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Huldaer W Zeitung

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Fulda, Mittwoch, den 15. November laoö.

JW 262.

32. Iabraano

Krftes Wl'crtt.

Deutscher Reich.

Berlin, den 14. November 1905.

_• Zur silbernen Hochzett deS Kaiser- VaareS im Februar nächsten JahreS wird, wie bekannt, seitens der Stadt Berlin beabsichtigt, ein größeres Kapital für eine gemeinnützige Stiftung zur Verfügung zu stellen. Der Magi­strat der Stadt Berlin hat nunmehr der Stadt- verordnetenneriammlung eine Vorlage zugehen lassen, in welcher empfohlen wird, 500000 Mark für die Altersversorgungs-Anstalt der Kaiser Wil beim- und Augu; > «-Stiftung zu bewilligen.

* Kardinal Fischer über den sozialen Frieden. Ans Anlaß der Anwesenheit des Kölner Erz- bischofs Kardinal Fischer fand Montag abend im städtischen Saalbau in @ ff en eine Massen­versammlung katholischer Arbeiter und Bergknappen statt. Kardinal Fischer dielt bei bin: Gelegenheit eine An spräche, in der er sich einmal mit der Sozialdemokratie und dann mit der konfesiionellen Verhetzung beschäf­tigte. Er sprach seine Freude aus, daß die Arbeiter so zahlreich sich an der Mission im Essener Revier beteiligt hätten. Er warnte die Ärbeiter vor Leuten, die rhnen helfen wollten ohne Gott oder gar gegen ihn, gegen seine heiligen Gesetze. Die Folge dieses Tuns sei der Klassenhaß. Die christlichen Arbeiter sollten ihre Forderungen nicht mit Leidenschaft und Haß, sondern mit christlicher Klugheit und Vorsicht verfolgen. Zwischen den Anschauungen jener Leute und den Anschauungen der christl. Ärbeiter beider Konfessionen bestehe eine unüberbrückbare Kluft, die die christlichen Arbeiter zwinge, bei der Ver­tretung wirtschastlicher Interessen zusammenzu- zehen. Um so bedauerlicher sei die konfessio- teile Verhetzung, die leider mehrfach be­trieben werde, zum Unsegen für das Vaterland. Er verurteile sie auf das Entschiedenste, und zwar auch dann, wenn Katholiken sich der­artiges zu schulden kommen ließen. Das In­teresse des Vaterlandes erfordere es, daß die beiden Konfessionen in gegenseitiger Liebe und Vertrauen nebeneinander wirkten. Der Kardinal schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Hetze in den Kreisen der Arbeiter keinen Eingang finden rverde.

* Die späte Einberufung des Preußischen Landtags wirb in verschiedenen Blättern ge­tadelt. "Die »Deutsche Tageszeitung' bemerkt ganz im Sinne unserer gestrigen Ausführungen, wie die Dinge jetzt lägen, habe man bis zum Be­ginne der Weihnachtspause 10 oder höchstens 12 Veihandlunastage. Außer der 1. Lesung des Schulgesetzes würde das Abgeordnetenhaus schwer­lich etwas anderes erledigen können. Der Etat werde, wie bestimmt verlaute, erst nach der Weihnachtspause eingebracht werden. Der ein­zige Vorteil der Einberufung vor Weihnachten bestehe also darin, daß bie Kommission des Schulgesetzes ihre jebenfalls langwierige und schwierige Arbeit unmittelbar nach Weihnachten beginnen könne. Der Landtag werde auch in diesem Jahre, wenn er nicht bis in den Hoch­sommer hi neintagen wolle, mit seiner Zeit sehr haushälterisch umgehen müssen. Auch bie Hreuz- zeilung' rechnet mit einer langen Dauer der Session.

