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Maer W Zeitung

wochocheiiage: „Illustrierte Sonntagrzeitung" mono wiege: „Sulöaet Geschichtsblistter".

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Rotationsdruck u. Verlag der Zuldaer He» ttendruckerei in 5nlda. Zemsprecher Nr. 9.

M 224.

Fulda, Samstag, den 30. September 1905.

32. Jahrgang.

Drittes Matt.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.) Fulda, den 30. September 1905.

In das Gebiet der hohen Politik gehören einige Ministerbeaegnungen, die im Lause der vergangenen Woche ftoütfanden. Zunächst die Be­gegnung zwischen dem Reichskanzler Fürsten Bü­low und dem Präsidenten des russischen Minister­komitees von Witte, der von den Friedensver­handlungen in Portsmouth nach Petersburg zu­rückkehrt. Herr von Witte ist auch vom Kaiser in Rominten empfangen toorben, und man darf wohl annehmen, daß die zukünftige Politik Ruß­lands dabei das Hauptthema der Unterhaltung gebildet hat. Der Reichskanzler hat weiterhin mit dem französischen Botschafter Bihourd eine längere Unterredung gehabt. Dieselbe dürfte mit den jetzt glücklich zu End« geführten Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über das Programm der Marokkokonferenz in Zusammen­hang stehen.

Die Vorarbeiten für die kommende Tagung der Parlamente im Reich und in Preußen scheinen jefct in rascheren Fluß zu kommen. Wenigstens ist die Meldung unwidersprochen ge­blieb«», daß die jüngste Anwesenheit des Reichs­kanzlers in Berlin mit der Entscheidung über wichtige politische Fragen, namentlich auch hin­sichtlich der Reichsfinanzreform in Ver­bindung zu bringen sei. Ueber eine Herbsttagung des preußischen Landtages, bezw. die Einbringung des Volksschulunterhaltungsgesetzes ist aber auch heute noch nichts Bestimmtes zu sagen.

Aus unseren Kolonien liegen Meldungen über entscheidende Ereignisse nicht vor. In D e u t s ch - O st a f r i k a ist ein Angriff der Auf­ständigen auf die Station Mahenge unter starkem Verlust des Feindes zurückgewiesen worden. Auch im Süden der Kolonie, im Hinterland am Kilwa hat unsere Schutztruppe die Aufständigen in einer Reihe von Gefechten geschlagen. Ein Bericht des Gouverneurs stellt aber noch langwierige Kämpfe in Aussicht. Nach den aus Deutsch-Süd- westafrika vorliegenden Nachrichten wird es immer zweifelhafter, ob es gelingt, die Aufstän­digen unter Hendrik Witboi in einem enffcheiden- den Kampfe zu stellen. Eine über Kapstadt ge­kommene Meldung von einem starken Verluste der deutschen Truppen hat sich glücklicherweise als absolut unbegründet herausgestellt.

Der sozialdemokratische Partei­tag ist mit einer blutigen „Revolutionsrede" Bebels zu Ende gegangen. Ein Parteitag der freisinnigen Volkspartei hat das Zu­sammengehen mit den linksliberalen Gruppen unter Ausschluß der National-Sozialen empfohlen, die Simultanfchule gefordert, die Oeffnung der Grenzen u. a. m. Er tagte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit.

Die Cholera fordert jetzt zwar tveniger Opfer, aber ihre Bedrohlichkeit ist darum kaum gemindert, zumal jetzt auch in Berlin ein Todes­fall an Cholera konstatiert ist.

Am Dienstag hat die Eröffnung des österreichischen Reichsrats stattgefun- öen. Der Ministerpräsident von Gauffch hielt eine längere Rede, in der er auch auf die Wirren in Ungarn einging. Er betonte dabei, daß Oester­reich Vorsorge getroffen habe, auch für den Fall, daß Ungarn versage, die Regelung seiner handels­politischen Beziehungen durchzuführen. von Gautsch tvies weiterhin die Behauptung zurück, daß er in der Frage des allgemeinen Wahlrechts für Ungarn eine entscheidende Rolle gespielt habe ".nd erklärte, er sei kein unbedingter Gegner des allgemeinen Stimmrechts für Oesterreich, ein solches setze aber unbedingt die Regelung der Nationalitätenfrage voraus. Die Krisis in Ungarn ist heute verwickelter denn je. Nach einem ungnädigen Empfange der Führer der ungarischen Opposition beim Kaiser in Wien weigerten sich die ersteren, mit dem Minister des Aeußern, Grafen Goluchowsky, zu unterhandeln. Verhandlungen mit dem als „homo reeius“ be­zeichneten Grafen Czircky lvurden bald abge­brochen. Die Krone hatte den Oppositionsführern Vorschläge zur Lösung der Krisis unterbreitet, die von diesen als unannehmbar bezeichnet wur- oen. Schließlich sind die Führer unverrichteter Sache wieder nach Bitdapest zurückgereist, und es Reifet, jetzt, daß abermals Baro« Fejervary zu Konferenzen mit dem Kaiser, nach Wien be­rufen fcL

