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Erscheint täglich, mit Anrnahme der Sonn« und Zeiertage. viertel- jährl. Ve;ug5prei5 ohne vringerlohn und veKelgeldinZuldaund aurwirtr l Rtt. 50 Pffl«

Verantwortlicher Schriftleiter: 3. Baum für die Anzeigen

3. parzeller in Zulda.

Zuldaer

wochenbeiiagt: „Illustrierte Sonntagzzeitung"

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Monatsbeilage: „$ulbatt Geschichtsblätter".

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Rotationsdruck n. Verlag d«r Fuldaer Se» tiendruckerei in ssulda. Fernsprecher Nr. 9.

JW 227.

Fulda, Mittwoch, den 4. Oktober 1905.

Krstes Wrcrtt.

*e (Ein Bureniomplot in veutsch- Züdwestafrika.

Nach den aus Windhuk vorliegenden Nachrich­ten kann es kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß von Seiten einiger in unserem südwestafri­kanischen Schutzgebiet ansässigen Buren ein Kom- plot geschmiedet war, das eine Überrumpelung der Hauptstadt des Schutzgebietes und einen förm­lichen Beutezug durch das Land zum Gegenstände hatte. Die Unternehmung sollte mit Hilfe der aufständischen Witbois ausgeführt werden, und die Urheber des Planes rechneten weiterhin damit, auch die bisher dem deutschen Regiment treu ge­bliebenen Bastards für ihre Zwecke gewinnen zu können. Die letzteren gingen in erster Linie da­hin, möglichst viel Vieh nebst Pferden, sowie Waf­fen und Munition zu erbeuten und über die öst­liche Grenze, d. h. in britisches Gebiet, zu schaffen. An der Grenze sollte dann eine Art Operations­basis für weitere Streifzüge in das deutsche Schutzgebiet errichtet werden.

Der Plan ist glücklicherweise vereitelt worden. Die deutschen Behörden in Windhuk erfuhren davon und haben die Verschwörer bis auf einen dingfest gemacht. Der Anführer' der Bande war ein in Deutschland nicht unbekannter Bur, Andries de Wet, ein Neffe des berühmten Burengenerals; in seinem Hause wurden die Versammlungen der Verschworenen abgehalten und es wurde dort auch ein Waffendepot ent­deckt. Die festgenommenen Buren gehören dem kogenannten „national sconts“ an, jenen Vater­landsverrätern, die während des Krieges zwischen England und den Bureirstaaten dem ersteren Spionendienste leisteten und nicht wenig zum Untergange der Burenrepubliken beitrugen. Sie wurden dafür von ihrem Volke geächtet. Man hat es also augenscheinlich mit einer Reihe von Desperados zu tun, die frei von allen Rücksichten auf Ehre, Eigentum, Vaterland ihrem Eigennutz die Zügel schießen lassen zu können glaubten.

Um ein abschließendes Urteil über diese neuesten Vorgänge in unserer „Unglückskolonie" Südwestafrika abgeben zu können, müßte man genauer über die Einzelheiten des vorgeblichen Planes, die Persönlichkeiten, die angeknüpsten Be­ziehungen zu den Aufständischen usw. unterrichtet sein. Auf alle Fälle ist aber schon jetzt der Aus­druck eines lebhaften Bedauerns darüber gerecht­fertigt, daß sich Angehörige des Bnrenvolkes ge­funden haben, welche die Gastfreundschast, die ihnen in dem deutschen Schutzgebiete gewährt wurde, mit schnödestem Undanke entlohnen, und gesonnen waren, die Schwierigkeiten, mit welchen Deutschland in seinem südwestafrikanischen Schutz­gebiete gegenwärtig zu kämpfen hat, zu vermehren.

Ob es gerechtfertigt ist, darüber hinaus zu gehen und die schwarzen Pläne einer Handvoll Desperados, die von ihren eigenen Stammesge- nossen schon verurteilt sind, dem ganzen Buren­volke oder vielmehr dem Burencharakter zur Last zu legen, wie es einige Blätter tun, ist doch sehr fraglich. Es gibt ja Afrikareisende und Kenner unserer Kolonien, welche dem Buren über­haupt die Fähigkeit absprechen, sich auf die Dauer engeren Staatsgesetzen unterzuordnen, die seine Freiheit im Tun und Lasten, namentlich auch den Eingeborene» gegenüber beschränken, aber auf der anderen Seite darf man auch die Vorzüge, die den Buren auszeichnet, namentlich in wirt­schaftlicher Hinsicht, nicht unterschätzen, zumal wenn die Kultivierung eines Landes wie Deutsch- Südwestafrika in Frage kommt. Die Regierung

Zwei verstoßene.