* Zum Schulunterhaltungsgesetz teilt bie Hreuzzettung' mit, daß ber Entwurf nunmehr endgiltig festgestellt fei, daß der König seine Ein­bringung im" Landtage genehmigt habe und daß diese sogleich nach fernem Zusammentritt erfolgen werde. Die Nachricht eines Berliner Lokalblattes, daß behufs endgiltiger Beschlußfassung über den Entwurf noch im Laufe dieser Woche eine Sitzung des Staatsministeriums stattfinben werbe, be­stätigt sich also nicht.

Eine englische Freundlichkett verzeichnet die,Deutsche Tageszeitung'. Danach hat bie Kapregierung bekannt gemacht, baß Angora- Ztegen nur über Rietfontein nach Südwest­afrika ausgesührt werden dürfen. Der Ausfuhr­zoll beträgt für jedes Tier 2000 M. (100 Lstrl.). ®te Transvaalregierung sei schleunigst diesem Betsptel gefolgt Somit fei bie Tür für den Bezug aus dem englischen Gebiet so gut wie geschlossen.

. "3u,n besten unserer Flotte" soll auch

nn deutscher Frauenbund geschaffen werden. In dem Aufruf heißt es: „Wie bie winzigen, fleißigen Ameisen rastlos die schweren Lasten'zu- sammentragen, bis bet große Bau vollendet ist, so laßt uns Scherflern für Scherflein zusammen­tragen, bis wir dem Deutschen Reiche ein ganzes großes Kriegsschiff schenken tonnen Jedes Mitglied des Flottenbundes erhält eine kleine Sparbüchse in Form eines Schiffes, in welche es allmonatlich ein Scherflein hineintut; denn es sollen keinerlei Festlichkeiten zum besten des Flottenbundes veranstaltet wetden." Jedes Mit­glied ist gleichzeitig Mitglied des deutschen Flottenvereins und berechtigt, das Flottenab­zeichen zu tragen. Als Ehrenvorsitzende ist bie Frau eines Vizeadmirals gewonnen, als Vor­sitzende unterzeichnet sich ein Fräulein Klärchen

Müller. Recht bissig bemerkt bie .Freie Deutsche Presse' dazu: „Viel Glück, Fräulein Klärchen, unb viele Sechserchen zu einem Schiffchen!"

.-. Wegen Beschaffung von 1070 Personen, wagen, 397 Gepäckwagen, 53 vereinigten Post- unb Gepäckwagen, sowie 94ü0 Güterwagen für bie bestehenden Bahnen unb bie im EtatSjahr 1906 zur Eröffnung kommen- den Neubaulinien ist die Königliche Eisenbahn- birettion in Berlin beauftragt worden, mit den zurzett für die StaatSeisenbahn-Berwaltung be­schäftigten Wagenbauanstalten in Verhandlung zu treten. Die Lieferungen sollen am 1. April 1906 beginnen unb am 1. November 1906 ab­geschlossen fein. Weitere 882 Güterwagen find alS Nachbestellung für das EtatSjahr 1905 in Auftrag gegeben worden. Die Lieferung dieser Wagen soll noch vor Ablauf dieses EtatsjahreS erfolgen.

* Der Entwurf eines Gesetzes über den Versicherungsvertrag, der, wie seinerzeit gemeldet, vom BundeSrat angenommen ist, wird von ber .Norddeutschen Allg. Ztg.' veröffentlicht. Die Ausgabe vom Dienstag enthält zunächst nur den 1. Abschnitt des Gesetzentwurfs. Die Deröffent- lidjung der übrigen Abschnitte des Gesetzes sowie des dazu gehörigen Entwurfs eines Einfühnmgs- gesetzes, sowie des Entwurfs eines Gesetzes bett. Aenderungen ber Vorschriften des Handelsgesetz­buchs über die Seeversicherung wird von dem offiziösen Blatt für die nächsten Tage angekündigt.

§ Die Einnahmen an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reiche für die Zeit vom 1. April 1905 bis zum Schluffe des MonatS Oktober 1905 belaufen sich auf 8,389,413,80 Mk. (gegen daS Vorjahr mehr: 871,170,50 Mk. Die Ein­nahmen im Monat Oktober betrugen 1,283,783,80 Mark. Auf Preußen entfallen von der Gescmt- einnahme während deS genannten Zeitraumes 7,516,973,10 Mk, auf Bayern: 667,107 Mark und aus Württemberg 205,333,70 Mk.

