Einzelbild herunterladen
 

Fulda, Dienstag, den 14. November 1905.

Jahrgang

M 261

Rotattoitsorud u. Verlag »er jiulSatr 3t» liendru-lerei tn SulSa. Xernspre hrr Nr. 9.

Anzeigen: Vie ein spaltlge Petlftekle oder deren Kaum 15 Ysg. Reklamen die pelttzeilr 25 psg.: del MirLrr- holuna'i Wird entjpk. Ra gewährt.

Monatsbeilage: „zuloaer Geschlchtsblätter"

Sdibtint täglich, mit Zlusnahmt der Sonn» und Xeiertage. viertrl- jöhrl. Vezngrpreir »bitt tzringerlohn nnd vrftellgeld'mMldaund ourwärtr i OT 50 PlS-

Veranlwortlicher Schristleiler:^- Saum;

woch-»d-ii°g°:„ZlluitrierteSonntagrzeitung

»ende

Itar

kam. —

6.

WaS sonst an Vorlagen für > e i Landtag bisher in Aussicht gestellt worden in, ist nicht allzu bedeutend. Außer dem Etat ist bis jetzt eigentlich nur eine Novelle zum Ein­kommensteuergesetz angekündigt worden, über deren Grundzüge sich der Finanzministerin der vorigen Session bereits geäußert hat. Auch von einer Novelle zum Kommunalabgaben, gesetz ist die Rede gewesen. Ferner wird an­genommen, daß der Entwurf eines Wohnungs­gesetz es, deffen Publikation im ,Reichsan- zeiger' bekanntlich schon vor mehr als Jahres- frist erfolgt ist und deflen Einbringung in der vorigen Session erwartet wurde, in der neuen Tagung den Landtag beschäftigen wird. Daß ein Sekundärbahngesetz auch in der kom­menden Session dem Landtage vorgelegt werden wird, kann als zweifellos gelten. Damit sind aber auch die offiziellen Andeutungen über die zu erwartenden Vorlagen erschöpft. Was sonst noch von feiten der Regierung kommt, ist ebenso ungewiß, wie die Jnitiativ-Anträge, die von feiten der verschiedenen Parteien zu erwarten sind.

Die Hauptsache der kommenden Session bildet demnach unbestreitbar das Volksschul­unterhaltungsgesetz. Dasselbe wird ahne Zweifel der Session 1905/06 das Gepräge geben. Hebet die Aussichten des Entwurfs schon heute etwas zu sagen, ist unmöglich, da der Inhalt des Gesetzes noch nicht bekannt ist. Man darf sich indessen nach dem vorhin gesagten jedenfalls auf scharfe Kämpfe im Abgeordneten­haus gefaßt mache».

A-re Mokotto-Darne.

Roman von E r n st von W a l d o w.

’51 (Nachdruck verboten.)

Keineswegs, denn wisse, daß derjenige, welcher meinen Vater und Williams, seinen braven Die­ner, erschlagen hat, das Medaillon, seiner kost­baren Fassung wegen, stahl.

Der alte Mann war ihr Vater — murmelte Ullrich.

Maud blickte ihn aus weitgeöffneten Augen mit dem Ausdruck jähen Schreckens an. Ein ent­setzlicher Verdacht hatte blitzartig ihren Geist er­faßt. — Ter alte Mann, sprach sie ihm mechanisch nach — Ja, Du hast ihn gekannt — gesehen?

Ullrich winkte abwehrend mit der Hand. Ich kain zu spät, um ihn zu retten.

.. Ullrich Du! sie schrie jäh auf. — Aber das jst in unmöglich, Du kannst es nicht gewesen sein, sage nur, daß Du um den Mord nichts gewußt hast, daß^der andere ihn begangen hat.

