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Maer W

3-2. Jahrgang.

Fulda, Samstag, den 25. November 1905.

JV0 2.70.

Arges Wlatt.

schloffen. Während in anderen deutschen Siebten

Deutscher Reich.

Berlin, den 23. November 1905.

** Zu dem heute (SamStag) statt- frndenden Einzug Königs HaakonS in Wer» toegen schreibt die Morddeutsche Allgemein« Zeitung/: „Die warme Teilnahme Sr. Majestät des Kaisers an diesem für Norwegen so bedeut­samen Ereignis kommt in der Entsendung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen zu beredtem Ausdruck. Mit unserem Herrscher folgen weite Kreise des deutschen Volkes mit lebhaften Sympathien der Fahrt des jungen Königspaares nach dem sagenumwobenen Nord­land, wo ein neues Herrschergeschlecht inmitten eines tüchtigen und aufstrebenden Volkes seinen Sitz aufzuschlagen im Begriffe steht. Einem

Prozent erreichte, steht im erfreulichsten Gegen­sätze za derjenigen in anderen Städten, wo man sich daran gewöhnt ha>, in tatenloser Resignation den einmal siegreichen Sozialdemokraten das Feld zu überlaffen. Hoffentlich trägt das Char­lottenburger Wahlresultat dazu bei, den Irr­glauben an die Unbesiegbarkeit, an daS unauf­haltsame Fortschreiten der Sozialdemokratie zu zerstören und überzeugt endlich weitere Kreise, daß die Erfolge der Gegner des liberalen Bürgertums zum großen Teil nicht durch deren Verdienst, sondern durch die Untätigkeit des liberalen Bürgertums errungen wurden. Dies gilt nicht nur für Stadtverordnetenwahlen, son­der« für alle Wahle« im ganzen Reiche.

* Die Errichtung eines Mädchengymnasiums in Berti« bat der Magistrat der Stadt be-

lieft! Auch der Hinweis der „Nordd. Allg. Ztg." darauf, daß der in den Matrikularbeiträgcn lie­gende Anteil für die Einzelstaatcn, im eigenen Interesse auf eine sparsame Wirtschaft im Reiche hinzuwirken, durch die Beweglichkeit der Reichs­erbschaftssteuer bezw. ihrer Heranziehung zu den Reichslasien aufrecht erhalten bleibe, macht die Sache nicht besser. Das offiziöse Blatt über­sieht g e s l i e s s e n t l i ch, daß mit dieser „be- Deglichen Reichserbschaftssteuer" das Moment der Unsicherheit in die einzelstaatliche Finanz- wirtschaft wieder eingeführt wird, das man durch die Festlegung eines Höchstmaßes der ungedeckten Matrikularbciträge beseitigen wollte. Allerdings mit dem Unterschiede, daß die Einzelstaaten in Zu­kunft nicht mehr wissen werden, was sie vom Reiche erhalten, während sie jetzt nicht wissen, was sie dem Reiche zu zahlen haben. Die ganze Maßnahme macht den Eindruck, als ob die Urheber der neuen Steuervorschläge nicht recht daran glaubten, daß die Erträge derselben lange den Anforderungen des Reiches Stand halten werden, und daß sie deshalb beabsichtigen, einer stärkeren Heranziehung der Einzelstaaten ein für alle mal tinen Riegel vorzuschieben.

Zum Schlüsse betont die „Nordd. Allg. Ztg." nochmals die „Einheitlichkeit" der Vor­schläge der verbündeten Regierungen, wenn sie darunter auch nicht die unveränderte Annahme aller Einzelheiten der Entwürfe verstanden wissen will. Daß diese „Einheitlichkeit" das Zustande­kommen des „Reformwerkes im Reichstage jeden­falls nicht fördern wird, haben wir schon betont.

