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32. JahMnq

Fulda, Montag, den 9. Oktober 1905.

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Hotati«iisörudt u Verlag der FuldaerAe tiendruckerei inljulda Zernspr«!?« Nr. 9.

atijclgcft; Vie cfn fpaltige petttzcile odv deren Ranm 15 Pf- Kellam en die Petitzeil, 25 Psg.; bei wieder Holungen wird entspr Rabatt gewährt.

(Nachdruck verboten.)

(Schluss)

iirit welcher inan ihm früher in der leichten fri­volen Welt der Salons lvegen seiner körperlichen Mißgestalt begegnet war.

Michael bildete gewöhnlich den Vermittler, wenn es sich darrrm handelte, irgend einen Be- dürftigen zu unterstützen; wir brauchen indeß wohl kaum zu erwähnen, daß er selbst oft die SLranlassung war, toemt Adrian den Armen seine Börse öffnete, und daß auch ihm ein nidjt geringerer Dank zuteil wurde, als Herrn Demeric selbst. Es gereichte überhaupt Michael znm Höch- sten Genüsse, wenn er den Notleidenden Trost und Hilfe bringen konnte, und so freute er sich um so mehr, daß er sich setzt in der Lage befand, dies in wirksamer Weise tun zu können. Mt stiucksicht auf die Verwaltung der Güter seines Herrn hatte Michael den landwirtschaftlichen Fragen seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, so datz er sich allmählich durchaus ge­diegene Kenntnisse in dieser Hinsicht erwarb, mit welchen er auch den Dorfbewohnern zur Hand ging. Er machte die Landwirte ans eine bösere und vernünftigere Bearbeitung des Bodens, sowie auf mancherlei Verbesserungen und neuere Er- findrurgen aufmerksam und suchte den Wohlstand derselben auf jede Weise zu heben. Seine Be­mühungen blieben auch keineswegs ohne Erfolg.

Wie wir wissen, hatte Michael sich Julian Rivert, dem Vater Jenny's gegenüber verpflichtet, ihm eine bestimmte jährliche Rente zu zahlen, wofern er nicht weiter darauf bestehe, sein Kind zu sich zu nehmen. Indeß Michael brauchte diese Verpflichtung nicht zu erfüllen. Julian Rivert war infolge seines ausschweifenden und unstäten Lebens acht Monate nach seinem Besuche in Dieppe gestorben. Auch Jeanne Lernier hatte wenige Jahre nach ihrer Niederlassung in Ver- feuil das Zeitliche gesegnet.

Demeric ließ die kleine Jenny an dem Unter­richte teilnehmen, welchen Luise und Blanka er­hielten. Michael aber sorgte dafür, daß nicht etwa Bedürfnisse und Neigungen in ihnen die

es sowohl mein lebhafter Wunsch wie me«.,e Pflicht, mich hiefür dadurch dankbar zu erweisen, daß ich in Deiner Nähe verweile, wie Du es von Herzen wünscht."

Eine stille Träne schlich sich bei diesen Worten über die Wangen Michaels; er fand sich in diesem Augenblicke reichlich belohnt für die Opfer, Nn'lche er für seine Pflegetochter gebracht; kostbarer als die herrlichsten Schätze war rbm die kindliche Zu­neigung, welckte Jenny gegen ihn hegte.

Im folgenden Jahre bot sich für Jenny eine passende Verbindung, Welckw sie nicht zu einer Trennung von dem teuren Michael nötigte. Sie heiratete den Sohn eines ehrsamen Ackerers aus Verseuil, dessen einnehmendes Wesen und acht» baren, von Allen hochgeschätzten Charakter sie lieb­gewonnen hatte. Gar zu gern hätte die junge Frau gesehen, daß Michael zu ihnen in's Haus ge­zogen wäre; er lehnte es ab, da er gewiß war, Jenny alle Tage sehen zu können. Mehr verlangte er nicht, und in seiner Bescheidenheit wollte et nicht, daß die Gegenwart eines Dritten das Glück der beiden jungen Eheleute störe. Außerdem konnte er sich nicht von Demeric trennen. Michael war seinem Herrn nicht bloß ein umsichtiger Ver­walter, sondern auch zugleich ein vertranter, zu­verlässiger und ergebener Ratgeber.

