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wochenbellage: „Illustrierte 5onntagzzettllng
JV3 236.
Fulda, Samstag, den 14. Oktober 1905.
j. 32. Jahrgang»
Als
Oberpräfident Delbrück.
Del-
-Lrscheint tSglich, mH Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Vierteljahr!. Bezugspreis ohne Bringerlohn und BeftevgeldiaKnldaund auswärts i M. 50 pfg.
Anzeigen: Vie ei, fpaltige petitzeile ode deren Raum 15 pfg Reklamen die petitzrit 25 pfg.; bei Wied« Holungen wird entfpk Rabatt gewährt.
Ueber die Reichssteuerreform
erhalten wir aus parlamentarischen Kreisen folgende Zuschrift:
kanntschaft des Herrn Layard gemacht, der ihr nächster Nachbar gewesen.
Wilrowski war ein leidenschaftlicher Schachspieler und in dem Deutsch-Amerikaner fand er einen seiner würdigen Gegner. Die gemeinsame Vorliebe für das Schachspiel hatte die beiden alten Herren einander näher gebracht. Bei einem. Besuche in Wilrowskis Wohnung sah Layard zufällig ein Aquarellbild; dasselbe stellte das Landhaus dar mit der Aussicht auf die Ruhestätte der Toten.
Auf Befragen erzählte nun Wilrowski seinem Gaste, daß er gesonnen sei, das Landhaus entweder zu vermieten oder zu verkaufen, und bald gab ein Wort das andere, und George Layard, den das Landhaus mit der Aussicht auf den Friedhof so wunderbar anheimelte, wie er sagte, rückte mit dem Vorschläge heraus, das Besitztum zu erwerben.
Bald wurden die beiden neuen Freunde, die zusammen die Fahrt nach Liegnitz unternommen, handelseinig, da Wilrowski in der Tat weit unter dem Wert verkaufte, ein Umstand, welcher dem Deutsch-Amerikaner das Geschäft noch viel annehmbarer erscheinen ließ, denn er war wirklich sehr genau, ja geizig zu nennen.
Frau Wilrowski, schlicht, einfach, häuslich, nur für den Gatten und Sohn lebend, hatte sich inzwischen Maud zu nähern gesucht, da die mutterlose Waise ihre Teilnahme erregte. Doch das seltsame Kind blieb scheu und verschlossen. Maud machte entschieden den Eindruck des Fremdartigen, obgleich sie das Deutsche geläufig sprach, wenn auch mit etwas starkem Accent. Lebensverhältnisse und Erziehung hatten das ihrige dazu beigetragen, dem Charakter des Mädchens eine eigenartige Richtung zu geben.
George Layard hatte in schon vorgerücktem Alter eine LiÄesheirat geschlossen, nachdem er stets erklärt, daß er sich nie vermählen werde.
Es war zu London, wohin er von Newyork übersiedelte, als er im D* Theater eine junge Schauspielerin sah, die sein Herz im Sturme eroberte.
Ellen war aber auch ein schönes imd talentool-
verantworllicher Schriftleiter: 3. Baum für die Anzeigen Z. parzeSer in Znlba.
in Tuchel, 1892 wurde er zum Regierungsrat ernannt. 1896 zum Oberbürgermeister in Danzig erwählt, hatte er in dieser Stellung vielfach Gelegenheit, mit dem Deutschen Kaiser in Berührung zu kommen. Seit 1902 ist Delbrück Oberpräsident von Westpreußen.)
* Das Staatsministerium soll nach einer Berliner Meldung bald nach der Rückkehr des Fürsten Bülow nach Berlin, die für Samstag
Deutscher Reich.
Berlin, den 13. Oktober 1905.
