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Heruspre bet Nr. 9.
Fulda, Montag, den 23. Oktober it/oa.
32. Iadraana
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Die berufsmäßigen Hetzer, welche den unerquicklichen Zwist in die deutsche Studentenschaft getragen haben, der unter dem Deckmantel eines Kampfes für die „studentische Freiheit" die ödesten Erscheinungen des verflossenen „Kulturkampfes" von neuem zu beleben suchte, sind wieder an der Arbeit. Der Beginn des neuen Semesters erscheint ihnen als die gegebene Gelegenheit, ihr Treiben wieder aufzunehmen, und bedauerlicher- tveise finden sich auch bereits wieder Blätter, welche dieses Treiben unterstützen.
Gegen Schluß des letzten Semesters hatte bekanntlich die Unterrichtsverwaltung Stellung zu nehmen zu den Bestrebungen der nicht-konfessionellen Bereinigungen auf unseren Hochschulen, auf geirnffen Umwegen die Gleichberechtigung der konfessionellen Studentenkorporationen mit den übrigen studentischen Korporationen zu vernernen, nämlich dadurch, daß man den Versuch machte, die alten Studentenausschüsse als Vertretung der G e- s a nt Studentenschaft für die Verbände der nichtkonfessionellen Studenten-Korporationen in Anspruch zu nehmen. Man suchte das dadurch zu erreichen, daß man für die Vorstände dieser 93er- bande die Bezeichnung Ausschuß wählte. Der Kultusminister verlegte indessen diesen Bestrebungen den Weg mit eurem Erlasse, welcher zwar gegen die Bildung nichtkonfessioneller Verbände an sich keinen Einspruch erhob, aber sehr nachdrücklich die Bedingung stellte, daß auch der Schein vermieden werde, als seien die Verbände die Gesanitheit der Studentenschaft und ihre Vorstände Vertretungen im Sinne der alten „Ausschüsse". Ter Minister verlangte ausdrücklich, daß aus diesem Grunde auch die Bezeichnung „Ausschuß" unbedingt vermieden werde.
Diese Stellungnahme deS Ministers war durch- auS korrekt und einwandfrei. Die dem liberalen Studententume und ihrem Kulturkämpfe" gewo- gene liberale Presse fand das auch und deutete die Zulassung der nichtkonfessionellen Verbände als einen „Erfolg", den man Herrn Studt abgerungen habe. Wir haben damals schon darauf hin- gewiesen, daß sich aus der Haltung der liberalen Studentenschaft zu dem Erlasse des Ministers ergeben würde, ob derselbe es mit der Versicherung, sie wolle einen loyalen Kampf gegen die konfessionellen Studentenkorporationen — gemeint stnd natürlich immer nur die katholischen — führen, ehrlich meine oder nicht. Wir habckn aber damals auch sofort die Ansicht ausgesprochen, daß die Hintermänner des liberalen Studententums sich kaum auf den Boden des Ministerialen Erlasses "eilen würden.
Die Richtigkeit dieser Annahme hat sich rasch herausgestellt. Die Studierenden der technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg haben in einer Eingabe an Rektor und Senat gegen das Verbot der Bezeichnung „Ausschuß" Stellung genommen und die Studienvereine der technischen Hochschule in Hannover sind ihrem Beispiele gefolgt, indem sie die Aufforderung, den „Ausschuß" in einen „Vorstand" umzuändern, ab- lehnten. Auch in Göttingen regen sich die „G e i st e r" wieder. Tort plant man die Wiederholung des im vorigen Semester mißglückten Versuchs, einen „Verband der Studentenschaft" zu gründen, der die katholischen Korporationen ausschließen soll. Die „National-Ztg." sagt, die Stu- drerenden gingen von dem Grundsätze aus: prin- cipiis obsta, und wiedersprächen der Verfügung des Ministers nicht etwa, weil sie von ihr besonders schwer getroffen wären.