Tie Auflösung der Union zwischen S ch w e - o en und Norwegen steht bevor. Die beider- seitigen Delegterten in Carlstadt haben sich über alle Streitpunkte geeinigt, namentlich über die Einsetzung eines Schiedsgerichts, die Errichtung erner neutralen Zone, die Schleifung der Grenz- lestungen usw.

Der Zar hat jetzt die Vertreter Rußlands “H Auslande angewiesen, die fremden Staaten zu einer zweiten Friedenskonferenz nach dem Haag einzuladen.

Zwischen Frankreich und Venezuela ist ein neuer Streitfall entstanden, da der Präsi- oent Castro von Frankreich beschuldigt wird, die französische Telegraphengesellschast in Caracas zu Anrecht geschlossen zu haben. Zu einem Abbruch diplomatischen Beziehungen, mit dem Frank­reich gedroht hatte, ist es aber noch nicht gekommen. ; Kaukasus wollen Armenier und Ta- alen letzt Frieden schließen. Im Oktober soll ein .osMetz von Delegierten der beiden Volksstämme werden, der die näheren Modalitäten ws sonderbaren Friedenswerkes festsetzen soll.

China scheint sich der modernen Welt auch insofern anschließen zu wollen, als es — Bomben­attentate kultiviert. Die chinesische Reformkom- misfion wurde nämlich mit einer Bombe bedacht, deren Explosion 4 Tote und einige 20 Verwundete zur Folge hatte.

Unpolitische ZeMäufe.

D Berlin, 28. September 1905.

(Nachdruck verboten.)

Ein mächtiges Gewitter Aktien wir hier gestern abend. Das schöne Herbstwetter der letz­ten Tage, das hier unten so friedlich anmutete, muß in den oberen Regionen elektrische Span­nungen von sommerlicher Stärke hervorgerufen haben. Es blitzte und donnerte, als ob wir um Johannis lebten, statt um Michaelis. Während dieses verspäteten Donnerwetters war ich leider sehr prosaisch gestimmt. Der herbstliche Kon­flikt in den Wolken kam mir so vor, als wenn ein grauhaariges Ehepaar in Zank und Streit gerät.

In einem jungen Haushalt läßt man sich ein Gewitterchen noch eher gefallen, als in einem alten. Dort ist noch heißer Sommer, der leicht zu elektrischen Spannungen führen mag; aber wenn die Leute in den Herbst des Lebens ge­treten sind, so erwartet man mehr Gelassenhät, Ruhe und Frieden von ihnen.

Damit mochte ich aber nicht den jungen Leu­ten einen Freibrief für Zwistigkeiten ausgestellt haben. Jeder Zank ist mindestens eine Dumm­heit, und wer sich die törichten Hörner nicht recht­zeitig abschleift, der muß sie sich ablaufen, das heißt durch Schaden klug werden.

