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-otationsdruck u. Verlag der Snldaer Ar» tienbruderei in Sulda. Fernsprecher Nr. 9.

\ M 248.

Fulda, Samstag, den 28. Oktober 19U5.

Jahrgang.

Drittes Matt.

wochen-Run-schau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, den 28. Oktober 1905.

«5on den Fragen der inneren Politik, die in der vergangenen Woche den Hauptstoff für die Er­örterungen der Tagespresse abgaben, stand die Reichsfinanzreform in erster Linie. In Anwesenheit einer ganzen Reihe von einzelstaat­lichen Finanzministern wurden die Verhandlungen darüber im Reichsschatzamte fortgesetzt. Genaueres verlautet auch jetzt noch nicht über den Inhalt der Pläne des Reichsschatzsekretärs und über die Beschlüsse, welche in der Konferenz der Finanz­minister darüber gefaßt worden sind. An den früher mitgeteilten Grundzügen scheint man aller­dings festhalten zu wollen, doch dürften dieselben in ihrem Ausbau in nicht unwesentlicher Weise sich von dem unterscheiden, was anfangs gemeldet worden war. Die Tabaksteuervorlage zum Bei­spiel soll sich von einer Zigarettenpapiersteuer schon zu einer Wertsteuer für Tabakfabrikate ausgewach­sen haben. Wann sich der Bundesrat mit der Vor­lage des Reichsschatzsekretärs zu beschäftigen haben wird, läßt sich noch nicht sagen.

Mit Rücksicht darauf schweben auch noch alle Angaben über den Termin der Einberufung des Reichstage - in der Lust. Noch weniger Unterlage haben aber die Angaben über den Ver­lauf der Arbeiten des Reichstages. Wenn in ge- Cnffen Kreisen schon heute damit gerechnet wird, aß die erste Lesung der Reichsfinanzresorm-Vor- lage unbedingt noch vor Weihnachten werde er­ledigt werden, und daß Reform, Etat und Militär- vensionsgesetze schon anfangs März unter Dach und Fach gebracht sein würden, fo ist hier zweifellos her Wunsch der Vater deS Gedankens.

Ebenso unsicher wie die Meldungen über den Termin deS Zusammentritts deS Reichstags sind die Angaben über die Eröffnung des preußi- schenLandtageS und damit über das Schick­sal deS S ch u l g e s e tz e S geworden. Aller Wahr­scheinlichkeit nach hat man nicht mehr damit zu rechnen, daß für dieses Gesetz eine so frühe Einbe­rufung deS Landtages erfolgt, daß noch von einer Herbsttagung gesprochen werden kann. Es wird wohl Ende November werden, bis die preußischen Landboten zusammenkommen.

Im preußischen Handelsministerium tritt der bisherige Oberpräsident von Westpreußen, Dr. Delbrück an die Stelle des Herrn Möller, oder vielmehr deS Herrn von Möller, da derselbe den erblichen Adel erhalten hat. Dieser Minister- Wechsel hat eine Flut von Kombinationen über weitere Veränderungen im preußischen Staats­ministerium herbeigeführt. Der Reihe nach hat man fast jeden preußischen Minister als „amts­müde" erscheinen lasten. Mit Ausnahme des Ju­stizministers Schoen st edt dürfte aber für die nächste Zeit kaum ein weiterer Minister seine Stelle verlassen. Auch in der Diplomatie sollte ein starker Wechsel eintreten. AIS Tatsache ist aber nur die Ersetzung deS deutschen Botschafters in St. Peters­burg, des Grafen AlvenSleben durch den bis­herigen deutschen Gesandten in Kopenhagen von Schoen geblieben.