8 Zu der erhöhten Schweineeinftchr nach Oberschlesien bringt die »Deutsche Tageszeitung' eine Meldung aus dem oberschlefischen Industrie- Revier, wonach dort von einer Schweinenot nicht bie Rede fein könne. Das Blatt hält danach seine Auffassung für durchaus berechtigt, daß bie Erhöhung deS russischen Schweinekontingents weder nötig noch zweckmäßig gewesen fei unb daß sie voraussichtlich ein Schlag ins Masset bleiben werde. Mit besonderer Betonung hebt die »Deutsche Tageszeitung' hervor, daß bie österreichische Regierung die Einschleppung ber Maul- und Klauenseuche aus Rußland befürchte.

(*) Der Skandal im .Vorwärts' geht noch immer weiter. Das sozialdemokratische Zentralorgan schildert jetzt in behaglicher Breite die Szene, wie ber Abgeordnete Grabnauer als Horcher an ber Tür gelegentlich ber Kon­ferenz des Parteivorstandes festgestellt würde. Der ,Vorwärts' vermeidet allerdings, den Namen Gradnauers direkt zu nennen, das tut dem denunziatorischen Charakter ber Mitteilung aber kaum Abbruch, ba schon früher auf Grabnauer mit Namensnennung hingewiesen wurde. Mit besonderer Schärfe wendet sich ber ,Borwärts' gegen das Organ des Abgeordneten von Volk­mar, die Münchener Post'. In kaum einem Dutzend Zeilen wird bas Verhalten des Münchener Blattes „schmutzig", „giftig", „gehäßig", „par­teiisch", „frivol", „parteiverderberisch"' „scham­los", „rücksichtslos" und „beleidigend" genannt. Das genügt wohl. Mit kaum geringerer Schärfe wendet sich das Blatt auch gegen den ihm feit langem verhaßten .Korrespondent für Deutsch­lands Buchdrucker', der das Vorgehen des Partei- vorstanbes scharf kritisiert habe. Es tritt auch hierbei wieder ber Gegensatz zu den Gewerk­schaften beutlich in bie Erscheinung.

Ein Droschkenkutscherstreik in Berkin in Aussicht. Vor kurzem haben bieDroschken­kutscher BeriinS beschlossen, ben im vorigen Jahre abgeschlossenen Tarif, der am 30. b. M. abläuft, nur unter der Bedingung zu erneuern, daß den Kutschern die Arbeit des Wagen- waschens abgenommen, bezw. ber Tagelohn von 2 Mark, den sie jetzt bei einer Tageseinnahme von 12 Mark erhalten, schon bet 10 Mark Tageseinnahmen gewährt wird. Als Antwort auf diese Forderung beschlossen die Fuhrherren in einer am Montag abgehaltenen Versammlung, den alten Vertrag mit den Kutschern auf 21» Jahre zu erneuern. Sollten die Kutscher aber auf ihrer Forderung bestehen, so soll m Zukunft von einer Lohnzahlung abgesehen und anstelle deffen den Kutschern 40 Prozent von der Tages­einnahme gezahlt werden. Für den Fall, daß bie Kutscher ihre Forderungen durch partielle Streiks auf einzelnen Fuhrhöfen durchsetzen wollen, haben sich sämtliche Fuhrherren ver­pflichtet , dies durch die Aussperrung aller Kutscher zu beantworten. Da die Kutscher auf ihren Forderungen höchstwahrscheinlich bestehen bleiben, wird die Aussperrung wohl unvermeid­lich fein; mit welchem Erfolg, bleibt abzuwarten.

