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tgglfd), mit Lnrnal nie der Sonn« nur Seteriage. viertel« jdbrl Vezuarpreir el;rt vringerlodn nnd 8 et «beeid in ruwa und .uswärts i Mi 50 psg.

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Moncttrbeilage: „Zuldaer Geschichtrblätter

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»Otationrdrnck ». Verlag der 5«ldaer Re» tienörurterei in Jiulba. 8<rnsprecher lkr. 9.

J\» 268.

Fulda, Donnerstag, den 23. November iwod.

32. Zahraanq.

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$fir den Monat Dezember kostet die täglich erscheinende ,Fuldaer Zei­tung^ nur

W 50 Psg. -MS

ohne Bestellgeld und Bringerlohn.

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Der Norddeutsche Lloyd als Arbeitgeber.

Der Norddeutsche Lloyd beschäftigt zur Zeit auf seinen Seedamp^ern 8775 Mann und auf seinen Flußschiffen 7(>0 Manu; dazu kommen noch 46'iO Landangestellte, so daß also das Pers onal insgesamt aus 14,125 Personen besteht. Von dielen sind 5270 verheiratet (2200 Mann der Seedampfer, 200 der Flußschiffe und 2870 Landangestellte) und 240 verwitwet, während 8615 ledig sind (6445 Mann auf den See­dampfern, 490 auf den Flußschiffen und 1680 Landangestellte). Demnach sind also über 39 '» verheiratet bezw. verwitwet. Rechnet man dazu die Zahl der Kinder, und zwar 9311 unter 15 Jahren und 1739 über 15 Jahren, so geben die Angestellten des Norddeutschen Lloyd mit ihren Familien zusammen die stattliche Zahl von 30,445 Personen, also die Einwohnerzahl einer ansehnlichen deutschen Mittelstadt.

Jntereffant ist es auch, das Dienstalter der Angestellten des Norddeutschen Lloyd zu ver­gleichen. Wenn eine lange Gesamtdienstzeit der Angestellten nicht bloß ein günstiges Zeichen für diese selbst, sondern ebenso sehr für den Betrieb ist, so darf der Norddeutsche Lloyd als ein guter Arbeitgeber angesehen werden, denn nicht bloß von seinen Landangestellten, sondern auch von den Mannschaften seiner Dampfer sieht eine große Anzahl schon auf eine lange Reihe von Dienstjabren zurück

Bon den 62 Kapitänen seiner überseeischen Dampfer sind 29 über 15, 20 über 20 und 6 über 25 Jabre bei der Gesellschaft, und von den — naturgemäß verhältnismäßig jungen — 42 Kapitänen der Dampfer seiner indochinesischen Küstenfahrt sind 10 über 10 und 7 über 15 Jahre im Dienst.

Von den 64 I. Maschinisten seiner über­seeischen Dampfer sind nur 3 im 8. Jahre, 2 über 10, 16 über 15, 25 über 20 und 18 über 25 Jahre im Dienst, und von den 42 1. Maschi­nisten seiner indochinesischen Küstenfahrt 9 schon über 10, 4 über 15 und 1 über 20 Jahre. Von den b6 II. Maschinisten dienen 15 über 10

KieWokoko-Dame.

Roman von Ernst von Waldow.

*2) (Nachdruck verboten.)

Maud schlief nicht, Margarete hatte sich das gleich gedacht. Mit fieberhaft glänzenden Augen fragte sie die Eintretende: Ist die Depesche besorgt?

Ja, und ich bin sicher, daß Winterfell die Selbstanzcige unterlassen wird. Vielleicht kommt er nach Wien —

Margaret!

Heber Mauds Antlitz flog ein Freudenschim­mer, doch gleich darauf senkte sie wieder mutlos den Kopf und murmelte: •

h ®5. kommt nicht zurück, er kann mir nicht vergeben. —

1b,er6e*t)t und duldet alles! tröstete Mar- ka »»» ^tzt, mein Liebling, sprechen Sie nwn“;» ?*** Sie mir, wie das alles gekom- schlafen' können.'^ ^rmute, daß Sie doch nicht fr11' r.u recht, setze Dich zu mir, ich will sbtr alle Einzelheiten unseres Streites an jenem unseligen Tage m.tte len - ach, ich habe sie nur zu genau nie.-nem^Gedächtnis eingeprägt!