Ich weiß von keinem anderen, kam an dem Landhause im Abenddunkel vorbei, sah Feuer­schein, drang durch das Fenster im Erdgeschoß in das Zimmer und nachdem ich das Feuer — ledig­lich einen Gardinenbrand — gelöscht hatte, sah ich zwei Männer am Boden liegen, regungslos, blut­überströmt. Ich wollte mich um sie bemühen, ihnen Hülfe bringen, doch das Leben war schon aus ihnen entflohen. Als ich die Leichen wieder auf den Tevpich niedergleiten ließ, erblickte ich das Bild auf dem Boden, ich trat sogar darauf. De" Liebreiz des Antlitzes erregte in mi, den Wunsch, es zu besitzen: daß die Fassung eine kostbare sei, konnte ich nicht bemerken, denn sie war mit dem Blute der Opfer befleckt — ich steckte das Bild zu mir und floh den Ort des Grausens.

Maud hatte sich auf die geschnitzte Lehne eines hohen Sessels gestützt, die Hände fest in einander verschlungen: sie betrachtete unverwandt den hör

♦ AlS künftigen Leiter des Kolonialamts hatte der Berliner Korrespondent der .Frankfurter Zeitung' einen „gegenwärtig einen Gouverneur- Posten bekleidenden Herrn" bezeichnet, der sich schon im Reichstag einmal als gewandter Redner gezeigt habe und dem auch Erfahrung und Energie nachgerühmt würden. Die .Freie Deutsche Presse hatte diese Charakteristik auf den Gouverneur von Samoa, Dr. Solf bezogen. Der.Deutschen Tageszeitung' zufolge kommt aber Tr. Solf als Nachfolger Dr. Stübel's nicht in Betracht. Er habe zwar einmal im Reichstage eine Rede gehalten, die einen rhetorischen Erfolg gehabt habe; das genüge aber keineswegs, um seine Be­fähigung zur Leitung des Kolonialamts zu be­weisen. WaS man sonst im übrigen gehört habe, das gehe weit auseinander. Man habe allerdings seine Energie gelobt; andererseits seien aber auch sehr schone Angriffe gegen ihn erhoben worden.

* Bon einem merkwürdigen Irrtum be­richtet die .Germania'. Dem Blatte wird ge­schrieben: Der evangelische Lehrer Max Lach aus Hons, Kreis Mohrungen, fei nur irr- tümlich an der katholischen Schule in Naga- schewo mit 65 katholischen und 2 protestantischen Kindern angestellt worden. Seine Anstellung sei bereits widerrufen worden. „Sonderbarer Irr­tum!" meint die .Germania'mit Recht, und fährt fort: „wer kann einen Fall anführen, daß in Preußen an einer evangelischen Schule mit 65 evangelischen und nur 2 katholischen Kindern irrtümlich ein katholischer Lehrer angestellt wor­den ist?"

* Der regelmäßige Betrieb auf allen russi­schen Bahnen ist dem .Reichs- und Staats­anzeiger' zufolge mit Ausnahme der Linien: Alerandrowo—Warschau, Sosnowice - Warschau, Kalisch—Warschau, Granitra Zombkowice und Warschau Kofel, wiederherqestellt. Auf der Linie Jllowo—Mlawa- Warschau verkehrt vor­läufig nut ein täglicher Zug.

Militärisches Einschreiten erforderlich machte am Sonntag ein grober Exzeß in Berlin.welcher in der Kantine des Teltow kanalbaues in Tempel­hof stattgefunden hat. Es war zwischen 50 pol­nischen Kanalarbeitern, die sich in der Kantine aufhielten, zu Streitigkeiten gekommen, die schließ­lich in eine Schlägerei auScrrtrtrn. Als der Kan­tinenwirt die Kämpfenden auSeinanderzubringen suchte, wurde er tätlich angegriffen und schwer mißhandelt. Die Polen demolierten dann dieKantine und schlugen mit Stuhlbeinen und Gläsern auf­einander los. Die herbeigemfenen Gendarmen waren der wütenden Menge gegenüber vollkommen machtlos. Es wurde daher militärische Hilfe re­quiriert. Eine stärkere Patrouille des Garde- Train-Bataillons unterstützt von der Gendarmerie und einer größeren Anzahl Straßenbahnbeamter gingen gegen die tobenden Arbeiter vor, von denen 15 in Haft genommen wurden. Eine größere Anzahl Personen hatte bei den blutigen Ausschreitungen zum Teil erhebliche Verletzungen davongetragen.

