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Sernsprecher Rr. 9.1

Fulda, Montag, den 6. November 1905.

M 254,

32. Jahrgang.

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Die neue Bergarbeiterbewegung im Ruhrrevier.

Bei der Veröffentlichung der großen Novelle »um Berggesetz haben wir nachdrücklich hervor- gehoben, daß die Wirkung des neuen Gesetzes in bedeutendem Maße davon abhängen werde, wie Sie Bestimmungen der Novelle zur Ausführung würden gebracht werden. An dieser Ausführung sind die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber be­teiligt, die letzteren naturgemäß in weitgehender Weise. In erster Linie kommen hier die Arbeits­ordnungen in betracht. Man gab sich der Erwartung hin, daß die Arbeitgeber, die Berg­werksbesitzer, sich bemühen würden, in den neu zu erlassenden Arbeitsordnungen der auf die Sicherung des sozialen Friedens gerichteten Ab­sicht des Gesetzes gerecht zu werden und die Er­leichterungen, die das Gesetz den Arbeitern hin­sichtlich der Arbeitsverhältnisse bietet, in möglichst weitem Umfange einzuführen. Diese Erwartung war lebhaft genug, um die Bestrebungen der sozialdemokratischen Agitatoren, welche das neue Gesetz als völlig wertlos Hinzustellensuchen, bis­her erfolglos zu machen.

Jetzt gewinnt es indeffeu den Anschein, als solle diese Erwartung in bedenklicher Weise ge­täuscht werden. Der Verein für die Wahrung der bergbaulichen Interessen im Oberbergamts­bezirk Dortmund hat für die in ihm vereinigten Zechenverwaltungen eineArbeitsordnung aufgestellt, velche als eine loyale Auslegung des Gesetzes richt mehr angesehen werden kann. In dieser Arbeitsordnung, die von den Zechenverwaltungen angenommen und von der zuständigen Bergbe­hörde genehmigt worden ist, wird der Be­stimmung des Gesetzes, daß auf keinen Fall durch die neuen Vorschriften eine Verlängerung der bisherigen Arbettsdauer bei den Bergarbeitern eintreten soll, ein Schnippchen geschlagen, indem diese Bestimmung nur auf die Arbeiter unter Tage bezogen wird. Für die Arbeiter über Tage ist eine Verlängerung der Arbeitszeit vorgesehen. Auch hinsichtlich des Verfahrens von lleberschichten erfährt das Gesetz eine Aus­legung, die den Absichten der Gesetzgeber jeden­falls nicht entspricht. Das gleiche gilt hin­sichtlich der Bestimmungen der neuen Arbeits­ordnung über die Festsetzung des Gedinges.

Die noch von dem letzten Streik her bestehende „Siebener-Kommission" der Bergarbeiter des Ruhrreviers hat sich mit einer Eingabe an den H a n d e l s m i n i st e r gewandt, um ihn als Ainsichtsbehörde zu einem Einschreiten zu veran- lasien. Der bergbauliche Verein hat zu dieser von den Bergarbeitern veröffentlichten Eingabe in einen, länaeren Beichlusse Stellung genommen, in welchem er sich an den Buchstaben des Ge­setze» klammert, um sein Vorgehen zu recht- sertigen Aber nicht auf diesem Wege gel'ngt es dem bergbaulichen Verein, sich vollständig zu decken Daß sein Verhalten mit der Tendenz des Gesetzes nicht in Einklang zu bringen ist, ergibt sich aus den s. Z. im Abgeordnelenhause gepflogenen Verhandlungen deutlich genug.-

Di« in der Eingabe der Siebener-Kommission hervoraedobenen Punkte sind übrigens keines- weas die einzigen Beschwerdepunkte, die den Bergarbeitern Anlaß zur Mißstimmung geben. Wie von verschiedenen Seiten gemeldet worden ist, wird die Bestimmung des neuen Gesetzes über den Erlaß des Waqennullens durch

Geldstrafen von einzelnen Zechen in einer Weise gehandhabt, daß den Arbeitern daraus erheblicher Schaden erwächst und die Ansicht nicht ganz unbegründet erscheint, daß dies scharfe Vorgehen der Zechen-Verwaltungen eine Art Vergeltung für die den letzteren auferlegten Beschwerungen darstellen sollen. Sollte tatsächlich bei diesem Verhalten der Zechenverwaltungen Verstimmung im Spiele sein, so würde man das nur be­dauern und aufS schärfste verurteilen können.

