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rrscheint tSylich, mit ?!n;nahme der Somr .xtitrtact. viertel- jahrl. Veznarvreir )hne Vrinacrlel'n >wd veAeLarld in rilda uns auswärts I UM 50 Pi9*

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sSr die Anzeioen A. yerzeüer in 5nlda.

wochtndeüaye: „IllustrierteSonnta-meitimg"

Anzeigen: Vie ein- spaitige Petitzeile »der deren Raum- 15 Pta. Reklamen die Pelitzeile 25 Pf-.: bei wieder. Holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.

Hotatioiisörnd u. vertag der.^nldaer Ae- tiendriiüerei in 5nlda. .«rernipre Ker Ar. 9.

K ie HiotioKo- Dcrrne.

Roman von E r n st von W a l d o w.

14] t Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt )

Du wirst wirklich unerträglich, schalt Gusti. Sie ist so übermütig, wendete sie sich zu Ullrich, Weil Herr Sanders versprochen hat, ihr einen ,Manin" zu kaufen, nämlich eine venezianische Dukaten-Goldkette, aus winzig kleinen Ringen zu­sammengesetzt.

Wir gehen dann gleich unter die Prokuratien und suchen etwas Schönes aus — bat Mizr die Freundin.

Nein — zuerst wird nach dem Lido gefahren —

Mit Verlaub, zuerst wird gefrühstückt! rief Herr Sanders herein; kommt in den Speisesaal, Kinder, die Seeluft macht Appetit.

Mizi sprang voran, Gusti folgte mit leichtem 'lchselzucken und einer halben Kopfwendung nach Ulrich, das sollte heißem: wie kann man sich nur per für so materielle Genüsse begeistern! Der junge Deutsche erschien ihr auf einmal in einem poetischen Lichte; die kindliche Mizi hatte recht, das etwas bleiche oval geschnittene Gesicht, mit der feinen griechischen Nase, die großen blauen Augen, die hohe Stirn, auf die das lichtblonde Haar leicht geringelt herabfiek, hätten weit eher einem Dich­ter, einem Künstler angehören können, als einem jungen Handlungsbeflisseuen.

Gusti würde sehr enttäuscht gewesen sein, hätte sie in diesem Augenblick die Gedanken Ullrichs erraten können, die durchaus nicht mit „Sein oder Nichtsein", noch mit Schackschen Poesien beschäftigt waren, sondern sich um ein; Kalbskotelette mit Bratkartoffeln bewerten, denn der junge Mann hatte einen wahren Wolfshunger und hätte Herr» Sanders für den vernünftigen Vorschlag um­armen können. .

Endlich saß die kleine Gesellschast auf dem Verdeck des Lido-Dampfers „Rialto" und fuhr

in bester Laune nach den grünenden Gestaden des Lido.

Untere Reisenden hatten bis zum Abend des ersten Festtages das mögliche geleistet, um sich gut zu unterhalten, und Mizi konnte sogar den funkelneuen „Manin" anlegen, als man um 7 Uhr sich zum „Pränzo" (Mittagsmahl) in den Speise- faal begab.

Nach dem Speisen schlug Mama Sanders vor, daß man sich zur Ruhe begeben solle, um am nächsten Tage wieder frisch und mimter zu fern; doch dieser Vorschlag stieß auf großen Widerstand von feiten des jungen Volkes, das noch eine Fahri im Mondschein auf dem Canal grantle ui machen wünschte, und des Vittcns und Schmeichelns war kein Ende, so daß endlich die Erlaubnis erteilt wurde, unter der Bedingung, daß in. längstens einer Stunde die Ausfahrt beendet sein müsse.

Die Hotelgondel wurde beordert, und der be­sorgte Herr Sanders emvfabl in seinem schlechten Italienisch deMssWarcarol die größte Vorsicht, da­mit ja kein Unglück geschehe.

Der Mann verstand wenig oder gar nichts von den vielen Worten des „ledesco“, aber er zog wiederholt den breitrandigen Hut, legte die Rechte beteuernd auf die Brust und sagte:

8i Signor« — Si Excelleoi:;.!

