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&briftleiter:3. Baum;

iK-'ä wochenbciiagt: „Illustrierte Sonntagrzeitung

Zeitung

Nonatsbeilage: „Wdaer Geschichtsblätter".

Anzeigen: Vie ein spalttge Petitzeile oder deren Baum 15 Pffl. Bellamen die pelitzetle 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird eutspr. Rabatt gewährt.

Rotationrdrnck n. Verlag der Fuldaer Ae> tiendructeret tu Suite Fernsprecher Br. 9.

Fulda, Dienstag, den 28. November 1905.

32. Jahrgang.

JA z72.

Krstes Wlatt.

§ aus dem Uolonial-Ltat für (906.

Unsere Kolonien werben immer teurer f Das ist das Ergebnis der Zahlen, welche die.Nordü. Allgem. Ztg/ jetzt aus dem Haushalts-Etat un­serer Schutzgebiete für das Jahr 1906 mitteilt. Die Summe der ReichSzuschüste für unsere Kolo­nien einschließlich Kiautschou beträgt für 1906 nicht weniger alS 135,797,766 Mark gegen 109,616,386 Mark im laufenden Etat, also 26,178,380 Mark mehr. Das ist eine Vermeh­rung um rund 25 Prozent! Läßt man den Zu­schuß für Kiautschou mit 13,600,oOO Mark (— 1,060,000 Mark) bei Seite, so erhöht sich das PluS des Reichszuschusses auf 27,238,380 Mk.

Nach dem Entwürfe zum zweiten NachtragS- Etat der Schutzgebiete für 19t)5, den der Bundes« rat soeben genehmigt hat, muß man dazu noch b,05o,000 Mark hinzuschlagen. Dann kommt ein Mehr beim Reichszuschufse für unsere gesamten Kolonien heraus, das rund 311/« Millionen be­trägt! Eine harte Nuß! Da auf die Ausgaben, welche anläßlich der Unruhen in Ost- und Süd­westafrika «mfzuwenden sind, 103,306,260 Mark entfallen, verbleiben an Reichszuschüffen für die ordentlichen Zwecke der Schutzgebiete insgesamt *12,491,506 Mark. Das bedeutet gegenüber dem laufenden Etat ein Mehr von 2,732,620 Mark und abzüglich des Zuschußes für Kiautschou 18,891,506 Mark oder 3,792,620 Mark mehr.

Die eigenen Einnahmen aller Schuh- gebiete beziffern sich auf 12,437,658 Mk. Sie sind im Vergleich zum laufenden Etat um 401,254 Mark höher veranschlagt. Unter Nichtberück- ftchligung von Kiautschou belaufen sich die eigenen E »nahmen unserer Kolonien auf insgesamt 11,639,658 Rk , was ein Plus von 239,254 Mk. gegenüber dem laufenden Etat bedeutet. Also auch abgesehen von den Unruhen in Ost- und Südwestafrcka kosten uns unsere Kolonien im Jahre 1906 rund 20 Millionen mehr, als sie uns et »bringen, und diese Kostenrechnung ist im Ver­gleiche znm laufenden Etat um rund 2,331,000 Mark gestiegen.

Im einzelnen beziffert sich der Etat für das Ostafrikanische Schutzgebiet in Einnahme und Ausgabe auf 11,7 Mill. M., der Reichszu­schuß auf 7,1 Mill. M. (+ 2,3 Mill. M.), für Kamerun auf 5,6 Mill. Mk., der Reichszu­schuß auf 3,2 Mill. M. (+ 0,9 Mill. M.s, für Togo auf 3,0 Mill. M. (hier ist kein Reichs­zuschuß erforderlich), für das Süd west afri­kanische Schutzgebiet auf 111,7 Mill. M., der ReichSzusct,uß auf 109,9 Mtll. M. + 23,3 Mill. M.), für Neuguinea auf 1,5Mill. M., Der Reichsznschuß auf 1,2 Mill. M (-}- 0,3 Mill. M.>, für die Karolinen auf 615 000 Mark, der Reichszuschuß auf 482500 Mark (+ 320000 M.), für Samoa aus809000M., der ReichSzuschuß auf 2231,00 M. (+ 10100" Mark), für Kiautschou auf 14398"00 M., der ReichSzuschuß auf 136000u0 M. (weniger 106« >000 M >, Insgesamt beziffert sich der Haushattsetat der Schutzgebiete für 1906 auf 149435424 M. (+ 24179634 M.).