alte« und ruhmreichen Fürstenhaus« entsproffen, bringt König Haakon alle Bürgschaft«« für «ine segensreich« Entwicklung der norwegischen Nation in den Kreis seiner hohen Wirksamkeit. Als er­habene-Vorbild wird dem jungen König immer- dar der greise Herrscher Dänemarks vor Augen stehen, der in seiner von innerster Bewegung durchzogenen Ansprache an die norwegische Königsabordnung und an den dem Stufe des norwegischen Volkes folgenden Enkel den Segen der Vorsehung herabflehte auf das Band, das nunmehr zwischen dem Hause König Haakons und dem norwegischen Volke geknüpft worden. i|t. Mögen die Wünsche, die der ehrwürdige Wio« narch dem hinausziehenden Enkel als Geleit gab, voll in Erfüllung gehen und möge der Tag, an dem König Haakon und Königin Maud den Boden Nordlands betreten, noch den fernsten Geschlech. lern al 8 ein Tag von segenbringender Bedeutung im Gedächtnis bleiben! In Deutschland, das durch mannigfache Beziehungen mit Norwegen verbunden ist, wird man auch fernerhin der emporsteigenden Entfaltung der reichen Kräfte, die von der Vorsehung in die norwegische Station eingepflanzt sind, mit aufrichtiger Sympathie folgen und dem stamm- und geistesverwandten nordischen Volke Glück und jedes Gedeihen in der Erfüllung seiner Kulturmission wünschen.

* Die Rücklieferung der Orden bei Todesfall. Durch die königliche Generalordenskommission ist eine fünf Bände umfassende Ordensliste neu her- ausgegeben worden. Gleichzeitig sind von der Generalordenskommiffion den Verwaltungsbehör­den die Grundsätze über die Rücklieferung der durch Todesfall erledigten Auszeichnungen mit­geteilt worden. Darnach sind den Hinterbliebenen zu belassen die am Erinnerungsbande verliehenen Kronenorden 3. und 4. Klasse und Allgemeinen Ehrenzeichen mit dem roten Kreuz, das Rcchts- ritterkreuz des Iohanniterordens, die Rote Kreuz­medaille 3. Klasse, das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen, die Krönungsmedaille, die Kriegsdenkmünze von 1864 und 1870-1871, die Kaiser Wilhelm-Erinnerungsmedaille, die China­denkmünze, die hannoversche Jubiläumsdenk- münze, die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr und die Landwehrdienstauszeichnung. Das Düppeler Sturmkreuz, das Alsenkreuz und das Erinnerungskreüz für 1866 sind bei den zu­ständigen Kirchspielen aufzubewahren. Alle üb­rigen Auszeichnungen sind zurückzngcben.

♦ Der Reichstag wird b-kannllich am näch­sten Dienstag wieder zusamn entreten. Im Jahre 1903 wurde der Reichstag am 3. Dezember er­

öffnet ; 1904 nahm er seine Verhandlungen am 29. November auf und 1905 ist es derselbe Wochen­tag, der 28. November. Was da vor Weih­nächte« noch geleistet werden kann, ist sehr wenig, eS kann höchstens die erste Lesung des Etats, der Reichssteuern und der Flotten - Vor­lage ncch stattfinden; ob die Militärpensions-Ge- setze noch vor W ihnachten dem Reichstage zu­gehen werden, erscheint sehr fraglich. Ferner wird der Reichstag bei seinem Zusawmentreten nicht nur die Reichssinanz-Resorm, sondern auch eine Kolonial-Vorlage vorfinden. Es handelt sich um die neue Bahn für Südwestafrika. Nimmt man hinzu, daß auch die Flotten - Forderungen einen breiten Raum in den Erörterungen des Reichstages beanspruchen werden, fo kommt man zum Schluß, daß auch diesmal wieder die Zeit nach Neujahr die Hauptlast tragen wird. Man kann deshalb schon jetzt damit rechnen, daß sich die kommende Session wieder bis weit in den Sommer hiuzieften wird, wenn sie nicht an der Klipp« der Reichsfinanz-Reform ein plötzliches Ende finde« sollte. — Die geschäftlichen Dispositionen des Reichstages gehen dahin, daß am 28. November 1 Uhr nachmittags die erst« Plenarsitzung statt findet, in welcher die Beschlußfähigkeit des Hauses festgestellt werden wird. Nach dieser Sitzung werden die Fraktfo- ne« zusammentrelen, um zur Wahl des Präsi­diums Stellung zu nehmen, welche in der zweiten Plenaiflitzung erfolgen soll. Am 30. November soll die Plenarsitzung ausfallen. Am 1. ober 2. Dezember soll die erst« Lesung der Gesetzent­würfe betr. die Reichsfinanz-Reform be­ginnen, die etwa 8 Tage dauern wird. Die WeihnschtS - Ferien solle« am 17. Dezember be­ginnen und am 10. Januar zu Ende gehen. Eine andere Blättermeldung will wissen, daß die Reichs- finanz-Reform im Anschlüsse an die Präsidenten­wahl vom Staatssekretär Freiherr« v. Stengel

ohne eine solche. DaS Gymnasium soll bereitS tm April nächsten Jahres eröffnet werden.