§ Die Entschädigungs-Ko mm i s sion in Süd­westafrika hat mit Bezug auf eine Verfügung des Reichskanzlers bestimmt, daß Schaden - Anmel- bungen aus dem Gebiete des Südaufstandes bis fpätestens den 31. Dezember 1905 in vorschrifts­

mäßiger Form einzureichen sind. Zugleich wird darauf hingewiesen, daß eS Sache der Geschädig­ten ist, sowohl jede sich bietende Gelegenhett zur Vernehmung durch ein Kommisfions - Mitglied wahrzunehmen, als auch selbst für die Beibrin- gung ber Zeugen zu sorgen. Versäumnisse in dieser Beziehung, namentlich Nichtbeachtung ber von ber Kommission ober ihrer Unter-Kommissionen festgesetzte« Bernehmungs - Termine können ben Ausschluß von ber Entschädigung zur Folge haben. Nach dem 31. Dezember 19« »5 eingehende Schadeu- Anmeldungen können nicht mehr berücksichtigt werben.

Die Forderung für den Bahnbau Lüderitzbncht-Keelmans'hoop soll bie Kolonial­verwaltung gleich nach dem Zusammentritt des Reichstags diesem wieder vorlegen wollen. Hin- zugefügt wird, man ..beabsichtigt", die Forderung noch vor Weihnachten .churchzudräcken". — „Durchbrücken" ist wohl das richtige Wort. Ob die „Absicht" aber gelingen wird, ist eine andere Sache.

* Heber die politische Lage in Samoa hat sich der zur Zett in Berlin weilende Gouverneur Dr. Solf geäußert unb dabei zum Schluß ge­sagt: „Die einsichtigen Kenner ber Samoaner glauben nicht an bie Möglichkeit einer Rebellion gegen bie Weißen. Auch der letzte Putsch war eine rein interne Sache der Häuptlinge und hatte durchaus keine Spitze gegen bie Regierung. Es wird aber stets bie Kunst ber Regierung fein, bie beiden großen Parteien des Landes so zu überwachen und zu leiten, daß keine eine ent­schiedenes Uebergewicht über bie andere erhält.

* Münster i. W., 14. Nov. 1905. Der evangelische Tivisionspfarrer Bachstein stand heute wiederum vor dem Oberkriegsgericht iveqen ber bekannten Beschimpfung ber katholischen Kirche. DaS Reichsgericht hat bekanntlich das frühere sreifprechende Urteil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Oberkriegsgericht zurückoerwiesen. Nach langer Verhandlung wurde der Angeklagte wiederum freigesprochen. In ber Begründung des Urteils wurde laut ber ,@ermania' ausgeführt, daß der Angettagte objektiv nicht be­schimpfen wollte und subjekttv nach Ansicht deS Gerichts nicht beschimpft habe. Auch gegen dieses Urteil wird Berufung angemeldet werden.

•• Berlin, 14. Nou. 1905. Der Kaiser, die Kaiserin trab bet Kronprinz find m Nürnberg eingetroffe«. — Die Berordnung wegen Ein­berufung des preußischen Landtags auf den 5. Dezember 1905 wird jetzt tot .Reichs- und Staats­anzeiger' bekannt gegeben. — Dem Obersten Deim­ling, früher Kommandeur des 2. Fekdrruments der Schütztruppe für Südwestafrika, ist vom Kaiser unter Beförderung zum Prieadetotnuiandeur der erbliche Adelftand verliehen worden. — Eine Konserenz von Vertretern der deutschen Staatsbahn- verwaltungen sindet zur Zeit in Eisenach statt. Den Verhandlungen soll der z>veigleifige Stusbau der eingleisige» Linien zu Grunde liegen. — Die Ein­führung dänischer Milch nach Berlin in Tankn, agen ist vom preußischen Eisenbahnministe­rium verboten worden. Verschiedene Berliner Blätter geben der Besürchtuvg Ausdruck, daß sich in­folge dieser Maßnahme die Mitchpreise in Berlin be- veutend erhöhen werden.

Ausland.

