Fulda, Dienstag, den 17. Oktober 1905.
M 238.
Jahres-
Zoll resp.
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Jahres
Zoll bezw.
verbrauch (6 Köpfe) Steuerbelastung
Pfg.
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6.50
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teilungen der Pariser Blätter zutreffend seien. Em solcher angesichts der Form, in der lungen gemacht waren, nicht
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32. Jahrgang
Irscheint tSglich, mit Ausnahme her Somt« und Feiertage. Viertel- jShrl. vezng'prei» ohne vringerlohn unft velteltgeld in Zulfta und auswärts imt. 50 pfg.
Frankreich bezw. von einem Nachsuchen solcher Hilfe seitens Frankreichs keine Rede gewesen ist. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ versicher e weiterhin, daß diese Erklärung „deutfcherseits
Das junge Mädchen fürchtete, ihre Vater sei plötzlich erkrankt, weil lveder der alte Herr, noch Wilhelm Moorland, der sonst so aufmerksame Diener, sich sehen liefe. Da vernahm sie einen geltenden, markerschütternden Schrei, den Margarete ausgestotzen, und stürzte instinktiv, ohne emes klaren Gedankens mächtig zu sein, der Dienerin nach, in das Zimmer, dessen Türe jene offen gelassen.
• Doch tote gelähmt und mit weit geöffneten Augen blieb sie auf der Schwelle stehen und starrte auf das grause Bild, das sich ihr bot. Die Lippen öffneten sich, als wollte Maud einen Schrei aus- siofeen, einen Hilferuf, — doch kein Laut entrang sich ihrer Kehle und sie brach plötzlich zusammen.
Das Geräusch des fallenden Körpers erweckte Margarete aus ihrer Erstarrung, sie nahm Maud in ihre Arme und lehnte das Haupt der Be- sinnungslosen gegen einen Sessel, dann stürzte sie fort, um Leute, Hilfe herbeizuholen.
Bald war die Vorstadt Karthaus alarmiert. Ein Arzt, Polizeikommisiar, Gerichtsbeamte erschienen, es wurden Protokolle ausgenommen, eine Genaue Durchsuchung des ganzen Hauses ange- geordnet. Das Resultat war ein wenig befriedi- gendes. Man fand nichts als einen zierlichen Spa- zierstock mit einem Hufeisen aus oxydiertem Silber und den eingravierten Buchstaben U. W., die git einem Monogramm vereint waren. Dieser Stock, der sich nicht im Besitze eines der Ermordeten befunden, mufete von dem Mörder zurückgelassen worden sein.
Während die Gerichtspersonen ihres Amtes walteten, beschäftigte sich der Arzt, nachdem er sich durch eine flüchtige Untersuchung überzeugt, dafe die Ueberfallenen tot seien, mit der Tochter Lahards.
Maud, die man auf ihr Lager gebettet, hatte das Bewußtsein noch nicht wieder erlangt. Sie j glich einer Toten mit starren Augen, dem halbge- öffneten Munde — es war ein schauerlicher An- blick. Erst gegen Morgen gelang es der ärztlichen Kunst das ninae Mädchen aus ihrer Erstarruna '
Heber Oie Reichcheuerresorm. in.
ES wurden uns zwei solche Bücher zur Verfügung gestellt; jedes für eine Familie mit sechs Köpfen geführt. Daraus ergab sich folgender Jahresverbrauch an Gegenständen, die hauptsächlich mit Reichssteuern und Finanzzöllen belastet sind.
A. DaS Buch einer Kapitalisten, dessen reines Einkommen über 120000 Mark jährlich beträgt:
verantwortlicher ■
Schriftleiter: 3. Baum
Ä’ft wochendeii-ge: „Illustrierte Sonntagszeitung
über die Mitverlangt, un- Schritt würde diese Mittei- ber „diplo-
Pastor und bat ihn um seine Hilfe. Der Pastor ging den Entwurf durch und machte seine Bemerkung dazu. Als der Sekretär bann mit seinem danach gemachten Gutachten zum Landrar kam, war biefer über das Gutachten erstaunt unb fragte ihn, wo er diese vortrefflichen Bemerkungen her habe. Da erzählte berselbe, er fei in seiner Ratlosigkeit zum Pastor gegangen, unb biefer habe ihm geholfen. Der Entwurf ist aber weder den Lokal- noch den Kreis-Schulinspektoren zur Begutachtung vor^elegt worden."
