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RotationrdruS u. Verlag dersjuldaer Ar« tiendrutterei in Zulda. zernsprecher Nr. 9.
M 230.
Krstes ^faft
§ Der Uaiser und die 5chul- gesetzftage.
Nachdem die demokratische ,Frankf. Zeitung' den Vortritt genommen hat in der Erörterung der Frage, welche Stellung der Kaiser zur Volksschulgesetz. Angelegenheit einnehme, scheint sich in der liberalen Presse diese Erörterung sortspinnen zu wollen. Ist dieser Umstand schon an und für sich von Bedeutung, da er die Angst des Liberalismus in der Schulfrage verrät, so muß das Bemühen der liberalen Presie die Hoffnung auf eine Wiederholung der Vorgänge vom Jahre 1892/93 neu zu beleben, als ein Zeichen dafür gelten, daß man auf dieser Seite gegebenen Falles wenigstens den Versuch machen wird, den früheren „Sturm" wieder aufbrausen zu lassen. Die Frankfurter Zeitung' hatte in einer Zuschrift „aus pädagogischen Kreisen" hinsichtlich der Stellung des Kaisers zur Schulpolitik etwas „flau" gemacht, das,Berliner Tageblatt' sieht sich deshalb veranlaßt, den gesunkenen Mut des Liberalismus wieder zu heben. Zwar weiß es auch nichts Bestimmtes auf die Frage zu erwidern: „Wo steht der Kaiser?", aber es erachtet doch die Behauptung, der Kaiser stehe dem Schulkompromiß sympathisch gegenüber, als „in keiner Weise bewiesen". Ja, das Blatt ist „auch heute noch der Meinung", daß der Kaiser gegenwärtig nicht anders denke, als er es gegenüber dem Zedlitz'schen Schulgesetzentwurf gezeigt habe. Es liege in keinem Falle ein Grund zur Flaumacherei vor; am allerwenigsten habe man aber Veranlaffung, dem Kaiser seine Stellung im reaktionären Lager anzuweisen.
Diesen Auslassungen begegnet die freikonservative Host' mit der Versicherung, die landesherrliche Zustimmung zu dem Plane, jetzt mit der gesetzlichen Regelung der Schulunterhal- tungSpflicht vorzugehen, sei erst dann zu erlangen gewesen, als durch das Schulkompromiß die volle Gewähr dafür gegeben war, es werde der Schulftreit von 1892 sich nicht wieder erneuern, vielmehr ein Zusammengehen derKonser- vativen, Freikonservativen und Nationalliberalen mit Sicherheit in Aussicht zu nehmen sein.
Wir können dieser ganzen Auseinandersetzung keinen Geschmack abgewinnen, müssen es vielmehr entschieden bedauern, daß der Versuch unternommen wird, die Perlon des Monarchen in den Schulstreit hineinzuziehen und seine Stellung nach dieser oder jenen Richtung hin gegenüber einer Frage von so tiefgehender Bedeutung, wie es die Schulfrage ist, in parteipolitischem Sinne zu verwerten. Wir würden auch von den Aeußerungen der verschiedenen Blätter keine Notiz genommen haben, wenn nicht in den Auslaffungen der ,Post' ein direkter Anlaß dazu vorläge. In diesen Auslassungen tfi die Andeutung enthalten, daß das Schulkompromiß die Basis für das Vorgehen der Regierung in der Schulfrage bilde; denn nur so ist es zu verstehen, wenn von einer „vollen Gewähr" desselben für die Nichterneurrung des früheren Streites die Rede ist.
3wei verstoßene.
Von V. Rottret. Autorisierte Uebersetzung von I. Rüttgers.
17] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung etil dem zweiten Blatt.)