Damit ist deutlich genug gemacht, daß es sich auch jetzt wieder um den alten Gedanken handelt, den katholischen Studentenkorporationen die E x i- stenzberechtigung und die Gleichberechtigung zu bestreiten. Weil man das nicht auf dem geraden Wege erreichen kann, versucht man es auf dem krummen. Man sollte doch meinen, daß die öffentliche Meinung nachgerade über dieses Spiel aufgeklärt wäre. Die Drahtzieher des „studentischen Kulturkampfes" rechnen aber augenscheinlich mit der Vergeßlichkeit und Leichtgläubig- feit dieser „öffentlichen Meinung". In katholischen Kreisen und namentlich in den Kreisen der katholischen Studentenkorporationen wird man gut tun, mit der Wahrscheinlichkeit eines neuen Ansturmes der Gegner zu rechnen. Daß er ebenso vergeblich sein wird, wie der frühere, ist ja gewiß, doch wird es auf alle Fälle geraten sein, sich zu wappnen.
Deutsches Reich.
Berlin, den 21. Oktober 1905.
... Die Verabschiedung des Handelsministers Möller gibt den von dem nalionaUiberalen Abgeordneten Patzig herausgegebenen ,Deutschen Stimmen' Anlaß zu beweglichen Klagen über „Plötzlichkeiten". Die Deutschen Stimmen' geben von der Entlastung des Ministers eine Darstellung, wonach der Ministerpräsident Fürst Bülow bei der ganzen Angelegenheit nur eine formelle, keine führende Rolle gespielt hätte. Das nationalliberale W-chenblatt schreibt: ..Zunächst von der Höhe des Thrones aus Blitz und Schlag. Dann einen Augenblick der Verwirrung auf allen Seiten. Nachher wird man vor allem gewahr, daß die Drähte stark verbogen sind, die den Fürsten mit der Verfassung verbinden. Nun tritt der zur Beratung des Herrschers berufene Mann in Aktion. Nachträglich stellt er notdürftig den Schein her, als sei olles in schönster Ordnung vor sich gegangen. Nur schade, daß es nirgends geglaubt wird. Und daß immer weitere Kreise von der Sorge erfaßt weiden, daß die unverantwortlichen Ratgeber des Kasters und gelegentlich auch sein eigenes impulsives Zugreifen den reichs- und staatsfeindlichen Par- leien viel Gelegenheit geben, in böswilliger Weise das Ansehen der Monarchie zu schädigen. An treuen Dienern, die sich um den Schutz dieses Ansehens bemühen, brauchte es den Fürsten nirgends zu fehlen. Wenn es die Fürsten nur gleichmäßig verständen, ihren Dienern die Erfüllung ihrer Aufgaben so zu ermöglichen, wie es dem Geiste der Verfassung entspricht! Es würde bann auch in manchen Staaten um das Ansehen der Monarchie besser
<y i« Kolloko-Harne,
ätoman von Ernst von Waldow.
(Nachdruck verboten.)
Schilderung würde einem Romanschrift- ®$re gemacht haben, der Erfolg rC*,n gänzlich verschiedener von dem, was Gustr sich erträumt.