Dann erzählte Maud in Absätzen, unter Seuf­zen und oft von krampfhaftem Schluchzen unter- brechen, ihren Austritt mit Ullrich, und nach einer längeren Pause fragte sie bange:

Sprich, Margarete, glaubst Du, daß er mir vergeben kann?

Ich hoffe es, denn Sie haben so viel gelitten. Nur begreife ich kaum, wie Sie diesen ungeheuer­lichen Verdacht fassen konnten?

Wenn Tu seine Befangenheit, ja sein tödliches Erschrecken gesehen hättest. Auch verwickelte er sich in seinen Aussagen und sprach die Unwahr­heit. Zum Unglück erinnerte ich nrich an den stock, der das Monogramm mit U. W. trägt und

Jahre, 30 über 15, 11 über 20 und 2 über 25 Jahre.

Bon 105 Bootsleuten sieben 26 über 10, 13 über 15 und 2 über 25 Jahre im Dienst, von 117 Zimmerleuten 13 über 10, 9 über 15, 4 über 20 und 1 über 25 Jahre, von 224 Steurern 43 über 10, 24 über 15, 6 über 20 und 1 über 25 Jabre, von 238 Schmierern 49 über 10, 17 über 15, 6 über 20 und 1 über 25 Jahre, von 63 Lagermeistern 17 über 10, 11 über 15 und 5 über 25 Jahre, von 154 Ober­heizern 42 über 10, 37 über 15. 16 über 20 und 2 über 25 Jabre. Von 50 Oberköchen stehen 17 über 10 Jabre, 11 über 15 Jahre, 5 über 2o und 4 über 25 Jabre int Dienst des Lloyd, von 113Dampsköchen 12 über 10, 6 über 15, 3 über 20 und 1 über 25 Jahre.

Von 44 Oberstewards sind nur 3 unter 10 Jahre, 10 über 10 Jahre, 18 über 15 Jabre, 10 über 20 Jahre und 3 über 25 Jahre im Dienste des Lloyd. Von 64 Proviantstewards sind 21 über 10 Jahre, 17 über 15 Jahre, 7 über 20 Jahre und 3 über 25 Jahre im Dienst.

Auch von denjenigen Berufen, deren Ange- hörige naturgemäß häusig ihr Arbeitsfeld zu wechseln pflegen, weist eine überraschend große Anzahl schon ein hohes Dienstaster auf. So sind von 886 Heizern 95 über 10 Jahre, 39 über 15, 11 über 20 und 1 über 25 Jahre dem Lloyd treu geblieben, von 160 Bäckern 12 über 10, 4 über 15 und 1 über 20 Jahre, von 43 Barbieren 5 über 10, 5 über 15 und 1 über 25 Jahre, von 158 Stewardessen 15 über 10, 13 über 15 und 6 über 20 Jahre und von 1522 Stewards 162 über 10 Jahre, 109 über 15, 33 über 20 und 5 über 25 Jahre.

kl c. Der Besuch.

Seine „Beleuchtung" in drei Briefen.

Bon L. Gert.

T., den 25. September. Liebe Helene!

