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Rotationsdruck u. Verlag derZuldaerAe- tiendruckerei in Zulda. Zernsprecher Nr. 9.
M 221.
Fulda, Mittwoch, den 27. September 1905.
32. Jahrgang.
Zweites HiLcrtt.
Lin lehrreicher Vorgang.
In Zabrze, einem rein katholischen Orte im schlesischen Landkreise Ratibor, stand seit vielen Jahre« dem Schulhause gegenüber ein großes Kreuz aus Holz, das altersschwach geworden war und vor einiger Zeit vom Sturme umgerissen wurde. Aus freiwilligen Gaben der Ortsbewohner wurde nun an derselben Stelle ein steinernes Kreuz errichtet und die Zivilgemeinde beschloß, die Unterhaltungspflicht dieses neuen Cruzes zu übernehmen. Dieser einstimmig gefaßte Beschluß wurde aber vom Kreisausschuß aufgehoben und für unzulässig erklärt. Dieser Vorgang ist für die Katholiken in ganz Preußen sehr lehrreich.
Das neue Kreuz, dessen Kosten durch freiwillige Beiträge aufgebracht wurden, verdankt dem pietätvollen Andenken und der frommen Gesinnung der katholischen Einwohner seine Existenz. Es ist deshalb wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß etwaige Unterhaltungskosten von der Gemeinde später mitderselbenBereitwilligkeitgetraaen worden wärm wie die Neuanschaffung. Die Versagung der Unterhaltungspflicht erscheint zum mindesten ungerecht: denn wenn es der Gemeinde erlaubt wird, Denkmäler von Nationalhelden oder berühmten Landsleuten zu unterhalten, für die sich nicht selten nur ein kleiner Teil der Bürgerschaft begeistert, dann begreift man nicht, weshalb das Denttnal des Gekreuzigten, das von der ganzen Gemeinde ohne Ausnahme aufs höchste verehrt wird, nicht dieselbe Fürsorge genießen soll.
Woher kommt nun der Beschluß des Kreis- ausschusfeS? Weil seine Mitglieder die Gefühle der katholischen Einwohner nicht zu würdigen verstehen. Wäre der Kreisausschuß entsprechend dem Konfessions- Verhältnis des Kreises zu neun Zehnteln katholisch, dann würde wohl der Beschluß ganz anders ausgefallen sein. Daraus mögen die Katholiken von neuem lernen, sich a uch mehr um die Wahlen zu den kommunalen Selbstverwaltungskörpern zu bekümmern, insbesondere um die Wahlen zum Bürgermeistereirat, Kreistag, Kreisausschuß, Bezirksausschuß 2c; Hier herrscht leider unter den Katholiken nicht nur eine große Teilnahm- losigkelt, sondern eine noch größere Unken«t- n i s. Die Folge davon ist, daß von den mit den Wahlen vertrauten, vielfach protestantischen oder doch liberalen Personen nur Männer ihrer Gesinnung oder Konfession vorgeschlagen und infolge der geringen Wahlbeteiligung auch gewählt werden. In konfessionell gemischten Kreisen weiß man gewöhnlich die Katholiken so zurückzuhalten, daß bisweilen niemand in dem betreffenden Kreisausschuß ist, der über katholische Angelegenheiten den nötigen Aufschluß geben könnte.
Hier müßte der Volksverein aufklärend wirken und es müßte von der Leitung des Volksvereins immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, daß man in den regelmäßigen Versammlungen mehr die Aufklärung der Mit- gliever über die bürgerlichen Wahlen betreiben möge. Es brauchen nicht immer großangelegte hochpolitische oder strengpolitische oder tiefreligiöse Themata genommen zu werden. Man stelle sich einmal die Aufgabe, feine Leute in einem gewiffen Zeitraum über die Wichtigkeit, Zusammensetzung, Aufgaben des Bürgermeistereirates, Kreis- und Bezirksausschusses unb bergt aufzuklären, und man wird nicht bloß reichen Sioff, sondern auch bereitwillige Redner und aufmerksame Zuhörer für diese Versammlungen finden. Bedenkt man, daß meistens die untern Ausschüsse maßgebend sind für die ober«, und daß von diesen wichtige Verwaltungsbeamte oder Verwaltungsinstanzen gewählt werden, dann wird man das Volk auch bald zu einer regeren Beteiligung an den entsprechenden Wahlen bringen können. Fälle, wie der im Kreise Ratibor, zeigen deutlich, daß nach dieser Richtung in den Volksvereinsversammlungen noch viel getan werden muß, sollen die Katholiken sich nicht noch mehr aus den Gemeindeverwaltungen zurückdrängen lasten.