Für Ostafrika ist eine Vermehrung der Polizenruppe von 48 Unteroffizieren und 620

z. ie Hl okosto- 9crrne.

Ronian von Ernst von W a l d o w.

47J (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Ich höre — sagte eine Stimme hinter ihm — ich höre soeben, daß Frau Forstenberg die üble Gewohnheit hatte, sich des Morphiums in starken Dosen zu bedienen, als Mittel gegen Schlaflosig­keit. Jedenfalls hat sie in der Nacht iwch ein­genommen und aus Versehen die Portion ver­doppelt — wenn der Arzt kommt, wird er aus oem Nest in dein Glase dort erkennen, was diesen Zustand der Betäubung verursacht hat.

dem Arzte, wenn Ihr alle Haus- ^rgeblich angewendet habt, sagte nun auch Forstenberg, sich erhebend.

schon geschickt. Euer Gnaden, er­widerte Lent.

Forstenberg wandte sich zu Margarete Moor­land, dte vorher gesprochen.

Kommen Sie fort, die Frauen dort mögen noch emmal ihr Herl versuchen, inzwischen wird Doktor Mander eintreffen.

Wie gebrochen schlich Ferdinand ans dem Ge- mache, gefolgt von Margarete. Als er droben angelangt war und sich durch einen schnellen Blick vergewissert hatte, daß er sich mit der Witwe allein im Zimmer befinde, sagte er heftig:

Erklären Sie mir, Fran Moorland, woher Ihnen der Verdacht gekommen, daß meine Gattin Hand an sich gelegt hat, denn ich sehe, daß Sie nicht an eine zufällige Vergiftung glauben.

Dieser Brief, den Frau Katharina mir gestern für Sie übergeben, mit der Bitte, Ihnen denselben »hne Zeugen zukommen zu lassen, wird Ihnen alles sagen — die verhängnisvolle Tat der Unglück­lichen erklären.

fernere Stundung der Zölle für Getreide, Hülsen­früchte, Raps wb Rübsen sowie für die daraus hergestellten Müllerei- und Mälzereierzeugniffe ausschließt, hat der Bundesrat berests dahin Be­schluß gefaßt, daß die für Waren dieser Art ge­stundeten Zölle spätestens am 1. März 1906 einzuzahlen sind.

.’. Die Erhöhung des russischen Schweine­kontingents ist nunmehr einer Blättermeldung zufolge seitens des Landwirtschastsministers durch eine Verfügung an den Regierungspräsidenten von Oppeln angeordnet worden. Danach sollen wöchentlich 300 Schweine mehr aus Rußland in das oberschlesische Industriegebiet zugelassen werden. Dte .Deutsche Tageszeitung' bedauert, daß die preußische Regierung sich immer noch nicht darüber geäußert habe, ob der Seuchen­stand an der russischen Grenze neuerdings der­artig geworden sei, daß er die Erhöhung des Kontingents als ungefährlicher erscheinen lasse, und betont, daß nach einer ihr ^gegangenen Mitteilung eine erhebliche Besserung nicht sestzu« stellen sei.

* Die deutsche Arzneitaxe wird aller Wahr­scheinlichkeit nach rechtzettig im Dezember zur Ausgabe gelangen. Zu den im Gesundheitsamte gepflogenen Verhandlungen des Gesundheitsrats­ausschusses behufs Vorbereitung der Arzneitaxe für 1906 waren auch Vertreter der Knappschafts« kaffen und Sachverständige des Krankenkassen» wesens, sowie Kommissare des preußischen Kriegs­ministeriums und des Hamburger Senats zuge- zogen.