§ Der Vorstand be-3 Deutschen Stadtc- tages beabsichtigt, eine Zentralstelle mit einem juristischen ober volkswirtschaftlichen Direktor als Leiter zu schaffen, ber mit ben Verhältnissen der Städteverfaffungen unb Stadtverwaltungen vertraut sein muß. Für bie Auskunft, welche die Zentralstelle erteilt, sollen zur Deckung bet Aufwendungen Gebühren erhoben werden. Die Kosten ber Einrichtung sinb auf jährlich 20,000 Mark veranschlagt.
Der Hakatismus treibt wieder neue Blüten. Zur Verhinderung bes Ueberganges deutschen Besitzes in ber Ostmark in polnische Hände sind von ber hakatistischen Presse allerlei Vorschläge gemacht worden. Die ,Deutsche Ztg/ will, daß dem Staate ein Verkaufsrecht bei jedem Besitzwechsel in einer Reihe von Regierungsbezirken des Ostens eingeräumt wird imd zwar zum landwirtschaftlichen Taxtwert. Selbst die ,Deutsche Tageszeitung', der man eine Vorliebe für die Polen gewiß nicht nachsagen kann, bezeichnet diesen Vorschlag als „ungeheuerlich". Jeder, ber bie einschlägigen Verhältnisse kenne, wisse, baß gerabe ben in betracht kommenden Landschaften der Grundsatz gemeinsam sei, mit ihrer Taxe erheblich hinter dem Verkaufswert zurückzublerben. Ein auf dieser Grundlage errichtetes Verkaufsrecht würde also nicht nur eine grundsätzliche Schädigung des Verkaufens bedeuten, sondern auch besonders dadurch gehässig wirken, daß es diese Schädigung zu einer Zeit bewirke, zu ber der Geschädigte sie am wenigsten werde ertragen können. Die weitere Folge ber Maßregel würbe eine allgemeine Wertverminderung des Grundbesitzes in der Ostmark sein, ber gegenüber, wie bie ,Deutsche Tageszeitung' sagt, bie' in Vorschlag gebrachte persönliche Genugtuung in Gestalt von landesherrlichen Gnaden und Gunstbezeugungen etwas ein teuer erkauftes Pelliativmiltel sein würden.
* Der Aufstand in Deutsch-Südweftafrika. Amtlich wird gemeldet: Am 12. Oktober wurde durch die 30 Gewehre starke Patrouille des OberleutnantsHeres eine Hottentottenbande unter Elias überrascht. Anscheinend wollte dieser die durch das Gefecht bei Nubib am 13. Sept, völlig zersprengten Banden von neuem sammeln. Die Hottentotten räumten das Gefechtsfeld in völliger Panik unter Verlust von 50 Toten. Auf ber Verfolgung kam es 10 Kilometer weiter südlich cm Nachmittage nochmals zu einem zweistündigem Gefecht, in dem noch sauf Hottentotten fielen, deutscherseits siel ein Reiter. Ferner hatte am 5. Oktober eine deutsche Patrouille unter Leutnant Schulz ein siegreiches Gesicht am Kulip, wobei sechs Hottentotten relen und bei uns fünf Reiter verwundet wurden. Der englische Kolonialsekretär in Kapstadt hat dem deutschen Generalkonsul mitgeteilt, daß 150 unbewaffnete Witbois auf englisches
teil an das Reich. Jahrzehnte lang haben die Bundesstaaten zu den Reichsbedürfnissen nichts beigefteuert, sondern noch Ueberroeifungen über die Matrikularbeiträge hinaus vom Reiche ge- zahlt erhalten, d.h. aus den Tabak- Bier-, Branntwein-, Petroleum-, Salz- und Zuckersteuer-Erträgen sind damals nicht allein die Reichsbedürfnisse voll gedeckt worden, sondern den Bundesstaaten bare Zuwendungen gemacht worden.
