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Wdaer

Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Sc» tienbruderei in Suiba. Fernsprecher Nr. 9.

M 235.

Zweites Wtatt.

Die Wiffcnschltst mm der fionana.

„Werfen Sie jemandem vor, daß er von Politik nichts verstände, und er wird ruhig bleiben. Wagen Sie ihm aber zu sagen, er wüßte nicht, was eine gute Zigarre ist, und er wird Ihr unversöhnlicher Feind werden!" So leitet der bekannte Schriftsteller F. A. Mckenzie eine Plauderei über Havanazigarren ein. Und doch, wenn wir ehrlich sein wollen, wie wenige verstehen wirklich, die Güte einer echten Havana in all' ihren Feinheiten herauszuspüren!

Der Durchschnittsraucher hat nur zwei Merkmale. Er klopft das Kraut an der Hand auf, um zu hören, ob es knistert, und er zieht eine hellgefärbte Zigarre vor. Das sind nun aber keine unfehlbaren Erkennungsmittel. „Sie sollten sich lieber eine Harmonika kaufen, als eine Zigarre," sagte ein Zigarrenimporteur ärgerlich, als er sah, wie der Käufer durch Klopfen einen Ton aus dem „Glimmstengel" zu locken suchte. Das Kniestern ist nämlich nur ein Zeichen von Trockenheit uno sagt über die Qualität der Zigarre nichts aus. Ob aber Trockenheit das Aroma verfeinert, das ist noch eine vielum- ftrittene Frage. Die Kubaner selbst rauchen mit Vorliebe ganz frische, noch gar nicht abgelagerte Zigarren; auch in Amerika wird es immer mehr gebräuchlich, noch feuchte Zigarren zu rauchen. Selbst in England und Deutschland mehren sich die Anzeichen, die auf eine Revo­lution gegenüber der Verehrung der trockenen Zigarre schließen taffen.

Aus der helleren ouer dunkleren Färb ung des Deckblattes läßt sich erst recht kein Schluß auf die Güte ziehen. Eine mild und blaß aus­sehende Hülle kann eine sehr starke, beißende Füllung bergen. Ebensowenig wird jemand, der nicht eine langjährige Erfahrung besitzt, aus dem Duft der Zigarre in der Kiste ihre Vorzüglich­keit erkennen. Der einzige Weg, um eine echte Zigarre zu beurteilen, ist ihr Geschmack, den sie auf der Zunge hinterläßt, und der Duft ihres Rauches, den die Nase einzieht, und um die Nüancen und Feinheiten im Aroma der ver­schiedenen vorzüglichsten Havanaarten ganz zu verstehen, muß man viele dieser teuersten Exem­plare mit eingehendem Verständnis geraucht haben. Auch unter den Havanazigarren aber gibt e5 noch große Unterschiede. Nicht ganz Kuba liefert ein gleich vorzügliches und erst- Fi>Hiqeä #rant. Die besten und die wirklich eu,., n Havanazigarren gedeihen nur auf einem ziemlich kleinen Teil der Insel, in der Gegend von Vuelta Abajo. Die Zigarren müssen auch auf der Insel selbst fabriziert werden, um das feinste Aroma zu behalten. Darum ist die Stadt Havana, wo die meisten Fabriken sind, aanz angefüllt mit solchen in der ganzen Welt berühmten Faktoreien.

Was gibt nun gerade Kuba und besonders der Gegend von Vuelta Abajo jene beson­deren Vorzüge? Sicherlich nicht die Geschickli^- keit der Pflanzer. Denn man hat mit griff c Vorsicht und Sorgfalt auch in anderen Ländern Tabak angebaut, ohne ähnliche Erfolge zu erzielen.

Kl C. Spätes Muck.

Von Hela Bräutigam.

Nachdruck nicht gestattet-

Sie saß wieder auf ihrem altgewohnten Platz und Hans ihr gegenüber. In dem tiefschwarzen Kleid sah sie noch blasser und ernster auS als sonst. Nun schwiegen sie schon eine ganze Weile, und starr hing fein Blick an dem lebensgroßen Oel- bild an der gegenüberliegenden Wand. stellte ein junges Mädchen dar, kaum achtzehn Jahre, mit grotzen,tiefen Augen, schön und siegesgewiß. Nun war sie schon hrei Monate tot. Hans fuhr sich ein paarmal mit der Hand über die Augen.

