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Unpolitische Zeitkäufe.

G Berlin, 26. Oktober 1905.

(Nachdruck verboten.)

Nächste Woche ist Allerseelen. Wenn ich so ansanqe, so denkt vielleicht mancher Leser: das wird ein trauriger Artikel. Ernst ist noch lange nicht traurig. Üeberhaupt ist es mit der Trauer um die Toten nicht so arg. In den meisten Fälle« läßt der erste heftige Schmerz bald nach; die brennend« Wunde vernarbt schnell. Die Tränen werden seltener und weniger salzig; der Gram verwandelt sich in sanfte Wehmut, und die bildet nur zu oft den Uebergang zum Vergessen. Nie­mand ist unersetzlich und niemand darf sich für unvergeßlich halten. Cs wächst schnell Gras da­rüber.

Gerade deshalb ist der Allerseekeniag so not­wendig und heilsam. Er frischt das Gedächtnis auf »nd wärmt die abgekühkte Liebe wieder an. Das Versäumte wird wenigstens einmal im Jahre nachgedolt und dabei sichern wir uns selbst eine tröstliche Anwartschaft auf die Zukunft.

Denn Allerseelen wird auch einmal unser Gedenktag sein, unser Fest im passiven Sinne des Wortes. In die Rubmesliste aller Heiligen werden wer nxM kommen; aber wohl in die große Schar der areen setten. Auch wir werden einst gegen Ende Oktober sehnsüchtig fragen: Ob sie wohl kommen werden, wenigstens am Allerseelentag, nm Ttwixfr $u gedenken und für mich zu beten?

dir die Htnterbstebenen einst tun sollen, deck tu, d« den Vorangegangenen auch. Wenn d« 364 Ta-w dem Reich« dieser Welt geopfert haft. Ben* opfere wenigstens einen dem Toten­reich«. Mkt de« Lebenden sprichst du in einem fort, «nd dies« Plauderei enthält gewöhnlich viel mwww*. Znm. Halte einmal im Jahre auch mal »tf«f ergiebige Zwiesprache mit den Toten, *ie tzn- met lehrreiches und auch viel tröstliches werbe«, wenn d« nur die inneren Ohren «rr,machst. Geh auf de» Friedhof als Quartier- «nch«k. Q»r«!ieriuacher für dich selbst, denn in dieser stille« Stadt wirst du einst das Bürger- wchl habe«. Bielteicht mußt du schon bald deine« Ln»r,ug Kalte«. Komme dann nicht als Fremd» ItRa, der gar keine« Bescheid weiß, sondern »rwstime dich rechtzeitig und paffe dich dem Geist« des Ortes c«, damit sie nicht umsonst wünschen u«d bete», btt mögest in Frieden ruhen. Wer de« Nnftieden mitbringk bei seinem letzten Gang«, der wird den Frieden nicht finden.

Rr-e keine Friedhofssttzeul Es ist garmcht so Kranfig »Ser schrecklich, zwischen den Gräbern z« waad«l«. Sie erinnern uns freilich an den To», ater sie rufen uns auch gleichzeitig zu, daß wir in dem Rest unseres Lebens noch ein unschätz­bar«« Gut, eine reiche Onelle des Heiles und des Glückes besitze«. Wer noch lebt, der kann sich »och eine« selige« Tod uud eine ewige »ILcksetigkrrt besorge«. D« Gräber rede« auch von Scheiden und Meiden, das weh tut; doch der Lhriftenmensch sagt sich: körperlich sind wir »srläusig getrennt, aber geistig stehen wir ta fteter Gemeinschaft, wir denken aneinander, j« w«r »rrttn auf einander, mit den unsterb­liche» Zeilen unserer menschlichen Naturen. Und die Trennung der Leiber ist auch nur vorüber­gehend. Ueber ein Kleines k

Auf dem Friedhof herrscht Charsamstag- ftiewwfl- Die dort ruhe», haben ihr« Todes­tag hinter sich und warte« auf den Oftermorge». SEBÜm du zu Allerseelen auf dem Kirchhof ge- wes« bist, brauchst du nicht bis über eut Iahe zu warten; geh' $« Ostern wieder hi», dem» be* Äsuch der Gräber ist der schönste Oster-

