Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, mlt Ausnahme der Sonn« und zeiertage. viertel- jährl. Bezugspreis ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda und auswärts 1HIL 50 Pffl-

Verantwortlicher Schriftleiter: I. Saum für die Anzeigen

j. Parzellrr in Zulda.

Zuldaer W Zeitung

wochendeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung" Monatr»«ii°ge: „zuldaer Geschichtsblätter".

Anzeigen: Olt tm fpattige Petitzeile oder deren Raum 15 Pf-. Reklamen die Petitzeile 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpr, Rabatt gewährt.

Rotationsdruck u. Verlag der ruldaer 2k» tiendruckerei in Zulda.

Zernfprecher Nr. 9.

M 223.

Fulda, Freitag, den 29. September 1905.

32. Jahrgang.

):( Vie Stichwahl in Gen.

Die gestrige Stichwahl im Reichstagswahl­kreise Essen hat das Ergebnis gehabt, welches wir auf Grund des Ausfalles der Hauptwahl vorausgesagt hatten. In früher Morgenstunde erhielten wir heute folgendes Telegramm aus Essen:

W. Essen, .30. Sept. 1905, 1 Uhr nachts. Das Schlussrefnltat der Mcichs- tags-Stichwahl ist folgendes: Gies- berts, der Kandidat des Zentrums, erhielt 41776, der Sozialdemokrat Go­to ehr 37391 Stimmen. Der Wahlkreis ist also dem Zentrum erhalten geblieben, obschon die Nationalliberale» in großer Zahl für den Sozialdemokraten stimmte«.

Bei der Hauptwohl am 19. September ha'- ten erhalten (in abgerundeten Z'ffern): Gis­berts 35 500, Gewehr 28 700, Dr. Niemeyer (ncit.-lib.) 18 000, Behrens (christlich-sozial) 1800, Chocszewski (Pole) 1700 Stimmen. Das Zentrum hat also in der Stichwahl einen Zu- ivachs von rund 6000, der Sozialdemokrat rund 9000 Stimmen erhalten. Die Polen haften für die Stichwahl als Parole „Wahlenthaltung'' ausgegeben und die polnischen Wähler dürften 1vüI)1 Jnt allgemeinen dieser Parole gefolgt sein. Die Christlich-Sozialen haben für den Zenirumskandidaten gestimmt; dasselbe darf man von den (im Wahlkreise nicht besonders zahlreichen) Konservativen annehmen, die ber der Hauptwahl mit den Nationalliberalen sich vereinigt hatten. Da es nun feststeht, daß das Zentrum noch eine ziemlich große Reserve hatte, da bei der Hauptwahl inanche Zentrums- wcialcr zurückgeblieben waren, loährend anderer­seits die Sozialdemokraten schon bei der Hcmpt- waht ihren ganzen Anhang zur Wahlurne her- augezogen hatten, so unterliegt es gar feinem Zweifel,, daß die 9000 Stünnien, welche der sozialistische Kandidat bei der Stichwahl gewon- neli hat, ausdemnationalliberalen Lager gekommen sind. Das ist das Inter­essanteste bei der ganzen Wahl und darf nicht vergessen werden. Etwas anderes hat die natio- naliiberale Parteileitung des W a h l- k r e i s e s , der nationale Wahlverein, aber auch gar nicht gewollt. Obschon die großen nationalliberalen Blätter, die „Köln. Ztg." und die Berliner ,,Nat.-Zig/' sich entschieden dafür ausgesprochen hatten, daß die nationalliberalen Wähler in Essen bei der Stichwahl für den Zen- triimskandidaten eintreten müßten, damit der Wahlkreis nicht den Sozialdemokraten in die Hände falle, konnte die Essener Parteileitung sich nicht dazu entschließen, diese Wahlparole aüszu- geben. In der letzten Sitzung des „nationalen Wahlvereins" empfahl der Vorstand imchste- hende Resolution zur Annahme:

Nach dem für uns ergebnislosen Ausgang der Wahl glauben wir, es jedem Nationalen anheim stellen zn müssen, ob er von seinem Wahl­recht Gebrauch machen will oder nicht. — Wir sprechen aber die zuversichtliche Hoffnung aus, dost derjenige Nationale, der sich an derSlichwahI be­teiligt. seine Stimme nicht dem Kandidaten der Sozialdemokratie gibt.