Die Liebe Adrians zu Leonie Marville hatte sich allmählich in tiefsinnige, herzliche Freundschaft umgewandelt. Wenn er sich zu Valoi-y's hinüber begab, wenn er deren trautes Heim sah, das Liebe und Zärtlichkeit verschönerten, so schmeichelte er sich mit dem Gedanken, datz dies sein Werk sei, und weit entfernt, die geringste Regung des Neides zu empfinden, sah er das liebliche Schauspiel mit stiller Zufriedenheit und Freude. Er klagte nicht mehr den Himmel der "Ungerechtigkeit an; er dankte vielmehr der Vorsehung, datz er endlich den Weg gefunden, auf welchem er den Frieden des Herzens und die Hochachtung seiner Mitmenschen finden sollte.

Oberhand gewannen, welche über ihren Stand und ihre Herkunft hinausgingen. Sie war demnach das einfache, bescheidene Mädchen von früher ge­blieben, bescheiden in ihrer Kleidung und in ihrem ganzen Wesen, ihre Tage waren mit fteißiger, anhaltender Arbeft ausgefüllt. So war Jenny allmählich zur einfachen, sittsamen Jungfrau herangewachsen. Einige Monate vor der Ver­ehelichung Luisens und Blanko hafte ein junger Mann aus dem Dorfe um ihre Hand angehalten. Es war ein Beamter in der Staatsverwaltung, und seine Person mißfiel Jenny durchaus nicht; auch im -übrigen war es keine unpassende oder unvorteilhafte Parfie zu nennen. Jedoch nötigte ihn seine Stellung zu häufigem Wechsel seines Aufenthaltes.

Michael war ob dieser Werbung nicht wenig betrübt; denn er dachte, daß nunmehr Jenny für ihn verloren sei. Seine Befürchtung war jedoch grundlos; Jenny wollte sich nicht von demjenigen trennen, welcher auf sie aö‘ seine Hoffnungen gesetzt hatte. Sie gab als Grund ihrer Ablehmmg der Werbung an, datz sie noch nicht zu heiraten gedenke. Wiewohl Michael den eigentlichen Mund ihrer Absage durchschaute und sich hierüber freute, fo wollte er sie doch veranlassen, die Werbung nicht zurückzuweisen; allein sie beharrte bei ihrem Entschlüsse.

Während man die Vorbereitungen zur Hoch­zeit der beiden Nichten Herrn Demeric's traf, sagte Michael eines Tages zu dem jungen Mädchen:

„Hättest Du gewollt, Jenny, so hättest auch Tw das weiße Brautkleid tragen und Dir den Myrtenkranz auf's Haupt setzen können, —- sollte es Dir jetzt mcht etwa leid tun?"

„O nein, keineswegs," versetzte Jenny, „denn nüch von Dir trennen, würde ich als eine Hand­lung der Undankbarkeit ansehen. Ohne Dich wärt ich ja ein armes, verlassenes Wesen, und das här­teste Los wäre mein Erbteil gewesen. Deshalb ist

preußischen Justizministerium. Das beweist, daß die preußische Regierung grundsätz­liche Bedenken gegen ein Spezialgesetz nicht mehr erhebt, lieber den Inhalt und die Richtung des vom preußischen Justizministerium ausge­arbeiteten Gesetzentwurfs verlautet allerdings noch nichts näheres. Man darf indesien wohl mit Bestimmtheit annehmen, daß er die lang­jährige Erörterung der Angelegenheit gebührend berücksichtigt und eine Form erhalten hat, die der Zustimmung des Bundesrats und des Reichs­tages kein Hindernis in den Weg legt. Darnach ist die Erwartung berechtigt, daß es in der kommenden Srffion des Reichstags gelingt, eine Angelegenheit zu einer glücklichen Erledigung zu führen, die eigentlich schon allzulange darauf hat warten müssen.