Das beruhigte Herrn Sanders bedeutend, und er machte feiner Gattin den Vorschlag, indessen zur Ruhe zu gehen, denn eß fei.ja ganz lächerlich, sich zu ängstigen bei den großen Kindern, zu was solle man deren Rückkunft erwarten. Theobald sei ja vernünftig, daß man ihm Mizi, den Toll­kopf, wobl anvertrauen dürfe, und Gusti wäre nun gar das Modell einer gesetzten pingen Dame. Er und der Deutsche würden schon znm Rechten sehen, er habe es ihnen aus Herz gelegt. Es sei hell ai tchem Wasser wie am Tage und. der Kellner habe ihm gesagt, das; sich um diese Zeit noch alle i Welt in kleinen Barken auf der Lagune umher- i treibe, so gut wie am Tage!

j Frau Sanders, eine sehr phlegmatische Dame, I beruhigte sich leicht, sie war sehr müde und meinte

JW „42

Fulda, Samstag, den 21. Oktober itwa.

ܑ2. flaue.

Grttes '231aft.

(!) Die Landtagswahlen in Baden.

Am Donnerstag haben in Baden die Wahlen znm neuen Landtag ftattgcfnnden. Zum ersten Male wurde das direkte Wählst; st em in Anwendung gebracht, das durch die Verfas­sungsänderung eingesiihrt worden ist. Waren die Wahlen schon aus diesem Grunde von be­sonderem Interesse, so wurde dieses Interesse noch wesentlich erhöht infolge der Gruppierung der Parteien im Wahlkampfe. Mit einer Selbst­verleugnung, die nicht mehr Überboten werden kann, und die ihre Erklärung lediglich in schlot­ternder Angst vor einer „klerikalen Mehrheit" im Landtage findet, hatten sich die „L i b e r a - I e n" der v e r s ch i e d e n st e n Richtun­gen zu gemeinsamem Vorgehen zusammengefunden. Von dem rechten Flügel der Nationalliberalen reichte dieser „Block" über den Freisinn bis zu den Demokraten und den der Sozialdemokratie nahesteheuden National- sozialen. Auch der „Republikaner" Venedey ersann sich eine Formel, die ihm den Anschluß an den „Block" und die Werbung um die Unter­stützung der bisher von ihm aufs schärfste be­kämpften Nationalliberalen ermöglichte. Alle Parteiunterschiede auf der Linken schienen ver­wischt zu sein; der nationalliberale Schutzzöll­ner ging mit dem demokratisch-freisinnigen Freihändler, der „sozialistelnde" Nationalsozi­ale mit dem Manchestermann. Die einzige Parole war: Gegen das Zentrum! Der Kampf gegen die Sozialdemokratie kam erst in zweiter Linie.

Das Zentrum stand diesem Ansturm des liberalen „Blocks" ohne Bundesge­nossen gegenüber; denn die konservativen Stimmen in Baden kommen nur in ein paar Wahlkreisen in Betracht. Zudem tritt eine kon­servative Unterstützung des Zentrums in der Hauptsache erst bei den bevorstehenden Stich­wahlen in Erscheinung, da die Konservativen im ersten Wahlgange mit den Bauernbündlern zusammen eigene Kandidaten ausgestellt halten. .Unter Führung des alten Veteranen der Zen­trumspartei, des um die katholische Sache in Baden so hochverdienten Geistl. Rats Wacker ging das Zentrum mit Energie an die Wahl ar­beit. Es war sich bewußt, daß es einen schweren Stand gegenüber der liberalen Verbündigung haben werde, andererseits aber war es auch von dem' Bewußtsein erfüllt, daß es galt, den nach den konfessionellen Verhältnissen Baden, wie .nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen völ­lig unberechtigten Einfluß des Liberalismus, speziell des Nationalliberalismus, im Lande und auf die Negierung z u r ü ck z u w e i s e n.

Der W a h l k a m p s gestaltete sich außer­ordentlich scharf. Auf liberaler Seite setzte man nicht nur die Hebel der „Tradition" in Bewegung, welche den Nationalliberalismus als die „gegebene Regierungspartei" betrachtet, sondern versuchte es auch mit allen erdenklichen Schreckmitteln, die dem „Kulturkampfarsenal" entnommen wurden. Die Gefahr der U e b e r s ch tv e m m u u g des Landes m i t Kloster n spielte dabei ebenso eine

kannt sei.

mentlich angesichts der großen Worte, mit wel-

begrüßen. Mit der nationalliberalen Wirtschaft

im „Musterländle" ist es definitiv zu Ende —■ und das ist gut so.