„Heute ist Lillys Geburtstag, Du, und heute sollte unsere Verlobung öffentlich werden, Du weißt ja." Sie nickte nur vor sich hin.

„Ich muß auch den ganzen Tag daran denken, Nora", fuhr er fort, „das Leben ist doch hart."

Sre reichte ihm über den Tisch die Hand hin.

Q$er Gott will es so, wir haben sie za beide sehr, sehr lieb gehabt, und ihr ist nun toobl. Wieder schweigen sie eine Weile.

„Morgen gehe ich fort, erst drei Tage Heimctts- ^/Oub fur den großen Abschied und dann nach Afrika.

„Ja, ich weiß."

„Vielleicht, daß ich da ruhiger werde, da unten Nora, und vielleicht kommt dann auch der Tod." Sie schüttelte hastig den Kopf.

„Sprich nicht so, Hans, das ist Unrecht, das darfst Du nicht, und mir tust Du weh damit."

„Nun hätte ich noch eine Bitte, Nora, Du wirst mich morgen zur Bahn bringen, ja, willst Du? Tas ganze Regiment hat Besichtigung, und so allein fortgehen, gerade von hier, das kann ich nicht. Ich muß jemand haben, der mich mit lieben, guten Augen ansieht und weiß, tote es mir urn's Herz ist. Nicht, Nora, Du tust es doch?"

»Ja, Haus, gerne, wenn Du willst."

--— Nun war er fort. Ein kurzer, schwe­rer Avschied war's gewesen, bei bewölktem Him-

Fulda, Freitag, den 13. Oktober 1905.

Das Geheimnis scheint in einer besonders günstigen Verbindung eines besonders gearteten Bodens mit einem bestimmten Klima zu Liegen. Die große Hitze während einiger Jahreszeiten, eine Periode größter Feuchtigkeit und die Wirkungen des nahe vorüberfließenden Golf­stromes, sie legen dem kubanischen Farmer dies kostbare Geschenk in seine Ernten, das anderen Ländern der größte Fleiß und die sorgsamste Be­bauung nicht verschafft. Die primitiven Flug­scharen, mit denen die Kubaner den Boden auf« werfen, die einfachen Ochienkarren zum Einfahren der Ernte und die rohbedachten Trockenhütten, sie zeigen die Formen eines fast mittelalterlichen Betriebes; doch hat man jetzt eine sorgfältige Reform der Trocknung einzuführen gesucht. Nach­dem sie geschn'tten sind, hängen die grünen Blätter in den Trnckenhäusern, bis sie braun und trocken werden. Die Feuchtigkeit der Regenzeit macht sie dann wieder weich und geschmeidig, so daß sie in Bündeln und Ballen nach der Fabrik gebracht werden. Der Einkauf, die Mischung der Blätter und die Anfertigung find drei weitere wichtige Stadien im Entstehen einer Havanna­zigarre. Auch die Tabakernten wechseln in der Güte ihres Ertrages, und es ist die schwierige Aufgabe der Sachverständigen, die Blätter von verschiedenen Farmen und aus verschiedetien Jahren so mit einander zu mischen, daß die feinste und zartschmeckendste Zusammenstellung erreicht wird. Die Füllung keiner feinen Zigarre besteht aus nur einer Art von Tabak, sondern enthält die verschiedenartigsten Verbindungen vor­züglich zu einander passender Blätter. In den Fabriken arbeiten Schwarze und Weiße Schulter an Schulter, da die Vermischung der Rassen in Kuba bereits sehr fortgeschritten ist.

Die Zigarrenmacher setzen sich nur aus Männern zusammen, die sehr hohen Lohn er­halten. DieZigarrenfabrikation durch Maschinen ist in Kuba ganz unbekannt, und wenn man auf diese geschickten Finger blickt, die den Tabak so geschwind in die richtige Form rollen, so kann man sich unmöglich vorstellen, wie die Arbeit noch besser und feiner ausgeführt werden könnte. Durch lange Hebung erreichen die Arbeiter einen höchsten Grad von Geschicklichkeit • sie bilden eine fest zu­sammenhängende Vereinigung und haben ihre eigenen Gesetze und Gebräuche. In der Mitte der großen Fabrikräume sitzt gewöhnlich ein von ihnen besoldeter Vorleser, der während der ganzen Arbeitszeit zunächst die Zeitung und dann ein durch Abstimmung unter den Arbeitern ausge­wähltes Buch vorliest.

