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Rotationsdruck u. Verlag der finldaer Ae- tiendrnckerei in Zulda. .Fernsprecher Nr. 9.

Fulda, Morrtag, den 16. Oktober 1905.

JV$ 237.

Ueber die Reichzsteuerreform

IL

Die Ausgaben des Reichs — wir lassen die außerordentlichen Ausgaben und Einnahmen überall außer Betracht und behandeln nur den ordentlichen Etat — setzen sich nach dem Vor­anschlag für 1905 wie folgt zusammen: Heeresverwaltung 672 758 000 Mk.

Marineverwaltung 186 594000 „

Kolonien mit Kiautschau 34 708 (>00 „ Pens. u. Jnvalidenversorgung 139 257000 „ Schuldenzinsen 113610000 „

Reichszuschuß f. d. Altersversich. 49 590 000 „ Dampfersubventionen 6 945 000 „

Alle and. Ausgaben zusammen 52 265 OOP „

zusammen 1255727000 Mk.

Hierbei sind die durchlaufenden Posten für Reichs' eisenbahnen, Post und Telegraphenwesen, Reichs' druckerei und Ueberweisungen an die Bundes' staaten nicht in Anrechnung gebracht, weil den­selben größere Einnahmen gegenüberstehen; es sind dafür bei letzteren nur die Emnahme-U e b e r - schüsse aufgeführt.

Die Einnahmen des Reichs fetzen sich nach dem Voranschlag für 1905 in folgender Weise zusammen:

Ueberschüffe d. Post- u. Tele­graphenwesens, der Reichs- druckereiu.Relchseisenbahnen einschließl. Vergütung von Bayern und Württemberg

Zinsen u. Kapitalauszehrung a. d. Reichsinvalidenfonds

Reichsstempelabgaben (Börsen- Lotterie-,Wechsel-u.Kanosse- mrntstempel)

Anteil am Gewinn berReichs- ban?

Zölle und Tabatfteuer Zuetersteuer

Salzsteuer

Branntweinsteuer

Schaumwein steuer

Biersteuer eiirschl. Beitrag von Bayern,Württemberg,Baden, Elsaß-Lothri ngen)

Verschiedene Einnahmen

104613000 Mk.

47927000 „

86 424000 „

15767 000 „

547391000 „

130000000 „

52282000 „

117475000 „

4531000 ,

37 450000 „

33824 000 „

zusammen 1177687000 Mk.

fehlen also zur D.ckung des ordentlichen Bedarfs rund 78040000 Mark, welche die Bundesstaaten dem Reich für das Jahr 1905 aus eigenen Mitteln zuschießen müssen, um das Gteichaewicht zwischen Den ordentlichen Ein­nahmen und Ausgaben herzustellen. Diese Zu­schüße sind es, welche man ungedeckte Matriku- karbeiträge nennt und um deren Beseitigung sich die einzelstaatlichen Finanzminister bei der Finanzreform so sehr bemühen.

Neben dem ordentlichen Etat hft das Reich aber auch noch einen außerordentlichen Etat, welcher nur geringe Einnahmen, dafür aber auch größere Ausgaben enthält, nämlich: Für neue Telegrahpen- u. Tele­

phonlinien 27475 000 Mk.

Für neue Eisenbahnbauten in

Maß-Lothringen 16452000 „

KieWoftoko-Ocrme.

Roman l>on E r u st vomWaldow.

8[

(Nachdruck verboten.)

. Ferdinand Torstenberg interessierte sich gleich- ;ai:.s für das interessante Mädchen, das er zudem für eine reiche Partie hielt. Als er dann durch Sr'uj selbst in die Verhältnisse eingeweiht wurde, lvar es zu spät für ihn, sich noch zuräckzuziehen, wollte er nickt als Heiratsspokulant gebrandmarkt dastehen. Er war auch zu leichtlebig und gut­mütig, um cs der erwählten Braut fühlen zu lassen, daß er große Enttäuschung erfahren, und so er sich mit der verhältnismäßig geringen Mitgift die der geizige Schwager widerstrebend gab, und kehrte mit der jungen Gattin nach Wien zuruck, um das Geschäft des alternden und kran­ken Vaters zu übernehmen.

Da es sich später herausstellte, daß George ein und ausdrücklich er- llatte^ Laß er sicp nie verheiraten werde, blieb

Da mußte die Naairicht von der Neigung Ge­orges zu der jungen Schauspielerin begreiflicher­weise toie eine Bombe wirken, zumal gerade in jener Zeit die Geschäftslage der Firma Forsten­berg & Söhne, durch Ferdinands Schuld, eine sehr unsichere geworden war. M

Das Glück dieser von so vielen mißbilligten Ehe sollte nicht lange währen. Nach kaum zjwei Jahren starb Ellen Layard, nachdem sie einer Toch­ter das Leben gegeben, die in der Taufe den Na­men Maud empfangen.