Rolle, wie die angebliche „deutschfeindliche Ge­sinnung des Zentrums".

Und der Erfolg? Noch liegen keine end­gültigen Zahlen vor, und die bisherigen Mel­dungen gehen ziemlich weit auseinander. Alle Nachrichten stimmen aber darin überein, daß das Zentrumschon im erstenWahl- gange nicht nur seinen Besitzstand gewahrt, sondern bereits einen Gewinn zu ver­zeichnen hat. Die zweite badische Kammer be­stand bisher aus 25 Nationalliberalen, 23 Zen­trumsabgeordneten, 6 Demokraten, 6 Sozial­demokraten, 2 Freisinnigen und 1 Antisemiten. Durch das neue Wahlgesetz sind die 63 Maiwate schiedenen Seiten bereits 28 Mitglieder des um 10 vermehrt worden. Bis jetzt sind nach den übereinstimmenden Meldungen von ver- Zentrums gewählt, während die Nationallibe­ralen bisher erst 15, die Sozialdemokraten 5 (nach anderen Meldungen G), die Demokraten 2 und der mit den Konservativen verbündete Bauernbund 1 Mandat zu verzeichnen haben. Darnach hätten noch 22 Stichwahlen stattzu­finden, bei welchen nach dem badischen Wahl­gesetz die r e l a t i v e Stimmenmehrheit zu ent­scheiden hat. Angeblich sollen daran 11 Natio­nalliberale, 2 Freisinnige, 3 Demokraten, 4 So­zialdemokraten und 3 Bauernbündler beteiligt sein. Diese Reckmung, die vom Zentrum nichts sagt, stimmt natürlich nicht; denn zu 23 Stich­wahlen sind zum mindesten 46 Bewerber not­wendig. Wahrscheinlich find in der obigen Auf­stellung nur diejenigen Bewerber berücksichtigt worden, welche im ersten Wahlgange die meisten Stimmen erzielten, und tatsächlich ist beim auch in anderen Meldungen von verschiedenen Stich­wahlen die Rede, an welchen das Zentrum „aus­sichtsreich" beteiligt sei. Das läßt einen lveite- ren Gewinn des Zentrums erhoffen, so daß unter allen Umständen das Zentrum die st ä r k-

Deutsches Reich.

Berlin, den 20. Oktober 1905.

§ Die „Kompottschüssel", welche Fürst Bulow vor einigen Tagen zertrümmert bat, lebt wieder auf. Harden hält in der ,-Zukunft' die Be­hauptung, daß der Kaiser da? Wort von der vollem Kompottschüssel mit Rücksicht auf die sozialpolitische Fürsorge für die Arbeiter gesprochen habe, aufrecht. Er schreibt, er roiffe, mann, zu wem und in welchem Zusammenhänge es gesprochen sei und bitte die „Dementier-Knappschaft" um die Gelegenheit zu dem gerichtlichen Beweise, daß es just io gelautet habe, wie er es wiedergab.

daß die Einbringuur des preußischen Etats ah-- hängig sei von der Feuigstellimg des Reichsetats, so ist auch das nichts Neues. Gerade diele Ab- b'ingigkeit ift es gewesen, welche schon 'eit langer Zeit von der Regierimg gegenüberderFördenmg einer früheren Einlwinaung des Etats int Lar - tage geltend gemacht worden ist. Daß der Elm im nächsten Fahre keine besonderen lleberraichnngen bieten wird, wie offiziös hervorgeboben wird, darin war mau auch schon ohne diese Mitteilung im allaemeinen übereinstimmender Ansicht.

