Jahrgang
Fulda, Freitag, den 3. November 1905,
M 2.52
mit drei Kompanien ist mit seiner Verfolgung (»eauflragt, bei der die Stationsbesatzungen des Bezirk Nordbethamen Mitwirken werden.
"Der Kampf war siegreich für die deutschen Truppen, aber wie oft ist das gemeldet worden, ohne baß solche Siege für den Feldzug überhaupt irgendwie entscheidend gewesen wären! Wie lange nun soll das so fortgehen — ohne Aussicht auf ein Ende des unglücklichen Feldzugs? In dem demnächst zusammenlretenden Reichstag wird Deutsch-Südwestafrika ohne Zweifel bald zu eingehenden Debatten Anlaß geben.
kette gewählt und trug einen Strauß von Marschall Niel-Rosen, die gleichen Blumen schmückten das Kleid und ihre dunklen Locken. Im Kreise der früheren Verehrer fühlte sie sich ganz wieder als die bewunderte Ballkönigin der ersten Jahre, wo sie in die Gesellschaft eingcführt worden war.
Und doch, während sie scherzte und lachte, ihren Fächer und ihren Witz spielen ließ, flogen die Blicke der feurigen Augen stets verstohlen nach der andern Seite des saalartigen Gemaches hin, wo Ullrich Wintcrfelt stand.
Ullrich Winterfell lehnte am Fenster, halb verdeckt von den schweren Vorhängen, er hatte sich hierher geflüchtet, nachdem er dem Brautpaar seine Glückwünsche dargebracht; scheinbar in Gedanken versenkt, hatte er doch nur diesen Platz ge- wählt, um in das Nebenzimmer blicken zu können, wo Maud weilte. Frau Forstenbcrg und einige der älteren Damen, Freundinnen des Hauses, unter ihnen Tante Julie, hatten sich hier nieder- gelassen, der Jugend den großen Saat einräumend, denn später sollte programmgemäß ein Tänzchen gemacht werden. Nur war Maud nicht zu bewegen gewesen, die Tante zu verlassen und sich dem fröhlichen Schwarm zuzugesellen. Die vielen unbekannten Menschen flößten ihr Furcht ein. Mizi Sanders war ihr noch zu fremd, und zu Gusti hatte sie sich nie hingezogen gefühlt. Da stand sie nun neben dem Sessel Frau Katharinens und stützte sich auf die geschnitzte Lehne desselben, ahnungslos, daß sie so einem Maler den schönsten Entwurf zu einem lebensvollen Gemälde hätte geben können.
Ullrichs sehnsüchttge Blicke hingen an der rei- zenden Gestatt, an deren zarte Formen sich schnee- iger, weißer Wollstoff schmiegte, in weichen Falten, nicht in häßlichem, just modernem Aufbausch. Den schlanken Hals umschloß eine Kette großer Zahlperlen und ein diademartiger Kamm von Gold, mit birnenförmigen Perlen geziert, biet: am Hinterkopf das wellige Blondhaar in die Höhe, das sich dann in feinem Gelock über Nacken und Schultern ergeht. So geschmückt, glich Maud
wirklich einem der lieblichen Fabelwesen, wie dichterische Phantasie in Wort und Bild sie uns ge- matt, und man durfte es Ullrich nicht verdenken, wenn er das ängebetete Mädchen bei sich ein „Feenkind" nannte.
Wie gern wäre er zu ihr geeilt, allein es fehlte ihm jede Berechtigung dazu, nachdem er die Frau vom Hause schon vorher begrüßt hatte, als Maud noch nicht zugegen gewesen. Die allen Damen aber würden sich höchlich gewundert haben, wenn der junge Buchhalter sich ihnen zngesellt hätte, statt bei seinen Altersgenossen zu verweilen.
Da berührte leichter Fächerschlag seine Schul- ter, er wendete sich hastig um und stand Gusti gegenüber, die ihn lächelnd anschante. So in Gedanken — wie darf man sich bei solch frohem Feste isolieren, fragte sie.
Ich dacht« —
An was dachten Sie, doch nicht an die langweiligen Zahlenrechen der Geschäftsbücher ?
Sicher nicht, ich gedachte der schönen Tage in Venedig, wo wir die Liebe des Brautpaares noch in zarter Knospenhülle gesehen.