§ Die sofortig- Erhöhung des russischen Schweine-Einfuhr-Kontingentes, die nach einer • Kattawitzer Meldung Platz greifen soll, wird von der .Deutschen Tagesztg.' angezweifelt. Die Maß- । regel sei unverständlich, wenn der Seuchenstand an der russischen Grenze noch ebenso bedrohlich ' fei, wie in den letzten Monaten. Nach den Mit­teilungen, die ihr zugegangen seien, sei der Seuchen-

veulscher Reich.

Berlin, den 13. November 1905.

* Eine neue Mittelmeerreise des Kaisers findet nun doch nicht statt. Die ,Nordd. Allgm. Zeitung' bemerkt, daß an allen den Angaben des .Berliner Tageblatts' über die Vorbereitung einer Mittelmeerfahrt des Kaisers „nicht ein wahres

Die Einberufung des preußischen Landtages.

Die aroße Frage" nach dem Zusammentritt des preußischen Landtags ist jetzt wenigstens osfi- ziös gelöst Zwar läßt der .Reichs- und Staats- anzeiger' noch immer nichts darüber verlauten, aber die .Rordd. Allg. Ztg? weiß zu melden, daß sicherem Vernehmen nach der 5. Dezember für tue Einberufung des Landtages in Aussicht genommen ist. Die Wahl dieses Termins sor- bert die Frage geradezu heraus, warum man, wenn man an der Einberufung des Landtages vor Weihnachten überhaupt festhielte, einen so späten Zeitpunkt dafür angesetzt hat. Auch beim besten Willen wird das Abgeordnetenhaus zwischen dem 5. Dezember und dem Beginn der Wechnachtspause schwerlich mehr als 8 bis 10 Sitzungen abhalten können, von welchen wenigstens zwei auf die Erledigung von Formalien verwandt werden müssen. Irgend etwas anderes als die erste Lesung des Volksschulunterhal- tungsgesetzes wird in den übrig bleibenden Sitzungen nicht erledigt werden können. An ein Arbeiten der Kommssion, der das Schulunter- haltungsgefetz voraussichtlich überwiesen werden wird, während der Weihnachtsferien ist nicht zu denken. Um den Gewinn der wenigen Tage für die erste Lesung des Schulgesetzes zu erzielen, hätte demnach die Regierung dem Landtag eine besondere Tagung vor Weihnachten nicht auf- zuerlegen brauchen, zumal die für die kommende Session angekündigten weiteren Vorlagen keines­wegs allzu zahlreich sind.

Unter diesen Umständen ist bte oben berührte Frage jedenfalls berechtigt, und zwar um so mehr, als am Schluffe der vorigen Tagung die Regierung als solche bekanntlich eine Herb st- fession speziell zur Erledigung der Schulvor­lage feierlich angekündigt hatte. Man mag die technischen Schwierigkeiten der letzteren noch so hoch anschlaaen, nach den langjährigen Vor­arbeiten mußte man annehmen, daß es der Regierung gelingen würde, die „Herbst"-Tagung zur Wirklichkeit zu machen. Daß ihr dies nicht gelungen ist, daß vielmehr nach glaubhaften Nachrichten das Schulunterhaltungsgesetz noch heute nicht definitiv festgestellt ist, muß ohne weiteres den Schluß auf ganz be­sondere Schwierigkeiten politischer Natur nahe­legen.

Dieie Schwierigkeiten sind in den letzten Tagen bloßgelegt worden. Sie bestehen in den „Bedenken", welche von nationalliberaler Seite, zum Teil auch von freikonservativer Seite gegen die Festlegung des konfessionellen Charakters der' Volksschule erhoben wardm sind. Diese Bedenken gründen sich aber auf eine einseitige Auslegung des bekannten Schulkompromißantrages und bekunden lediglich das Bestreben auf nationalliberaler Seite, für die Simultanschule etwas mehr herauszuschlagen, als der Regierungsentwurf zu bieten scheint. Wenn die Verzögerung der Einberufung des Landtags sich tatsächlich aus einer Nachgiebigkeit der Regierung gegen die Nationalliberalen er­klären sollte, so wird man gespannt darauf sein können, wie her „Mittelweg" aussehen wird, ben .sie schließlich eingeschlagen hat und der zwischen 9t itionalliberalen und Konservativen hindurch­führen muß.