langte ein Schreiben von un& dessen Hauptinhalt war die schleunige Ruckberufung der Tochter Herr 3nbSH«er' fofr Vertreter der Firma in Triest, «rtJatjirMnrA zuverlässiger Verwalter, sollte Wien geleiten. Frau durch die Mitteilung bei Mt r, der Tat war sie ganz starr vor sie ihre Kinder zärtlich liebte. Sick schrieb: Ich wurde mich nicht einen Auoen- blick bedacht haben, selbst nach TMt ?u kommen um meinen abenteuersüchtigen Wildfang heimzu-' holen, aber gerade letzt macht mir der Gesundheitszustand deiner Base Maud vermehrte Sorae und meine Anwesenheit im Hause Lint umsomehr vonnöten, da die treue Pflegerin ber ße“ben. ben, Margarete Moorland, fast völlig erschöpft stt. Dein Vater wird es auf sich nehmen dem jungen Winterfelt, deinem Retter, unsere Dan^ d^rkeit in passender Weise zu beweisen. ~
Wie steif und kalt das klang! Gusti war es «ls höre sie die Stimme der Mutter, diese Worte «^ssprechen, und sie zuckte zusammen. An ftrau toar ein Brief eingeschlossen mit ben vfc.'.cheii DankesergHssen, doch wehte darin ein zwischen den Zeilen konnte man «1” Esten Vorwurf herauslesen, weil die junge ^d^fohlene sich selbst überlassen worden sei ''L'uantischer Mädchenkopf gefalle sich cS Schwärmereien — die Freundin und deren tA0<$ter Mist seien eben zu nachsichtig ae- toeien. was Gustis Einfälle betreffe.
So trat die heitere, lebenslustige Gusti recht still und ein wenig eingeschüchtert die Heimreise an, in Begleitung des Herrn Lindemann, der sich alle erdenkliche Mühe gab, die Tochter des Prinzipals auf das beste zu unterhalten und mit Aufmerksamkeiten zu überschütten, wofür er schlechten Dank erntete, denn Gusti nannte ihn bei sich einen unerträglichen Schwätzer.
Alles sproßte und blühte im wunderschönen Monat Mai, als Gusti zuerst Gelegenheit haben sollte, ihren Retter wiederzusehen. Gleich nach der Tochter Mitteilung hatte Herr Forstenberg dem jiingen Manne nach Budapest geschrieben, auf dem großen Geschäftspapier mit dem Firmastempel und em wenig auch im Geschäftston. Ullrich hatte das ganz natürlich gefunden, mochte er doch am allerwenigsten hören von dieser sogenannten Heldentat, welche die andern mit so warmen Worten gepriesen. Er hatte viel zu tun, dafür sorgte Freund Edi, der die Vergnügungen, welche die ungarische Hauptstadt bot, in vollen Zügen auskostete.
Die Geschäfte gingen übrigens gut, dank den Geldmitteln, welche Forstenberg jetzt zu seiner Verfügung hatte. Nun handelte es sich darum, dem Chef einen mündlichen Bericht abzustatten über das Gesamtresultat, da auch die eingehendsten schriftlichen Mitteilungen in solchem Falle lückenhaft sind.
Ullrich vermeinte, daß Eduard Heimreisen werde, um dem Vater diesen Bericht zu machen, das erschien ihm am natürlichsten, und er war daher sehr erstaunt, daß Edi ihn mit dieser Mission betraute. Die Sache hatte nun keinen andern Grund, als daß Edi sich eben jetzt ausnehmend gut in Budapest unterhielt und seine Beziehungen zu einigen Persönlichkeiten des Theaters nicht lösen mochte.
Fahren Sie, Winterfell, meinte er hingeworfen, die kleine Zerstreuung ist Ihnen zu gönnen, und meine Eltern haben endlich Gelegenheit, Ihnen Persönlich zu danken für den Gusti erwiesenen dienst.
~ni> so kam Ullrich wieder nach Wien. Als et
bestellt sein." Die ganze Darstellung gründet sich offenbar auf die Tatsache der Abwesenheit des Reichskanzlers und Ministerpräsidenten von Berlin zur Zeit der Ministerkrisis. Wir halten es für sehr gewagt, daraus den Schluß zu ziehen, daß Fürst Bülow die Fäden der Angelegenheit nicht in der Hand gehabt habe.
* Ein neuer amtsmüder Minister! Die Reihe der amtsmüden Minister scheint sich nicht erschöpfen zu wollen. Es wird gemeldet, daß jetzt auch der Kultusminister Dr. Studt feine Entlassung nachsuchen werde. Diese Nachricht gehört dcihin, wohin so viele andere in letzter Zeit gehören, in den Papierkorb.