Wenn Demeric ihr freudiges Getümmel sah, oder wenn sie sich in munterer Ausgelassenheit an ihn herandrängten, dann sagte er ost bei sich selbst:
„Ja, Michael hatte doch wirklich Recht; ich stehe nicht allein auf der Welt; ich will mich von jetzt ab damit beschäftigen, für die Zukunft meines Neffen und meiner Nichten zu sorgen, dies wird meinem Dasein einen edlen Zweck verleihen. Ihre Kindheit soll nicht liebe- und freudelos sein, wie meine Kinderjahre gewesen sind; wenn sie auch etwa später meine Wohllaten vergessen sollten, so wird es doch wenigstens für mich eine tröstende Erinnerung und ein trostvolles Bewußtsein bleiben."
Inzwischen hatte Herr Marville die notwendigen -schritte getan, um Marcel von feinem Drenste zu befreien, und dieser bestieg denn als- bald ein Fahrzeug, welches ihn wieder nach Frankreich zurückbringen sollte.
Die Trauung Marcels und Leonies wurde bald darauf ohne großen äußern Glanz gefeiert. Die beiden jungen Leute schritten froh und zuversichtlich zum Traualtar, wo sie einander das feierliche Jawort gaben, das sie für immer mit einander verband.
Trotz der inständigsten Bitten hatte es Herr Demeric nickst über sich gewinnen können, den Hochzeitsfeierlichkeiten beizuwohnen; er glaubte nicht den Mut zu besitzen, in solcher Nähe ein so großes Glück zu sehen, das ihm so schwere Opfer auferlegt hatte. Seinem Versprechen gemäß verschaffte er Valory die Gelder, mit beiten er der Teilnehmer eines blühenden Geschäftes werden konnte, welches in der Nähe von Derfenil in einer kleinen Stadt bestand. Mit leichter Mühe konnte
Fulda, Samstag, den 7. Oktober 1905.
Damit drängt sich von selbst die Frage auf, welchen Einfluß ein eventuelles Abrücken der Nationalliberalen von dem Kompromiß auf die Regierung bezw. auf die ganze Angelegenheit ausüben müßte. Daß in der nationalliberalen Partei die Stellungnahme der Fraktion zum Schulkompromiß vielfach den Gegenstand von scharfen Angriffen gebildet hat, ist bekannt. Nicht minder bekannt ist es, daß in nationalliberalen Parteiverscnnmlungen von Abgeordneten, welche an dem Zustandekommen des Schulkompromiffes in mehr oder weniger hervorragender Weise beteiligt waren, der Versuch gemacht worden ist, dem Kompromiß eine Deutung zu geben, die mit dem Wortlaut und dem Sinne des aufgestellten Kompromißantrages schlechterdings nicht mehr vereinbar ist.
In der nationalen Presse find diese Unterströmungen sehr lebhaft zum Ausdruck gelangt. Es ist nun zunächst die Frage, ob und wie weit diese Unterströmungen bei den Nationalliberalen die Oberhand gewinnen werden. Siegen dieselben, so muß man "sich darauf gefaßt machen, daß von nationalliberaler Seite Bestrebungen offen einsetzen, das Schulkompromiß zu modeln und zu verändern. Dann kann aber nicht mehr die Rede davon sein, daß das Kompromiß eine sichere Grundlage für die Behandlung der Schulfrage und eine Gewähr für die Hintanhaltung einer Wiederholung des Streites von 1892 bildet. Die Konservativen haben ihren festen Entschluß kundgegeben, über die Grenzen des Kompromiffes nicht hiirauszugehen; der Streit wäre also sicher. Die weitere Frage wäre, ob die Regierung gewillt ist, einem Drängen von nationalliberaler Seite nach links nachzugeben, um die nationalliberale Unterstützung nicht zu verlieren.
Nach alledem kann man mit Fug und Recht sagen, daß eine Verschiebung der Grundlage für die Schulfrage, wie sie in dem Schulkompromiß gegeben ist, KonsequenM nach sich ziehen müßte, die die bisherige Gruppierung der Parteien von Grund aus alterieren ivürden. Mit der Versicherung, daß ein Schulgesetz „nur mit Zustimmung der nationalliberalen Partei" werde geschaffen werden, ist demnach nichts anzufangen, selbst wenn man sich dafür auf Aenderungen des Kaisers beruft. Wir meinen, daß vernünftigen Politikern daraus auch die Erkenntnis kommen müßte, wie ungereimt es ist, in einer solchen Frage den Monarchen ge- wiffermaßen auf ein Parteiprogramm fest leg en zu wollen, zumal dieses Programm sich als recht schwankend erwiesen hat.