* DK Tumulte in Brünn haben im mäh­rischen Landtage zu einer Absonderung der

Tschechen geführt. Ti?,SlcwischeKorrespondenz' meldet aus Brünn: Nach einer gemeinsamen Be. ratung haben die tschechischen Mitglieder der Permanenz-Kommission des mährischen Landtages beschlossen, aus dem Permanenz-Ausschüsse aus- zutreten, nachdem die Universitätsfiage,deren Er- ledigung dem Ausschüsse zugewiesen war, deutscher- seits auf den deutschen Bolksiag übertragen worden ist. Die tschechischen Mitglieder haben ihren Aus­tritt dem Obmcmne des Ausschusses bereis an­gezeigt.

* Der internationale Tuberkulose-Kongreß in Paris wurde nach einem Vorträge des Pro­fessors Behring aus Marburg über sein neues Heilmittel geschlossen. Der Präsident des Kon­gresses hat dem deutsche nKaiser telegraphisch den Dank der Versammlung für das Interesse ausgedrückt, das der Kaiser durch Entsendung amtlicher Vertreter Deutschlands für die Arbeiten des Kongresses bekundet habe — Der nächste Kongreß findet im Jabre 1908 in Amerika statt.

* Zur Lage in Nufilaud. Der Streik der Setzer in den Moskauer Druckereien hat einen ernsten Charakter angenommen. Am Samstag begannen ungefähr lOOo Setzer die Druckerei der Moskauer ,Wjedomosti" zu demo­lieren, auch zwei andere, von Kosaken nicht be­wachte Druckereien wurden angegriffen. Auf verschiedenen Hauptsftaßen kam es dann zu großen Ausschreitungen. In Privatwohnungen sowohl wie in Geschäftsräumen wurden zahl­reiche Scheiben durch Steinwürfe eingeschlagen. Kosaken-Abteilimgen versuchten, die Ordnung herzustellen, al,, plötzlich durst) einen Revolver­schuß aus dem Publikum ein Gendarmerie- Offizier getö tet wurde; ungefähr zu gleicher Zeit wurde ein Schutzmann durch einen Steinwurf getötet. Bei dem nun sich entwickelnden Zusammenstoß wurde» viele Personen ernstlich verwundet; erst am Abend gelang es, wieder Ruhe zu schaffen. Außer den Setzern befinden sich in Moskau auch die Arbeiter der Tabakfabriken und der elektrischen Bahnen im Ausstande; kerne Zeitung erscheint. Ein Generalstreik aller Fabrik- und Eisenbahn- arbeiter wird erroartet. Demonstranten gaben aus vorüberreitende Dragoner eine Revolver- salve ab und verwundeten zwei Dragoner. Um Mitternacht wurden an zwei Punkten die Demonstranten von den Truppen mit der blanken Waffe auseinaudergetrieben, wobei einige Personen verwundet wurden. Bei einem Ztlsmumenstoß von Ruhestör'ern mit Gsudarmeu wurde ein Rittmeister schwer verwundet. Die Bäcker find in den Ausstand getreten. Der üOTfeanbene Vorrat an Weißbrot reicht zwei Tage. — In Warschau wurden bei einem Slraßenkrawall 3 Personen getötet, und 12 verwundet.

* Armenisches Komplott in Krmffimtfioopel. Im «Cercle d' Orient in Konstantinopel ent­deckte die Polizei bei einer nochmaligen Unter» suchung zwei 40 Kilo schnüre Bomben. Die freigelaffene nrmenischeDlenerfchaft dieses vornehmen < ds, dessen Präsident der österrei- chis.h-ungarricye Botschafter ist und zu dessen Mitcflfibern das gesamte diplomatische Korps zählt, wurde infolge des Fundes wieder ver­haftet.

* Die vereinigten japanischen Handels- kanurrer» beschlossen, an die Regierung eine Denkschrift zu richten, worin zahlreiche auf die

Deutsches Reich.

Berlin, den 7. Oktober 1905.

§ Die Bund esratsausschüffe setzten am Sams­tag die Beratungen über die Reichsfinanzreform und das Steuerprogramm fort. An den Bera­tungen wohnten die Finanzminister sämtlicher Bundesstaaten bei. — Der Entwurf betreffend die Ausgabe von Reichsbanknoten im Wette von fünfzig und zwanzig Mark ist dem Bundes­rat wieder zugegangen. Durch eine vom Bundes­rat angenommene Vorlage wird der Reichsschatz­sekretär ermächtigt, neue Fünf Pfennig stücke, für die sich im Kleinverkehr ein vermehrtes Be­dürfnis herausgestellt hat, im Gesamtbeträge von zwei Millionen Mk. auszuprägen.