* Auflösung der Bataillonskapellen. Nach einer Bestimmung des Kaisers sollen die Batail- lonskapellen aufgelöst werben. In zahlreichen kleinen Garnisonstädtchen ist diese Auflösung bereits erfolgt, in anderen wird sie bis spätestens Ende Dezember dieses Jahres erfolgen. (Santi- sonorte, die nur mit einem Bataillon Infanterie belegt sind, werden also in Zukunft leine Mili- tärmnsik mehr haben. — Das ist kein Fehler. Es gibt Zwilmustker genug, um den Bedarf an guter Musik zu decken.

* Die Sozialdemokratie in den Einzelland­tagen. Es sitzen Sozialdemokraten jn den Land­tagen folgender 19 Staaten: Bremen 19, Ham­burg 13, Bayern und Baden je 12, Rudolstadt 8, Württemberg, Hessen, Meiningen je 7, Koburg- Gotha 6,.Renß j. L. 5, Oldenburg und Lübeck je 4, Altenburg und Lippe je 3, Weimar und Anhalt je 2, Sachsen, Etsaß-Lothringen und Reuß ä. L. je 1. Zusammen 117. Nur Preußen, Mecklenburg, Braunschweig, Sthwarzburg-Son« dershausen, Waldeck und Schaumburg-Lippe haben ihre Landesvertretungen noch frei von Sozialdemokraten zu halten gemußt.

* Friedens-Verhandlungen mit den Hotten­totten werben jetzt seitens der,Deutschen Tages- ztg.' als vollständig außerhalb des Planes deS neuen Gouverneurs von Deutsch - Sübivestafnka liegend bezeichnet. Gouverneur v. Lindequist wolle sich mit den Witbois in keinerlei Friedens- Verhandlungen einlassen. Man werbe die Wit­bois vielmehr verfolgen und bekämpfen, bis sich der Rest auf Gnade und Ungnade ergeben habe. Die.Deutsche Tagesztg.' stellt als Ansicht des Gouverneurs v. Lindequist hin, daß die Wit- bois in der Kolonie wirtschaftlich ohne Nutzen seien. Der Gouverneur wirb sie einem andern Schutzgebiete als Zwangsarbeiter überweisen. Wir glauben nicht, daß diese Annahme der Auffassung

Mann deS JahreS 1905 auf 2 Offiziere und 120 Unteroffiziere und 1578 Mann vorgesehen. Außer­dem sollen 2010 Köpfe der für 1905 angeforderten Verstärkung der farbigen Schutztruppe dauernd behalten werden. Die einmaligen Ausgaben aus Anlaß des Aufstandes sind auf 1228860 Mark bemessen. Für Südwestafrika belaufen sich die einmaligen Ausgaben aus Anlaß des Auf­standes auf 102067000 Mark (4- 22 2060° 0 Mark). Die Gesamtstärke unserer dortigen Truppen ausschließlich der Reservisten rc. wird für 1906 auf durchschnittlich 14500 Köpfe veranschlagt. Jn einer besonderen Bemerkung versichert die ,Nordd. Allg. Ztg.', daß sich die bisher nach Südwestafrika gesandten Ersatztransporte sä m t- lich im Rahmen des Etats gehalten hätten.

Deutsches Reich.

Berlin, den 27. November 1905.

Der Bundesrat genehmigte in seiner Sitzung vom Montag die Ausschußberichte über den Entwurf eines Gesetzes wegen Festlegung eines zweiten Nachtrages zum Reichshaushalts­etat für das Rechnungsjahr 1905 und den Ent­wurf eines Gesetzes wegen Feststellung eines zweiten Nachtrages zum Haushaltsetat für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1905.