Ich muß Dich um Verzeihung bitten, daß ich Dich gestern vergeblich auf mich »varten lieh. Es war mtr aber beim besten Willen nicht möglich abzukommen. Wir bekamen am Nachmittage un­verhofften Besuch. Ich schrieb Dir ja neulich, daß der lange, trockene Kandidat Schulz, den» wtr schon früher immer aus dein Wege gingen, von der Töchterschule in M. nach G. versetzt wor­den und uns dadurch leider wieder näher ge­kommen ist. Gestern erschien der Mensch, den ich nun einmal nicht ausstehen kann, bei uns auf der Bildfläche und dehnte seine .beglückende" An­wesenheit bis in die Abendstunden aus. Mein Bruder hatte vergesse», mich auf den in Erwar­tung stehenden, lieben Besuch aufmerksam zu machen und die Folge davon war, daß ich jetzt doppelt zu tun hatte. Du kennst unseren ziemlich ausgedehnten Haushalt, für dessen Ordnung ich so ziemlich allein die Verantwortung trage. Mama ist immer kränklich, Berta findet als „wohlbestallte Lehrerin" keine Zeit für die Dinge im Hause, und Lotte, unsere Jüngste, liegt ebeir- falls immer über ihren Büchern, oder schwartet, wenn sie mich nicht durch ihre bekannten Tauer- klavterübungen zum Rasen bringt, in der Gar­tenlaube Romane, die dem Mädchen noch vollends den Kopf verdrehen. So bleibt mit all-un die ganze Arbeit, bei der ich nicht einmal durch unser

richtig — er gehörte ihm. Das Bild meiner Mutter —

Die Rokoko-Dame war also der erste Anlaß, daß der Schleier gelüftet werden muß, der das düstere Geheimnis bisher bedeckte — das ist eine Fügung des Himmels! Denn Ellen Wilson, die vielgeliebte Gattin Sir Georges, war ein Gegen­stand deS Hasses für die andern und jetzt ist es Ellens schönes Abbild, das verhängnisvoll in das Leben jener eingegriffen.

Soll ich heute nicht alles erfahren?

Nein, mein Liebling, Sie müssen auch der Vernunft Gehör geben und bedürfen der Ruhe. Ihr Herz haben Sie durch diese Mitteilung er­leichtert und nun kann und werde ich Ihnen hel­fen, so sicher ich hoffe, selig zu werden. Es kostet ja auch mich ein großes Opfer, kaum vernarbte Wunden müssen wieder aufgerissen werden, doch stehe ich nicht an, meine Pflicht zu tun. Gönnen Sie mir Zeit bis morgen, ich muß ruhen, mich fassen.

Es soll so fein, wie Du es bestimmst, fühle ich doch selbst, daß meine Kräfte schwinden, ich bin so matt, so matt — mir ist, als sei mein Leben die hin und her flackernde kleine Flamme einer Kerze — ein Windhauch noch — und sie erlischt.

Die Augen schließend, schwieg Maud — sie lag so still da in den weißen, spitzenbesehten Pol­stern, als sei sie entschlummert für immer und der Windhauch habe wirklich die kleine, matt hin und herflackernde Lebensflamme ausgelöfcht.

Voll Sorge wachte die blaste Frau im Witwen­kleide in dieser Nacht am Bette der Kranken, und es waren schwere Gedanken, die sie beschäftigten.

Auf das heftige Fiebvr war am nächsten Tage ein Zustand völliger Erschöpfung gefolgt, Maud war so schwach, daß sie kaum zu sprechen vermochte. Doch war es nicht jene Apathie und gänzliche Anteillosigkeit, welche den behandelnden Aerzten Sorge gemacht, in die Maud zurückgefallen war, im Gegenteil, das Auge, sonst starr und gläsern, blickte voll Verständnis, die Psvche regte.sich wieder. Nur die körperliche Schwäche war be»

Dienstmädchen wünschenswerte Unterstützung finde. Denn die ist ein schrecklicher Tapps. Meine Herren Brüder lassen sich die Bedienung wohl gefallen, aber von Rücksicht auf meine Arbeits­kraft kann bei ihnen leider keine R-de fein. Sonst hätte mich Franz doch wenigstens mit einem Worte auf den „lieben" Besuch, den ich natürlich schon aus „Anstandsrücksichten" mit, wenn auch er­zwungener. Freundlichkeit behandeln mußte, vor- berestet. Es war ein Glück, daß ich berenS am Morgen „Plätzchen" gebacken halte denn am Nachmittage hätten wir hier in unserem Neste nichts Vernünftiges zum Kaffee bekommen. Am Tisch wurde mindestens fünfmal erwäbit, daß die von mir gebackenen „Plätzchen" treffüch ge­raten feien. Denkst Dn, der Stock von Kandidat hätte darauf reagiert? Keine Ahnung! Er muf­felte in einem weg und trank mindestens fünf Tasten Kaffee, die ihm Lotte mit bekannter Be­geisterung einfrfjenfte. Dabei reichte der Tavpr von Magister ihr die Tasse einmal so ungeschickt hin, daß sie die Hälfte aufs Tischtuch goß. Du kannst Dir nach dieser kurzen Schilderung meine „Festtagssttmmung" in etwa ausmalen. Trotz­dem hoffe ich, daß wir uns, d. h. Du und ich, am Mittwoch im Kränzchen in fidelster Stimmung treffen werden.