* Znm Regierungspräsidenten in Marienwerder, als Nachfolger des Herrn v. Iagow, soll Oberbürgerm ister Dr. Kersten in Thorn ausersehen sein. Wie erinnerlich ist Dr. Kersten als Landrat von Schlochau im Jahre 1899 wegen seiner Abstimmung bei der Kanalvorlage ebenso zur Disposition gestellt worden, wie der damalige Regierungspräsident v. Iagow. lieb» rigens wurde er auch schon bei der vorigen Besetzung des Regierungspräsidiums als der kommende Mann bezeichnet.
* Nach jüngst gemachten Aeußerungen des Kolonialdirektors Dr. Stübel kann der,Pol. Milit. Korrespondent zufolge als feststehend bezeichnet werden, daß der bisherige Chef des Kolonialamts seinen Etat nicht mehr vor dem Reichstage vertreten werde. Trotz der Auf- standsbewegung m Ostafrika soll als sein Nach- folger allein Graf Götzen in Betracht kommen. Die schnelle Rückreise der Gräfin Götzen nach Dar-es-Sataam soll der Auslösung des dortigen Haushaltes des Grafen gelten.
* Oberst Deimling, früher Kommandeur des 2. Feldregimer.tes in Südwestasriko, wurde unter Verleihung des Ranges eines Brigade-Kommandeurs zum Abteilungs-Chef im Großen Generalstabe ernannt. Damit ist wohl die Meldung, daß Oberst Deimling als Nachfolger v. Trothas im Oberkommando der deutschen Schutztruppe in Südwestasrikn ausersehen sei, erledigt.
** Dem Geheimen Kommerzienrat Albert Schlatow zu Stettin ist der Stern rum roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und der Krone vergehen rootwnF Man geht wohl nicht fehl, wenn mau diese hohe Auszeichnung mit der Erledigung des vielumstrittenen Projektes betreffend die Errichtung einerZweigniederlassung des Vulkans in Hamburg in Zusammenhang bringt.
* Unser Artikel zur Neichsfinanzrcform hat an vielen Stellen nicht gefallen; von offiziöser Seite sucht man die Sackte so darmstelten, als fei das Zentrum schuld, daß das Vier und der Wein nicht höher belastet seien. Gewiß hat das Zentrum beide Steuern abgelehnt und das erscheint uns sein Verdienst zu sein; die Schaum- roeinfteuer aber mußte den Verbündeten Regierungen vom Zentrum ja sörmlich ausgedrängt werden. Die Auszüge aus den beiden Haushaltungsbüchern haben nämlich der konservativen Presse nicht gefallen; diese me.nt: „Zn einem Haushalte, in dem 120 Ont> Mk. zur Verfügung stehen, wird, um nur eins zu erwähnen, sicherlich auch steuerpflichtiger Rotwein, auch wohl Champagner getrunken werden, und es wird der Verbrauch an mit Eingangszoll belegten Stoffen, z. B. Seide, ein bedeutender sein, so daß er eine weit höhere Summe an Zoll und (5’euer zu das Kontor in der Bäckerstratze betrat, erinnerte er sich lebhaft seines ersten Besuches daselbst und seiner damaligen Seelenstimmung, und damit stand auch das schaurige Erlebnis im Liegnitzer Landhause wieder lebhaft vor feiner Erinnerung. In letzter Zeit Patte er nur selten noch daran gedacht, es auch unterlassen, seinem Freunde Robert Wirowski zu schreiben, was er anfänglich vorgehabt. Wer weiß, wo Robert weilte, schien doch die Villa in andere Hände übergegangen zu fein. So stark auch zuerst sein Verlangen gewesen, näheres über das Verbrechen zu erfahren, hatte er doch einsehen müssen, daß dies ganz unmöglich sei, denn weder in Triest.noch jetzt in Budapest war ihm irgend welche darauf bezügliche Notiz zu Gesichte gekommen, so eifrig er auch die Wiener Zeitungen durchforscht hatte.