Vibettenntrm im Mittelalter.
93on Luther stammt der Ausspruch: „Die Biblia mat im Papsttum den Leuten unbekannt." Dieser Spruch hat sich im Laufe der Zeiten verdichtet zu dem in der protestantischen Polemik so fleißig kolportierten Märlein, daß der Reformator erst die Bibel unter der Bank hervorgezogen habe. Der leitende Gedanke einer im Jahre 1721 von dem Magister der freien Künste, Bernhard Winckler in Wittenberg herausgegebenen Schrift Barbari es medii aevii in contemptu 8. Scriptnrae conspicua (Barbarentum des Mittelalters ersichtlich an der Verachtung der hl. Schrift) ist in diesen Kreisen heute noch sehr geläufig.
Und doch ist es heute eine ausgemachte Sache, daß es sich bei dieser Darstellung eben um ein ptärlein handelt, dem jede Unterlage fehlt. Wenn fm Jahre 1855 der Hamburger Pastor Geffcken tn feinem Bilderkatechismus mit Bezug auf
Luthers Urteil schrieb, „die Erfahrungen, die ein armer Bettelmönch macht, sind noch lange nicht geeignet, den Bildungsstand des deutschen Volkes zu bezeichnen," so gibt man heute offen zu, daß der Reformator in seinen Angabm über die Vergangenheit recht unzuverlässig ist. Auch die protestantische Forschung sieht sich zu der Erkenntnis gezwungen, „daß, was die äußere Kenntnis der Bibel betrifft, sie beim Beginne der Reformation nicht unter der Bank gelegen hat" (Köhler, Katholizismus und Reformation. Gießen 1905. S. 13).
Daß vielmehr die Bibel sehr wohl bekannt, bei Klerus und Laien weit verbreitet war, zeigt eben der verdiente Bibelforscher Franz Falk- Mainz in seiner als Vereinsschrift der Görres- gesellschaft herausgegebenen Untersuchung „Die Bibel am Ausgang des Mittelalters, ihre Kenntnis und ihre Verbreitung". Es möge genügen, eine einzige Schrift deS Mittelalters zu nennen.
Im Jahre 1386 schrieb der Franziskanerbruder Otto von Passau, Lesemeister zu Basel, ein in der Folge sehr beliebt gewordenes Lehr-und Erbauungsbuch mit dem Titel: „Die 24 Alten, wie solche den Thron Gottes umgeben." In diesem Buch handelt das ganze 14. Kapitel von der hl. Schrift und es heißt da in der Sprache des Mittelalters:
„Der vierzehnt Alt lehret dich die heilige, göttliche Geschrist und Kunst und von ihrem Ruhm, und wie man ihr folgen soll, was sie großes Slutzes schafft. Ich rat dir auch mit allem Fleiß, daß du die Geschrist der alten und neuen Ee (das heißt altes und neues Testament) dick und vll mit Andacht und mit Ernst lesen solst, sei es in teutsch oder in latin, ob du latin verstandest, und der heiligen Lehrer Lehr solst du wol be- haUen und sie inniglich zu Herz legen und sie endlich unb ernstlich wirken" (bei Falk a. a. O. 20).
Das Buch erlebte zahlreiche Auflagen und eine wette Verbreitung in Handschriften und Drucken, noch am Ende des Mittelalters in der Zett von 1470-1508 nicht weniger als 121 und zwar in allen Teilen des alten deutschen Reiches von Hartem und Utrecht bis Straßburg und Augsburg. Dazu kursierten noch zahlreiche andere Bücher, welche ebenfalls nachdrückliche Mahnungen zum Lesen der hl. Schrift enthalten.