Eine wesentlicher Grund für die zurzeit im Nuhrrevier wieder neu anftretende Unzu­friedenheit liegt in derFortdauer der Unsicherheithin­sichtlich des Wahlrechts und der Wählbarkeit zu den Arbeiter-Ausschüssen. Da nach dem Gesetz das aktive Wahlrecht an eine ein­jährige Tätigkeit auf einem und demselben Berg­werk und das passive Wahlrecht an eine drei­jährige Tätigkeit aus dem gleichen Bergwerke ge­knüpft ist, so würde eine Streichung aus den Belegschastslisten aus Anlaß des letzten Berg­arbeiterstreiks die betreffenden Arbeiter voll­ständig des Wahlrechtes berauben. Wir haben bereits wiederholt auf die Notwendigkeit hingewiesen, Klarheit darüber zu schaffen, wie weit man mit solchen Streichungen gegangen ist. Diese Klarheit ist heute noch nicht vorhanden, und man kann es den Bergarbeitern kaum ver­denken, daß sie hinter dem Zögern der Berg­werks - Verwaltungen, authentische Mitteilungen über diese Angelegenheit zu machen, allerlei dunkle Pläne wittern.

Man kann nur dringend ivünschen, daß so­wohl die Beschwerden der Bergarbeiter, die in der Eingabe der Siebener-Kommission zum Aus­druck kommen, wie die übrigen oben angedeuteten Beschwerden an zuständiger Stelle einer ernsten Prüfung unterzogen werden. Wenn sich tat­sächlich Herausstellen sollte, daß seilens Der Ar­beitgeber ein solcher Mangel an Entgegenkommen vortiegt, wie er von den Bergarbeitern behauptet wird, so liegt zweifellos die Gefahr vor, daß die ganze gesetzgeberische Tätigkeit hinsichtlich des Bergarbeiterschutzes nicht nur nicht zum sozialen Frieden beiträgt, sondern den Keim zu neuen Zerwürfnissen und damit zu verstärkter Unzufriedenheit gelegt Hal.

Deutsches Reich.

Berlin, den 4. November 1905.

* Dem König von Spanien, der am Mon­tag seinen Einzug in die Reichshauptstadt hält, widmet die ,Nordd. Allg. Ztg.' einen warmen Begrüßungsartikel. Sie betont die hohe Wertschätzung, die man in Deutschland dem König entgegenbringt, und weist ans das Band aufrichtiger Freundschaft hin, das beide Herrscher­häuser seit den Tagen des allzufrüh heimaegan- genen Königs Alfons verbindet. Der Artikel gedenkt der hingebeuden Fürsorge der Köniain- Regentin für den Thronerben vor seiner Thron­besteigung und fährt fort: „Der junge Herrscher lege Zeugnis von dem ernsten Willen ab, sein Volk auf der Bahn zu steigender Wohlfahrt em­porzuführen. Dem Ausland aegenüber ist der König entschlossen, zu allen Mächten loyale Be­ziehungen zu pflegen und die Jntereffen Spaniens durch ein freundschaftliches Verhältnis mit den fremden Staaten zu wahren. Noch vor wenigen Tagen bekundete der König öffentlich, daß die Freundschaft zu einer Macht die gleiche Beziehung

Körrig Ars»«s vsn -rrrte«,

zu einer anderen nicht ausschließe, daß sie viel­mehr miteinander sehr wohl vereinbar seien. Im Geiste dieses Wortes, das im Einklang steht mit den bei uns geltenden Anschauungen, bringen wir dem König einen ehrerbietigen Willkommen­gruß dar. Wir sind weit entfernt, die freund­liche Gestaltung des Verhältnisses Spaniens zu anderen Mächten mit schelen Augen anzusehen. Dem friedlichen Grundton der deutschen Staatskunst ist es zu danken, daß wir jede An­näherung zwischen anderen Mächten mit Be­friedigung aufnehmen können, solange sie fried­lichen Zwecken dient und keine Spitze gegen Deutschland hat. Hiermit ist der politische Hintergrund gezeichnet, vor dem der Berliner Besuch des Königs vor sich gebt." Der Artikel begrüßt den König, der mit dem Kaiser in per­sönlicher Freundschaft und monarchischer Gemein­schaft verbunden ist, und wünscht ihm eine lange und glückliche Regierung.

* Zwei neue Gesandtschaften sind der Deutschen Tageszeitung' zufolge dem Etat des Auswärtigen Amts für das nächste Jahr vorgeschlagen, näm­lich eine Gesandtschaft für Montenegro und eine für Abessinien. Dazu dürfte später noch eine dritte treten, nämlich die Gesandtschaft für Norwegen. Wie das ,berliner Tageblatt hört, ist Norwegen mit dem deutschen Reiche dahin übereingekommen, daß die gegenseitigen Gesandten erst nach Erledigung der'Thronfrage, also nach Vornahme der Königswahl, ernannt werden sollen. Bis dahin wird der schon seit einiger Zeit be­stehende, durch Geschäftsträger ausrechterhaltene offiziöse Verkehr fortgesetzt.