* Aus der Bundesratssitzung 'wm Donners­tag tragen wir noch nach, daß die Vorlagen, betreffend den Entwurf einer Polizeiverordrmng über die Einrichtung von Bäckereien und sol­chen Kondito-eien, in denen neben den Konditonvaren auch Vackerwaren hergestellt wer-

find m der Lage, mreilwsia mitteilen ui können, daß die letztere Nachricht ermüde» tfi. Etzenw wird zu r'r Nack" icht, daß in den leitenden

scheint. Ob sich dieser Trost am Ende als stich­haltig erweist, bleibt rtbzujsartoü. vAwden- scheinig genug bleibt er auch bann, na­

tcn. für 1333,

werden in der Presse gegenwärtig lange o siüö'e Anslaffunoen verbreit ft. Es verlohnt sich nicht.

Bekanntlich hat Fürst Bülow dementiert, daß der Kaiser das Wort zu ihm gesprochen bade.

.-. Zum angeblichen Rücktritt Vos deutsche» Botschafters in Washington. Bor kurzem brachten wir eine Meldung der Menen Gesell­schaftlichen Korrespondenz', daß der deutsche Bot- schafter Speck v. Sternburg aus Gesundheits- rr'ickfichten demnächst seinen Posten verlaßen werde und fügten hinzu, daß die'e Nachricht mit Vorsicht auszunehmen fei. Wie sehr wir hiermit Recht hatten, geht daraus hervor, daß die Moidd.-Al!g. Ztg.' am Freitag schreibt: „Erfreulicherweise können wir feststellen, daß in dem Befinden des Herrn Bot'cha'iers nichts vor­liegt, was Ausstreuungen birer Art ent'«hul­digen könnte. Sie erscheinen kaum minder takt­los, als die gegen einen fremden Souverän ge­richteten unerhörten Angriffe desselben Zeilungs- korrespondenten." Die in Rede stehenden An­griffe der Konestwn renz richten sich vekanntiich gegen den König (vererb von England. Wir wollen bei bieder Gelegenheit nicht unterlaßen, einmal öffentlich auf den llmng hinzuweifen,der in der letzten Zeit in der Preffe mit sensationellen Nachrichten ge!'leben wird. Hw|ähr 90% der­selben find freie Erfindung, hie wenige Zeit darauf dementiert werden. Es scheint rast io, als ob spekulative Kopie, lediglich, um Ute K rreipoirenr au'nabme'äfäaer m machen, diele sensationellen Nachrichten erfinden. Hierhin ne­hm >, wenn mitge.teikt worden ist, daß der Bundesrat bereits die Flottenvorlage an- Genommen habe. Demgegenüber muß feil e-- stellt werden, daß die Borlcme noch nicht einmal an den Bnndes'al oelanat ift; hierhin - e'ort ferner, wenn ne 'krdinas Frhr. v. Rheiv- bähen als omwrnüde und de' Minister Del­brück als fein Nachfolger bezeichne: wird. Mir

st e Partei in der badischen Kammer sein . „„ . ■ M .

wird. Die Hoffnungsfreudigkeit des libe-Marmetrenen grw ere Aevdernngkn .'evorstondet', raten „Blocks" ist arg zusammengeschrumpft. ! nchnentlrca 'orrnz_.v>einnen ict Jau« Sein Trost besteht augenblicklich darin, daß mit; te$. Großadmirale v. Koller werde, m Hilfe der Sozialdemokratie die. J*” --oe-iiuer 'Jieirercn Jm.iricLten irtiaele 1t, liberale Mehrheit „wahrscheinlich gesichert" er-! W5 0,1 maßgebender Stecke hiervon mchw l>e-

cheu der „Block" den Wahlkampf geführt hat. auf die.eltzen naher emzuaegen, da ,re bei Lmck

Auf alle Fälle kann das Zentrum den Ans- , bewlien, neue» nicht dringen. Dar; । er ;.at er:t fall der Wahl schon jetzt m itGenuqtuu n g ’K! Januar dem Landtage votoelegl wnd, ist seit v -r c .... . ™x. । Iqrmen Jahren üblich gewe en lind wenn m den

osfiziösen Auslasfmwen daraus hmaewieien wird.

den, ben essend die Gefetzentwütie wegen Aende- rung des llnterstützungswohnsitzgesetzes rind wegen Hebern ahme einer Garantie des Reichs in Bezug auf eine Eisenbahn von Dirnla nach den Manengubabergen den zuftändiaen Ansschüffen ubermieien wurden.