Der untröstliche Witwer verließ London, da es ihn an der Stätte seines gestorbenen Glücks nicht länger duldete. Das Kind, welches er nicht sehen wollte, da seine Geburt _>er Mutter das Leben ge- -.kvstet, blieb in der Pflege Frau Moorlands zurück.

Für außerord. Bedürfnisse der Heeresverwaltung (hauptsäch­lich für Festungen) 32 987 000 „

FürSchiffsbauten,Docks, Küsten­befestigung u. s. w. in der Marineverwaltung 46929000 „

Für Kolonialzwecke und für die

Expeditionen nach Ostafrika

und Südwestafrika 97 600 000 „

Für Darlehen an Wohnungs­

baugesellschaften 5 000 000 „

zusammen 226443 000 Mk.

Von diesen Ausgaben dienen nur wenige pro­duktiven Zwecken, gleichwohl muß nahezu der ganze Betrag durch Vermehrung der Reichsschuld aufgebracht nxrben. Da ist es also kein Wunder, daß die letztere stetig wächst und die Finanzlage des Reichs von Jahr zu Jahr trauriger wird.

Auf der einen Seite eine großzügige Welt­politik, auf der anderen Seite kein Geld, sie zu bezahlen!

Man kann es dem jetzigen Reichsschatz­sekretär gewiß nicht verübeln, daß er dieser finan­ziellen Misere des Reiches nicht ruhig zusehen will, sondern eine Gesundung der Finanzen er­strebt, ein Ziel, dessen Erreichung um so schwieriger ist, als weite Kreise in Deutschland nach neuen Ausgaben drängen und der Pa­triotismus von der Nachgiebigkeit gegen dieses Drängen bemessen wird.

Die Lösung der Aufgabe, die sich der Reichs­schatzsekretär gestellt hat, begegnet nicht nur der Schwierigkeit der immerwährenden Ausgabe­steigerung, wie sie die Politik seit 1900 bedingt, sondern sie findet auch zugeknöpfte Taschen. Wollte er die Branntwein-Liebesgaben abschaffen oder einschränken oder an eine Re­form der Maischraumsteuerrückvergütung denken, bei der sich durch die technische Entwickelung der Brennerei Mißstände herausgebildet haben, so würde er auf den hartnäckigen Widerstand des preußischen Ministeriums stoßen. Neue Lnxus- steuern würden im Reichstage zwar eine Mehr­heit finden, aber nur einen geringen Ertrag bringen. Die stärkere Belastung der Ver­brauchs- und Genußmittel der breiten Volksmassen ist versperrt. Mit Ausnahme der Konservativen, Freikonservativen und eines Teils der Nationalliberalen haben sich die Parteien vor den Wahlen gegen eine noch weitergehende Belastung dieser Steuerobjekte ausgesprochen, daß sie eine solche jetzt nur ablehnen können. Diese Ablehnung ist gegenüber dem beliebten System, die Kapitalkräftigen zu schonen und die Leistungsunfähigen über Gebühr zu belasten, durchaus am Platz. Die Steuern, welche mehr den Kapitalkräftigen treffen, die Stempelabgabe und die Schaumweinsteuer, bringen zusammen 91 Millionen Mark auf, dagegen die Ver­brauchsabgaben auf Branntwein, Bier, Salz und Zucker rund 337 Millionen Mark, die Zölle auf Tabak, Petroleum, Kaffee, Brot­getreide rund 304 Millionen Mark. Die beiden letztgenannten Kategorien stehen also jenen 91 Millionen Mark mit 641 Millionen Mark gegenüber; sie bilden den eigentlichen Kern der Reichseinnahmen und belasten den Kopf der Bevölkerung mit 10.70 Mark jährlich im Durch­schnitt. Alan könnte einwenden, der Arme werde

deren Schwiegertochter Margarete die Amme des kleinen Mädchens geworden.

George Layard bereiste den Kontinent und suchte Zerstreuung, ohne Vergessen zu finden, er wurde immer finsterer und menschenscheuer und schloß sich an niemand näher an. Die Beziehun­gen zwischen ihm und der Stiefschwester und deren Gatten hatten sich nicht besonders verbessert, wenn auch von Zeit zu Zeit Briefe gewechselt wurden. Die nochmalige Bitte um eine namhafte Geld- Unterstützung hatte George entschieden abgelehnt.

