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Fulda, Dienstag, den 31. Oktober 1905.

32. Jahrgang

Anzeigen: vi« ein­spaltige petilzeile oder deren Raum iS pfg. Aetlamen die petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr.

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Rotationsdruck u. Verlag der Hiilbaer Ac- tiendruüerei in Hulda. Hernspreher Nr. 9.

Monatsbettage: „Zuldaer Geschichtzblätter"

rrscheint täglich, mit Ausnahme der 8onn- >l«d Feiertage, viertel- jährl. vezugrpreis ohne Sringerlohn und veftevgeld in Hulda und auswärts iMt. 50 pfg.

Zuldaer M Zeitung

Schriftleiter;I- Saum;

für die Anzeigen I« «»'«■ Wochenbeilage: „Illuftnerte Sonntagszefiung"

Zweites Mtatt

zum Friedhof.

An dem frischen Grabhügel

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bleiben sie stehen, beide betend für die Seelen­ruhe der hier Schlafenden. Der junge Mann legt das Versprechen nieder, fortan treu seinem Glauben weiterzuleben, der Greis fleht für ihn um Kraft, daß er dies Versprechen halten möge.

Donnerstag, 2. November. (Allerseelen). Dom '-6, 6 und 7 Uhr hl. Messen, 7^4 Uhr Pfarramt, 8 Uhr Totenmette, 9 Uhr feierliches Requiem, ^,«8 Uhr abends Schluß der Rosenkranzandacht mit Te Denrn. — Stadt»

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?Um Nachdenken. - Sie. Lange Zeit hatten beide in ernstem Gespräch f™ ^ebheben, hatte auf sein Treu- beieinander geweilt. Dann gingen sie hinüber wort gebaut. — Und er? ,um ^riedboi. An h,m

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„Stehe mir bei am Throne meines Richters", liest er wieder. Er tritt an's Fenster und blickt auf den Friedhof hinüber. Da sieht er manch altes Weiblein, manch arme Frau mit ihren Kindern, manchen Greis und auch rüstige Männer an Käthis Grabe stehen. Sie bringen alle den Tribut der Dankbarkeit für die Hilfe und den Trost, den sie bald diesem, bald jenem in Krankheit, Not und Betrübnis gebracht hat. Stur er selbst, dem sie ihr eigen Herz geschenkt hat, steht stumm tatlos, obgleich sie selbst ihn bat noch an der Schwelle der Ewigkeit, ihr bei­zustehen am Throne ihres Richters. — Richter? Gibt's denn noch einen Richter jenseits des Todes? Sollte es denn doch wahr sein, was er als aufgeklärter Denker schon längst in das Reich der Fabel verwiesen hat? Angesichts des Grabes der Geliebten beginnt er darüber nach­zudenken, ob denn die „wissenschaftlichen" Gründe nicht doch nur Scheingründe waren, die an der unfehlbaren Heilswahrhrheit nichts zu erschüttern vermögen.

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kl c. Der Huf der Toten.

Von Franz Karl Thomas.

Nachdruck nicht gestattet.

Dr. Joseph Martens war aus seinem fernen Wirkungskreis — weit draußen in der neuen Welt — zurückgekehrt in das heimatliche Berg­dörfchen unweit des Rheins. Vor sechs Jahren war er von dort ausgezogen, ein junger Arzt, und einem vielversprechenden Ruf über das Meer gefolgt. Jetzt war er heimgekommen. Voll Jubel hatte ihn die alle Mutter ans Herz ge­drückt und in der Freude des Wiedersehens kaum bemertt, wie sehr ihr Joseph sich in den Jahren verändert hatte, wie das früher stets heitere Minenspiel einem düsteren, unzufriedenen Gesichts­ausdruck gewichen war. Und als gar am an­deren Morgen — seiner Berechnung nach war's ein simpler Wochentag — die Mutter ihn auf» forderte, doch mit ihr zur Kirche zu gehen, war er ihr mit gleichgiltiger Miene gefolgt. (Srft als sie ihn bat, mit ihr nach alter, frommer Sitte zum Friedhof zu gehen, da schien es ihm einzu­fallen, daß heute der Allerseelentag s«, dem be» sonderen Gebet für die Toten gewidmet.

