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wochenbkilage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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Rotationsdruck «. Verlag der Fuldaer Ae- tiendnickerei in Kulda.

Zernfprecher Nr. 9.

JV3 224.

Fulda, Samstag, den 30. September 1905.

32. Jahrgang.

Zweites Mcrtt.

D Der Katholik und die Tagespreise.

Die Tagespreise ist in unserer Zeit ein über­aus wichtiger Faktor des öffentlichen Lebens ge­worden. Sie ist das beste und leichteste Mittel, auf die Menschen, ihre guten wie ihre schlimmen Neigungen einzuwirken. Napoleon I. nannte die Feder eines einzigen Mannes, nämlich des großen Görres, des Herausgebers des „Rheinischen Mer­kurs", die fünfte Großmacht, die er zu bekämpfen habe. Wie hat sich ober seitdem das Zeitungs­wesen entwickelt, besonders nach Einführung der sogenannten Preßfreiheit! Gewaltige Staats­männer, die das große Wort aussprechen: „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst niemand", verschmäh­ten eS dennoch nicht, sich der Presse dienstbar zu machen und ihren Einfluß mit großen Summen zu erkaufen. Da begreift es sich auch, wenn all­jährlich auf den Generalversammlun- geil der Katholiken Deuts chlands die eindringliche Mahnung laut wird, die deutschen Katholiken möchten sich doch mit mehr Eifer und regerem Interesse chrer Presse annehmen; es be­greift sich, wenn alle Gutgesinnten aufgerufen werden zur Wehr, zum Kampf für die gute, zu einer Art Kreuzzug gegen die schlechte Presse. In der Tat, neben der eifrigen Teilnahme am katholischen Vereinsleben, an den Katholikenver­sammlungen gibt es kein geeigneteres Mittel, dem alles zersetzenden Zeitgeiste, dem Geist des Unglaubens und der Negation jeder Autorität entgegenzutreten als die Förderung der guten Vresse.

Zu dieser Aufgabe mitzuwirken, ist Beruf und Pflicht eines jeden guten Katholiken. Wie soll «-r aber dieser Aufgabe nachkommen?

Vor allem muß er mit Entschieden­heit der schlechten Presse entgegen­treten. Was man unter schlechter Presse ver­steht, hat der belgische Episkopat in einem ge­meinsamen. Hirtenschreiben ausgesprochen. „Als schlecht muß man jene Preßerzeugnisse bezeichnen, welche die katholische Religion, offen oder versteckt, angreifcn, sei es in ihren Dogmen, int kirchlichen Leben und in ihrer Auktorität, sei es in ihrer Hierarchie, in ihrem Oberhaupt und ihren Die­nern, sei es in ihrer Disziplin und vor allem in ihrer Moral, indem sie Freiheit predigen von den Vorschriften des christlichen Sittengesetzes." Zwei Momente also machen das Weseit der schlechten Presse auS: Sie kämpfen gegen den Glauben und gegen die Sittlichkeit. Zu der schlechten Presse find vor allem die jüdisch-liberalen und sozialisti­schen, meistens auch die sogen, farblosen Blätter, iu rechnen. Erstere arbeiten schoir seit langer Zeit an der Entchristlichung und Entsittlichung des christlichen Volkes. Ihnen schließt sich an die sozialistische Presse. Sie geht vor allem darauf auS, den Glauben zu uittergraben, denn nur ein ungläubiges Volk folgt der Fahne der Sozial­demokratie.

Wer kann den Schaden ermessen, bett diese schlechte Presse für Glaube und Unschuld im Ge­folge hat! Und dieser Schaden wird um so größer, weil bei der Entwicklung des modernen Verkehrs alle Preßerzeugnisie in kürzester Zeit in alle Schichten des Volkes dringen, für das die Zeitung das einzige täglickie geistige Brot ist. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." Dies Wort gilt in ganz besonderer Weise von der Presse. Der Unglaube, früher ein trauriges Vorrecht der sogenattnten Gebildeten, ist nunmehr auch unter das Volk gedrungen; Hand in Hand damit geht die immer größer werdende Sittenlosigkeit in allen Volks!reisen. Nachdem man nämlich dem

Volk die Hoffnung auf den Himmel genommen hat, suchen die großen Massen ihre Seligkett nur zu häufig auf Erden im Sinnengenuß in all feinen Formen.

