle, mit religiösen Vorstellungen ver­quickte soziale Dogma des bevormundeten Geistes der Machtt (sic!) besieht, daß die Arbeit niedrig und verächtlich, ein Fluch oder eine Strafe sei/" Offenbar hat der tiesbohrende Forscher nicht einmal das erste Blatt der Bibel gelesen, wo die Arbeit betrachtet und behandelt wird als des Menschen naturgemäße Bestimmung schon vor dem Siindensall, wie nach biblncher Darstellung der Mensch überhaupt mit dem Auftrag zur Kui urarbeit aus Gottes Schöpferhand heroorgeht.

Der Gedanke der Erziehung zur Arbeit stammt nach Frohme von Amos Komenius, aus dem 17. Jahrhundert, daß tue katholische» Orden, die Benediktiner, die Erziehung zur Ar­beit in ihrem Wahlspruch ora et labora zum Ausdruck bringen und mehr als ein volles Ja!>r-

nun gibt's aber kein Entrinnen mehr, jetzt mußt Du uns etwas Vorspielen, wir warten schon mit Schmerzen auf unsere Klavierkünstlerin."

„Schließe mich ben verehrten Damen völlig an, gnädiges Fräulein, kann kaum erwarten, bis Gnädige ihren Finger durch die Saiten meistert und seelenvolle Harmonien wimmeln läßt," ließ sich ein etwas blasiert aussehender Dragoner-Ritt­meister vernehmen, das Monocle ins Äuge klem­mend, indem er sich verneigte: „brenne förmlich darauf, zur Statue entgeistert zu werden, wie Goethe so schön sagt."

„Schiller"! ertönte in den Hinteren Reiher, eine Stimme, die sich unschwer als die des Back­fisches hätte feststellen lassen. Ein schlecht ui-ter- drücktes Gekicher drang aus dem Damenflor, beim der Jünger des Mars mit den spärlichen Haaren und dem gezierten Wesen stand wohl bei den Müt­tern, da er Besitzer ausgedehnter Güter und, trotz seiner 45 Jahre noch immer nicht in den Hafen der Ehe eingelaufen, toar, in hohem Ansehen, dafür aber konnte ihn die junge Welt umsoweniger lei­den und oft genug bildete er das Ziel des Spottes, dessen Spitze er aber selten auf sich bezog, weil er sich über allzugroße Intelligenz nicht beklagen konnte. —

Von allen Seiten bestürmte man nun Lily und der alte, würdige Herr Geheimrat, in dessen Hans die kleine Festlichkeit stattfand, trat zu seiner Nichte, um sie zum Klavier zu geleiten.

„Aber, Onkelchen, Du weißt doch, ich kann ab­solut nichts auswendig spielen und von eurem Notenschrank bat Ernchen 'mal wieder den Schlüssel verlegt, wie sie mir vorhin eingestand."

„Na, Kind, das ist aber wirklich schade, wir hatten uns alle schon so sehr auf den Genuß ge­freut! He! Erna, antreten!"

Doch Ernchen hatte sich wohlweislich längst rückwärts konzentriert, denn sie kannte das bä'.er­liche „Antreten", das sich täglich einigemale wieder­holte, bei welcher Gelegenheit es jedesmal eine mehr oder weniger geharnischte Standrede absetzte. — Schon schickte man sich an, eines jener beliebten Pfänderspiele in Vorschlag zu bringen, deren

lausend vorher praktisch geübt haben in der Er­ziehung der germanischen Barbarenvölker zur Arbeit — so was sieht ein großes Genie gar nicht!