Eine Frage, an Liegnitzer Bekannte gerichtet, durfte er nicht stellen, das verbot die Klugheit — so war es am besten, diese düstere Geschichte als ein Hirngespinst anzusehen und zu vergessen. Das Sehen gab ja so viel schöne und heitere Bilder, die wert waren, festgehalten zu werden, warum sich an das Schreckhafte klammern. Ein wenig halte Ullrich doch schon die bequemere Lebensphilosophie seines leichtherzigen jungen Gefährten sich zu eigen gemacht.
Herr Forstenberg empfing ihn diesmal in feinem Privatkabinett und zwar mit großer Freundlichkeit, er hörte den ersten übersichtlich gehaltenen Bericht des neuen Buchhalters mit großer Aufmerksamkeit und betrachtete von Zeit zu Zeit, wenn es unauffällig gefdjeben konnte, die angenehmen Züge des Sprechenden.
Ullrich hatte sich in der kurzen Zeit, wo er aus der Heimat geschieden, sehr zu seinem Vorteile verändert. Er war ernster, männlicher geworden, dabei hatte seine Gestalt an Fülle, sein Auftreten an Sicherheit gewonnen. Es war eben etwas anderes, hinter dem grünen Tisch den ganzen Tag zu hocken, oder in lebhaften Verkehr mit einer Menge fremder Menschen zu treten und Land und Leute kennen zu lernen.
zahlen hat, als hier berechnet ist. Vielleicht ist die reiche Familie auch nur einen Teil des Jahres zu Haus gewesen, und find in dem Haushaltungsbuche nur die Ausgaben für einen Teil des Jahres verzeichnet." Diese Vermutungen sind falsch; die reiche Familie ist für das ganze Jahr berechnet worden. Der Wein zahlt an bas Reich gar keine Steuer, nur Zoll, und was die Seidenstoffe betrifft, so gehören diese nicht zu den unentbehrlichen Nahrungs- und Genußmitteln, die wir aufzäbllen. Freilich, wenn man alle Perser Teppiche, . Damast - Vorhänge, Pariser Kleider uiw. heranrieht, zahlt der Reiche mehr iudirekle Steuer; aber daß diese Gegenstände für das Leben absolut nolwendig sind, wird niemand behaupten wollen.
** Zur Reichsfinailzreform bringt ein Berliner Lokalblatt ine Meldung, daß die Konferenz der einzelstaallichen Minister vom Samstag sich auch mit einem Sleuerprojekt belchäftigt habe, das bei der ersten Leiung des vom Reichsschatz- amt unterbreiteten Entwurfs noch nicht vorlag, sondern erst in den letzten Tagen ausgearbeitet worden sei. Es bleibt fraglich, o" man es hier mit der in Hinsicht auf die Erbschaft der Deszendenten umgestalteten Vorlage der Reichserb- schastssteuer zu tun hat, oder ob man ein ganz neues Sleuerprojekt in Aussicht genommen hat. lieber ein solches hat bisher nichts verlautet, und es bedarf wohl eines stärkeren Zeugnisses, um an eine solche zu glauben.
** Zu der Frage der Reichstagsdiäten, di« neuerdings wieder lebhafter erörtert wird, nimmt jetzt die .Deutsche Tageszeitung' das Wort. Sil gibt der Ansicht Ausdruck, daß es nicht angängig sein und dem Geiste der Berfaffung nicht entsprechen würde, wenn der unter der Voraussetzung der Diätenlosigkeit gewählte Reichstag für sich selbst Tagegelder oder Anwesenheitsgelder bewilligen wollte. Er könne das verfländizerweise nur für seinen Nachfolger tun; und einem derartig n Vorgehen würde sehr wahr'cheinlich der Bundesrat feine Zustimmung nicht versagen.