Kann da ein guter Katholik die Hände in den Schoß legen und ruhig die schlechte Presse ihr Gift ausspritzen lassen? Heilige Pflicht ist es für ihn, mit allen Mitteln dieser verderben­bringenden Presse entgegenzuarbeiten. Auf keinen Fall darf er sie unterstützen durch Abonnieren oder Inserieren. Denn das Halten und Lesen schlechter Zeitungen verstößt gegen das Gebot der Selbstliebe und der Nächstenliebe. Wie für den Leib und die leibliche Gesundheit, muß der Mensch auch für die Seele und die geistige Gesundheit sorgen. Sein Glaube und seine Tugend werden aber durch schlechte Lektüre ernstlich gefährdet und nur zu leicht zu Fall gebracht.

Welche Verantwortung laden die El­tern auf sich, wenn sie schlechte Zeitungen in die Hände ihrer Kinder und Untergebenen gelangen lassen und so den Grund legen zu deren religiösen und sittlichem Verderben! Wie dürfte ferner ein Katholik eine Presse unterstützen, die Tag für Tag feine Kirche, seine geistige Mutter in der gemeinsten Weise bekämpft und verleumdet! Manche beten: „Ich glauhe an eine heilige, ka­tholische Kirche!" Wie wenig aber entspricht ihre Gesinnung diesem Glauben, indem sie nicht die geringste Pietät gegen die Kirche beweisen. Zu­dem bat die Kirche das Lesen und Hatten schlechter Bücher und Zeitungen unter Siinde verboten. Da kann man keine Entschuldigung Vorbringen: „Ich muß diese Zeitung halten; mir schadet sie auch nichts, denn ich kenne meine Religion." Traurig ist es, so zu sprechen. Da hat die schlechte Presse schott ihre Wirkung ausgeübt. Nur ganz besondere Umstände, etwa Geschäftsrücksichten, können das Lesen einer solchen Zeitung erlaubt machen, wenn es nur zu diesem Zwecke und ohne jedes Aergernis geschieht.

Aber auch bei anderen soll jeder wahre Katho­lik an der Bekämpfung der schlechten Presse ar­beiten, soweit es ihm tuöglich ist. Im gegen­seitigen Verkehr findet sich ja öfters Gelegenheit dazu. Oft wissen die Leser solcher Zeitungen gar nicht, daß sie eine schlechte Zeitung halten. Mache man sie also darauf aufmerksam.

Aber mit dem Verdrängen der schlechten Presse allein ist es noch nicht getan. Es muß dafür die gute gefördert und verbreitet wer­den. Das ergibt sich aus der Bedeutung der guten Presse. Denn das, was die schlechte Presse verdorbeit, muß wieder gut gemacht, die Herzen, die sie der Kirche entfremdet, müssen ihr wieder gewonnen werden. Ein wirksames Mittel hierzu aber ist die gute Presse. Aber auch für das öffent­liche Leben ist sie von großer Bedeutung. Was haben z. B. unsere katholischen Tagesblätter im, Kulturkampf gewirkt, was wirkeit sie tioch heute bet Wahlen und anderen öffentlichen Angelegen­heiten ! Darum ist es aber auch Pflicht aller Gut- gesitmten, die katholische Presse zu ttnterstützen, vor allem durch Abonnieren. Einem katholischen Mann gebührt eine katholische Zeitung, zum min­desten ein katholisches Wochenblatt. Denn in unserer so erregten Zett, wo so viele in das in­nerste Leben des Volkes einschneidende Fragen er­örtert werden, die das weiteste Interesse in An- spruch nehmen, muß jeder einigermaßen orientiert, sein über Zeitfragen. Das wird er aber ganz be- fonders durch Lektüre unserer Zeitungen. Zu­gleich trägt er aber auch dadurch viel bei, unsere kathol. Presse auch materiell zu heben, sodaß sie mit der liberalen und sozialistischen konkurrieren kann.