Die Lage in Derttsch-Ostafrika scheint doch ernster zu sein, als man bisher annahm. In der Hauptstadt der Kolonie, Dar-es-Salaam, werden nämlich Vorbereitrmgen zur Abwehr eines Angriffes der Aufständischen getroffen. Der ,Berliner Lokalcmzeigett veröffentlicht ein Telegramm feines Spezialberichterstatters, wonach das Pulvermagazin bei Dar-es-Salaam vor­sichtshalber mit einem Stacheldrahtzaun befestigt wird.

* Abgeordneter Erzberger bekennt sich nunmehr in der,Köln. Volksztg/ als Verfasser der bekannten Kolonialartikel. Er erklärt, daß er in materieller Hinsicht auch heule noch oaran festhalte, daß die Fortsetzung der Preß- erötterung unmöglich zur weitere» Klärung der Sache führen könne. Bei Vorlage aller dies­bezüglichen Schriftstücke im Reichstage werde vielmehr erst entschieden werden Immen, ob feint Angaben richtig oder unrichtig feie«. Er erklätt wetz-"-, doch er aus eigenem Antriebe zu seinem Vorige» in der Poesie geschritten fei, um dem Vorwürfe zu begegnen, datz die beteiligten Be- aniten nicht mehr in Diensten der Kvloiüal- abteikung ständen, wenn er die Sache im Reichstage behandle, dieselben sich dann also nicht mehr verteidigen köimten.

* AnsDhruttgAbestmvÄmrgen zum neuen Jagdgesetz, lieber die Jagdverpachnmg wird in den Ausfithrungsonweisungen der Minister der Landwirfichast und des Innern zum Gesetze über die B«rwaltn»g gemeinschaftlicher Jagdbe- zrrke folgendes bestimmt: Die Att der Verpach­tung (freihändig, öffentlrch, meistlnetend in einem vorher beschränkten Kreis von Bietern) ist zwar dem Ermeffen des Jagdvarstehers anheimqestellt, jedoch soll für sie das Jntereffe der Jagd­genossenschaft maßgebend sein. Im allge-

Lrscheint täglich, mit Aufnahme der Sonn- und Menage. Vierlel- MrI.Bt;ug;pre>« ohne vringerlohn ««o BeüellgeldinZuldaunv au^ZN-'M^Opsg.

Vtrannv östlicher SüttfOetter: 3. vaurn «it die Snjetgen

3 parzeAer in Fulda.

Demeric hafte in der Tat von jener Zeit an, als er sich in Verseuil dauernd niedergelassen hatte, nicht ausgehört, über seine beiden Nichten und seinen Neffe» mit der größten Sorgfalt zu wachen.. Mit Freude hatte er Wahrgciwinmen, wie sie sich geistig und körperlich in der schönsten Weise entfalteten. In gewisser Beziehung hafte er in den beiden Zwillingen- und ihrem Bruder eine zweite Jugend wiedergefunden, jene Leere war verschwunden, welche sonst sein Dasein so öde und troitlos gemacht batte.

Indessen füllte die Sorge für seine Nichten ur.b leinen Neffen nicht fein ganzes Denken aus.

^cibcit Seit top ßt ifcnen tue ©idle bei* fo früh verlorenen Eltern vertrat, erwies er auch den Dorfbewohnern zahlreiche Wohltaten. Seine lan­gen, kostspieligen Reisen, die sonst einen großen Teil seiner Einkünfte verschlangen, hatte er auf­gegeben und verwendete einen erheblichen Teil dieses Geldes zu Almosen. Wenn das Unglück eine Hütte heimsnchte, dann konnte man sicher darauf rechnen, bei Herrn Demeric Hilfe zu fin­den. Jedoch beschränkte er sich nicht darauf, bei Plötzlich eintretenden dringenden Deranlasiungen hilfreich beizuspringen, sondern gern half er auch rechtschaffenen Familien, welche sich in schwierigen Verhältnissen befanden; deshalb waren denn bald alle Dorfbewohner von der größten Hochachtung und Liebe zu ihm erfüllt. Herr Demeric hatte den Aufenthalt in Versetiil liebgewonnen; es gefiel ihm, mitten unter den einfachen Lcmd- lenten zu wohnen, deren Dankbarkett und Zu­neigung ihn reichlich entschädigte für die Kälte,

«,coei verstoßene.