Ä Nottret. Autorisierte Uebersetzung von I. Rüttgers.

141 (Nachdruck verboten.)

10 . Kapitel.

Madame Delbourg hatte inzwischen Adrian durch emen Brief mitgeteilt, daß Leonie andern Sinnes geworden sei, und daß er feine Werbung nur zu wiederholen brauche, um dieselbe auch sogleich an­genommen zu finden. Ohne Demeric die volle Wahrheit zu sagen, deutete sie ihm an, daß Herr Marville von einer langwierigen, schmerzlichen heimgesucht worden sei, und daß die Der- haltmsse feiner Familie sehr dürftig seien.

^ütfte sie sich in diesem Briefe aus, „hat ieit eimger Zeit viel geweint; es wird Sie also gewiß sehr freuen, ihre Tränen trocknen und ihr eine ruhige, glückliche Zukunft verschaffen ju können. In den lebten Sogen find die vorzügli­chen Eigenschaften, welche sie besitzt, noch glänzender hervorgetreten: sie ist für ihre Familie ein wahr- haft rettender Engel gewesen, und ich bin über- zeugt, daß Sie in ihr eine ausgezeichnete Gattin finden werden."

Herr Demeric hatte eine derartige Mitteilung nicht im entfernteren erwartet. Begreiflicher Weise war er deshalb auss höchste erfreut, als er die Zei­len Madame Delbonrg's erhielt. Indes verdüsterte bald ein Schatten den Himmel seines unerwarteten Glückes. Indem er sich nämlich deutlicher die Lage vergegenwärtigte, in welcher sich die Familie Mar- Ville befand, sagte er sich, daß Leonie gewissermaßen nur durch Not getrieben ihm entgegenkäme, und er fühlte unwillkürlich, daß das Jawort, welches sie ihm geben würde, nicht freiwillig sei, nicht aus dem Herzen käme, sondern nur durch unglückliche Verhältnisse ihr abgerungen sei. Er begriff, daß er nicht eine liebende, glückliche Braut zum Tr.au-

hat den gegen die Buren vorgebrachten Bedenken insofern Rechnung getragen, als sie geschlossene Burenanfiedelungen vermieden hat. Dann darf man auch nicht vergessen, daß die im Lande an- gesiedelten Buren in dem gegenwärtigen Kampfe treu zur deutschen Sache gestanden und ihr wich­tige Dienste geleistet haben. Mancher Bur hat sein Leben gelosten an der Seite der deutschen Schutztruppler. Wir holten es daher für min­destens sehr voreilig, die jetzigen Vorgänge zu einer Anklage gegen die Buren überhaupt zu be­nutzen. Die nicht beteiligten Buren in Windhuk haben das Vorgehen der Verschwörer auf das schärfste verurteilt.

Eine andere Frage geht dahin, ob dem Plane eine gewisse politische Bedeutung beizulegen ist. Darüber kann aber nur die Beantwortung der Frage Aufschluß geben, welche Fäden von den Verschwörern nach der Grenze gingen. Daß an der Grenze zwischen dem deutschen und englischen Gebiet irgend etwas nicht in Ordnung ist, läßt sich schwerlich leugnen. Das Hinüber und Herüber der aufständischen Eingeborenenbanden mag der englischen Auffassung der Dinge entsprechen, es verträgt sich aber nicht mit den deutschen Begrif­fen über internationale Pflichten inbezug auf die Neutralitätsfrage. Wenn sich jetzt Heraus­stellen sollte, daß die Pläne der Verschwörer in Windhuk in englischen Grenzkreisen Billigung ober gar Förderung gefunden haben, so wäre ein ernstes Wort bei der Kapregierung sicher ange­bracht. Die letztere setzt sich dem Verdachte eines falschen Spieles aus, wenn sie nicht endlich einem Treiben an den Grenzen ein Ende macht, dessen Duldung zum mindesten als ein Akt des liebel- wollens gegen Deutschland angesehen werden muß.

