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Rotationrdruck n. Verlag der sluldaer Ar« tiendru-terei in $ulb* Fernsprecher Nr. 9.

JV9 239.

Fulda, MMwoch, den 18. Oktober 190ö.

32. Jahrgang.

Krstes Wl'alt

wirte haben in der Tat den geringsten Vorteil von den gestiegenen Fleischpreisen, und es gehört eine geradezu bodenlose Verkennung der tatsäch­lichen Verhältnisse dazu, wenn man die Land­wirtschaft für Dinge haftbar machen oder gar st r a f e n will, die sie nicht herbeigeführt hat. Denn eine Strafe für unsere Landwirtschaft, eine Strafe mit ganz unabsehbaren Folgen wäre es, wenn durch eine Vernachlässigung des Grenz­schutzes — und auf eine solche läuft am Ende die Forderung der Auslassung der Grenzen hin­aus — ihr ganzer Viehbestand gefährdet wer­den sollte.

Die „Deutsche Tageszeitung" hat nicht so un­recht, wenn sie darauf hinweist, daß sich in ähn­licher Weise, wie es jetzt mit der „Fleischnot" ge­schehen, auch eine Getreide-, Brot- und am letzten Ende Hungersnot künstlich erzeugen und für eine Versetzung der Massen benutzen läßt. Unter diesen Umständen können wir nur billigen, daß die Regierung und der Reichskanzler an ihrer Spitze in Sachen der Fleischteuerung v o r s i ch - t i g vorgeht. Die vom preußischen Landwirt- schaftsntinister eingeleiteten Erhebungen werden wohl binnen kurzem in ihren Ergebnissen ver- öfsentlicht werden; dann wird es an der Zeit sein, über etwaige Maßnahmen Entschlüsse zu fassen, welche geeignet erscheinen, die künstlich ge­schaffene Fleischnot zu brechen. Die Leicht­herzigkeit, mit welcher die liberale Berliner Presse die Frage der Verminderung des Grenzschutzes wieder gelegentlich der Besprechung des Schrei- Keys des Reichskanzlers an die Deputation des Städtetages behandelt, paßt wenig zu der Trag­weite dieser Frage. Eingaben aber, wie die der Berliner Handelskammer, können nur dazu bei­tragen, eine Agitation zu stärken, die mit den schwerwiegendsten Fragen der Volkswirtschaft ge­wissenlos umspringt.

nichts, oder mindestens so gut wie nichts, da sich das auf Heller und Pfennig nickt feststellen ließ.

Später erinnerte sich Margarete Moorland an das in Brillanten gefaßte Porträt ihrer verstorbe­nen Herrin, der schönen Schauspielerin, welches der betrübte Witwer nach dem Tode der angebeteten Gattin wie ein Heiligtum bewahrt hatte.

Ellen Wilton war im Kostüm der Rolle gemalt worden, in der sie das Herz ihres nachmaligen Gatten gewonnen, und das Bild war sprechend ähnlich. Früher hatte Layard das Schmuckstück als Berlocke an der Uhrkette getragen, doch nach Ellens frühem Hinscheiden verwalrte er es besser, damit es nicht durch einen ungck etlichen Zufall in Ver­lust geraten könne.

Und jetzt fehlte das Medaillon. Da es sich nur schwer aunehmen ließ, daß Layard es bei sich in den Kleider» verborgen getragen habe, mußte man zu der Uebcrzeugung kommen, daß den Räuber die kostbare Fassung gelockt und er das Bildnis zu sich gesteckt habe, um die Brillanten herauszubrechen. Waruin der Verbrecher nicht lieber eine der Gold­rollen oder ein Päckchen Wertpapiere geraubt hatte, die mit dem Blute der Opfer besudelt, auf dem Boden vorgefunden wurden, !var allerdings schwer erklärlich.

Aber bei derartigen Verbrechen werden große und kleine Unvorsichtigkeiten begangen, die zur Genüge Zeugnis adligen, daß die Täter nicht mehr in der Lage waren, vernunftgemäß zu handeln und die Folgen ihrer Maßnahmen zu berechnen.

