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S'.uitftleiter: 3. Baum; fflr die »»zeigen

Z. Parzeller in 5ulda.

Zuldaer W Zeitung

wochmbriiage: „Illustrierte Sonntagrzeitnng" monatLbriiag«: „8«ldaer Geschichtrblötter".

S«;e,-e«: Vie ei» fpeltige petitzeiie oder deren kaum lS pfg. »etlamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.

Rotatton«6ru(t tu Verlag der 5nibaer»ea tiendruckerei in Stilb«. Sernspre tzer Nr. 9.

M 253.

Fulda, Samstag, den 4. November 1905.

32. Jahrgang.

Zweites Wt'crtt.

Herbstgedanken.

Nach langen, langen Wochen voller Nebel, Sturm unv Regen muß ja nun wohl endlich der in diesem Jahre sehnsüchtiger als sonst herbei« gewünschte „Allerheiligen-Sommer" bei uns ein- kehrm. Die Natur hat dazu ihr buntestes, aber auch ihr letztes Gewand angelegt, bevor sie im, weißen Sterbegewande sich zur winterlichen Ruhe, die so sehr dem Todesschlafe gleicht, bettet. Nicht lenze mehr wird sie die bunten Farben zeigen, btt* erste Nachtfrost ist schon über sie hinge- gaaren und hat damit dem Laub der meisten Bä^me den Todeskeim gegeben. Wie Regen riesel»' es alsbald hernieder — das große Ster»« in der Natur hat begonnen. Doch es fcherrtt .tut den äußeren Sinnen so; die Er­fahrung »>hrt uns, daß der Winter zwar manchem, das nicht stark und wetterfest, den Tod bringt, im große« »nd ganzen aber für die Natur nur eine Zeit des Schlummers ist, in der sie neue Kräfte sammelt für das frohe Wiedererwachen, zu dem die Senzessonne sie berufen wird.

Dari« hat der sinnende Menschengeist seit jeher ein Bild auch unseres Sterbens gesehen. "Sud, von uns sinkt int Lebenswinter nur, was vergänglich ist, zur Erde; unser Lebensprinzip aber, die Seele, die in uns wohnt, stirbt nicht, sie soll und — wenn wir ehrlich darum ringe« — sie wird mit einem neuen verklärten Leibe auferstehen zu einem schöneren Leben, zu ewiger Herrlichkeit vor bem Throne Gottes. DaS Bild ist allerdings, wie jedes Gleichnis, das wir auS der sichtbaren Natur entnehmen, um übersinnliche Wahrheiten damit zu beleuchten, d. h. uns leichter vorzustellen, kein vollkommenes. DaS ^rbstliche Sterben in der Natur ist eben nur ein scheinbares, es trifft nicht wesentliche Teile der Pflanzenwelt, soweit sie überhaupt zur Ueberrointerung befähigt ist. Unser Leib aber stirbt in Wahrheit. Wo aber in der Natur sich nicht nur scheinbares, sondern wirkliches Sterben zeigt, da ist es hinwieder auch völlige Ver­nichtung.

„Die starke Eiche", — so schreibt Professor Kneib (Mainz) in einer geistvollen Betrachtung im .Magazin für volkstümliche Apologetik (Ver­lag Fr. Alber in Ravensburg) — „Die starke Eiche, wenn sie auch Jahrhunderte lang gestanden, sie fällt zuletzt. Sie war einmal. Der Löwe,der König der Tiere, der Schrecken von Mensch und Tier, er geht endlich zu gründe und wird ver­wandelt in Staub und Asche. Er war einmal. Wenn wir nur nach dem urteilen, was unsere Sinne wahrnehmen, ist es beim Menschen nicht anders. Was bleibt denn auch für den mächtigsten Fürsten anders übrig als das offene Grab, und was ist er am Schluffe anders als moderndes

ein? Und doch! Gott hat den Menschen . sterblich geschaffen. . . . Lieber Leser, stelle dir einmal vor, es käme der Tag, wo gar nichts mehr von dir da ist, auch deine Gedanken nicht. Selbst mit deinen Gedanken kannst du nicht teilnrhmen an dem, was in der Welt vorgeht, vas bei den Deinigen geschieht, deine Kinder, Deine Frau, deine Estern, deine Anverwandten —

Sie Wokoko-Same.