Nachfolger Möllers gilt Oberpräsident Dr. brück in Danzig, dessen Ernennung nach'dem .Berliner Lokal-Anzeiger" schon in den nässten Tagen erfolgen soll. Dr. Delbrück steht politisch etwa auf dem Boden der freikonservativen Partei. (Klemens Delbrück wurde am 19. Januar 1856 in Halle a. S. geboren. Er studierte in Heidelberg, Greifswald und Berlin. 1882 kam er als Regierungs-Assessor nach Marienwerder. Sieben Jahre war Delbrück Landrat
Flottengesetzes im Jahre 1900 eine gesetzliche Form in der Bestimmung, daß Fehlbeträge „nicht durch Erhöhung oder Vermehrung der indiretten, den Massenverbrauch belastenden Reichsabgaben aufgebracht werden dürsten".
Damals wurde auch bereits von freisinniger Seite der Vorschlag einer Reichsverwöge ns- und vom Zentrum einer Re i ch s- e r b s ch a f t s st e u e r gemacht. Mst Rücksicht auf die Schwierigkeit der Materie begnügte man sich mit der bloßen Anregung, zumal da die beschlossene Erhöhung der Stempelsteuern in Verbindung mit der Schaumweinsteuer genügten, um die vorläufigen Mehrkosten des neuen Flottengesetzes zu decken. Inzwischen haben sich die Verhältnisse erheblich geändert durch die im Jahre 1900 nach dem Abgänge Hohenlohes inaugurierte „W e 11- Politik" . Mit ihren großen Aufwendungen und mannigfachen Mißerfolgen haben sich nicht nur die laufenden Reichsabgaben bedeutend gesteigert, sondern auch die Reichs schulden sind tn noch nie dagewesener Weise in 7 Jahren um rund 1000 Millionen gewachsen, so daß die Zinsenlast des Reiches von 1900 bis 1905 um nicht weniger aIs 36 Millionen (von 77 auf 113 Millionen) gestiegen ist. In den voraufliegenden 5 Jahren war die Reichsschuld und Zinsenlast fast unverändert geblieben. Die Folge war, daß trotz der vergrößerten Schuldenwirtschaft auch die Einzel- staaten in Form ungedeckter Matrikularbeittäge in etwa zu den Reichsbedürfnissen herangezogen werden mußten. Obwohl diese Beiträge 1901 und 1902 nur die verhältnismäßig geringe Höhe von 15 bezw. 24 Millionen erreichten, gaben sie doch bereits im Jahre 1903 Veranlassung zur sog. „Finanzreformvorlag e", eines eigen- tümlichen Gesetzentwurfs, der die Bundesstaaten „in der Regel"von der Leistung der ungedeckten Matrikularbeiträg,e b efreien sollte, um so zur Deckung von Fehlbeträgen einen Zwang zur Bewilligung neuer Steuern durch den Reichstag herbeizuführen. Dieser Versuch scheiterte; das Gesetz, welches verabschiedet wurde, führte zwar den Namen der Regierungsvorlage und sieht ihm äußerlich ähnlich, hat aber einen ganzanderenJnhalt.
Infolge dieses Gesetzes und unter Berufung auf dasselbe wurden in den folgenden Jahren die sog. Zuschuß« ul ei he n (eine Anleihe, welche zur Entlastung der Bundesstaaten von Matri- kularbeiträgen ausnahmsweise im Jahrs vorher bewilligt worden war) abgelehnt und den Bundesstaaten die Deckung der vollen Fehlbeträge des ordentlichen Etats auferlegt.
Diese Fehlbeträge belaufen sich nach dem Voranschlag für 1904 auf rund 41 Millionen, für 1905 , auf 78 Millionen!
Das brachte Eifer in die Finanzverwaltung des Reichs und der Einzelstaaten und eine neue Finanzreform wurde in Aussicht genommen. Diesmal soll sie keine bloße Schablone fein, sondern einen realen Inhalt in Form neuer Steuern haben.
Seit 6 Monaten sind die Vorbereitungen zu dieser Vorlage schon im Gange, sie scheint jedoch außergewöhnlichen Schwierigkeiten schon im Vorbereitungsstadium zu begegnen.
