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Erscheint t»glich, mit r«5nahme der Sonn» «nfc Stierlaat. viertel» Mrl.Veznarpreir »hne vrinaerlohn nno VeVevgeldin.Suldannd anrwÄtr'M SV pfg.

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Schriftleiter: 3. Banw für die Anzeigen

3. parzever in Znida.

Zeitung

rnonatsbtilege: „Zuldaer Geschlchtsbiätter".

Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

Anzeigen: Vie eiw spaltige petitzeiie oder deren Saum iS pfg. Rellamen die petitzeiie 25 Pfg.; del Wieder­holungen wird entspr, Rabatt gewährt.

Sotationrdrnck u. Verlag der.llnldaer Ae< tiendruäerei in Sulda. Fernsprecher Nr. 9.

M. 239.

Fulda, Mittwoch, den 18. Oktober 1905.

32. Jahrgang.

3t.mung, zurück.

Infolge der hohen 1 leischpreise ist man ge­zwungen sich einem Er-

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Zweites Mtcitt

Sieflctmeit» und Anzeigente:'.

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Eintracht zwischen Klerus und Lehrerschaft, unge­trübtes Zusammenwirken von Stadt- und Land­lehrern, sowie aufrichtige Wertschätzung der Gäste vonseiten einer liebenswürdigen Bürgerschaft — sie bildeten die Stimmen, die sich auf jenem Grundelemente aufbauten und mit ihm vereint die Harmonie so wohllautend und lieblich gestalteten. Mögen alle Teilnehmer die Früchte dieser Ver- sammlung verkosten, indem sie mit neuer Begeiste­rung in ihrem hehrem Berufe tätig sind zum Wohl der ihnen anvertrauten Jugend und zu ihrer eige­nen Befriedigung! Dem Schreiber dieser Zeilen aber sei es gestattet, einige Nachklänge jenes har­monischen Geläutes, die in seiner Seele ertönen, anderen zu vermitteln, hoffend, daß sie bei ihnen ein freundliches Echo finden werden.

einen bedeutsamen Einfluß ausübte, wie er ja im Klerus unserer Diözese einen hervorragenden Platz einnahm und in der Fritzlarer katholischen Ge­meinde so bald nicht vergessen werden wird: „De­chant WilhelmKreisler. Noch jetzt klingen mir seine herrlichen Kanzelreden im Gemüte nach, die er an seine Gemeinde richtete und durch welche er sie begeisterte, festzuhalten an dem Erbe des heiligen Bonifatius und seines großen Schülers Wigbert. Ja, du edler Priester, deine Stimme ist hier unten erloschen. Auch Dein damaliger Kaplan und späterer Nachfolger LudwigSeipel, nicht minder redegewandt wie Du, schlummert bereits in der Nähe Deines Grabeshügels den ewigen Schlaf. Allein draußen, außerhalb der Friedhofsmauer, inmitten einer regsamen Bürgerschaft, die Eurem Hirtenworte lauschte, wird Euer Andenken so bald nicht verschwinden. So mancher katholische Lehrer des Hessenlandes gedenkt Eurer noch in einsamen Stunden in Dankbarkeit und Liebe, da Euer Wort und Euer Wirken ihm Stab und Stütze geworden zur Erreichung seines Lebenszieles. Mit einem wehmütigen „Salvete, animae piae!" verließ ich die geweihte Stätte, wo ich auch den Namen so manches alten Bekannten hatte lesen müssen, der in meinen Tagen noch mit regsamem Geiste seine Bürgerpflichten erfüllt hatte, nunmehr aber schon geraume Zeit hier seiner dereinstigen Urständ entgegenschlummert. Ein letzter Blick auf das „Kreuzbild Gottes", das am Eingänge des Friedhofes „in stunrmer Trauer" hoch aufgerichtet steht, mahnte mich an die Worte aus dem Char- frertags-Hymnus: Vexilla regis:

„Des Königs Purpur glänzt an Dir, du Baum des Lebens!

Mächtig strahlt aus Deinen Zweigen Gottes Heil, Versöhnung, Friede, Seligkeit.

Du, der für uns am Kreuze starb. Du Hoffnung aller Sterblichen,

Gib Deinen Frommen Trost und Licht! Vergib den Sündern ihre Schuld!"