Man sagt: der Verstand kommt mit den Jahren. Soweit das zutrifft, muß auch die Verträglichkeit mit den Jahren zunehmen. Die Kinder sind bekanntlich in der Regel unverträg­lich. So artig und unschuldig die geliebten Sprößlinge auch vor den Eltern und sonstigen Respektspersonen erscheinen mögen, so rücksichts­los find sie oft in ihrer angeborenen Selbstsucht und Mißgunst unter einander. Das ewige Zer­ren und Streiten läuft nicht selten in die hand­greiflichste Beweisführung aus. Bis zu der Kulturstufe des interparlamentarischen Frie­denskongresses und der Haager Konferenz sind die Kinder noch nicht emporgefticgen: sie be­trachten den Krieg als ein unentbehrliches und nützliches Ding, was ja für das politische Leben auch erwachsene Militärschwärmer noch tun. Nun brauchen freilich die Eltern wegen des Krakehls in der Kinderstube nicht gleich zu ver­zweifeln; die Kraftworte, die dort ausgetauscht werden, sind nicht so schlimm gemeint, und die Püffe zerstören nicht die geschwisterliche oder kameradschaftliche Liebe. Manchmal kann man sogar sagen: Was sich haut, das hat sich gern. Aber das gilt nur von dem wirklich kindischen Spiel der Kräfte. Mit den Jahren muß die Vernunft zunehmen und also der rohe Egoismus abnehmen. Der Verkehr der Geschwister und Mitschüler muß allmählich in Form und Sache, sich auf die höhere Kulturstufe erheben, die der' Spruch kennzeichnet: Was du nicht willst rc. Das Menschenkind muß nach und nach lernen, daß jeder die Hilfe und Nachsicht der Mitmen­schen gebraucht und deshalb auch ihnen Ncuhsicht und Hilfe gewähren muß.

Bis zum Heiratsalter sollten eigentlich alle schon diesen Weisheitsgrad erreicht haben. Aber manche bestehen doch die Probe nach der Hoch­zeit nicht. In der Brautzeit sind sie gleichsam von den Flügeln ihrer Leidenschaft über Stock und Stein dahin getragen worden; nachdem nun das prosaische Alltagsleben in Gang gekommen, müssen sie wieder Schritt vor Schritt den holp­rigen Erdenweg iveiter stapfen und dabei stößt der Fuß bald hier, bald da an. Die sich eine zeitlang für Engel gehalten haben, erkennen sich als Menschen. Es gibt Aergernis, Mißmut, Mißverständnisse; es braut sich ein Gewitter zusammen.

Im Brmtfftande pflegen die jungen Leute, wie böse Zungen behaupten, etivas kindisch zu sein. Im Ehestand findet die Kinderei ihr Ende. Aber für diese zweite Erziehung muß manchmal empfindliches Lehrgeld bezahlt werden. Wohl denen, die sich wenigstens die eine gute Eigen­schaft der Kindheit bewahrt haben: nicht nach- trägerisch zu sein und nach dem Gewitterchen gleich wieder die Sonne der Gemütlichkeit schei­nen zu lassen.

Also für die Lehrzeit wollen wir gern mil­dernde Umstände gelten lassen. Das geht aber beim besten Willen nicht, wenn auch an alten Herden immer noch der Zankapfel seinen Platz findet. Mit der Zeit muffen die beiden zusam­mengehörigen Steine sich dach glatt abgerieben haben. Allmählich muß doch jeder Teil erkannt haben, daß er die und die Schwächen habe, und der andere Teil jene, daß nichts anderes übrig bleibe, als sich auf Gegenseitigkeit zu ertragen.

Die Quellen des Unfriedens sind in der Regel die Ungeduld und der Eigensinn.

®ie_ Ungeduld ist mehr bei den Männern zu Hause, als bei den Frauen. Der Jähzorn

gilt ja als männliches Laster. Aber bei aller Galanterie kann man nicht leugnen, daß auch das weibliche Geschlecht in diesem Punkte seine Schwächen hat. Es gibt Frauen, die bei einem ernsten Schicksalsschlag sich in unerschöpflicher Geduld für die Familie aufzuopfern vermögen, die aber bei einem kleinen Aerger ganz aus der Fassung geraten. Wenn der Mann, die Kinder oder das Dienstmädchen mal über die Schnur hauen, so gibt es eine Sintflut von Tränen oder eine Lawine von Schelten, als ob die Weltachse aus dem Lot geraten wäre. „Ach, meine Ner­ven I" Ich weiß nicht, ob das Gift aus den Nerven kommt. Aber in dem Gehirn, wo der Verstand sitzt, und in dem Herzen, wo die Liebe wohnt, sollte doch ein Gegengift bereitet werden.

Während die Frau zur Empfindlichkeit neigt, wird der Mann leicht aus Rücksichtslosig­keit ungeduldig. Er bildet sich gern ein, daß die ©einigen nur seinetwegen da wären und nichts anderes zu tun hätten, als ihn zu be­dienen und zu verhäffcheln. Wenn nicht alles gleich nach seinen Launen geht, so poltert er los, und jeder Widerspruch, mag er noch so be­rechtigt fein, bringt den Truthahn immer ärger ins Kollern. Derartige Gewitter wirken nicht luftreinigend, sondern enden in einer katzeu- jämmerlichen Stimmung. Wir lassen uns ja gern das starke Geschlecht nennen; dann müssen wir aber auch starke Nerven haben. Das zor­nige Arlfbrausen ist aber ein Zeichen der Schwäche, und der rücksichtslose Egoismus ist ein Zeichen von Unverstand.