Die Ansichten des P r e u ß i s ch e n F i n a n z- m i nist ers und des Rei chssch a tz sekr e- t ä r s gingen, wie aus ihren Erklärungen im verflossenen Frühjahr ersichtlich war, etwas auseinander. Der Reichsfchatzsekretär kennt seinen Reichstag und dessen Anschauungen über neue Steuern, während der preußische Finanzminister in einem anderen Jdcenkreise und Jnteressenkreise heimisch ist, sodaß ihm die s o z i a l e n Erwägungen des Reichstags etwas fremdartig Vorkommen dürsten. Schließlich wird aber Wohl eine
I.
( „Justitia regnorum fundamentum I“ — Wenn man diesen Wahlspruch Kaiser Franz II. auch in Steuerfragen gelten lassen wollte, müßte es ein leichtes sein, der jetzigen Finanzkalamität des Deutschen Reiches ein Ende zu machen. Man brauchte nur einmal die Leistungsfähigen in mäßigen Grenzen für die Reichsbedürfnisse heranzuziehen und sofort wäre alle finanzielle Not des Reiches verschwunden.
Anstatt eine solche Lösung zu suchen, hat man sich bisher immer in den maßgebenden Reichsämtern und Finanzministerien der Bundesstaaten in der Hauptsache nur bemüht, im alten Geleise der mehr oder minder als Kopfsteuern wirkenden Jinanzzölle und Verbrauchsabgaben eine-Erhöhung der Reichseinnahmen zu suchen. Immer wieder wird von diesen Stellen der Versuch gemacht, die steigenden Reichsausgaben für Heer, Flotte, Kolonien, Pensionen und Verzinsung der Reichsschuld auf die g r o ß e M a s s e des um sein t ä g- liches Brot arbeitenden Volkes in Form von Bier-, Branntwein- und Tabaksteu- ererhöhungen abzuwälzen, während man niemals einen Versuch macht, die großen Einkommen und Vermögen zu entsprechenden Leistungen für die Reichsbedürfnisse heranzuziehen.
Jene erstgenannten Versuche einer Besteuerung der Lebens- und Genußmittel der breiten Volks- massen sind allerdings seit dem Jahre 1890, seit- •l>em das Zentrum einen größeren Einfluß auf die Reichsgesetzgebung hat, erfolglos geblieben. Der im Jahre 1887 gewählte Kartellreichstag war der letzte, welcher eine solche Erhöhung der Verbrauchssteuern, und zwar um jährlich 120 Millionen Mark bewilligt hat.
Seit 15 Jahren konnten die Leiter des Reichsfinanzwesens von allen ihren Steuervorlagen nur eine Erhöhung der Börsen- und Lotterie stempel steuern durchsetzen. Eine weitere Erhöhung derselben Steuereinnahnce und die Einführung der Schaumweinsteuer entsprangen der Initiative des Reichstags. Dieselben Bundesratsbevollmächtigten, die noch irrt Jahre .1900 ironisch behaupteten, es würden ihnen unerwünschte Wohltaten aufgedrungen, (konnten schon zwei Jahre später ein Jammer- lief) über die Notlage der Reichsfinanzen an- stimmen.
Die Schaumweinsteuer, die Börsen- und Lotteriesteuer haben im Gegensatz zu den früher eingeführten Reichssteuern auf Bier, Tabak, Brannt- tvein, Salz und Zucker die gute Eigenschaft, daß sie in der Hauptsache die kapitalkräftigen Leute treffen. Die Steuererhöhungen von 1894, 1900 und 1902 find daher auch von weiten Volkskreisen als der Uebergang zu einer gerechtern Steuerreform mit Freuden begrüßt worden. Um im Steuerwesen einen Wandel zu schaffen, wurde auch die Vorlage betr. Erhöhung der Tabaksteuer (1894 und 95) ab gelehnt, desgleichen drang die Ouittungsfteuer, die den kleinen Handwerker und Kaufmann ganz besonders belastet haben würde, im Jahren 1894 nicht durch. Der immer mehr durchdringende Gedanke, daß die Lei- stungsunfähigen geschont und die Kapitalkräftige- wen bei den Steuererhöhungen hervorzuziehen feien, erhielt sogar bei der Verabschiedung des
Mkartet wird, zusammenberufen werden. Der ^fige Sitzungen pflegen stets nach einer längere» Abwesenheit des Ministerpräsidenten stattzufindeq wdaß man bei der bevorstehenden Staatsmini sterialsitzung nicht nach einer besonderen Vera» lasiung zu suchen braucht.