Xrmr $3. 31 oliv et. Autorisierte UeberMung vor I. Rüttgers.

Zeitung

monafsbeitage: „gUlbOCt Seschichftblätter".

HiOaer M

wschenbeilage: „Illustrierte Sonntagzzeitung"

meinen wird dieses Interesse am besten durch die öffentlich meistbietende Verpachtung gewahrt werden, da diese am wirksamsten die Willkür des Jagdvorstehers ausschließt und bett höchsten Ertrag sichert. Jedoch erschöpft vor allem das letztere Moment nicht immer das Jn­tereffe der Jagdgenoffenschaft und der einzelnen Jagdgenoffen, da neben der Erzielung eines an­gemessenen Pachtzinses die Schonung der Feld- früchte und die pflegliche Ausübung der Jagd zur Erhaltung der Nachhaltigkeit der Jagdnutzung in betracht kommen und den Ausschlag für die freihändige Verpachtung oder die Verpachtung mit beschränkter Konkurrenz geben können. Ta die Jagdgenoffen sowohl gegen die Att der Ver­pachtung und die Pachtbedingungen, wie gegen den Pachtvertrag selbst Einspruch erheben dürfen, wird bas Verfahren in manchen Fällen längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Aufsichtsbehörde wirb deshalb barauf hitiMwirken haben, baß die Vorbereitungen zur Verpachtung so rechtzeitig betrieben werben, daß zwischen Ablauf des alten Pachtvertrags und Beginn des neuen Vertrags keine pachtfreie Zeit eintritt. Auch wird es zur Vereinfachung und Beschleunigung beitragen, wenn die Aufsichtsbehörde im Einvernehmen mit der Beschlußbehörde Normalpachtverträge entwirft, deren Inhalt den örtlichen Verbältniffen entspricht, und die bet Verpachtung zu gründe gelegt werden, soweit nicht die Verhältnisse des einzelnen Falles eine Abweichung gestatten. Die Jagdvorsteher werben sich rechtzeitig über bie Att bei' Verpachtung unb bie Pachtbebingungen schlüssig zu machen haben, er hat sodann in orts­üblicher Weise eine Bek<mntma«wnsi zu ertasten, aus der die von ihm beabsichtigte Att der Ver­pachtung unb Ort unb Zeit bei- Auslegung ber Pachtbebingungen zu ersehen sind. Wenn bie Jagdverpachtung öffentlich meistbietend erfolgen soll, kann bie ortsübliche Bekanntmachung des Termins der Verpachtung zugleich mit ber ersten öffentlichen Bekanntmachung der Art der Ver­pachtung verbunden werden. Falls dieser Termin wegen des etwa eingelefieren Emspruchsversahrens nicht ein gehalten w«den kann, würde eine neue öffentliche Bekanntmachung erforderlich sein. Die Bekauutmachung des Versteigerungsterwius in eiueA Blutt hat ve» Zweck, Bitter auf den Ter­min aufmerksam zu mach-?». Die Jagdaussichts­behörde wird daher ei» solches Blatt auszuwählen haben, welches größere -üerbmumg in den Kreisen qo» Jägern hat. ES ist nicht ettorderlich, daß in jedem einzelnen Falle das Blatt bestimmt wirb, sondern es gee&gt, n eu» für ben Kr«S ein für alle mal bis auf Weiteres ein Blatt bezeichnet wirb. Es ist der» Zagdvsrjchher unbenoaußet?, auch noch in anderen a!5 dem von ber Arrfsichts- behörde bestimmten Matte den Termin deksnnt zu machen.

An Cholera «krankte» in Preußen vom 6. 7. Oktober mittags 3 Personen, 1 Person starb an Cholera Bon de» Erkrankungen be­treffen eine ben Kreis Marienburg und zwei das Dorf Stolpe, Kreiß Mewettmtmm. Von den bisher gemeldeten Tadesiüüen an Cholera bat sich einer nicht als Zoleta herausgeftellt. Die Gesamtzahl der ErA«nkungen betrügt bis jetzt 264, die ber Todesfiille 89.