Mit Willy Moorland, der ihr Jugendgespiele gewesen, stand Katharine Forstenberg in stetem geheimen Briefwechsel. Sie hatte schon als junges Mädchen, im Hause der Mutter, großen Einfluß auf den Sohn geübt und Willy — oder Wilhelm war später in den Dienst Georges getreten, nur um — wie manche wissen wollten — der angebete­ten jungen Herrin näher zu fein.

Erst nach Jahren, und zwar nach dem Tode der alten Moorland, beschloß Layard sein Töchterchen zu sich kommen zu lassen. Er hielt sich damals in Italien auf. Das fünfjährige kleine Mädchen fürchtete sich anfangs vor dem ernsten, alten Manu, der es so prüfend betrachtete, um dann in heftiges Schluchzen auszubrechen und es stürmisch an sich zu pressen.

Von da ab begann das seltsame Zusammen­leben zwischen Vater und Tochter, infolgedessen Maud zu dem scheuen, eigentümlich verschlossenen Mädchen geworden war. Auf die zärtlichsten Liebkosungen folgte ein rauhes, rücksichtsloses Zu- rückstoßen der kindlichen Liebkosungen. Das eine Mal überschüttete Layard die Tochter mit den reichsten Gaben, befriedigte jeden ihrer Wünsche, selbst wenn es die unvernünftigsten waren, dann wieder mochte er sie nicht sehen, nannte sie die Mörderin ihrer Mutter und gab sich den Aus­brüchen der schwärzesten Melancholie hin.

Margarete Moorland, die Amme und Wärte­rin des verwaisten Kindes, das sie so zärtlich liebte, als sei es ihr eigenes, früh verlorenes Töchterchen, tröstete dann Maud pach Kräften, doch vermochte

durch diese Verbrauchssteuern weniger be­lastet, als der Reiche, weil fein" Kon­sum geringer sei; das Gegenteil aber ist der Fall, weil die Bedürfnisse der ärmeren Bevölkerung vorzugsweise belastet sind, die entsprechenden Bedürsniffe der Reichen wenig oder gar nicht. So ist z. B. der Branntwein, das Genußmittel der ärmsten Bevölkerung, mit durchschnittlich 80 Pfg. per Liter reinen Alkohols (300 % des eigentlichen Wertes ohne Steuer) be­lastet, das Bier, das Hauptgetränk des Mittel­standes, mit 1 Pfg. per Liter oder 5% vom Werte, und Wein, das Getränk der Reichen, ist, abgesehen von der Schaumweinsteuer, völlig steuerfrei.

Beleuchtung mittels Elektrizität ober Gas ist steuerfrei. Petroleum, das Licht der Armen, bezahlt dagegen einen Zoll von 6 Pfg. pro Kilo brutto, etwa 7 Pfg. pro Liter oder fast 75% des Wertes ohne Zoll. Die Zollbelastung für Petroleum betrug für das Jahr 1904 nicht weniger als 7 6,554,0 00 Mk., die fast ausschließlich vom Arbeiter, Bauer und Mittelstand getragen wurden.

Die Salz st euer belastet den kleinen Mann mit dürftiger Ernährung gleichfalls höher als den reichen, d nn je geringer die Lebenshaltung, desto höher ist der Salzverbrauch.

Daß diese Behauptung kein Phantasiegebilde ist, sondern auf unwiderlegbaren Tatsachen be­ruht, geht aus den Haushaltungs-Büchern jeder Familie, sofern sie ordnungsmäßig geführt wer­den, hervor. Wir werden Näheres darüber in dem folgenden (Schluß-) Artikel sagen.

veutsches Reich.

Berlin, den 14. Oktober 1905.

§ Das Schreiben des Reichskanzlers an die Abordnung des Städtetags in Sachen der Fleischteuerung ist jetzt in der ,Nordv. Allg. Ztg/ publiziert worden. Obwohl Fürst Bülow die Herren an die Londesgesehgebung verweist, nimmt er sachlich keine schlank ablehnende Stel­lung ein, indem er ausführt, daß er als preußi­scher Ministerpräsident die Ergebnisse der gegen­wärtigen Untersuchung, die ihrem Abschluß nahe sei, für seine weiteren Entschließungen maßgebend sein lassen werde. Was speziell die Erweiterung der Einfuhr lebender Schweine anlangt, so ver­weist der Kanzler daraus, daß durch die neuen Handelsverträge das russische Kontingent erwei­tert und ein neues Kontingent für Oesterreich- Ungarn zugestanden worden fei. Anträge auf vorzeitiges Jnkrastsetzen dieser erweiterlen Kon­tingente feien bisher von keiner Landesregierung bei ihm oder dem Bundesrat gestellt worden.