Deutsches Reich.

Berlin, den 3. Oktober 1905.

* Neue Flottenpläne werden, wie es scheint, gegenwärtig tn Groß-Rominten, wo der Kaiser zur Zeit sich aufhält, beraten. Dort sind gestern (Dienstag) vormittag eingetroffen: der Chef des Marinekabinetts Admiral v.Senden-Bibran, der Staatssekretär des Reichsmarineamtes Ad­miral v. Tirpitz und der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie Ballin. Da werden wir wohl bald schöne Dinge erfahren.

§ Mit den gestern gemeldeten Veränderungen in den obersten Hofchargen ist das „Revirement" in den letzteren nicht abgeschloffen. Der.Reichs­anzeiger' veröffentlicht in seiner heutigen Aus­gabe folgende Ernennungen: Der Kaiser verlieh die Würde als Landhofmeister im Königreich Preußen dem bisherigen Obermarschall Grafen Richard zu Eulenburg auf Prossen; die Würde als Obermarfchall im Königreich Preußen dem bisherigen Oberburggrafen, Wirklichen Geheimen Rat und Kammerherrn Grafen August von Dön­hoff auf Friedrichstein- die Würde als Ober­burggraf im Königreich Preußen mit dem Prä­dikat „Exzellenz" dem Kammerherrn Burggrafen und Grafen Friedrich zu Dohna-Lauck auf Lauck.

* Zum konfessionellen Frieden. In Neu­wied war dieser Tage die Rheinische Pro­vinzialsynode versammelt. Der neue katho­lische Oberpräsident der Rheinprovinz Freiherr v. Schorlemer-Lieser war der Einladung zur Eröffnungsfeier dieser Synode gefolgt und hat bei dieser Gelegenheit warme Wotte für den konfeffionellen Frieden gesprochen. Wie wenig Verständnis aber die Herren Synodalen für solche Worte haben, zeigt die Tatsache, daß die Synode eine Resolution angenommen hat, in

altare führen werbe, sonbern eher ein Opfer, wel­ches sich allein einer gebieterischen Notwendigkeit beugte. Dieser Gebanke erbitterte ihn und verletzte seine Eigenliebe — bann aber waren es wieder anbere Erwägungen, welche denselben zurück- brängten.

. "Bah!" sagte er sich, „welche Gründe sie auch immer zu ihrem Entschlüsse bewogen haben mögen, sie wird nichtsdestoweniger nuf» gehören, und ich werbe mir schon ihre Zuneigung zu erobern wissen."

Währenb er so sprach, funkelte in seinen Augen ein Ausbruck ber Selbstzufriedenheit unb des Stolzes, unb er glaubte in seinen Adern neues Leben zu verspüren. Da er das Bedürfnis em­pfand, irgend jemanden seine Eindrücke und Em­pfindungen zu offenbaren, so wandte er sich an Dermont und meinte:

„Siehst Du nicht, lieber Freund, daß ich augen­blicklich ein ganz anderer bin als sonst?"

„Freilich, es scheint mir auch, daß Sie leb­hafter und freudiger erregt sind als gewöhnlich; Sie müssen wohl irgend eine gute Nachricht em­pfangen haben."

„Du hast's erraten; ich glaube wirklich, daß ich von jetzt an meine düstere Menschenscheu ab­legen werde; denn mit meinem ganzen Leben wird eine große Veränderung vor sich gehen. Wenn ich Dir mitteile, um was es sich handelt, so wirst Du meine freudige Stimmung begreifen. Du erin­nerst Dich ohne Zweifel, daß ich Dir von einem jungen Mädchen Namens Leonie gesprochen habe, welches auf mich einen so tiefen Eindruck gemacht hat. Sie hatte anfänglich meine Werbung abge­wiesen, weil sie einem andern ihre Zuneigung ge­schenkt hatte. Indes traten dieser Verbindung ver­schiedenerlei Umstände hindernd in den Weg, sodaß von derselben keine Rede sein kann. Zwischen ihr und ihrem Verlobten ist alles zu Ende. Infolge­dessen lenkte sich ihr Blick wieder zu mir, und ich vernehme soeben, baß sie durchaus geneigt ist, mir ihre Hand zu reichen. Du kannst begreifen, daß diese Mitteilung mich höchlichst erfreut; denn

der sie sich gegen den Toleranzantrag des Zentrums erklärt.