t Einen hocherfreulichen Erfolg hat die verflos­sene Woche dem ZentruminBaden gebracht. Bei denoadischenLandtagSwahlenhat daS Zentrum, obwohl eS dem „Block" der sämtli­chen liberalen Parteien gegenüberstand, nicht nur seine alten Mandate erhalten, sondern noch 5 neue dazu erobert. Außerdem hat es die Aussicht, bei den am 28. d. Mts. stattfindenden Stichwahlen noch einige Mandate zu gewinnen. Auf jeden Fall wird daS Zentrum in der neuen badischen Kammer die stärkstePartei bilden, wenn es nicht die Mehrheit erhält. Der liberale „Block" hat eine Niederlage erlitten, wie sie schlimmer kaum gedacht werden kann. Die verschiedenartigsten Elemente ».hatten sich im Kampfe gegen das Zentrum zusam- hnengefunben und man hatte den Wahlkampf mit allen Mitteln geführt, die zu Gebote standen. Und daS Resultat war, daß die Nationalliberalen und die übrigen „Teilnehmer" am „Block" zusammen im ersten Wahlgange nicht einmal so viel Mandate erhielten, als die Nationalliberalen bisher allein besessen haben. Die Blamage für die „Blockpartei­en" wird jetzt vervollständigt durch den Umstand, daß dieselben, um wenigstens noch einige Mandate sn den Stichwahlen einzuheimsen, die Sozial­demokraten um ein Wahlbündnis an- oegangen haben. Und wie hat man seinerzeit über bas Wahlbündnis zwischen Zentrum und Sozial­demokraten in Bayern losgedonnert I

- In der sozialdemokratischen Partei Hst eS zu einer Art „Palastrevolution" gekommen. Sechs Redakteure des „Vorwärts" haben ihre Kün­digung genommen, weil sie dem Parteivorstand .nicht neben der Preßkommission ein Zensurrecht einräumen wollten. Der eigentliche Grund für ,diese „Resolution" liegt aber in dem Bestreben der ,„Radikalen" unter Bebels Führung, im „Vor­wärts" die schärfere Tonart zur Geltung zu brin- gen. Was jetzt geschieht, oder absichtlich von den - Radikalen herbeigeführt wird, ist wie ein Nachspiel !zum Parteitag von Jena. Da man die Kündigung der sechs „Genossen" angenommen hat, ist jetzt Platz geschaffen für die Richtung Kautzky-Mehring im »Vorwärts".

,, In Oe st erreich spricht man zur Zeit von einer Gautsch-Krise. Der österreichische Minister­präsident soll beabsichtigen zurückzutreten, weil in Ungarn die Richtung Oberwasser behalten hat, welche die Wahlrechtsfrage im Sinne der früheren Vorschläge des Barons Fejervary lösen möchte. Baron Fefervary ist bekanntlich twrn Kaiser Franz Joseph wieder mit der Leitung der Regierung

betraut worden, doch hat sich die Opposition beeilt, ihm von neuem den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Eine Lösung der Wirren in Ungarn ist demnach noch nicht abzusehen.

Ter Präsident der französischen Repu­blik ist als Gast des Königs Alfons nach Spanien gegangen. Eine größere politische Be­deutung ist dem Besuche wohl kaum beizulegen; es handelt sich nur um eine Erwiderung des Be­suchs, den der König in Paris abgestattet hat.

Der König von Schweden hat in einer Thronrede, die er bei der Schließung des schwedi­schen Reichstages gehalten hat, die Tatsache der Auflös n ngderUnionzwischenSch we­be n und Norwegen anerkannt. Um diese Tatsache perfekt zu machen, bedarf es, nachdem die Volksvertretungen der beiden Länder sich für die Auflösung unter den in Karlstad vereinbarten Be­dingungen ausgesprochen haben, nur noch einiger Formalitäten. In Norwegen steht jetzt die Ent- fcheidung der Frage bevor, welche Staatsform ge­wählt werden soll. Obwohl die Republikaner ihre Sache noch nicht verloren geben wollen, ist doch nicht daran zu zweifeln, daß Norwegen ein Königreich sein wird und daß der erste König Prinz Karl von Dänemark sein wird.

Während die inneren Wirren in Rußland in neuem Aufflammen begriffen sind und nament­lich in Moskau ein Streik der Eisenbahnangestell­ten einen sehr gefährlichen Charakter annimmt, geht die Reform recht langsam voran. Zwar scheint Herr von Witte jetzt in der Frage der Verwaltungs­organisation gesiegt zu haben, da die Bildung eines Ministerkomitees unter von Witte angekündigt wird, doch ist damit noch nicht viel gewonnen. Die Wertschätzung des Duma-Projektes wird immer geringer.