Ein Gang durch die Hauptstraße der Stadt Fritzlar zeigt mir dieselbe im allgemeinen wenig ■ verändert, nur daß überall die elektrischen Lampen j den Beweis liefern, daß Fritzlars Bürger einem i gesunden Fortschritt zugänglich sind. Dies kommt ! mir noch viel mehr auf dem Domplatz zum Be- :oußtsein. Ein neues, stilvolles Gebäude für die Lateinschule, ein ebensolches für die Prä­pa r a n d e n - A n st a l t! Da hieß es finanzielle Opfer bringen. Allein diese Mittel sind, wie mir versichert wurde, gerne zur Verfügung gestellt wor­den, betrachtet es doch Fritzlar mit Recht als eine Ehrensache, seinen Ruhm als altehrwürdige Bil­dungsstätte auch für die Neuzeit entsprechend zu behaupten. Nur der Dom zeigt sich im Innern noch in derselben traurigen Verfassung, ein schlummerndes Dornröschen, das des tapferen Rit­ters wartet. Ein großes, aber dankbares Werk — seine Restaurierung — für unsere homines novi, I die jetzt das Erbe der Väter hüten und die durch ihr Auftreten gelegentlich der General-Versamm- I lung gezeigt haben, daß sie auf dem rechten Platze stehen. Möge ihr ernstes Streben bald von dem wünschenswerten Erfolg gekrönt werden! Die I städtischen Behörden werden ihrem wackeren Pfarr­herrn gewiß in seiner diesbezüglichen Tätigkeit kräftig zur Seite stehen. Dafür bürgt die Autori­tät ihres verehrungswllrdigen Stadtoberhauptes, des Herrn Bürgermeisters Kraiger, der es sich nicht nehmen ließ, trotz seiner vorge­schrittenen Jahre die Veranstaltungen der Gene- ral-Versammlung durch seine persönliche Teil- | nähme auszuzeichnen. Ad multos annos! rufen wir ihm von hier aus entgegen. Möge er seine tapferen Mitstreiter noch manches Mal begrüßen können als die Männer von „Uri, Schwyz und Ungedanken", damit sie vereint noch recht viel Schönes und Gutes zustande bringen zu Nutz und Frommen ihrer lieben Vaterstadt!

Zwei andere, liebe Herren, die zu unserer Zeit I noch frisch und ftöhlich an der Hobelbank standen, mußten leider mft Rücksicht auf ihre Gesundheit auf die Teilnahme on den Verhandlungen verzich- I ten, die Herren Rektor Kramer und Leh- I r e r K r a u s. Wenn auch die „Tage der Rosen" für sie beide vorüber sind, so erfreuen sie sich doch | noch leidlichen Wohlergehens. Sie, die im Schul- I dienste ergraut find, mögen versichert sein, daß man auch in weiteren Kreisen gerne ihrer ehemali­gen, verdienstvollen Tätigkeit gedenkt und ihnen einen recht langen, ruhigen Lebensabend wünscht. Hatte der ehemalige Präparand, der alte, liebe Erinnerungen aufzufrischen gekommen war, sich darauf gefreut, auf dem geplanten Ausflug Büra- berg—Wildungen auch der schönen Umgebung von Fritzlar seinen Gruß entbieten zu können, so mußte I er leider des schlechten Wetters wegen auf dieses Vergnügen verzichten. Nur ein Aufstieg zum „Eckerich" sollte ihn für das Entbehrte entschädi­gen. Da lagen sie im grauen Nebel vor ihm, die malerischen Berge des Kellerwaldes, in deren ; Mitte der Kurort Wildungen eine so lebhafte An­ziehungskraft ausübt. Ganz nahe vor mir erblicke ich die altersgraue Kavelle der Büraburg, des er­sten Bischofssitzes im Chattenlande. Als dächte sie ' vergangener Zeiten, so liegt sie einsam und ver- ' lassen unter mächtigen, uralten Lindenbäumen da. i

haben. Alle jene, die in Fritzlar mit dabei waren, werden sich noch manchmal jenes harmonischen Geläutes gerne erinnern und auch diese bescheide­nen Nachklänge einer freundlichen Teilnahme für wert halten. Ich schließe mit den Worten aus Lenaus Postillon:

„Weiter gings durch Feld und Hag mit ver- o . , bängtem Zügel.

k.ang mrr noch rm Ohre lag jener Klang vom Hügel.

Die zrage -es Befähigungsnachweises im Handwerk.

