Fulda, Donnerstag, den 26. Oktober 1905.
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„ ,,, , ... „„i \;A > Presse das Verhalten des liberalen „Blocks" in
§ Der liberale „Blöd und die Sozial- Baden zu beschönigen sucht, können die Cache
des Liberalismus wahrhaftig nicht verbessern.
demokratie in Vaden
(Nachdruck verboten.)
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KreHioüoKo-Harne
Roman von Ern st von Waldow.
zuckte er jäh zusammen.
Das war das Tuch — von dem Blute der Cvfcr besudelt —, in welches er das gefundene
Mauds batte einen zu tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Deshalb berührte ihn auch die Mitteilung des Prinzipals, dessen Entschließungen betreffend, sehr angenehm. Der Gedanke, in Wien zu leben, bot schon an und für sich etwas Verlockendes, denn die schöne Kaiserstadt an der blauen Donau hatte auch ihn bezaubert. Tie Aussicht, in der Familie seines Prinzipals als gern gesehener Gast zu verkehren, erfüllte ihn mit stiller Freude, die ihm zu denken gab, wenn er in einsamen Stunden, seiner Gewohnheit nach, ü^er seine Lage nachdachte und Einkehr in sich hielt, wie man zu sagen pflegt.
Dabei bedrückte ihn etwas, über das er nicht klar zu werden vermochte. Wo hatte er die schlummernde Maud gesehen? — daß dies geschehen, stand fest in ihm, aber wenn er durch angestrengtes Denken ergründen wollte, wo dies geschehen und unter welchen Umständen — dann kam er nicht weiter. Der Kopf schmerzte ibn förmlich und er gab, ärgerlich über die angebliche Anstrengung, den Versuch als aussichtslos auf, um in der nächsten Stunde aufs neue damit zu beginnen.
Zuletzt kam ihm der Einfall, daß er vielleicht als Knabe, wo er Märchen und Sagen über alles gern gelesen, solch ein Dornröschen mit Mauds Zügen und deren seidigem Blondhaar im Traume gesehen. Das lag so weit zurück, darüber vermochte er sich nickst mehr klar zu werden.
Drei Wochen blieb Ullrich noch in Budavest, da rief ein Brief seines Prinzipals ihn nach Wien zurück, er sollte die Reise mit Edi zusammen machen, ste würden beide im Geschäft gebraucht.
Ullrich packte seine Koffer und ging dabei mit der ihm eigenen Ordnungsliebe zu Werke. Da fiel ihm ein zufammengedrücktes Tafchentuch in die Hand, das durch dunkle Flecke verunreinigt war, es hatte ganz zu Unterst im Koffer gelegen. Erstaunt betrachtete der junge Mann den Fund, dann
Gusti versprach leichten Herzens alles, was die Mutter von ihr verlangte, erschien ihr selbst dieses Hangen und Bangen in schwebender Pein vorläufig noch so reizvoll — sie waren ja beide noch so jung, das ganze Leben lag vor ihnen, sich jetzt schon zu binden, daran war nicht zu denken, man konnte abwarten, bis die Rosen blühten — wie das italienische Sprichtwort sagt — denn daß es Rosen wären, daran zweifelte Gusti keinen Augenblick.
Fran Katharina hatte Wort gehalten und mit ihrem Gatten eine lange Besprechung gehabt, infolgedessen Ullrich nach achttägigem Aufenthalt allerdings vorläufig zu Eduard zurückkehrte, aber Herr Rettenbach, ein älterer Buchhalter, den For- stcnberg sehr schätzte, begleitete ihn nach Budapest. Eobatv Rettenbach sich jn fcte dortigen Geschäfte eingebürgert haben würde, sollte Winterfell nach Wien kommen, uni in der düsteren Schreibstube in der Bäckerstraße seinen Platz hinter dem Pult Rettenbachs cinzunebmen.
Ullrich hatte vor seiner Abreise noch einen Be- such in der Familie gemacht und war von Frau Forstenberg und Auguste sehr freundlich empfangen worden. Tie im stillen gehegte Hoffnung, die holde Maud zu sehen, war jedoch getäuscht worden und er hatte nicht einmal gewagt, nach ihr zu fragen, hätte er doch sonst den Damen berichten
jenige Mollkes aus Marmor gefertigt. Die Herstellung des Denkmals hat 5 Jahre in Anspruch genommen; es ist das größte Marmor- denkmal Berlins.