In Japan gewinnt dem Anscheine nach die Freude über die erstrittenen Siege jetzt die Ober­hand über die Mißstimmung, welche die Friedens­bedingungen hervorgerufen hatten. Der Einzug des tapferen Admirals Togo in Tokio hat sich zu einem großen Feste gestaltet. Der Kaiser hat den Admiral, dem Japan wohl in erster Linie seine Siege verdankt, mit hohen Ehren überhäuft.

kl c. Ein Sonntag vor Allerseelen.

Erzählung von I. Fichner.

(Nachdruck verboten.)

Milder Herbstsonnenschein liegt über der Erde und versetzt die Menschen noch einmal in die Won­nen des dahingeschwundenen Sommers. Es ist Sonntag und alle Wege, die aus der großen Stadt hinausführen, voll eilender Menschen, die noch einmal danach streben, sich in freier, frischer Luft zu erquicken.

Ein reger Geschäftsverkehr mit getrockneten Blumen und Kränzen entwickelt sich an den Stra­ßenecken, denn es ist der letzte Sonntag vor Aller­seelen, und Hunderte von Menschen aus dem Hand­werks- und Arbeiterstande pilgern hinaus, um an dem arbeitsfreien Tage die Gräber und Ruhe­stätten ihrer Lieben zu schmücken.

In einer kleinen Wohnung auf der Brücken­straße sitzen zwei junge Mädchen am Kaffeetisch; keine derselben aber fcheint sich des Genusses zu erfreuen.

Beide sind jung und seit einigen Monaten ganz verwaist.

Auf den ersten Blick erkennt man in ihnen die größten Gegensätze, die man sich bei Schwestern kaum denken kann.

Mit ernstem, herbem Gesichtsausdruck, blaß, verhärmt, noch in tiefe Trauer gekleidet, sitzt die ältere ihrer Schwester gegenüber, und schaut miß­billigenden Blickes auf das Tun und Gebühren derselben.

Auf dem Sopha zurückgelehnt, den dunklen Lockenkopf mit dem blühend schönen Gesicht in den emporgehobenen, verschränkten weißen Hän­den hin- und herwicgend, trällern die roten Lip­pen eine leichte Operettenmelodie, wozu die kleinen Füße unter dem Tisch lebhaft den Takt schlagen.

Es ist ein ungemein reizendes, lebensvolles Bild, welches das junge Mädchen' bietet, aber ein Zug von Frivolität in den feinen Zügen, der herausfordernde Blick in den dunklen Augen und die Nachlässigkeit in der Kleidung, die grell von dem einfachen, schwarzen Kleide Melittas absticht, wirken abstoßend auf den streng und moralisch denkenden Beschauer.

Der mißbilligende Blick Melittas zeigt, daß sie zu jenen gehört.

„Ich bitte Dich, hör auf zu singen; es ist mir wirklich nicht danach, heut an unserer Mutter GeburAtage. Ob Du auch Wohl nur einen Augen­blick daran gedacht hast!"

Diese Rede macht nicht den geringsten Ein­druck. Rosa verändert ihre Stellung nicht, der ganze Körper scheint sich im Tanz zu wiegen.

„Ich habe Kränze besorgt und um 4 Uhr einen Wagen bestellt! Mach', daß Du Dich umkleidest, wir wollen hinausfahren und die Gräber schmü­cken, das Wetter ist so schön — wer weiß, wie es morgen ist."

„Laß mich in Ruh — ich fahr nicht mit!" „Was, Du willst nicht mit? — Ist es so weit mit Dir — Rosa, ich bitte Dich — Du mußt mit! Dir ist eine innere Einkehr mehr als nötig, vielleicht daß Du doch —"

„Immer predige weiter — es rührt mich nicht! Auf den Kirchhof— nichts ist mir verhaßter als dieser Ort — sieh mich doch nur an, ob ich dahin Passe? Ich bin doch keine Trauerweide wie Tu! Geh nur, so oft Du willst, aber icn — ich gehöre wo anders hin!" Sie sagt es mit lächelnden Lip­pen, die letzten Worte sogar mit einem Anslug von Schelmerei, so als ob sie ein kleines Geheim­nis für sich habe, von welchem Melitta nichts wisse.