* Kultur und Schnaps in unsere« Kolonien. Im Jahre 1898 wurden 761,294 Liter Spirituo- en in Togo eingeführt, 1903 gar 1,041,196 Liter. In Kamerun wurden 1897 — 1,221,800 Liter Spirituosen importiert, 1903 — 1,407,573 Liter. Ter Schnaps spielt als Tauschartikel im kolonia­len Binnenhandel eine nicht zu unterschätzende Rolle. So erzählt .Hauptmann Huken 1898 in der „Deutsch. Kol.-Ztg." folgende Episode: „Ge- radezu scheußlich zu nennen ist die Verwendung des Schnapses als Handelsartikel, zum Tradel Fusel der gemeinsten Sorte bildet in Ballon und Kisten einen großen Teil der Schiffsladung eines westafrikanischen Handelsdampfers . . . Dieses entnervende Gift sickert von der Küste, deren Be­völkerung es im ganzen Westen Afrikas bereits leider durchtränkt hat, tief hinein bis zu de« Binnenstämmen. Gegen diesen Fluch der Kultur, womit wir die Schwarzen vertieren, sollte ge­predigt werden, weit mehr als gegen den Sklaven­handel. Weniger verhängnisvoll für das Geschick der schwarzen Rasse ist letzterer als die Laster, die wir ihm bringen unter dem prunkenden Titel: „Segnungen der Zivilisation". Ich erinnere mich eines abstoßenden Bildes, das sich mir auf einer Faktorei bot, als ich dort im Busch einst am Fieber krank lag. Ein Neger brachte dem Fak- toristen zwei schöne Elephantenzähne. Der ge- forderte Preis schien dem Kaufmann zu hoch. Nach langem Handeln und Feilschen griff der- selbe zum Schnaps und schließlich lag der schwarze, arme Teufel mit zwei geleerten Flaschen Gin sinnlos betrunken vor dem Hause. Der „Clerk" aber barg vergnügt schmunzelnd die beiden Zähn« in seinem Laden. Der Preis waren die beide« Flaschen Schnaps." Durch unsere Kolonialpoli- tik haben wir in Afrika seither in erster Linie die Dinge verbreitet: Schnaps, Syphilis, und den Muhamedanismus und dafür zahlt daS deutsche Volk seit 1885 über % Milliarden Mark, von den Menschenleben gar nicht zu reden.

• Die Zeiigengebühre» der Lehrer. Die Ge­bührenordnung für Zeugen und Sachverständig« bestimmt in ihrem § 14, daß Beamte bei Ver­nehmungen vor Gericht statt der üblichen Zeugen­gebühren die höheren Sätze, die in den Vorschrif­ten über Dienstreisen der Beamten fest­gelegt sind, erhalten, wenn sie über Umstände auszusagen haben, die in Ausübung ihres Amte» zu ihrer Kenntnis gekommen waren. Das Biele- selber Landgericht hatte hiernach nun auch ver- fahren und einer Anzahl Lehrer und Lehrerinnen, die auswärts vor Gericht hatten zeugen müssen, die nach gen. § in Frage kommenden Reisekosten und Tagegelder zugesprochen. Auf dagegen ein­gelegte Beschwerde hat, wie die „Köln. Volksztg." mitteilt, das Oberlandesgericht in Hamm ent­schieden, daß die Bestimmung des § 14 auf Lehrer an öffentlichen Volksschulen keine Anwendung finde. Das Gesetz betr. das Diensteinkomme« der ßeftrer und Lehrerinnen und die dazu er­lassenen ministeriellen Bestimmungen legten aus­drücklich fest, daß den Lehrern Tagegelder und Reisekosten nur bei Versetzungen im In­teresse des Dienstes zu gewähren seien. Dieses komme aber hier nicht in Frage. Ander« Vorschriften, die bezüglich der Gewährung vo« Tagegeldern luib Reisekosten im vorliegenden Falle anaewendet werden könnten, beständen für Lehrer nickt. Es seien also nur die allgemein üblichen Zeugengebühren in Anrechnung z« bringen.