In Größe, Form und Farbe haben die Zi­garren eine große Verschiedenheit. Da gibt es ganz winzige Zigarren, die kaum 2l/» Zoll lang sind und Ungeheuer von mindestens lOZoll Länge und entsprechender Breite, die bei besonderen Ge- leaenheiten sich höchst gewichtig präsentieren. Die durchschnittliche Länge für eine gut geformte Zi­garre beträgt etwa 5 Zoll. Die Abstufungen in der Färbung gehen von Hell („Claro"> über etwas Dunkler („Colorado Claro") zu Mittel- farben und dann von Blaßdunkel („Colorado maduro") zu Tiefdunkel („Maduro"). Doch fft jetzt die hellere Färbung des Deckblattes bei weitem die beliebteste, und wenngleich auch eine Havanna mit hellerer Färbung eine fehr starke und scharfe Füllung haben kann, so wirkt doch das blasse

mel und grauer, müder Lust. Und sie hatte so stark fein wollen, er tat ihr ja so leid, der arme, arme Hans. Ob sie ihn wohl noch einmal wieder sah? Afrika war solch ein großer Kirchhof, und als sie daran dachte, waren ihr die Tränen ge­kommen, und da nahm er ihren Kopf in beide Hände und küßte sie auf die Stirn. Und nun war er fort. Eine ganze Weile noch hatte sie dem Zug nachgesehen. Nun war sie schon wieder ganz ruhig. Mechanisch schritt sie dem Ausgang zu. Vorne am Hauptportal traf sie mit Adda Wend zusammen, die sie anredete.

„Nun, auch auf der Bahn gewesen, Nora?"

Es klang so ein wenig gedehnt. Was ging es andere an, ob sie Hans v. Ramlow das Geleit gab. Es wußte ja niemand, wie sie zu einander standen, und es brauchte ja auch niemand hier zu wissen. Zumal Adda Wend nicht mit ihrem falschen Herzen, die gerade nicht.

Sie hatten denselben Weg. Nora war still, ruhig wie immer, Adda lebhaft voll Temperament.

„Weißt Du schon, daß ich nächste Woche nach Berlin fahre?"

„Nach Berlin, so, da freust Du Dich wohl!" „Und ob ich mich freue, erstens mal Berlin, Du kennst es ja, und dann all die netten Leute, die ich da treffe, tausend Bekannte. Sag mal Du, den Werner Norrendorf, den kann'ich wohl von Dir grüßen? Er verkehrt viel bei meiner Kousine; die sind noch entfernt verwandt, also ich sehe ihn sicher, darf ich?"

Sie warf ihr von der Seite einen boshaften Blick zu, aber Nora bemerkte es nicht.

„Nein Adda, bitte Herrn Norrendorf nicht von mir zu grüßen, es ist mir lieber so."

„Lieber so, haha, na denn nicht, aber er hätte sich gewiß gefreut." Nun blieben sie stehen.

„Adieu Adda, ich muß hier herunter, auf Wiedersehen also und viel Vergnügen in Berlin." Sie gaben sich die Hand.

„Adieu Nora."

Nach ein paar Schritten hielt Adda ein und sah der Andern nach.

„Also, so stehen die Aktien, erst der Norren-

Deckblatt auf das milde Aroma einer Zigarre ein. Man sucht daher möglichst helle Färbungen der Blätter in der Ernte zu erzielen und hat zu diesem Zwecke die Tabakfelder in manchen Farmen mit feinem Nesseltuch überdacht, um die Strahlen der Sonne zu mildern. Jedoch wird bestritten, daß durch dieses Mittel eine hellere Färbung er­reicht wird.________________________

vermischter.