* Strafantrag gegen daS .Berliner Tageblatt' wegen der von uns bereits gemeldeten Verdächtigung des Kolonial-Direktors Dr. Stübel hat der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes gestellt. Darüber spielt das /Bert Tagebl.' die gekränkte Unschuld, indem es sich die Ausrede gestattet, jeder Journalist habe die Pflicht, derartige „dunkle Gerüchte", wie sie von Herrn von Podbielski und Dr. Stübel in Umlauf gewesen seien, an die Oeffentlichkeit zu bringen, um den Angeschuldigten Gelegenheit zu geben, ihnen ent- gegenmtreten. Das Blatt fügt hinzu, es werde Widerklage gegen den Slaats'ekrelär erheben, weil er von „Verdächtigungen" gesprochen habe. — Wie die ,'Jlorbö. Allgem. Zig.' meldet, ist in derselben Sache auch gegen den,Vorwarts' Klage erhoben, der an die Meldung des,Berl. Tagebl.' seine Glossen geknüpft halle. .
* Einen Nachtrags-Etat für Ostasrika .»n- digt die »Deutsche Tageszlg/ an. Der Aufstand dauere viel länger, als man anfangs angenommen habe, und deshalb beginne man jetzt mit der Ausrechnung der Posten. Von Gouverneur Graf Götzen seien Unterlagen verlangt worden für die Feststellung des Nachtrags-Etats, derbem Reichstage bald zugehen solle. — Daß man bei dem Umsange, den der Ausstand in Ostafrika angenommen hat, mit den im Etat für 1905 vorgesehenen Mitteln nicht auskommen wird, dürste ivohl feststehen. Fraglich ist nur, ob man nicht schon jetzt mit Etats-Ueberschreitimgen zu rechnen hat, welche sofortige Nachsordenmgen nölig machen
* Zur Frage der Perfonentarisrrform hat die Handelskammer zu Berlin dem Eisenbahn- minifter eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet. Unter anderem befürwortet sie. daß der Schnellzugszuschlag nur für solche Schnellzüge erhoben werden solle, welche im großen durchgehenden, insbesondere im internationalen Verkehr stellen Auch bringt sie eine anderweite Berechnung des Gepäcktanss in Vorschlag.
* Zum Hochschulstreit in Hannover melden liberale Blätter, das; Rektor und Senat keinen Anlaß gesunden hätten, gegen den Verband der nicht konsessionellen Studenten vorzugehcn, und daß namentlich diesem Verbände nicht verwehrt werden solle, seinen Vorstand als Ausschus? zu bezeichnen. Das wäre unseres Erachtens absolut unvereinbar mit der generellen Verfügung des Kultusministers, daß derartige „Vorstände" nicht die Bezeichnung „Ausschuß" führen dürfen, um nicht den Schein zu erwecken, als habe man es mit einem Ausschuß der gesamten Studenten- schäft zu tun. Wir können uns nicht denken, daß Rektor und Senat in Hannover sich bewußt in einen direkten Gegensatz zu dieser Verfügung zu stellen beabsichtigen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der nichtkonfeisionellen Studentenschaft der Charlottendu"ger Hochschule und dem Rektor derselben haben zu dem Resultat geführt, daß die Vertretung folgende Bezeichnung in Vorschlag gebracht hat: „Studentenrerband nach den Grundsätzen des Verbandes deutscher Hochschulen." Zn Charlottenburg scheint man sich also der Weisung des Ministers fügen zu wollen.
In Sachen der Fleischnot hat das Direk- toriitm des Zentraloerbandes deutscher In-
hef toten sich fest auf das Bild der Dame im Ro- kokokostüm, und nun wußte er, daß es diese war, welche Maud glich. Seltsames Spie! des Zufalls, dies reizvolle Geschöpf hatte wohl ein Jahrhundert früher gelebt, als die interessante kleine Englände- rin, und doch waren die Züge der feinen Gesichter einander so ähnlich, doch möglicherweise veränderte sich dies, wenn die Augen an Farbe und Ausdruck verschieden waren.
