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trftehtf tägltd), mit Ausnahme der Sone« und Feiertage. Viertel­jahr!. vezugrpreis ohne vringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aursärtr l Bit so psg-

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wochenbellage: „Illustrierte 5onntag5zeitung"

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Sotattourdruck u. Verlag der Fuldaer Ac- tiendruäerei in Fulda.

Fernsprecher Nr. 9.

JV3 234.

Fulda, Donnerstag, den 12. Oktober 1905.

32. Jahrgang.

Krffes Wl'crtt.

** Neue Pläne gegen die Polen.

Unbekümmert um den Schaden, den sie dem Nechtsbewußtsein des Volkes zufügen, fahren di« hakatistischen Heißsporne fort, in der Presse für Pläne zu wirken, deren Durchführung nur mit der Beseitigung aller Rechts­grundlagen in Preußen und im Reiche zu ^ermöglichen wäre. Wir haben erst kürzlich erwähnt, welches Geschrei im hakatistischen Lager ob des Verkaufs eines städtischen Grundstücks in Posen an eine» Polen erhoben wurde, und daran die Ver- nmtung geknüpft, daß dieser Lärm lediglich die Einleitung zu einem weitausgreifenden Vorgehen bilden dürfte, dessen Endziel sei, den Polen grund­sätzlich das Recht des Grunderwerbs zu entziehen.

Diese Vermutung wird jetzt durch Aeußcrungen von Blättern bestätigt, die nicht nur mit beiden Füßen im Lager des Hakatismus stehen, sondern dort auch eine Art Führerrolle übernommen haben. Die „Nationalzeitung" hat damit den Anfang ge­macht. Sie appellierte zwar noch einmal behufs Unterdrückung der Verkäufe von deutschem Grund und Boden in den Ostmarken an Polen an das „patriotische Pflichtbewußtsein" der deutschen Grundbesitzer und wollte die „Verräter an der deutschen Sache" der „gesellschaftlichen Aechtung" überantwortet wisicn, aber am Schlüsse ihrer Brandrede kam sie doch mit der D r o h u n g heraus, daß andernfalls im Interesse des Stact*4= Wohler „unvermeidliche Maßregeln" Platzgreifen mußten. Was für Maßregeln gemeint find, hat dann die Münchener „Allgemeine Zei­tung" verraten, deren gegenwärtigen Leiter bis vor wenigen Jahren eine Leuchte im Kampfe gegen die Polen der Ostmark in Berlin waren, und jetzt in dem offiziösen Münchener Blatte diesen Kampf fortsetzen. Die Münchener „Allgemeine Zeitung" kündigte nämlich mit dürren Worten als ultimo ratio das gänzliche Verbot des Grund­erwerbs für die Polen an.

Sie hat damit das Amt übernommen, der Katze die Schelle anzuhängen, und man kann ihr im Grunde genommen dankbar dafür sein, daß sie über die hakatistischen Pläne, die man bisher noch in Dunkel zu hüllen bemüht war, volle Klarheit geschaffen hat. Wir haben längst die von dem Münchener nationalliberalen Blatte erhobene For­derung als eine unausbleibliche Folge der unge­rechten Polenpolitik bezeichnet, die sich im vorigen Jahre auf die schiefe Ebene der gewaltsamen Rechtsverkümmernug gegenüber einem Teile der Bevölkerung drängen ließ. Tas im vorigen Jahre geschaffene Ansiedelungsverbot legte Bresche in die bisher hochgehaltenen Rechtsanschauungell, und durch diese Bresche geht jetzt der Schwarm der Geister ein, denen die allgemeine Geltung der Staatsbürgerrechte längst feil geworden ist für eine Befriedigung ihres „übernationalen" Hasses gegen die Polen und — was bei diesen Geistern notwendig damit zusammenhängt — gegen den Katholizismus.