Aus der Versammlung heraus wurde bean­tragt, die Resolution in zwei Teilen zur Abstim- minig zu bringen. Diesem Ersuchen wurde statt- gegeben und der erste Teil einstimmig o n g e n o m m e n. Für den zweiten Teil

Zwei verstoßene.

Von V. Rotlret. Autonsierte Uebersetzung vor I. Rüttgers.

101 < Nachdruck verboten.)

Marcel und Leonie sollten gleichfalls diese bittere Wahrheit erfahren.

Am Tage nach dem Sonntage, welchen ec bei Herrn Marville zugebracht hatte, erhielt Valory, sobald er zur gewohnten Stunde sein Bureau betreten hatte, die Mitteilung, daß Herr Giau- tmy ihn zu sprechen wünsche.

Ahnungslos und so ruhig wir möglich begab er sich sogleich in das Kabine! seines Prinzipals. Kurz vorher hatte ihm Herr- Glantiny eine Ge­haltserhöhung in Aussicht gestellt,, und so mußte er amiehmen, daß es sich um diese handelte.

selbstredend sah er sich 'auf's Bitterste ent­täuscht, al» Herr Glantiny ihm in kurzen, dürren Worten vorhielt, wie er erfahren, daß er einen sehr verderblichen Einfluß auf seinen Sobn aus- geübt und denselben veranlaßt habe, seine Zu­flucht ohne Vorwissen des Vaters zu einem Wuche­rer zu nehmen.

Marcel war wie zu Boden geschmettert, als er diese Worte vernahm; er versuchte, Glantiny die gänzliche Haltlosigkeit der schweren Beschuldigung darzutnn, welche man gegen ihn erhoben hatte; da er aber keine rechetn Beweise beibringen konnte^ so fiel ihm dies um so schwerer, als Glantiny von vorneherein entschlossen war, gegen olle Bitten taub zu sein. Er kündigte also dem jungen Manne an, daß er sich nach einer anderen Stelle umsehen möge, da er in seinem Hause nicht einen Tag länger bleiben könne, und händigte ihm nur noch eine kleine Summe als Entschädigung da­für ein, daß er, wie er sagte, ihm nicht früher gekündigt und so Gelegenheit verschafft habe, sich eine andere Stellung zu suchen.

fand sich jedoch keineMehrheit. Nach denr Esseiier „Allgemeinen Beobachter" stimmten 69 dafür, 80 dagegen. Der zweite Teil des Vor- standsaiitrages lvar demnach abgelehnt. Der „Allgemeine Beobachter" berichtet nun weiter: „Darob große Entrüstung auf einer, Genugtu­ung auf der andern Seite. Plötzlich erklärte der Vorsitzende, es hätten sich einige Herren einge­schlichen, die iiicht Vertraueiismänner, also nicht stimmberechtigt sind. Wieder große Unruhe. Einige Herren verlassen den Saal. Aus der Ver­sammlung war mittlerweile der Antrag gestellt, dem zweiten Absatz folgende Fassung zu geben:

„Wir sprechen aber die Hoffnung aus, daß der­jenige Nationale, der sich an der Wahl beteiligt, so wählt, daß eres mit seinem Gewissen verein­baren kann."

Trotz Widerspruchs und Tumults wurde die Abstimmung nochmals aufgenommen und nun die abgeänderte Fassung mit knapper Mehrheit angenommen. Unruhe, Tumult."