Wie ,Der Mittelstands Organ des Bundes für Handel und Gewerbe, mitteilt, hat der Vor« stand der Gewerbekammer Leipzig, welche auch als Handwerkskammer gilt, einstimmig be­schlossen, seinen Standpuntt über die Frage der Einführung des Befähigungsnachweises in folgen­den Leitsätzen festzulegen:

„Die Notwendigkeit der Einführung de« all- gemeinen Befähigungsnachweises für das Bauge­werbe wird in erster Linie anerkannt für den Beruf der Maurer (einschließlich der Stukkateure und Putzer), Zimmerer und Steinmetze. Dann ferner in beschränktem Umfange für die Gewerbe der Dachdecker, Bauklempner, Brunnenbauer, Schornsteinfeger, Bauschloffer und sonstige Bau­betriebe, deren Ausübung mit erheblichen Ge­fahren für Leben und Gesundheit verknüpft ist oder deren Betriebe einer besonderen polizeilichen Erlaubnis bedürfen.

Mit der Einführung des allgemeinen Be­fähigungsnachweises für alle anderen produzieren­den Gewerbe dergestalt, daß nur derjenige das Gewerbe persönlich selbständig ausüben darf, welcher dasselbe erlernt und den Nachweis seiner Befähigung durch zurückgelegte Lehrzeit oder Prüfung (Gesellen- und Meisterprüfung) erlangt hat, würde ein Rückgang der Industrie und des Gewerbes zum Nachteile des gesamten Wirtschasts- lebens eintreten.

Sollte der allgemeine Befähigungsnachweis zur Einführung gelangen, was aber unter bezug- nähme aus die wiederholt abgegebenen Erklärungen der Regierungsvertreter in den Parlamenten aus­geschlossen sein dürfte, so werden die gesetzlichen Bestimmungen mindestens zulaffen, daß eS den Unternehmern von Großbetrieben möglich sein vird, solche Gewerbetreibende, insbesondere Hand- verker, weiche den Befähigungsnachweis in dem betreffenden Gewerbe oder Handwerke erbringen können, bei guter Bezahlung als Geschäftsführer, Werkmeister oder für ähnliche Stellung für ihre Unternehmen zu gewinnen.

Damit würde die mit der Einführung des allgemeinen Befähigungsnachweises verbundene Absicht hinfällig. Die nachteiligen Folgen würden 'esonders die kleinen und mittleren Gewerbetrei­benden, insbesondere die Handwerker treff in.

Die Einführung des Befähigungsnachweises nur auf das nicht fabrikmäßig betriebene Hand- :ner! würde im Hinblick auf die Unsicherheit der I Unter',chiedsmerkmale für Handwerk und Fabrik I und bei dem beobachteten Streben einer Anzahl I Gewerbetreibender, ihre Betriebe als Fabriken anerkannt zu sehen und sich den Verpflichtungen, welche ihnen die Handwerkergesetzgebung aufer- iegr, zu entziehen, in Verbindung mit den auf bleiern Gebiete ergangenen sich vielfach wider- I sprechenden Entscheidungen der Behörden für daS Öanbroerf wiederum nachteilige Folgen haben, weil der Befähigungsnachweis die schon vorhan­dene scharfe Konkurrenz der als Fabriken bezeich- ■teten Handwerksbetriebe nur noch vermehren I vürde."

Diese Stellungnahme deckt sich im großen und ganzen mit den Anschauungen, welche die badischen Aewerbevereine in einer Denkschrift über den Be- Ähigungsnachweis zum Ausdruck gebracht haben. Die hier vertretenen Anschauungen haben zu dem chngsten Beschlüsse des Handwerks- und Gewerbe- mmmertags zu Köln geführt, dessen Beschlüsse ich im Rahmen der von der Leipziger Kammer gezeichneten Grenzen bewegen.

„Droben bringt man sie zu Grabe, Die sich freuten in dem Tal!"

Ernste Gedanken traten vor meine Seele und es entstieg meiner Brust das Gelöbnis des liebens­würdigen und charakterfesten Romantikers Ei­ch e n d o r f f, der einst bei ähnlicher Gelegenheit ausrief:

„Die Welt mit ihrem Gram und Gl icke, Will ich, ein Pilger, frohbereit Betreten nur wie eine Brücke

Zu dir, Herr, Lberm Strom der Zeit!"