Die Augen Mauds hatte er ja noch nicht gesehen, sie waren geschlossen gewesen und lange dunkle Wimpern batten bis auf die Wangen gelegen. Vielleicht waren die Augen des kranken Mädchens dunkel, während die der Rokoko-Dame in klarem Blau leuchteten. , . , t
Und rote Ullrich das Brtd so recht emgehend betrachtete, blieb sein Blick auch auf der Fassung hasten, sie war altertümlich und etwas plump gearbeitet, das Silber war schwarz geworden, aber die Steine blitzteir, und so wenig der junge Mann auch vom Werte der Steine verstand, das sah er wohl, daß die großen Brillanten, die das Bildchen wie ein Kranz einrahmten, kostbar sein mußten.
Diese Entdeckung war ihm peinlich und er Hütte viel darum gegeben, die wertvolle Fassung dem rechtmäßigen Besitzer — in diesem Falle den Erben jenes alten Mannes, den er als Leiche gesehen, zurückgeben zu können.
Das war nun unmöglich, und seufzend packle er das Bild ein, während seine Gedanken sich noch einmal recht lebhaft mit dem seltsamen Abenteuer beschäftigten, dessen unheimlicher Eindruck in letzter Zeit sich abgeschmackt ^hatte.
Es war merkwürdig, mit welcher Innigkeit Maud sich ihrer Tante angeschlossen hatte. re,, die dem freundlichen Entgegenkommen Onkel »vor- stenbergs gegenüber völlig kalt gebHeben war, bezeugte Frau Katharina eine Zärtlichkeit, welche bald Margarete Moorlands Neid erregte.
War es der Gedanke, daß Katharina dce einzige, ihr acbliebene Verwandte, daß sie die Schwester des fo heiß Beweinten sei — oder zogen die Bande
trscheini tL glich, mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Vierteljahr!. vejugrpreir ohne vringerlohn und vettelgrld in Hulda und aurwärtr 1 M 50 Pf 9-
Verantwortlicher SchriftleiterSaum;
wocheiibtiiage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"
Deutsches Reich.
Berlin, den 25. Oktober 1905.
** Kolonialdirekior Dr. Stübel sollte einer Berliner Korrespondenz zmolge anstelle des zum Botschafter in St. Petersburg ernannten Herrn v. Schoen zum Gesandten in Kopenhagen ausersehen sein. Diese Nachricht wild von der ,Nationalztg.' dementiert, mit dem Bemerken, ihres Wissens sei von einer solchen Versetzung Dr. Stübels nie die Rede gewesen.
—* Der Reichstagsabgeordnete Dr. Stöcker begeht am 11. Dezember seinen 70. Geburtstag. Zur Vorbereitung der Feier hat sich ein besonderes Komitee gebildet. Es wird beabsichtigt, eine besondere Stöcker-Stiftung zu errichten. Bei diesem Anlaß sei daraus hingewiesen, daß der Abg. Dr. Stöcker trotz seines hohen Alters in einer Weise an den parlamentarischen Arbeiten Anteil nimmt, die manchen jüngeren seiner Kollegen zum Muster dienen könnte
* Wechsel im Präsidium des Gesundheitsamts. Der /Reichsanze-ger' veröffentlicht die Ernennung des Vortragenden Rats im Reichsamt des Innern Bu mm zum Präsidenten des Gesundheitsamts. Dem bisherigen Präsidenten Dr. K o h m ist anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand der Eharakier als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat „Exzellenz" verliehen worden.