Wie konnte ich das vergessen!

Damr glitt ihre geschmeidige Gestatt durch das Gemach, in dessen Ecke eine altertümliche Truhe stand, die Maud hastig öffnete. Sie beugte sich einen Moment darüber, Ullrich verfolgte ihr Tun mit wachsender Befremdung und sah, tote sie sich ihm schnell wieder näherte, einen Gegenstand tn der Hand tragend, den sie jetzt erhob und ihm fast unter die Augen hielt; es war fein Stock mit dem Hufeisen aus oxidiertem Silber. ,

Nun war der Schlag vernichtend auf sein Haupt niedergefallen, der Schlag, den er während dieser ganzen Unterredung vorgeahnt und der ihn doch so tödlich jetzt getroffen. In halber Betäubung sah er noch, wie sein Stock zu seinen Futzen ntefrer- fiel und Maud sich von ihm wandte. Da erfaßte seine Seele Todesangst, er sollte sie verlieren, die Geliebte, das Glück, das Licht seines Lebens fast instinktartig eilte er ihr nach, faßte ihren Arm.

Maud, höre mich, Geliebte! Laß Dich nicht von einem Irrwahn verblenden, wie ist es mög­lich, daß mich Dein Verdacht — ein solcher Ver­dacht! treffen konnte? Komme zu Dir, eine un­selige Verkettung der Umstände wirst einen fal­schen Schein aus mich, doch ich schwöre Dir bei unserer Liebe, daß ich unschuldig bin, meine Hände find rein von Blut.

Schwöre nickt — auch ich schwur, den schnöden Tod meines Vaters zu rächen, nicht zu ruhen, bis ich den Mörder entdeckt und dem Arme der Ge­rechtigkeit überliefert hätte. Und wenn ick meinen Eid jetzt breche und schweige — so möge ©ctt mtr vergeben, ich bringe dies Dvser um unferer ~.iebe willen — es ist aber auch das letzte, was tch für Dick tue, mehr verlange nickt von mir.

Du alaubst mir wirklich nicht, nicht dem beili- gen Schwure, den ick Dir geleistet — o Mand, Du stößt mich von Dir — Tu, die Du mtr Liebe geschworen bis in den Tod? !

Ich kann nicht anders, kann Dir nicht glauben!

Er richtete sich auf, fein Gesicht hatte einen strengen Ausdruck, mit kalter Sttmme sagte er:

Das scheidet uns! Und wenn ein tausendmal

Als Ullrich die Treppe zum ersten Stockwerk hinabgestiegen, sah er, Ivie durch einen Nebel, zwe: Personen plaudernd im Korridor stehen und er­kannte in denselben Tante Julie und Frau Moorland.

Er hielt seinen Schritt an, verneigte sich und sagte mit gepreßter Stimme:

Möchten Sie nicht htnauffeheu, tfrau Moor­land, das Fräulein befanb sich nicht ganz Wohl.

Tante Julie blickte erstaunt tn fern blaßes, starres Antlitz und wollte eine Frage stellen, coch er lüftete den Hut noch einmal und wendete sich kurz zum Gehen. DaS alte Fräulein fegte die Haad auf den Arm Margaretens und flüsterte derselben zu:

Sie hoben sich gezankt, das kommt ja vor unter Liebesleuten. Ich habe es gleich bemerkt, aber die Kleine versprach mir, Frieden zu ,machen; es scheint jedoch, daß sie im Zorn geschieden sind.

Ich will gleich sehet?, was es gegeben hat, wäre ich nur eher zurückgekommen, erwiderte besorgt Fron Moorland und eilte zu Maud.

Ihr? scklimmett Erwartungen wurden aber noch übertroffen, als sie den blauen Salon betrat ttr.b das innae Mädchen erblickte. Ztwörderst be­mühte sie fick, Maud mit sanfter Gewalt aukzn- richten und zu dem Divan zu führen; dort bettete sie mit mütterlicher Zärtlichkeit die zarte Gestatt aus die rveichen Polster.