Daß die neu erfundene Buchbrnckerkunst sich alsbald auf die hl. Schrift geworfen, ist oft genug gezeigt worden. Das Verzeichnis aller Bibeldrucke von 1450—1520 in lateinischer und außer- lateinischer Sprache chronologisch nach den Druckjahren geordnet, welches Falk als Anhang zu seiner Schrift beigegeben, zählt 234 Nummern, darunter 17 deutsche. Mit feinem Spotte bemerkt Falk am Schluffe seiner Aufzählung:
„Vorstehendes Verzeichnis tut dar, wie ehemals die von der Kirche gehüteten heiligen Bücher in ihrer maffenhasten Herstellung und Verbreitung einem breiten Strome gleich die Christenheit durchflossen —eine wahre nnbes testium (Wolke vom Zeugen). Daß die Bibel in der Stube eines jeden Kohlenbrenners im Thüringer Walde auflag, das kann ich allerdings nicht belegen. Vielleicht wagt eine gewiss« Hyperkritik einen solchen Beweis zu fordern" (S. 97).
Ein richtiges Urteil über die Verbreitung und Kenntnis der Bibel wird aber erst dadurch möglich, daß man untersucht, für welche Gesellschaftsgruppen der Besitz und die Kenntnis der Bibel sich nachweisen lassen, wie das Falk in Abschnitt VII, S. 33-66 tut.
Da begegnen uns Fürsten und Fürstinnen, Prälaten und Pfarrgeistlichkeit, Korporationsbüchereien von Vikaren, Mönchs- und Nonnenklöster, was aber besonders zu betonen ist, die Bürgerschaft, also das Boten- element, und zwar nicht blos in Deutschland, sondern ebenso in Italien und Spanien. Ungemein charakteristisch ist eine Stelle in den Predigten Barletta's, weil diese einen Blick gestattet in italienische Verhältnisse. Die Predigt auf Pfinastdienstag eifert gegen jene, welche der Predigt ferne bleibe», weil sie, rote sie sagen, zu Hause Predigtbücher haben, auch die Bibel, aus denen sie alles wiffen, was der Prediger sagett will Falk a. a. O. 53).
Wer da noch behaupten will, dem Volke sei die Bibel unbekannt gewesen, der weiß nicht, was er sagt, weiß überhaupt nicht, welche um- saffende Verwendung die Bibel in Predigt und Volksunterricht gefunden hat. Damit ist auch jene billige und ebenso haltlose Ausrede, welche vorzubringen selbst Köhler kein Bedenken trägt, es handle sich doch nur um eine „äußere" Kenntnis der Bibel, abgetan.
Von derselben horrenden Unkenntnis zeugt der Hinweis darauf, daß die Bibeln aber doch an Ketten befestigt gewesen seien. Das ist allerdings richtig, daß in den Bibliotheken damals und noch später bis lief ins 16. Jahrhundert die Bucher und nicht blos die Bibeln an Kettchen befestigt waren, aber das geschah, damit sie nicht — gestohlen wurden, wie man solche Vorsichtsmaßregeln auch bei der Düsseldorfer Gewerbeausstellung 1902 sehen konnte.
Daß es sich um eine ganz allgemeine Praxis im mittelalterlichen Bibliothekwesen handelte, dafür nur ein Beispiel. Philipp der Großmütige, welcher die Marburger Hochschule in die Höhe bringen wollte, bestimmte im Jahre 1558:
„Wir Philipp v. G. ®. Landgrave zu Hessen.... tun kund hiermit, daß wir befunden, daß an unserer Universität Marpurgk eine Bibliothek hoch von Noten sei. Wir haben daher verordnet, daß aus der Kirche am Cogelhause eine Bibliothek gemacht werde und daß jährlich vor 100 Gulde Bücher gekauft, in gemelte Kirchen ordenllich an Kettlein angeschagen werden . . . . Ist demnach unser Befehl, dem Rat Oldencop 100 G. zu geben, Bücher zu kaufen, die- selbigen wie berührt . . . ordentlich an Kett- kein anschlageu zu lassen. Cassel, 23. Januar 1558" (a. a. O. 75)
Das alles zeigt zur Genüge, wie die An klagen, die man gegen die katholische Kirche schleudert, als habe sie dem Volke die Kenntnis der Bibel vorenthalten und habe es erst der Reformation bedurft, um hierin Wandel zu schaffen, in der Lust hängen.