Bei der Finanzrefornr - Vorlage des Jahres 1893 94 stellten die Bundesstaaten ben Anspruch, daß sie nicht allein von jeder Leistung für die Reichsbedürfnisse befreit sein sollten, sondern daß ihnen auch noch 40 Millionen Mark jährlich als Zuschuß des Reiches ausbezahlt werbe. 1894 95 waren ihre Ansprüche schon bescheibener, sie verlangten nur, baß sie von ungebeten Matrikular- beiträgen ein für allemal befreit fein sollten. Im Jahre 1903/04 waren sie noch bescheibener geworben, sie wollten nur noch „in ber Siegel" vor ungebeckten Beiträgen gesichert sein unb heute wünschen sie nur noch, baß biefe Beiträge nicht über ein gewisses Maß hinausgehen sollten.
Alle diese Reform-Automaten würben vom Reichstage abgelehnt, weil bie Linke unb das Zentrum stets Wert daraus legten, daß die Bundesstaaten am finanziellen Wohlergehen des Reiches interessiert bleiben sollten, was nach Annahme der betr. Gesetzes - Vorlagen nicht mehr der Fall gewesen wäre.
Die erhöhten Anforderungen an bas Reich, welche bie „Weltpolitik" mit sich bringt, zwingt zur Beschaffung größerer Einnahmen, alle War- nungen unb Ermahnungen zur Sparsamkeit haben sich als fruchtlos erwiesen. Die Erträge aus bem neuen Zolltarif reichen bei weitem nicht aus, ber Finanznot abzuhelfen. Die Frage tritt also aufs neue an uns heran: „Wer soll biefe neuen Saften tragen?" Sollen auch biesmal wieder die Leistungsfähigsten, ber Großbefitz, bie Groß- inbuftrie unb das Großkapital leer ausgehen, soll bie Last auch jetzt roieber ben Enterbten, Besitzlosen, im Kampfe um bie tägliche Existenz Ringenden nahezu ausschließlich auferlegt werden, I ober werben bie verbündeten Regierungen einen j Weg finden, dem Wahlspruche folgend: „Justitia I regnorum fandamentnm?“
ebenso loyal, wie sie gegeben wurde, entgegen genommen worden ist, und daß bie Behauptungen, Deutschlanb habe von ber englischen ober französischen Regierung Erklärungen "
zusammen 53.35 Mk.
Der Zigarrenverbrauch ist in Rohtabak ringe- rechnet unb ber Zoll für ausländischen Tabak an gesetzt.
B. Das Buch eines städtischen Lohnarbeiters mit einem Einkommen von 940 Mark im Jahr.
matischen Courtoisie" entsprechen, und nicht mit der loyalen Gesinnung in Einklang stehen, die „wir" den Absichten ber französischen wieben englischenStaatsmännern entgegen bringen. — In milderer Form konnte bie deutsche Regierung ber englischen kaum zu verstehen geben, daß sie bereit fei, fünfe grab sein zu lasten. Für die offiziellen Kreise Deutschlands unb Eng- lanbs ist damit ja wohl die Angelegenheit abgetan, wie bas auch bie ,Norbd. Allg. Ztg/ an- beutet. Für bie nichtoffiziellen Kreise aber, b. h. in erster Linie für bas beutsche Volk, bleibt nach wie vor noch die schwerwiegende Frage offen: Wer war ber Mitschuldige Delcastv's auf englischer Seite? Daß sich unsere Diplomatie mit biefer Frage nicht weiter beschäftigte, hat gewiß seine guten Gründe. Dieselben können aber nicht verhindern, baß die öffentliche Meinung in Deutschland diese Frage weiter verfolgt und baß sich im Volke eine Antwort auf biefe Frage festsetzt, bie auf lange Zeit hinaus kein Vertrauen in bie Beziehungen zwischen Deutschlanb und Englanb auffommen läßt.
