Einzelbild herunterladen
 

Erfahrt ta<5IA. mit Kflsaaffmt der Sonn« und Stiertest, viertel« jährt vezusrprt'5 ohne vrinrerlahn vnd vel-e»s«ldinS«tdavnd avrwZrtr! Dtt 5® psg.

verani»ortlich«r Sd?riftleiter:3. Bannt; für die »itjewen Z. per^Btr in Snlbe.

Anreisen: Vie tit fpaltige Petitzeile oder deren Baum 15 Pff. Bellamen dir Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entjpr. Kabatt gewährt.

Hotatioesttitf u. Der lag der Snlbaer Ar» tiendruckerei in .Hulda. $trnfpre ter Nr.».

M -73.

Fulda, Mittwoch, den 29. November 1905.

32. Jahrgang.

Zweites Wt'cltt.

• Ein Beitrag zur Mittelstandr« Bewegung.

i Zur Abhilfe der sozialen Schäden, welche die neuzeitliche Wirtschaftsenlwickelung zur Folge hatte, haben vernünftige Sozialpclitiker stets zwei Dinge als notwendig erachtet: berussgenosfenschaftliche Selbsthilfe und ausreichenden Schutz der bedräng­ten und notleidenden Volksklassen durch die Ge­setzgebung in Staat und Reich. Auf dem neu­tralen Boden der Berufs-Organisation sollten die Standesangehörigrn, gleichviel welcher Konfession und politischen Richtung sie auch sein mochten, gemeinsam unter Ausscheidung jeglicher Partei- pvlitik an der Hebung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage arbeiten.

Auf dem Gebiete der Arbeiterbewegung machte die Blindheit und der Fanatismus der Sozial­demokratie eine einheitliche wirstchaftlich. Berufs- Organisatton leider unmöglich. Die Sozialdemo- kralie konnte nicht umhin, die Parteipolitik in die Gewerkschaften hineinzutragen und diese damit zu einem Anhängsel der sozialdemokratischen Partei zu stempeln. Heute ist die Entwickelung soweit gediehen, daß der Satz: „Sozialdemokratie und freie Gewerkichaften sind eins" nicht mehr ernst­lich bestritten wird. Damit ist einem christlich und national denkenden Arbeiter selbstverständlich die Möglichkeit genommen, einer „freien" Id. h. sozialdemokratischen) Gewerkschaft anzugehören.

Anders die Entwickelung der wirtschaftlichen Berufs-Organisation der anderen Stände, nament­lich des Mittelstandes. In den Bauernver­einen, landwirtschaftlichen Vereinen und Genosten- schasten haben die Landwirte stets einträchtig zu­sammengestanden und gemeinsam an der Hebung ihrer Lage gearbeitet. Dasselbe läßt sich erfreu­licherweise auch vom Handwerk und Kausmanns- stande sagen. In den Innungen, Handwerker- Genoffen'chaften undHandwerkerbunden, in Detail- listen- (Schutz-) Vereinen und -Genossenschaften, in den Zentralverbänden der Gewerbetreibenden und Kaufleute stehen die Angehörigen des gewerb­lichen Mittelstandes ohne Unterschied der Kon­zession und Partei zusammen in Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Der neutrale Boden ist für alle diese Vereinigungen, die sich auf ihre Standes;ragen beschränken und die Politik nur insoweit berücksichtigen, als sie Wünsche und For­derungen den Volksvertretungen wie Regierungen in Staat und Gemeinde gegenüber zum Ausdruck btincen, die notwendige Voraussetzung für ein gede.bliches Zusammenarbeiten.

Weitgreifender sind die Aufgaben, die eine gesetzgebende Körperschaft und damit die politischen Parteien zu lösen haben. Ihre Tätigkeit erstreckt sich nickt allein auf die Lösung wirtschaftspolitischer Probleme, Rechte und Pflich­ten eines Parlaments sind nicht beschränkt aus die Sozial- und Wirtschaftspolitik, — den Volks­vertretungen liegen auch schwerwiegende Entschei­dungen ob in Fragen idealer Ratur, die die rechtlichen, staatsbürgerlichen und nicht zrtletzt die kirchlichen Freiheiten des Volkes betreffen. Es gehr darum nickt an, für das politische Glaubens­bekenntnis lediglich Fragen rein wirtschaftlicher Natur beflimmend werden zu laffen, es geht das

A ie'^oüo&>$)ame.