Viel zur Verbreitung unserer katholischen Presse trägt eS bei, wenn man auf Bahnbösen, in öffentlichen Lokalen immer nur nach katholischen

3®ei verstoßene.

Bon B. Nottret. Autorisierte llebersetzung vor I. RüttgerS.

111 (Nachdruck verboten.)

Leonie hatte von ihrem Vater erfahren, wie Marcel feine Stelle verloren und sich in die Not­wendigkeit versetzt gesehen hatte, Orleans zu ver­lassen und sich nach einer neuen Stellung 'umzu­sehen. Das junge Mädchen war keinen Augen­blick darüber im Zweifel geivesen, daß ihrem Bräu- ttgam durchaus Unrecht widerfahren fei. Sie wußte, daß er ein ehrenhafter, rechtlicher Mensch sei, und war fest davon überzeugt, daß er die Rolle nicht gespielt habe, welche man ihm zuschrieb.

Inzwischen hatte sie noch immer gehofft, eines Tages zu vernehmen, daß Marcel sich im Besitze einer neuen Stellung befinde. Um so bitterer fühlte sie sich enttäuscht, als sie seinen Brief em­pfing, in welchem er ihr mitteilte, zu welchem Ent- sthlusse er sich aus Not habe verstehen müssen.

Bis dahin hatte das junge Mädchen zwar in bescheidenen Verhältnissen gelebt, aber immer nur glückliche, friedliche Tage gesehen. Daß c5 Schmer­len gibt, welche das menschliche Herz zu brechen imstande find, hatte sie noch nicht erfahren.

Obwohl es Herrn Marville leid tat, feine Toch- ter in so großem Kummer zu sehen, und obwohl er die Macht der Bande kannte, welche beider Herzen an einander ketteten, so glaubte er den­noch bte Rücksichten der Klugheit voranstellen und mehr auf die Stimme der Vernunft hören zu müssen; in seinen Augen war unter solchen Um­ständen eine Verbindung zwischen Marcel und >-eonie ein Ding der Unmöglichkeit.

Leonie ließ er ohne Verzug merken, daß sie yre Hoffnungen auf eine Verbindung mit Marcel » nzlrch aufgeben muffe, erbot sich aber, im Namen

Familie an Valory zu schreiben.

schrieb denn auch bald an Marcel einen

durchaus wohlwollenden Brief, in welchem er von allem Möglichen sprach, über die zwischen Leonie und ihm geplante Verbindung dagegen kein Wort erwähnte.

Marcel verstand dieses absichtliche Stillschwei­gen recht wohl; es sagte ihm mehr als viele Worte, daß zwischen ihm und seiner Brant alles aus sei.

Marcel hatte auch einem seiner Freunde, wel- cher bet Herr Glantiny in Diensten stand, von dem Enttchlusle mitgeteilt, welchen er gefaßt hatte Durch ihn erfuhr auch Herr Glantiny von der ganzen Sache, der wiederum Herrn Demeric alles mitteilte. Demeric zitterte, als er diese Nachricht vernahm, und empfand dabei etwas wie Ge­wissensbisse. Doch wich diese edlere Regung als­bald der Genugtuung, seinen Feind besiegt zu haben und der Freude darüber, daß es ihm ge­lungen fei, Marcel und Leonie auf immer zu scheiden. Freilich wollte es ihm dennoch nicht ge­lingen, die innere Ruhe zu finden, und das Be- wnßtsein, einen hingen Mann gänzlich ungerechter Weise ruiniert zu haben, erwachte sehr oft bei ihm und ließ ihm keine Ruhe. Abermals entschloß er sich auf Reisen zu gehen, und so reifte er denn nach Italien ab, von wo ibn die doppelte Kata­strophe abrief, die seiner Schwester und seinem Schwager das Leben gekostet hatte.

Als er sich nach Verfeuil begab, um hier die Kinder seiner Schwester unterzubringen, hatte er mebreremale Leonie flüchtig wiedergesehen; aber sogleich war ihm die Veränderung aufgefallen, welche inzwischen mit ihr vorgegangen war. Ihr Blick hatte feinen Glanz verloren; das Lächeln, welches sonst immer um ihre Lippen spielte, schien gänzlich erstorben zu fein, und das frische, liebliche Kind von früher hatte anscheinend all' seine An­mut und Munterkeit verloren.