Deutscher Reich.
Berlin, den 6. Oktober 1905.
§ In der am Domierstag abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde von der Bildung der Ausschüffe für das Landheer und die Festungen und für das Seewesen Mitteilung gemacht; die übrigen Ausschüsse wurden durch Zuruf gewählt. Den zuständigen Aus- schliffen wurden überwiesen: die Vorlagen, betr. die allgemeine Rechnung über den Landeshaushalt von Elsaß-Lothringen für 1901, die Rechnungen der Kasse der Oberrechnungskammer und des Rechnungshofs für das Rechnungsjahr 1908,
sich Valory in diesem Geschäfte einen ziemlichen Wohlstand erwerben.
In eben derselben Weise, wie Herr Demeric bereits gegen Herrn Valory seinen Edelinnt gezeigt hatte, wollte er sich auch der Kinder des Herrn Marville annehmen und so dem letztem die für ihn so notwendige Rnbe verschaffen. Tie hochherzigen Anerbietungen Demeric's und der Anblick des Glückes seiner Tochter übten denn auch auf das Befinden Herrn Marville's einen sehr günstigen Einfluß aus. Die Besserung in seinem Befinden war mit jedem Tage immer deutlicher zu erkennen, und nach einiger Zeit sah er sich wieder völlig hergestellt. Mit neuem Eifer konnte er jetzt wiederum feie Obliegenheiten seiner früheren Stellung erfüllen — und bald waren süße Ruhe und schöner Frieden in der einfachen Behausung zu finden, aus welcher sie so lange Zeit und unter so traurigen Umständen waren verbannt gewesen.
Madame Telbourg hatte unter feem größten Erstaunen gesehen, welche Wendung die Tinge genommen, und insbesondere war ihr das Verfahren, welches Adrian eingeschlagen, geradezu unbegreiflich erschienen. Der letztere hatte sich nicht weiter bemüht, ihr feie Veranlassung zu seinem Handel!: darzulegen; fühlle er ja doch, daß sie dies nicht verstehen würde, und andererseits wollte er um keinen Preis irgend jemanden offenbaren, welch' unwürdige, gehässige Rolle er früher Marcel Valory gegenüber gespielt habe. Wenn es auch nicht in Dtzmeric's Macht stand, das Geschehene ungeschehen zu machen, so tonnte er doch jetzt wieder, ohne Getvissensbisse zu em» pfinden, an die Vergangenheit zurückdenken, jetzt, da er sich sagen konnte, daß er sein Unrecht gegen den jungen Gatten Leoniens gebührend gesühnt habe. Er fühlte sich stolz und glücklich in feem Bewußtsein, daß er den Mut gefunden, diese Sühne zu leisten, und er hatte wirklich jene süße, wohltuende Empfindung, von welcher ihm Michael so oft gesprochen batte, welche eine irdische Belohnung fees Guten ist.
Zwölf Jahre sind vergangen feit jenen Er-
die Verleihung von Korporationsrechten an die Zentralaftikanische Bergwerksgesellschaft, ferner den Entwurf betr. einer Maß- und Gewichts- ordnuug, ein Antrag Preußens betr. beit Entwurf eines Gesetzes wegen Sicherung der Bauforderungen; der Vorlage wegen Regelung des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen, fowie des allgemeinen Fährverkehrs hinsichtlich des Ausweichens der Fuhrwerke. Der Reichstagsbeschluß wegen Vorlegung eines Gesetzentwurfs zur Regelung der Vorbedingungen für die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst wutde dem Reichskanzler überwiesen. Den Ausschußanträgen betr. Abänderung der §§ 69—79 der Brannlwein- steuergrundbedingungen, den Reichstagsbeschluß betreffs Aenderung des § 44 der Gewerbeordnung, die Genehmigung der Statutenänderungen der landwirtschaftlichen Kreditbank in Frankfurt a. M., die Vorlage wegen Ausprägung von Fünfpfeunigstückeu erteilt der Bundesrat feine Zustimmung. — Wie der.Berliner Lokalanzeiger' erfährt, sind die Ausschüsse des Bundesrats am Frtzitag nachmittag um 1 Uhr in Gegenwart der zur Zeit in Berlin weilenden Finanzminister der Bundesstaaten zur ersten Beratung der Entwürfe einer Reichsfinanz-Reform und von neuen Steuergesetzen zusammengetreten. Das Blatt teilt mit, daß die Beratungen möglichst beschleunigt werden sollen. Doch dürften dieselben gleichwohl längere Zeit beanspruchen, da zahlreiche Abänderungsanträge namentlich seitens der kleineren Bundesstaaten Vorlagen.