* Aus ben Glückwunsch des Präsidenten des Abgeordnetenhauses an ben Kaiser anläßlich ber Verlobung bes Prinzen Eitel Friedrich ist vom Kaiser folgende Antwort eingegangen: „Ich banke Ihnen herzlich für bie freundlichen Glückwünsche, welche Sie mir namens des Abgeordnetenhauses zur Verlobung meines Sohnes ausgesprochen haben, Gott wolle geben, baß diese Verbindung auch dem Vaterlande zum Segen gereicht."
* lieber ben Schulunterhattungs - Gcsetzent- I Wurf hat bekanntlich im Kultusministerium eine Beratung stattgefunden, an der auch bie beteilig» ! ten Reffort - Minister, sowie bie Oberpräsidenten teilnahmen. Es handelt sich dabei, wie der,Köln. Zsg/ aus Berlin gemeldet wird, in erster Linie um die finanziellen Fragen des Gesetzes, die wegen der Bildung ber zum Tragen ber Schul- lafien geeigneten Verbände unb wegen ber an schwache Schulverbände zu leistenden staatlichen Unterstützung besondere Schwierigkeit bieten. Vielleicht wirb bie Vorlage noch in einzelnen Punkten einer Umarbeitung zu unterziehen fern. Dann, werden sich die beteiligten Ressort-Minister und k das Staatsrninifterium schlüssig zü machen haben, sodaß bis zur Einbringung der Vorlage an den Landtag wohl noch einige Wochen vergehen werden. Jedenfalls hält aber bie Staatsregierung nach wie vor baran fest, ben Landtag noch in bi es em Jahre zur Beratung ber Schulgesetz- Vorlage einzuberufen. — Der Entwurf wurde auch ben Sanbreiten zur Begutachtung vorgelegt. Neber bas Entstehen solcher Gutachten wirb dem,Reichsbotew folgender Fall mitgeteilt: „Der Landrat hatte keine Zeit zur Begutachtung unb übertrug bie Sache seinem Kreissekretär. Dieser aber wußte sich keinen Rat und ging deshalb zum
Iie WoLoko-Wcrme.
Roman ton Ernst von Waldo >v.
9] (Nachdruck verboten.)
Zu Tode betrübt, nahm Maud von der Entschlafenen Abschied, da Margarete zur Abreise drängte, weil der alte Herr sich ängstigen würde, toenn die Tochter die Nacht über ausbliebe. Das war eine traurige Rückfahrt!
_ In einem Abteil des Coupee erster Klasse iafeen die beiden allein, und Frau Moorland gab sich die größte Mühe, Maud aus ihrer Startzeit, ihrer beängstigenden Apathie aufzuriitteln.
Endlich langte man daheim an. Der mürrische Rutscher, der die junge Reisende und deren Be- glertertn vom Nahm Hof nach Karthaus geführt, fuhr in schnellem Trabe zur Stadt zurück, als Margarete das Eifengitter geöffnet und Maud betm Ersteigen der steinernen Stufen half.
?^aunt, daß man im Hause das Räder- gerausch deS Wagens nicht gehört und nicht schnell gekommen sei, das Haustor zu öffnen, setzte Frau Moorkmd den Klopfer der Tür in Bewegung. - bann schellte sie, um zuletzt, von Angst getrieben, laut zu rufen und zu klopfen.
Zuletzt brütfie sie auf den Griff — und die Tür öffnete sich leicht - im Flur, im ganzen Hanse jedoch blieb es totenstill.
Die beherzte Frau zog ein Reisefeuerzeug hervor, das sie stets bei sich zu tragen pflegte und entzündete eine kleine Wachskerze. Bei deren Schein erblickte sie den Leuchter mit der herabgebrannten Kerze, welchen Ullrich Winterfeld beim Verlassen des Hauses auf den Boden gestellt, sie griff nach dem Leuchter, entzündete die Kerze und von einer furchtbaren Ahnung getrieben eilte sie in das zur Linken gelegene Schreibzimmer ihres Herrn, ohne an Maud zu denken, die zitternd und erschreckt an der Türe sieben oeblieben war 1
Deutscher Reich.