Einem Versuche, ein allgeineines Verbot des Grunderwerbs seitens der Polen vom Stand­punkte des geltenden Rechts zu ver­teidigen, sind wir zwar bis jetzt noch nicht begegnet, aber dieser Versuch wird nicht ausblei­ben. Man kann einigermaßen gespannt darauf sein, wie man dabei sich abfinden wird mit den Versicherungen, die im vorigen Jahre bei der Beratung der Novelle zum Ansiedlungsgesetze von den Freunden derselben und nicht zuletzt von der Ministerbank in den beiden Häusern des Landtags abgegeben wurden. Sozusagen mit Händen und Füßen wehrte sich der damalige Minister des

MeHiottoko-Harne.

Roman von Ernst von W a l d o w.

4] (Nachdruck verboten.)

(KorffetznnU ans dem zweiten Blatt.)

Ist ein Unglück geschehen? fragte besorgt die eigentümlich sonore, aber klangvolle Stimme der Insassin des Wagens.

Ullrich blickte überrascht in daS reizende, blaffe Gesichtchen, das große blaue Augen vergeistigten. Er zog unwillkürlich den Hut und mackte eine verneinende Bewegung mit dem Kopfe und wollte auch eben die Versicherung hinzufügen, daß ihm nichts geschehen sei, als das Gefährt sich in Be­wegung setzte. Der Kutscher hatte den günstigen Moment wahrgenommen, wo der junge Burfche den Zügel des Handpferdes losgelassen, gab seinen Gäulen die Peiffche zu kosten und diese setzten sich rn schnellen Trab.

Das liebliche Mädchen war den nachschauenden Blicken Ullrichs wie eine Erscheinung entschwun- den und nachdenklich setzte er seinen Weg fort, während er sich fragte: wo er denn dies junge Mädchen schon gesehen habe, oder mindestens eine Person, die demselben sprechend ähnlich gewesen.

Da zuckte er plötzlich jäh zusammen und seine Rechte fuhr nach der Brusttasche — dort, in dem Tuch eingeschlagen, steckte das gefundene Medail- Ion und die Dame in Rokoko-Kostüm war es, der das junge Mädchen so ähnlich gesehen. Dasselbe zarte Oval, dieselben großen blauen Augen mit dem traurigen Ausdruck, nur hatte lichtes Blond- haar sich über die Stirn gekraust, wo jene das Toupee mit der Rose trug. Eine seltsame Aehn» lichkcit in der Tat.

So langsam der „Bummelzug" seine Fahrt auch fortsctzte, so war Ullrich doch froh, daß jede verrinnende Viertelstunde ihn von dem Schauplatz seines traurigen Abenteuers mehr und mehr ent-

Innern, Freiherr von Hammerstein gegen die „U n t e r st e l l u n g", daß mit der Novelle den staatsbürgerlichen Rechten der Po- len Abbruch geschehe. Mehr als einmal wies er darauf hin, daß den Polen doch das Recht des Grunderwerbs unangetastet bleibe. Ge­rade diese Darlegungen brachten die auch auf kon- servativer Seite vorhandenen Bedenken gegen die Novelle zum Schweigen.

Ob man später, wenn es sich um die offene Aufhebung des Rechtes des Grunderwerbs für die Polen handelt, wohl die Behauptung aufrecht halten wird, daß es sich n i ch t um ein Ausnahme- gesetz gc i die Polen handele? Wir werden die hakatistff^en Pläne nicht ans den Augen ver­lieren; denn wir hegen noch immer die Hoffnung, daß das Uebermaß des Unrechts, das sich in ihnen offenbart als Folge der schon begangenen Fehler, alle diejenigen, die es mit einer Vernichtung der Rechtsgrundlagen nicht so leicht nehmen, wie die „Rat. Ztg.", die Münchener „Allgem. Ztg." und ihre Hintermänner, geneigter machen wird für eine Revision der verfahrenen Polenpolitik und für eine Rückkehr zu den gesunden Grundsätzen eines „ehrlichen Wettbewerbes der Nationen, den unser Kaiser wiederholt als das Ideal aller Politik bezeichnet hat.

Deutscher Reich.

Berlin, den 11. Oktober 1905.