' Berlin, 24. Nov. 1908. Der Kaiser ist heute nachmittag 3y2 Uhr mit dem Prinzen Eitel! Friedrich, Adalbert und August Wilhelm nebst; dem Gefolge zu den Hofjagden nach der ®öbrbes abgereift — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der; zum norwegischen Geschäftsträger bei der Kaiser­lichen Regierung ernannte Kapitän Sie wird heute abend vom Reichskanzler empfangen. Der Reichskanzler empfing gestern abend den Staats- Minister Schönstedt. — Der neue Gouver­neur von Südwestafrika, v. Linde» guist ist in Lüderitzbucht eingetroffen und hat die Verwaltung der Kolonie übernommen. — Der Bundesrat hat beschlossen, daß von der Invaliden versicherungspflicht auf ihren Antrag auch diejenigen Personen zu befreien sind, denen auf Grund früherer Anstellung bei den Kirchengemeinden, Instituten oder Verbünden der evangelischen Landeskirchen Preußens Pen­sionen im Mindestbetrage der Invalidenrente be­willigt sind. — Das Deutsche Theater in Berlin ist für den Preis von 2% Millionen Mark in den Besitz des Theaterdirektors Max Rein­hardt übergegangen.

Schriftleiter: 3. Baue;

ÄÄ wxchenbeiiagt: „Illustrierte SontrtagsjeW

Ausland.

♦ Die feierliche Eidesleistung des Groß- Herzogs Wilhelm von Luxemburg auf die Ver- saffung erfolgte am Mittwoch in Gegenwart deS Ministers Eyschen, des Finanzministers Mont- genast und der Abordnung der Kammer und deS Hofstaates. Nach der Eidesleistung verlas der Großherzog eine Adresse, worin et in seinem und feiner Mutter Namen für die zahlreichen Beileidskundgebungen a S dem luxemburgischen Lande dankte und das £« ib aufs neue seiner Treue und Zuneigung versicherte. Nach dem feierlichen Vorgänge wurden die luxemburgische« Abgesandten von der Großherzogin - Witwe empfangen.

* In Nom hat der gesamte Vorstand der sogenannten Federazione Piana, jener Vereinigung sämtlicher in Rom bestehender katholischen Vereine und Gesellschaften, seine Entlassung eingereicht, und zwar infolge der Erörterungen über die Statutenentwürfe ft»

triftetet tll,ttft, «ft Surnahme der Sone* inö fieieriage. viertel» sShrl. »ejugsprti« »hne Bringerlol)« und Bestellgeld in Znlda mtd auswärts i Ml 50 PfJ.

Berontwortllfter

o Sur Reichsfinanzresorm bringt die „Nordd. Allg Ztg." einen weiteren vierten Artikel, der sich m erster Lime mit ber wichtigen Frage bet SR a t r i f u l a r b e 11 r a g e belaßt Demnach sind die verbündeten Regterun- aen in ihren Steuervorschlagen auf den Gedanken einer festen Begrenzung der SRatrifularbeitrage zurückgekommen. Die „Nordd. Allg. Ztg. bezeich­net diese Maßnahme als „unabweisbar' zum „Schutze der gefährdeten einzelstaatlichen Finanz- Wirtschaft", der neben der Aufbringung der er- forderlichen neuen Geldmittel für das Reich den Hauptzweck der ganzen Reichsfinanzreform dar­stellt.