Berlin, ben 16. Oktober 1905.
* Die Erklärungen der englischen Negierung. In ihrer Sonntag-Morgenausgabe hat bie ,Norbb. Allgem. Ztg/ endlich Stellung genommen zu ben Ableugnungen ber englischen Regierungen betreffs ber Delcaffeschen Enthüllungen. Das offiziöse Blatt äußert sich zwar nicht in emem burch seine Form als halbamtlich gekennzeichneten Artikel, sondern nur in der Wochen- runbschau über bie auswärtigen Ereignisse zu der Angelegenheit, boch ist bekannt, baß biefe Rundschau vom auswärtigen Amte »nspiriert ist. Die biesmal in Frage stehende Auslassung ist wohl nach Inhalt unb Form auf bas aus- artige Amt zurückzuführen. Es geht aus ihr hervor, baß bie englische Regierung aus eigenem Antriebe ber beutschen'Erklarungen bes Inhalts abgegeben hat, daß von einem Än- gebot militärischer Hilfe seitens Englands an
72 Kilo Salz ü 6 26 Kilo Zucker „ 14 370 Liter Bier „ 1 35Lit.Branntw. „ 80 Schaumwein „ 00 70 Lit. Petrol. „ 7 23 Kilo Kaffee „ 40 00 Kilo Tee „ 00
3 Kil. Rohtabak „ 45
zusammen 43.41 Mk.
Der Zigarrenverbrauch ist hier in Rohtabak 1<3 inländischen unb ’/• ausländischen eingerechnet.
Der Arbeiter mit einem Jahres- einkommen von 940 Mark zahlte also fast 5 Prozent feines Einkommens an indirekten Reichssteuern unb Finanzzöllen auf diese Rahrungs- unb Genußmittel sowie auf Pewoleum, ber Kapitalist mit einem Einkommen von über 120000 Mark jährlich nicht einmal llt» Prozent.
Der Arme war für bas Reich im Verhältnis zu feinem Einkommen genau bunbertmal so hoch besteuert wie ber Reiche.
Die Zölle auf Brotgetreibe, Hülsenfrüchte, Reis, Milch, Vieh, Heringe sinb bei biefer Berechnung nicht berücksichtigt, sie werden aber an dem Resultat schwerlich etwas änbem.
Vielfach ist noch immer ber Glaube verbreitet, bie Reichsbedürfnisse, b. h. bie Ausgaben für Heer, Flotte, Kolonien rc. würben aus ben Einkommensteuern unb Vermögenssteuern bestritten, allein in Wirklichkeit kommt von biefen Steuern nur in Ausnahmefällen, wenn einmal ungebeette Matrikularbeiträge zu zahlen sind, nur ein Bruch-
cssor Heidberg — eine Autorität in seinem Fache — ordnete einen baldmöglichen Ortswechsel an, darnach Zerstreuung, Aufheiterung, doch nicht in aufdringlicher Weise geboten, das wollte so viel eigen, dafe die Personen der neuen Umgebung der Leidenden diese nicht mit Gewalt aus ihrem Hrn- briiten wecken, sie nicht nötigen sollten, die ihr lieb gewordenen Gewohnheiten gänzlich zu wechseln.
Was die Behandlung der Kranken und deren körperliche Pflege betraf, so wendete sich der Professor an Margarete Moorland, die bisherige Wärterin deS jungen Mädchens, nachdem er sich schnell überzeugt, dafe sie Verständnis und Teilnahme genug für das schwierige Amt einer solchen Pflegerin besitze.