** Mit dem Rücktritt des Ministers Möller dürste die Audienz im Zusammenhang stehen, welche der Chef des Zivilkabinets v. Lucanus am Freitag beim Kaiser hatte. Der Oberpräsident von Westpreußen Delbrück ist in Berlin ein­getroffen. Seine Reise hängt aber mit der Kon­ferenz bet Oberpräsidenten in Sachen des Schul­gesetzes zusammen, über die wir an anderer Stelle berichten. Daß Minister Möller sein Abschieds­gesuch bereits eingereicht hat, wird von der ,Kreuzzeitung" bestätigt. Nach ihr soll auch Justizminister Schönstedt fein Abschiedsgesuch erneuert haben und würde es diesmal ange-

sie den Schmerz des jungen Mädchens nicht zu lindern, denn Maud war ungemein zartfühlend und ihre Liebe zu dem Vater war echt und tief.

Uni die Erziehung der Tochter kümmerte sich Layard nur wenig, er meinte das [einige getan zu haben, wenn er dem Kinde allerlei Lehrer und Lehrerinnen hielt und es in Wissenschaften und schönen Künsten unterweisen ließ. Da konnte es nicht ausbleiben, daß eine große Konfusion in den kleinen Kopf kam. Rechtes Talent hatte Maud nur für die Musik. Sie fang mit ihrer etwas tiefen Stimme, die aber eine wundervolle Klang­fülle besaß, am liebsten einfache Volkslieder trau­rigen Inhalts oder Choräle. Ueberhaupt war Maud sehr religiös, ja kirchlich gesinnt und wahr­haft wohl und glücklich fühlte sie sich nur, wenn sie in der menschenleeren Kapelle, wo sie ihre An­dacht zu verrichten pflegte, ganz still in einen der hohen, geschnitzten Betstühle gedrückt sitzen und träumen konnte.

Wenn dann die Sonnenstrahlen durch die bun­ten Glasfenster, auf den geschmückten Altar fielen und hier die halb erloschenen Farben eines allen Heiligenbildes auffrischten, dort eine kunstvoll ge­meißelte Statue zu beleben mannen, dann kam der Zauber einer vergangenen Zeit, in die sich ihr roschietischer Sinn so gern versenkte, über sie und entfremdete sie mehr und mehr der Gegen­wart.

.Daheim in ihrem Stübchen las sie mit Vor­liebe historische Romane, Ritter- und Klosterge­schichten, und allmählich kam ihr der Wunsch, in klösterlicher Stille ein, der Welt und deren trüge­rischen Freuden abgewendetes Leben zu führen.

Das geschah zur Zeit, als Layard die Villa in Liegnitz kaufte und seine Uebersiedelung dahin bewerkstelligte.

In Bresllm wurde ein längerer Aufenthalt ge­macht und Maud besuchte häufig das Kloster der Ursulinerinnen, um sich von den kunstsinnigen Schwestern in der Anfertigung zierlicher Nadel­arbeit unterweisen zu lassen.

Da hatte sich ein freundschaftliches Verhältnis -zwischen Maud und einer jungen Pensionärin des

32. Jahrgang.

nommen werben. Uns ist nichts davon bekannt' baß ber Justizminister schon einmal ein Ab­schiedsgesuch eingereicht hat.

** Zum Schuldotationsgesetz. Nachdem am Freitag in der Presse gemeldet wurde, daß die Gutachten der Oberpräsidenten in der Schulunter­haltungsfrage bereits dem Kultusministerium zur Prüfung vorliegen, kann jetzt ein Berliner Blatt Mitteilen, daß sämtliche Oberpräsidenten der Monachte in Berlin versammelt sind, um mit den beteiligten Ressortministern, also in erster Reihe mit dem Minister des Innern und dem Kultusminister, über das Schulunterhaltungsgesetz zu beraten. Insbesondere handelt es sich dabei um die Frage, wer zum Träger der Schul- unterhaltungspflicht gemacht werden soll. Von dem Ergebnis dieser Beratungen wird es abhängen, ob der preußische Landtag noch in diesem Jahre einberufen werden kann oder ob das Gesetz ihm erst zu Anfang des nächsten Jahres unterbreitet werden wird. Nach dem ,Berliner Tageblatft galt die Konferenz einer Be­sprechung mit den zuständigen Zentralbehörden über die jüngsten Verkäufe deutscher Gutsbesitzer in den beiden Nnsiedlungspiovinzen an Polen.