... Ein Wechsel in verschiedenen General­kommandos soll nach der,91. G. K.' in Bälde bevorstehen. Es gilt der genannten Korrespon­denz zufolge als gewiß, daß der kommandierende General des 8. Armeekorps in Koblenz, General der Kavallerie v. Deines, der bekanntlich der Erzieher der Kaiser löhne war, in den Ruhestand zu treten beabsichtigt. Gerüchtweise verlautet anderseits, General v. Deines sei für ein an- deres hohes militärisches Amt ausersehen. Als fein Nachfolger soll in erster Linie der General v. Bülow, zurzeit kommandierender General des 3. Armeekorps in Berlin, in betracht kommen.

** Die neue Flottenvorlage ist nunmehr/ wie der .Berliner Lokalanzeiger' meldet, dem Bundesrat zugegangen. Das genannte Blast fügt hinzu, die Vorlage halte sich, roaS die Zahl der neu angeforderten Schiffe anlange, ganz i« dem Rahmen deffen, was bisher von RegierungS- feite darüber angedeutet worden fei.

Eine Denkschrift der Studierenden der Technischen Hochschule in Charlottenburg, welche soeben zur Ausgabe gelangt ist, enthM eine Zusammenstellung der Vorgänge an der genannten Hochschule feit dem 22. Februar dS. IS. Die Denkschrift ist von „Vertretern der Studentenschaft der Dechnischen Hochschule* herausgegeben und will einekritistose Darstellung deS Konfliktes zwischen der Studentenschaft und den akademischen Behörden geben.

* Der Gesetzentwurf betreffend de» Bee« sicherungsvertrag, der in der letzten BundeSratS« sitzung zur Annahme gelangt ist, hat, wie von verschiedenen Seiten oerfautet, im BundeSrat eine starke Gegnerschaft gehabt, u. a. sollen auch Bayern und Sachsen gegen den Entwurf gestimmt haben. Der Kampf ist, so will die .National- liberale Korrespondenz' wissen, zu gunften Ml Kompromißstandpunkts, den die ReichSverwal- tnng einnahm, entschieden worden. Danach wer- ben die Anstalten, denen gewisse BevölkerungS« kreise beizutreten landeSgesetzlich verpflichtet sind, auS der reichsgesetzlichen Regelung auSscheiden,' die übrigen einzelstaatlichen Anstalten dagegen der reichsgesetzlichen Regelung zwar unterworfen/ hingegen von den zwingenden Vorschriften befreit/ denen das Privatversicherungs • Gesetz unter»1 roorfen ist.

... Eine Interpellation in Sachen bet neuen Handelsverträge kündigt die,Dentsche Tageszeitung' an. Im Reichstag wurden bei der Erledigung der Handelsverträge gewisse Uebergangsbestimmungen, insbesondere für die Getreideeinfuhr, unmittelbar vor und nach dem Inkrafttreten der Verträge als notwendig be­zeichnet, um die Reichsfinanzen vor Schädigungen zu bewahren. Die ,Deutsche Tageszeitung' hat verschiedentlich auf ben Erlaß biefer Bestim­mungen gedrungen und sie stellt für den Fall, daß solche Uebergangsbestimmungen auch bei Wiederzusammentritt beS Reichstages noch nicht erlassen seien, eine Interpellation darüber in Aussicht.

* Der Zank in der Sozialdemokratie, der anläßlich der Ausweisung der sechs Vorwäris- Redakteure entstanden ist, zieht immer weitere Kreise. Am Samstag brachte der .Vorwärts' nicht weniger als neun volle Spalten in Er­klärungen und Gegenerklärungen. Unter anderem haben jetzt auch die neuen Redakteure im .Vor­wärts' das Wort ergriffen, in dem sie den Ver­such machen, baS Verfahren gegen die ausge- sperrten Kollegen aus sozialdemokratischen „Grund­sätzen" zu rechtfertigen. Auch Bebel hat eine Erklärung losgelassen, die allerdings recht kurz ist. Der Parteidiktator sagt nur, er hebe sich alle Anzapfungen der „edlen Sechs" vorläufig auf, um an einem späteren Zeitpunkte Abrech­nung zu harten. Die ausgeschiedenen Vorwärts­redakteure haben in der .Sächsischen Arbeiter- Zeitung' eine längere Erklärung erlassen, die vom .Vorwärts' gleichfalls abgedruckt wird. In dieser Erklärung finden sich allerhand pikante Einzelheiten über das bisherige Leben und Treiben in der Vorwärtsredaktion. An ein

3 icjHosioko- Dame.