Ja, die schönen Tage in Venedig, auch ich habe sie nicht vergeßen Und gedenke ich ihrer, dann geschieht es voll Dank gegen meinen Retter.
Die Wendung, welche das Gespräch genommen, versetzte Ullrich in Verlegenheit, denn er hatte im Bemühen, die Aufmerksamkeit Gustis von dem Gegenstände seiner Beobachtung abzulenken, die erste beste Phrase ausgesprochen, jetzt begnügte er sich, eine abwehrende Handbewegung zu machen. Bei jeder anderen Gelegenhett würde Auguste, des Versprechens eingedenk, das sie der Mutter geg^ ben, geschwiegen haben, doch heute befand sie sich in einer so gehobenen Sttmmung, die Triumphe, welche ihre Schönheit errungen, hatten sie fieges- gewiß gemacht, daß sie, Ullrichs Hand ergreifend, leise, aber mit innigem Ausdruck fortfuhr:
Verschmähen Sie meinen Dank nicht I Sie retteten mir das Leben und ich glaube, daß dies ein Band ist, stark genug, um zwei Menschen un- zertrennlich — in Freundschaft zu verbinden. Es
hat in letzter Zell eine Entfremdung zwischen uns stattgehabt, ich kenne die Ursache nicht, aber ich weiß, daß ich keine Schuld daran trage. Ullrich — sie nannte ihn zum ersten Male so — versprechen Sie mir, daß Sie mir Ihre Freundschaft nicht entziehen wollen? Erst dann wird das durch Sie gerettete Leben Wert für mich haben!
Er blickte auf und in die Augen Gustis, die voll Zärtlichkeit auf ihm ruhten — träumte er denn, hatte er recht verstanden? Das schöne, viel umworbene Mädchen liebte ihn, die reiche Erbin neigte sich herab zu dem armen Buchhalter, dem Bediensteten ihres Vaters? Unwillkürlich flutete ihm das Blut vom Herzen zum Kopfe, ein .Schwindel erfaßte ihn bei dem Gedanken, daß ihm das Glück, dem er seit Jahren nachgestrebt, in so verlockender Gestalt jetzt nahe, daß er nur die Hand auszustrecken brauche, es zu erfassen, zu halten. So schön und verlockend hatte er Gusti noch nie gesehen, die Glut der Leidenschaft ihrer südlichen Natur wirlle auf ihn gleich einem Zauber, er drückte die kleine warme Hand, die in der feinen lag und sprach beklommen:
Ich will darnach streben, Ihrer Freundschaft wert zu bleiben. „ „ . , _ .
Sie lächelte nur statt aller Antwort, aber so glückverheißend, so froh, dann ließ sie langsam, fast zögeriid die Hand des jungen Mannes los, denn sie sah, daß ihre Mutter sich erhob und, Mond an der Hand fassend, sich der Tür des Saales näherte.
Auch Ullrich, der Richtung ihres Blickes folgend, batte sie bemerkt, und eine so auffallende Veränderung war in seinen Zügen borgegangen, daß Gustis Herzschlag stockte.
Der junge Mann erblaßte, ein Schauer machte ihn erbeben, und er trat einen Schritt vor, als fühle er sich magnetisch angezogen von der Lichtge- ' statt, die schüchtern an der Schwelle der geöffneten Saaltür weilte, das liebliche Köpfchen an Frau Katharinas Schulter geschmiegt.
Doch Auguste wollte das Errungene festhalten, sich -en Sieg nicht entreißen laßen; das Mädchen
Z)ie Wokoko-Kcrme.
Roman von Ernst von Waldow.
23] (Nachdruck verboten.)
Während des Ankleidens blieb das junge Mädchen schweigsam mid dachte ernsüich über alle diese Dinge nach, die sie sonst wenig beschäftigten.
Zum erstemnale nach des Vaters Tode wollte Maud ein Festgewand anlegen, nur hatte sie sich vusbedungen, als Fran Katharina sie darum gebeten, daß es ein weißes Gewand sein müsse und ganz nach ihrem Geschmack gefertigt. Der große Schmuckkasten, den Famllienschmuck enthaltend, stand geöffnet auf einem Toilettentische, der Duft frischer Blumen erfüllte das Gemach, welches, wie Frau Moorland erfreut bemerkte, zum erstenmale seiner Bestimmung übergeben wurde.