Daß die große Mehrheit der „Nationalen" e- „mit ihrem Gewissen vereinbaren könne" füi den Sozialdemokraten zu stimmen, haben wir keinen Augenblick bezweifelt. Und das sind dieselben Leute, die Königstreue und die Vater­landsliebe in Erbpacht genommen haben, die Mords- und Hurrah-Patrioten, die jeden als Reichsfeind brandmarken wollen, der nicht mi ihnen an demselben Strange ziehen will. Mi ihrem „nationalen" Gewissen können sie es ver einbaren, sozialdemokratische Stimmzettel abzu- geben, obschon die Sozialdemokraten wenige Tac-s vorher auf ihrem Parteitage in Jena offen vor aller Welt ihre vaterlandslose Gesinnung ausgesprochen und der be­stehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ord­nung der Krieg bis aufs Blut angesagt haben. Wer es jetzt noch nicht glaubt, daß die Nationalliberalen echle Vaterlandsliebe und Königstreue in ihrem Herzen tragen, an dem ist Hopfen und Malz verloren! — Man darf darauf gespannt sein, wie die nationalliberale Presse' das Verhalten ihrer Gesinnungsgenossen int Essener Wahlkreise beurteilen und — recht­fertigen wird. Jedenfalls ist und bleibt dasselbe ein Schandmal'der ganzen Partei, das ihr immer und immer wieder vorgehalten werden muß, wenn sie sich herausnimmt, mit ihrem Patriotis­mus zu prahlen und die vaterländische Gesinnung anderer Leute zu verdächtigen.

Deutsches Reich.

Berltn, den 28. September 1905.

* Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über den Programm-Entwurf für die Marokko-Kon­ferenz sind abgeschlossen worden. Das Pro­gramm, über das sich beide Regierungen ge­einigt haben, umfaßt die Einrichtung der Polizei, die Regelung der Ueberwachung und Unter­drückung des Waffenschmuggels, die Finanzre­form, die besonders in der Errichtung einer Staatsbank, der Steigerung der Steuererträge und der Erschließung neuer Einnahmequellen bestehen soll, endlich die Festsetzung gewisser Grundlinien zur Sicherung der wirtschaftlichen Freiheit. Für das algerisch-marokkanische Grenz­gebiet soll die Polizeiorganisation wie bisher un­mittelbar und ausschließlich zwischen Frankreich uitd dem Sultan geregelt werden. Dasselbe soll

. Diese so urplötzlich gekommene Entlassung wirkte auf Marcel wie ein Donnerschlag, und mutzte ihn dieselbe, begreiflicherweise um so mehr erbittern, als er sich sagte, daß er dieselbe keines­wegs verdient batte. Vergebens fragte er sich, h)ie der Rat, den er dem jungen Glantmy gegeben, tn einer für ihn so ungünstigen Weise gedeutet werden könne. Schließlich kam er zur Ueberzen- Mmg, daß Edmond, um sich zu rechtfertigen, die Schuld auf ihn geschoben habe.

. Begreiflicherweise erbitterte ihn dieser Gedanke auf's höchste, da ein solches Verfahren ihm gegen­über jedenfalls als ein sehr großes Unrecht er­scheinen mußte. Endlich verhehlte er sich auch die Schwierigkeiten nicht, tvelche es ihni verursachen würde, eine neue Stellung zu finden; mußte ja auch seine plötzliche Entlassung aus dem Dienste des Herrn Glantiny ibn iimsomehr in ein ungün­stiges Licht stellen, als das außerordentlich kurze Zeugnis, welches er erhalten hatte, ihm nicht zur Empfehlung gereicheit konnte.

Inzwischen faßte Marcel all' seinen Mick zn- saminen rind wandte sich an verschiedene-Fabri­kanten. Nach langem Umfcerirren glaubte er endlich die so beiß.ersehnte Stelle gefunden z>l haben. Der Fabrikant bedielt sich indes vor, zu- nächst bei Herrn Glantiny über feine Persönlichkeit Erkundigungen einzuZiehen. Der Letztere stellte feine persönlichen Interessen über jede andere Rück­sicht, und da ihn die Angaben Demeric's überzeugt hatten, daß es sehr wünschenswert sei, wenn Marcel die Stadt ganz verlasse, so bemühte er sich eifrigst, feinem Freunde durchaus davon akku­raten, ihm die erbetene Stelle zu übertragen.

Es konnte nicht ausbleiben, daß das Gerücht von der plötzlichen Entlassung des jungen Mannes in den Kreisen, welche ihm oder seinem Brotherrn näher standen, sich schnell verbreitete.