* Der zweite Kolonialkongreß wurde heute (Freitag) im Reichstagsgebäude zu Berlin eröffnet. Eine ähnliche Veranstaltung hat vor zwei Jahren stattgefunden und damals das Interesse an den Kolonien in weiteren Kreisen wachgerufen. Die diesjährige Versammlung wird in dieser Hinsicht eine noch weitere Bedeutung erlangen, weil das Jntereffe des deutschen Volkes gerade im gegenwärtigen Augenblick besonders fest auf die Kolonien geheftet ist, und infolgedessen die Beteiligung an dieser Veranstaltung weit größer ist, als bei der ersten Tagung bieder Art. Besonders stark ist dieses Mal die Beteiligung der Missionäre. Sowohl von katholischer als auch von protestantischer Seite sind, soweit es sich schätzen laß:, ein halbes Hundert Missionäre erschienen, die mit ihrer an Ort und Stelle gewonnenen Sachkenntnis einen sehr erheblichen Teil der Leistungen des Kongreffes übernehmen werden. - Der Reichstag hat gegenwärtig ein ganz anderes Aussehen, als während der Session. Die Reichsbolen sind an den Verkehr in diesen Räumen gewöhnt, und bewegen sich dort recht ungeniert. Der Parkettboden des Parlamentsfoyers, der für viele noch glatter fein soll, als derjenige der Diplomatie, (im Reichstage ist er übrigens mit großen Teppichen belegt, sodaß dieser Ausdruck nur bildlich in Anwendung kommen kann) pflegt sonst mand)en Reichstagsabgeordneien zu sehen, der sich aus feem Sitzungssaale geflüchtet ha», um noch schnell ein Paar Zuge aus seiner Zlgarre zu tun. Jetzt ist das anders. Viele von denen, die sich jetzt dort bewegen, betreten die Räume nur mit einer gewissen Ehrfurcht. Im Foyer ist übrigens allerlei Interessanter zu sehen: Es ist dort eine tropenmedizinische und kartographische Ausstellung, die für den Nicht-Globelrotter recht viel Anziehungskraft bietet und die einem erst recht deutlich zu Gemüte führt, worum es sich
eignissen. Wir finden eines Tages Herrn $ enterte allein in seinem Zimmer sitzen, damit be- schöfttgt, einen Haufen von Pa vieren zu durchstöbern, feie vor ibm liegen. Die Zeit batte bereits einige Furchen auf seine Stirn gegraben; aber seine körperliche Häßlichkeit ist jetzt vielleicht weniger groß als in seinen Jugend jähren; denn auf seinen Gesichtszügen liegt ruhige Heiterkeit und liebevolles Wohlwollen auSgedrückt.
Plötzlich klopft es leise an feer Türe, und alsbald erscheint ein frisches junges Mädchen von anmutiger, schlanker Gestalt unter der Türe. „Lieber Onkel", ruft es freudestrahlend aus, „komm, ich bitte Dickt, ttttfe sieh bett Korb, welchen Herr Serminier mir geschickt hat — er enthält wirklich herrliche Dinge."