Das ruhige Gesicht der Schwester entfärbte sich noch tiefer, dann aber stieg eine heiße Zornes- welle bis in die Stirn.

Sie schob die Tasse zurück, stand auf und ging ein paarmal in dem freundlich behaglichen Zim­mer auf und ab, um sich augenscheinlich zur Ruhe und Ueberlegung zu zwingen. Dann blieb sie vor der Schwester stehen und hob mit bebender Stimme an: „Weißt Du, daß wir in drei Togen Allerseelen haben?"

„Es gelüstet mich nicht daran zu denken."

„Weil Du das leichtfertigste Geschöpf.bist, das Gottes Erde trägt! An diesem Tage ist es ein Jahr, daß wir Deinen Bräutigam begruben, der um Deinetwillen den Tod fand! Und Du kannst das vergessen?"

Was geht's mich an, wenn er so toll ist, sich zu schlagen. Er hätte ja den andern anfossen können. Warum ist er so ungeschickt?" Ein Schrei der Entrüstung entfloh den Livpen Melittas. Sie sah entsetzt in das schöne Gesicht der Schwester; es war nur noch schöner anznsehen in der leichten Erregung. Die dunklen Augen leuchteten wie Sterne.

„Ist nichts mehr imstande, Tein in Ver- gnügungs» und Gefallsucht versunkenes Herz zu erschüttern? Selbst nickst die Erinnerung an jene schrecklichen Tage? Nicht das Gedächtnis an unsere Mutter, welcher Tein Leichtsinn ein Nagel zum Sarge geworden? Ich beschwöre Dich, komm mit mir und suche den Weg zurückzufinden zu einem ruhigen, nützlichen Leben — zu Gott — — den Du längst vergessen hast! Komm mit mir, wir wollen zusammen —"

„Gib Dir keine Mühe, bitte, was Du mir vor­predigst, ist so furchtbar langweilig; wir sind eben gtoer Naturen — Du gehörst ins Kloster und ich —" sie stand auf und reckte ihre feine, schlanke Gestalt in die Höhe - „ich, damit Dn's nun auch weißt — gehöre auf die Bühne und bin bereits fürs Ballet engagiert. Ich gehe jetzt zu meuter grev sin, wie Du immer gedacht hast, in Wahr­heit aber ins Theater nochmals zur Probe und heute abend — wenn Du mich sehen willst — trete ich zum erstenmale öffentlich auf!"

Melitta war zurückgewicheu, Schritt um Schritt! Sie starrte die schöne, junge Schwester an, als sehe sie ein Medttsenhaupt.

Da war es nun, das, was sie immer gefürchtet, in allerschärfster Form. Sie fühlte, daß fiter Engelsstimmen nichts fruchten würden. Der Schmerz, der ihr Herz zusammenpreßte über den Verlust der einzigen Schwester, versagte ihr jedes laute Wort. Nur immer schrie es auf, wie ein ewiges Lebewohl! —

Eine Stunde später befand sich Melitta auf dem Friedhöfe und beugte sich betend über die Ruhestätten ihrer Lieben. Der liebe Frieden, die erquickende Ruhe, die sie umgab, wollte nicht in ihr schmerzlich bewegtes Herz einkebren. Eine heiße Sehnsucht, gleich den vielen Schläfern unter den dunklen Zypressen, den leise flüsternden Trauereschen, ruhen und schlafen zu können, über­kam sie. Was galt ihr nun auch ferner das Leben? Losgelöst und einsam verlassen von dem einzigen Familienmitglieds, das sie an die Welt fesselte, was galten ihr noch Freuden und Genüsse, die sie auch niemals gesucht, sie niemals befriedigt hatten?