Zwei Stunden später wogte eine fröhliche Gesellschaft in dem geschmückten Salon auf und ab. Die Jugend war heute in der Mehrzahl, es regnete förmlich Blumen und Glückwünsche auf das Braut- baar herab. Die lächelnde Braut in ihrem rosa Falbettleide glich einem Psingströschen und sand sich, von Edi unterstützt, ganz prächtig in ihre neue Rolle, die heute wahrlich nicht leicht war. Galt es doch auch den Freunden des Bräutigams zu gefallen, beim Edi sollte ja Ehre einlegen mit feiner Wahl. Und wem hcttte das liebliche Mädchen, so frisch und natürlich, so bescheiden und dankbar fiir das Glück, welches ihr zuteil geworden, nicht gefallen sollen?
Eduard Forstenberg wurde beglückwünscht und beneidet, und ein junger Leutnant von den Kaiser- Jägern ging sogar so weit, ans Ehre zu versichern, daß die kleine Sanders das niedlichste Goldkäserl sei, welches er kenne.
Nächst der Brant war die Tochter des Hauses Gegenstand der Huldigung. Auguste war sich ihrer Schönhett lange nicht so froh bewußt ge- k^sen, als heute. Sie hatte eine mattgelbe Toi-
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mehr. Hieran trägt die Börsen stemr das Wer- dienst, die bei einem halbjährigen Etatsanscklag von 15 Mill. Mk. tatsächlich 26,4 Mill. Mk-, also 11,4 Mill. M. mehr erbracht hat. Die Losesteuer aber hat den Etat bei weitem mLst erreicht. In der Postverwaltung sind 241,,9 SJliU. Mk. gegen 258,6 Mill. Mk. Anschlag, also in 7 Mill M. weniger, in der Reichseisenbahn- verwalttmg 54^ Mill. M. gegen 52,2 Mill. Mk. Anschlag, also 2,1 Mill. Mk. mehr vereinnahmt. Auch diese Zahlen lehren uns sehr deutlich, daß es ohne neue Steuern nicht mehr ab- $ Zur Fleischteuerrmg. Reichskanzler Fürst Bülow hat der Abordnung des Städte- taaes über die Fleischteueruug natürlich nichts neues sagen können. Seine Antwott hat aber in Fleiicherkreisen sehr böses Mut gemacht. Zu der Aufforderung an die Städte, den Fleischverkauf selbst in die Hand zu nehmen, bemerkt die ,Allgem. Fleischerzig/, ein derartiges Ansinnen sei unbegreiflich. Der Reichskanzler habe sich wob! nicht die Konsequenzen eines derartigen Eingriffes für das gesamte Gewerbe und den gesamten Handel klar gemacht. Der Hin- weis auf Wien sei durchaus verfehlt. Das Fleisch fei, seitdem dott mit Hilfe städtischer Mittel die Mlien-Großschlächterei errichtet wurde, in Wien weder in größerer Mengs vorhanden, noch billiger geworden. Die Fleischermeister aber im ganzen Reiche müßten angesichts der Gefahr, die'ihnen jetzt droht, auf der ganze Linie mobil machen und im Verein mit den Stadtverwaltungen auf das fchärfste gegen die Stellungnahme des Reichskanzlers protestieren. — Die liberale Presse, die die Frage nur vom Standpunkte des städtischen Konsumenten aus betrachtet, ist natürlich ebenfalls sehr ungehalten. DaS ,Berl. Tagebl.' appelliert an den „Mann auf der Straße". Die Negierung dürfe sich nicht beklagen, wenn ihr der Mann auf der Sttaße und seine parlamentarischen Vertreter die Gefolgschaft auch alsdann in anderen Fragen versagten. Eine Regierung, die nur den „Mann auf der Straße" als „Volk" anerkennt und den „Mann hinter dem Pfluge" verkommen läßt, wird, meint dazu die ,Kreuzztg/, sehr bald au der Straße die Revolution und auf dem Lande den Hunger zu Mampfen haben.