* Die Meldungen, wonach im preußischen Ministerium an einer Neueinteilung der Land­tagswahlkreise gearbeitet wird, finden jetzt ihre Bestätigung. Doch ist, wie die ,National- zeitung' erfährt, eine Ausgleichung der großen Unterschiede in der Bevölkernngsziffer, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben, nicht beabsich­tigt. Es handelt sich vielmehr darum, die nach­gerade unhaltbaren Verhältnisse in einigen über­völkerten Wahlkreisen, namentlich in Charlotten- burg-Teltow, Bochum-Dortmund, Effen-Duisburg, Breslau und Berlin, soweit zu verbeffern, daß sie „gerade noch erträglich werden".

/: Da es wünschenswert erscheint, über die Wirksamkeit des Gesetzes betreffend die Kaufmannsgerichte vom 6. Juli 1904, in ähn­licher Weise, wie über die Wirksamkeit des Ge- werbegerichts-Gesetzes alljährlich auf statistischer Grundlage einen Ueberblick zu gewinnen, haben die zuständigen Minister in Preußen durch Er­laß vom 29. September angeordnet, daß dem Minister ftir Handel und Gewerbe bis zum 1. Februar jeden Jahres unter Benutzung eines vorgeschriebenen Formulars die nötigen Mit­teilungen über die Organisation und die Tätig­keit der Kauftnannsgerichte in dem letzten Ka­lenderjahre gemacht werden. Bei dieser Ge­legenheit ist das Formular für dir Uebersicht über die Wirksamkeit des GewerbegenchtsgesrtziÄ vom 29. September 1901 einer Nachprüfung unterzogen und etwas geändert worden

.-. Im Monat August ds. Js. sind auf deutschen Eisenbahnen — ausschließlich der bayerischen und der Bahnen mit weniger als 50 Kilometer Betriebslänge — 13 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 9 bei Personenzügen >, 13 Entgleisungen in Stationen (davon 6 bei Personenzügen), 4 Zusammenstöße auf freier Bahn (davon einer zwischen zwei Schnellzügeni, 12 Zusammenstöße in Stationen vorgekommen. Dabei wurden 10 Reisende und 6 Bahnbeamte getötet, 20 Reffende und 10 Bahnbeamte verletzt.

fernte. Er hatte sich in einem Coupee 3. Klasse niedergelassen, das nicht eben stark beseht war. Mehrere Landleute, die an einer Zwischenstation aussteigen wollten, sprachen über den Stand der Felder und die Getreidepreise, ein geistlicher Herr aus der Ecke drüben mischte sich in das Gespräch und zwei alte Frauen lauschten demselben jetzt mit andächtiger Miene. Von dem jungen Menschen, der in seinem Havelock gehüllt, zu schlafen schien, nahm niemand von der Reisegesellschaft Notiz, ein Umstand, der Ullrich sehr willkommen war, dem es wirklich Qual bereitet hätte, von den Mit­reisenden in eine Unterhaltung verwickelt zu werden.

Denn jetzt, wo er dazu verdammt war, ruhig dazusihen und die innere Unruhe nicht durch kör­perliche Anstrengung gleichsam zu paralysieren vermochte, beschäftigten sich seine Gedanken un­aufhörlich mit den Erlebnissen der letzten Stunden.

Ullrich hatte die unangenehme Entdeckung ge­macht, daß sein Spazierstock ihm abhanden ge­kommen fei, nur wußte er sich nicht zu erinnern, ob er den Stock auf der Veranda des Landhauses, vielleicht auf der Steinbank hatte liegen lassen, als er sich von dort aus ins Fenster geschwungen, oder ob er gar den Stock in dem Zimmer nieder­gelegt und vergessen. Letzteres erschien ihm noch wahrscheinlicher, denn er glaubte sich zu erinnern, daß er die Fetzen des brennenden Vorhanges mit seinem Stock herabgerissen, zur Gewißheit dar­über gelangte er aber nicht.

Immerhin war es beunruhigend und konnte sogar verhängnisvoll für ihn werden, wenn der Stock mit dem Hufeisen, der zudem ein kleines Monogramm trug, zusammengesetzt aus den An­fangsbuchstaben seines Namens „U. W." an dem Tatorte des Verbrechens gefunden wurde.