Roman von Ernst von W a l d o w.

48] (Nachdruck verboten.)

In dieser Nacht schlief man nicht im Forsten- bergschcn Hause.

Tante Julie, die zuerst mit lauten Klagen und vielen Tränen den Tod ihrer Base beklagt, war ganz still geworden und hielt mit Lern die Toten­wache am Lager der Verblichenen.

Ferdinand Forstenberg, in einen dunklen Schlafrock gehüllt, in den er sich fröstelnd ein- wickelte, schritt ruhelos in seinem Gemache auf und nteder.

Der schöne, wohlkonservierte Mann tvar kaum troch wiederzuerkennen, so hatten der Gattin Tod und dte furchtbaren Enthüllungen ihn niederge­schmettert.

Wieder und wieder hatte er Katharinas Beichte gelesen, dte tm ersten Moment eine förmlich be­täubende Wirkung auf ihn geübt. Sie hatte sich nicht geschont und wenn sie es auch vermieden ein anklagendes Wort niederzuschreiben, so war es doch zwischen den Zeilen zu lesen, daß sie aus Liebe zu ihm, zu den Kindern gesündigt, daß sein Leichtsinn Jic zur Verbrecherin gemacht.

O, er hatte wahrlich nicht das Recht, sie zu ver- dämmen und er tat es auch nicht, er beweinte ihren Tod. Da war besonders eine Stelle in dem umfangreichen Schreiben, die einen tiefen Ein­druck auf sein Genküt gemacht, er mußte immer daran denken; Katharina schrieb:

; . Wehe uns, wenn wir mit sophistischen Gründen ' em zu begehendes Unrecht bemänteln, rechtferttgen wollen — dann sind wir der Versuchung schon er- regelt, deren schmeichelnde Stimme uns zu- tluftert: es geschieht um des Guten willen, um ein verchenstliches Werk zu tun.

So erging cs mir. Du weißt, in welcher Not wtr uns befanden. Du drohtest damit, Dir das

für einen Katholiken um so weniger an, als die Katholiken in der Behandlung durch den Staat, wie bekannt, wahrlich nicht die besten Erfahrungen gemacht haben und noch fortgesetzt über Unge- rechtigkeiten sich zu beklagen haben. Sind gleich­wohl lediglich Gründe rein wirtschaftlicher Statur für die politische Stellungnahme maßgebend, so ist das sicherlich sehr zu bedauern. ES wäre da­mit nicht nur ein Beweis gegeben für einen be­klagenswerten Mangel an politischer Urteils­fähigkeit, sondern auch für ein weiteres Umsich­greifen materialistischer Denkweise, die tieferer idealer Momente bar ist.

Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß den Volksvertretungen die Pflicht obliegt, soweit an ihnen liegt, dafür Sorge zu tragen, daß die berechtigten Forderungen der einzelnen Stände an die Gesetzgebung ihre Erledigung finden. Es wird aber — nicht zuletzt von den Anoehöngen des M'"-'Landes — häufig über­sehen, einmal, daß ;,uiu)5= und Landtag nicht allein hrm'lher »N hrfitmtBM* fori treu, was Gesetz weroen zoll, zum zweiten, oag die Volksvertre- nirien °-T' Parteien zuwmmen-