Schüler sagt: »Roch cm Grabe pflcmst der Mensch die Hoffnung auf". Der D«hter hätte sich christlich« «ms«dr»cÜ, wenn er gesagt hätte: Gerade a» Mrade grünt und blüht der HoffntmgSbaum am üppigsten. Dort, wo m Tränen das Sterbkiche Met wird, kommt unS bte tröstliche Anwartschaft auf die frendize Ernte der Unsterblichkeit recht zum Bewußtsein.

Auf Wiedersehen l liefet «a Kleines, e * •

Was ist betteln? Ein andauerndes, demü­tiges, notgedrungenes Bitten. Wir sind allzu­mal Bettler. Auch die Toten betteln noch: Erbarmet euch meiner, wenigstens ihr meine Freunde, und helft mir durch Für­bitte und Opfer. Das Kind beginnt schon in der Wiege das Betteln um Nahrung und Pflege. Der Erwachsene bleibt auch auf die Liebe und Hilfe der Mitmenschen angewiesen, wenn er auch noch so selbstbewußt sich aufspielt. Und in den letzten Worten und den letzten Blicken des Sterbendeil liegen Bitten an Gott und an die Ueberlebenden. Der Priester ist ein Seelen­bettler, der Politiker ist ein Stimmenbettler, der eifrige Bürger ein Reformbettler. Es gibt grobe und feine, materielle und geistige, selbstsüchtige und opferwillige Bettelei. Auf Erden muß ge­bettelt werden, weil die Erde ein Tal der Män­gel ist, die durch Nächstenliebe und gemeinsame Anstrengung gebessert werden sollen. Ueberall ist Sammel-Politik nötig und deren Grundlage ist Bettelei.

Warum ich dieses hohe Lied auf die Bettelei anstimme? Weil ich ein Jubiläum feiern will. Ich muß schon selbst die Feier arrangieren, weil es bei der Kürze der Jubelperiode keinem andern einsällt. Neulich laS ich eine Reklame von einem unternehmungslustigen Kaufmann, worin es hieß, daß er das einjährige Bestehen seines Ge­schäftes durch die und die Veranstaltungen fest­lich begehe. Nun, dachte ich, wenn m unserer schnelllebigen Zeit schon die einjährigen Jubiläen Mode werden, dann kannst Du auch einZchbiläum feiern, denn Du bist jetzt schon 12 ganze Monate als Bettler tätig! Die Sache stimmt; denn Ende Oktober 1904 habe ich zum ersten male den „un- potittschen" Hut zum Beste« der Zehlendorfer Kirche herumgehen lassen. Ein ganzes Jahr schon haben die Leser sich die Bettelei gefallen lassen. Und was hat denn die Arbeit eingebracht? Ja, das läßt sich schwer sagen, da der unpolitische Onkel nicht allein gesammelt, sonder« sogar nur als ein Bettelgeselle bei dem berufenen Meister tätig war. HerrPfarr« Deitmer in Steglitz hat aus allen Brünnlein geschövft, die zugänglich waren, und wenn nach Jahresfrist die «sie« 50,000 Mark noch nicht »oll sind, so dämpft das etwas meine Jubiläumsstnnmung. Doch verzage» ziemt sich nicht für einen rechten Bettler. Der Anfang war doch nicht gerade entmutigend. Nimm heute, waS du Kiezen kannst, und morgen etwas mehr. Frisch hinein in den zweiten Jahr­gang. Es lebe« noch fee asten Freunde und — was besonders tröstlich ist — auch die altert" Feinde «och. Ich hoffe, daß der Prediger v. d. Heydt oder sonst ein Ritter vom Evangelischen Bunde nochmals wieder gegen die „ulttamontane Propaganda in und um Berlin", vo« Leder zieht Solche Schreier jagen dem Bettelmann die Hafen in die Küche.