Roman von Ern st von Waldow.

241 (Nachdruck verboten.)

Ich kenne ja Ihren Geschmack und weiß, daß Sie von den sogenannten Vergnügungen ebenso­wenig halten als ich. Was diese Leute für An­strengungen machen, und wie wenig ästhetisch sind diese wilden Rundtänze! Gehen wir, fügte sie in ihrer kurzen energischen Weise hinzu, dieses Zu­sehen ist kein Genuß, es langweilt mich und warum sollten wir den Staub schlucken, den jene mit ihren Schleppen aufwirbeln.

Frau Forstenberg ward durch einen Diener abgerufen, der eine Auskunft von ihr wünschte, die Erfrischungen betreffend, welche nun bald herum- gereicht werden sollten, und da sie nicht wohl, ohne die Sache auffallend zu machen, die Nichte ver- hindern konnte, ihren Plan auszuführen, beschloß sie, Tante yulie hinauf zu beordern.

.c v!et,nunJ? des jungen Mädchens war Nicht unbeachtet geblieben. Maud hatte den Reiz des Fremdartigen, Außergewöhnlichen. Einige der jungen Herren zischelten sich zu, daß sie eine Erbin, eine junge Engländerin, sehr extravagant, mit dem Spleen behaftet, aber enorm reich und daß Forstenberg, ihr Onkel und Verwalter, jetzt mit den Millionen der Miß Layard an der Börse spekuliere.

Aber warum hat Edi sich den Goldfisch ent­gehen lassen? fragte der Honvedleutnant seinen Nachbar in der eben eingetretenen Tanzpause.

Bah, sie wird ihm einen Korb gegeben haben. Man verliebt sich nicht in einen Kusin, den man täglich im Familienkreise, gleichsam im Neglige sieht, das nimmt alle Illusionen.

Aber wer ist der hübsche Blondin, der die kleine Millionärin hinwegführt? Wahrscheinlich ein ^nöSntann, er sieht sehr gentlemanlike aus.

i Behüte ein Angestellter des Hauses Forsten- berg, ein simpler Buchhalter.

alle sind nichts mehr für dich und du bist nichts mehr für sie, weil du eben ein Nichts bist, soviel wie das gefühl- und gedankenlose Körnchen Sand in der Ecke. Kannst du so etwas f aff en? Nein. Und warum nicht? Weil es deiner Natur widerspricht, die unsterblich ist, weil dein Geist nicht teilnimmt an der allgemeinen Ver­gänglichkeit und diese Bestimmung in sich fühlt und erkennt. ..."

Was der Mensch erkennt, ist ein Geistiges — anders als beim Tiere — und kann daher nicht untergehen' und ebenso erstreckt sich fein Wollen nicht vlos auf das Handgreifliche, auf die Erhaltung des natürlichen Lebens wie beim Tiere, sondern auch auf höhere Zwecke, auf sitt­liches Handeln. Die Vollendung im geistigen Erkennen wie im sittlichen Wollen ist uns aber auf "Erden nicht gegeben; sie muß kommen, aber nicht hienieden, sondern in einem höheren, ewigen Leben. Daß das Bewußtsein eines anderen Lebens nach dem Tode tief in jeder Menschenbrust lebt, wenn auch manchmal schlummernd lebt, zeigt H. Doegens in einem anderen Aufsatze der erwähnten apologetischen Monatsschrift, aus ben Erscheinungen beim Tode des Menschen, die auch gelehrte Aerzte schon mehrfach beschäftigt haben. Woher kommt die Todesfurcht, was ist die Ursache der so häufigen Rückkehr sterbender Ungläubigen zum Christen­glauben ihrer Kindheit? Viel stärker als jemals im Leben regt sich kurz vor dem Tode das Ge­wissen, und außerdem klärt, wie der dänische Professor der Medizin Dr. Hornemann (Vom Zustande des Menschen kurz vor dem Tode; Gotha, G. Schlößmann) betont, das Gefühl der Todesnähe den inneren Sinn; „die Hülle des Irdischen zerreißt oder wird dem Auge durch­sichtig ... So habe ich mehr als einen Zweifler und Freidenker verschiedener Art — und zwar bei klarem Bewußtsein — ruhig sterben sehen . .. kein einziger hielt bis zuletzt den Zweifel und die Leugnung fest".