§ Das Moltkedenkmal in Berlin, welches gegenüber dem Reichstagsgebäude und dem Bismarckdenkmal seine Aufstellung gefunden hat, wird heute, Donnerstag, in Gegenwart des Kaisers enthüllt werden. Entsprechend der militärischen Bedeutung Moltkes trägt die Feier einen vorwiegend militärischen Charakter. Während das Bismarckdenkmal in Bron e gehalten ist, ist das
Mit einem ungeheuren Aufwand von patriotisch klingenden Phrasen hat die liberale Presse vor nicht allzulanger Zeit ein scharfes Urteil über das Zentrum in Bayern gefällt, weil es bei den Landtagswahlen mit der Sozialdemokratie zu- fammenging, um den Widerstand der Nationalliberalen gegen eine gerechte Wahlgesetzreform zu brechen; — heute bemüht sich dieselbe Presse, mit einem Riesenaufwand von — Verl, gen heits- phrasen das Vorgehen des liberalen „Blocks" in Baden zu rechtfertigen, der ein regelrechtes Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie ab- geschlosien hat, um einen, den wahren Anschauungen des bayerischen Volkes entsprechenden Wahlausfall zu verhindern. Es ist ein zur Satire förmlich herausforderndes Zusammentreffen, daß die ,Nationalzeitung' einem Aussatze, in welchem dem Zentrum ein „Sündenregister" wegen seines Verhallens zur Sozialdemokratie vorgehalten wird und in welchem die „Ungezwungenheit" verdächtigt wird, mit der der Führer des badischen Zentrums erst mit den Sozial- bemotralen geliehängelt und dann, nachdem sich ein Wahlerfolg des Zcntrums ohne Unterstützung seilens anderer Parteien als in Aussicht stehend gezeigt, dieselben habe sahren lassen, die wort« karge Meldung von dem tiberalsozialdemo- kratischen Wahlbündnisse anhängen muß. Das liberale Blatt bereitete allerdings vorsichtig auf diesen Sattomortale vor, indem es den Nachweis versuchte, die „Blockparteien" in Baden befänden sich „in einer Art Zwangslage". Sie mußten . man höre! — „dem Lande und seinem Herrscher (!) es ersparen, sechs lange Jahre die Annehmlichkeiten einer kirchlich-erz- teafhonären Parlamentsmehrheit zu kosten."
Wir wollen auf die Anmaßung, welche in dieser Auslastung liegt, nicht weiter eingehen; sie entsvncht der blinden Uebrrschätzung, der den Nationalliberalismus dahin geführt, wo er heule steht, im Bannkreise der Bedeutungslosigkeit. Die absolute Haltlosigkeit der von der,Rat.-Ztg/ unternommenen Vertuschungsoersuche und ihre Gegensätzlichkeit zu der früheren Stellungnahme der Rationallideralen verdient aber eine kurze Beleuchtung. In Bayern handelte es sich bekanntlich bei den letzten Landtagswahlen für das Zentrum darum, durch das Zusammengehen mit den Sozialdemokraten die ungerechte, und den Verhältnissen im Lande nicht ent fern t entsprechende li berale Herrschaft zu brechen; in Baden bezweckt aber das Wahlbündnis der Liberalen mit den Sozialdemolraten, den richtigen Ausdruck des Volkswillens zu fälschen und zwar zum Zwecke der Erhaltung eines unberechtigten Einflusses des Liberalismus auf die Politik des Landes. Der einzige Beweggrund für das Vorgehen des Liberalismus in Baren ist nackte Interesfenpolitik, während für das Zentrum in Bayern Oie Erringung eines freiheitlichen Zugeständnisses für das Volk auf dem Gebiete des Wahlrechts das ausschlaggebende SJloment für das Zusammengehen mit der Sozialdemokratie bildete. Wer diesen Unterschied nicht begreift, verschließt sich offensichtlichen Tatsachen.
Die geradezu kläglichen Ausreden, mit welchen die /Nationalzeitung" und die übrige liberale
32. Iahcqanff.
..... — ■ ------_— f r dustrieller sich jetzt auch an das bayerisch» und sächsische Ministerium mit Eingaben gewandt, in welchen es die Einfuhr von Schweinen aus Oesterreich-Ungarn in dem durch die neuen Handelsverträge zugelaffenen erweiterten Umfang nach Bayern und Sachsen befürwortet. Im Gegensatz zu den von verschiedenen Handelskorporationen ausgestellten Forderungen bett. Auflassung der Grenzen, hat die Görlitzet Handelskammer es abgelehnt, sich den gegen die Fleischteuerung gerichteten Anträgen der Handelskammern in Sagan und Liegnitz anzu< schließen, mit der Begründung, daß der gegenwärtige Zeitpunkt einem Vorgehen bei der Reichsregierung nicht mehr geeignet sei. Auch sei die Fleiichteuerung, die in kurzem überhaupt nicht mehr bestehen werde, in den letzten Wochen zurückgegangen. Daß das /Berliner Tageblatt' diese Haltung der Görlitzer Handelskammer unverständlich findet, verstehen wir.