Inzwischen bitte ich die geehrten Leser, nicht gar zu sehr über die „ewige Bettelei- zu schelten. Es ist kein liebliches Gewerbe, aber ein not­wendiges und nützliches. Im Betteln liegt Fort­schritt. Wer ungeduldig werde« will, möge be­denken, daß angebettelt werden noch nicht so lästig ist, als anbetteln zu müsse«.

Die Gelehrten streik« sich darüber, wer denn eigentlich die neuen Werte schaffe — die Arbeit oder das Kapital, die Industrie oder der Handel, die Hand oder der Kopf. Ich stelle den An­trag, daß auch der Bettler als werteschaffend anerkannt werde: den» indem er lauter Steinig» leiten, die in ihrer Vereinzelung nicht viel wert waren, auf eine« Haufe« bringt, schafft et eine bedeutende Kraft mit großer Wirkung. Er bil­det aus viele« stachen Wassertet» einen mächtigen Fluß.

Daraus folgt mm, daß die Angebetleltm sehr klug handel», wenn fie »cm ihren entbehr­lichen Markstücken hin nud wieder einige zu einem guten gemeinsamen Zweck opfern, statt si« in Luxusfachen draufgehen zu lassen. Mitzu- arbeüe» an einem schönen und nützliche« Werke, ist ja auch eine der feste« Bergnügmrgen. dir man sich für sei« gutes Geld verschaffen kam«.

I« der Allerseelenzeit ist die Mahnung zur Milfestigkeit besonders am Platze. Ein Mit» gsted unserer Bettelgemeinde hat mich gebeten, den Lesern gelegentlich den Mrs in Erinnerung zu bringe«:

„Set pcm Gebe« stets bereit. Miß mcht kärglich deine Gabe«. Denk', iir deinem letzte« Kleid Wirft du ferne Tasche» haben."

Geueralversammtung der deutsche« AntidueL-tiga.

△ Köln, 28. Oktober 1905.

Im weißen Saale der Vürgergesellschaft hielt gestern nachmittag die Deutsche Krttifekttl-Liga ihre diesjährige Generalversammlung ab.

Herr Geh. Justizrat Queren eröffnete geeen 3% Uhr als zeitiger Dorsitzeufer der Ortsgruppe Köln fee Mitglied?rverjamml'.mg und begrüßte die Erschienene», besonders den hochverehrten Prä- fideuten Fürsten von Löwenstein. Die Ortsgruppe Köln zahle 680 Mitglieder, habe ass» alle anderen £kfc5grufe>eit weit überflügelt. In Altbetracht der großen Aufgabe der Liga ist diese Zahl aber noch gering. SS handelt sich darum, mit Anschauun­

gen und Vorurteilen zu brechen, die sich über Ehre und Genugtuung festgesetzt haben und die durch Anwendung eines gesellschaftlichen Druckes auf­recht erhalten werden. Von diesem Druck können sich selbst diejenigen nicht freimachen, die das Duell als Vernunft- und gesetzwidrig verurteilen. Um darin Wandel zu schaffen, um den Mut des einzel­nen zu heben, offen für seine Ueberzeugung einzu­treten, um ihm einen gesellschaftlichen Rückhalt zu geben, das ist das Ziel dec Antiduell-Liga. Tie Ausgabe ist schwer und groß, aber sie muß gelöst werden, wenn alle diejenigen, die uirserer Auffas­sung sind, dieses offen bekennen. Ausgabe der Liga ist es also zunächst, möglichst viele Mitglieder zu werben. Dazu ist nötig, daß alle Konfessionen und alle politischen Parteien einträchtig zusammen, gehen. Auf keinem Gebiete ist das so möglich wie aus diesem. Hier, wo es sich um die Vernunft, um göttliches und staatliches Verbot handelt, gibt es keinen Gegensatz.