* Die erste Debatte des französischen Senats zur Trennung von Kirche unb Staat war hauptsächlich insofern von großem Interesse, als bet Ministerpräsident Rouvier zum ersten Male offiziell in bi; Trennungs- bebaüe eingriff. Seme Erklärungen waren äußerst rabitaler Art. Er knüpfte sogar, ohne baß ein äußerer Grund ihn dazu zwang, bie Vertrauensfrage an den Ausfall des Votums. Wer sich auf bie parlamentarische Kulisse ver- steht, konnte von dem taktischen Radikalismus Rouviers weiter nicht überrascht sein. Schon längere Zeit geben im intimen fireife der Linken geheime Pläne um, bas gegenwärtige Kabinett, bas für bie kommende Staatspräsidentenwahl nnb bie 'legislativen Wahlen zu gemäßigt er­scheint, üb er den Haufe n zu ren nen. Da­mit käme allerdings wieder bas Trennungsobjekt, für dessen Durchführung jetzt die Zeit mehr als spärlich bemessen ist, sehr in Gefahr, umsomehr, als eine jetzt eintretenbe Gesamtministerkrisis eine gute Woche dauern würde. Wäre das ben Radikalen, bie ja bekanntlich vom Antiklerikalis- mus leben, so ganz unerwünscht? Herr Rouvier brauchte auf alle Fälle ben Beistand der Linken zur heutigen Interpellation über feine General­politik im Unterhaus. Bon den vier Zusatz­anträgen der Rechten, welche auf eine Abbrechung ber Trennungsberatung abzielten, um teils das Land zuvor zu befragen, teils mit Rom in eine Vorberatung einzutrelen, war derjenige Lama r- zelles ber bedeutendste. Er schlug vor, die Trennungsfrage zur Wahlparole im Frühjahr zu machen. Gegen ihn wandte sich auch bet Ministerpräsident und brachte üm mit 176 Stimmen g egen 1U1 zu Fall. Dieses Votum läßt einen beiläufigen Schluß auf die Stimmung im Senate zu, wo die Auflösung des Konkor­dats mit einer Mehrheit von zirka 70—80 Stimmen schließlich beschlossen werden dürste. Festzuhatten aus der Rede RouvietS ist die Be­hauptung echt Eombes'scher Auffaffnng, daß die

gesamte Frage ausschließlich politischer Natur fei unb bezwecke, ben Staat von den „römischen Fesseln zu befreien". — Im ganzen liegen noch 83 Zusatzanträge vor. die aber rasch erledigt sein werden, denn die Meinungen sind bereits von üer Loge vorbestimmt. — In einigen Tagen wird ber fiarbinal und Beichtvater des Pavstes, Calasanjio Bives y Tuto, in Paris ankommen und in dem früheren Ge> bände ber Nuntiatur Rue be l'Elyiee als Gast des Msgr. Montacsini Wohnung nehmen. In kirchlichen und polttischen Kreisen geht das glaubhafte Gerücht, daß ber genannte Kardinal, welcher der angesehenste Vertrauensmann Pius X. ist, mit Bezugnahme auf die Trennungsfrage eine Mission zu erfüllen h be.

* Ein Angebot von 2000 Ehemännern für Frankreich. Man berichtet aus Paris: Die französische Steuerung geht mit dem Plane um, ihren Telepbonbienst umzuwandetn und das automatische System eimufübren, wodurch viele Telephonistinnen stellungslos wüiden. Um nun die Schwierigkeiten zu lösen, Belchäsligung für diese jungen Mädchen zu finden, hat 91. D. Neill, der Direktor einer „automatischen Tele­phongesellschaft", die ein automatische^ Telephon- Amt in ber Passage Vivienne in Paris einge­richtet bat, ber französischen Postverwaltuna ber Vorschlag gemacht, für 2000 Telephonistinnen Männer zu besorgen. „Früher oder später", meinte Neill. der Kanadier rst, „wiid das auto­matische System in allen großen Städten ein- geführt werden und bie TelepHvnistm überflfiifig machen. Um bie jungen Mädchen für den Bei- lvst ihrer Stellung zu entschädigen, wül ich, wenn die franwsksche Regierung unter System annimmt, in Pans ein Bureau einri en unb bis zu 2000 im Telephondkenst beschädigte junge Mädchen nach Kanada schicken. Im Nordwesten Kanadas gibt es genug junge Leute, bie soviel Geld gespart haben, um einen Hausstand be gründen zu können, und die gern heiraten wollen Für jedes Mädchen, das nach Kanada geben will, werden wir die Kosten für Wohnung und Beköstigung bezahlen, außerdem geben wir auch Taschengeld für sechs Monate unb tun unser möglichstes, «m jeder einzelnen einen paffenden Mann zu besorgen."