setzen, v.t v«e o.rechugung und Dringlich­keit dieser und jener Forderung nicht einer Meinung zu sein brauchen. Wenn aus den Rethen des Mittelstandes der Vorwurf laut ge­worden ist, daß Reichstag und Landtag nicht mit genügendem Nachdruck die Forderungen des Mittelstandes vertreten hätten, so kann dieser Vorwurf gegen das Zentrum mit Recht nicht erhoben werden. Das Zentrum hat schon zu einer Zeit, als noch die liberalen Wittjchasts- prinzipien — auch bei der Negierung — aus dem Gebiete der Gewerbepolitik sozusagen „dogma­tische" Geltung halten und als Ausdruck höchster wirtschaftspolitischer Weishest galten, umfassende Schutzmannahmen für den Handwerkerstand ge­fordert. Der Antrag Galen vom 19. März 1877 forderte nicht nur gesetzlichen Schutz für den Ar­beiterstand, sondern verlangte auch gleickzeitig einen Gesetzentwurf zum Schutze und zur Hebung des Handwerks durch Beseitigung der Auswüchse der Gewerbesreiheit, Regelung des Verhältniffes der Lehrlinge und Gesellen zu den Meistern, Forderung korporativer Verbände. Seitdem hat das Zentrum nicht nachgelassen in eifriger Ver­tretung der Handwerkerinteressen. Wenn manche Wünsche der Handwerker bisher unerfüllt ge­blieben sind, so ist das nicht die Schuld des Zentrums. Wenn irgendwo, dann galt und gilt es auf dem Gebiete der gesetzlichen Handwe'ker- füriorge Widerstände zu überwinden, deren Maß und Stärke in Han dwerkerkleisen keineswegs immer ihre volle Würdigung finden. Wer die Geschichte des Zentrums auch nur einigermaßen kennt, wird sagen müffen: Nur Unkenntnis oder Böswilligkeit kann behaupten, das Zentrum sei nicht mit genügendem Nachdruck für die Jn- ereffen des gewerblichen Mittelstandes eingetrelen.

Wenn das Zentrum betont, eine wahre Volkspartei zu sein, die sich die Sorge für das Wohl all er Volks klassen zur Aufgabe ge­macht habe, so ist darin nicht ein Mangel seiner Politik zu erblicken. Im Gegenteil! Em jeder, dem das Wohl deS ganzen Volkes am Herzen liegt, wird darin nur einen Vorzug erblicken können. Die Politik des Zentrums bietet die beste Gewähr für e:nen killiaen Ausgleich wider­streitender , uth - 11 n f e > ♦ ■'.»

.......... -eine «yuje tonte und Du Dür) : . c . Jve» müßtest. Wäre

es doch mindestens ein leichtfertiger Bankerott ge­wesen und Du hättest vor dem Strafrichter von Deinen Manipulationen Rechenschaft ablegen müssen. Und die Zukunft unserer lieben, armen Kinder, sie wäre auf immer getrübt gewesen I

Mein Bruder, das wußte ich, war unerbittlich — ich haßte ihn dafür; da ich von William er­fahren, daß er mir in seinem Testamente ein größeres Legat bestimmt, kam mir der sündige Ge­danke, mir schon bei Georgs Lebzeiten das Geld zuzueignen. Im Grunde (damit entschuldige ich mich vor mir selbst) ivar es ja kein Diebstahl, ich nahm mir nur, was mir bestimmt war, mein Eigentum. Jetzt hatte es den hundertfachen Wert für uns, rettete uns vor dem Untergange. Einmal gefaßt, verließ mich der Gedanke nicht mehr, ich spann ihn weiter aus, bis die Möglichkeit, mich in den Besitz des Geldes zu setzen, klar vor meinem Geiste stand. Bei Tage und bei Nacht verfolgte mich die Vorstellung, ich entwarf Platt um Plan, wie der Diebstahl auszuführen sei, ohne Gefahr für meinen Bruder und um sicher zu gehen, daß weder mein Mitschuldiger noch ich kompromittiert würden. O, was ist menschliche Vorsicht und Schlauheit — es kam anders als wir gewollt, aus dem Vergehen wurde ein Verbrechen, dem die Strafe auf dem Fuße folgte!

William büßte sogleich seine Schuld, er starb von der Hand seines Herrn, dies war mir im ersten Augenblick klar. Möge Gott mir die verschwiegen getragene Pein dieser letzten Jahre anrechnen und meine Strafe mildern, möge das freiwillige Schei­den vom wiedergekehrten Glück, von meinen Lie­ben, den Schatten des Gemordeten versöhnen, der mich verfolgt im Schlafen und Wachen.