—* Dem verstorbenen vortragenden Ra' Adolf Wendelfiadt im preußischen Handelsmini sterium widmet der .Reichsanzeiger" einer tief empfundenen Nachruf. Nachdem der „h« vorragenden Tüchtigkeit" des Verstorbenen gedach. ist, deffen Tod einen Verlust für das Ministeriuu bedeute, heißt es weiter: „Doch nicht das allen ist es, was das gesamte Ministerium in tiefer Trauer an seiner Bahre eint. In Adolf Wen. d elstadt ist ein Mann heimgegangen, der durck die Lauterkeit und Anspruchslosigkeit seines Wesens durch die ihm eigene edle und vornehme Gesinnung, durch strengen Gerechtigkeitssinn und end lich durch warme Teilnahme für jedermann sM allseitige Liebe und Verehrung erworben Hal. Ein, Zierde des preußischen Beamtenstandes, ein Manr ohne Falsch und Fehl ist mit ihm dahingegangen ihm und seinem Wirken bleibt bei seinen Amts genossen und Freunden ein unauslöschliches An- denken gesichert."
—* Zur Reichsfinanzreform meldet eim Korrespondenz: „Die Reichsfinanzreform ist in Bundesratsausschuß für das Finanzwesen von 7. bis zum 10. d. Mts. beraten worden. In Ansange der Beratungen wurde gemelde!, daß zu dem im Reichsschatzamt ausgearbeitens Finanz- Projekten Abänderungsvorschläge von einigen Bundesregierungen eingegangen seien. Bei de. Schwierigkeit diese Materie zu regeln, schein, eine Unterbrechung in den Verhandlungen einge. treten zu sein. Die Pause dürfte dazu ausge- nützt werden, eine Verständigung herbeizusühren und neue Jnstruftionen einzuholen. Unter dies« Umständen wird sich die Einberufung des Reichstags verzögern." Der ,Nationalzeitung zufolge dürfte diese Meldung zutreffend fein.
.'. Zu der Schulunterhaltungsvorlage deren Einbringung für den Herbst wieder fraglich geworden war, teilt die .Deutsche Tagesztg.- mit, daß an den Stellen, die unmittelbar h betracht kämen, die Hoffnung auf eine Einbrin gung im Spätherbst noch nicht aufgegeben sei. Das würde allerdings bedingen, daß der Landtag erst Ende des nächsten Monats zusammen treten würde. Im Einklang hiermit steht eine Notiz der .Kreuzzeitung", nach welcher der Entwurf zurzeit im Kultusministerium nochmals auf gründ der Gutachten der Oberpräsidentcn dec Durchsicht unterliegt. Nach dieser Durchsicht werden die zunächst beteiligten Ressorts der Justiz, der Finanzen und des Innern sich mit dem Entwurf beschäftigen und dann die Staats- Minister über ihn beschließen. Es sei mit einiger Sicherhett anzunehmen, daß dem Landtag bei seinem Zusammentritt int nächsten Monat die Schulunterhaltungsvorlage vorliegen werde. Den Zusammentritt des Landtages setzt die .Kreuzzeitung" allerdings auf die Mitte des ^November an.
* Biel Lärm um nichts. Wir haben gestern darauf hingewiesen, daß sich in der liberalen Presse eine große Unzufriedenheit darüber geltend mache, daß Fürst Bülow das Telegramm des deutschen Städtetages, in welchem eine Audienz in Sachen der Fleischnot nachgesucht
Uebereinstimmung zwischen beiden erzielt werden, und das, was an den Reichstag kommt, wird eiof Vorlage der verbündeten Regierungen seim IBt die alle berufenen Regierungsvertreter einzutreten haben.