Deine Fritzi.

P. S. Eben kommt Frieda mit der Tischdecke aus dem Rauchzimmer. In die Decke ist »in Loch gebrannt. Das hat in einer Ungeschicklichkeit niemand anders als Schulz getan.

T., den 25. September.

Verehrte Kollegin!

Ich bedauere unendlich, daß Sie uns gestern nachmittag nicht besuchen konnten. Sie haben entschieden etwas versäumt. Kollege Schulz von der h. Töchterschule in G. besuchte uns. Mir kam der Besuch, der ja allerdings nur meinen Brüdern galt, recht ungelegen. Ich hätte lieber Sie bei uns gesehen. Aber was will man machen, wenn einem Jemand so unverhofft ins Haus schneit? Man fügt sich eben in das unvermeidliche und versucht die Illusionen, die sich dieser Be­such über Freude, die sein Erscheinen erwecken wird, macht, durch gute Miene und zarte Worte Mt nähren, bis man schließlich doch dahinter kommt, daß sich der Besuch ganz leidlich eriraaen läßt. Und dazu hat Kollege Schulz den besten Teil betgetragen. Wir haben uns miteinander ganz aut unterhalten, aber es ist doch nicht ohne eine kleine, jedoch gründliche Auseinandersetzung obaegangen. D. h. in aller Freundschaft und — Siebe. Sie verstehen doch! Schulz behauptet nämlich, daß man über den erzieherischen Erfolg der weiblichen Lehrkräfte geteilter Meinung fein könnte. Uebrigens eine kleine Unverschämtheit, die aber doch von einem gewissen Mut zeugt. Finden Sie nicht? Ebenso entpupvte sich der liebe Mann als ein enffchiedener Gegner der Frauenmanzipation. Obgleich ich ihm in beiden Beziebunaen unseren Standvunkt gründlich klar gemacht habe, hätte ich doch namentlich wegen des letzteren Punktes Ihre Anwesenheit sehr ge­wünscht. Im übrigen ist Schulze ein ganz präch­tiger Mensch. Ein Pädagog comme il faul nnd Musiker par excellence. In seiner Wagner- schwärmeret ist er mir noch über, ein Umstand, den ich im allgemeinen nicht angenehm empfand. Aber sonst läßt sich mit ihm ganz nett auskommen. Er ist übrigens durchaus kein verknöcherter Jung­geselle, nur benutzt er bunte Taschentücher. Na, das könnte man ibnt im Falle der Not abae- wöhnen. Da ich Sie nächsten Sonntag ganz be­stimmt bei nnS erwarte nnd annahm, daß Sie von früher her, — Schulz wohnte als Student uns ia gegenüber —, .sich das alte Itteresie ffir

änaftraenb. Ein wenig schwarzen Kaffee mit Ei und später ein Gläschen Tokayer, das hatte der Hausarzt verordnet und Doktor Mauder schien damit das Richfiae getroffen zu haben, denn Maud versank alsbald in einen festen Schlaf, der durch­aus nicktS fieberhaftes hatte, denn ihr Atem war regelmäßig.

Margarete beobachtete d'es mit frohem Lä­cheln, doch ihre Mie-w verfinsterte sich sogleich, denn sie hatte das Ranschen eines Kleides aus dem Nebenzimmer vernommen und sich urn- wendend, erblickte sie Katharinens hohe Gestalt auf der Schwelle der Tür.