Aus Wunsch des Herrn Roeren übernahm hier- auf Fürst Löwenstein den Vorsitz und er­stattete nun den Tätigkeitsbericht. In Halberstadt ist eine Ortsgruppe gegründet, in Berlin der Vor- stattd komplettiert worden. In Jena habe sich eine bescheidene Gruppe der Liga gebildet. Fürst Lö- wenstein hatte Einladungen zu einer Versamm- lmtg an die Minister und Ministerialräte an den Rektor und die Professoren der Universität er­gehen lassen. Von den Professoren erschien aber niemand, auch der Rektor nidjt; auch die hohen Beamten glänzten durch Abweseicheit, fie hatten von ihrem Landesherrn das Verbot erhalten, der Versantmlung beizuwohnen. In Straßburg wird detmtächst die Gründung einer Ortsgruppe vor sich gehen; wegen der Choleragefahr mußte eine Versammlung in Marienburg unterbleiben. Der Vorstand hat sich loci ter mit Anträgen zur Ver­besserung der Gesetze zum Schuhe der Ehre sowie mit der Schaffung staatlicher Ehrengerichte be­faßt. Ferner wurde der oberste Ehrenrat kom­plettiert.

Die vom Aktionskomitee vormittags beratenen Abänderungen des Statuts wurden genehmigt. Der Kaffenbericht irmrde entgegengenommen und dem Kassierer Enllastung erteilt.

Herr Geheimrat Roeren wünscht, daß eine ener­gische Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder eingeleitet werde.

Derselben Ansicht Ivar Herr Justizrat Schulz (Hamm). In Westfalen habe die Liga nur 80 Mitglieder, jedenfalls viel zu wenig. Die Mit- gliederzahl Iverde wachsen, wenn das Wesen und die Tendenz der Liga mehr bekannt würden. In einem Aufruf möge das nochmals geschehen, und der Erfolg werde nicht ausbleiben.

Herr Rechtsanwalt Dr. Ruinvf (Mümhen) empfahl, die Philisterien der nichtschlagenden Ver- bindungen, die über 25 000 Personen umfassen, zum Beitritt zu veranlassen. In München fei ein Philistertum mit einem Jahresbetrage von 50 JK, beigetreten.

Herr Pros. Hauptmann (Bonn) einpfahl, krasse Duellfälle zur Agitattou für die Liga zu benutzen.

Herr Amtsrichter T ü ck i n g (Aachen) gab zu ertnäfleu, ob dem Druck der gesellschaftlichen Aus- faffrmg nicht dadurch zu begenen fei, daß Offi­zieren und Beamten, die doch auf die Gesetze ver­eidigt seien, es unmöglich gemacht werde, im Amte zu verbleiben, wen» sie dem Gesetze zuwider ein Duell annehmen.

Herr Rechtsanwalt Esch (Köln) ersucht, auch in deil Reihen der Alkoholgegner Mitglieder zu werben.

Der Vorstand wird die gegebenen Anregungen weiter verfolgen.

Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Fürst zu Löwenstein, Graf Erbach und Erbprinz zu Lö­wenstein wurden wiedergewäbst und alsdann die Mitgliederversammlung geschlossen.

Kurz nach 5 Uhr begann die gut besuchte

Oefsenttiche Versammlung.

Fürst zu Löwenstein begrüßte die Mttglieder und Gäste aufs herzlichste; eine so große Ver­sammlung bei Veranstaltungen der Liga habe er noch nicht gesehen. Redner gibt hierauf ein an­schauliches Bild von der internationalen Tätigkeit der Liga, besonders ihrer Organisation in Deittsch» land, die zwölf Ortsgruppen umfasse. DaS Stre­ben der Liga geht vor allem darauf hinaus, Ehren­gerichte, fee seitens des Staates und einzelner Kor- vorationen errichtet werden, anzubahnen. Die österreichische Liga batte große Erfolge zu verzeich­nen ; in Italien hat die Liga auch bald Boden ge­faßt und in Belgien wurde vor kurzem eine Liga gegründet: dort ist indes das Duell feit längerer Zett nicht mehr im Schwünge. Am glanzvollsten gestalteten fich die Erfolge der Liga in Spanien. Die politische Lage bat in Frankreich die Duell- frage mehr in den Hintergrund treten lassen. In Rußland wurde fee Aufmerksamkeit von der Liga durch den Krieg abgelenkt. In England, Schwe­den und Norwegen kennt man sozusagen das Duell nicht. Tie Liga ist nicht nur toter national, son­dern auch interkonfessionell.