* Die Wohnnngsverhältnisfe in Berlin werden interessant beleuchtet durch eine statistische Untersuchung, bereit Ergebnis gegenwärtig veröffentlicht wird. Daraus ergibt sich zwar nicht, wie neulich ein naives Gemüt in der Presse verstreitete, daß es in Berlin Häuser gebe, die 4000 Einwohner Hütten, wohl aber, daß au einem einzigen Grundstück in einigen Fällen die ungeheure Zahl von 850—900 Personen wohnt. Im Durchschnitt kommen in Berlin aus ein Haus annähernd 75 Personen. Bei vollen zwei Dritteln der ganzen Berliner Bevölkerung entlaßen von allen Bewohnern der Häuser au ein Zimmer mindestens 5 Personen. 3» der ■ Berliner lebt in Wohnungen von nur 2 Räumen. : 47 Prozent davon hat nur einen einzigen ■ Raum zur Verfügung. Dabei ist die Familie : oft recht stark, da gerade die mit vielen Kindern ; gesegneten Leute nur sehr wenig für die Woh- • nung ausgeben können. Eine solche Wohnung - von einem heizbaren Raum, den der Berliner t euphemistisch „Zimmer" nennt, kostet im Durch- , schnitt 227 Mark pro Jahr. Daraus ergibt
Schwere Verluste einer deutschen Ex- peditiomtruppe in 5üdMjLafnka.
' Eine neue Trauerbotschaft kommt aus der deutschen Kolonie, die nun schon seit wehrals Ist-/Jahren unaufhörlich schwere Opfer an Gut und Blut fordert, ohne daß diesen bisher ein nur Halbwegs entsprechender Erfolg an die Seite aeftfüt werden konnte. Em Telegramm oe» Eenrralleutuants von Trotha übermittelt fotzende Aeldung des Oberftteutnants van Sem mern über einen neuen folgenschweren Zusammenstoß zwischen der von dem letztem geführten Truppenabteilung und Eingeborenen:
Ich bin mit der Abteilung Kovpy am Drange« slnß östlich Hattebeestmund (20 Kilometer südöstlich Homsdrift) auf einen sehr starken Gegner, mindestens 40 > Mann, unter Morenga, Morris, Johannes Christian in verschanzter Stellung gestoßen. ES kam zu einem äußerst schweren Kampf, der bis zur Dunkelheit währte. Arn Morgen räumte der Feind nach kurzem Feu,^-' gesecht seine Stellung und zog in westlicher Richtung ab. Eine Verfolgung war wegen der Erschöpfung der Truppen und wegen Proviani- und Munitionsmangels nicht möglich, deshalb wsrr« die Verluste des Feindes nicht festzustellen. Die englische Polizei hat nach Beobachtungen vsm Südnser des Orangeflusses angegeben, daß der Feind starke Verluste gehabt habe, besonders habe die Artillerie gut gewirkt.
U ufere Verluste sind die folgenden: Drei Offiziere und 13 Mann tot, 3 Offiziere und 18 Mann schwer verwundet, 13 Mann leicht verwundet, 5 Mann vermißt.
Ich habe nnt 27. die Verwundeten westlich von Peüadrift nc ch der Mission über den Orange gebracht. Ich marschiere mit der Abteilung Kospy über Senborn nach Warmbad, wo ich am 31. euizutreffen gedenke. Die Truppe hat im Ueberwinden außergewöhnlicher Schwierigkeiten und unerschütterlicher Tapferkeit im Gefecht groß-
Derttsches Reich.
Berlin, den 2. November 1905.
* Konferenz der Eiseubahndirektionen. Am Freitag und Samstag findet im Ministerium der öffentlichen Arbeiten eine Konferenz statt, an der die Präsidenten der königlich preußischen Eisenbahnbirektionen unb ber kaiserlichen Generalbirektion in Straßburg teilnehmen werben. Die guten Erfahrungen, die mit diesen sogenannten Präsibenten-Konfereuzen gemacht worben smb, haben ben Minister ber öffentlichen Arbeiten veranlaßt, auch in biefem Jahre wieder bie Herren zu einer Besprechung zu laben, in ber wichtige Fragen des Eisenbahnwesens erörtert werben unb ben Herren zu einer mündlichen Aussprache über bie in ben einzelnen Bezirken gemachten praktischen Erfahrungen Gelegenheit geboten wirb. Für ben Abend hat der Minister die Präsibenten zum Esten gelaben, an welchem auch eine größere Anzahl von Beamten bes Ministeriums ber öffentlichen Arbeiten unb ihre Damen teilnchmen werben.