Außer der großen Summe, die Forstenberg als Belohnung auf die Entdeckung der Mörder aus­gesetzt, hatte er selbst nur wenig getan, ein Resul- ! tat in dieser traurigen Sache herbeizufiihren. Er kannte nur den einen dringenden Wunsch, so schnell wie möglich alles erledigt zu sehen, um heimkehren zu fönnen.

Wie stets bei dergleichen Verbrechen, die sen- sattoncll genannt werden können, liefen auch in Liegnttz vreschiedcnartige Gerüchte um, die Person I des Täters betreffend.

Die Einen behaupteten, in der Dämmerung [ einen Schleifer mit seinem Karren in der Vorstadt Karthaus gesehen zu haben. Es sei ein ziemlich zerlunPter Kerl gewesen, mit einem wahren Gal­gengesicht, dem man einen Diebstahl und Mord wohl zutrauen könne. Er habe in den wenigen Lä­den sich um Arbeit umgetan, auch an die Haus­türen der Leute geklopft und als ihm stets ein ver­neinender Bescheid geworden, sei er schimpfend wei­ter gegangen.

Andere sprachen von einer Zigeunerbande, die am Rindständer — einem Teiche in der Nähe — gelagert haben sollte. Schließlich brachte die Polizei heraus,, daß der gefährliche Scheerenschleifer — ein brustkranker Schmiedegeselle — ganz harmlos in den benachbarten Dörfern seinem Gewerbe nach­ging und die Zigeunerbande entpuppte sich als drei böhmische Musikanten, die mit leichter Mühe ein Alibi nachweisen konnten. Von einem dritten Gerüchte, das in dem Kramladen des Kaufmanns Reichenau entstanden sein sollte, wurde noch weni­ger Notiz genommen, da der Polizei-Kommissa- rius auf eine bezügliche Anfrage von Herrn Rei- chenau selbst den Bescheid erhalten hatte, daß alles müßiges Geschwätz sei und weder er noch seine Frau etwas von dem wüßten, was man ihnen in den Mund gelegt.

Dem war nun eigentlich nicht ganz so, denn Frau Rosa hatte ihrer besten Freundin, der ver­witweten Frau Steuereinnehmer, unter dem Sie­gel der tiefsten Verschwiegenheit mitgeteilt: daß sie mindestens einen sehr starken Verdacht habe, die Mörder des armen Herrn Layard betreffend. Einen derselben — denn es müßten ihrer mehrere gewesen fein — glaube sie zu kennen, denn es'sei ihr Reisegefährte gewesen und er habe sust eigen solchen Spazierstock gehabt, mit Hufeisen aus oxydiertem Silber — wie der am Tatort gefundene Stock.

Den Namen des jungen Menschen aber wollte sie nicht nennen, um dessen ehrenwerte Eltern nicht noch im Grabe zu beschimpfen. Die ©teuer-

I Schweinehaltung. Denn anderes könne dabei nicht herauskommen.

* Die Konferenz der Oberpräsidenten zur Beratung des Entwurfs eines Schutunterhaltungs- gesetzes hat, wie wir hören, am Dienstag statt- gefunden. Von dem Ergebnis dieser Konferenz wird es abhängen, wann der Landtag einbe- rufen wird.

* Ein neuer politischer Verein ist in Ber­lin erstanden. Er nennt sich „Allzeit voran, Agitations-Verband für nationale Politik." Der Verband ist hervorgegangen aus der ehemaligen Agitations-Gruppe im D. A. B., die dieser Tage ausgelost worden ist. Der neue Verband bezweckt, arbeitsfreudige Mitglieder der deutsch-nationalen Vereinigungen in Berlin zur gemeinsamen Agi­tation zu vereinigen. Die Tätigkeit des „Allzeit voran" soll hauptsächlich bei politischen und kom­munalen Wahlen einsetzen, soweit geeignete Kan­didaten m Frage kommen. Daß die Gründung des Vereins eine besondere Notwendigkeit gewesen sei, können wir gerade nicht behaupten.