Roman von Ernst von Waldow.

26] (Nachdruck verboten.)

Das junge Mädchen richtete sich ein wenig auf und schüttelte leise den Kopf: Das kann ich Dir nicht sagen.

. Mir nicht — die Sie liebt und anbetet? Sehen Sie fein Vertrauen mehr in mich, die freudig das Leben opfern würde, Sie glücklich zu sehen?

. Ta, Du bist gut zu mir, Margaret, Du liebst mich, ich hatte unrecht. Dir etwas zu verschweigen. Setze T'ch zu mir, Tu sollst alles wissen.

.. Minw erzählte, erst stockend, dann mit ubeNlronienden Lippen der ernst drcinschauenden Zuhörerin die Geschrchte ihrer Liebe und die Aus- nähme, welche die Mitteilung derselben bei Tante Forstenberg erfahren.

Dkrrgareke Moorland biß die Lippen zusam- men, ihre Augen blickten finster, sie wollte schon ein hartes Wort, eine Anklage aussprechen gegen Frau Forstenberg, die „gütige Tante" — doch' sie bezwang sich und sagte tröstend: Aber, teure Maud, wie mögen Sie nur gleich so unglücklich sein über einige Schwierigkeiten, welche die Ver­wandten Ihnen bereiten. Sie kennen eben die SBdt nicht, sonst würden Sie wissen, welcher Mittel sich Eltern und Vormünder bedienen, um jungen Seuten eine Neigung auszureden. Die Hauptsache lit, daß Sie Herrn Ullrich lieben und er Sie liebt ~ übrige findet sich — nur fest bleiben.

Gute Margaret, denke, gestern war ich so glück­lich und heute schon zweifle ich daran, daß Ullrich sola; arme^ Ding wie mich, noch dazu mit schwerer Nerveiikrankoeit behaftet, Heben kann 1

Z?6end blickte sie zu Frau Moorland aus, die sich Hebevoll über sie neigte, mit sanfter Hand das verwirrte Haar glättend, habet sprach sie lächelnd:

Mein Liebling, sorgen Sie sich nicht, her

hübsche blonde Mann, Ihr Herr Ullrich, liebt Sie schon lange und ich war es, die das Erwachen seiner Neigung belauscht.

Du, Margaret — Du erzählst mir ein Mär­chen, um mich zu beruhigen, doch die Wahrheit ist vielleicht besser, wenn sie auch sehr bitter schmeckt.

Was ich Ihnen mitteilen will, ist die reine Wahrheit, und ich erinnere mich noch genau des kleinen Vorfalls — hören Sie:

Und nun erzählte Margarete von dem Er- scheinen Ullrichs in Mauds Gemache, wie sie selbst den jungen Mann für den Assistenzarzt gehalten und das Mißverständnis sich schließlich aufgeklärt habe.

Doch nur zögernd habe Herr Winterfelt — dessen Namen sie später erfahren — das Zimmer verlassen und wie gebannt den Blick zurückge- toenbet. O, da war kein Zweifel, er liebte Maud — und wer sollte ihr Engelskind auch nicht lieben?

Maud hörte gespannt zu, die Farbe war auf ihre Wangen zurückgekehrt, ja das glückliche Lä­cheln von heute früh spielte um ihren Mund, sie sah sehr lieblich aus und jetzt wollte sie Moden- bilher sehen und Madame Tribaut sollte bestellt werden, um einige Anzüge anzufertigen, hie min­der phantastisch itith ein wenig moderner im Schnitt und Form sein sollten.

Auch der Bries wurde abgeschickt, nachdem noch eine Nachschrift beigefügt worden war. Margarete wollte ihn selbst besorgen, dafür mußte Maud ihr versprechen, ein wenig zu ruhen und sich nicht mit unnützen Sorgen zu quälen. In Wirklichkeit ver­spürte das junge Mädchen das Bedürfnis nach Ruhe, denn Mauds Nerven waren durch die ver­schiedenen Gemütsbewegungen in hohem Grade er­schüttert, nachdem man so lange hie größte Vorsicht hatte tvalten lassen, sie nicht zu erregen.

3. i

Maud war nicht am festlich hergerichieken Mit­tagstische erschienen.,,sie speiste, wie in her ersten

Zeit, mit Margarete Moorlanb in ihrem kleinen blauen Salon.