Und dann fragte er sich immer wieder: wer die Ermordeten sein mochten und wann die Tat entdeckt worden sei. Hatte die ihm be­freundete Familie Wilrowski das Landhaus ver­lassen und es an Fremde verkauft oder vermietet? Oder waren die Wilrowski nur anwesend, und

* Der Evangelische Bund hat auf feiner General-Versammlung in Hamburg eine Resolu­tion angenommen, die sich gegen den Tole­ranz-Antrag des Zentrums ausspricht. Der Bund ist der Fabrikant aller von Synoden rc. bisher schon angenommenen Resolutionen gegen den Toleranz-Antrag gewesen; da wird er selbst­verständlich doch sein eigenes Fabrikat nicht ver­leugnen. Die ^renzztg.' bemerkt es offenbar als auffällig, daß die meisten Verhandlungen der Bundes-Versammlungen unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden und selbst die Mitglieder - Versammlungen nicht öffentlich waren. Wir haben schon oft bemerkt, daß die Bündler allen Grund haben, das Licht zu scheuen; beim was da alles für Märchen er­zählt werden mögen, das kann man sich denken. Allem Anschein nach fielen in den öffentlichen Versammlungen die Schimpfereien gegen „Rom" nicht ganz so wüst aus wie früher, weil man sich hinter verschloffenen Türen gründlich ans- toben konnte. Die Streitigkeiten im Bunde sind auch nicht für die Oeffentlichkeit geeignet. „In den Reden der bisher abgehaltenen öffentlichen Versammlungen kamen, bemerkt das konservative Blatt wtiter, die bekannten Klagen über^ katho­lische Propaganda zum Ausdruck, doch enthielten sich die Redner, soweit aus den Berichten r» sicht­lich ist, jedes Angriffes auf die Gegner des Bun­des in der evangelischen Kirche." — Aber was mag hinter den Kulissen geschehen sein?

* In Preußen sind vom 10. bis 11. Oktober weder Erkrankungen noch Todesfälle an Cholera gemeldet worden. Dagegen wurde auf dem Rittergute Swlpe bei Oranienburg lKreis Nieder­barnim abermals ein Bazillenträger festgestellt. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 274, von denen 90 tödlich endeten

** Die Rückkehr General Trothas steht un­mittelbar bevor Gleichzeitig mit der Abreise des Gouverneurs v. Lindequist ist verschiedenen Berliner Blättern zujolge an den General von Trotha die Ordre erlassen, daß er nach Ankunft des Gouverneurs im Schutzgebiet die Geschäfte sofort an denselben übergibt. Danach regelt sich das militäri'che Oberkommando nach dem allge­meinen mikitärischen Gewohnheiten, es übernimmt also in Fällen gemeinschaftlichen Zusammen­wirkens der Truppen der Rangälteste den .Befehl, lieber die Einsetzung eines neuen ' Kom­mandeurs der Schutztruppe, die wiederholt angekündigt ist, ist bisher noch nichts beschlossen worden.

** Der von uns seinerzeit mitgeteiüe An­trag des Verw altungsrates der Siede- lungsgesettschaft für Deutsch - Südwestafrika, worin der Kclsr.ialverwattuug das Anerbieten gemacht wurde, die Besiedlung Südwestafrikas gegen Rückerstattung der von den Aktionären eingezahlten Gelder selbst zu übernehmen, wurde am Dienstag in der außerordentlichen Haupt­versammlung der Gesell ichast in folgender Form angenommen: „Wenn dieKolonialverwattüng bis zum 1. Mai 1906 einen direkten Antrag an die Siedelungsgesellschaft stellen sollte, so erklärt sich die Gesellschaft bereit, gegen Rückerstattung der bisher seitens der Aktionäre eingezahlten Gelder, zuzüglich der seit dem Einzahlungstermin verloren gegangenen Zinsen, ihr Vermögen mit allen Rechten unö Pflichten an die Kolonial. Verwaltung abzutreten. Dre Beamten der Ge-

cin neuer Bewohner, wahrscheinlich ein Verwand­ter, hatte das Parterrezimmer bezogen, nachdem Robert zur Marino gegangen? — Die Wilrowski stammten aus der Provinz Posen und hatten bei Polnisch-Lissa reiche Verwandte, Grundbesitzer — das wußte Ullrich aus den Erzählungen seines Freundes Robert.