Doch nunmehr wird es Zeit, daß ich den Wan- derstab ei-greise und Abschied nehme von meinen freundlichen Lesern die miifi bis hierbei- bealeiiÄ

man für die gl ^Quantität Fl

zu zahlen hat.

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: weise man,

Da ich etwas weiter den Friedhof hinunterging, schimmerte mir von einem anderen Denkstein der Name „F r a n z N i e t h" entgegen. Wie gebannt blieb ich stehen, feucht erglänzte mein Auge, innig falteten sich meine Hände zum Gebete für den ver­ehrten, trefflichen Lehrer, den späteren Freund, der mitten in der Vollkraft der Jahre, nach glück­lich erlangtem Lebensziele abgerufen wurde aus dem Verbände der Anstalt, aus dem Kreise seiner Lieben, beweint von einer Mutter, die in ihm den Jirost ihres Alters erblickte, betrauert von einer jungen, blühenden Gattin und einem Söhnlein, hie nunmehr ohne seine kräftige Führung durch's Leben pilgern sollten. „Sie haben einen guten Manu begraben, doch uns war er mehr!" — so konnte ich, gewiß im Namen vieler seiner ehemali­gen Schüler, hier an seinem Grabe lispeln.

Meinen Nundgang fortsetzend, gelangte ich zum Grabe eines Mannes, der, wenn auch außerhalb der Anstalt stehend, dennoch auf uns Prävarandcn

Literarisches.

Weltentod. Kosmologische Betrachtuilgen von Pros. ®r- Ä-.Platz mann. „Frankfurter Zeitgemäße Broschüren" XXV, 1.) Hamm i. W. 190a, Ver­lag von Breer & Thiemann. 36 S. 8" Preis 4°®»)°' (^reiS des Bandes von 12 Heften ®te Frage, auf welche Weise das Leben auf dieser Erde dermaleinst erlöschen und ob hiermit eine Zer­störung des Erdballs überhaupt verbunden sein wird, behandelt der bekannte Astronom in der vorliegenden Schrift.diein drei Kapitel zerfällt. Im ersten wird hauptsächlich erörtert, welche Vorgänge der Sonnen­tod, nämlich das allmähliche Verlöschen der Glut des Tagesgestirns, hienieden auslösen wird, und wie der Erdentod, nämlich die fortschreitende Aufsaugung der Gewässer durch den Boden, sich mit diesen Vor­gängen zu besonderen Erscheinungen verknüpfen kann. — Das zweite Kapitel bespricht den Mondestod, d. h. die Reihe von Ereignissen, die mit dem allmäh- lichen Näherkommen unseres Trabanten infolge der Erfülltheit des Weltalls ;..n feinem Staube eintreten wurde. Vielleicht wird der endliche Zusammenstoß nichts Lebendiges mehr zu zerstören finden, weil schon vorher die stürmischen Gezeiten der Luft und des Wassers mit allem aufgeräumt haben. Das Schluß­kapitel bespricht die Möglichkeit eines Welt en to des, der Zerstörung unserer ganzen Planetenwell durch Ein­dringen des Sonnensystems in eine kosmische Nebel- masse. Als Beispiel für einen solchen, sich sehr schnell abspielenden Vorgang wird das Aufleuchten des neuen Sternes von 1901 ausführlich besprochen. — Die in besserem Sinne populär gehaltene Schrift setzt keine Fachkenntnisse voraus; sie empfiehlt sich für gebildete Leser auch durch die gelegentliche Bezugnahme auf religiöse Fragen.

- satzmittel für Fleisch zuwenden.

QUAKER OATS Ist I dieser Ersatz, ja noch ft mehr als das, denn ein 1 Pfund-Packet QUAKER 1 OATS enthält erheblich ? höheren" Nährwert und - kostet nur den dritten =3 Teil des Preises, den