Zum Eisenbahnunfall bei Tilsit. Die Untersuchung über das Eisenbahnunglück bei T'Isit hat mit Bestimmtheit ergeben, daß der bei dem Unfall ums Leben gekommene Lokomotivführer Beek, der bekanntlich schon gleich noch dem Unglück als der Hauptschuldige bezeichnet wurde, vollständig betrunken gewesen war. Unaufgeklärt ist noch, warum der Heizer Graf, der den Beek aus dem Wirtshaufe geholt hat, den Zustand des letzteren nicht zur Anzeige gebracht hat. Graf wird sich deshalb vor dem Gericht zu verantworten haben. Infolge des Unfalls hat sich die Eisenbahndirektion in Königsberg veranlaßt gesehen, die Dienststellen darauf aufmerksam zu machen, daß das gesamte Fahr- und Stalionspersonal auf mißbräuchlichen Alkohol» xenufi zu beobachten, angetrunkenes Personal tom Dienste unbedingt auszuschließen und zu bestrafen ist. Im Hinblick auf die Unglücksfälle von Spremberg und Tilsit soll übrigens anfang November in Berlin unter dem Vorsitz des Ministers eine Zusammekunft fämmtlicher Eisen- bahndirektions-Präsidenten stattsinden, die sich ebenfalls mit der Alkoholfrage beschäftigen wird.
" Berlin, 25. Oft. lWS. Die Vereidigung der Truppen des Gardeforps wird in diesem Jahre im Beisein des Kaisers und des Königs von Spanien in Berlin am 7. November, in Potsdam am 12. November stattsinden. Der letzte Tag ist ein Sonn- tag, an dem bisher noch nie Truppenvereidigungen staltgesunden haben. — Der angebliche Besuch des Kaisers beim Papste, der im Frühjahr bevor- stehen sollte, wird jetzt auch vom .Reichsboten', der üch aus eine „unanfechtbare Stelle" b<"->ift, dementiert. — Die Rückkehr des Reichskanzlers Fürsten Bütow von Baden-Baden wurde für Mittwoch abend in Berlin erwartet. — Die ein ze lstaatlichen Minister, welche in Berlin zur Beratung der Reichs it euer re form zusammen gekommen waren, find wieder abgereist. Hierdurch bestätigt sich die Nachricht, daß in der Konferenz eine Einigung erzielt worden ist. — Die Nach so kgerschaft des Legation srats Tr. Seitz im Kameruner Gouverneurposten wird vom ,Re>chsboten' bestritten. Derselbe ührt das Gerücht von der Nachfolgerschaft darauf zurück, dah Dr. Seitz bereits stellvertrelender Gouver- neur von Kamerun gewesen ist. — Der Streik in der Berliner Wäscheindustrie scheint trotz der Verhandlungen vor dem Gewerbegerichl von der Bei- leguiig noch sehr weit entfernt zu sein, denn die Arbeiterschaft nill von dem Schiedsspruch nichts wissen
Die Fadenscheinigkeit dieser Ausreden ist zu sichtbar, um nicht vom blödsten Auge erkannt zu werden. Die ,Voss. Ztg.' meint, die Sozialdemo, kratie in Baden stelle eine „mildere Tonart" dar. Tas Blatt erinnert sich offenbar nicht der „Tonart", die in Mannheim und in Offenburg von sozialdemokratischer Seite beliebt wurde. Um nur einige Sitze zu ergattern, erbietet sich der badische Liberalismus, die' Sozialdemokratie mit vier Sitzen über ihren bisherigen Bestand hinaus zu beglücken.