* Zum Kapitel der Nrichsfinrmzreform. Es wird rm /Berliner Lokalanzeigei' befiätiat, daß in der 1. Leumg der Än-schüffe' des Bun­desrats entgegen den Entwürfen des stieichsic!;atz- amts auch die Vest.ueruuq der Des-endenten (Eltern und SlinDcr) beschlossen worden fev Während die .Kreuzzeitung^ neukieh znm Ausdr d brachte, daß die Konservativen sieh milder Erb- schastsstener abgetunden hatten, ist nach einer Notiz der .Deutschen Tageswifttmft zur Zeit noch nicht bekannt, wie sich Ue konservativen Parieren zu dieser Vorlage verhalten würden. Tao.Blatt hält vielmehr gegenüber der bisherigen Ab'ehmrng her konservativen P re sie und in Hinsicht auf hie Ablehnung der ZentiunwblLtter -gegen die Er­höhung der Tabaksteuer und der Bierftener es sirr überaus fraglich, ab die Reichesiiiaiizresorm zur Tatrnche wiiv. Ww halten derartige AIw- maßungen für verfrüht. Erst muß einmal das Parlament klipp und klar wissen, was die Re­gierung im ein;einen will, erst dmn wird man euren Maßstab für die Beurteilung der Aussich- en her Reichsfinanzrcsa m haben.

% Der Alm. Bebel ver eidigl sich im ,Vor- nrärta' in einer länger n Aw'lasftmg gegen die Angriffe, welche die ,Postt gegen ibn gerichtet hatte, weit er die ihm zuresalleve Erbschaft des elmmaligen ventnants Kot! mann nur nun Ilern st en Teile den ,ßknof|.m" zu geführt habe. t<ebel führt aus, er habe schon mit der lleberwe.sung die'es Heinen Anteils gegen die Intentionen des (Sr1 lassxrs geban'eft, der ein enti tredener Gegner der Sozialdemokratie grweun fei. Er bal e aber so bandeln können, weil ihn der Erblasser in fernen Dispositionen nchst beichränkt habe. Im klebrigen et Härte Bebel, d:e Sozialdemokratie verwerfe die „blöde Tetterei". Interessant ist, daß Herr Bebet sich trotz feines, dürft; die Kollmannhche Erbschaft um 200.000 Mk. vermehrten Vermögens noch immer zu den „Proletariern" rechnet und auch bei der vor liegend' n Gelegenheit von den Arlreit- geche«i als „kapitaliststchen Ausbeutern"^ redet. 'Bei welchem Vermögen hört bei der Soziak- demolratie wohl der „Proletarier" auf?

* Eine Niederlage der Sozialdemokraten in der Bcrlmer Stad verordnetcnversammlung. Betanntticki hatten die Soziatdemolrateu in der Ctadwerordnetenverjainmlung. folgenden Antrag kingebrachl: , Den Magistrat zu ersuchen, Mittel zu ergreifen, um in Zukmrft die Beschäftigung von Feuerwehrleuten aus Anlaß von Arbeits- kämp.cn, wie bei der Aussperrung in der Elellro- Jndustrie, zu verhindern." Außer den Sozial- demolraten stimmte für diesen tzntrag nur eine 'per o», von Seiten des Oberbürgermeisters wurde das Vergehen des Polizeipräsidenten damit motiviert, daß dem öffentlichen Interesse die Privatiiuerefsen der Arbeiter nachstehen müßten. Ter Staat habe nicht ruhig hinnehmen tonnen, daß durch Auf hören der Beleuchtung der Ver­kehr tu der Residenz ins Stocken gerate. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß man in England bei dem großen Maschinenstreik im Jahre 1897 zu ähnlich scharfen Maßregeln ent- schlosseir gewesen sei. Daß ein öffentliches Interesse die Einstellung von Feuerwehrleuten

gähnend: Sie werden sich einen Schnupfen holen bei dieser romantischen Mondscheinfahrt. — Nu», das wäre fein Unglück, erwiderte Herr Sanders und gähnte gleichfalls.