Leise flatterten die letzten, gelben Blätter nie­der, leise schritten ernste, schmerzerfüllte Menschen an ihr vorüber, um einen Liebesgruß auf die immergrünen Gräber zu legen, und sie rangen in ihrem Innern um Klarheit, um Rat und Hilfe im schweren Streite.

Um sie herum ward es dunkel und still. Auch in ihrem Herzen, wurde es still; aber hell und klar wie der Schimmer des aufsteigenden Mondes leuchtete der Entschluß in ihren Augen und Her­zen: Ich gehe ins Kloster! —

Auf ihrem Heimwege noch betete sie für die­jenige, die es ihr oft hatte sagen müssen, was zu ihrem Frieden diente.

Leise erschauernd betrat Melitta die leere Woh­nung; lange würde sie dieselbe nicht mehr mit ihrer Schwester teilen, dann war sie sicher und geborgen.-

Schon war sie friedlich eingeschlummert, als ein greller, unheimlicher Klang sie weckte und aufschrcckte.

„Ach, die Feuerwehr; Gott sei Dank, sie eilt vorüber!" Trotzdem konnte sie nicht mehr ein- schlafen. Sie borchte und lauschte auf jedes Ge­räusch. Ihre Schwester — sie mußte auch bald kommen, jeden Augenblick. Die Uhr schlug schon elf! —

Endlich 1 Schritte nahten der Tür, ein fremdes Tasten und Suchen — nun erschallte die Klingel laut und. dringend.

Ein furchtbares Angstgefühl trieb sie empor. In wenigen Minuten öffnete sie.

Ein Wachtmann und eine Frauensperson stan­den vor der Tür. Melitta erkannte letztere, es war die Freundin, die Verführerin ihrer Schwester.

„Kommen Sie schnell mit uns; es ist ein Un­glück geschehen! Rosa —"

„Mein Gott — Ein Unglück — schon so baldl jammerte Melitta.

„Sie verlangt nach Ihnen!" mahnte der Wachtmeister und drängte zum Gehen.

Melitta fragte nicht, aber ein entsetzlicher Ge­danke stieg in ihrer Seele auf.

Und sie fand ihn bestätigt, diesen fürchterlichen Gedanken, als sie an den Platz kamen, wo das Theater lag, in welchem Rosa debütierte.

Rauch und Dunst erfüllte die Luft; kaum vermochten ihre Füße sie zu tragen und als sie die Menschengruppen sah, die so spät noch herum- standen, und von ihren Begleitern in ein Hans geführt wurde, in welchem sich eine ihr bekannte Privatklrnik befand, verhüllte sie ihr Gesicht in ahnungsvollem.Grausen. Wilde, entsetzliche Webe­

laute erfüllten das Haus. Schreckensbleiche ent­setzte Gesichter und — von der lebensvollen schönen Mädchenblume war fast nichts mehr zu scheu wie ein Häuflein Asche! — —

Rosa's duftige Ballettröckchen hatten nach Schluß der Vorstellung in der Garderobe, wo sie nochmals im Uebermut des Erfolges ihre Kunst vor den Kolleginnen zeigte, Feuer gefangen, und im wahnsinnigen Schrecken trug sie die der- Heerenden Flammen durch den mit brennbaren Stoffen gefüllten Raum.

Am Merseelentage bettete man die verun­glückte Tänzerin an der Seite ihrer Mutter, deren Bitten und Mahnungen einst fruchtlos an dem eitlen Sinn ihres unseligen Kindes verhallt waren.

Mit den herabfallenden fchtoeren Regentropfen mischten sich die Tränen Melitta's, die in dieser Stunde für immer von der Welt Abschied nahm.

vermischter.