* Landeswohlfah rtsamt. Bei ber Verhand- lung des Abgeordnetenhauses über ben Antrag bes Grasen 'Douglas aus Errichtung eines Lanbeswohlfahrlsamtes sind von einem Vertreter ber Staatsregierung bie Bedenken bargelegt worben, zu benen bie Durchführung des Gedankens in ber gewählten Form Anlaß gibt. Zugleich aber würbe bie sorgfältigste und wohl- woilenbste Prüfung bes Antrages in Aussicht gestellt. Sie hat zu bem vorläufigen Ergebnis geführt, baß zunächst in eingehend erWeise zu untersuchen ist, ob sich eine solche Ausgestaltung ber Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrt zweckmäßig burchführen läßt. Erst wenn biefe Prüfung zum Abschluß gebracht sein wird, werben bie notwenbigen tatsächlichen Unterlagen für bie schließliche Stellungnahme der Staatsregierung gewonnen sein.
* Das laufende Rechnungsjahr 1905 wirb für bas Reich nicht günstig schließen, wenn nicht bie noch bevorstehenden Monate recht hohe Einnahmen bringen. Für bas erste Halbjahr liegen bereits bie Abschlüsse vor. Die Zölle haben gegenüber bem Etatsansatz ein Minus von 51,2 9JH(l. Mark gebracht; aber vorerst braucht das nicht zu erschrecken, weil man ben Ertrag ber Zölle wesentlich beshalb so hoch fetzte, weil bie 1 Voreinfuhr vor ben neuen Handelsverträgen in Betracht kommt. Diese aber tritt erst in ben noch ausstehenben Monaten ein unb kann leicht bas Minus ausgleichen. Was die anderen Einnahmen bekifft, so sind aus den Reichsstempelabgaben 42,2 Mill. Mk. aufgekommen gegen 35> Mill. Mk. Etatsansatz, also 6,3 Mill. Mk.
artiges geleistet.
Außerdeui wird gemeldet, daß Hendrik Witbor nach vergeblichen Versuchen, durch AngriHe auf die besetzten Waffersteüen Aminuis unb Kirsis» Ost Wasier zu bekommen, 350 Weiber unb Kniber, bai-unter feine nächsten Angehörigen, imtbverdurstet, zurückließ. Sie liefen ben deutschen Truppe« zu und werden nach Keetmannshoop grbrachi. Aus der Gegend von Kirsis-Ost ist Hendrik Wsiboi über Blumpütz-Garinais in nordwestlicher Richtung geflüchtet. Major von Estorff ging am 25. Oktober mit 1 Kompanie, 2 Geschützen und 2 Maschinengewehren von Mukorob, mit 89 Reitern unb 2 Geschützen von Fablgras aus ihm entgegen, während Major v. Lengerke mit 1 Kompanie und 1 Batterie ihm über Geiaub folgt. Postieruugen am Fischfluß und am Auob sollen ein Entkommen Hendrik Witbois nach Westen ober Osten zu verhindern suchen. Cor- »elius wurde von der Abteilung Lettoiv über die Zwiebelhochebene verfolgt. Er überschritt nördlich Chamis den Konkip und wurde am 24. Ottober bei Gorabrs von der 4. Ersatzkomi gestellt, die bis dahin die Straße Kubub-K,..- mauShoop gedeckt hatte. Nach einstüudigem Gefecht zog Cornelius unter Zurücklaffung von 2 Toten westwärts ab und wandte sich dann in nordöstlicher Richtung über Blutpüts-Remmhuhe nach dem Schmarzrand. Hauptmann v. Lettow
sich, daß von allen Bewohnern ber Reichshaupt- iabt die Hälfte unter geradezu unmenfchlichen, unb ein wesiereS Viertel unter sehr beschränkten WohnuugSoerhältnisfeu lebt. Wir unter solchen Derhälmiffen ein widerstanbsfähiges Geschlecht heranwachsen soll, das ist wirklich nicht ver- tändlich.