Glantiny hatte zwar seine Beschwerden gegen Marcel nicht näher ansgedrückt; aber jedermann mußte gerade aus seinen halben, geheimnisvollen Worten und noch mehr aus dem, was er angeblich

für dieses Gebiet gelten inftczug auf die Anwen­dung der allgenreinen Vorschriften über den Waffenschmuggel. Nach dem Neberein kommen werden ferner beide Regierungen Spanien um "eine Zustimmung darüber angehen, daß die Stadt Algeciras als Versammlungsort der Kon­ferenz gewählt wird. Der Programm-Entwmft und der Vorschlag wegen des Versammlungs­ortes der Konferenz sind ohne Verzug von den beiden Regierungen dem Sultan und denjenigen Mächten zur Annahme zu unterbreiten, die das Abkommen von Madrid unterzeichnet oder ihm zugestimmt haben. Sobald die Vorschläge über das Programm und den Versammlungsort der Konferenz dem Sultan zugegangen sind, werden die beiden Missionen Fez verlassen, um nach Tan­ger zurückzukehren.

-4- In einer anscheinend offiziösen Notiz des „Berl. Lokalanz." wird mitgeteilt, der Voran­schlag für den Reichsetat von 1906 werde, trotz der wachsenden Mehreinnahmen aus der Brannt­wein-, Zucker- und Stempelsteuer mit einem ft arten Defizit, bezw. mit einer starken Vermehrung ungedeckter Matrikularbeiträge ab­schließen. Nette Aussichten!

* Ein Gesetzemwurf, betreffend die Einfüh­rung der Dienstalterszulagen für die Amts­und Landrichter und Staatsanwälte, wird nach den ,Berl. Reuest Rachr/ im Justizministerium für die nächste Landtagssession ausgearbeitet. Das System der Dienstalterszulagen soll für die I genannten Beamten von 1907 an in Kraft treten.

* Die Stärke der deutschen Streitkräfte i» Ostafrika, die sich zurzeit an Land befinden, nachdem die aus der Heimat gesandten Ver­stärkungen eingetroffen sind, ist folgende: S ch u tz t r u p p e: 32 weiße, 5 schwarze Offi­ziere, 26 Aerzte, 22 Beamte, 125 weiße, 126 schwarze Unteroffiziere, 1342 Mann; M a - r i ne-Infanterie: 6 Offiziere, 10 Unter­offiziere, 160 Mann; seemännisches Per­sonal: aus ber Heimat gesandt zur Ergän­zung der „Bussard"-Besatzung: 2 Oifiztere, 4 Unteroffiziere, 45 Matrosen, vom Kreuzer „Bussard" an Land gesetzt: 4 Offiziere, 80 Manu, es befinden sich also an Land zur Be­kämpfung des Aufstandes 1938 Mann. Im Falle der Not können die anwesenden Kreuzer „Bussard", „Thetis" nird „Seeadler" noch gut 200 Mann abgeben, so daß man zur Vetväl- stigung der Unruhen immer rund 2150 Mann zur Verfügung hat. Außerdem leisten die wei­ßen und arabischen Ansiedler und Händler noch freiwillige Hilfe.

§ lieber den Stand der Eholcra berichtet der „Reichs- und Staatsanz.": „Vom 27. bis 28. September mittags sind im preußischen Staate 2 choleraverdächtige Erkrankungen und 0 Bazillenträger amtlich neu gemeldet worden. Die Erkrankungen betreffen die Kreise West- Havelland und Wirfih; von den Bazillenträgern befindet sich einer in Berlin (die Frau des an Cholera verstorbenen Schiffers) und 5 in Adolfsdorf int Kreise Wir sitz (schon in Beobach­tung befindliche Angehörige Cbolerakranker). Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt. 256 Erkrankungen, von denen 87 tätlich ver­liefen."