* Die Einnahmen der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen hat auch im Monat Septem­ber in erfreulichem Maße eine Steigerung ausge­wiesen. Die Mehreinnahme dieses Monates im Vergleiche zu dem Vorjahre stellt sich auf mehr als 11 Millionen Mark, darunter nicht weniger als rund 8 Millionen Mark aus dem Güterver­kehr. Infolgedessen beläuft sich die Mehreinnahme der ersten Hälfte des laufenden Rechnungsjahres gegen das erste Halbjahr 1904 auf 51 Millionen gegen den Etat auf 33 Millionen Mark.

* Zum Kapitel der Veräußerung deut­scher Güter an Polen erfährt die ,National- zeitung', daß das in Piontkowo bei Winiarz, Kreis Posen-Ost belegene, 1900 Morgen große Gut des Gutsbesitzers Martin Andree in pol­nische Hände übergegangen ist. Bis jetzt hat der Hakatismus in allem das Gegenteil von dem erreicht, was er erstrebt hat; ein Beweis für die Gediegenheit seiner Politik.

* Ein sozialdemokratischer Parteitag für Berlin und die Provinz Brandenburg ist am Montag in Berlin abgehalien worden. Aus den Verhandlungen heben wir nur ein Referat des Abgeordneten Stadthagen über die Land­arbeiterfrage hervor, in welchem er der Meinung Ausdruck gab, der er sie politische Maisen- streik werde unter den Landarbeitern ausbrechen, und die „Pflicht" der Sozialdemo­kratie betonte unter denLandarbeitern zu „wühlen".

§ Die Entwicklung der königl. preuß. Lust­schifferabteilung behandelt ein Büchlein, das so­eben im Verlage der königl. Hofbuchhandlung von E. S. Mittler und Sohn in Berlin er­schienen ist. Das Büchlein schildert, wie sich die Luftschifferabteilung aus sehr kleinen Anfängen allmählich zu einer Truppe entwickelt hat, der im Felde sehr bedeutsame Ausgaben zugedacht sind. Im Jahre 1884 in der Stärke von vier Offizieren, 4 Unteroffizieren und 25 Mann ge­gründet, umfaßt die Luftschiffer-Abteilung heute schon das Vierfache an Offizieren und mehr als das Zehnfache an Mannschaften. Diese Ver­stärkung beruhte zwar in erster Linie in dem Anwachsen der Allfgaben, die der Abteilung zu­gewiesen wurden und in der technischen Vervoll­kommnung der Luflschiffahrt im allgemeinen, aber nicht zuletzt ist es auch der Rührigkeit der Kommandeure und des Offizierkorps dieser mo­dernsten militärischen Truppe zu danken, daß der I

§ 3n Sachen der Mschteuerung.

Auch die Berliner Handelskammer hat jetzt in Sachen der Fleischteuerung ihre Stim­me erhoben. Sie hat an den Handelsminister eine Eingabe gerichtet, in welcher sie nicht nur den bereits landläufig gewordenen Ruf nach „Oeffnung der Grenzen" erhebt, sondern auch Einfuhrfreiheit für das amerikanische Büchsen­fleisch fordert. Das ist ja auch schon von anderer Seite geschehen. Die Berliner Handelskammer ist aber offenbar von der Absicht ausgegangen, etwas Besonderes zu leisten. Darum setzt sie mit einem Angriff auf die eben erst festgelegten neuen Vieh- und Fleischzölle ein. Eine allgemeine Herabminderung der Vieh- und Fleischzölle er­klärt sie als „nach den bitteren Erfahrungen der letzten Zeit unabweisbar", vorläufig aber be­schränkt sie sich darauf, eine Herabsetzung des „hohen Zolles für Schweinespeck" zu verlangen.