Frau Katharina und Forstenberg saßen schwei- genh an her, mit vielen guten Dingen bedeckren Tafel unb taten benselben wenig Ehre an. Erst nachdem her auftoartenbe Diener sich zurückgezogen unb her Nachtisch aufgetragen war, machte Katha­rina ihrem Gatten Mitteilung von dem, was sich .am Weihnachtsabenb in ihrem Hause zugetragen — wahrlich, eine schöne Bescherung! schloß sie ihren Bericht.

Ferdinand Forstenberg, her damit beschäftigt war, Knackmandeln zu öffnen, wobei er sich über­legte, unter welchem Vorwande er ben heutigen Abend für sich freimachen könne — hielt in feiner Arbeit inne unb blickte unangenehm überrascht auf.

Das ist eben keine erfreuliche Neuigkeit, Kathi! Ihr Frauen seih hoch sonst so schlau, bergleicbeit Liebes- und Heiratsgeschichten betressenb, Hast Du denn vorher keine Ahnung von dieser Liebelei gehabt?

Ich habe allerbings bemerkt, baß Maud sich für den jungen Mann intereffiert unb habe das auch Gusti öfter gesagt, dennoch war ich toeit davon entfernt, zu denken, baß Maud die Sache fo ernst nehmen und sich verloben würde, ohne uns um Rat zu befragen.

Nun, sie wird sich vorgestellt haben, daß wir unsere Einwilligung verweigern; deshalb handelte sie schnell in der irrigen Meinung, daß ein Verlöb­nis nicht rückgängig gemacht werden könne.

Was gedenkst Du zu tun, Ferdinand?

Morgen werde ich mii bem jungen Winterfell ein vernünftiges Wort reben.

Wie wäre es, wenn Du zuerst bei Maud an- fingst, sie ist ja Dein Mündel, unb als Vormund hast Du sogar die Pflicht, ihr ins Gewissen zu reben, um sie von unbedachten Schritten zurück­zuhalten.

Forstenberg verzog ben Munb, seine Freunde erwarteten ihn, nach der Oper war ein Souper bei Sacher bestellt, er hatte sich schon darüber ge-

W»E»Ca»MMMMB»aMeBB»BMMB»»MMlMI ■ 11 IIIIII IIII» II»»»»»B««M»I

freut, unb nun sollte er einem nervenkranken Müd- chen Vorlesungen halten über hie Rechte des Vor- muilhes, zum Zweck, ihr eine Liebesgeschichte aus- sureben — eine wirklich recht unterhaltende Arbeit, deren Mißerfolg vorherzusehen war. Vielleicht gab es iwch zur Zugabe eine Szene: Tränen, Bitten, Krämpfe. Nein, bas ist Frauensache, Kathi, ha» tauf laste ich mich nicht ein, ich stehe Maud ja viel frember gegenüber als Du, zu bet sie Vertrauen hat. Unb schließlich, ehrlich gesagt, wüßte ich nicht einmal einen triftigen Grunb, um sie bestimmen zu können, ben Herzallerliebsten aufzugeveu. Daß Ullrich Winterfell arm ist — hm, ist ein Unglück für ihn, aber keine Schaube; umsomehr muß er darauf bedacht sein, sich durch eine gute Partie zu rangieren. Im übrigen ist er ein höchst ehren­hafter und intelligenter Mensch, der seinen Weg machen wird, aus guter Familie und gebildet, mit hübschem Aeußern.

Lieber Ferdinand, fiel Katharina spöttisch ein, wenn Du in dem Sinne mit Maud sprechen willst, wird sie Dir alle Sympathien zuwenden, die Sack>e muß beim hoch etwas diplomatischer ungefaßt werden.

Gern überlaste ich Dir bas, beim ich befer ne offen, baß ich wenig Talent zum Diplomaten habe, höchstens was bas Hinausziehen betrifft, und ich meine allen. Ernstes, daß man dem Pärchen Ver­sprechungen machen sollte für die Zukunft — ein Kompromiß mit einem Worte. Maud mag warten, bis sie majorenn ist, bis dahin soll ihr Geld an her Börse arbeiten und ganz andere Zinsen tragen als die 5 Prozent, welche ich zu verrechnen habe.

Ferdinand, Tu spielst also doch wieder an der Börse, rief Frau Katharina erschreckt, hattest Du mir nicht heilig versprochen, es nicht mehr zu tun? _ , i

Sei unbesorgt beste Kathi, das sind ganz sichere Werte, die höchstens kleine Schwairkungen erfahren können, Spekulationspapiere kaufe ich nicht mehr, das verspreche ich Dir wiederholt. Im übrige haben wir die Kuliste für uns und können nicht