Wohl ist der Tod bitter und ich fürchte ihn — bin ich doch eine Schuldige, die ungerufen vor den ewigen Richter treten will — aber bitterer noch war das Bekenntnis meiner Schuld, dem Kinde getan, das in mir eine zweite Mutter erblickt.

Ich habe auch diesen Kelch geteert, mich ange«!

Jnteressenpolitik nur zu einem unsrucht- baren Hader der verschiedenen Interessengruppen führen muß. Der Standpunkt der ausgleichenden Gerechtigkeit hindert daS Zentrum, wie die Er- fahnmg zeigt, nicht, offenen Auges und warmen Hetzens für die Nöten eines jeden Standes einzutreten.

Wenn gleichwohl Angehörige des gewerb« lichen Mittelstandes glauben, sich größere Erfolge für ihre Sache von der Gründung einer eigenen Mittelstandspartei versprechen zu können, die sich lediglich wirtschaftspolitische Aufgaben zum Ziele setzt und rücksichtslos für die Jntereffen des Mittelstandes eintritt, so ist das ein ver­hängnisvoller Irrtum. Beispiele einseitiger Interessenvertretungen, wie die Sozialdemo­kratie und der Bund der Landwirte sollten Handwerkern und Kaufleuten zur Lehre dienen. Beide sind für die praktische Politik völlig unfruchtbar geblieben. Ein solches Vor- gehen bedeutet zudem eine vollständige Absage an alle höheren, idealen Beftrebungen. Ja, es kann dazu führen, daß katholische Hand­werker und Kaufleute einen Kandidaten unter­stützen, der gegebenenfalls wichtige katho­lische Interessen bekämpft.

Eine Mittelstandspartei, deren Anhänger sich in der Hauptsache aus Handwerkern und Kauf­leuten rekrutiert, würde dazu noch weit weniger Abgeordnete ausbringen, als eine der beiden oben genannten Interessenparteien. In über­wiegend ländlichen und invus'riereichen Kreisen stellt der gewerbliche Mittelstand die Minderheit dar. Ferner wäre ein Konflikt mit der bestehen­den handwerkerfreundltchen Partei unausbletbiich, weil man mit der Gründung einer eigenen Partei deren bewährter Poli-ik naturgemäß eine Absage und einen Vorwurf erteilen würde. Am aller­wenigsten hätte eine solche Partei von der Regie- uug zu erwarten, die bisher schon den maßvollen Forderungen beS Zentrums den hartnäckigsten Widerstand entgegensetzte. Die Gründung einer Mittelstandspartei würde demnach ein Rückschritt in der Mittelstandsbewegung bedeuten.

Ist damit etwas gefegt gegen eine größere Rührig keit der Angehörige» des Mittelstandes in Vertretung ihrer Interessen? Nicht im min­desten. Wir beklagen im Gegenteil mit allen Führern des Mittelstandes die vielfach recht mangelhafte Beteiligung der Handwerker und Kaufleute am berussaenossenschaftlichen und sozial­politischen Leben. Aber es wäre den Interessen des Mittelstandes zweifellos mehr dienlich, wenn man die eingangs dieses Artikels gekennzeich­neten Bahnen innehalten wollte. Was die sozialpolitische Betätigung des Mittelstandes be­trifft, so würde das Zentrum eine regere Be­teiligung aus Handwerker- und kausmännischen Kreisen ganz besonders willkommen heißen. Legt es doch gerade Wert darauf, daß al le Stände in den leitenden Komitees vertreten sind, an der Erörterung der sozialen Tagesfragen teilnehmen, Wünschen und Forderungen Ausdruck zu geben und besonders den Parlamentariern aufklärendes Material jin:Vertretung der Wünsche des Mittel­standes zur Verfügung stellen. Das ist für katholische Handwerker und Kaufleute die beste Mittelstandspolilik!

klagt, mich gedemütigt — möge Gott meiner Seele gnädig feint---

Liebevolle Hände hatten die Tote geschmückt und in den prächtigeir Sarg gebettet, der auf einem Postament, umgeben von hohen Blattge­wächsen und brennenden Wachskerzen, in einem schwarz ausgeschlagenen Gemache stand.