Einigen liberalen Blättern scheint diese Haltung des „Blocks" denn doch Bedenken zu erregen. Die /Berliner. Neuesten Nachrichten' z. B. bezeichnen das liberal-sozialdemokratische Wahlbündnis als „einen sehr unerfreulichen Abschluß" der Wahlbewegung in Baden. Einigermaßen eigentümlich ist die Zurückhaltung, welche die ,Nordd. Allg. Ztg.' ubt. Tas Blatt, das sich in der Verurteilung des bayerischen Zentrums nicht genug tun konnte, hüllt sich dem Vergehen des Liberalismus in Baden gegenüber in vornehmes Sch weigen.
Das Zentrum hat i n ersten Wahlgange mit Ehren bestanden; es wirb auch am 2.^. Oktober mit blankem Schilde in den Kampf ziehen gegen ben „erweiterter. Block". Die Rationallihercilen aber haben das Recht verwirkt, den Kampf gegen die Sozialdemokratie als ihr Vorrecht zu beanspruchen, wie sie es bisher so gerne taten.
Ausland.
* Fünfter allgemeiner österreichischer Katholikentag. Die Anmeldungen zum Kaiholikenlag
jener geheimnisvollen Sympathie, die Menschen vereint, sie zu der ernsten Frau — genug, das kranke Mädchen schien erst hier eine wahre Heimat gefunden zu haben, wo sie sic' sicher und geborgen vor den Stürmen des Lebens suhlte.
Für Katharinens schwer belastetes Gemüt war dies einesteils eine große Erleichterung, andern- teils aber eine Marter gewesen, wie sie grausamer kein Folterknecht zu ersinnen vermocht hätte.
Täglich stundenlang in der Gesellschaft dieses Kindes zubringen, das in seiner Hinfälligkeit fo rührend war, die Liebkosungen der Tochter dulden, der sie den Vater geraubt, von ben schuldlose» Lippen der Waise die Verwünschungen vernehmen, die dem Mörder des Vaters galten: das war ost zu viel für Frau Katharinens angegriffene Nerven, und sie brach in krampfhaftes Schluchzen ans, oder rang in stummer Qual die Hände und rief den erlösenden Tod herbei.
Obwohl Professor Leidcsdorf, der Leiter der Heilanstalt für Nervenkranke, es für ratsam er. Härte, daß Mcmd Layard ein Jahr tn seiner Anstalt zubringe, hatte sich Frau Katharina bv.-mng noch nicht entschließen können, in die ^.reniumg zu willigen da Maud durch die leiseste Andeutung in die heftigste Aufregung versetzt Wurde. Dann schlang sic ihre Arme um der Tante Hals und bat und schmeichelte so lange, sie nicht verstoßen zu wollen, bis es Katharine gelungen War, sie durch tausenderlei Versprechungen wieder zu beruhigen Merkwürdigerweise hatte sich schon wenige Tage nach ihrer Ankunft im Forstenbergschen Hause bei Maud die größte Vorliebe für ihre Tante gezeigt.
Der an Stumpfsinn grenzenden Gleichgiltigkeit war krankhafte Lebhaftigkeit gefolgt, die ui fast leidenschaftliche Zärtlichkeit überging, wenn Frau Katharina bei der Nickte eintrat Es kostete stets große Mühe, sich wieder loszumachen, denn Maiid mochte nickt mit hinabkommen. Weil sie Scheu batte, einem fremben Gesicht zu begegnen. Die Tante sollte immer oben bei der armen Maud icm — so sagte das junge Mädchen, und als Frau Forsten» berg vor Mauds Geburtstag diese gefragt, was sie
muffen, daß er sie am ersten Abend, als er sich in den Oberstock verirrt, auf ihrem Ruhebette schla- ^nd gesehen — ein zweites Tornröscheni
Di« ernste Frau in der Traiierkleidnng mußte Nichts über den kleinen Zwischenfall erzählt haben, ts war ja auch eigentlich eine ganz geringfügige x^vni vejuvt-u —, m imu)« teaetje, wenigstens für andere — für ihn sicher Medaillon mit dem Porträt eingeschlagen. — tudjt, das fühlte Ullrich klar, denn die Erfcheinuna Hastig wickelte er es auseinander, und feine Blicke
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