* Die Möglichkeit einer Reichstagsauflösung wird von dem Reichstagsabgeordneten Dr. Arendt im ,$ag' erörtert. Derselbe glaubt, die Regie- rung könne sich, falls der Reichstag in der Frage der Flottenvorlage und der Finanzreform ver­sage, getrost an die Wähler wenden; die Ver­stärkung der Flotte und die hierzu notwendigen Opfer würden vom denttchen Volke mit der gleichen Begeisterung bewilligt werden, wie das Septen nat vom Jahre 1887. Die Berechtigung zu dieser Auffassung leitet der genannte Abge­ordnete aus den Ergebnissen der Nachwahlen zum Reichstage her, welche der Sozialdemokratie ungünstig gewesen seien. Die ,Deutsche Tages­zeitung^ warnt mit Recht davor, einem solchen Optimismus großen Raum zu geben. Das augenblickliche Gezänk in bet sozialdemikratifchen Partei werde der letzteren schwerlich erheblichen und dauernden Schaden zusügen. „Sollte die Regierung gezwungen fein, zu einer Reichstags­auflösung zu schreiten", so fährt das genannte Blatt fort, „so würde ihr Stand recht schwierig fein, besonders bann, wenn die Reichsfinanzre­form als Wahlparole in den Vordergrund ge«' zogen würde. Das würde aber nach menschlicher Voraussicht geschehen, da man über das Flotten- gesetz sich voraussichtlich einigen wirb. Nur unter zwei Bedingungen würbe eine Reichstagsauf­lösung unbedenklich sein: einmal, wenn es ge­länge, eine große nationale Frage zur Wahl­parole zu machen unb dann, wenn vorher das noch vorhandene Mißtrauen des Mittelstandes gänzlich beseitigt oder doch erheblich abgeschwächt würde. Wie die Dinge jetzt liegen und voraus­sichtlich bei der Entscheidung über die Reichs- finanzre'orm liegen werden, ist zum Optimismus nicht der geringste Grund vorhanden; wir halten im Gegenteil einen solchen Optimismus für ge­fährlich."

** Der Reichshaushaltsetat für das Rech- nungsjahr 1906 schließt nach der ,Nordd. Allgem. Ztg/ in Ausgabe und Einnahme der ordentlichen und des außerordentlichen Etats mit

2,406,274,999 Mk. (Z- 191,042,638 Mk.) ab. Im ordentlichen Etat betragen die fortdauernder Ausgaben 1,898,421,152 Mk. (-s- 136,205,266 Mark). Merkwürdig ist, daß die Ausgaben für den Reichstag „vorläufig" in vorjähriger Höhe eingestellt sind. Die einmaligen Ausgaben be­tragen 248,221,248 Mk. (-s- 23,689,025 Mk.). Die Summe der Ausgabe des ordentlichen Etats beträgt also 2,146,642,400 Mk. (Z- 159,894,285 Mark). Unter den Einnahmen des ordentlichen Etats, die natürlich in gleicher Höhe eingestellt sind, figurieren: Zölle und Verbrauchssteuern mit 889,480,140 Mk. (-s- 8,195,79- > Mk.), Reichs­stempelabgaben 95,971,000 Mk. (-f- 9,547,000 Mark), Einnahmen auf Grund der neuen Steuer­gesetzentwürfe 156,000,000 Mk. (+ 156,000,000 Marks, Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung 544,315,500 Mk. (+ 27,237,975 Mk.). Die Summe von 156 Mill. Mk. beweist auf folgen­den Einnahmeschätzungen für 1906: au5 der Brausteuer 28,700,000 Mk., aus der Tabak­steuer 34,300,000 Mk., aus der Zigarettensteuer 5,000,000 Mk., aus der Stempelsteuer 72,000,000 Mk. unb aus der Erbschaftssteuer 16,000,000 Mcuk.

** Zum Börsengesetz hat der Vorstand des Zentralverbandes des deutschen Bank- unb Bankiersgewerbes in einer vor kurzem ab­gehaltenen Stellung genommen. Es die be­stimmte Erwartung ausgesprochen, daß die Re­gierung in der bevorstehenden Reichstaassession die alsbaldige Erledigung der von ihr vertretenen Revision des Börsengesetzes mit aller Energie betreiben werde. Wir glauben kaum, daß die verbündeten Regierungen bei der Belastung des Reichstags diesem Verlangen Nachkommen werden.

* Die Denkschrift über die Fleischfrage, die vor einiger Zeit angekündigt wurde, ist nunmehr im preußischen Landwirtschaftsministerium fertig gestellt worden. Die Denkschrift soll in Bälde trm Bundesrat, dem Reichstage sowie dem preußischen Landtage zugehen.