Während der Blick Adrian's auf dem Mädchen ruhte, sagte ihm eine geheime Stimme, daß dies alles fein Werk fei. Aber er unterdrückte diese Stimme, und er gefiel sich nur in dem Gedanken, daß er sich für die Zurückweisung, welche er bei dem jungen Mädchen erfahren hatte, gerächt habe.

Zeitungen verlangt. Leider geschieht dies noch viel zu wenig. Dringe man also auf Reisen usw. darauf, daß auch kathol. Zeitungen neben andere» zur Verfügung stehen.

Ebenso wichtig als das Abonnieren ist das Inserieren. Möchten also katholische Ge­schäftsleute ihre Anzeigen nicht oder wenigstens nicht ausschließlich nichttatholischen Zeitungen zu­wenden, sondern auch katholische Blätter berück- sichtigen, die eine solche Unterstützung recht Wohl gebrauchen können. Andererseits sollten aber auch die Leser katholischer Zeitungen in erster Linie bei jenen Geschäftsleuten kaufen, die in katholischen Zeitungen inserieren.

Aber man begnüge sich nicht, selber eine katho­lische Zeitung zu halten, sondern veranlasse auch andere dazu. Zur Empfehlung guter Zeitungen bietet sich ja oft Gelegenheit, besonders am Ende eines Quartals, namentlich im Herbst, wo auf dem Lande mit Rücksicht auf den Winter das Lese- bedürfnis wieder rege wird. Manchmal kennen die einfachen Leute keine katholifchen Zeitungen und bestellen so mitunter ein ganz schlechtes Blatt. Da muß man sie aufmerksam machen und auf un­sere katholischen Zeitungen Hinweisen. Um irgend­wo ein gutes Blatt einzuführen, dürfte es sich em­pfehlen, dasselbe vorerst auf eigene Kosten zu be­stellen und dann zirkulieren zu lassen, um so die Leute zu interessieren und schließlich zu einem Probeabonnement zu veranlassen. In der Rege! wird es weiter empfohlen und noch mehr Freunde gewinnen. Auf diese Weife wird die Zeitung viel Nutzen stiften.

„EiueguteZeitungwirktwieeine ständige Mission" sagte der hl. Vater Leo XIII. Und mit vollem Recht, denn Jung und Alt wirb dadurch angeeifert zu allem guten, be­geistert zu allem edlen; sie werden sich aufs neue erwärmen und erstarken in ihrer christlichen Ueber- zeugung, aufs neue zum guten angehalten wer­den. Möchte jeder Katholik dies beherzigen, möge et mit Eifer kämpfen gegen die schlechte für die gute Presse l Erfüllt er doch auch dadurch die ein­dringliche Mahnung unserer Bischöfe und vor allem auch des Oberhauptes der Kirche, die den Gläubigen die Unterstützung der katholischen Presse nicht warm genug ans Herz legen können. Tue also jeder, was in seinen Kräften steht, halte er selber nur katholische Blätter, veranlasse er auch andere dazu! Kpl. N.

vermischtes.

* Die Möglichkeit, den Nordpol zu erreichen. Me der ,Voss. Ztg/ aus New-York berichtet wird, hat Fi a la, der in die Heimat zurückgekehrte Führer t bei: Ziegler' scheu Nordpol - Expedition, in sehr interessanter Weise seine Ansichten über die Mög­lichkeit, den Nordpol zu erreichen, ausge»