Nun, alles Kopfzerbrechen nutzte nichts und brachte ihn keinen Schritt der Wahrheit näher, so gern er auch der Sache aus den Grund gekom­men wäre. Fragen, Erkundigungen einziehen durfte er ja nicht, das würde ja Verdacht erregt haben, so blieb ihm nichts übrig, als ruhig abzu­warten, bis der Zufall ihm des Rätsels Lösung bringen werde. «

Die Breslauer Zeitungen brachten sicher in den nächsten Tagen die Kunde von einem sen­sationellen Morde, begangen in der Nachbarstadt. Vielleicht konnte er sich in Wien eine Breslauer Zeitung verschaffen, oder die Notiz von dem ver­übten Verbrechen ging auch in die Spalten der Wiener Zeitungen über.

Von Wien aus konnte er auch, ohne aufzu­fallen, an Robert schreiben und dem Freunde eine Mitteilung über seine veränderten Lebensver­hältnisse machen, bann erfuhr er zweifellos alles.

Endlich fuhr der endlos lange Güterzug in den Niederschlesisch-Märkischen Bahnhof zu Bres­lau ein. Die Reisegesellschaft hatte mehrfach ge­wechselt, auf den kleinen Stationen waren Leute aus- und eingestiegen, ein jeder hatte mit sich zu tun, es war spät und alle diejenigen, welche in Geschäften die Fahrt unternommen, drängte es, Heimzukommen. Zum Vergnügen fuhr niemand zu so später Stunde mit einem Bummelzuge. Ullrich reckte und streckte die steifen Glieder und verfolgte dann den ziemlich weiten Weg vom Bahnhof, immer am Stadtgraben entlang gehend.

Breslau war ihm bekannt, er batte es oft mit seinem Vater besucht, doch unterließ er es, sich in die bekannte Bierstube in der Junkernstraße zu begeben, um nicht von dem Besitzer vielleicht *»•- ,

sellschaft sind entweder durch das Reich zu über­nehmen oder zu entschädigen.

* Darmstadt, 11. Ott. 1905. Der amtliche Teil der „Darmst. Ztg." meldet, daß der Großl,erzog denJustizministerDr. EmilDittmar auf sein Ansuchen mit Rücksicht auf seine ge­schwächte Gesundheit unter dankbarer Anerken­nung seiner langjährigen treuen und ausgezeich­neten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlasi das Großkreuz des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen hat. An seiner Stelle wurde Reichsgerichts­rat Ewald zum Jiistizminister ernannt. Der neue Justizminister Karl Ewald ist am 18. Juni 1852 als Sohn des Oekonomierates Ewald in Weimar geboren. Er wurde im Jahre 1882 Amtsrichter in Worms, 1884 Staatsanwalt, 1893 erster Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Rheinhessen. Im Juli 1896 wurde Ewald als Reichsgerichtsrat nach Leipzig berufen. Der neue Justizminister ist auf dem parlamentarischen Ge- 1 biet ein Neuling.

* Aus der Lausitz, 11. Ott. 1905. Wie der ,Kottbuser Anzeiger- mitteilt, sind in den von wendischen Kindern besuchten Schulen des Regierungsbezirks Frankfurt 100 Lehrerstellen unbesetzt, denn die Lehrer, welche gezwungen sind, nicht deutsch sprechende Kinder zu unter­richten, weigern sich, diese Stellen anzimebmen.

Ausland.

* Die politische Bedeutung des deutschen und englischen Flottenbesuthes in Kopenhagen kam vorgestern im dänischen Folkelbing Mit Sprache. Dabei wurde vom Ministertifche ver­sichert, daß die Beziehungen Dänemaiks zu allen Mächten, insbesondere zu Deutschland sich sehr günstig geftaliet hätten.