Den Finger auf die Lippen gefegt, schritt Mar­garete der «Besucherin entgegen nnd nötigte diese so, in das Nebengemach zurückzutreten. Dort aleichsalls anaelangt, öffnete Fran Moorland die Tür zu dem blauen Salon und sagte kurz:

Gehen wir dort hinein, Maud schläft, konnte aber durch dos Geröntch unserer Stimmen aus ihrem wohltätigen Schlummer erweckt werden. Zudem sind wir da drinnen ganz ungestört und ich habe Ihnen Wichtiges zu sagen.

Frau Forstenberg gehorchte schweigend, es überlies sie kalt bei Margaretens Worten —, denn sie erinnerte sich an die erste Unterredung, welche sie mit dieser Frau hier in ihrem Hause gehabt und ein Etwas in den Mienen und dem Auftreten der Witwe flößte ihr Furcht ein.

Doch wollte sie sich das nicht aumerkeit fasten und fragte so unbefangen afs möglich nach Mauds Ergeben.

Sie kann gerettet werden, wenn wir ihr helfen, erwiederte Frau Moorland, ihren Stuhl näher an das kleine Sofa ziehend, auf dem Katharina sinh niebergelaffen.

Nun, wir haben unS, meine ich, alle redlich bemüht, zu Mauds Genesung beizutragen —

Jetzt aber gilt es, große Ovfer zu bringen.

Ich verstehe Sie nicht, Frau Moorland, wollen Sie sich nicht deutlicher erklären?

Gewiß — ich wollte Sie vorbereiten —

Katharina öffnete den Mund, um mit einer Phrafe zu antworten, daß ihr kein Opfer zu groß

den ehemaligen Studenten bewahrten, habe id' ihn gleichfalls um feinen Besuch gebeten.

Ihre Berta I.

T., den 25. September.

Liebes Fränzchenl

Ich bin riesig glücklich. Denk' Dir, er wa, da. Ja, er, Euer neuer Kandidat in eigene« Person! Er, unser Schwarm! Uebrigens ich ver­stehe nicht, daß Du feine Locken nicht reizend fin­dest. Gestern hatte er ein brillantes Haupt. Beim Kaffee faß ich ihm gegenüber und wir haben verstohlene Blicke gewechselt. Ich schwelgte in Seligkeit. Als ich ihm die freite, nein die vierte Taste einschenken durfte, zitterte ich so sehr vor Glück, daß einige Tropfen Kaffee daneben gingen. Er wurde rot bis hinter die Ohren und Fritzis Gesicht noch grimmiger, als es bisher schon war. Trotzdem sie fünfzehn Jahre älter ist afs ich, kann sie immer noch nicht schwärmen. Die lernt’3 auch nie. Mir tut der arme Kandidat so seid. Sie dichtete ihm nämfich eben noch an, er ho'e mit der Zigarre ein Loch ;n die Tischdecke int Rauchzimmer gebrannt. Das ist nicht wahr. Eher will ich's gewesen fein. Fränzchen, Dn mußt nächsten Sonntag zu uns kommen. Berta hat Herrn Schulz eingefaben und er hat zugesagi. Ach, ich bin entsetzlich gliickfich. Die ganze Nacht habe ich von ihm geträumt. Ich sah ihn immer am Kfavier sitzen und phantasieren und afs er mich im Zimmer bemerkte, bat er mich, ein L' d zu fingen. Ich war sofort, wenn an T> schüchtern einverstanden, und denke Dir, wie ich anfanacn will zu fingen — Schumanns „Dn Ning an meinem Finger" — da werd' ich geweckt, weil es schon 9 Uhr morgens war. Trotzdem aber bin ich fefig.

Mutter kommt eben. Ich muß schließen. Also bis nächsten Sonntag.

Deine gfückliche Lotte.

P. S. ES war nicht Mutter, sondern unstr Dienstmädchen, die mir eine Karte aus G. brachte. Ich hatte ihr nämfich befahlen, alle Karten aus G. zuerst mir zu steigen. Die Karte ist von Sch. Alle fäßt er grüben, nut mich nicht. Ich bin furchtbar unglückfich. Sch. ist ein Barbar. Nir werden nnS nächsten Sonntag rächen.

vermischtes.