Daß die Kirchenväter „Johannes Chrysosto- mus, Klemens, Augustin, Ambrosius uno andere den ablolulesten wirtschaftlichen Kommunismus gepredigt", weiß Frohme ebenfalls zu erzählen, obwohl er, wie das fchon seine Auszählung zeigt, nicht einen einzigen davon gelestn hat! Aus dieser tiefgründigen Vorarbeit erklärt sich auch die weitere Behauptung: diele alle kom­munistische, kirchenväterliche Eigenlumslebre habe Thomas von Aqnin umgestürzt (S. 331 und dafür die Lehre von der „Herrschaft des Privat­eigentums" und der ,.Unfreiheit der Arbeit" ein­geführt <S. 332). Schon der Umstand, daß es Leute gegeben bat, welche Thomas von Aqnin zum Vater des Kommunismus und Sozialismus haben machen wollen, hätten Frohme abhalten sollen, in seiner Weise über Thomas von Aqnin zu urteilen, ganz abgesehen davon, daß er Über­haupt von dessen Schriften nie etwas in der Hand gehabt. Was brauchi's auch lolcker Ar­beit bei den sozialdemokratischen Schriftstellern! Mögen andere studieren, dies' kombinieren."

Das Resultat ist freilich and) danach! Das Reiultat der Frohmestcken „Kombinationen" er­innert uns an einen jüngst gelesenen Aphoris­mus von Pau'.y, der mit roenioen Abänderungen für unteren fpeueüen Zweck lautet: In einem normalen Men'chen von 70 Kilo Gewicht leien, sagt die Chemie, 80 > Gramm Phosohor und nur 100 Gramm (Schwefel enthalten. Wenn man die sozialdeinokratische „Wissensd)asl" studiert, fo kann man unmöglich glauben, daß die Chemie ftd) geirrt haben sollte. Das ist lauter — Schwelet.

Wir haben immer dem ,Grundstein', als er feiner Zeit die Frohme'schen Artikel brachte, nahe gelegt, dock) ja nicht zu veraeffen, daß, wie jedes Gebäude, fo and) das der Wissenschaft em Fun­dament haben müsse; daß man in der Wissen­schaft ebenwwenig wie im wirklichen Leben mit Ziegelsteinen ans Lust bauen bürte — er hat nicht gehört und nun ein Buch herausgegeben, das geradezu eine Blamage der ganzen sozial- bemotratiidjen Wissenschaft wird, insofern es eine geradezu unerschöpfliche Fundgrube liefert zur Illustration dessen, was die Sozialdemokratie ihren gläubigen Leiern als „Wissenschart" kre­denzt. Ein unerschöpfliches Thema des Spottes,!

, A. Zur RmffeiMMge.

Bei den Anseindungen, die seit einiger Zeit gegen die Raiffeisenorgannalion gerichtet werden, wird es für viele Leser unserer Zeitung auf dem Lande von Interesse fein, zu en obren, wie die Vertreter der Slaatsregierung sich zu diesen Angriffen stellen. Wir sind in der Lage, den Wortlaut der An'prachen nutteilen zu können, welche vom Herrn Oberpräsidenten und dem Herrn Regierungspräfidenten bei Eröffnung des diesjährigen Rechnerkurfus ge­halten wurden. Se. Exzellenz, der Herr Ober- präsident v. Wind heim erklärte, daß et der freundlichen Einladung zur Teilnahme an der Eröffnung des diesjährigen Rechnerkursus freudig und gern ge olgt sei. „Ich spr eche," fuhr er daun fort, „Ihrem Herrn Verbandsanwalt aufrichtigen

Refrain küssen und abermals küssen ist, da näherte sich triumphierend Tante Jettchen, die dem ver­witweten Geheimrat die Haushaltung führte, einen mächtigen Band Noten in der Luft balancierend.

„Hier, Kinderkens, der Retter in der Not, der glücklicherweise der Gefanaenschaft im Schrank lick zu entziehen gewußt hat. Was brauchen wir andere Noten, spielt erst das einmal durch: 122 der alle: ... her allerbe . . .* und mühsam fing Tantchen an zu buchstabieren. „Ja, die Augen, es geht beim besten Willen nicht." —