* Deutsch - chinesischer Handelsvertrag. In deutschen Blättern ist eine Meldung des Man­chester Guardian' eingegangen, der aus Peking berichtet, China habe die demschenForderungen hinsichtlich weiterer Bergwerks- und Eisen- bahnkonzessionen in der Proninz Schantung kurzerhand abgelehnt. Dafür habe Deutsch­land, um einen Druck auszuüben, die Han- delsvertragsVerhandlungen mit China abgebrochen. Die Folge davon sei, daß der englisch-chinesische Handelsvertrag, dessen Giltig­keit vom Abschlüsse von Verträgen mit den übrigen Staaten abhänge, vorläufig nicht in Kra^ treten kann. Hierzu bemerkt die,Noro- deutsche Allgemeine Zeitung': „Das englische Blatt hat sich damit aus Ostasien eine Nachricht aufbinden lasten, die wie so manche gleicher Tendenz aus letzter Zeit, frei erfunden ist. Deutschland verhandelt zurzeit überhaupt nicht mit China wegen weiteren Bergwerks- und Eisenbahnkonzessionen in Schantung, und in den Handelsvertragsverhandlungen haben die Kom- mistionssttzungen mit den chinesischen Bevoll­mächtigten in dielen Tagen begonnen."

§ Aus der freisinnigen Verein'gung bringt die ,Barmer Ztg.' eine interessante Mitteilung. Im Anschlüsse an die Besprechung der Kund­gebungen der Nationalsozialen gegen den Beschluß des Wiesbadener Parteitages über die Stellung­nahme zur andern Partei schreibt das Barmer Blatt: „Die Hoffnung, daß die freisinnige Ver­einigung geschloffen ihre Ziele nerfolaen werde, wird allerdings eigenartig dadurch illustriert, daß aus dem Vorstande des Wahlverems de» Libe­ralen die Abgeordneten Brömel, Pachnicke und Ernst ausgeschieden sind, weil sie mit den national-sozialen Elementen nicht zusammenarbe-.en können."

/. Programm-Entwurf für die Marokko- Konferenz. Die ,Norddenlsche Attgem. Zei:ung' veröffentlicht in ihrer Nummer vom Dienstag den Wortlaut der zwischen Deut'cbland und Frankreich getroffenen Vereinbarung über den Programm-Entwurf für die Ma- rokko-Konferenz. Der Entwurf lautet in deutscher Ueberletzung wie folgt: „Die beiden Regierungen sind übereingekommen, dem Sultan dm folgenden Programm-Entwurf vorzuschlagm, der gemäß den im Schriftwechsel vom 8. Juli angenommenen Grundsätzen ausgearbeitet ist:

I. 1. International zu vereinbarende Einrichtung der Polizei außerhalb de« Grenzgebietes.

2. Reglement zur Ordnung der Neberwachuim und Unterdrückung des Wafienschmuggels. — Im Grenr- Sebiet soll die Anwendung dieses Reglements aus- hließlich Sacke Frankreichs und Marokkos bteibcri.

II. Finanzreform. Finanzielle Unterstützung des Maghzen durch Errichtung "einer mit Emissionsrecht ausgestatteten Staatsbank, welche die Ausgaben des Schatzwesens besorgen und die Münzprägung zu ver­mitteln hat, deren Erträge dem Maghzen zufallen. Die Staatsbank wird die Gesundung der Münzverbältmffe in die Hand zu nehmen haben — Die dem Maghzen eröffneten Kredite werden zur Ausrüstung und Besol­dung der Polizeitrnppen und zu gewissen dringenden öffentlichen Arbeiten, besonders zur Verbesserung der Häfen und ihrer Anlagen, zu verwenden sein.

III. Prüfung der Frage eines besieren Ertrages der Steuern und'der Erschließung neuer Einkünfte.'

IV. Verpflichtung des Maghzen, keinen Zweig des öffentlichen Dienstes zum Vorteil von Conder- interessen aus der Hand zu geben. Grundsatz der Vergebung der öffentlichen Arbeiten im Wege Zu- fchlags ohne Anfehen der Staatsangehöriakeit.

ich hatte Leonie immer noch geliebt und an sie gedacht."