* Wie russische Beamten arbeiten, schildert in einer ergötzlichen Plauderei der „Pet. Listok": Die Schreiber arbeiten in den meisten staatlichen Institutionen bei einem Durchschnittsgek-att von 30 Rubeln monatlich, den Tag sechs Stunden, d. h. von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmit­tags. Der Bureauvorsteher arbeitet, entsprechend feinem höheren Monatsgehalt, das im Durch­schnitt 125 Rubel beträgt, nur vier Stunden täg­lich. Der Abteilnugschef bezieht ein Monatsge­halt von mmdestens 300 Rubeln, demgemäß er­scheint et erst um 1 Uhr mittags zur Arbeit und stellt sie nm 4 Uhr nachmittags ein. Der De­partementsdirektor, der Einnahmen von etwa WO Rubeln monatlich hat, ist natürlich genötigt, vornehmer als sein Abteilunaschef zu fein. Da dieser erst um 1 Uhr seinen Dienst antritt, kann der Herr Direktor unmöglich vor 2 Uhr erscheinen und da der Untergebene füglich den Dienst nicht vor feinem Chef verlassen kann, sieht sich dieser veranlaßt, noch vor 4 Uhr „Feierabend" zu machen.

* Ans der Se^mrdärbahu. „Sagen Sie mal, Herr Stationsmeister, woher kommt es nur, daß wir jetzt immer ohne Verlpätung eintreffen"? — Stationsmeister: „Ja, wissen Sie, der Lokomotiv­führer hat geheiratet, und da mufj er immer pünkt­lich zu Hanse fein.*

— —■ 1 ■—a— iiiTmui——>

sei für die liebe Nichte — aber das Wort erstarb ihr auf den Lippen, als sie in das Antlitz der blaffen Fran sah, die ihr einen Blick zuwarf, aus dem unerschütterliche Festigkeit und Entschlossen­heit sprachen.

Ich habe gestern ein Schreiben von Ullrich Winterfest erhalten und kenne jetzt das düstere Geheimnis, das über der Lösung des Verlöbnisses und Mauds Erkrankung gebreitet lag.

Frau Forstenberg vergaß ihre bangen Ahnun­gen und rief voll gespannter Neugier: Das ist ja eine große Neuigkeit — bitte, erzählen Sie mit doch, was schreibt Winterfest?

Hier ist sein Brief! sagte Margarete kalt und reichte der anderen das zusammengelegte Blatt.

In diesem Momente war Katharina weit davon entfernt, den vernichtenden Schlag zu ahnen, der sie erwartete, doch als sie gelesen, war es, als traue sie ihren Augen nicht, denn sie sah fast bülffos zu Margarete hinüber und murmelte: Aber was ist denn das? — Ist der junge Mann auch bei Sinnen — wie kann er denn in jene unselige Ge­schichte verwickelt sein, wußte er doch gar nicht, daß Mauds Vater keines natürlichen Todes ge­storben ist.

Ganz richtig — weil er nicht ahnte, daß dec alte Mann, welcher in dem Landhaus 51t Liegmtz ermordet wurde, Sir George Layard — Mauds Vater gewesen!

So war er dort zu jener Zeit?

Siegnit? ist Winterfells GebnrtSstadt, er hatte dort, ehe er nach Wien reifte, die Gräber der Eltern auf dem städtischen Friedhose besucht und sich verspätet. Sein Weg führte an der Billa in Karthaus vorbei, er sah einen Feuerschein — der Fenstervorbang hatte Feuer gefangen — da man nicht öffnete, schlug er das Fenster ein und schwang sich, von der kleinen Veranda aus, in das Zimmer, nm, nachdem er den Brand gelöscht und der Rauch sich verzogen, das grause Bild der beiden Leichen zu sehen, wie ich es wenig später erblickte unb zu meiner Qual stets vor Augen habe.

(Fortsetzung folgt.)