* Die Steigerung des Bodeuwcrtes in London. Der Verkauf eines Stückchen Landes gegenüber St. James-Street und Piccadilly, für das, wie die englischen Blätter berichten, 680 Mark pro Quadratmeter gezahlt wurden, zeigt wieder einmal die riesige Steigerung des Bodenwertes in Lon­don. Allerdings haben New-Yorker Grundstücks­makler behauptet, daß in ihrer Stadt der Grund und Boden noch viel teuerer fei; im Juni wurden dort für ein Stück Land an der Ecke der Wall- Street und des Broadway 2360 Mark für den Ouadratfuß gezahlt; auch in Berlin gibt es, wie erst kürzlich berichtet wurde, ehtige enorm teuere Erden. Trotzdem kann man aber doch mit Recht behaupten, daß in keiner Stadt der Welt der Wert des Bodens so groß ist wie in London. In London hat man schon über 2360 Ml. für den Ouadratfuß gegeben, ober solche Verkaufe sind privatim abgeschlossen worden und das Publikum hat bann nur erfahren, daß ein „befriedigender Preis erzielt wurde". In London würde auch besonders in der Nähe der Bank der Wert des Bodens um 50 Prozent steigen, wenn man wie in New-Z)ork Wolkenkratzer bauen würde. Sach­verständige sind jedoch der Meinung, daß der Bodenwert Londons jetzt seine Grenze erreicht hat, da in jedem Jahre mehr Fabriken in die Provinz oder au die Grenze der Metropole ver­legt werden, und man sagt voraus, daß London in naher Zukunft nur noch eine Stadt der Bureaus" fein wird. Den Höchstpreis hat immer der Grund und Boden in London um die Bank von England herum erreicht, wo 65,000,000 Mk. für den Acre oder 1500 Mk. für den Ouadratfuß gezahlt wurden, obwohl es in jener Gegend feine ungewöhnlich hohen Gebäude gibt. Der hohe Bodenwert ist aber nicht allein auf beit Mittel­punkt ber City beschränkt. In Bonbstrcet kostet her Quabratfuß 700 Mk. oder über 30,000,000 Mk. pro Acre, in Charing-Croß hat er einen Wert bcn 16,000,000 bis 17,400,000 Mk. Welchen Wert bas Laub hat, zeigen am sichersten bie Mieten an; im Strand bezahlt ein Geschäft für Neise- utensilien jährlich 16,000 Mk., in Cheapfibe ein Schuhmacher für einen Parterreladen und Keller­geschoß 24,000 Mk. In den letzten dreißig Jahren ist der Mietswert des Landes um 200 und der Kapitalswert um 500 Millionen Mark gestiegen. Gegenwärtig beträgt der Gesamtbodeiiwert Lon­dons etwa 8360 Millionen, vor dreißig Jahren etwa 3360 Millionen Mark, was eine Steigerung um 150 Prozent bedeutet! In derselben Zeit sind die Steuern von 80 auf 200 Millionen iährlich gestiegen. Auffallenb bei dieser großen Steige- gerung des Bodenwertes ist, daß alle Teile ber Hauptstadt daran teilnehmen, auch die Gegenden, in denen man dies am wenigstens erwartete, haben aroße «steigernmen des Bodenwertes ge­habt. Wo öffentliche Parks eröffnet oder andere Verbesserungen eingeführt werden sollen, ist der Wert des Bodens gestiegen. Ein Grundstiick, das im Jahre 1865 für 165,000 Mark verkauft wurde, brachte fünf Jahre später 582,400 Mark, nachdem durch die Themse-Kais die Gegend au Wert ge- toonnen hatte. In beit Vorstädten Londons ist dorf, bann ber Ramlow, na warte, mein Täubchen, bie Suppe wird dir schön versalzen."

---Werner Norrenborf. So, ber war in Berlin. Nora bachte viel an ihn, jeden Tag. Er würde nun bald Assessor fein, nur ein paar Monate noch, und dann kam er zurück, sich ihr Jawort zu holen. So hatte er beim Abschied gesagt. Er ließ ihr Zeit, sich zu prüfen. Aber bann würde sie seine Brant sein und sehr glück­lich; denn sie liebte ihn ja.