Rrmö um die Welt zu zuß.
Eine recht sonderbare Wette ging der junge Amerikaner George H. Schilling ein. Er verpflichtete sich, von New-Iork in einem Papieranzug, keinen Pfennig in der Tasche, abzumarschieren, in sieben Jahren um die Welt zu wandern und außerdem auf seinem Wege eine Gattin zu finden. Seine Wette hat er nun freilich verloren, doch lag das nur daran, daß er, durch manch widrige Hemmnisse aufgehalten, sich ein wenig verspätete und etwas länger als sieben Jahre ausblieb. Die Hauptbedingungen hat er glücklich erfüllt: die Wanderung um die Welt beendet und in Hüll auch eine hübsche, junge Dame für die weitere Lebensreise als seine Gattin an sich gefesselt. In einem ganz aus Zeitungspapier bestehenden Anzug verließ er Ncw- Iork und erwarb sich auf der Reise Geld zum Unterhalt durch Borträge, die er über seine Wanderungen hielt, und durch den Verkauf feiner eigenen Photographieen. Der Weltwanderer ist ein kräftiger, breitschulteriger Manu mit offenen, gewinnenden Gesichtszügen. Ein starker Wille und eine zähe Energie sind in seinem Wesen mit heiterem Lebensmut gemischt. Durch einen Uuglückssall hatte er einige Jahre, bevor er seinen Marsch ontrat, seinen linken Arm verloren. Von seinen Reisen und einigen der schlimmsten Abenteuer, die ihm dabei zugestoßeit, erzählt er selbst in The Wide World viel Interessantes: „Von New-Iork ging ich quer durch die Vereinigten Staaten bis Vancouver, wobei ich über 1000 Meilen des Weges durch Schnee marschieren mußte; von da fuhr ich zu Schiff nach Australien, wandte mich von Melbourne durch Tasmanien und Neu-Seeland und wanderte bann durch die Wüste von Südaustralien. Hier hatte ich mein erstes ernstliches Abenteuer zu bestehen. Es war im Februar 1899 und eine fast unerträgliche Hitze herrschte. Ich hatte mich daran gewöhnt, stets auf meinen Wanderungen mir ein bestimmtes Ziel zu bestimmen und in möglichst regelmäßigen Märschen mich fortzube- wegcn. Hier in der Wüste hielt ich mich streng an die Telegraphenanlagen, die in der weiten toten Einöde meinen einzigen Wegweiser bildeten. Ich hatte dabei auch den Vorteil, daß ich an kleinen Wasserbehältern vorbeikam, die immer in einer Entfernung von 50 Meilen für die Telegraphenarbeiter hier aufgestellt waren. Ich hatte mich mit Proviant für die etwa 1000 Meilen, die ich zurücklegen mußte, auch mit einer Reisedecke notdürftig versehen und machte mich mit meinem treuen Hunde Jack auf den Weg. In der eintönigen Wildnis, in der nur selten die milchig-weiße Fläche des Salzsees oder das dunkle Grün kleiner Gebüsche auftauchte, wanderte ich nun durch die glühende Hitze; um mich her felsige Dürre, über mir kein Laut außer dem Krächzen eines Raubvogels. Kein Tropfen Regen fiel, das Wasser, das ich fand, war salzig, nicht genießbar. Eintönig hallten die Schritte meiner eigenen Füße wider und hämmerten mir wie eine verlKngnisvolle Todesmelodie im Ohr. Die tiefe Stille, die entsetzliche Einsamkeit legte sich wie eine trübe Wolke um mich; ich versuchte mit meinem treuen Hunde zu plaudern, doch meine Worte klangen mir selbst seltsam und unheimlich; der Gedanke marterte mich, daß ich nun mein Ziel nicht erreichen würde; doch dagegen erhob sich mein innerstes Empfinden, und mit einer wahren Wut strebte ich bann vorwärts. Vor mir dehnte sich stets die gleiche endlose Weite, die