* Die Audienz der Vertreter des deutschen Städtetages beim Reichskanzler in Sachen der „Fleijchnot" soll nun doch stattsinden. Der Vorstano des deutschen Städtetages hat in feiner am Samstag im Berliner Rathaufe abqehallenen Konferenz beschlossen, lein an den Reichskanzler gerichtetes Gesuch um Gewährung einer Audienz für 7 Vertreter aufrecht zu erhalten. Ein deutscher Städtetag soll im November d I. stattfinden, auf dem außer der Konstituierung die Flei'chnersorgung der Städte und die Schädigung ihrer Bevölkerung durch die geg nwärtige Fllisch- teuerunq den Gegenstand der Verhandlungen bilden soll.
* Die badischen Landtagswahlen werden in den Rückblicken der ,Nordd. ÄUgem. Ztg. des längeren beiprochen. Eins irgendwie aner- kannte Stellungnahme vermeidet das offiziöse Blatt. Wir finden es aber ausfallend, daß es sich erfreut ausspricht über das Gelingen des „schwierigen Experiments der Aneinanderkettnng so verschiedenartiger Parteielemente", das in der Schaffung des liberalen Blocks gegen das Zen» Irunt liegt. Die ,Nordd Allg. Ztg/ glaubt, dasür in erster Linie das vom Zentrum begründete Sonntagsflugblatt ,Wa!dmichell als Ursache heranziehen zu können, das in sämtlichen liberalen Parteien den heiligsten Widerspruch hervorge- ru|en habe, „sie gibt aber zu, daß der Block vor
Als der Prinzipal seinen neuen Buchhalter sehr gütig entließ, lud er ihn zum Nachtmahl ein, mit dem Bemerken: Wir speisen pünktlich um 9 Uhr — Sie haben nicht nötig, den Damen zuvor eine steife Visite zu machen, denn die Einladung geht von meiner Frau aus, die Sie keunen lernen will, um Ihnen persönlich zu danken.
Sich tief verneigend, verabschiedete sich Ullrich und iiachdem er noch einen Spaziergang im Stabt- vark gemacht und seinen Anzug gewechselt hatte, fand er sich 10 Minuten vor 9 Uhr im Forsten- bergschen Hause in der Praterstraße ein.
Ein alter Diener kam die breite Treppe herab, jedenfalls in Eile, denn als Ullrich bat, ihn seiner Herrschaft zu melden, lehnte der alte dies ab mit den in gemütlichem Wienerisch gesprochenen Worten:
Spazierens nur voran, junger Herr, immer gerade aus, das gnä' Freil'n erwarte Sie und der gnä' Herr werden auch gleich zum Speisen kommen, s' ist halt noch a Visit da.
Damit eilte der Diener direkt in die Portierstube und Ullrich, der oben angelangt, der Weisung gemäß geradeaus gegangen war, erblickte sich, nachdem er einen kurzen Korridor durchschritten, am Fuße einer andern Treppe.
Einen Augenblick blieb er unschlüssig stehen, dann erinnerte er sich, daß Gusti ihm einmal gesagt habe, ihre Zimmer seien im zweiten Stockwerk gelegen und so eilte er schnell weiter. ,— Der Diener hatte es ja ausgesprochen, daß seine junge Herrin ihn erwarte.
Weit entfernt davon, eine überschwe liche Freude über dieses Wiedersehen zu empfinden. berührte ihn doch die Vorstellung, das junge Mäd- chen wieder begrüßen zu können, recht angenehm. Zuletzt, im zwanglosen Beisammensein in Venedig, war ihm Gusti ja auch näher getreten und er hatte sich überzeugen müssen, daß er ihr unrecht geb ', indem er sie für hochmütig und beschränkt gehallt.i, das hatte er ihr jetzt stillschweigend abzubitten.
Oben angelangt, pochte er leise an die erste Tür zur Rechten. Eine sonore, gedämpfte Stim-