Das ist eine wirksame Apologie des Christen­tums — zugleich aber eine ernste Mahnung auch für den gläubigen Christen. Memento woril Br. . . .

kardinal Hischer über die christliche Arbeiter-Bewegung.

Gelegentlich einer Arbeiter - Festversammlung, die im Oktober d. I. in Düsseldorf ftattfanb, sprach sich der Herr Kardinal über die christliche Arbeiter-Bewegung wie folgt aus:

Ich habe in diesen Tagen hier in den Kirchen der Stadt das hl. Sakrament der Firmung ge­spendet und tue es morgen wieder in St. Mariä Empfängnis. Ihr wißt es: Durch die hl. Fir­mung werden die Firmlinge Streiter Christi. Auch ihr meine lieben christlichen Arbeiter seid einstens durch die hl. Firmung zu Streitern Christi er­koren worden. Gerade heute in einer Zeit, wo sich in eurem Arbeiterstande diese ungläubige und gottlose Bewegung so breit macht und alle Mittel gebraucht, um zum Siege zu kommen, da sind die katholischen Arbeiter besonders berufen, als Streiter Christi und Streiter für ihren hl. katho­lischen Glauben aufzutreten und ihren Glauben zu wahren. Wenn ich euch ermahne, das höchste Gut, das wir haben, den Glauben zu wahren.

Merkwürdig, ich hätte darauf geschworen, Baron Wedding, daß er zu uns gehört.

Man kann sich irren, erwiderte der kleine, magere Wedding, an seiner weißen Krawatte zu­pfend, und dabei erinnerte er sich, daß ihn im Vorjahre auf dem Konkordiaballe die dicke Frau des Bankiers Gutmann für einen Kellner gehalten und Gefrorenes bei ihm bestellt hatte.

Inzwischen hatte Maud und ihr Begleiter, ver­folgt von manchem kritischen Blicke der Gäste, den Salon verlassen, und als eine Viertelstunde spater auch Tante Julie „ganz zufällig" das „Buen Retiro" im Oberstock aufsuchte, fand sie die jungen Leute vertieft in die Betrachtung einer Anzahl bunter Kupferstiche, die George Layard gesammelt und die sehr wertvoll waren, weil es sich um seltene Exemplare handelte.

Wie zwei Kinder, welche Bilderbogen besehen, so einträchtig und unbefangen saßen sie nebenein­ander, die blonden Köpfe über die bunten Bilder geneigt, eifrig sprechend, und um die Lippen spielte jenes köstliche Lächeln, in den Augen, wenn sie den Blick hoben, leuchtete jenes reine Feuer, das dem Seelenkenner kündet: hier ist die Liebe siegreich eingezogen mit allen Wonnen des Erden­glückes, das aber noch gleich Frühlingsahnungen die jungen Herzen erschauern läßt.

2. Buch.

1.

Schneeflocken wirbelten in tollem Tanze her­nieder und drohten auch die Papierroseir und Goldketten der Christbäume „Am Hof" in ein .weißes Leichentuch zu hüllen. Weihnachten war nahe und der Winter war bereits als strenger Herrscher auf getreten, ohne den Tag seines offi­ziösen Kalender-Einzuges abzuwarten.