* Der bayerische Landtag ist am Donners­tag mittag in München durch den Prinzregenten eröffnet worden. In der Thronrede beißt es: Die unverkennbare Besserung der wirt- uicht jagen wollte, schließen, daß er gegründete Ur fache habe, über Marcel Klage zu führen. Wie ge­wöhnlich munkelte mau infolgedessen alles mögliche über den armen jungen Mann; überall sandte man ihm geheimnisvolle, auffallende Blicke nach, man schien ihm geflissentlich aus dem Wege zu gehen, sodaß er allmählich begriff, daß die öffent­liche Meinung nicht mehr auf seiner Seite stehe und es ihm demnach vollständig unmöglich fein werde, in Orleans sich eine Stellung zn ver­schaffen.

Wir brauchen die verzweifelte Stimmung nicht zu schildern, in welcher sich Marcel befand. Be­ständig trat das Bild Leoniens vor seine Seele und machte ihn nur noch um so trauriger; denn er mußte sich fast mit Gewißheit sagen, daß es in­folge der umberschwirrenden nachteiligen Gerüchte mit seiner Hoffnung auf Verwirklichung der sehn- lichst erwünschten Verbindung mit dem jungen Mädchen für immer aus sein werde.

Marcel stand allein auf der Wett; wohin sollt" er sich in seiner traurigen Lage um Hülse oder Unterstützung wenden? Nachdem er verschiedene Male ohne Erfolg sich nach einer neuen Stellung nmgeiehen hatte, teilte er endlich Herrn Marville mit, in welch' trauriger Lage er sich befinde.

Marville begab sich, ohne seinen Angehörigen das Geringste zu verraten, sogleich nach Orleans und zwar zunächst zu Herrn Glantiny, welcher ihm auf seine Bitte die Gründe seines Handelns Marcel gegenüber angab un&w ihm erklärte, daß nach seiner Ansicht der Verkehr seines Sohnes mit Lalory sehr gefährlich sei. da der letztere ihm nur schlechte Ratschläge gebe.

Wenn Marville auch nicht Glantiny volles Vertrauen schenkte, so war doch, als er sich nach Hause begab,. sein Glauben an die Ehrlichkc-t und Rechtlichkeit Valory's stark erschüttert.

Marcel befand sich gerade in seinem Hanse, als Marville von seinem Besuche in der Stadt zurückkehrte, Schon gleich gewahrte er an dem strengen, ernsten Ausdruck seiner Gesichtszüge,

schastlichen Verhältnisse hat es möglich gemacht, trotz des Rückganges einiger Einnahmequellen und abermals gesteigerter Anforderungen, eine Erhöhung der direkten Steuern zu vermeiden, da jedoch beträchtliche Erübrigungen aus frühe­ren Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen, mußte zur Deckung einmaliger Ausgaben die Aufnahme eines A n l e h e n s in Aussicht ge­nommen werden. Die Thronrede kündigt sodann die V e r b e s f e r u n g d e r E i n k o m m e n- verhältnisse zahlreicher Kategorien von Beamten, sowie im Staatsdienst beschäftigten Arbeitern an. Ferner werden Denkschrif­ten über die Reform der Steuergesetzgebung, über die Errichtung einer Zentralstelle für Han­del und Gewerbe, sowie die wiederholte Einbrin­gung des W a s s e r g e s e tz e s angekündigt. Weiter werden eine Denkschrift über die E r- Werbung der pfälzische n Eise n- b a h n e n und andere Entwürfe auf dem Ge­biete der V e rk e h r s v e r w a l t u n g cinge- kündigt. lieber die Schäden, welche durch elemen­tare Ereignisse einige Bezirke der Pfalz mit um­fassendem Wein- und Tabaksbau erlitten haben, sind umfangreiche, eingehende Erhebungen ange­stellt worden. Die Thronrede schließt mit den Worten: „Möge des Allmächtigen schützende Hand auch fernerhin über unserem lieben Bayern und dem deuffchen Vaterlande walten."