„Ich wünsche Ihnen boit ganzem Herzen Glück," erwiderte Michael, „ich begreife, daß cs Sie mit Wonne erfüllen muß, die Hand eines jungen Mädchens zu erhalten, welches Ilmeu so lieb und teuer ist. Möge der Allmächtige Ihr Leben verschönern und Sie so für den Kummer entschädigen, welchen Sie bis jetzt zu erleiden hatten."

„Ich danke Dir für Deine Glückwünsche, Michael; ich weiß, daß dieselben aus einem auf­richtigen Herzen kommen; Du kennst die lügne­rischen Worte nicht, hinter welchen viele Leute ihre Gedanken zu verbergen verstehen. Du bist ein guter, ehrlicher Mensch. Seitdem ich hier lveile, hast Du mir vieles Gute erwiesen. Du hast mich einigermaßen mit den Menschen wieder ausge- söhnt, gegen die ich früher nur Haß und Abscheu empfand. Das Glück wird mich nicht dahin brin­gen, Deiner zu vergessen, darauf magst Du Dich verlassen."

Gerührt dankte Michael seinem Herrn; es mußten ihn die Worte, lvelche er soeben aus seinem Munde vernommen, sehr freuen. Als er sich jedoch wieder allein befand, fuhren ihm allerlei Gedanken durch den Kopf. Sollte sich alles wirklich so Ver­halten, wie fein Herr ihm erzählt hatte? Wie war die eheliche Verbindung, welche das junge Mäd­chen einzugehen gedachte, verhindert worden? Vielleicht war sie gewaltsam von ihrem Verlobten getrennt worden, vielleicht hatte ein habsüchtiger geiziger Vater seine Tochter zu diesem Schritt ge­trieben, weil Herr Demeric ein großes Vermögen besaß. Waren aber feine Vermutungen richtig, dann konnte keine glückliche Zukunft seines Herrn warten, dann mußte vielmehr die zukünftige Ver­bindung traurig und unglücklich für ihn fein. Tann mußte er sich ohne Zweifel vielen bitteru Enttäuschungen ausgesetzt sehen, welche er, nach seinem ganzen Charakter zu schließen, kaum er­tragen würde. Während er so über dieses eigen­tümliche Verhältnis nachdachte, ahnte er nicht im

32. Jahrgang.

Das Abkommen ist datiert vom 28. Sep­tember 1905. Im Anschluß an die Wieder- gäbe des Abkommens meldet die Morddeutsche Allgemeine Zeitung', daß der Präsident der Re­publik, Herr Loubet, am Montag nachmittag den Gesandten Dr. Rosen, der ihm durch den Botschafter Fürsten Radolin vorgestellt wurde, empsangen hafte. Die Audienz dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Unterredung hatte einen überaus herzlichen Charakter. Die friedliebende, auf die Wohlfahrt und den Fortschritt der beiden Nachbarländer Frankreich und Deutschland ge­richtete Gesinnung des Präsidenten Loubet kam hierbei wiederholt znm Ausdruck.

** Das Komitee der streikenden Arbeiter der Berliner Elektrizitäts-Firmen hat den Ober­bürgermeister Kirschner um seine Vermittlung ersucht. Inzwischen nimmt her Streik noch an Umfang zu. Am Dienstag morgen hat auch die Arbeiterschaft der Glüh- undNernstlampenfabriken, — der beiden letzten, bisher noch im Gang be­findlichen Betriebe der allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft — die Arbeit eingestellt. Tie Zahl der streikenden Arbeiter wird durch diese neue. Arbeitseinstellung um 8( 00 erhöht. Davon sind mehr als zwei Drittel iveibliche Arbeitskräfte. Die Anzahl der Streikenden und Ausgesperrten wird insgesamt auf 3800.- Köpfe geschätzt.

** In Preußen sind vom 2. bis 3. Oktober mittags 2 choleraverdächtige Erkrankungen und 2 Todesfälle an Cholera amtlich neu ge­meldet worden. Von den Erkrankungen betrifft die eine emen Postichaffner aus Marienburg, die andere ein Arbeiterkind in Georgenburg, Kreis Mogitno. Die Gefamtzahl der Cholerafälle be­trägt bis jetzt 261 Erkrankungen, von denen 89 tö'tich endigien.