Sonne schien mit derselben erbarmungslos strahlenden Helle und die Telegraphendrähte ließen ein leises melodisches Summen hören, wenn ein seltener Wind sie bewegte. Des Nachts, wenn an Stelle der Tageshitze eine empfindliche Kühle trat, ließ ich mich an einer Telegraphenstange nieder und empfand die andringenden kälteren Luftwellen als stärkendes Labsal. Das ging so fast sechs Wochen hindurch, während ich unter kein Dach kam unb nicht mit Menschen sprach. Itttterbessen würbe mein Proviant immer geringer, auch mein Vorrat an Wasser nahm ab. Ich mußte die Rationen für den Tag schmälern; auch mein Hund bekam immer weniger, das schwächte uns beide sehr, und mich peinigte noch die Sorge, ob ich überhaupt noch lebend menschliche Behausungen wieder erreichen würde. Schließlich beschrankte ich mein Essen unb Trinken auf das Mindestmaß, und doch kam endlich ein Tag, an dem ich nichts mehr hatte, hxifjrenb nach meiner Berechnung die nächste Ansiedlung noch 50—60 Meilen entfernt war. Meine Zunge klebt am Gaumen, mein treuer Jack lechzt berburftenb hinter mir her. Da auf einmal sehe ich an einer der Telegraphenstangen einen Wasserbehälter; ich stürze mit klopfendem Herzen auf ihn; er ist leer. Hoffnungslos, stumpf starrte ich vor mich hin, da kam mir eine neue Idee. Wie, wenn ich die Telegraphenleitung zerstörte, würden dann nicht Leute kommen, sie wieder in stand zu setzen? Schon war ich bei
der Arbeit. Ermattet wie ich war, schleppte ich mühsam einige Steine herbei, kletterte die Stange herauf und riß den Draht durch, dann sank ich kraftlos hin. Eine lange Nacht und einen ganzen Tag verbrachte ich so, in unsäglicher Spannung, zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankend. Da sah ich endlich am Abend zwei Arbeiter näher kommen; es waren Telegraphenarbeiter, die mich zunächst grimmig anfuhren, aber als sie meinen Zustand sahen, mir und meinem Hunde zu essen und zu trinken gaben und mich so retteten ... Ich ging über Ceylon nach Indien, wo ich von der Malaria ergriffen wurde, dann nach Kalkutta, wanderte durch Siam, durch die Mandschurei und kam während des Boxeraufstandes nach China. Nahe bei Tsuni-soo wurde ich von einer Bande von Boxern überfallen, die mit langen Bambusstäben so lange auf mich einhieben, bis ich besinnungslos liegen blieb. Als ich wieder zu mir kam, war es fast dunkel. Ich fühlte mich furchtbar elend, war von Beulen und Striemen übersät, doch alle Glieder waren heil. Mein Revolver, mein Geld, selbst mein Hut und mein Stock waren mir geraubt." Ein englischer Missionar fand ihn dann auf und nahm sich seiner an. Er verließ jedoch schleunigst China unb kam erst wieder zurück, als die Unruhen sich gelegt hatten. Darauf ging er auch nach Japan. Im Kapland war er während des Burenkrieges und hatte manche Gefahren dadurch zu bestehen. In Egypten erkrankte er an der Cholera, und auf dem Balkan wurde er von türkischen Soldaten gefangen genommen, konnte sich jedoch ihnen durch eine gefahrvolle Flucht entziehen. Ueberall, wo Schilling hin kam, ließ er sich seine Ankunft vom amerikanischen.Konsul bestätigen, wodurch er viel Zeit verlor. Von Konstantinopel kam er dann über Tuns, Gibraltar, Frankreich unb Deutschland, wo er in Berlin zwei Monate krank lag, nach England und Irland und beendete dort seine „Fußtour um die Welt".
vermischtes.