Am Fenster des Wohnzimmers stand Auguste und blickte trüben Auges durch die Spiegelscheiben auf das Schneetreiben; um ihre Lippen lag ein Zug von Härte gebreitet, der etwas neues war in oem jugendlichen Mädchengesicht. Jetzt wendete sie bas Harcht nach ihrer Mutter, die eben eine T^age an sie gerichtet, und erwiderte fest:

so schließt baS wahrlich nicht auS, baß unsere katholischen Arbeiter auch ihre Stanbesintereffen wahren. Im Gegenteil, bas ist euer Recht und eure Pflicht! Und so weit es möglich ist, hat bie Kirche stets auch bieses Streben auf bas materielle hin unterstützt und gesörbert. Sie tut es auch noch heute. Dazu bienen namentlich bie christlichen Gewerkschaften.

Neben ben christlichen Gewerkschaften freilich sinb nötig bie katholischen Arbeitervereine. Wir haben Gott Dank bereit recht viele. Die katho­lischen Arbeitervereine sinb nötig. Wenn heute bet katholischen Arbeiterwelt Gefahren für ben Glauben brohen, bann sinb gerade die katholi­schen Arbeitervereine vorzugsweise dazu bestimmt, innerhalb der Arbeilerwelt bie katholischen Grund­sätze zu wahren, bie Arbeiter zu waffnen gegen bie Angriffe, bie ihnen drohen, sie zu katholischen Männern heranzubilden, damit sie mit den katho­lischen Grundsätzen ausgerüstet auch die wirtschaft­lichen Interessen im rechten Geist pflegen. Darum sind bie katholischen Arbeitervereine nicht blos nützlich, fonbern auch notwendig. Ich habe den innigen Wunsch, daß diese Vereine sich immer mehr verbreiten und immer mehr Mitglieder zählen. Aber meine lieben Arbeiter, zu gering sind noch diese Zahlen, Ihr müßt mehr darin arbeiten und wirken, daß immer mehr eintreten in Eure Vereine. Ich weise Euch darauf bin, wie bie anderen, bie keine christlichen Grundsätze haben, in ganz anderer Weise zu arbeiten ver­stehen und tausende und abertausende um ihr Banner scharen. Von ihnen muß man lernen. So muß auch der Arbeiterverein hier und die yiebenueretne noch mehr wachsen an Zahl, viel­leicht müssen nach den bestehenden Vereinen der eine und andere hinzugefügt werden.

Dann habe ich den Wunsch, daß unsere Arbeitervereine immer mehr Sympa­thien gewinnen mögen, auch in den Kreisen, die nicht dem arbeitenden Stand angehören. (Zustimmung.)

Des weiteren wandte sich der Hochw. Herr Kardinal an die Geistlichkeil; auch sie möchten in bie Arbeitervereine gehen und dieselben unter­stützen. Mögen die Worte, die der Herr Kardinal zu gunsten der christlichen Arbeiterbewegung im Paulushause zu Düsseldorf gesprochen bat, im ganzen deutschen Vaterlande ihren Widerhall sinden und ersprießlich wirken zum Segen für Kirche, Staat und Volkswohl.

— MU ............

Etwas vom vier.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Wenn man heute die gewaltigen Bierpaläste betrachtet und von der Riesenmenge von Litern liest, bie alljährlich in allen Ländern an Vier getrunken werden, zu dessen Herstellung Tausende von Brauereien im Betrieb sind mit Hundert- tausenden von Angestellten, dann kann man nicht umhin anzuerkennen, daß doch ein großer Um­schwung in den „Bierverhältnissen" eingetreten ist seit der Zeit, in welcher ein Schriftsteller das Bier nur deshalb würdigte, weil sein Schaum ben Teint verschönert. Das Getränk selbst wür- bigte bet Genannte nicht einmal einer Besprechung, sondern schrieb: „Es ist besser, zur Besprechung des Weines überzugehen". Allerdings war dieser Missetäter ein Römer, und die Römer sind alle-

Ja, Mama, ich begleite Edi nach Triest, wie wir beschlossen.

Aber Kind, bei diesem abscheulichen Wetter, ich bin besorgt nm Deine Gesundheit!

Bah — es lohnt auch der Mühe, gesund zu bleiben, um sich später langsam zu Tode grämen zu können!