Die zweite Quelle der Zwietracht ist der Eigensinn. Jeder will Recht haben und Recht <bel)alten. Und wenn klar nachgewiesen wird, daß er sich geirrt hat, so gibt er doch nicht nach; er denkt, durch das Eingeständnis des Irrtums blamiere er sich, und inzwischen blamiert er sich gründlich durch die hartnäckige Verteidigung einer verlorenen Stellung. Er besteht auf seinem Kopf, und wenn der Kopf bei dem An- rennen gegen die Mauer noch so weh tut. Aus­gewachsene Leute sollten doch nachgerade gelernt haben, daß es besser ist, im Vogen um einen Sumpf herumzugehen, als geradewegs hindurch zu stapfen. Wo die Pflicht gebietet, da muß man freilich unnachgibig sein; aber verwechsle nicht Gottes Willen mit deinem Eigenwillen. Auch andere Leute haben auch ihre Vernunst «nd ihr Recht. In der Politik gilt jcht immer mehr die Mittellinie, den Ausgleich zwischen den verschiedenen Meinungen und Interessen gelten lassen, weil es sonst bald zum Brechen käme. Nun, dann soll man im Familienleben auch die goldene Mitte gelten lassen, statt mit Rechthaberei und Starrsinn den Frieden zu ge­fährden. Nachgiebigkeit ist keine Schwäche, son­dern eine kluge Spekulation; sie trägt reichliche Zinsen.

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, hat mal ein Kommandant von Berlin gesagt. Ruhe sst die erste Familienpflicht, möchte ich sagen. Je mehr Jahre sich auf dem Rücken häufen, desw größer ist der Bedarf an Ruhe und Gemütlichkeit. Der Mensch hat in dem Kampfe ums Dasein, der immer hitziger wird, wahrlich Aufregung im Ueberfluß; da muß der behagliche Frieden am häuslichen Herd ihm Abkühlung und Erquickung bieten. Wenn jüngere Leute sich einbilden, sie dürften noch ihre Kraft und Zeit in häuslichen Kampfspielen verschwenden, so mögen sie sich die Hörner ablaufen. Jedoch in den reiferen Jahren sollte man mit seiner Lebenskraft und Lebenszeit sparsamer umgehen. Der Nachmit­tag des Lebens ist manchmal viel kürzer, als man gedacht hatte. Warum den Rest des Da­seins sich vergällen durch Zank und Zwist? Die „Siege", die im besten Falle dabei zu erringen sind, machen doch nicht glücklich. Wohl aber macht die Gemütlichkeit glücklich — die behag­liche Gemeinsamkeit in Frieden und Liebe. Also fein Herbstgewitter im Hause! Soviel Sonnen­schein genießen, als nach der Jahreszest noch zu haben ist! —'

„Alterweibersomnwr" ist der spöttische Name für die schönen Herbsttage. Man könnte ebenso gut Altermännersommer sagen. Aber der Spott ist gar nicht am Platze. Wenn die milde Herbst­sonne über dem vielfarbigen Laub scheint, so kann sich diese friedvolle Schönheit wohl sehen lassen. Ich kenne Ehepaare, die bei ihrer sil­bernen Hochzeit mehr wahre Glückseligkeit aus- sttahlten, als bei ihrer grünen. Man mag ja die sorgenlose Kindheit imb die hoffnungsvolle Jugend preisen; aber man soll auch dem ab­steigenden Rest des Lebens sein Recht zukommen lassen. Die Blütezeit ist lieblich, die Erntezeit ist erfreulich, und der friedliche Genuß der Ernte ist auch nicht zu verachten. Die älteren Jahr­gänge können ebenso glücklich sein, wie die jüngeren, ja vielleicht noch glücklicher, wenn sie nur den Berhältnipen sich anzupassen verstehen. Die Jugend sucht das Glück im Hoffen und Ringen, im Wetten und Wagen; das Alter findet es in ruhiger Zufriedenheit. Genieße froh, was dir beschießen; entbehre gern, was du nicht hast, und leb' mit aller Welt in Frieden; dann trägst du leicht des Alters Last. „Der Friede fei mit euch", heißt es zu Ostern. „Friede