Nach dem Plane der verbündeten Regierungen soll für „gewöhnliche Zeiten" ein Höch st m a ß für ouszuschreibende ungedeckte Matrikularbet- triige gesetzlich fcftgelegt werden; di« diese Grenze überschreitenden Beträge sollen, soweit he nicht nach der Rechnung Deckung finden, dem Reichs­etat des zweitsolgenden Rechnungsjahres zur Last geschrieben werden. Als Höchstmaß der von den Bundesstaaten aufzubringenden ungedeckten Matrikularbciträge ist der Betrag von 40 Pfennig auf den Kopf der Bevölkerung in Aussicht genom­men was bei einer Bevölkerung von 60 Millionen Köpfen 24 Millionen <M ausmachen würde. Die verbündeten Regierungen haben diesen Satz ge­wählt, weil der Betrag von 24 Millionen =41 un­gefähr den gegenwärtigen Leistungen der Bundes­staaten hinsichtlich der ungedeckten Matrikularbci- träge und, wie die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, der Summe entspricht, die der Reichstag in den letzten Jahren als eben noch erträgliche Belastung der Einzelstaaten anerkannt hat.

Die „Nordd. Allg. Ztg." betrachtet diese Maß­nahme, wie gesagt, als „unabweiSda r" un Interesse der Einzelstaaten. Daneben bezeichnet sie dieselbe als den notwendigen Ersatz" zu dem Verzicht der Bundesstaaten auf den eigenen wei­teren Ausbau des noch entwicklungsfähigen Erb­schaftssteuerwesens des Reiches. Das offiziöse Blatt sucht den Plan natürlich nach Kräften schmackhaft zu machen. Es versichert, den ver- bünbeten Negierungen fei es nicht darum zu tun, die verfassungsmäßige Verpflichtung zur lieber- nähme von Matrikularbeiträgen grundsätzlich von sich abzuwälzen, es handele sich vielmehr nur um eine Beschränkung der „finanzpolitischen AnWen- düng" der weiter bestehenden verfassungsmäßi­gen Verpflichtung, wie sie zum Schutze der ein- zelstaatlichen Finanzen gegen „eine zu weitgehende Inanspruchnahme" geboten erscheine. Das sind Floskeln. Es läßt sich nicht bestreiten, daß durch den von den verbündeten Regierungen gemachten Vorschlag der Grundgedanke der Matri- fularbciträge aufgehoben oder doch wenig­stens in bedenklichem Matze irretiert wird. Daran ändert auch die Versicherung der „Nordd. Allg. Ztg." nichts, daß die verbündeten Regierungen „nach Wie vor bereit bleiben", in „besonderen Fällen Wie Kriegszeiten" auf die Begrenzung der zu leistenden Matrikularbciträge zu verzichten.

Tas ist denn doch Wohl selb st ver st änd-

eingebrachk werden wird. Eine Debatte werde sich natflrlid) daran noch nicht knüpfen könne«, vielmehr würden dem Reichstage mehrere Tage freigegeben werden müssen, damit die Mitglieder sich mtt dieser umfangreiche« und wichtige« Materie vertraut machen könnte«. Di« erst« Lesung der Reichsfinanz - Reform werde voraussichtlich am S. Dezember beginnen. — Die Eröffnung deS Reichstages wird einer Bekanntmachung bei .Reichs- und Staatsanzeigers' zufolge am 28. No­vember mittags 12 Uhr im Weißen Saale deS König!. Schlosses, und zwap, wie verlautet, durch den Kaiser selbst erfolgen.

Zn de« Steuervorlagen der Regierung haben sich bisher nur einige bedeutendere Ber­liner Parteiblatter geäußert. Die ,Vosfische 3eituqg' und das berliner Tageblatt^ nehmen im allgemeine« eine scharf ablehnende Stellung, namentlich gegen die geplanten Verkehrssteuern, bereits fett einiget Zett Anstalten dieser Art be- ein. Durchweg wird betont und zwar auch von I stehen, wae die Reichshauptstadt bis jetzt «och

konservative« Organen, daß die Vorschläge der Regierung einer ernste« Prü,ung zu unterziehen seien, daß manche Bedenken ihnen entgegen« ständen und daß ein abschließendes Urteil noch nicht gefällt werden könne. Bemerkenswett ist, was die .Kreuzzeitung' über die Neichselbschafts- s teuer sagt, Nachdem das Blatt die Annahme