* Die Ausstellung von Einfuhrscheinen für Getreide nach Inkrafttreten des neuen Zolltarifs bildet den Gegenstand eines Gesetz­entwurfs, der soeben dem Bundesrat zugegangen ist. Danach sollen für eine Uebergangszeit vom 1. März 1906 bis Ende Februar 1907 der Wertbestimmung von Einfuhrscheinen, die gemäß § 11 des Zolltarisgesetzes vom 25. Dezember 1902 bei der Ausfuhr von Roggen, Weizen, Spelt, Hafer, Buchweizen und Speisebohnen zu erteilen sind, die für Waren dieser Art vor dem l.März 19o6 gütigen vertragsmäßigen Zollsätze zugrunde gelegt werden. Nur insoweit, als durch Vorlegung von Bescheinigungen der Zollbehörden nachgewiesen wird, daß Waren der bezeichneten Art nachdem 28. -Februar 1906 zu dem alsdann gütigen höheren Zollsatz eiugeführt worben find, sollen für die Wertbestimmung der Einsuhrscheine — bis zur Höhe des Zollwertes der in den Bescheinigungen nachgewiesenen Mengen — die vom 1. März 1906 ab geltenden vertragsmäßigen Zollsätze maßgebend sein. — Bei der Ausfuhr von Mullerei- erzeugniffen, die ans den bezeichneten Fruchtarten im freien Verkehr hergestellt worben sind, finden diese Vorschriften entsprechende Anwendung. — Dem Bundesrat ist die Befugnis vorbehalten, die Vorschriften des Gesetzes schon vor Ablauf der genannten Uebergangszeit außer Kraft zu setzen. — Zur Ausführung des § 12 des Zoll­tarisgesetzes vom 25. Dezember 1902, welche eine

So geben Sie schnell — mein Gott, was kann es denn sein, was sie in den Tod getrieben — Wenn nur erst der Doktor da wäre, um ein Gegen­mittel anzuwenden, hoffentlich wirkt es, sie lebte ja noch — sie wird Morphium genommen haben, nicht wahr, Frau Moorland, das ist nicht so schlimm, man kann sie retten! Gehen Sie, em­pfangen Sie den Arzt, sprechen Sie mit ihm, teilen Sie rhm Ihren Verdacht mit, natürlich immer von der Voraussetzung ausgehend, daß die Kranke aus Versehen eine zu starke Dosis ge­nommen.

Seien Sie ganz ruhig, ich werde mit Doktor Mander reden, bleiben Sie nur hier, es ist besser so.

Forstenberg hatte den Umschlag des Briefes schon aufgerissen und überflog bereits die ersten Zeilen, als Margarete geräuschlos das Zimmer verließ.

Sie kam gerade zurecht, um dem Arzte ihre Vermutung mitzuteilen. Der gutmütige alte Herr Wetterte gegen alle nervenleidenden Patienten, die sich mit dem verwünschten Morphium noch vollends vergifteten und gegen seine Schwäche, daß er bei Frau Faistenberg diesem Unwesen nicht eher ge­steuert. Er habe sie aber stets für eine Vernünf­tige Frau gehalten, der man einen Mißbrauch gar nicht zutraue.

Später, als er die Kranke untersucht und auch den Rest in dem Glase auf dem Nachttische einer genauen Prüfung unterzogen, meinte er kopf­schüttelnd :

Ich habe Wenig Hoffnung und begreife kaum, Wie dieser Zustand von totenähnsicher Betäubung eintreten konnte. Denn Leni, welche die Medizin- schachtel im Schub des Nachttisches gesunden, sagt mir, daß nur drei der Pulver fehlen. Seit gestern mittag, wo ich das Rezept geschrieben, hat also Frau Forstenberg drei Pulver verbraucht, das ist allerdings mehr, als ich verordnete, denn ich er­laubte nur zwei, eins früh, eins am Abend, eine so verderbliche Wirkung ober konnte diese kleine

Ueberschreitung nicht haben, ich fürchte, daß ein Nervenschlag eingetreten ist und muß Herrn For- ftenberg auf das Schlimmste vorbereiten, Wenn ich alle Mittel versucht haben werde, welche die Wissenschaft in solchen Fällen vorschreibt.

Frau Moorland nickte stumm und begab sich zu Maud, lag ihr doch die schwere Pflicht ob, das junge Mädchen schonend von der Erkrankung Frau Forstenbergs in Kenntnis zu setzen.