den Menschen", lautet die Weihnachtsbotschaft. Den Toten rufen wir nach, sie möchten in Frie­den ruhen. Aber trotz alledem wird der Wert des Friedens für das irdische Leben noch längst nicht genug gewürdigt. Aller Glanz rmd aller Besitz schaffen keine Glückseligkeit, wenn nicht der Friede dabei ist. Das ruhige Gewissen, das auf dem Frieden mit Gott beruht, und das ge­mütliche Leben, das von dem Frieden mit dem Mitmenschen, vor allem vom häuslichen Frieden abhängt. Wer sich durch seine Launen und feinen Eigensinn um diesen Frieden bringt, ist ein Tor. Aver wer des ließen Friedens halber geduldig und nachgiebig ist, der wirft mit kleinen Würsten sich eine große Speckseite aus dem Rauchfang des Glückes.

Gemütlichkeit ist eine liebliche und nahrhafte Frucht; sie wächst uns aber nicht wild zu, son­dern wer sie ernten will, muß sie auch säen.

Römischer Wochenbries.

(:] Rom, den 25. Sept. 1905.

Die „Statuten" für die neue Organi­sation der katholischen Streit- krästeJtaliens sind nunmehr fertig und werden an die Vorstände der 6etreffenden Ver­eine gesandt. Am meisten interessieren uns selbstverständlich die Statuten des „Volksver­eins", welchen man hier bekanntlich nach deut­schem Muster bilden möchte. Sie bestehen aus nur sechs Artikeln. Als Zweck des italienischen Volksvereins gilt: „zu kämpfen für die christ­liche, soziale Ordnung der Zivilisation nach den Lehren der Kirche und den Weisungen des apo­stolischen Stuhles und dies Programm anzu­wenden bei den Institutionen des praktischen Lebens, bei der Erziehung und dem Unterricht und dem uwralischen, zivilen und religiösen Fortschritt des italienischen Volkes". Die Mit­gliedschaft soll jährlich einen Franken kosten. Mitglied dieses ttalienischeu Volksvereins kön­nen alle die werden, welche durch Studien oder durch schriftliche wie mündliche Propaganda an der Verbreitung der Prinzipien des Pro­gramms, besonders an der Ausbreitung und Kräftigung der christlichen Zivilisation in allen aktuellen Fragen Mitwirken. Der Präsident und die Vizepräsidenten sollen fiir drei Jahre gewählt werden und wiederwählbar sein. Fer­ner soll ein eigenes Studienamt, in voller Un­abhängigkeit von der Verwaltung des Vereins errichtet werden, welchem wiederum ein wissen­schaftlicher Beirat beigegeben wird. Nun groll­ten aber bereits die autonomen christlichen Demo­kraten, weil man sie bei der Statutenversendung ganz unberücksichtigt gelassen hat, obwohl sie bei weiten: die Mehrheit der italienischen Ehrist- lich-Soziale:: auf ihrer Seite haben. Von ihrem Verhalten dürfte daher außerordentlich viel ab- hängen. —

Gestern wurde in sämtlichen Kirchen Roms eine Sammlung für die notleiden­den Ealabr esen veranstaltet. Morgen will man hier einen „Wohltätigkeits-Umzug" halten, wie er bereits in Mailand, Neapel und anderen Städten Italiens stattgefunden hat. Studenten, welche die einzelnen Wagen beglei­ten, sammeln von den Passanten die Gelder ein. Ein Militärmusikkorps begleitet den Zug.

Der bekannte Erbauer des großen Nationaldenkmals für König Viktor Emanuel auf dem römischen Kapitol, Graf Joseph S a c c o n i ist in Montalto, wo er zur Mlleggiatur weilte, im Alter von 55 Jahren plötzlich gestorben. Unter 250 Mitbewer­bern errang er den ersten Preis in der Kon­kurrenz für das erwähnte Denkmal, dessen Bau ihm anvertraut wurde. Sacconi, ein persön­licher Freund des Königs Humbert und der königlichen Familie, erbaute auch den Palast, welcher das Seitenstück zum bekannten Palazza Venezia, dem Sitze der österreichisch-ungarischen Botschaft werden soll, besorgte die Restaurierung des Domes von Loreto und schuf die Sühne­kapelle an der Stelle, wo Humbert I. in Monza von Mörderhand siel. —

Reklamen- und Anzeigenteil.