Forstenberg hatte Edi die Trauerkunde durch ein Telegramm melden müssen, damit der Sohn noch zeitig genug zum Leichenbegängnis der Mut­ter eintreffen könne. Edi sollte die Schwester schonend auf diese Hiobspost vorbereiten, ein un­glücklicher Zufall jedoch hatte es gewollt, daß Gusti das Telegramm öffnete.

Mit einem markerschütternden Schrei war sie zusammengebrochen und darauf ernstlich erkrankt, sodaß es eine Unmöglichkeit war, ihrem sehnlichen Wunsche zu willfahren und sie nach Wien reisen zu lassen. Edi kehrte allein zurück, von Schmerz ge­beugt über den unersetzlichen Verlust.

Alle hatten sie Abschied genommen von der Toten, nur der trostlose Witwer war der Leiche fern geblieben, er wollte das Bild der Kathi von einst in der Erinnerung festhalten, dasselbe sollte nicht verwischt werden durch die Totenmaske der bejammernswerten Selbstmörderin.

Als letzte, ehe der Sarg geschloffen wurde, er­schien Margarete Moorland. Bleich, aber gefaßt, trat sie festen Schrittes zu dem Sarge. In den Händen trug sie einen Kranz aus weißen Mag­nolien, deren duftende, halb erschlossene Blüten sich von den dunkelgrünen, glänzenden Blättern wunderlieblich abhoben.

Den Kranz sendete Maud der Toten, es war ein Zeichen der Vergebung, ein Pfand der Ver­söhnung .

Voll ernster Trauer blickte Margarete auf die Tote herab. Die Züge waren nur wenig entstellt, in ihrem weißen Gewände, das frische Blumen zierten, ruhte Katharina auf dem seidenen Kissen gleich einer Schlummernden. Doch den bitter schmerzlichen Zug um den blassen Mund, die tiefe Kummerfalte zwischen den Brauen hatte des Todes

„Preßfreiheit" in Rußland.

Die Freiheitsbewegung in Rußland hat, wie nicht anders zu erwarten war, zwar viele Opfer gefordert, aber auch Erfolge erzielt, die für daS weite Reich mit seiner 130 Millionen starken Be­völkerung von allergrößter Bedeutung sind. Die wichtigste dieser Errungenschaften ist die nun ver­kündete Preßfreiheit. Es dürfte wohl kaum ein zweites Nebel in Rußland geben, das so schwer empfunden wurde als die Präventivzen­sur, zumal die der Prooinzstädte. Welch furcht­bare Schrecken mußte da- russische Volk unver­schuldet über sich ergehen laffen, Schrecken, die in den meisten Fällen sicherlich nicht solche ver­hängnisvolle Folgen gehabt hätten, oder über« hcupt nicht zu stände gekommen wären, wenn nur die allmächtige Präventivzensur dicht dage­wesen wäre. DaS ganze Reich bebte unter dem Joch der Präventivzensur und dennoch bedurfte es erst deS überaus blutigen, für das Zarenreich verhängnisvollen Volksaufstandes, um endlich der Präventivzensur, dieser giftigsten aller Schlangen den Giftzahn mit der Wurzel auszureißen. . . , Ihr Treiben in der Praxis erhellt aus folgendem Einblick in da« RedaktionSzimmer einer Peters­burger Zeitung.