---Nun sind bie Monate ber Angst bot» bei. In den nächsten Tagen mußte er kommen. Heute morgen hatte sie es in ber Zeitung gelesen, daß er Assessor geworden. Und gleich darunter in der Verlustliste stand Hans v. Ramlows Tob. Es tut ihr boch weh, er stand ihr so nah mit seinem guten, armen Herzen. Sie bewundert ihn. Ob Werner bald kommt? Sicher. Sie wird auf ihn todrten.

---Nun ist ein Jahr vergangen und er ist nicht gekommen. Nora ist noch ernster ge­worden. Seit acht Tagen weilt sie nun schon mit ihrer Mutter am Meeresstrande. Sie soll dort gesund werden, und doch weiß ja niemand, was ihr fehlt; sie kann es niemand sagen. Am liebsten liegt sie allein für sich in den Dünen und träumt in beit blauen Himmel hinein. So auch heute. Die Sonne brennt noch nicht hetß, und ber Sand ist noch ein wenig kühl vom Tau. In der Ferne tönt das Rauschen des Meeres. Sie hat bie Hände gefallen und schließt die Augen. Hier wird sie niemand stören. Und boch ist es ihr plötzlich, als käme jemanb, als knirsche der Sand und hastig springt sie auf, streicht sich bie Haare aus der Stirn unb ihr gegenüber steht — Werner Norrendorf. Kaum, daß sie ihren Augen traut, wie nur das dumme Herz klopft, so laut, es kamt wohl noch nicht glauben an all bas Gina. Es ist ihr, als müsse sie es hinausjubeln tu die weite Gotteswelt. Nun ist er da Und bann sehen sie einander in die Augen, und vor feinem falten, gleichgiltigen Blick zerschmilzt alles Glucks­gefühl in ihr. Nun gibt er ihr die Hand unb nennt sie wieder gnädiges Fräuletn und nun weiß sie, es ist anders geworden zwischen ihnen.

32. Jahrgang.

der Bodenwert in den letzten Jahren auch sehr gestiegen. In Wimbledon kostete vor 15 Jahren ein Acre Landes 12,000 Mark, jetzt 40,000 Mark; in Ilford ist in der halben Zeit der Wert eines Acres von 16,000 auf 24,000 Mark gestiegen. Ein Grundstück von 7V2 Acres, das 1897 nur 70,000 Mark kostete, wurde nach sieben Jahren für 192,000 Mark verkauft ober 25,600 Mark pro Acres.

* Zeitgemäß. Kürzlich — so schreibt eine Leserin ber „Tägl. Runbsch.", fuhr ich in einem Damenabteil britter Klasse von Berlin an bie See. Drei ältere und eine junge Dame, letzterer sah man den Blaustrumpf schon auf den ersten Blick an, waren meine Reisegefährtinnen. Nach etwa einstündiger Fahrt wurde gefrühstückt und dann — zog die junge Dame eine silberne Ziga­rettenschachtel hervor und steckte sich mit einem selbstverständlichen Gesichtsausdruck und mit über­legener Ruhe eine Zigarette an, lehnte sich behag­lich in ihre Ecke zurück und ließ zwischen ihre Lippen krause und kunstvolle Rauchwolken her- vorquellen. Trotzdem mir der Zigarettendampf ein Greuel ist, so belustigte mich die Raucherei boch, mehr aber eigentlich noch bie zornigen Ge­sichter der drei anderen Mitreisenden. Geraume Zeit sagten sie nichts — die Luft im Abteil war inzwischen schon ganz bläulich geworden — bann endlich sprang bie eine energisch auf unb verbat sich bas Rauchen. Erstens, so faete sie erregt weiter, schickt es sich für eine Dante nicht, zu rauchen, bas sollte sie den Männern über taffen, unb zweitens wäre bas Rauchen int Damenabteil verboten. „Wo steht benn bas geschrieben?" fragt lächelnd die Raucherin zurück: „Ich feite nicht, daß hier „Nichtraucher" oder „Rauchen verboten" aitgeschriebett steht." Mittlerweile fahren wir auf einer Zwischenstation ein. „Drei Minuten Aufenthalt" schreit ber Schaffner. „Herr Stationsvorsteher, bitte einen Augenblick", ruft mit hochrotem Gesicht die Dante. Dienstbeflissen eilt der Mann mit der roten Mütze an unser Ab­teil heran, wo ihm die dichten, süßlichen Dampf- Wolken entgegenschlagen. „Ach bitte, Herr Sta­tionsvorsteher, sorgen Sie doch dafür, daß bie Dame hier das Rauchen einstellt." Im ersten Augenblick ist der Beamte etwas bestürzt, dieses Anliegen war ihm in seiner langen Amtstätigkeit sicher noch nicht vorgekominen, bann toenbet er sich höflich an bie. junge Dame unb bittet sie, das Rauchen einzustellen Over das Damenabteil zu verlassen und in einem Raucherwagen Platz zu nehmen; denn im Damenabteil sei das Rauchen verboten. „Gut", antwortete schlagfertig die noch immer rauchende Dame, „trotzdem hier nicht an­geschrieben steht, daß das Rauchen verboten ist, so will ich doch aussteigen, wenn Sie mir ein Damen­abteil für Raucherinnen zur Verfügung stellen; denn ins Herrenabteil steige ich nicht ein, ich will Damenabteil weiterfahren." Darauf wußte der Stationsvorsteher nichts zu erwidern; inzwischen wurde er auch abgerufen. Die Dame blieb im Coupee, rauchte als Siegerin noch eine Zigarette, lehnte sich bann behaglich in ihre Ecke zurück und knipste vergnügt mit ihrer silbernen Zigaretten­schachtel, toäbrenb wir anderen noch eine Zeitlang gegen den Zigarettenqualm unsere Taschentücher in Bewegung setzten.