widerlegt hat, daß mit der Erbschaftssteuer eine Qualifizierung in den Reichsetat eingefflbrt werden solle, bemerkt dasselbe weiter: „Wir haben, wie sich untere Leser erinnern werben, dem Gedanken der Reichserbschaftssteuer, als er vor einiger Zeit zuerst auftauchte, ablehnend gegenüber gestanden, weil wir alle direkten Steuern uni) diejenigen, die von den Pflichtigen als direkte Steuern empfunden werden, den Einzelstaaten überlassen wissen wollten. Nach­dem wir jedoch erkannt haben, daß bei der Stimmung der Neichstaasmehrheit ohne Reichs- erbschaftssteuer eine wirksame Finanzreform nicht durchführbar ist, werden wir un« mit dieser Steuer abzufinden haben. Jetzt liegt uns nur noch daran, sie so anszugestalten, daß die gegen sie zu erhebenden Bedenken nach Möglichkeit qemilöert werden. In diesem Sinne ist, wie uns scheint, auch der Entwurf der Verbündeten 9iec3 rungen gehalten. Insbesondere sollen die Erbteile/die auf Abkömmlinge oder den Ehe­gatten des Erblassers übergehen, von der Reichs- steuer freibleiben, und ist Vorsorge getroffen worben, daß diejenigen Staaten, die bi«!,er eigene Landeserbsckaftssteuern erhoben haben, von Eirrnaftmeausfällen geschützt werden."

* Der Bund der Industriellen beabsichtigt, auf seiner demnächst Nattfindenden Generalver- sammliing auch zur Flottenvorlage Stellung zu nehmen. Angeblich soll dem Bund die Vorlage „viel zu wenig bieten und es soll eine Resolution gefaßt werden, in welcher die stärkere Vermehrung und der schnellere Ausbau der Flotte mit Rück- sicht auf unteren Außenhandel und die Industrie sowie auf das Ansehen Deulichlands gefordett wird. Demgegenüber halten nur eine Bemerkung für sehr berechtigt, welche der konservative.Reichs- bete' aus Anlaß des Planeseiner „Gymnasiasten- Flottenkpende" macht. Das Blatt hält diesen Gedanken für ganz schön, bemerkt dazu aber weiter: „Gleichzeitig möchten wir aber die Hoff­nung aussprechen, das? unsere großen Schiffahrts- gefellschasten, sowie die Großindustrie, insbesondere die Auslandsindustrie, für deren Schutz die Flotte besonders bestimmt ist, ihre Portemonnaies auf» tun möchten, die reichlicher gefüllt sind, als die unserer Primaner. Da sie durch die Vorlage nicht mit einer Sondersteuer bedacht sind, weil man die Flotte mit Recht als eine Sache der ganzen Nation ansieht, fo wäre es um so schöner und erfreulicher, wenn diese Herren, deren In­teressen die Flotte vorzugsweise zu dienen berufen ist, freiwillig sich zu einer reichlichen Flottenspende für den Ausbau der Flotte bereit erklärten. Das würde einen guten Eindruck machen und beweisen, daß noch etwas von dem alten patriotischen Hanlageist in unseren Handelsstädten lebt/

§ In der Angelegenheit des Charlotten­burger Hochschttlstreits werden nacheinander widersprechende Nachrichten verbreitet. Nach der einen sollen die Behörden unter Zustimmung des Kultusministers ihren Widerspruch gegen die Gründung des geplanten Studentenverbandes, der den Namen: „Verband der Studentenschaft der königlichen technischen Hochschule zu Berlin» führen sollte, nichts mehr einzuwenden haben und auf di« Einschaltung „nicht konfessionell» ver­zichtet haben. Wir halten diese Nachricht, welche in striktem Widerspruch« zu dem bekannten Er­laß des Kultusministers und der bisherigen Hal­tung der akademischen Behörden steht, vorläufig für durchaus unglaubwürdig. Wir tun das um so mehr, als von einer anderen Seite gemeldet wird, daß am Sonnabend eine Studentenver- ; sammlung stattfinden soll, welche angesichts der . ablehnenden Haltung der Professorenichaft gegen­über den Wünsche« der Studentenschaft nach Ver­mittlung, Beschlüsse über ein weiteres Vorgehen ; in dem Konflikt mit Rektor und Senat fassen soll.

§ Dip Stadtverordnetenwahlen in Chor« , lottenburg, die am Donnerstag stattgesunden i haben, haben einen Sieg des verbündeten Bürger- , tum« gebracht. Die .Freie deutsch« Presse' be» mettt dazu: „Die Wahlbeteiligung, die dir 5ti

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