Stunden Waren vergangen, man hatte ver­sucht, das fliehende Leben in dem mehr und mehr erstarrenden Körper festzuhalten — alles um­sonst. Doktor Mander begab sich zu dem Haus­herrn, der sich im Krankenzimmer nicht mehr hatte sehen, lassen.

Aber der Arzt — ein langjähriger Freund des Hauses — erschrak über die furchtbare Wir­kung, welche der drohende Verlust auf den (eicht- ung, welche der drohende Verlust auf den leicht­lebigen Mann ausgeübt. '

Völlig gebrochen saß er in einem Lehnstuhl, mit erloschenen Blicken vor sich bin starrend.

Dec Doktor sprach, tröstete, Forstenberg schien ihn kaum zu hören, endlich fragte er, ob er einige Kollegen, erste Größen der medizinischen Wissen­schaft, zu einer Konsultation herbitten solle. Da richtete der Mann sich auf, feine aschfarbenen Wangen färbten sich, als er hastig erwiderte:

Nein, ich danke Ihnen, mein Freund; ich habe volles Vertrauen in Ihre Kunst und — in Ihre Freundschaft. Sie taten sicherlich Ihre Pflicht und mehr als das — hilft ihr nichts mehr — der armen, armen Kathi — so war es eben beschlossen, daß sie von uns gehen sollte — Gott, mein Kopf,, ich glaube, ich werde irrsinnig. Geben Sie mir doch Morphium, Doktor, aber eine starke Portion, ■ daß ich dies Elend verschlafen, daß ich alles ver­gessen kann!

Denken Sie doch an Ihre Kinder, lieber For­stenberg — seien Sie stark!

Ein schluchzender Laut rang sich aus der Brust des gequälten Mannes, dann preßte er die Hände vor daS Gesicht unb weinte laut

Das ist das beste, murmelte der Arzt und be­gab sich in das Krankenzimmer zurück.

Als die letzten Strahlen des sinkenden Tages- gestirns das Gemach mit rötlichem Glanze füllten, stockte Katharinas Herzschlag, nicht der leiseste Hauch drang über die erkaltenden bläulichen Lip­pen — der Tod war eingetreten, ohne daß die Kranke auch nur auf Sekunden das Bewußtsein wieder erlangt hätte.

Schluchzend umstanden die Frauen das Lager, da kniete Margarete am Kopfende desselben nieder und sprach laut und feierlich ein Totengebet, an das sie leiser die Bitte aus dem Vaterunser schloß: Und vergib uns unsere Schuld, so wie wir ver­geben unseren Schuldigem!

Noch an demselben Abend erfuhr Maud die ganze Wahrheit, las sie das Schuldbekenntnis Katharinas. Margarete hatte, von der Toten kommend, dem jungen Mädchen gesagt:

Fassen Sie sich, Maud, diejenigen, welche den Tod Ihres armen Vaters verschuldet, hat die Nemesis ereilt. William, mein armer Gatte, starb von der Hand seines Herrn und Katharina For­stenberg, die ihn zur Untreue, zum Verbrechen verleitete, hat sich selbst gerichtet — ich komme von ihrem Sterbebette, sie hat soeben ihre Seele ausgehaucht — möge der barmherzige Gott ihr gnädig fein.

Maud war nicht in Ohnmacht gefallen, starr, mit Weitgeöffneten Augen saß sie da, dann stam­melte sie: So ist es Wahrheit, was Du mich die Zeit her ahnen ließest — meine Tante wußte um das Verbrechen, sie war es, welche Deines ManneS Hand bewehrt hatte — o, das ist schrecklich I

Nicht so, Maud, lesen Sie erst die Beichte der Unglücklichen, sie hatte das Schlimmste wahrlich nicht gewollt, aber einmal auf dem abwärts füh­renden Pfade, rollen wir dem Abgrunde zu. DaS Unrecht gebiert die Sünde — Diebstahl den Mord. Den abgeschossenen Pfeil hält der Schütze nicht mehr auf; das hatten wohl beide nicht gewollt, lassen Sie es uns glauben I

(Fortsetzung folgt)