Aber es soll doch noch ein Unglück geben an dem Abend, wenn das dicke Ehepaar auch vor- läufig nichts davon erfuhr. Und dos ging so zu. Als man, schon auf dem Rückwege begriffen, dicht an den Marmorstusen der Kirche Mario della Salute vorbeisuhr, äußerte Gusti ben Wunsch, gleich mehreren anderen Fremden für einen Au­genblick auszusteigen, um oben auf der Plattform, dem erhöhten Platze vor der Kirche, das herrliche Schauspiel zu genießen, welches die inondbeschie- nenen Paläste und der glitzernde Wafferspiegel boten. >

Mizi hatte wenig Luft, doch die Freundin drängte sie vorwärts, sie wollte von da aus den Palazzo der Dedemoitas bewundern, wie sie sagte.

Schon hatte Mizi mit Hilfe des dienstwilligen Barcarol den Fuß auf die Stufe der Treppe ge­setzt, als sie hinter sich einen lauten Schrei hörte und sich erschreckt ifmtoenhete.

Da sah sie gerade noch, wie Ullrich Winterfeld seinen Mantel abwarf und über Bord sprang; einige Sekunden darnach hielt er, in kurzer Ent­fernung vom Schiffe, einen eben austauchenden weiblichen Körper mit dein rechten Arme umfaßt über dem Wasser.

Die anderen waren wie erstarrt, denn das Ganze war das Werk weniger Augenblicke gewesen. Nur der Gondelier verlor die Geistesgegenwart nicht, er stieß, ohne sich an Mizis Jammergeschrei zu stoßen, schnell ab und mit einigen kräftigen Rnderstößeu hatte er die Stelle erreicht, wo der junge Mann den Fluten das Opfer entriffen.

Jetzt griffen alle zu und zogen die Gerettete und den Retter in die Gondel, welche denn auch die weinende Mizi abbolte, die auf der letzten Stufe der Kirchenstiege verblieben war.

Gusti hatte die Besinnung schon wieder er­langt und flüsterte Dankesworte, als die Freundin

sich über sie neigte und deren heiße Tränen auf ihre Stirn tropften.

Das war ein Fragen und Verwundern — wie war das Unglück denn passiert, wie hatte es ge­schehen können?

Theobald, bleich wie der Tod, zitterte an allen Gliedern; er hätte sich ohne Besinnen dein be­liebten Mädchen nachgestürzt, aber er hatte den Vorfall gar nicht gesellen, da Edi ihn auf die im Mondschein schimmernden vergoldeten Kreuze der Markv.ZkirchL aufmerksam machte und er das Ge­sicht dorthin gewendet hatte.

Gusti, den Arm des Barcarols verschmähend, war leicht und graziös auf bei: Rand der Gondel gestiegen und wollte eben der vorangeschrittenen Freundin folgen, als das welke Veilchensträußchen, Ullrichs Geschenk, sich von ihrem Busen löste und herabsiel. Schnell griff sie zu, bückte sich zu weit bor, verlor das Gleichgewicht und stürzte ins Wasser, das an jener Stelle eine bedeutende Tiefe hat. Ullrich, der dicht hinter ihr stand, erkannte die Gefahr — es war keine Sekunde zu verlieren, wollte er das Mädchen bei dessen erstem Aus- tauchen erfassen.

Tas Unternehmen war nicht gefahrvoll, denn et war ein guter Schwimmer und in Wirklichkeit war ihm ja auch das Nettungswerk gelungen.

Eure tüchtige Erkältung würden beide vor­aussichtlich davonfragen, bei Gusti wirkten Schreck und Todesangst, die sie ausgestanden, noch mit ihre Zähne schlugen hörbar zusammen, so schüt­telte sie der Frost und ihre Hände brannten fiebe­risch, die sie ihrem Retter hinreichte, als sie ihn mit Tränen in den schönen Augen dankte.

- Nut so schnell als möglich ins Hotel! ries Edi dein Barearol zu und die besorgte Mizi fügte hinzu: Die Eltern dürfen heute nichts mehr von beut Unglück erfahren, sie schlafen gewiß schon und es wäre unnötig, sie aufzustören. , Ich werde das Nötige besorgen. Gusti muß gleich zu Bett und recht heißen Tee trinken, dann wird ihr das kalte Bad nicht schaden.

Ich schlage einen festen Grog vor für Winter-