Am Grade des Vaters, den er kaum mehr gekannt hat, bleiben sie stehen. Er lüstet den Hut, da er die Mutter beten sieht; doch seine Gedanken schweifen in weiter Ferne. Auch an den Gräbern einiger Verwandten verweilen sie noch einige Zeit; dann wollen sie den Rückweg antreten. Da — ganz am Ausgange fessell ein frischer Grabhügel seinen Blick.

„Wer ward denn hier begraben, Mutter?" „Des Pastors Nichte, die Käthi.» „Die Käthi?"

„Ja, die Käthi Holst. Kennst Du sie nicht mehr? Die Waise, die unser guter Pfarrer zu sich genommen hatte."

Ob er sie noch kannte! Die er einst so heiß geliebt hat, liegt also hier tot, war hingegangen, ohne Abschied von ihm zu nehmen. Aber warum auch Abschied von ihm nehmen, hatte er doch selber kaum mehr an sie gedacht. In der fernen Großstadt hatte er andere Frauen gesehen, schöner, interessanter, so daß neben ihnen Käthis schlichtes Bild bald verblaßte. Er hatte vergessen.

„Du hast stets Wort gehalten," hatte sie noch in den letzten Tagen geschrieben. — Soll er nochmals ihr Vertrauen täuschen? Nein, diesmal will er ihren Wunsch erfüllen. Wenn sie auf den mächtigen, barmherzigen Gott ver­traute, sich seinem Willen gern unterwarf, so will auch er wieder glauben, will beten für ihre Seelenruhe, wie jene dort tun, denen sie ein hilfsreicher Engel war im Leben, will sie bitten, daß ihr Gebet sein führender Engel sein möge.

Gottesdienstorduung in Fulda.

Mittwoch, 1. November. (Allerheiligen). Dom. S6, 6 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, ’/ 10 Uhr Bischof!. Hochamt und päpstl. Segen mit vollkommenem Ablaß, 12 Uhr hl. Messe, 1*. Uhr Andacht, 3 Uhr Bischöfl Vesper. — Stadt-sarrkirche. 6 ‘ Uhr hl. Messe und Predigt, 6 und 7Uhr.hl.Messe, 8 Uhr Amt und Predigt, 9 ttlhr Predigt.Hvchamt mit Dia- konrum und Chorgesang, 3Ut>r Rosenkranzandacht, 7 - Uhr Andacht für die armen Seelen und Predigt. — Pfarr­kirche zum hl. Geiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Eröffnung der Rosenkranz-Andacht, danach Andacht für die armen Seelen mit Predigt. Sodalttät. '-,7Uhrhl. Messe und Generalkommumon. — Frauenberg. Hl. Menen von 5 7 Uhr, 8 Uhr Rosentranzmesse, 9 Uhr feierlicher Militär - Gottesdienst mit Predigt, 2 Uhr- Predigt und Andacht mit Umgang für die Antonius- Bruderschaft.

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Der Pfarrer tritt wieder ins Zimmer. Er will ihm erzählen von den letzten Tagen Käthis, die ihm ihre Liebe zu Joseph aus ihrem Kranken­lager gestanden hatte. Doch Joseph unterbricht ihn, und reuig, aber gestärkt durch den Anblick des gegenüberliegenden Grabes gesteht er dem greisen Seelenhirten, der schon der Führer seiner Jugend war, wie er draußen mit dem Glauben gebrochen hat, und wie ihn heute die tote Braut