* In Prag kam es am Dienstag zu einet Massenkundgebung der Arbeiter gegen die beabiichligte Wahlordnung für den böhmt« schen Landtag und für Einführung des allge­meinen Wahlrechts. Die ganze Garnison Prags stand bereit und ein großes Militär- und i- aufgebot war zur Stelle, sand jedoch teiir laß zum Einschreiten.

* Zum österreichischen Katholikentage An­gesichts der Beteiligung der deutschen katbokffchen Patleien an den Kundgebungen wider eine tschechische Uniuerfilät in Brünn entstand unter der mährischen katholisch-tschechffchen Partei eine Bewegung, die auf Fernhaltung der Tschechen vom Katholikentage abzielt. Da natürlicher Weise der Katholikentag mit jener Frage nichts zu tun hat, wurde von den Kornmiffären der allgemeinen Katholikentage, Graf Sylva-Taroue >d

Bmon Bittinghoff-Schell folgern t»

teilung erlassen:

In letzter Zeit sind in den Organen katholischer Parteien Über einzelne kulturelle Fragen Meinungs- verschiedenheiten entstanden, in welche auch brr V. all­gemeine österreichische Katholikentag hmeingezogen wurde. Das vorbereitende Komitee sieht sich daher genötigt, auf seine früheren Publikationen hinzuweiten und neuerdings folgendes zu erklären: Der Katholiken­tag ausschließlich auf katholisch-patriotischer Grundlage stehend, bringt dementsprechend allen religiösen und kulturellen Bestrebungen der in Oesterreich vertretenen Nationen das gleiche Wohlwollen entgegen. Er üt nicht in der Lage, in irgend einer Weise auf die den politischen Parteien vorbehw ie Lösung der einzelnen Streitfragen einen Einfluß au.zuüden.

Hoffentlich wird dadurch die Verstimmung' der tschechischen Katholiken beseitigt.

kannt und angesprochen zu werden, sondern trat in eins der neuen Restaurants in der Schwei d- nitzer Vorstadt ein, um zu Nacht zu essen und sich durch die Lektüre von einem halben Dutzend Zei­tungen die Zeit zu vertreiben.

Ms einer der letzten Gäste verließ er das Lokal und schlenderte dem Zentral-Bahnhof zu.

In die Ecke eines Sophas im Wartesaal ge­drückt, zerstreute er sich an dem lebhaften Treiben der Ankommenden und Abreisenden und endlich schlossen sich doch die müden Augen und er schlief einige Stunden fest, bis die Reihe auch an ihn kam i. o das Signal zum Einstetgen in den nach Wien bestimmten Zug gegeben wurde.

Durchgefröstelt und schläfrig geworden, durch den Ausblick auf die reizlose Gegend nicht gerade angezogen, setzte Ullrich den unterbrochenen Schlaf auch noch im Coupö fort, das er mit einigen reisen- den Kaufleuten teilte. Diese Herren waren auch nicht gerade mitteilsam und erst in Oderberg, wo eine Stunde Halt gemacht wurde, forderte ihn einer der Musterreisenden auf, eine Zigarre mit ihm zu rauchen und das Mittagsmahl gemeinsam einzunehmen.

Hier, auf der Grenzstatton, wurde das Reise- gepäck revidiert nach Sttuerbarem, — der Bres­lauer Kaufmann reiste für ein großes Zigarren- geschäst und begann des langen und Breiten von seinen Erlebnissen und Erfahrungen bei der Steu­erbehörde zu erzählen. Ullrich hörte zerstreut zu, aß seine Suppe, trank ein Glas Ungarwcin und war recht froh, als er wieder in seinem Coupö saß ünd der Zug nun auf österreichischem Boden weiterrollte.

Um 5 Uhr kam man in Wien an. Ullrich begab sich zuerst in die Gepäck-Erpcdition des Nordbabn- hofes, um sich davon zu überzeugen, daß sein Ge­päck richtig angelangt h'sr, dann ging er in ein Kaffeehaus in der Piuterstraße und überlegte, ob er sich heitte bei seinem neuen Prinzipal "clhen ober sich ein Zimmer in irgend einev Hotel nehmen und ausschlafen solle.