Der Chesredakteur, ein filteret Herr, dem man ein arbeitsreiches Leben ansieht, sitzt im Se,sel, dreht den Bleistift in der Hand und liest Manuskripte. Sein Aussehen, der Ausdruck seine- Gesichts ladet gerade nicht zu einem Ge­spräch ein. Am Tisch steht der Redaktionssekre­tär, ein Mann in mittleren Jahren mit einem breiten, gutmütigen Gesicht. Er legte Material für die nächste Stummer vor. „Mitteilungen über Beratungen der Arbeiter der Fabrik 91.* ,An die Zensur deS Generalgouverneurs'. „Bericht über die Magistratssitzung.- ,An die Zensur des Stadthauptmanns'. „Notiz über die Leistungs­fähigkeit der sibirischen Bahn." ,An die Kriegs« zensur/ „Bericht über die Semstwoversammlung." ,An die Zensur de« Gouverneurs.' „Bildet zur Beilage.» ,An verschiedene Zensoren, je nach dem Inhalt deS Bildes.' „Anzeige über eine Kollekte zum Bau einet Kirche." ,An die Zen- für deS Konsistoriums/ „Anzeige über die ärm­liche Lage eines Veteranen." ,An die Zensur deS Revierlentnant/ „Mitteilung über einen Skan­dal in der Kammer des Friedensrichters 3E." „Ach, lassen Sie, die Stadthauptmannschaft hat per $elep*" m gebeten, über diesen Skandal nichts zu veröffentlichen.« An der Tür erscheint der Re- daktionsdiener. „Fedor Fjodorowitsch! DieHnupt- preßverwaltung bittet Sie an das Telephon." - Der Redaktenr springt nervös auf und nimmt den Hörer an's Ohr. Gleich darauf sagt er dem Sekretär ironisch-giftig: „Iwan Iwanowitschi Schreiben Sie, eine mündliche Verfügung: kein Wort über den durchgeprügelten Schüler zu be­richten. Nun, was haben Sie weiter?« „Einen Brief von Herrn Jegorow ans Urals? über einen pestähnlichen Krankheitsfall.« ,An die Zensur der Pestkommiision.' „Eine Korrespondenz aus Astrachan übet Choteraerkranlungen.« ,An die Zensur des medizinischen Departements.' Hier ein Telegramm von unserem Mitarbeiter aus Orel, darauf befindet sich aber kein Zensnrer« laubnisstempel, was soll bamit geschehen? Re­dakteur aufgeregt: Na, was fragen Sie beim? Sie wissen doch, daß alle Telegramms Oie Zen­sur passieren müssen. Erkundigen Sie sich beim

Hand nicht geglättet. Das war ein armes, schuldi­ges Menschenkind, entschlafen in Leid und Pein — mit Tränen der Neue und des Schmerzes — es war, als könne man die Spur davon an den dunklen Wimpern, de» eingesunkenen Wangen fe[)cn — doch der Schimmer der Verklärung, wel­cher von dem Antlitze derer leuchtet, die im Herrn gestorben sind, lag nicht auf den Zügen dieser Toten.

Das Leichenbegängnis hatte stattgehabt mit dem üblichen Aufwande und mit großem Trauckr- geleit, denn Katharina war sehr beliebt gewesen bei Freunden und Bekannten. Alle beklagten ihr frühes Ende, den so unerwartet eingetreteuen Tod.

Fest auf des Sohnes Arm gestützt, folgte Fer­dinand Forstenberg dem Sarge feines, Weibes, hörte er mit wogender Seelenpein die salbungs­volle Rede des Geistlichen mit an, der die Tugen­den der Heimgegangenen prieS.

Der gebeugte Witwer mit dem stark ergrauten Haar hielt die Blicke starr gesenkt während der Leichenrede, als fürchte er, in den Augen Marga­rete Moorlands eine ganz andere Nachrede zu lefen.

Am folgenden Tage reifte Ferdinand Forsten­berg nach Triest, um der erkrankten Tochter den einzigen Trost zu bringen, der ihr unter diesen Umstanden werden konnte. Bei einer längeren Aussprache mit Margarete Moorland teilte diese ihm mit, daß sie ein Telegramm mit der Todes­nachricht an Ullrich Winterfell gesendet habe und mit Sicherheit darauf rechne, daß dieser demnächst nach Wien kommen werde.

Darin sollte sie sich denn auch nicht getauscht haben. Am Morgen nach dem Leichenbeaängmsse erhielt Margarete einen Brief von Ullrich, den der Lohndiener aus dem Hotel d'Europe überbrachte. Ullrich war am Abend vorher in Wien einge­troffen und bat Frau Moorland, ihm behufs der versprochenen Mitteilungen einen Besuch in feinem Gasthofe abzustatten, da das Trauerhaus wohl kaum der geeignete Ort zu solcher Unterredung feie dürfte.