.prochen. Er meint, daß dies nur auf zwei Wegen möglich wäre. Die beste Methode wäre wahrschein­lich die, eine sehr große Expedition anszurüsten, der 10 Schiffe zur Verfügung ständen, von denen jedes als eine Art Relais-Station diente, sodaß eine große Kommunikations-Linie mit einer gut verproviantier­ten Basis hergestellt würde. Eine solche Expedition müßte sich auch über einen großen Zettraum erstrecken, auf eine Dauer von 5, 7 ober gar 10 Jahren be­rechnet fein. Wichtig wäre es dabei, daß auf die Auswahl der Hunde die größte Sorgfalt verwendet würde. „Die furchtbare Vereinsamung und das Ge­fühl, daß man keine Hilfsquellen in erreichbarer Nähe hat, haben zur Folge, daß den Menschen in den arktischen Gebieten leicht der Mut sinkt", sagte Fiala, und er glaubt, daß diese wesentliche Schwierig­keit durch ein solches umfassendes System von Re- laisschiffen zu überwinden wäre. Eine andere Mög­lichkeit, dem Ziele näher zu kommen, sieht der kühne Pokarfahrer darin, daß man ein sehr starkes Treib- schiff aus schwerem Stahl baut, das jedem Eisdruck widersteht; das Schiff müsse das Eis zermalmen können und dazu sehr leistungsfähige Maschinen haben; natürlich müßte es auch einen sehr großen Proviant mitführen. Daß Peari) den Nordpol er­reichen wird, glaubt Fiala nicht, wenn er auch bessere Aussichten hätte, als jeder Forscher vor ihm.

* Unaufmerksame Schlükiuder. Häufig genug kann man von Lehrern und (tzrziehern die Klage hören, daß es sehr schwer ist, ein Kind zu ungeteilter Auf« merksamkett für einen Vorgang, für eine Belehrung, ja nur für eine unterhaltende Erzählung zu veran­lassen. Trotz guter Intelligenz, trotz eines guten Verständnisses gelingt es nicht, aus ihnen aufmerk­same Schüler zu machen. Forscht man genauer, so wird man meistens erfahren, daß diese Kinder auch eine ähnliche Unruhe nachts während des Schlafes zeigen. Sie werfen sich im Bette hemm und schnarchen laut mit offenem Munde. Und es ist auch tatsäch­lich ein Hindernis an ihrer Rasenatmung vorhanden, das sie zwingt, den Mund zu öffnen. Es ift dies die sogen. Rachenmandel, ein Gebilde, das sich ost von Kirschkern- bis Pflaumengröße im Nasenrachen- rattm der Kinder entwickelt. Man kann es beim Oeffnen des Mundes nicht sehen, aber der ganze Gesichtsausdruck wird, wenn eine Rachenmandel vor­handen ist, ein besonderes Bild barbieten. Der Mund ist halb geöffnet, bie Augen weit aufgerissen, bie Falte zwischen Nase unb Wange verstrichen, bet Ausdruck ist hn ganzen etwas stumpf unb teilnahms­los. Diese Teilnahmslosigkeit wirb badurch bedingt, baß bie Rachenmandel ein Hemmnis der Blntver- forgnng für das Gehirn barstellt unb daher geistige Betätigung, also Inanspruchnahme des Gehirns, zu schneller Eemüdung führen. Entfernt man durch einen operativen Eingriff, der ohne Narkose in einigen Sekunden ausführbar ist, die Rachenmandel, so steht man schon nach wenigen Wochen aus den stumpfen, unaufmerksamen Kindern lebhafte, aufmerksame Schüler werden.

(denn

3it den ersten Tagen der Oktober er­halten die Le^r der Lulbaer Zeitung' den beliebten Tafchenfatzrpian umsonst.

Er wollte sich nicht lange in Verfeuil auf­halten, machte jedoch noch Herrn und Madame Delboury einen Besuch, ehe er das Dorf verließ.

Da es ihn drängte, etwas näheres über Leonie zu erfahren, so brachte er selbst das Gespräch auf ihre Person.

„Wenn Sie Leonie sähen, so würden Sie die­selbe sehr verändert finden", sagte die Gemahlin Herrn Delboury's; „übrigens kann dies auch nicht Wunder nehmen, denn sie hat in letzter Zeit viel geweint. Ihr Bräutigam Marcel Valory, hat sich so zu sagen gezwungen gesehen, beim Militär in Dienst zu treten."