Demeric lächeltet als er die Freude des jungen Mädchens sah; und folgte ihr in einen anstoßenden kleinen Saal, wo Spitzen, Cachemire's itnb Schninckfachen ansgebreitet lagen. Es waren die Hochzeitsgeschenke fees Bränttgams Louisens, feie einige Tage später feie Gattin eines jungen Bankiers ans Orleans werden sollte. Auch Blanka trat einige Zeit darauf herein; für sie nabte gleichfalls ein sehr wichtiger Augenblick ihres Lebens; denn ihre Trauung sollte an demselben Tage vollzogen werden, wie diejenige Louisens. Sie war die Brant eines reichen Gutsbesitzers, feesten Schloß in eitriger Entfernung von Verfem! lag.
Wohlgefällig betrachtete Demeric die Sachen und Schächtelchen, welche da vor ihm ausgebreitet lagen. Plötzlich aber überzog eine Wolke seine Gesichtszüge, und mit einer gewissen Wehmut sagte er dann:
„Ihr seid beide glücklich — es freut mich sehr, und ich hoffe, daß Euch eine glückliche Zukunft blühen wird; wenigstens lasten die beiden jungen Leute, denen Ihr Eure Hand reichen wollt, es erwarten. Aber wie leer und öde wird es mir in diesem großen Hanse sein, wenn Ihr einmal nicht mehr seine Räume beleben werdet! Vergebens werde ich Euch alsdann suchen, und ohne
32. Jahrgang.
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hier in diesen Tagen eigentlich handelt. Das aber, was' er verficht, erweckt ein lebhaftes Jntereffe.
** In Preußen sind vom 3.—6. Oktober mittags zwei Erkrankungen an Cholera neuge- rneldet, die die Kreise Marienburg und Elbing betreffen. Von den früher gemeldeten Erkrankungen hat sich eine nicht als Cholera herausgestellt. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt somit 262 Erkrankungen, von denen 89 tödlich verliefen.
§ Zu der Blättermeldung betr. die Zerstörung zweier Dörfer in der Nähe Wärest Salaams durch die Aufständischen liegt jetzt eine amtliche Meldung vor. Ter Gouverneur Graf Götzen telegraphiert unter dem 5. Oktober, daß einige Dörfer zwei Tage südlich von Dar- es-Salaam durch Räuberbanden geplündert worden seien, die auch eine Polizei-Abteilung angegriffen haben. Die 8. Kompagnie V. Kleist ist heute dorthin abgegangen. — Morogoro ist am 30. September durch Hauptmann Frhrn. v. Wcm- genbeim und einem Detachement Marine-Infanterie, und Kibuta in den Matumbibergen von einem andern Detachement Marine-Infanterie besetzt worden. Das Detachement Wangenheim ist beauftragt, den Bezirk zwischen Kiloffa und Ruaba zu beruhigen und die Verbindung mit Mahenga herzustellen.
*** Weitere Verluste in Südivestafrika. Hettts liegt leider wieder eine umfangreiche Verlustliste aus der Aufstandskolonie vor, die nun schon länger als 10.« Jahr dieschwersten Opfern an Gut und Blitt fordert — immer noch ohne Aussicht auf ein Ende des mörderischen Kampfes. Aus Windhuk wird telegraphisch berichtet :
Arn 29. September ds. Js. im .Gefecht bei Aubes schwer verwundet: Unteroffizier Start Olschewski, geboren am 20 2. 79 zu Krohau, früherimJnsanterie- iiiegimeut Nr. 128. Gefreiter Reinsch, geboren am 25. 7. 80 zu Priedemost, früher imPionier-BataiUonRr.6; leicht verwundet: Bizeseldwebel Richard Thiel, geboten 14. 4. 75 zu Görlitz, früher im Pionier-Bataillon Nr. 5, Unteroffizier Richard Reimann, geboren 4 11. 82 zu St!. Rimmersdors, früher im Dragoner-Regiment Nr. 4. Unteroffizier Wilhelm Schulz, geboren 2. 