Das Gesetz betr. die Bekämpfung über­tragbarer Krankheiten und die Verordnung über das Inkrafttreten desselben ist nunmehr amtlich veröffentlicht worden. Als Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes ist der 20. Ok­tober ds. Js. bestimmt. Durch das Gesetz wird die Anzeigepflicht, die das Reichsseuchen- gesetz auf Aussatz, Cholera, Fieckfieber, Gelb­fieber, Pest und Blattern beschränkte, für Preußen ausgedehnt auf Diphtherie, Genickstarre, Kind­bettfieber, Körnerkrankheit, Rückfallfieber, über­tragbare Ruhr, Scharlach, Unterleibstyphus, Milzbrand, Rotz, Tollwut, Fleisch-, Fisch-, Wurstvergiftung und Trichinose. Anzeigepflichtig ist auch jeder Todesfall an Schwindsucht. Die Schutzmaßregeln, die beim Auftreten dieser Krankheiten polizeilich angeordnet werden können, sind bezüglich ber Diphtheritis dahin eingeschränkt, daß die Ueberführung von Kindern in ein Krankenhaus gegen den Widerspruch der Eltern nicht augeorbnet werben bars, wenn nach Ansicht des behanbelnben Arztes eine ausreichende Ab­sonderung in der Wohnung sichergestellt ist. Die späte Veröffentlichung des von der Regierung bei der Beratung im Landtage als so dringlich behandelten Gesetzes ist wohl darauf zurückzu- führen, daß für die Ausführung ber vielfach rechst komplizierten Bestimmungen bes Gesetzes eingehenbe Ausführungsbestimmungen notwendig waren. In diesen muß besonders möglichst Klarheit darüber geschaffen werden, in welchen Fällen die Landespolizei einzuschreiten hat. Nur bei den Maßnahmen ber Landespolizei ist der Staat an den Kosten beteiligt. Wie der Kultus­minister seinerzeit mitteilte, sollen die Aus­führungsbestimmungen für die Beamten in Buch­form erscheinen.

Die Reichserbschaftssteuer ist nach einer Mitteilung der ,Berl. Polit. Nachrft in die Reichsfinanzreform ausgenommen, aber nur unter der Voraussetzung, daß die Reichsfinanzreform als ein einheitliches Ganzes betrachtet werde, von dem nicht beliebig ein Glied herausgebrochen werden kann. Nach der genannten Korrespon­denz haben die Verbündeten Regierungen nur unter dieser Voraussetzung die Bedenken gegen

Klosters, die gewillt war, einst den Schleier zu nehmen, angesponnen. Maria Wftlmersheim war eine Waise und hatte fast die gleichen Neigungen, wie die Um ein Jahr ältere Maud. So schwärm­ten die beiden jungen Mädchen zusammen und begeisterten sich für ihre Ideale, einen Freund- schaftsbnnd fürs Leben schließend.

Im Sommer des nächsten Jahres brachte Maria Wilmersheiin die Vakanz in Liegnitz, bei ihrer Freundin zu. Vier Wochen währte die Ferienzeit, und Maud erinnerte sich noch lange darnach der glücklichen Stunden, die sie damals gleichfalls in fast klösterlicher Stille mit der blei- djen, sanften Marie verlebt, mit der sie eine innige Seeiensympathie verband.

Im nächsten Jahre kam die Freundin wohl wieder, aber sie war noch stiller geworden und der böse Husten plagte sie zuweilen sehr, ihre trau­rigen Augen erzählten eine lange Leidensgeschichte von ererbter Krankheit, denn auch ihre Mutter war in noch jugendlichem Alter einer Brustkrank­heit erlegen.

Maud war noch zu jung und unerfahren, um die Gefahr zu ahnen, welche die schwesterliche Freundin bedrohte, und Margarete Moorland, die schärfer sah, wollte ihren Sichling nicht beun­ruhigen und betrüben. Mit Beginn der rauhen Jahreszeit verschlimmerte sich Maries Leiden, doch noch einmal siegte die Kraft der Jugend, sie er­stand vom Schmerzenslager und schien sich zu er­holen. Doch war es nur ein letztes Aufflackern der erlöschenden Lebensflamme gewesen, der rauhe Märzwind brach die zarte Blüte. Maud erhielt von Schwester Klariffa, die Marie in ihrer Krank­heit pflegte, die Nachricht, daß die Kranke sie noch einmal zu sehen begehre, und so war sie an jenem verhängnisvollen Märztage mit Layards Be­willigung und in Begleitung Margarete Moor­lands nach Bresläu gefahren.

Marie war in ihren Armen gestorben, sanft enffchlummert, ohne ein Wort mehr an die Freun­din richten zu können, so groß war ihre Schwäche gewesen.

(Fortsetzung folgt.)