» Weitere Verluste mDeutsch-Südwestafrika. Ein Teleoramm aus Windhuk meldet: Im Gefecht am Orange östlich von Hartbeestmund gefallen: Hauptmann Friedrich d'Arrest, frübrr Grenadier-Regiment Nr. 12, Stabsarzt Dr. .Hermann Atthans, früher in der Schutztruppe ür Teutfch-Ostafrika. Schwer verwundet : Leutnant Ernst Schaumburg, Schuß durch die linke )anb und zwei leichte Fleischschüffe, Oberarzt •»n§ Hahnemann, beide früher Jnfanterre-Regi- ment Nr. 96, Schuß durch beide Unterteil fei, Oberveterinär Paul Dieckurann, früher im Land- Wehrbezirk Rostock, Schuß durch den linken Unterschenkel. — Am 30. OktoberauKrankheiten gestorben: Reiter Ludwig Zimmer, geboren zu Offenthal, früher Dragoner-Regiment Nr. 23, im Lazarett Okahanbja an Lungenentzündung, unb Reiter August Gritzan, geboten zu Surmineu, früher Feldartiüerie-Regiment Nr. 73, im Lazarett zu Windhuk an Typhus unb Lungenentzündung.
•* Berlin, 2. Ns«. 1905. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des KriegKminifters und deS Chefs des Militärkabinctts. Mittags sand eine Tafel beim Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold im Jagdschlösse Glienicke statt, an welcher das Kaiserpaar und der König von Griechenland täte nahmen. Der König empstug heute ruorg-n den Gesandten Rangabö, machte dann eine Spazierfahrt durch Sanssouci, betuchte das Mausoleum, die Friedens- kirche und die Garnifonkirche nt Potsdam, btt in Potsdam wohnenden Fürstlichkeiten und machte dann eine Promenade tr.t Park von Babelsberg, toyäter begab er sich dann nach Jagdtchlost Glienicke. Das Kaiserpaar wirb aus seiner Reste nach Purmberg zur Teilnahme cn der am 14. d. Sl. erfolgenden Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wilhelm 1. ansrer reu dem Kronprinzen und dem Reichskanzler Furücn Bülow auch von dem kkrirgsminister v. Einem und dem Staatssekretär Grafen Posadowstr; begleitet sein. — Tie Königin Wilhelmine der Niederlande wird, wie der /Schwab. Mert.' hört, nutit dem Prinzen Heinrich der 9Hcbcrlar.be in nächster Zeit voraussichtlich am 13. November auf einige Tags zum Besuch des Königs von Württemberg nach Stuttgart kommen. Die Herffchafrru reifen ytm Besuch des GrvhberzogS und bet Grotzherzogin von Baden usch Kattsrnhe und gedenken von dort aus auch cm rvürttsmbergstchen Königshose einen Besuch zu mach.n. — Der Bundesrat stimmte in seiner heutigen Plenarsitzung dem Gesetzentwurf über den Versicherungsvertrag zu. Bor der Plenarsitzung hielten ber Ausschuß sirr Jmiizwejcn, sowie die vereinigten Ausschüsse für AuUzweik» unb für die Verfassung, die vereinigten Ausschüsse für Juitizwesen imb für Handel und Berkehr unb die vereinigten Ausschüsse für das Landhcer und die Fetmngcu und für Justizwesen Sitzungen. — Der Borst and des deutschen Städtetages hat in Aussicht genommen, den Slädtetag Ende November nach Berlin zusmmnenznberusru.
♦ Karlsruhe, 2. Nov. 1905. Im Bezirke Bretten-Bruchsal, wo nad) ber ,Karlsruher Ztg.' ein Slot io na (liberaler gewählt sein sollte, ist nach bem enbgiltigen Ergebnis ber v om Zentrum unterstützte konservative Rechtsanwalt Schmidt gewählt. Demnach besitzen b:e Nalio- nalliberalen nur 23 Mandate, der gesamte Block 29. Die Konservativen zählen jetzt vier Man- bate. Der ganze Jubel ber Blockpresse gilt also bem einen Mandate, bas ber Block mehr als bas Zentrum besitzt. Sie sinb bescheiden geworden, die stolzen Slationalliberaten, bie einst von : 63 Sitzen 52 besaßen und heute jubeln, daß sie
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