1721. Als Redaktionssekretär wird von einer größeren kachot. Zeitung zum baldigen Eintritt em durchaus znverläffiger, 8??!"udter Stenograph und Maschinenschreiber bei dauernder Stellung gesucht. Derselbe muß in der Lage sein, größere Ber- ro^?t-^nsäberi4te :c- aufzunehmen und wortgetreu wiederzugeben, -bewerb uuaen mr>n» man richten an Gen.-Sekr. Dr. P. Weilbacher,

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wie er ihr vor der Reise Lebewohl gesagt. Dort drüben im Pfarrgarten war's gewesen, wo ihr das He^ fast brechen wollte vor Abschiedsweh, wo sie dann mit dem Versprechen ewiger Treue geschieden waren, das süße Geheimnis tief in der Brust verborgen. Und jetzt findet er sie hier zur letzten Ruhe gebettet.

„Mutter, wann starb sie?"

„Gerade acht Tage ist's her. Und der Herr Pfarrer hat fragen kaffen, ob Du noch nicht zurück wärst; sie hat nach Dir gefragt noch kurz vor ihrem Tod."

Sie hat also doch noch in der letzten Stunde an ihn gedacht, obwohl er sie vergessen hatte. Wie Zentnerlast fällt's auf seine Seele. Während er gestern noch den Besuch beim Pfarrer hinaus­zuschieben gesucht hat, fragt er jetzt: „Werde ich den Pfarrer wohl jetzt zu Hmsse treffen ?"

Und dann war er dahingeeilt, daß die Mutter, die zwar nichts wußte, aber doch ahnte, ihm kopfschüttelnd nachsah.

Der alte Herr begrüßt ihn freundlich. Er holt aus seinem Pulte einen Brief, den er Joseph gibt.

»So den mögt Ihr zunächst lesen, derweil ich eben draußen sehen will, was denn der Michel noch will."

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„Auch ich will Dich mit meinem Gebet auf all' Deinen Wegen begleiten!" — Besteht denn noch eine Gemeinschaft zwischen uns und den -Loten - Ihre engelreine Seele hät es geglaubt, Pfarrkirche. 5-/,, 6 und 7 Uhr hl. Messeu,8 Uhr Requiem ~ "l er lächeln über uuö Einsegnung der Tumba abends 8 Uhr Schluß der Rosenkranzandacht. — Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Uhr Seelenamt, danach Einsegnung d r Tumba, abends 5 Uhr Rosenkranzandacht — Michaelskirche. 7 Uhr Seelen- amrmirKommunwnausteilung,', SUH»nachm.Predigtund Andacht sürdie armen Seelen. Letztere während der Oktav täglich um */<5 Uhr, nur Sonntag, den 5. November um 2 Uhr. — Frauenberg. Uhr Totenoffizium, '/,9Uhr feierliches Requiem, nach demselben Prozession zur Klostergrust.

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„Hastig reißt der junge Doktor den Brief auf und lieft die zitternden Schristzüg-:

„Wenn Du den Brief liest, werde ich wohl nicht mehr leben. Ich wollte Dich ermatten, doch der Tod hat keine Geduld mehr. Bevor ich aber gehe, will ich Dir noch sagen, daß ich Dir treu geblieben bin, tvie ich's Dir da­mals versprach. Du, Liebster, hast mich nicht vergessen, deß bin ich sicher; Du hast stets Dein Wott gehalten. Was wir damals ss schön geträumt, konnte nicht in Erfüllung gehen. Wir müssen uns in Gottes Willen fügen. So gehe ich denn gern, im Vertrauen, daß Du mir beistehst am Throne meines Richters. Wenn ich dort oben bin, will ich Dich mit meinem Gebet auf allen Deinen Wegen begleiten. So gehe ich denn gerne, da wir doch nicht getrennt sind und die Hoff­nung haben auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit. Seb wohl und werde glücklich." gebrochen hat, und wie ihn hei

„ Düster blickt er vor sich hin. Die schlichten {zurückrief von seinem Irrwege.

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