Gar mancher ehemalige Fritzlarer Präparand, I der vor zwanzig und mehr Jahren die traute Frie­densstätte verließ, um am Seminar sein eigent- I liches Berufsstudium zu beginnen, hatte seitdem die Stadt Fritzlar nicht wiedergesehen. Freundliche Erinnerungen tauchten deswegen in ihm auf, als I er auf der Fahrt von Wabern her den altehrwürdi- I gen Petridom, das Ursulinerinnenkloster, die grau­en Mauerreste und hohen Warttürme der Stadt von der Ferne erblickte. Jetzt nahte er ihr in be­schleunigtem Tempo, vom Dampfrosse gezogen, während er ehedem auf Schusters Rappen, auf dem Leiterwagen oder per Post die „Waberner Ebene" hatte durchqueren müssen. Solche Fahrten waren wohl manchmal, bei schneidiger Winterkälte oder heftigem Regen, etwas lästig, allein jugend­licher Frohsinn wußte dieselben zu kürzen. Ging es der teuren Heimat entgegen, dann konnte der I „Schwager" seine Rosse nicht schnell genug traben I lassen. Lustige Wanderlieder erschallten in die I Weite, lebhafte Wechselrede erklang von Mund zu I Mund; bald mußten die „blinden Hessen", bald die „windigen Nassauer" die Kosten bezahlen. Solche „Anzapfungen" waren meist harmloser Na­tur. Dagegen soll im Bahnhofshotel zu Wabern manche „Anzapfung" erfolgt sein, vor der des Sängers Höflichkeit am besten schweigt. Ein Ab­schiedsschoppen mußte doch gettunken werden, ehe die „feindlichen Brüder" aus Hessen und Nassau I "ach Nord und Süd auseinanderstoben. Wenn da I so mancher junge Scholar eins über den Durst nahm, so konnte das nur als Folge mangelnder Er- ziehung angesehen werden, da der damalige Fritz­larer Komment nur gestattete, daß man „zu zweien I einen Halben" trank.

Kehrte dagegen die Schar aus der Heimat zu- I rück, so war die Stimmung weniger gehoben. Bis zum „Brückenhäuschen" hielt der Galgenhumor rwch an, dann aber hieß es die „Amtsmiene" auf- - setzen, denn der gestrenge Herr Rektor verstand keinen Spaß. Seine Leute sollten als angehende I Lehrerbildner schon in cunabilis die er«* forderliche Würde zur Schau tragen. In I punkto „Disziplin" war er unerbittlich, was I nicht ausschloß, daß dem guten Herrn doch gar I manchmal ein „Schnippchen" geschlagen wurde.

„Jugend hat keine Tugend" —so hieß es schon da­mals, was allerdings nur soviel bedeuten soll, daß es sich um harmlose Dinge handelte. In ern­steren Fällen erfolgte ohne Gnade und Barmher- I zigkeit die Verweisung von der Anstalt. Und mit Recht! Wer in diesen Jahren schwere sittliche Mängel aufzuweisen hat, der bietet nicht die Ge­währ, daß er einmal später die junge Generation I sittlich zu fördern vermöge.

Noch sehe ich ihn vor mir stehen, unseren lieben, seine Zöglinge zu tüchtigen Charakteren zu bilden, I verehrten Rektor, dem es eine ernste Sorge war, der ihnen stets mit dem besten Beispiele voraus- I ging, zu einer Zeit, wo es keine leichte Sache war, seine katholischen Prinzipien offen zur Geltung zu bringen. Wohl hatte er für die Fehler seiner Schü- ler manchmal einen kräftigen Ausdruck zur Hand, der aber nicht böse gemeint war und wohl auch meist den Zweck erreichte, Untugenden zu beseiti­gen, die wohl schon durch die Macht der Gewöhn- heit tief eingewurzelt waren und eines nachdrück­lichen Eingreifens bedurften.

Alle die Hunderte von Schülern, die zu seinen I Fußen gesessen haben, gedenken gewiß noch heute nl Pietät und christlicher Liebe ihres ehemaligen I Rektors, indem sie dabei seiner kleinen Mängel und Schwächen, ohne die ja fein Sterblicher im Lichte des Tages wallt, mit dem entsprechenden Humor behandeln. Der Schreiber dieser Zeilen konnte es sich nicht versagen, nach Schluß der Ver­handlungen seine Schritte nach dem „Ruheplatz der Toten" zu lenken und am Grabe des edlen Man­nes, der einen so schmerzlichen Tod erleiden mußte, ein kurzes Memento zu feiern. „Peter P tz- rot h" — so leuchtete in goldenen Buchstaben sein Name von dem schlichten Denkmal. Mit Lettern, die kein Zeitensturm verwischt, steht er in gar vie­len Herzen unserer mittleren Lehrer-Genesation geschrieben, die dem wackeren Manne so viel zu danken haben, da er ihnen immer wieder den I Grundsatz einschärfte: „Sursum corda!“

Wachkl'änge

»r Fritzlarer Grukral-Kkrsammlung des Kaltz. Lkhrer-Kertms ii der Wich Fulda.