Im folgenden Artikel wollen, wir uns die Reichsfinanzen, sowohl die Ausgaben wie Einnahmen deS Reichs, die Quellen, aus welchen letztere stammen und die Art und Weise, wie sie die verschiedenen Volksklassen belasten, einmal näher ansehen, um beim Erscheinen der neuen Finanzreform beurteilen zu können, ob sie dem Wahlspruch: Justitia regnorum fundamentum entspricht.
les Mädchen, dessen Ruf noch niemand anzutasten gewagt hatte. Sie war eine Waise und lebte mit ihrem Bruder James Wilson zusammen, der die Schwester, für die er eine glänzende Zukunft träumte, wie einen Schatz hütete.
George bewarb sich nach inneren Kämpfen um die Hand der jungen Schauspielerin, nachdem es ihm gelungen war, sich im Wilson'schen Hause einführen zu lassen. Man hätte denken sollen, daß James Wilson den reichen Bewerber mit offenen Armen empfangen hätte, dem war aber nicht so. James erkannte bald, daß er von dem sparsamen, ja geizigen Schwager wenig zu erwarten habe, wogegen der leichtfertige und arbeitsscheue Mensch als Beschützer feiner talentvollen Schwester und als deren Geschäftsführer ein sorgenloses Dasein erhoffte.
Aber Ellen dachte anders, und wenn sie den viel älteren Mann auch nicht mit gleicher Neigung liebte, hatte die Glut und Tiefe der ihr entgegengebrachten Leidenschaft doch einen so mächtigen Eindruck auf ihr Herz gemacht, daß sie zum größten Mißvergnügen ihres Bruders unh trotz der von ihm angezettelten Jntriguen nach Jahresfrist hie Gattin George Layards und eine glückliche Frau wurde.
Doch nicht James allein hatte alles aufgeboten, die projektierte Heirat zu verhindern; auch die Schwester Layards, derzeit in Wien als Gattin des Kaufmanns Forstenberg lebend, machte ihren Einfluß geltend, um dem Bruder die Ehe mit der Schauspielerin auszureden.
Durch Wilhelm Moorland, den tiertrauten Diener des Bruders, insgeheim von allen wichti- gen Vorgängen unterrichtet, kam Katharina selbst nach London, angeblich um des Stiefbruders Hilfe für ihren Gatten, einen Börsenspekulanten, in Anspruch zu nehmen. Da sie sich nun auch in ziemlich aufdringlicher Weise in die Heiratsangelegenhett mischte, ja sogar soweit ging, mit James Wilson gemeinschaftliche Sache gegen das Brautpaar zu machen, kam es zu einem völligen Bruche zwischen dem Geschwisterpaare, und Katharina reiste, Groll
•j Der Rücktritt des Handelsministers Möller scheint jetzt festzustehen. Nach einer Korrespondenz ist ihm vom Herrn von Lucanus eine Einladung zu einem Besuche zugegangen, welcher Herr Möller mit der Wirkung entsprach, daß er dem Kaiser sein Pottefeuille zur Verfügung stellte. Als Grund seines Rückttttts wird von mehreren Berliner Blättern das Börsengesetz bezeichnet. Die Reichsinstanzen hätten auf Wiedereinbringung der Novelle verzichtet. Wir möchten dies doch noch bezweifeln, denn Herr Möller war in dieser Sache nicht die einzige Triebfeder, vielmehr waren auch maß- gebende Persönlichkeiten in den Reichsinstanzen aus eigeger Mtiative für die. Novelle.
Die Floüoko-Darne.
Roman von Ernst von Waldow.