Die Witwe, in tiefer Trauer um den verlorenen Gatten, war selbst leidend und von finsterer Melancholie bedrückt. Ihr ganzes Leben war verändert und sie schritt einher, so düster und verschlossen, als atme sie unter einem furchtbaren Banne, dem sie sich vergebens zu entziehen versuchte. Nur der bejammernswürdige Zustand Mauds flößte ihr tiefes Mitleid ein und vermochte sie, ihren eigenen Schmerz auf Momente zu vergessen.
Als die Breslauer Aerzte abreisten, gaben sie Forstenberg, der die Herren zum Bahnhof geleitete, den Rat: er möge den Versuch machen, seine Nichte einer Privatheilanstalt für Nervenleidende zu übergeben, um so eher, als in nächster Nähe der Kaiserstadt an der Donau, im Vorort Döblin, sich ein solches Institut befinde, bas sich des besten Rufes, erfreue.
Forstenberg atmete erleichtert auf. Das war wirklich das Beste und einzig Richtige, denn der (Sebmtfe, unter einem Dache im engsten Familienkreise mit dieser atmen Kranken zu leben, die tote eine Statue des Schmerzes aussah, hatte etwas Bedruckendes für ihn gehabt. Er setzte sich mit Professor Leidesdorff, dem Letter der Döblinger Anstalt, in Beziehung und fand verständnisvolles Entgegenkommen.
Am liebsten hätte er Maud und Margarete
wieder zu erwecken und nun folgte eine heftige Krise.
Nervenkrämpfe erschütterten den zarten Körper, bis zuletzt gänzliche Erschöpfung eintrat und Maud in einen bleiernen Schlaf sank, aus dem sie erst am Abend erwachte.
Das Bewufeffein ihres Verlustes, ihres Unglücks kam ihr erst allmählich unb dann äufeerte sich ihr Schmerz auch nicht in gewöhnlicher Weise, es kam keirw Klage über ihre Lippen, keine Träne in ihre Augen. Düster unb starr grübelte sie über dem Entsetzlichen, bas sie erlebt.
Zwei Mal an jenem Unglückstage hatte sie bem Tode in's Antlitz gesehen, dem unbekannten, schauervollen, rätselhaften!
Mit fanftera Flügelschlage hatte er bie fterbenbe Jungfrau berührt, ihr ben Ausdruck der Verklärung verliehen, während bie Züge des gemordeten Vaters von Hatz und Schmerz verzerrt, von aus- geftanbenen Qualen erzählten.
6.
Der Arzt schüttelte bedenklich ben Kopf, als Ferbinand Forstenberg ihn nach Mauds Besinden ausfvrschte, und dann teilte er ihm mit, daß nach seiner Ansicht bie Befürchtung einer geistigen Umnachtung bestehe. Die Nerven des kaum dem Kin- desalter entwachsenen Mädchens waren so furchtbar erschüttert, daß ein längeres, schweres Leiden vorauszusehen war.
Doktor Meierbeim, ein noch junger Arzt, der sich indessen sehr für den Fall und aus rein menschlichen Beweggründen für seine bedauernswürdige Patientin intereffierte, schlug Forstenberg vor, einige Breslauer Aerzte, Spezialisten für Nervenleiden, zu fonfultieren. Der Rat wurde auch befolgt und die gelehrten Herren berieten lange hin und her, nachdem sie die Pattentin besichtigt und man ihnen die nötigen Aufklärungen gegeben.
Doch war bas Resrtttat der Konsultation insofern bas gleiche, als alle ben Zustand Mauds sehr bedenklich fanden. Daß bie Heilmittel für solche Gemütskrankheit nicht allein aus der Apotheke zu belieben feien leuchtete wobl iedem ein unb Pro-
verbrauch (6 Köpfe) Steuerbelastung Mk.
Rotationsdruck u.
Verlag der Luldarr Re-
IRonafsbeilage: „HuldiM Eeschichtsblätter". Sernspretzer Nr. 9.
68 Kilo Salz &
6
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4.08
72 Kilo Zucker „
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240 Liter Bier „
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Branntwein „
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Schaumwein „
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44 Kilo Kaffee „
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