* München, 28. Sept. 1905. Oberstaats­anwalt Tr. von Hauck, der hochbetagte Zen­trumsveteran, ist gestern im Alter von S2JZ> Jahren gestorben. Tr. v. Hauck lvar am 27 April 1823 zu Rüsselsheim geboren. Von 1867 bis 1879 vertrat er Aschaffenburg im Land­tage und von 1889 bis 1893 Neustadt a. S. Von 1871 bis'1879 war Dr. v. Hauck Reich tagsabgeordneter für Aschaffenburg. Im Jahre 1879 wurde er Oberstaatsanwalt am neuen Verwaltungsgerichtshof, der ganz wesent­lich nach feinen Vorschlägen gestaltet worden war. Dr, v. Hauck war ein ganz hervorragender Verwaltungsjurist, der in fruchtbarer Weise die bayerische Gesetzgebung beeinflußt hat. Den Zen­trumsfraktionen im bayerischen Landtag wie im Reichstag war Dr. v. Hauck ein treuer und er­fahrener Berater. Er ist wie die „Germania" hervorhebt, einer von der alten Garde, deren Mitglieder ihrer katholischen lleberzeugung we­gen zurückgesetzt wurden. Man denke: 1846 trat Dr. v. Hauck in den Staatsdienst und lvar noch 1879 Bezirksamtmann! Der Dnrchfchnitftver- waltungsbeamte erreicht den Regierungsrat mit fünfzehn Jahren Dienstzeit, Dr. v. Hauck bat zum Weg über den Bezirksamturann hinaus etwa 33 Jahre gebraucht, er, der einer der ersten Juristen war. Das möge sich das katholische Volt merken. Es können solche Zeiten wiederkehren. Das katholische Volk wird nur soweit berück­sichtigt, als es sich Geltung zu verschaffen ver­steht durch seine Organisationen. —

Ausland.

* Zur Krisis in Ungarn meldet man aus Budapest, die voraussichtliche abermalige Be­trauung Fejervarys mit der Kabinettsbildung habe noch eine wichtige Bedeutung in einem be­sonderen Sinne: Der Kaiser soll Fejervary schon am Mittwoch erklärt haften, er wolle mit der Koalition in feine weiteren Verhandlungen ein­treten und habe die bestimmte Absicht, ihr in

daß Marville wahrscheinlich ebenfalls die Ansich­ten seines srühern Herrn teilte.

Die wenigen harten und strengen Worte, welche Marville sogleich an ihn richtete, benahmen Mm- cel dem: auch jeden .Zweifel.

Er könnte unter diesen Umständen kaum daran denken, den Namen Leoniens auch nur zu nennen; denn er mufete sich sagen, daß Herr Marville ihm die Hand seiner Tochter nicht geben werde.

Tie tiefste Niedergeschlagenheit und die bit­terste Verzweiflung im Herzen wankte Marcel zum Hanse Marville's hinaus; in ganz Orleans war seines Bleibens nicht mehr, dies hatte er bereits erfahren. Wohin sollte er seine Schritte lenken?

Nach langem Hin- und Herüberlegen entschloß er sich, nach Paris zu gehen, um sich dort nach einer neuen Stellung umzusehen. Ganze Stunden irrte er hier aus dem Pflaster der großen Stadt umher, aber all' seine Bemühungen und Versuche waren ohne Erfolg, eine mehr oder weniger höfliche Ab­lehnung ivar überall die nämliche Antwort.

Die kleine Summe Geld, welche er in seinem Besitze hatte, schmolz immer mehr zusammen. Er mußte möglichst bald irgend eine Arbeit oder Beschäftigung erhalten, wenn er nicht Hungers kerben wollte.

Anfangs kam ihm der Gedanke, sich als Soldat anwerben zu lassen; mit Schrecken dachte er an diesen Plan, der mit einer Verzichtleistung auf eine Braut gleichbedeutend ivar. Und doch blieb ihm nichts anderes übrig, wollte er nicht zu der ungewohnten Arbeit mit Hacke und Spaten greifen. -

Mehrere Tage ivar er unschlüssig, was er tun bllte; endlich faßte er einen Entschluß und machte ich zunächst daran, sich die Papiere zu verschaffen, welcher er bedurfte, und unterzeichnete alsdann den Vertrag, durch ivelchen er sich zum Dienste beim Militär verpflichtete.

Als der Augenblick herannahte, in welchem Marcel den Wasfenrock anziehen sollte, kam ihm