* Kleine Nachrichten. Fiume. In der Maschinen- und Schiffsreparaturfabrik von Lazarn brach Feuer aus, wodurch die Fabrik vollständig niederbrannte. Das Feuer soll durch Entzündung von Putzflachs entstanden sein. Ein Feuerwehrmann wurde schwer verletzt. — Konstantinopel. Der Sultan spendete für die Opfer des Erdbebens in Kalabrien 1000 Pfund. — Dr. Th. I. Bernardo, der Schöpfer zahlreicher pädagogischer Wohlfahrtsanstalten, ist hier gestorben. — Ein Denkmal ans massivem Silber und Marmor will Sennor Pedro Alvarada auf dem Grabe seiner Frau errichten. Alvarada ist in wenigen Jahren aus ärmlichen Verhältnissen der reichste Mann Mexikos geworden, und zwar durch die Ausbeutung der Palmilla-Mine, die außerordentlich reich an Gold und Silber fft. Zwei Tonnen Silber werden zu dem Denkmal gebraucht werden. — W ie n. In derGablenzstraße brach in der Celluloidwarenfabrik der Gebr. Seiler infolge Explosion ein großer Brand aus, wobei zwei Arbeiter verbräunten und neun verletzt wurden. — Vom Suezkanal. Der Dampfer Chatham, der im Suezkanal gesunken ist, wird gesprengt werden. Man befürchtet, daß der Kanal für 14 Tage durch Wrackteile gesperrt sein wird. — M.-Gladbach. Eine hier vorgenommene W o h - nungs-Statistik ergab ein auffallend günstiges Bild. Sogar bei Haushaltungen mit z einem Einkommen unter 900 Mark beträgt die Durchschnittszahl der gemieteten Zimmer 3,06; diese Zahl steigt bann bis 9,43 bei vausbaltungen mit mehr als 15 000 Mark Einkommen. Der Durchschnitts-Atietszins beträgt 247 Mark, bei Familien mit weniger als 900 Mark Einkommen 177 Mark.
* lieber merkwürdige Schönheitsideale plaudert ein englisches Blatt. In jedem Lande der Welt hat man ein anderes Schönheitsideal. Die iapa- nischen Frauen gelten als lieblich mit vergoldeten Zähnen, in Indien zieht man rot gefärbte Zähne vor. In Grönland färben die Frauen ihre Gesichter mit blauen und gelben Farbstoffen, und das hübscheste moskowitische Mädchen muß feine frische Haut mit grober roter Tünche beschmieren., wenn es bewundert fein will. Die Chinesinnen müssen bekanntlich einen kleinen Fuß haben und unterwerfen sich um dieses Ideals willen der Marter furchtbarer Versttimmeluugen. In Persien ist eine Adlernase ein wesentlicher Bestandteil der männlichen und werblichen Schönheit, und in einer Familie mit mehreren Söhnen ist die Fornr der Aase für die Wahl des Thronfolgers öfter entscheidend gewesen. Rotes Haar ist in Persien, etwas Schreckliches, es wird immer gefärbt. In der Türkei dagegerr gilt rotes Haar als eine Schönheit und die Frauen brauchen reichlich Henna, um die Farbe ihrer von Natur rabenschwarzen Locken zu ändern. Irr einigen Ländern drücken die Mütter die Naien ihrer Töchter ein, um sie anziehend zu machen, und in anderen Ländern legt man die Köpfe der Neugeborenen zwischen Bretter, damit sie länger ober viereckiger werden. In China, wo die meisten Augen schmal und lang sind, wird ein schmales rundes Auge für besonders schön gehalten. Die chinesischen Mädchen reißen ihre Augenbrauen aus, um sehr schön zu fern. Die Türkinnen bemalen ihre Augenbrauen mit Gold was besonders abends sehr seltsam wirkt. . .
♦ Der Redaktionslöwe. Clarence Wolff, der Herausgeber einer in Nero-Harmony Jndiania, erscheinenden Zeitung, kaufte — so berichtet der,Nero-Iork Herold" —