„Ja", bestätigte Herr Delboury, „er hat es tun müssen,»weil er die Stelle verlor, die er früher hatte. Letzthin habe ich vernommen, daß er nach Afrika abgegangen ist, wo sein Regiment gegen die Araber Krieg führen soll. Marville hat vernünftigerweise seiner Tochter begreiflich gemacht, daß von einer Verbindung zwischen ihr und diesem Gelbschnabel durchaus keine Rede fein könne; denn wollte sie darauf warten, bis er viel- leicht als Offizier zurückkehrte, fo könnte sie darüber wahrscheinlich recht alt werden.

Es ist mithin alles zu Ende; die Kleine wird wohl noch einige Zeit weinen und sich bann schließ­lich trösten und die Sache vergessen müssen. Wer weiß, ob es ihr nicht jetzt bereits leid tut. daß sie Ihre Anträge so schnöde abgewiesen hat, die doch für sie so ehrenvoll waren? Denn sie mag zwar hübsch fein, aber sie besitzt doch eigentlich gar nichts, unb biefe Verbindung war doch für sie von größ­tem Vorteil, und Sie haben, als Sie Ihr ihre Hand boten, einen Beweis von großer Uneigen­nützigkeit abgelegt."

Leichttertig hatte Herr Delboury bie Worte hingeworfen, offenbar in bem Glauben, baß Leonie Adrian vollständig gleichgültig geworden sei.

Eine lebhafte Rote hatte indes alsbald bie Ge­sichtszüge Demeric's gefärbt. Madame Delboury hatte dies mit ihrem scharfen Blick sogleich wahr- genomwen unb begriffen, baß bas junge Mäbchen

die postaboimenten am Oktober aus eine ununterbrochene Zustellung der Fuldaer Zeitung' rechnen wollen, empfiehlt er sich, die Abonnements-Erneuerung für dar am Oktober d. )§. beginnende 4. Vierteljahr ohne Verzug bei dem zuständigen Postamte, bei dem vriestrager oder randbriesträger zu machen. Ve- zugrpreir ohne PostzusteüMgrgebühr 6 v pfg. pro Monat.

ihm doch nicht so gleichgültig geworben war, als ihr Gatte offenbar meinte.

Deshalb sagte sie in etwas beschwichtigenden Tone, inbem sie sich zu Demeric wanbte:

„Vielleicht ist es noch immer Zeit, alles gut zu machen; falls Leonie sich eines Bessern besinnen würbe, würben Sie vielleicht doch ihr noch Ihre Hand reichen wollen? Wenn ich mir gestatte. Ihnen diese Frage vorzulegen, so tue ich es aus Teilnahme für Fräulein Marville, unb eben des­halb bedauerte ich es, als ich vernahm, wie sie eine für sie so vorteilhafte Verbindung zurückgewiesen habe."

Diese Frage brachte Demeric sichtlich in Ver­wirrung. Sein Stolz wollte ihn verleiten, seine Gefühle zu verheimlichen, aber er begriff, daß, wenn er dies täte, auch der letzte Hoffnungsschim­mer, welcher ihm bis jetzt noch leuchtete, verschwin­den werde. Er antwortete deshalb:,

„Die Veränderung, von welcher. Sie soeben ge­sprochen haben, Madame, erscheint mir kaum glaublich; was mich betrifft, fo hat Leonie in mei­nen Augen durchaus nicht das Geringste berlo- t, unb sie bäucht mir noch immer ein hübsches, rei- zenbes Mäbchen, bas benjenigen glücklich machen kann, dessen Lebensgefährtin sie wird."

Madame Delboury fügte fein Wort mehr hinzu — sie hatte Wohl verstanden, daß es noch immer von Leonien abhinge, bie Gattin Adrian's zu Werben.

So entschloß sie sich denn, die erste Gelegenheit dazu zu benutzen, Fräulein Marville zu bestimmen, eine Verbindung einzugehen, welche nach ihrem Dafürhalten für bas junge Mäbchen fo vorteilhaft erscheinen mußte.

Am Tage nach dieser Unterhaltung reifte Adri­an nach Dieppe ab. Vergebens suchte er in den ver­schiedensten Zerstreuungen, bie hier den ans allen Himmelsrichtungen zusammenströmenben Frem- ben geboten sinb, Genuß, unb auch hier wollte seine düstere, menschenscheue Stimmung nicht weichen.

(Fortsetzuna folgt.)