Aus! an-.

* Die Absicht der Katholiken Frankreichs, welche bezweckt, künftighin an Steile des Staates priva'e Vorforge für die Bedürfnisse des kalhol. Kultus zu treffe«, ist in der Ausführung begriffen. Der Herzog von Loge, die Grafen Mailte, Las- cases, Sonis und Villarrnois stellten sich an die Spitze eines Unternehmens mit folgendem Pro­gramm:

Em durch freiwillige Spenden aufzubringendek Kapital von 150 Millionen Francs soll zur Gründung der Lonooi.er Gesellschaft „Engiish Investments Corpo­ration Limited" dienen, die das Recht und die Psi ich' übernimmt, vorläufig 85 Millionen jährlich für du katholischen irulluszwecke in Frankreich berettzuftellen Die Gesellschaft |oU zur Vermehrung ihres Kapitals mit großen englischen und anderen nichlsranzösischei Bauten und Versicherungsgesellschaften in Verbindung treten. Sie erhält einen folgendermaßen zusammen­gesetzten, unter der Kontrolle von Bischö en und katho­lischen Amvällen nehenoen Berwaltungsrat: Sir Robert Herder!, e emaltgen Staatssekretär für auswärtig« Aiigeiegen.-eireu, Chamberlain, Aoministralor der Lon­doner Gratichaftsbank, Duff Miller, bevollmächtigter Minister, die Londoner Bankiers Knollys und Tomlin Maurice (Sollet, Bankier in Paris, und den Herzoc von Luynes.

Nach Meldungen ans privater Quelle werde, gegenwärtig die diesbezüglichen Zirkulare verschickt Die katbolischeu Blätter hüllen sich über die Aw gelegenheit zunächst noch in Schweigen, es wär« aber, to bemerkt die ,Germ.', nicht besremdlich, wenn die obigen ans nicht katholischen Blättern geschöpften Angaben über die Pläne der Reor­ganisation der katholischen Kirche sich bestätigten. Wenn die Mittel zum Unterhalt der sranzösiichen

Entferntesten, daß eine neue harte Prüfung ihm beporstehe, und daß er bald feinen ganzen Mut und all' ferne Tatkraft werde zusoinmennehmen müssen.

Demeric wollte, nachdem er das Schreiben von Madame Tclbourg erhalten hatte, nicht an Herrn Marville schreiben, sondern selbst nach Verfeuil gehen, um mündlich zu erledigen, was für ihn so wichtig war. Er gab also Michael Weisung, alle Anstalten zu seiner Reise möglichst schnell zu treffen.

Am folgenden Tage befand sich Michael eben bei Herrn Demeric, als jemand ihm die Mittei­lung überbrachte, daß seine Tante ihn bitte, un­verzüglich zu ihr zu koinmen. Als er sich sogleich zu der Wohnung der Ieanne Lernier begab, sand er hjer einen Menschen von wenig einnehmenden Aeußern, vor welchem dieselbe Schrecken und Angst gehabt zu haben schien.

Michael konnte sich nicht erinnern, den Mann je gesehen zu haben; endlich gab dieser zu ver­stehen, daß Jenny sein Kind sei und er allein auf dasselbe ein Anrecht habe. Erstaunt betrachtete Michael den Mann einen Augenblick lang; er fragte sich, ob es wirklich möglich sei, daß die Person, welche vor ihm stand, der nämliche Mann ei, den er früher so stolz an der Seife Dino's satte einherschreiten sehen. Seine Kleidung war ehr ärmlich und unreinlich, das ganze Aussehen des Mannes verriet sogleich, daß er auf der Bahn des Lasters bereits weit vorangeschritteir sei. Die Haare hingen ihm wild und wirr um das Haupt, matt lagen seine Augen in ihren Höhlen, und die häßlichen, aufgedunsenen Gesichtszüge mochten einen Anblick vollends widerlich und abstoßend. Seit dem Tode seiner Frau hatte der Vater Jen- ny's kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben, und auch Michael hatte schließlich gar nicht mehr an ihn gedacht. Begreiflicherweise war letzterer xrher sehr erstaunt, als er diese unerwartete, felt- ame Erscheinung vor sich sah.

Jenny zitterte am ganzen Leibe und verbarg sich furchtsam hinter ihrer Großmutter; als sie