(Fortsetzung folgt)

Wort" sei.

* Ansprache des Kaisers an die Garde- Rekruten. Am Sonntag hat der Kaiser bei der Rekrutenvereidigung in Potsdam folge Ansprache gehalten: „Ihr seht hier den A' unb auf demselben das Kreuz, das Symbol aller Christen! Als solche habt Ihr heute ge- geschworen. Ich wünsche unb hoffe, daß Ihr dieses Schwures stets eingedenk bleibt. In diesem Augenblicke steht die denkwürdige Episode vckr meinem Auge: Als der Kaiser Leopold von Oesterreich dem berühmten Prinzen Eugen den Oberbefehl über die Armee übertrug uvb ihm den Marschallsstab überreichte, ergriff Prinz Eugen daS Kruzifix und hielt es mit den Motten in die Höhe: „Dieser soll unser Generallissimus sein!" Solche Gesinnung erwarte ich von Euch. Ich will ftramme, tapfere Soldaten in meiner Armee haben, keine Spötter. Euch wird der Vorzug zuteil, in den Reihen der Garde in Potsdam zu dienen, wo Euch auf Schrttt und Tritt Andenken an den großen Soldatenkönig, der nicht weit von hier seine letzte Ruhestätte hat, und an die ruhmreiche Geschichte Preußens erinnern. Zeigt Euch dieser Auszeichnung durch besondere Hebung soldatischer Tugenden würdig und geht anderen voran in Gottesfurcht, Treue

und Gehorsam!"

ihr stehenden jungen Mann, der gesenkten Blickes und hastig sprechend, seine Erzählung vorgebracht.

Sie glaubte ihm nicht, er hatte sich in Wider­spräche verwickelt ja geradezu gelogen — warum? Wollte er eines anderen Schuld verhehlen — oder die eigene?

Unwillkürlich fragte sie in Miene und Ton eines Richters, dem daran liegt, Licht in eine un­klare Sache zu bringen:

Und wie kamst Du denn im Abenddunkel vor das Tor der Stadt, nach Katthaus?

Mein Weg führte mich an dem Landhause vor­bei, denn ich kam von dem Friedhöfe, wo ich das Grab meines Vaters besucht. Die Villa Wil- rowski war mir ja bekannt von Jugend her, wo ich meinen Freund Robert fast täglich hinausbe- gleitet, ich wußte garnicht, daß Wilrowski das Landhaus verkauft.

Zu seinem Unglück kaufte es mein armer Vater. Und was tatest Du dann, als Du das Haus verlassen?

Ich setzte meine Reise mit dem nächsten Zuge fort und fuhr direkt nach Wien, von hier am anderen Tage nach Triest — deshalb erfuhr ich auch nichts näheres über den Mord.

Wie — Du machtest keine Anzeige, alarmiertest die Nachbarn nicht, unterließest es, zur Entdeck­ung des Mörders beizutragen?

Unwillkürlich färbten Ullrichs Wangen sich und er stammelte: Wob! weiß ich, daß dies eigent­lich meine Pflicht gewesen wäre, aber Du vergißt, daß meine Sage eine bedrängte war und mich selbst ein Verdacht hätte treffen können.

Ja, Du tateft wohl daran, erwiderte Maud mit scharfer Betonung, Dich durch schnelle Flucht in Sicherheit zu bringen, denn ein Verdacht hätte Dich allerdings getroffen.

Maud — Tu wirst doch nickt denken — es war ihm unmöglich, das Wort auszusprechen, er hob den gesenkten Kopf und blickte dem Mädchen furcht­los tn die Augen, da plötzlich zuckte es in ihrem Antlitz, sie griff mit der Reckten nach der Stirn und rief:

stand jedenfalls nicht erheblich besser geworben. Ihre Anfrage an die Regierung, ob nach ihrer Kenntnis der Verhältnisse bte Seuchen erheblich abgenommen hätten, habe bis jetzt feine Beant­wortung gefunben. Es liege im Interesse der Landwirtschaft und der Regierung, hierüber Auf« tlärung zu geben und die Gründe öffentlich bar­zulegen, welche bie Regierung jetzt zu einer Er­höhung des Schweine - Kontingentes veranlaßt hätten, während ihr diese Erhöhung noch vor wenigen Wochen aus sanitären Gründen als ge­fährlich und bedrohlich erschienen sei.