):( Sui Vauhandwerkersrage.

Der Bundesrat hat in seiner ersten Sitzung nach ber großen Sommerpause sich auch mit einem Gesetzentwurf betreffenb bie Sicherung ber Bauhanbwerkerf orberungenbeschaftigtimb denselben dem zuständigen Ausschüße überwiesen. In weilen Kreisen des deutschen Handwerks wird diese Nachricht lebhafte Genugtuung Hervorrufen, oenn es ist jetzt der entscheidende Schritt getan, um eine Angelegenheit, welche schon seit langer Zeit bas Handwerk unb bie Freunbe besselben beschäftigt hat, enblich zur Erlebigung zu bringen.

Schon vor fast einem Jahrzehnt schien bie Frage eines ausreichenden Schutzes ber Bauhand- werkrrforberungen so weit gediehen, baß man ihre enbglltige Lösung nach Wochen berechnen zu bürfen glaubte. Es war in der Zeit, ,vo ber Bausch windel im Reiche, und speziell in ber Reichshauptstadt, in üppigster Blüte stand, wo fast kein Tag verging, ohne baß ein „Krach" im Baugewerbe bie Geschäftskreise aufregte unb in ber Folge ben Verlust mehr ober weniger großer Summen für bie Bauhandwerker mit sich brachte. Damals würbe die Frage, wie dieser Kalamität adiutzelfen sei, in der Presse, in Versammlungen und tn ben Parlamenten auf bas lebhafteste er­örtert und an Vorschlägen bafür fehlte es nicht.

Die preußische Regierung, bezw. bas preu­ßische Justizministerium, sah sich eben­falls veranlaßt, ber Sache näher zu treten, unb er wurden mehrere Entwürfe zu Gesetzesvor­lagen ausgearbeitet, welche die Angelegenheit von vrrschittienen Gesichtspuntten aus behandeln. Daß preußische Abgeordnetenhaus hatte sich mit mehreren Initiativanträgen zu der Frage zu be» janer. mel*e eine ausgedehnte Debatte veran­laßten.

ll$iö wuive damals aus ber Sache nicht» Schließlich überwiegen wieder bie Be­ben ken. Dieselben fußten teils auf einer grundsätzlichen Abneigung gegen eine Bevorzugung eurer bestimmten Kategorie von tyetottimgett, teils gaben sie ber Befürchtung Ausdruck, baß bei einer Einengung des Bau­gewerbes durch allerlei Kcmtelen, namentlich durch bie Forderung hoher Kautionen seitens ber SSatnin reute ferner zur Sicherstellung der For­derungen der Tßm Handwerker, die letzteren selbst am lÄtifteii würden geschädigt werde«. Die Ent- iswtt deS InstiMinisteriums wurden ben Akten bf*idben emvetteibt und die preußische Re- gsecfcxg UMtedieg eS, einen Vorstoß zur rerchs- gejetzliche« Regelung der Angelegenheit zu machen.

Die BantzOndmerker haben bie Forderung über nicht fitLe« lasten, und ebensowenig, wie b« auägejterbert ist, sind auch die

9Ufe der Fr«lnde des Handwerks nach einer AbW-hraktwn auf diesem Gebiete »rrfiaeaatt. Nach uno nach haben sich auch die Rnfichr«, über die Frage geklätt, und der man- -orfirrfiche Standpunkt, welcher jedwedes Vor- g#tK» der Seietzgebmig in der gedachte« Richtung > rvstttätzlich ablttmt, wird hente wohl nur noch von sehr Bkmgen mehr vertreten. Man hat »ie NoIw e» feigfeit eines besonderen Schutzes ber Ban tzandwerkerso. derangen fast allgemein ontrUnxt, und der Reichstag dar die Forderung

Ertaß eines SpeMtgejetzes mehrfach i« «einigen gemacht.

Wie verlautet, stammt auch der jetzt dem BanbeSia!» oorfwfenbe Gesetzentwurf aus dem