Diese Stellungnahme der Berliner Handels­kammer kann niemand Wunder nehmen, der die Zusammensetzung der Kammer kennt, in welcher die Abart des Freisinns die herrschende Rolle spielt, die man gemeinsam als den „Börsen- Freisinn" zu bezeichnen pflegt, und der die Be­kämpfung der „Agrarier" Lebensaufgabe ist. Verwunderlich ist aber die Un-geniertheit, mit welcher die Handelskammer die Tatsachen der Statistik behandelt, um sie zur Begründung ihrer Forderungen heranziehen zu können. Die „Be­gründung", welche der Eingabe der Handelskam­mer beigefügt ist, meint, eine Auflassung der deutschen Grenzen empfehle sich schon aus Grün­den der praktischen Politik, weil die Regierung relbft den Schein vermeiden müsse, als sei sie an einer Verschlechterung der Ernährungsverhältnisse der Bevölkerung schuld. Dabei ist nicht nur fest- gestellt, daß der allgemeine Fleischkonsum trotz der gestiegenen Fleischpreife der letzten Monate sich gehoben hat, sondern es ist auch zahlen­mäßig erwiesen, daß die Vieh- und Fleischeinfuhr mit Ausnahme der Schweine in dem Zeitraum vom August des Vorjahres bis zum August dieses Jahres erheblich stärker gewesen ist, wie in dem gleichen Zeitraum von 1903-1904. Auch der Auf­trieb auf den größeren Schlachtviehmärkten hat sich bekanntlich mit ganz wenigen Ausnahmen gehoben. Selbst von nationalliberaler Seite ist zugegeben worden, daß von einer „Fleischnot", d. h. einem Mangel an Fleisch im Lande keine Rede fein kann.

Eine Fleischteuerung leugnet niemand. Nur hat sie andere Ursachen, als die von den Gegnern unserer Viehzölle und der Schutzmaß­regeln an unseren Grenzen angeführten. Sie liegen in dem maßlosen Bestreben des Zwischen- i Handels und der Großschlächter, einen ungebühr­lichen Gewinn aus der künstlich geschaffenen Situation zu ziehen. Wie wenig „agrarische Habgier" etwas mit der Fleischteuerung zu tun hat, beweist das Vorgehen der rheinischen Landwirtschaftskammer, die zwecks Erzielung niedrigerer Fleischpreife die Fleifchver- forgung der Einwohner unter Ausschaltung des Zwischenhandels nach Wiener Muster selbst in die Hand zu nehmen, ferner dem Ver­bände der rheinisch-westfälischen Konsumvereine I geraten hat, den größeren Konsumvereinen nahe zu legen, eigene Fleischverkauss st ei­le n oder auch Schlachtbetriebe einzurichten, wie sie anderwärts zu sofortigen Preisherabsetzungen geführt haben, und sich schließlich bereit erklärt hat, mit Hilfe der landwirtschaftlichen Organi- fationen bei dem direkten Bezüge des Viehs von den Produzenten mitzuwirken. Unsere Land-

Wokoko-Kame.

Roman von Ernst von Waldow.

10) (Nachdruck verboten.)

Eineu einzigen brennenden Wunsch hatte Maud mit auffälliger Hartnäckigkeit geäußert: sie wollte sich in den Besitz des Stockes setzen, den man aus dem Teppich gefunden. Er war mit Blut befleckt, und das Mädchen ließ es sich nicht ausreden, daß dreier Stock als Waffe gedient habe, um den töt- Uchen Streich zu führen, weil gerade der Knopf desselben, der das oxydierte Hufeisen trug, Blufe spuren zeigte.

^_§^6leich nun der GerichtSarzt und ein zweiter hntt™erx fcnvge<£ voller Entschiedenheit erklärt Todeswunde am Hinterhaupte Lay- SerurfaSt S ^imren, schneidigen Instrumente mH hl™ ^'schüttelte Maud ungeduldig mit dem Kopfe und blieb bei ihrer Ansicht. Auch hatte man weder em Beil noch ein Hackmesser am T^orte gefunden — nur der fremde Stock lag dort und der gehörte natürlich dem Mörder U

Schließlich gab man es auf, die fixe °tf>ee des unglücklichen Mädchens zu bekämpfen, und wider­sprach ihr nicht mehr, um sie nicht zu reizen

- Der Ueberfaö und die Flucht des Mörders — oder der Mörder, das spurlose Verschwinden der Täter hatte des Rätselhaften gar vieles, selbst für gewiegte Kriminalisten.

War es ein geplantes Mordattentat gewesen oder hatte irgend ein Strolch — ein bettelnder Handwerksbursche vielleicht, vom Zufall begün- M-Z euren Raub ausführen wollen? Das Rätsel blwb unaufgeklärt.