0. 78 zu Burg !Spreewald), früher beim Bezirkskommando4 Berlin. Gefreiter Karl Wilhelm, geboren 26. 10. 82 zu Sprmgsttlle, früher im Infanterie-Regiment Nr. 171. Gefreiter Otto Schu'z, geboren 6. C. >2 zu Spandau, früher im 1. Garde-Feldartillerie-Regiment. Reiter Karl Hoffmann, geboren 12. 11. 81 zu Elbing, früher im Pionier-Bataillon Nr. 2. Reiter Friedrich ©raffen« bergcr, geboren 5. 3. 84 zu Stallnpönen, früher im Infanterie-Regiment Nr. 07. Reiter Anton Kannnski, geboren 11. 6. 83 zu Wierzchucin, früher im Jnfanlerie- Regiment Ar. 42. Retter Karl Pellenz, geboren am30. 8. 83 zu Trier, früher im Infanterie-Regiment Nr. 58. Reiter Theodor Wloeka, geboren aut 11. 11. 82 zu Spandau, früher int Feldartillerie-Regiment Nr. 57. — Am 2. Oktober d. I. gestorben: Reiter Otto Besme, geboren 9. 3. 83 zu Bettmar (DIbenburgX früher im Infanterie-Regiment Nr. 74, im Feldlazarett Matta- Höhe an Lungenentzündung. Reiter Emil Sieger, geb. am 18. 9. 83 zu Arbou (Schweiz', früher im Dragoner- Regiment Nr. 26, im Lazarett Karibik an Ruhr.
* Köln, 6. Okt. 1305. Die Generalver- fammlung der Anti-Duell-Liga findet am Donnerstag, 26. Oktober, hier in den Räumlichkeiten der Bürgergesellfchaft statt, . Vormittags 9 Uhr beratende Sitzung des Aktionskomitees. Nachmittags 3 Uhr beschließende Versammlung der Liga-Mitglieder. Nachmittags 5 Uhr öffentliche Versammlung, zu welcher außer den Mitgliedern auch alle angelegentlich st eingeladen werden, welche besseren Schutz der Ehre unb
Zweifel werde ich mich sehr einsam unb allein fühlen."
„Oh, lieber Onkel", rief Louise aus, „werbe nicht traurig, — Du würdest unsere Freude trüben. Sind wir ja doch immerhin nicht weit von Dir, wenn wir auch dieses Haus verlassen müssen."
„Nein, gewiß nicht", hob ihrersetts Blanka an, „es wirb in Wirklichkeit kaum eine Trennung zu nennen sein: ich werbe nur einige Schritte von Verfenil entfernt wohnen unb hoffe Dir einen guten Teil meiner Zeit widmen zu können."
„Und auch ich werde meine Schritte oft hierhin lenken", bestätigte Louise, „unb dann denke ich, daß Du jedenfalls mehrere Monate im Winter in Orleans zubringen wirst."
„Tank für alle Eure Versprechungen unb Versicherungen", erwiderte Demeric gerührt; „sie machen mir mehr Freude, als ich Euch schildern kann. Ich wiederhole mir stets, daß Ihr nutzt aufhören werdet, mir doch ein wenig von Eurer Zuneigung zu fchenken, wenn auch Euer Herz einem andern gehören muß."
„Wie könnte es anders sein?" rief Blanka tränenfeuchten Blickes aus. „Du warst uns in unserer Kindheit ein liebevoller, besorgter Vater, und Dir hatten wir es zu verdanken, daß wir bergen en konnten, daß wir Waisen waren. Paul sowohl wie wir lieben Dich, wie Kinder ihren Vater lieben."
Schweigend, aber tief gerührt ergriff Demeric die Hand Blankas unb Luisens. Die beiden jungen Mädchen, welche noch einen Augenblick zuvor allein für die kostbaren Sachen ein Auge gehabt hatte», schenkten diesen keine Aufmerk- samkett mehr, sondern schauten unverwandt ihren Onkel an und waren erfreut, wie feer Schatten des Kummers aus seinem Gesichte verschwand. Für Demeric war es ein wonnevoller Anblick; denn er fühlte, daß diese beiden Kinder, denen er den größten Teil seines Lebens gewidmet hatte, ihm eine reine, aufrichtige Liebe entgegenbrachten.
(Schluß folgt.)