Kindereien!

Wenn mir das Herz bricht!

Du wirst vernünftig werden, Gusti, und Dein Mädchenherz wird Dir dazu verhelfen. Man stirbt nicht an unerwiderter Liebe.

Ein Blutstrom färbte Gustis Wangen, dann sagte sie mit unterdrückter Heftigkeit: Das ist nicht richtig ausgedrückt. Ich beweine nicht etwas, das ich nie besessen, einen Traum, eine Illusion — sondern ich traute um geraubtes Glück. Ja, dieses Mädchen, das mir zum Unglück in unserem Hause Aufnahme gefunden, welches damit begann, in den Räumen der Herrin zu spielen, die ich früher mein genannt, es endet damit, sich in den Besitz des Mannes zu setzen, den ich liebe und der auch mich geliebt

Frau Forstenberg zuckte die Achseln. Diese Neigung, an die Du glaubst, hat somit die Vrobe schlecht genug bestanden, denn sie erkaltete schnell.

Es gibt eine Verirrung des Geschmacks, die nur dadurch einigermaßen zu erklären ist, daß eine Art »d Bezauberung stattgefunden, ausgehend von dem einen, sehr Willensstärken Individuum und das andere, schwächere unterjochend. So allein erkläre ich mir den seltsamen Seelenzustand, in welchem Ullrich Winterfelt sich allemal zu befinden scheint, wenn jenes Geschöpf in seiner Nähe weilt.

Ein Seufzer hob Frau Katharinens gepreßten Busen, als sie vor sich hinmurmelte: Jawohl, ein Zauber und noch dazu ein gar mächtiger — die Liebe!

So leise die Worte auch gesvrochen worden, Gustis feinem LHr waren sie nicht entgangen, sie zuckte zusammen.

Ich will Dir sagen, Mama, warum ich nach Triest gehe, es geschieht dies wahrlich nicht, um Papas Wunsch zu erfüllen und Theobald wieder-1

zeit Verächter des Gerstensaftes gewesen und würben sich schier wundern, wenn sie erführen, baß heutzutage auf „Deutschlands hohen Schulen" in römischen Lauten bas Lob bieses Barbaren­getränkes erschallt, wenn unsere akademffche Jugenb singt: cerevifüam bibunt homines, ani« malia cetera fontes. (Bier trinken bie Menschen, bie Tiere bas Wasser). Man kann es ja dem Römer im Grunde kaum verdenken, wenn er seinen verwöhnten Gaumen mit ben Erzeugnissen bet damaligen Braukunst nicht ärgern wollte, sondern den Wein, dessen Kultur bekanntlich be­reits im Altertum aus einer sehr hohen Stufe stand, den Vorzug gab. Denn zwischen dem Biere unserer Tage, das sich ben Weg gebahnt hat durch die ganze Welt, in Hütte und Palast, und dem Biere des Altertums war ein gewaltiger Unterschied.

Unter Bier versieht man heute ein ans Ge­treide oder anderen stärkehaltigen Rohstoffen, .Hopsen und Wasser hergestelltes, mittels Hefe teilweise vergohreneS Getränk. Heber die Ab­stammung des Wortes Bier sind die Meinungen geteilt. Die ältere Ansicht, die hauptsächlich von I. Grimm vertreten wird, und die auch heute noch Anhänger hat, leitet daS Wort Bier (alt­hochdeutsch: pior, mittelhochdeutsch: bior) auf die sanskritische Wurzel-Irinken zurück (lat. bibere). Die zweite Anschauung jedoch will das Wort zurückführen auf den Flamen des ältesten Brau- ftoffes, die Gerste (altgermanisch brewo, angel» sächsi'ch bere).