- m genauen Durchsicht der borgefuube-

ip» ^eS Bargeldes und der Pretio-

1", bem Geldschranke sich befanden, und S/r QnHUfnseJte^tcn Bilanz, wozu die Geschäfts- I bucker Layards das Material lieferten, fehlte )

। letzteren eine hervorragende Rolle in der Gesamt­heit unserer Wehrkraft eingeräumt wurde. In hervorragender Weise hat sich die preuß. Luft- schifferabteitung an der Ausbildung des Suffe schiffahrtwesens beteiligt, und manchem Erfinder auf diesem so lebhaft bearbeiteten Felde hat sie mit Rat und Tat zur Seite gestanden. In der Geschichte der Luflschiffahrt wird die preuß. Luftschiffer-Abteilung immer einen hervorragenden Platz einnehmen.

* Der Berliner Elektrizitätsstreik findet doch nicht dre glatte Erledigung, die angekündigt war. Es hat in der Arbeiterschaft große Unzufrieden­heit hervorgerufen, daß die Arbeit in den Fabriken von der Mehrzahl der Arbeiter nicht sofort wieder ausgenommen werden tann. Die Einstellung soll erst nach und nach erfolgen. In vielen Fällen muffen die früher Beschäftigten auf ihren Platz ganz verzichten, da die Betriebs­leiter nicht gesonnen sind, die Arbeitswilligen zu entlassen. Das trifft besonders für die Maschi­nisten und Heizer sowohl in Berlin wie in Oberschöneweide zu, von denen manche ihre | Lebensstellung durch den Streik verloren haben. Man kann allerdings ohne nähere Kenntnis der Dinge nicht darüber urteilen, ob das Verhalten der Arbeitgeber in diesem Falle ein Verschulden trifft.

* Der Streik der Berliner Wäsche-Branche scheint eine größere Bedeutung zu gewinnen als man ihm bei feinem Ausbruch beizulegen geneigt war. Von den 15,00o Personen, die in der Wäsche- Branche tätig find, sind nahezu 4000, vorwiegend Frauen, in den Ausstand getreten. Die von den Arbeiterinnen erhobene Forderung der Lieferung freien Garns ist schon vor Jahren von den Fa­brikanten zurückgewiesen worden. Die Unter­nehmer motivieren dies damit, daß sonst minder­wertiges Garn von den Arbeitern verwertet würde. Eine von ungefähr 5000 Arbeitern und Arbeiterinnen am Montag abend abgehaltene Versammlung beschloß, vorläufig eine abwartende Haltung einzunehmen und eine Einigung mit den Arbeiterinnen auf Grundlage der in den Versammlungen von der 16er- Kommission ge­machten Zugeständnisse anzustreben. Für Mitt- woch hat der Verein Berliner Wäschefabrikanten eine Generalversammlung einberufen, in der seitens der Fabrikanten definitiv zu dem Streik Stellung genommen werden soll. Es verlautet, daß die Fabrikanten nach Analogie der Elektrizi- lätsfirmen die Veranstaltung einer Aussperrung ins Auge gefaßt haben. Der Betrieb wird einst­weilen mit Hilfe des fest angestellten kaufmänni­schen Personals aufrecht gehalten.

* Die Einnahmen an Wechselftempelsteuer im Deutschen Reich für die Zeil vom 1. April 1905 bis zum Schluffe des Monats September 1905 belaufen sich auf 7,105,630 Mk., das be­deutet gegen das Vorjahr eine Mehreinnahme von 786,371 Mk. Von der Gesamleinnahme entfallen auf das Reichspostgebiet 6,366,126.30 Mark, auf Bayern 564,672.60 Mk. und auf Württemberg 174,831.10 Mk.