7] (Nachdruck verboten.)
j X (Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
! Gewiß, Kathi, lagte Forstenberg, sich erhebend, und indem er den Arm um die Schultern der Gattin schlang, küßte er ihre Stirn.
s Bei allen kleinen Eigenheiten und ihrem Hange, mich unter dem Pantoffel zu hatten, dachte Ferdinand, ist die Kathi doch ein guteS Weib, eine opferfreudige.Gattin ubn Mutter und schließlich würde mich keine so lieb gehabt und so für Mich gesorgt haben, als sie. Die Erbschaft des Bruders, die doch ihr allein zufiele, tritt sie an mich gab, als wenn sich das nur so von selbst verstände, mit derselben Gleichgiltigkeit, wie sie mir vor 6 Wochen ihren Vrillantschmuck übergab, um das Depositirm den Wilknes zurückzahlen zu können. Nun, Kathr soll tijren Schmuck zurückerhallen und rch werde mit den Mündelgeldern etwas tiorfichti- ß operreren — wenn es nur schon soweit wäre, tft noch eine stürmische Zeit, die ich durchzu- Machen habe — die Reise weit, anstrengend, gerichtliche Formalitäten, Leichenschau, Begräbnis, die Gesellschaft der untröstlichen Waise statt des Wiener Nachfaschings — Mut Ferdinand, die Sonne rennt auch durch den rauhsten Tag.
■ .Damit zündete sich Forstenberg eine Virginia, seine Lieblingssorte, an und wendete seine volle Aufmerksamkeit den noch zu erledigenden Geschäften zu.
Zur bestimmten Stunde reiste er ab, nachdem er noch von Gusti, die allein im Wohnzimmer saß, herzlichen Abschied genommen.
' Mama ist doch sehr angegriffen durch den Trauerfall, hatte ihm die Tochter gesagt, sie hat sich schon zur Ruhe begeben und Leni sagte mir, daß sie emgeschlafen sei
Leni hatte im guten Glauben eine Lüge gesagt, denn Katharina, die sich mit fast übermenschlicher Kraftanstrengung fo lange auf den Füßen gehalten, war kaum, als sie ihr Lager aufgesucht, mit leisem Stöhnen in die Polster zurückgesunken.
Tiefe Ohnmacht hatte sie umfangen, aus der sie erst nach Stunden zu qualvollem Bewußtsein rewachte.
Der leichtlebige Ferdinand Forstenberg hatte die Mühen und Unbequemlichkeiten feiner Reise und das Peinliche und Anstrengende des Aufenthaltes im Trauerhaufe noch viel zu gering angeschlagen.
Die gerichtsärztliche Obduktion der Leiche hatte allerdings-schon stattgefunden und deren Beerdigung stand nichts mehr im Wege. Dieselbe fand bann auf dem Liegnitzer Stadtkirchhofe in würdiger Weise statt.
Obgleich der Deutsch-Amerikaner George Layard fast gar keinen Umgang in der Stadt gehabt, Wo er seit zwei Jahren in stiller Zurückgezogenheit gelebt, hatte der ttagische Fall doch das größte Aufsehen und die allgemeine Teilnahme erregt. Trotz aller Bemühungen der zuständigen Behörden und der hohen Belohnung, welche Forstenberg im Namen der Familie auf die Entdeckung und Ergreifung der Mörder gesetzt, war noch nicht die geringste Spur erforfdjt worden, die auch nur einen Anhaltspunkt, ein Verdachtsmoment ergeben hätte.
s Herr Layard, der von Hamburg nach Liegnitz gekommen, wo er von einem seiner Freunde, Herrn Wilrowski, das Landhaus, welches ihm sehr gefallen, gekauft hatte, galt in der Stadt für einen Sonderling, der sehr reich und obenso geizig sei. Die Familie Wilrowski hatte, nachdem Robert seinen Willen durchgesetzt und zur See gegangen war, Liegnitz verlassen, um in Hamburg vorläufig Aufenthalt zu nehmen.
Dort waren sie dem Sohne näher und aus Liebe zu ihrem Einzigen brachten die zärtlichen Eltern gern jedes Opfer. Einige Sommermonate hatten sie in Altona zugebracht und so die Be-
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