Targeboten von einem ehemal. Fritzl. Präparanden.) vorübergegangen, die Tage der Gene- rt£1,nnoUn9, die ft viele Mitglieder des 2 Lebrerstandes unserer Diözese nebst End?v^^^"F^unden aus dem geistlichen Übtt batton altehrwürdigen „Frideslaria" ge- S rnd il « ÄtB fu;b Besucher von Fritz- er o /iii hnr - gekommen, indem einerseits .r Geist der Verrammlung, die von ihrem Vor- n r'®eiJe unter das Protek-

o r a t d e s h l. Bonifatius gestellt worden oar, ihnen die Ueberzeugung von der unverinin- ÄenLebenskraft des für unsere Zeit so überaus uchtigen und segensreichen Vereins kathol ■ eh r er inderDiözeseFulda befestigte' ndererieits auch die Gemütlichkeit, getragen und efördert von der Teilnahme der Fritzlarer Bür- erschast, ihren holden Zauber aus sie ausübte. »enn man den Gesamteindruck, den diese Ver- imiiilung auf Geist und Herz der Teilnehmer eltend machte, kurz charakterisieren soll, so möchte ?aJ? ihn gleichstellen dem mächtig-ergreifenden MNiwnge eines herrlichen Glockengeläutes, das des Tages weit über Berg und Tal e.*- sind sie verrauscht, die herzerhe- 'atbi-iis^^^^svollen Klänge dieses Geläutes; atho iswcr Glaube und katholische Liebe waren abe an bw desselben, begeisterte Hin-

gve an o.e idealen Ausgaben deS Lehrerberufes.

ss Die „Reuumidneuuziger". Bekanntlich ist der Spitzname der Apotheker „Neunundneunziqer" Man nimmt im allgemeinen an, daß die Bezeichnung daher stammt, daß die Apocheker 99 v. H. aus ihre Mit--l aufschlagen. Aus Fachkreisen geht der ,Nat.-Ztg.' nun folgende interessante Erklärung des Spitznamens uv Wir Apotheker in Deutschland haben es niemals so leicht gehabt wie etwa die Bäcker und Schlächter, denen man tnt Volksmund einen gleichen Aufschlag nicht nach­sagt. Wir werden nur selten und nur mit schwerer Muhe und durch Tages- und Nachtarbeit „fett";äußer- uch fehlt unserem Stande deshalb durchweg die lieb- Irche Rundung, die immer ein untrügliches Zeichen reichen und sorglosen Gewinnes ist. Auch deshalb darf nian uns nicht Neunundneunziger nennen, weil unter 100 Rezepten vielleicht nur eins hilft. Das geht uns gar nichts an, das mag man mit den Aerzten abmachen, die hierfür allein die Verantwortung tragen. Aber trotz­dem können wir uns den Namen gefallen lassen, weil er seine volle mathemathische Berechtigung hat. Man schreibe einmal die einzelnen Buchstaben des Alphabets meder, nummeriere sie von 1—26 also:

A. B. C. D. E. F. 6. H. L J. K. L. M. N. 0. P. Q 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13.14. 15. 16. 17.

R. 8. T. D. V. W..X. Y. Z. v

18.19. 20. 21. 22. 23. 24. 25.26. >

Sodann addiere man die Zahlen so wie sie den Buch­staben, welche das Wort „Apotheker" bilden, entsprechen ; also < A) 1 + (P) 16 + (O) 15 + (T) 20 + (H) 8 + W S + <Ä) 11 + l@) 5 + (R) 18 = 99. - Damit ist bewiesen, daß dre Apotheker wirklich Neunundneun- zrger find und keinerlei Grund haben, sich über die Be­zeichnung zu ärgern. Im übrigen hat sich wohl auch keiner von ihnen jemals darüber geärgert. Das hat ein- mal etn merkwürdiger Zufall gezeigt. In den siebziger Zähren tagte etnntat in Magdeburg eine Apothekerver­sammlung. Die Präsenzliste ergab, daß ausgerechnet neunundneunzig zusammengekommen waren. Als der Schriftführer die Tatsache miUeilte, erhob sich eine un­geheure Heiterkeit.