Lebhaft begrüßt betrat hierauf Herr Pastor v. Bodelfchwingh (Dielefeld) da§ Rednerpult. ES ist ein köstlicher Kampf, f« führte Redner aus, der uns hier zusammerfführt. ES ist nicht zu be­greifen, daß in unserem Vaterlande daS Duell sich immer noch behaupten kann. Mit den bloßen Wor­te« der Klugheit können wir die Sache nicht be- kämpfen. Wir können fee schärfsten Waffen nicht entbehren, nämlich die deS Christentums. Redner verliest eine Reihe von These». Ich sage, der Zwei- kämpf ist, wen« er nicht iw Kriege besohlen ist oder m Rotwehr geschieht, jedesmal Sünde. ES ist unmöglich, daß ich durch daS Duell meine ver­letzte Ehre wieder aufrichten kann; eS fügt meiner Unehre ehren weiteren Flecke» hinzu. DaS Duell ist schlecht, i» fett meisten FcLm Feigheit. Man

32. Jahrgang.

fürchtet mehr die Menschen als Gott. Es fft aber ein anderes, ob ich einen armen emzellren Tuellmr- ten verurteile. Da haben alle, auch wir, Mitschuld, weil wir nicht genug dagegen gearbeitet haben. Wir sollen einen so armen Menschen nicht ohne Schutz lassen. Wir haben alle die gleiche Ehre. Der Offizierstand ist nicht höher als der Chriftenstcmd. Der größte Stand ist der Christenstand. Der er­laubt mir nicht, mich zu schießen. Des Kaisers Herz steht ganz gegen das Duell, das ist meine Ueberzeugung. Wir alle müssen einstehen für die Ehre unserer Mitbrüder, auch des geringsten Tag­löhners. Gott gebe, daß die Zeit komme, wo kein Bruderblut mehr aus die deutsche Erde fließt. Die evangelische Kirche ist vielleicht im Kamps gegen das Duell im Rückstand gegen die katholische. Ich schäme mich dessen. Ich bitte, wir reichen uns heute fröhlich die Hand zum Kampf, daß wir den Bru­dermord gründlich unterdrücken durch Gottes Gnade zu Gottes Ehre. (Lebhafter Beifall.)

Ueber Duell und Ehre verbreitete sich hierauf der evangelische Pastor Lehman n (Barmen). Wenn die Ehre in nichts weiterem bestände als in der persönlichen Ehrenhaftigkeit, dann wäre kein Verein notwendig, der den Ehrenschutz auf seine Fahne geschrieben hat. Zur Ehre gehört noch etwas anderes, das ist der gute Rus. Ich muß alles tun, diesen guten Rus zu verteidigen; auch die mensch­liche Gesellschatt hat die Verpflichtung dazu. Da­raus ergibt sich die Berechtigung unserer Anti- duell-Liga. Beim Duell wird verwechselt die äußere und innere Ehre. Wenn die Liga fruchtbringend wirken will, muß fie kommen mit einer Anklage gegen die menschliche Gesellschaft, daß sie es am Schufi der Ehre des einzelnen hat fehlen lassen. Wir wenden uns gegen das Duell als Einrichtung, als gesellschaftlichen Zwang und Terrorismus. Wenn Sie der Ueberzeugung sind, daß das Duell verwerflich ist, weil es statt sittlicher Hebung sitt­liche Verflachung bedeutet, dann müssen Sie sich an unserer Arbeit in der Liga beteiligen. Das fft eine patriotische, nationale Pflicht. (Beifall).

An Stelle des in letzter Stunde verhinderten Frhrn. Fidelis v. Stotzingen (Radolfzell) sprach Herr OberbürgerMeister Dr. Antoni (Fulda) über den gegenwärtigen Schutz der Ehre und über das, was die Liga in dieser Beziehung schon ge­tan hat. Der beste Schutz unserer Ehre liegt in uns selbst. Wir müssen aber sehen, daß unser guter Ruf nicht angetastet wird. Sind die jetzigen Be­stimmungen des Strafgesetzbuches imstande, uitfe« rat guten Ruf zu schützen? Im allgemeinen sind die materiellen Güter durch das Strafgesetzbuch mehr geschützt als fee ideellen. Daher kommt es sehr häufig, daß man in dem Duell Genugtuung sucht.