* Zwischen dem bayerischen Landesverband des deutschen Flottenvereins und der Leitung des Gesamtvereins haben nach wiederholten Mitteilungen der Presse in den letzten Monaten ! Unstimmigkeiten bestanden. Dem bayerischen Landesverband wurden antinationale Tendenzen vorgeworfen. Infolge dessen hat sich das Prä­sidium des Flottenvereins veranlaßt gesehen, dem bayerischen Landesoerbande ein Schreiben einnehmers-Witwe hatte natürlich nichts eiligeres zu tun, als die interessante Neuigkeit weiter zu erzählen, und als dann die behördliche Nachfrage kam, geriet Herr Reichenau in furchtbaren Zorn und verbot seiner Frau den Mund, wie man zu fu­gen pflegt, wobei er sich in Reden erging, welche der dicken Dame wahre Tränenströme erpreßten.

Aber sie schwieg und nur wenn in ihrer Gegen­wart von dem Morde in Karthaus und dem Fundobjekte gesprochen wurde, nickte sie stumm und schlug die Augen zum Himmel auf, als wollte sie Klage gegen den führen, der ihre Zunge in Bann getan.

Endlich — nach fast drei Wochen, waren alle Formalitäten erledigt. Forstenberg war zum Vormund seiner Nichte bestellt worden, da in dem vor gefundenen, vor Jahren schon verfaßten Testa- mente Layards feine andere Bestimmung ht dieser Beziehung getroffen war.

Frau Katharina Forstenberg, seiner Stief­schwester, hatte George Layard ein Legat von 20 000 Talern vermacht, eine im Verhältnis zu dem großen Vermögen, ziemlich geringe Summe.

Forstenberg fügte willig in alle gerichtlichen Bestimmungen, betreffend die Sicherstellung deS Vermögens der Waise. Für ihn war es ja schon genügend, über die bedeutenden Zinsen ziemlich unbefdjränft verfügen zu können und sich über­haupt im Besitze großer Kapitalien zu befinden. Zudem genügte der Erbanteil Katharinens, die dringendsten Gläubiger zu befriedigen, dann hatte die Firma sogleich neuen Kredit und das war die Hauptsache für das Geschäft.

Die Villa wurde geschlossen und zum Verkauf angeboten, da wenig Aussicht vorhanden war, daß sich Mieter dafür finden würden. Jedenfalls mußte mau sich entschließen, das Besitztum weit unter seinem wahren Werte loszuschlagen, um Käufer anzulocken.

Nachdem Forsteuberg noch bei einem Bildhauer ein prächtiges Grabdenkmal aus schlesischem Mar­mor bestellt und die Grabhügel der beiden Ge-

veittsches Reich.

Berlin, den 17. Oktober 1905.

8 Die endgiltige Nachricht, daß Minister Möller aus dem Amte scheidet, läßt lange auf sich warten. Es ist kein Wunder, daß, obwohl die allgemeine Auffassung dahin geht, daß der Rücktritt des Ministers unmittel­bar bevorsteht, es nicht an Stimmen fehlt, welche dieser Auffassung widersprechen. In der Berliner Presse fiel es sehr auf, daß der ,Grau- denzer Gesellige', welcher gute Beziehungen zum westpreußischen Oberpräsidium hat, am Montag meldete, daß die Nachfolgeschaft Delbrücks eine „unglaubliche, jeder Unterlage entbehrende Er­findung" fei. Das Blatt hat sich aber nach 24 Stunden selbst berichtigen mäffen und teilt jetzt„ mit, daß dem Oberpräsidenten Delbrück tatsächlich die Nachfolgerschaft angeboten fei und er diesen Posten aud;%angenommen habe. Man versteht nicht recht, warum noch immer feine amtliche Mitteilung erscheint.

** Der vielfach bespöttelte Rat des Ministers Podbielsky betreffend eine Berliner Schweine­zucht ist in die Tat umgesetzt worden. Die Deputation der städtischen Kanalisation hat am Montag nach längerer Beratung beschlossen, auf den Riefelgütern eine Schweinezucht, verbunden mit einer Schweinemast, zu betreiben. Eine Unterkommission wurde mit der Vorbereitung dieses Planes beauftragt. Die ,Nat onalzeitung' wünscht der Stadt Berlin alles Glück zu ihrer Schweinezucht, damit wenigstens den freisinnigen Leuten im Roten Hause ein Licht aufgehe über die „Wucherischen Gewinne" der Bauern bei der

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