* Rmer Ausdruck. Onkel: „Mein Neffe bezahlt wohl recht unpünktlich?" — Hauswirtin: „Leider, er ist immer der Postnumeraudefte V

* Verschiedene Ziele. A o, die eine Ihrer Töchter besucht das Gymnasium und die andere die Kochschnle?" — „Ja, die eine erstrebt die Reife für die Universität, die andere fürs Standes­amt!"

Sie weiß selbst nicht wie. Nun gehen sie zu­sammen die Dünen entlang ohne ein Wort. Er sieht sie immer von der Seite an und merkt auch, daß sie so blaß imd traurig geworden ist, und da fühlt er, daß er ihr etwas Liebes sagen muß. „Fräulein Nora", beginnt er ganz leise, „es hat mir sehr leid getan, damals, ber Tod hat eine große Lücke gerissen in Ihre Familie, erst die Schwester, unb bann nahm er Ihnen noch das Liebste auf der Welt. Ihren Verlobten, ja, ja, dieser unselige Krieg."

Sie sielst ihn mit tecitgeöffncten Augen an. Wie schön sie ist, er weiß nur zu gut, wie sehr er sie noch liebt.

„Nora, ich habe Ihnen verziehen und mache Ihnen auch keine Vorwürfe. Sie haben mich ja sehr unglücklich gemacht, aber als ich da Herrn von Ramlows Tod erfuhr da hatte ich doch Mit­leid mit Ihnen, ec-ehen ^ie Nora, das Glück war uns beiden nicht hold, aber wir wollen nun auch so zufrieden sein."

Sie begreift kaum, was er sagt.

„Aber Herr Norrendorf, ich weiß gar nicht, ich, ich war ja nie verlobt, nie."

„Wie?" Er starrt sie groß an.

„Nora, so hätte also Adda Wend nicht die Wahrheit gesprochen, die mir all das Furchtbare erzählt hat, damals in Berlin, auch Ihren Ab- schieb von Herrn von Ramlow auf dem Bahnhof?"

^,Nun, das letztere ist wahr, und auch das werden Sie begreifen, wenn Sie alles wissen; beim Hans war der Bräutigam meiner toten Schwester."

Ta sinkt er vor ihr auf die Knie.

„O, Nora, wie konnte ich an Dir zweifeln. Kannst Du mir das verzeihen? Kannst Du mir noch vertrauen, mich noch ein wenig lieb haben? O, mach mich glücklich, sprich nur ein Wort zu mir-, daß Du mein fein willst."

Da verklärt ein seliges Lächeln ihr Gesicht.

„Aus Dich habe ich gewartet, Werner, unb nut Dich habe ich lieb. Nun bist Du da."

Und mit einem Jubelschrei schließt er sein Glück in bie Arme.