Redner begründet im einzelnen die Anträge, die durch die Liga an den Reichstag gerichtet wur­den zur Reform des Strafgesetzbuches, soweit der Schutz der Ehre ht materieller Hinsicht in Betracht kommt. Die auf Beleidigungen in § 185 ange­drohte Gefängnisstrafe bis zu einem bezw. zwei Jahren erscheint genügend, das Höchstmaß der Geldstrafe von 600 Mark aber als keineswegs hinreichend. Im angemessenen Fall soll Frei­heitsstrafe neben Geldstrafen verhängt tverden können. Bei ganz besonders krassen Berlemn- duitgen, fowie im Rückfall sollen auch fee bürger­lichen Ehrenrechte aberkannt werden. ES wird der Reichsregierrmg ferner zur Erwägung anheim gestellt, ob nicht auch bei Beleidigungen verschärfte Bestimmungen fei Rückfall deS Täters z« treffen find. Redner behandelt eingehend den Stand­punkt, den die Liga hinsichtlich der Besttasung beim nächsthäufigen Anlaß zu Duellen, dem Ehe­bruch und den sonstigen Verletzungen der ehelichen Träte eiimimrnt. Aber nicht nur in materieller, sondern auch in formeller Hinsicht bedarf der ge­setzliche Schuh der Ehre einer Verbesserung. Die Liga fordert nach dieser Richtung die Schaffung von staatsichen Ehrengerichten. Solang« diese aber nicht zu erraffen sind, will die Liga eigen« Ehrengerichte bestellen nud bat heute bereits ein Statut für dieselben beschlossen. Redner richtet eine begeisterte Aufforderung zum Bettritt zur Liga an alle, die innerlich der Liga zugehören, ans äußeren Gründen ihr fernbleiben. In der Bereinigung liegt die Stärke, in der Zahl die Macht! Es ist ein edler Kampf für hohe Güter, für Recht und Freiheit 1 An der Spitze der Liga ftehk ein Mann, hochgestellt durch die Geburt, aber noch höher durch seine edle Gesinnung, der seine ganze Kraft dieser Bewegung widmet. Wir müs­sen chm dafür bau fett «nd können Ke* am besten, wen» wir ihm folgen auf dem Wege, auf dem et uns voran geht. Alts dem Denkmal des Erzher­zogs Karl, des Siegers von Aspern, in Wien stehM die Worte: Irr feinem Lager ist Oester­reich. Ich mochte diese Worte anwenfen auf den Vorsitzenden, indem ich wünsche und hoffe, daß fee Antiduell-Liga immer mehr erstarken und sich kräftigen möge, daß man ernst auch zum, ver­dienten Vorsitzende« sagen kann: In deinem Lager ist Deittschlaud! (Stürmischer Beifall.)

Mit DankeNvorien an die Erschien men schließt hieraus Fürst zu Löwenstein die Versammlung.

±lHe neue kattzol. Rieche z« Schwege.

Eschwege, eine aufblühende Industriestadt von 12000 Einwohnern, ist nunmehr einer herrliche» Zierde, eines erhebenden Sckmnukes reicher gewor­den. Im schöusisn Telle des neuen Stadtviertels, über das Werratal wett hervorragend, zeigt sich die neue Kirche der katholischen Ge­meinde, welche morgen, Sonntag den 29. Ok­tober, durch unfern Hochwürdigsten Herrn Bi­schof Adalbertus fee hl. Weihe em- pfängt und deren Bild wir vorstehend unser« Lesern fetteten.

Ein langjährige; Sehnen der hiesigen katho­lischen Gemeinde ist nun endlich erfüllt Word«, der Sircheridarr hat sich besonders im Sommer-