* Der österreichische Eifenbahnerstreik kann als beendet gelten. Einer amtlichen Meldung zufolge endeten die fett Samstag mit ben Ver­tretern der Eisenbahnangestellten gepflogenen Verhandlungen damit, daß die Vertreter sich bereit erklärten, die Angestellten der Staats- unb Privatbahnen telegraphisch zur sofortigen Been- bigung der Lohnbewegung aufzufordern. Der Leiter des Eisenbahnministeriums gab die Maß­nahmen der Staatsbahnverwaltung bekannt, die, soweit sie das Personal der Staatsbahnen be­treffen, in ben Besprechungen als genügend be- funben worden sind, das Personal für eine Reihe von Jahren zufriedensteUen.

* Die ungarischen Minister waren am Sams tag in einer dreistündigen Audienz beim Kaiser, der sie wiederholt seines Vertrauens versicherte. Gleichwohl ist die Stimmung in den ber Regie­rung nahestehenden Kreisen recht gedruckt. Man ist offenbar wieder unentschlossen und hat gegen die verschiedensten Einflüsse zu kämpfen. Im Gegensätze dazu ist man in ber Umgebung des österreichischen Ministerpräsidenten, wo man sich resolut zum allgemeinen Wahlrechte bekennt, hoff­nungsvoll. Die Räte arbeiten ber ,Frankf. Ztg.' zufolge Tag unb Nacht an einer Vorlage, von der man hofft, daß sie sowohl die Befürchtungen der Deutschen zerstreuen, als auch bie Wünsche der Arbeiterschaft einigermaßen befriedigen werde.

* Sieg der Monarchie in Norwegen. Das norwegische Volk hat gesprochen unb sich in seiner großen Mehrheit dafür erklärt, daß dem dänischen Prinzen Karl die Krone von Norwegen ange­tragen werde. Damit ist diese feit Wochen die Bevölkerung aufregende Angelegenheit in ber Hauptsache entschieden und das norwegische Volk politisch wieder auf festem Boden. B-s 10 Uhr 30 Minuten Montag abends waren die Resul­tate aus 390 von im ganzen 470 Wahlkreisen bekannt. In diesen 390 Wahlkreisen find abge­geben 185,283 Stimmen mit Ja, 53,807 Stim­men mit Nein. Die Stadt Christiania mit 24,027 gegen 5960 Stimmen ist in diese Summe eingerechnet.

* Zur Lage in Rußland. Das Kriegs - recht ist jetzt durch einen Ukas des Kaisers in ollen zehn polnischen Gouvernements proklamiert worden. — Die Reichsdumawahlen stehen vor ber Tür. Gemäß ber im Manifest vom 30. Ottober von dem Kaiser ausgesprochenen Absicht, das Wahlrecht auch auf diejenigen Volksklassen auszudehnen, die beleihen bis jetzt noch entbehren, arbeitet, wie amtlich gemeldet wird, der Ministerrat gegenwärtig darauf bezüg. liche Bestimmungen aus, deren Veröffentlichung baldigst erfolgen soll, worauf die Reichsduma- wählen unverzüglich stattfinden werden.

* Was geht tnif Kuba vor? Ein in New» York eingegangenes Telegramm aus Havanna meldet: Wie man hier glaubt, fürchtet die knbanische Regierung einen Staats­streich von fetten des revolutionären Teils der Bevölkerung. Diese Vermutung gründet sich an-