Doch mag das Work kommen, roober immer eS will, das dürfte feststehen, daß daS Getränk auf ein ehrwürdiges Alter zurückschauen kann. Zwar will man seinen Ursprung genau bestimmen, indem man als ben Erfinber des Bieres >en König Gambrinns von Brabant bezeichnet, der im 12. Jahrhundert vor Christus gelebt hatte. Aber leider ist dieser sagenhafte Gambrinus eine äußerst zweifelhafte Persönlichkeit, und im Ernste will niemand etwas von ihm wissen. Und wenn man in vielen Kneipen sein Bild sindet, nämlich das eines feisten bärtigen Mannes, der, mit der obligaten Königskrone geschmückt, den schäumenden Becher schwingt, so behaupten Nörgler, die Züge dieses „Gambrinus" hätten große Aehnlichkeit mit denen des Herzogs Johann I. von Brabant, wie sie auf dessen Grabmal abgebildet leien, und aus dessen volkstümlichem Namen Jan primus könne sehr leicht der Gambrinus geworden fein. Jan primus aber lebte nicht vor, sondern nach Christus.

Demnach ist es mit der Erfindung durch Gambrinus, den „Patron" der Bierbrauer", nichts; vielmehr ist anzunehmen, daß jedes Volk fein eigenes Bier bereitete und tränt. Wenigstens erzählen bie ältesten Schriftsteller Herodot und Diodor, daß es bereits in den frühesten Zeiten in Aegypten Bier gab, und andere Schriftsteller berichten von Biertrinkern in andern Ländern. So Archilogus, Aeschylus, Sophokles, Plantus und andere. Ob allerdings dieses Bier der Na­turvölker große Aehnlichkeit mit unferm heutigen hatte, ist mehr als fraglich. Denn wir müssen im Gegensatz zu dem, was wir heute trinken, uns dieses „Urbier" denken als in Wasser ge­kochtes und in Gährung übergegangene5 Getreide. Ja, auf der untersten Kulturstufe, in der man Getreide noch nicht kannte, wurden zur „Bier"-

zusehen; aber wenn wir beide fort sind, dann gibt es keinen Vorwand, die jungen Leute aus, dem Bureau zu einem Hausball einzuladen, wie es sonst geschah. Miß Maud tanzt nicht und so wird sie sich mit der Gesellschaft älterer Leute begnügen müssen, denn nicht wahr, Mama, Du versprichst es mir, daß Du mir zu Liebe Ullrich Winterfell nicht laden willst?!

Das will ich Dir gerne versprechen, Kind, denn ich würde es ohnehin nicht getan haben.

Dank, Mama! So reife ich leichteren Herzens.

Gusti wollte das Zimmer verlassen, um noch einige kleine Vorkehrungen zu treffen, als die Mutter sie zu sich heran winkte.

Gott behüte Dich, mein Liebling, und kehre von Triest als die alte, muntere Gusti zurück, die der Sonnenstrahl unseres Hauses war.

Ter dunkle Lockenkopf schmiegte sich an die Brust der Mutter, und dort weinte die arme Gusti ihre Schmerzen aus, still, wortlos.

Frau Forstenberg ließ sie gewähren und dachte bei sich: Glücklich, wer noch weinen kann, das ist nicht das schlimmste Leid, welches sich in Tränen löst.

Maud stand allein unter dem Tannenbavm im Festsaal des Hauses, sie atmete voll Behagen den würzigen Dust, den das Tannengrün aus- strömte und der untermischt war mit dem Geruch der verglimmenden Wachskerzchen. Weihnachts­stimmung war über sie gekommen, und wie durch Zauberschlag fühlte sie sich in die Kindheit zurück­versetzt, wo Margarete Moorland es nie versäumt hatte, ihrem Liebling am Christfest den Tannen­baum nach deutscher Sitte zu schmücken. Aus dem Nebengemache tönten das Geklapper der Teetasien und die Stimmen der Gäste herein in den Saal, wo die Weibnachtsbescherung stattgehabt. Herr Forstenberg war noch im Bureau und hatte vor einer Stund" den Diener geschickt mft der Mel­dung, daß wichtige Geschäft': ihn ganz unvorge- sehcnerweife länger in der Stadt zurückhielten. Man möge, ohne Rücksicht dcwauf, die Kerzen am