/. Das Berliner Polizeipräsidium warnt dringend vor dem Beitritt zu beit Serien» und Prämienlos-Gesellschaften. Es hanbelt sich hierbei in allen Fällen nicht etwa um vereinsähnliche Bildungen, sondern lediglich um einen Handel mit Anteilscheinen von Serien­losen. Die Teilnehmer, bie zu Gruppen von 50 bis 100 Personen vereinigt werden, und daher an der äußerst kostspieligen und von ihnen mit- bezahlten Reklame für derartige Serienlos- geseüschaften gar fein Interesse haben, müsse« an die Unternehmer oft das Vierfache des Anschaffungsnwttes derjenigen Serien- und Prämienlose bezahlen, an welchen sie beteiligt werden sollen.

-f- Aus dem Wahlkreise Eisenach-Dermbach. Das Wahlkomitee für die Zentrumspartei im Wahlkreise Eisenach-Dermbach hat den Be­schluß gefaßt, in der am 17. November statt- findenden Stichwahl zwischen dem Sozialdemo­kraten Leber und dem Kandidaten der Vereinigten nationalen Parteien Schack für letzteren ein­zutreten. Dasselbe empfiehlt diese Wohl nach Besprechung mit dem eigens hierher abgesandten Herrn Landesgerichtsrat Freiherrn von Richt- Hofen aus Eisenach und unter der einzi n Rück- sichtnahme darauf, daß dieWahldesSozial- bemofraten verhindert werden möge. Mögen auch alle anderen wirklich nationalen Parteien dasselbe tun!

** Eisenach, 13. Nov. 1905. Man ist allge- gemein gespannt darauf, wie dieS tichwahl, die be­kanntlich am Freitag zwischen dem Sozialdemo­kraten Leber, der in der Hauptwahl 6799 Stimmen erhalten hat, und dem deulschsozralen Kandidaten Schack, der 4049 Stimmen hatte, ausfallen wirb. Wie sich bte übrigen Parteien stellen werben, ist ungewiß; eins nur ist sicher, daß die zum Zentrum gehörigen Wähler nicht für den Sozialdemokraten em- treten werden. Bei den Freisinnigen scheint da- zu große Neigung vorhanden zu fein, schon des­halb, weil die Deutfchsozialrn (Antisemiten) bet der Wahlagitation den Kandidaten der Frei- sinnigen in der gehässigsten Weife angegriffen Haden. Eine offizielle Stichwah Iparole ist aber in bet freisinnigen Presse noch nicht ausgegeben worden. Sollte jedoch eine solche auf Ätichwahkunterstützung für bie Sozialdemo­kratie lauten, so würde das als ein schwerer politischer und taktischer Fehler be­trachtet werden müssen, der sich bitter rächen würbe. Das werden bie Führer der freisinnigen Pattei wohl selber einsehen, und so wäre denn zu hoffen, daß durch einmütiges Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien der Wahlkreis davor bewahrt bliebe, durch einen Sozialdemokraten un Reichstage vettreten zu werden. In der Tat könnte man dieie Hoffnung ^heaen^wenn^ber dringender Verdacht auf mir lastete, wemE^nch verdammt hätten — Du, meine Braut, Du durftest an mir nicht zweffeln, Du mußtest mtr glauben. Lebe wohl, Maud — für ewig! __

Mit ruhiger Würde wandte er fick von ihr und schritt zur Tür — Maud rief thn -"cht zuruck. bie Tür fiel ins Schloß, mtt entern dumpfen Wch- L sank Maud auf den Teppich nieder, ihr Aut- litz mit den Händen bedeckend. So ruhte ihr Kaps aus dem Polster des Sessels, so fand sie Fron Moorland, die erschreckt tn das Zimmer gestürzt