„Komm her, Tante, laß' mich's lesen", ließ Ernchen sich vernehmen, die wieder festen Bo.ien unter den Füßen fühlte und sich in naiver Uube- fangenheit herandrängte, als hätte sie nicht noch etwas Unerledigtes auf dem Kerbholz. Und mit gewichtiger Stimme, jedes Wort betonend, Hub sie an: 122 der allerbeliebtesten Salon- und Vortrags­stücke (Lily, däs ist für Dich!), Opernmusik (ach, Opernmusik, wie ich dafür schwärme!), Lieder- fantafien, (sicherlich auch eine Fantasie über mein Leiblied: „Im Grünewald, im Grünewald ist Holzauktion"), Tänze und Märsche (na, das kann ja noch lustig werden!), ernste (buh!) und heitere Lieder und Duette, außerdem (hört ihr Herren!) l>2 Vaterlands-, Volks- und Studentenlieder in Form von 3 Klavierpotpourris! Genügt's? Und Lily's Hand ergreifend, zog sie die noch immer Widerstrebende zum Klavier, und Ivie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt, so umstanden bald die Damen und Herren in erwartungsvoller Stille Lily, die suchend in dem gewichtigen Band blätterte.

Plötzlich leuchteten ihre Augen auf und prae- ludiereud berührten ihre schlanken Finger die Tasten. Lautlose Stille trat augenblicklich ein und die ernsten Töne des berühmten Largo von Händel zogen durch den Raum und sanden in den Herzen der Umstehenden ihr Echo. Noch hatte man kaum Zeit, sich gegenseitig einige Worte der Bewunde­rung zuzuflüstern, als auch schon die feurigen Töne eines Schubert'schen Moment musical die Hörer elektrisierten und Stürme des Beifalls erntete die gewandte Spielerin, die sich dankend verneigte.

„Liebe Lily, laß' mich schnell 'mal nachsehen.

Tank aus für die freundlichen Wo. le der Be­grüßung, die er auch an mid) zu richten die Liebenswürdigkeit hatte. Aus allen Tellen des Heffenlandes find Sie heute hier zu dem Kurstis helbeigeströmt, und ich habe den Eindruck, daß Sie nicht nur gekommen sind, um in den prak- tifchen Hebungen Belehrung und neue Anregung zu finden für Ihre Arbeit brau’ en in den ein «einen Vereinen, um sich neues Rüstzeug an­zuschaffen für d«e Aufklärung Ihrer Genossen, sondern daß Sie auch darum nickt hergekommen sind, weil Ihnen daran liegt, durch Ihr Er­scheinen dem Verbände zu beweisen, daß Sie trotz oll der Anfemdungen der letzten Zeit, denen Ihre Organisation im Ganzen ja so besonders ausgesetzt war, das Vertrauen nidjt verloren haben, welches Sie Ihrer Organilaiion und deren vortrefflichen Leitung seither entgegengebracht haben, em Vertrauen, welches diele Leitung auch im vollsten Maße verdient. (Bravo!) Jä) freue mich, daß ich Gelegenheit habe, hier vor Ihnen die Versicherung abgeben zu können, daß auch ich in diesem Vertrauen keineswegs erichüttcrt worden bin. Wie könnte es auch anders fein? Eine Sache, bei der sich Leute to verschiedener Art 'n dem einen Streben gemeinsam betätigen, den idealen Genossensckasts-Gedanken „Einer für alle, alle für einen" in die Praxis umzusetzen, eine solche Sache muß gut, echt und kerngesund sein, und sie muß, mögen auch emje'ne Angriffspunkte vorübergehend sich fin en, dock) schließlich von Erfolg und Segen sein. Freilich mit dem Wach'en Ihrer Orgainwlion — und Sie haben eben erst weder von Ihrem Verbands-Anwalt gehört, in weich' erfreulichem Maße Ihre Arbeit draußen rm Lande und auch Ihre Vereine an gemachten sind — wird für die Zenlrai-Lettung die Arbeit immer schwieriger und ihre Verantwortung immer größer, und gerade dieier Reckmer-Kurms fall dazu dienen, die Ver- antroortung der Berbaiwslestung zu erleichtern. S.e sollen von den schwer belasteten Schultern einen Teil dieser Last abnehmen und sollen dezen­tralisierend draußen auf hem Lande wirken. So hoffe id), daß auch Sie hierin dielemKurnis die Zeit und (Menenbeit ausnutz-n werden, um sich an Verstand und Hand und and) am Herzen zu tüchtigen Raiffeifenlenten auobilden zu lassen. Dann wird auch Ihre Arbeit nickt vergeblich »ein und sie wird dienen zum Segen und zum Heile unserer hessischen Landwirt chan.