* Ein Kartoffeldenkmal. Daß in Deutschland ei« Kartofi-Idenkmal ernt tert, dürfte nicht vielen bekannt sein. Es befindet sich im Oberharz, in der Nähe von Braunslage und besteht ans einem auf zweistufigem Unterbau ruhenden, zwei Meter hohen Granitblock, der bisher von dichten, Buschwerk umschlossen war uno erst vor kurzem auf Veranlassung des Harzklubs frei, gelegt wurde. Auf einer eisernen Tafel trägt das Denknml die Jnschrtft: „Hier wurden im Jahre 1748 die ersten Versuche mit dem Anbau der Kartoffeln gemacht"

* Seine Ehefrau znm zweitenmale heiraten mußt« nach neunjähriger glücklicher Ehe infolge eines Form­fehlers nn Standesamtsprotokoll ein Gastwirt in ZieS» lübbe in Mecklenbura. Die Eheleute wurden dieser Tage in Garwitz nochmals standesamtlich getraut, bei der ersten Trauung war nämlich insofern ein Form­fehler begangen worden, als der damalige, inzwischen verstorbene Standesbeamte versäumt hatte, die Ehe­schließungsurkunde mit seinem Namen zu vollziehen. Das gleiche Schicksal soll, wie verlautet, neun weiteren Paaren bcurr'ehen.

* In welchem Alter liest man am meisten? Diese Frage hat die öffentliche Bibliothek von Cambridge durch eine sorgfältig ausgestellte Statistik zu beant­worten versucht. Tas Ergebnis ist folgendes: Die 14jährigen Leser lesen im Durchschnitt 43 Bände jährlich, mit 20 Fahren lesen sie jährlich 59 Bände und mit 30 Fahren erreicht das Lesebedürsnis den Höhepnukt; die Benutzung der Bibliothek in diesem Alter bringen es auf die stattliche Anzahl von 174 Bänden. In späteren Jahren gehen die Zahlen schnell wieder zurück. Bei Fünfzigjährigen ist di« Durchschnittszahl nur noch 27 Bände, bei Sechzig- jährigen 15 und bei den int höheren Alter Stehenden nur noch 14 Bände pro Jahr..

* Eine amtliche Inschrift znm Lobe de? WafferS haben die Breslauer Stadlväter an dem neuen Wasser­turme zu Kkeinburg angebracht. Sie lautet:

„Wähl' nicht zum Freund Dir Bier und Wein! Sie schaffen kurze Lust.

Willst Du als Greis noch fröhlich sein. So komm an meine Brust!"

Literarischer.

Mänirerchor-Album. Verlag von P. I. Tanger, Köln. Preis 1 Mark.

Als vor 5 Jahren das Männerchor-Albnm zum erstenmal in die Welt hinausgesaudt wurde, fand es sofort eine derartig enthusiastische Auf­nahme, daß die erste Auflage von X) Exem­plaren in wenigen Monaten vergriffen war. Wenn heute das 100 000. Exemplar die Presse verließ, so dürfte damit der Beweis erbracht sein, daß es, trotz zahlreicher ähnlicher Werke, eine Lücke füllte. Das von dem Dirigenten des Kölner Männer­gesang-Vereins, Königlichen Musikdirektor Prof. Jos. Schwartz mit sachkundiger und liebevoller Hand zusammengestellte und teilweise neu bear­beitete Album verdient alle Beachtung. Es fanden nur die besten Werke von Meistern wie Bach, Beet­hoven, Böhme, Dregert, Esser, Gastoldi, Gluck, Hauptmann, Heinze, Kalliwoda, Kreutzer, Loew«, Mendelssohn, Mozart, Mücke, Palestrina, Schu­mann, Selcher, Weber, Wilhelm, Zöllner und vie­len anderen Aufnahme. Und darin liegt der hohe Wert der Sainmlung, weil sie dem heutigen Ge­schmack gerecht wird, der auf einer weit vollkom­meneren Stufe als früher steht. Die 144 erlesenen Nummern des Tongerschen I. Männerchor-Albuml verteilen sich ihrem sachlichen Inhalte nach auf di- verschiedensten Verhältnisse im menschlichen Leben, ein Punkt, der nicht unerwähnt bleiben möge, toetl gerade in der richtigen Verteilung des Stoffe- oft gefehlt wird. Daß der billige Preis für dal schön und stark kartonierte Exemplar der rte|tgen Verbreitung des Albums sehr dtenltch war, be- darf keiner Frage.

Reklamen- und Anzeigenteil.