Der Herr Regterungs-Prändent Gras v. Bernstor f führte folgendes aus:

„Auch mich hat I ir Herr Vorsitzender mit freundlichen Worten begrüßt. Wir neben uns vorläufig noch fremd gegenüber, ich bin erst fett einigen Monaten im Bezirke und kann noch nickt mit denselben Worten wie Se. Ercellenz Jbnen so warm mein Vertrauen für die bisherige Täng- keit aussprechen; daß ich aber vones Vert anen und Sympathie für ihre Bestrebungen habe, das wollte and) ich durch n em heutiges Er ' nen Ihnen beroenen. Wenn id) in meinen bisherigen Stellungen zwar nicht mit dem Raiffeifenverband in Be» tührung gekommen bin, so habe id) doch fihnli.be Einrichtungen in d-nr früher von mir venvalteien ländlichen Kreise tenuen gelernt, und ich weiß, aus welchen Bedürfnissen diele Einrichtungen ent­standen sind. Ans der Ferne habe ich jedoch beobachten können, aus welcher Not gerade hier in Hessen die Raisselten-Veieine entstanden sind,

v. "'Tffir-" '1 u. w»x. ■■! »MIM».»«,

wies mit meiner „Holzauktion" stehl! Wenn die drin ist, bann los damit!" Und schnell durchflog Erna das Register: Bach, Beethoven, Bendel, Bizet, Earmenmarsch, famos! Burow, Eyovin. Haydn, Mozart, Oesten, Richards, Rubinstein, Schumann, Tschaikowky, Weber usw. usw., ne, die „Holzauktion" is nid), wie schade."

„Gnädiges Fräulein, ist vielleicht der Miunten- walzer von Chopin vertreten?" fragte schüchtern ein schmächtiger Jüngling, der zum Künstler zwar bereits die nötigen langen Hoare hatte und ftd) auf seine musikalischen Kenntnisse etwas zu gute tat, im übrigen aber zu Frau Musika in einem sehr platonischen Verhältnis stand.

„Fimfininulenwalzer? kenne ich", schnarrte der Rittmeister, „ich bitt’ uni fünf Minuten Aufent­halt, großartige Komposition, das Schönste, ivas der verdrehte Wagner je fertig gebracht bat, bitte, meine Gnädige, lassen Sie sich erweickfen!"

Lächelnd sckickte die Spielerin sich an, dem Wunsch des Jünglings zu willfahren,, als Taute Jettchen sich näherte, die stets in Erinnerungen an jene längst vergangenen Tage schwebte, wo sie beinahe ihre Hand nebst Herz einem erotischen Pflanzer verschenkt hatte, wenn der Vater nicht vor­her besagten Pflanzer als Sckwindler entlarvt hätte. Da sich also ihr ganzer Gedankenkreis um ihren entschwundenen Liebesfrühling drehte, so kultivierte sie nur das eine Lied: „Lang, lang ist's her", sodaß man es ganz natürlich fand, auch jetzt wieder den Wunsch uad) einer Fantasie über ihr geliebtes Lied von ihr zu hören und der „Minutenjüngling" trat bescheiden zurück. Richtig, die Fantasie war in dein Band enthalten und an­dachtsvoll lauschte die gute Tante den sehnsüchtigen Klängen und gedachte berganaener Zeiten.

So hätte sich das improvisierte Konzert noch siundenlang ausdehnen können, wenn die liebens­würdige Spielerin,allen Wünschen hätte Nachkom­men wollen, denn jeder fand in dem Band etwas, was ihm vertrant war.

Tie mächtige Stimme des Herrn Geheimrats machte dem Kunstenthusiasmus ein Ende, indem er zu Tisch bat. Galant führte der Rittmeister ein»